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Das Marmorpalais im Neuen Garten zu Potsdam

Full text: Das Marmorpalais im Neuen Garten zu Potsdam

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dann noch von dem gro�en Schaden, den der bereits erw�hnte kalte Winter von J7^O in den Weinbergen angerichtet
habe; �wie aber die Jahre W8 > 50, 53, 65, 62, 67, 75, 83, die daran gewandten Rosten der (Eigent�mer nach
dem gro�en Winter nicht unbelohnt gelassen haben." In bezug au f die Begeiferung Gerlachs f�r das heimische
Gew�chs ist man aber versucht, das bekannte ?ie� von A�hn �ber den schleichen wein dahin zu variieren, da�:
�Doch mehr zu trinken solch' sauern wein, m��t' ich ein Zeborner Potsdamer sein."
Die im Todesjahre Friedrichs des Gro�en, 4786, erschienene Karte Nicolais von Potsdam und Unigegend
(vgl. die Abbildung Seite 37) gew�hrt uns ein diesen Schilderungen Gerlachs entsprechendes VUd van dem Terrain am
Heiligen See und seiner Umgebung, und entspricht den bei der Gr�ndung des Neuen Gartens durch K�nig
Friedrich-Wilhelm II. obwaltenden Verh�ltnissen. Die ganzen �Weinbergst�cken" von \683 sind in gr��ere und
kleinere G�rten verwandelt und tragen die Namen �Unterweinberge", in ihren Grenzlinien ungef�hr dem Neuen
Garten entsprechend. Vie an den Abh�ngen des Judenberges (^683 Eichberg, heute psingstberg genannt) liegenden
Weinberge hei�en die �Gberweinberge". In jedem der zahlreichen Gartengrundst�cke lag ein Haus, und es mu�
im Sommer hier vor den (Toren der Stadt ein fr�hliches l�ndliches 3eben geherrscht haben. Eigentliche gr��ere
Schmuckanlagen l��t die im Ma�st�be sehr kleine Karte nur in einem an der Nlitte des Heiligen Sees belogenen
Garten, dem Punscheischen, auf den wir noch zur�ckkommen werden, erkennen, sowie in dem am Ende des Sees
belegenen Garten des Majors von G�tze und dem gro�en neben und hinter dem heutigen Gr�nen Hause bis zum
Jungfernsee sich erstreckenden Garten des Nildhauers und Aunsttischlers Aambly. Die schmale kandzunge bis zum
Hasengraben bestand noch aus Ackerfeldern, wahrend sich von der Stelle, wo heute die Grotte liegt, bis zur ZHeierei,
ein W�ldchen, die Hasenheide genannt, ausdehnte. Heber den Heiligen See hin�ber war die Aussicht sehr wenig
beschr�nkt, da nur am s�dlichen Ende �artenanlagen sich befanden, sonst freies Feld, belebt durch eine ganze Anzahl
von Windm�hlen, sich ausdehnte, deren letzte erst in unseren Tagen abgebrochen worden sind. Die Zufahrtsstra�en
zu dieser Kolonie waren einerseits von: Naucner Tore her die heutige, im Zuge der Albrechtstra�e weiterlaufende
Eisenhardtstra�e, und der von der Vehlertsbr�cke herkommende, dem Zuge der heutigen Schulstra�e folgende, auf die
Nedlitzer Chaussee zulaufende Weg, die, abgesehen von einer noch zu erw�hnenden Aenderung, das sp�tere Terrain
des Neuen Gartens nach Westen und Nordwesten begrenzten.
In der zweiten H�lfte des begann der franzosische Geschmack in den Gartenanlagen mit
taubcng�ngen und verschnittenen Hecken, mit den im Geb�sche aufgestellten Alarmorfiguren , den Einblicken in ver-
steckte Grotten, wie Friedrich der Gro�e ihn bei der Anlage von Sanssouci noch angewandt hatte, dem englischen
Geschmacke, der freie gro�e Rasenpl�tze und Vaumgrupven mit Durch- und Fernsichten sowie geschl�ngelten wegen
lieble, die zu Einsiedeleien und Tceh�uschcn, oder zu einem sch�nen Aussichtspunkte f�hrten, zu weichen. Als Thron-
folger hatte Friedrich-Wilhelm (II.) keine Gelegenheit, seine modernen Auffassungen denen seines regierenden Onkels
gegen�ber Ausdruck zu geben, und so wurde der park von Sanssouci nur in seinen Au�enpartien von der neuen
Mode ber�hrt. Der alternde Friedrich hatte keine Neigung mehr an den Sch�pfungen seiner jungen Jahre zu �ndern
und zu bessern, kaum da� er daf�r sorgte, da� sie nicht in Verfall gerieten. In aller Stille hatte Friedrich-Wilhelm
aber am Heiligen See bereits im Jahre 4 785 den punschelschen Weinberg erworben, dessen dicht am waffer an der
Stelle des Marmorpalais gelegenes Landhaus mit einem gro�en Saale die Potsdamer Offiziere oft f�r Festlichkeiten
zu mieten pflegten. Dem Thronfolger hatte die freie sch�ne Aussicht �ber den Heiligen See und die gegen�berliegenden
Felder mit ihren lustigen Windm�hlen hinweg nach den H�hen des Vaberow (Vabelsberg), dessen Auppe ebenfalls
von einer Windm�hle gekr�nt war, und weiter n�rdlich �ber die damals durch keine V�ume versteckte Fl�che des
Jungfernsees nach den Glienicker Sergen und nach Sakrow hin�ber sehr gefallen. Aus den Rechnungen �ber den
Abbruch dieses Landhauses k�nnen wir uns ein ungef�hres Vild von seinem Aussehen machen, denn es wird darin
geschildert als ein massives Wohnhaus von 42 Fu� t�nge, 30 Fu� Vreite von zwei Stockwerken mit Mansarden-
Dach und stehendem Dachstuhl. In beiden Stockwerken zusammen sind 20 Fenster, sowie 9 Stubent�ren und f�r
        
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