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Das Marmorpalais im Neuen Garten zu Potsdam

Full text: Das Marmorpalais im Neuen Garten zu Potsdam

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von etwas unendlich Sautent wird ihm Rachen und Aehle zusammenziehen. Aber so schlimm ist die Sache nach
allen �berlieferungen doch nicht gewesen, und der �Potsdamer" hat eine Zeit gehabt, wo er sich eines weit-
reichenden guten Hufes erfreute.
Die Anlage von Weinbergen in der Mark wird> nachdem der Weinbau in Norddeutschland zum Teil gleich-
zeitig mit dem Christentum bekannt geworden war, auf Albrecht den Baren zur�ckgef�hrt und gelangte bald zu gro�er
Ausdehnung, namentlich da die Geistlichkeit und die Ritterorden diese Aultur sehr bef�rderten. Auch die Hohenzollern
brachten aus ihrer Heimat die Aenntnis des Weinbaues mit und bef�rderten die Anpstanzung fr�nkischer Reben.
Dabei handelte es sich nicht nur um eine Art von Volksgetr�nk, sondern auch an den tafeln der F�rsten spielte das
eigene Gew�chs eine bedeutende Rolle. Unter Joachim l. wurde der erste kurf�rstliche Weinberg inPotsdam angelegt
und zwar vor der tangen Br�cke am Vmuhausberge, wo er zuerst erw�hnt bis zum Jahre noch nach-
weisbar ist und bei vier Morgen Umfang in gew�hnlichen Jahren 20 Tonnen Wein einbrachte. Auch unter
Joachim II. und namentlich Johann-Georg, der im Jahre eine sehr eingehende und wohl durchdachte Wein-
meisterordnung erlie�, gelangte der Potsdamer Weinbau zu gro�er Bl�te. Welche Bedeutung dieses Getr�nk damals
hatte, geht unter anderem daraus hervor, da� bei der Huldigung des Aurf�rsten Joachim-Friedrich a�n M�rz 5598
f�r 9^ Taler 2 Groschen Rheinweine, aber f�r Taler 9 Groschen M�rkische weine an der kurf�rstlichen Tafel
getrunken wurden. Einen besonderen Aufschwung erfuhr der Potsdamer Weinbau wieder unter dem Gro�en Aurf�rsten,
der das Stadtschlo� neu erbaute und alle seine Besitzungen in eigene Verwaltung nahm. Die bereits bestehenden
Weinberge in Bornim und Aaput wurden erweitert und verbessert, und neue Anlagen gemacht bei Geltow, Golm,
am Brauhausberge, bei der Pirschheide, Vornst�dt, Neu-kangerwisch, G�tergotz, Saarmund. Nach glaubw�rdigen
Nachrichten wurden im Jahre von allen auf der InfelPotsdam belogenen kurf�rstlichen Weinbergen 8H8 Tonnen
wein gekellert. Auch unter seinen Nachfolgern, namentlich unter A�nig Friedrich-Wilhelm I. wurde der Potsdamer
Weinbau eifrig gepstegt und erst der sehr harte Winter von 1?H0 hat durch Verfriercn der Reben derartigen Schaden
verursacht, da� die Rulturen sich nie wieder ganz davon erholen konnten, und die Weinberge nach und nach ganz
eingingen. Aber noch Friedrich der Gro�e legte eine Reihe von neuen Weinbergen an, vor allen Dingen Sanssouci,
das noch jahrelang nach der Erbauung des Schlosses auf der H�he als der Weinberg, ,.!2 vi^ne". des A�mgs auch
von ihm selber bezeichnet wurde. Allerdings war es Friedrich dabei nicht mehr um die RcllerunZ, sondern nur
uni die Gewinnung von Tafeltrauben zu tun. Im Jahre waren in Potsdam noch elf k�nigliche und
drei�ig b�rgerliche Weing�rten vorhanden, deren Erzeugnis weit versandt wurde.
Die Weing�rten am Heiligen See waren ausschlie�lich b�rgerlicher Besitz und erstreckten sich sowohl �ber das
ebene Terrain des heutigen Neuen Gartens, wie die Abh�nge des heutigen pfingstberges, Eichberg genannt,
hinauf. Ueber ihre erste Anlage sind keine Nachrichten erhalten, die klarte Potsdams und Umgegend von Suchodoletz
aus dem Jahre svgl. die umstehende Abbildg.), l��t aber in jener Zeit eine ganze Anzahl von Weing�rten erkennen,
deren Anlage in der Zeit weit zur�ckliegen mu�. Ein gro�es Gebiet in dem nach der Behlertsbr�cke zu gelegenen
Teile des sp�teren Neuen Gartens ist als Weinberg in der Aarte kenntlich gemacht und wird als ..^.pteekers ?se5.",
d. h. Apothekers weinpresse, bezeichnet. Die drei Weing�rten von Glaser, Rucket und Schmie� erstreckten sich auf
deni Gebiete zwischen Marmorpalais und Roten Hause vom Ufer des Sees bis fast an die Albrechtstra�e. Vicht vor
der Meierei lag Wartenbergs Weinberg, und eine ganze Anzahl lag an den Abh�ngen des pfmgstbergcs, damals
Eichberg genannt und an der heutigen Bertinistra�e. Die zwischen den Weinbergen liegenden Aecker wurden
�Weinbergst�cke" genannt und verwandelten sich im taufe der n�chsten hundert Jahre gleichfalls in wein- und
Obstg�rten, in denen die wohlhabenden B�rger Potsdams H�user erbauten, wo sie den ganzen Sommer verleben
konnten. Durch den Hasengraben wurde unter Friedrich-Wilhelm I. der Heilige See in Verbindung mit
der Havel gebracht und auf dem durch den witam, bis vor kurzem Stieffche wiesen genannten Terrain, gelegten
Aanal konnte man vom HMgen See bis in das Bassin gelangen, das 5 683 noch Claussee genannt wurde, unter
Friedrich dem Gro�en aber zugesch�ttet und zu einem festen Platz geworden ist.
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