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Das Marmorpalais im Neuen Garten zu Potsdam

Full text: Das Marmorpalais im Neuen Garten zu Potsdam

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S�ulen ist bei kanghans sehr beliebt un& wird in einer Beschreibung der Zeit als �englischer Geschmack" bezeichnet.
Auf dein Architrav der S�ulen liegt eine Sphinx vom Bildhauer Wohler, die nach ihrer ersten Fertigstellung �auf
Vefehl des Geheimen Raths ?aua.t)ans ganz im Egivtischen Stiehl umgearbeitet werden" mu�te. Die mehrfach im
Heuen Garten vorkommenden l�nge an die �gyptische Kunst hat man durch Friedrich-Wilhelms II.Beziehungen
zu den Rosenkreuzern und anderen Geheimen Gesellschaften erkl�ren wollen, es ist aber durchaus nicht n�tig, solche
Beziehungen heranzuziehen, denn gerade damals �blen die �gyptischen Vau- und Kunstdenkm�ler den weitgehendsten
Einflu� auf die europ�ische Kunst aus, Aus ihrem Vorhandensein k�nnen wir ebensowenig derartige Schl�sse ziehen,
als wir den Vbelisken und Sphinxen in den Parks von Rheinsberg und Sanssouci eine besondere g�henne Vedeutung
f�r Friedrich den Gro�en beizulegen perm�gen. Im Marmorpalais, bei dem bas eingehende Interesse und die
pers�nliche Mitwirkung Friedrich-Wilhelms in allen Fragen der Dekoration nachweisbar ist, finden wir keinen einzigen
Hinweis auf die �gyptische Kunst, die namentlich infolge der Expedition Napoleons nach Aegypten in der
Empirekunst wahre Triumphe feiern sollte. Im parke dagegen finden wir au�er der Sphinx imEing�nge der Vrangerie
noch einen Obelisken, eine Pyramide, sogar einen heute nicht mehr erhaltenen Kreis von Kanapen. Vas Strenge,
Straffe und Magere in der �gyptischen Kunst machte sie als Vorbild f�r die antikisierende Richtung des touis-XVI.-
und Empirestils zu einer Fundgrube dankbarer Motive. Au�er der erw�hnten Sphinx befinden sich in dem Seiten-
eingange der Orangerie des Neuen Gartens noch zwei �gyptische G�tterfiguren aus schwarzgef�rbtem Sandstein, die
kein Geringerer als Gottfried Schadow modelliert und ausgef�hrt hat, den wir �berhaupt stets in enger Verbindung
mit den Bauten von kanghans findend (Vgl. die Abbildung Seite 65.)
Das neue Grangeriehaus sollte aber nicht nur der Pflanzenkultur dienen, sondern auch gesellschaftlichen
Zwecken, und es wurde daher der Grundri� so entworfen, da� in der Mitte ein gro�er Festsaal liegt, aus dem
T�ren links und rechts in die Vrangeriesale f�hren. Friedrich II. war, wie bekannt, ein eifriger Musik-
freund und spielte felber mit Vorliebe das Violoncell. Als Thronfolger hatte er seine Konzerte in dein alten
Orangeriegeb�ude auf dem Lustgarten abhalten m�ssen, da das von ihm bewohnte Kabinettshaus nicht gen�gend
Raum bot, und diese Erinnerung mag ihn veranla�t haben, auch bei dem Neubau an die Vereinigung eines
Musiksaales mit der Grangerie zu denken. Auf die Ausschm�ckung des Saales wurde gro�er wert gelegt und die
beteiligten K�nstler, kanghans an der Spitze, boten alle ihre Phantasie und ihre Kunst auf um etwas Vesonderes zustande
zu bringen. Der Saal hat f�nf Fenster, von denen das mittelste gleichzeitig als direkte T�r nach dem Garten dient,
und steht auf jeder Schmalseite durch je zwei Glast�ren mit den eigentlichen Vrangerier�umen in Verbindung. Auf
den Pfeilern und in den Ecken des Saales stehen hohe bis an die Decke reichende, von Kambly geschnitzte und farbig
lackierte palmb�ume, an deren St�mmen Konsolen f�r Porzellangef��e befestigt sind. Andere Konsolen sind direkt in
der Voiserie der W�nde angebracht. Die Deckenmalerei von dem Verliner Theatermaler Verona zeigt eine reiche Schein-
architcktur, die sich der Gliederung der W�nde eng anschlie�t und deren Flachen mit �ppigem ornamentalen Rankenwerk
und Medaillons gef�llt sind. Die erhaltene Skizze hierf�r (vgl. die Abbildung Seite 6?) zeigt das �Approuve"Friedrich-
Wilhelms, ein Zeichen, da� auch hier der K�nig an dem Vau innigsten Anteil genommen hat. Die f�r die Konsolen
bestimmten porzellangef��c wurden nach den Entw�rfen des Malers Kimpfel in der K�niglichen Porzellan-Manufaktur
hergestellt und bei Festlichkeiten mit bl�henden Topfpflanzen bestellt. Auf einer farbigen Skizze hierf�r wird uns diese
Art der Verwendung gezeigt. Der Veleuchtung dienen �rei sch�ne gro�e Kronleuchter mit KristaUbeh�ngen und
au�erdem waren gr�ne kamven vorhanden, vor die Ananasfr�chten gleichende, aus transparenter Seide gefertigte
Schirme gesetzt wurden. Durch diese Dekoration der Palmb�ume, der Porzellangef��e mit bl�henden Vlumen sowie
der leuchtenden Ananasfr�chte wurde in origineller Weise der Vedeutung des Hauses als Pflanzenhaus Rechnung
getragen, und f�r die links und rechts liegenden Grangeries�le ein wunderbarer Mittelpunkt geschaffen. Eigenartig
wie die ganze Anlage ist auch die Heizung des Raumes, indem die Figuren einer antiken Flora und einer
1 Seine Rechnung vom 30. September 1792 berechnet 300 Calcr f�r jede dieser Figuren.
        
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