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Das Marmorpalais im Neuen Garten zu Potsdam

Full text: Das Marmorpalais im Neuen Garten zu Potsdam

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die wei�e Tegel wie M�ven dahinfliegen! Nein, er ist auch sch�n, wenn der Sturmwind ihn durchbraust, und die
alten B�ume sich �chzend niederbeugen, wenn �ber der Fl�che seiner Seen die schwarze Gewitterwand emporsteigt,
und in den N�chten die Vlitze das ganze Firmament in ein immer wiederkehrende? gespenstisches keuchten versetzen,
wenn der krachende Donner sich mit dem Hausen des Sturmes mischt und der Blitz die alten Vaumriesen splitternd
herniedcrschmettert. Sch�n ist er auch, wenn nach dem Aufruhr der Natur der Friede wieder eingekehrt ist, wenn
in seinen heimlichen wegen der Mond phantastisch und doch so vertraulich durch die,B�ume schimmert, und die Fl�che
des Sees mit seinem Achte versilbert. Ja, der Garten ist sogar sch�n, wenn der Regen Stunde f�r Stunde von den
Bl�ttern rieselt und auf der dann scheinbar endlosen Fl�che des Sees in Millionen Tropfen aufspringt und zerspr�ht
und ein eigenartig klingendes Rauschen ert�nen l��t, bei dessen Musik es sich so herrlich tr�umen und fabulieren l��t.
Vann kann man sich in der Einsamkeit des Parkes hundert Meilen von Berlin fortdenken, und nur der lichte Wider-
schein ihrer Millionen von Achtern im tr�ben wolkenfchleier des Nordostens gemahnt an solchen Abenden und
N�chten an die nahe Gro�stadt. Und im herbst bietet der park wieder ein neues Bild, wenn die Farben der Bl�tter
vom zartesten Gelb bis zum feurigsten Rot sich mischen, und die zarten F�den des Altweibersommers durch die t�fte
schweben. Dann zieht der Winter mit Schnee und Eis den B�umen und V�schen ein eigenes Festgewand an, und
auf der gl�nzenden Fl�che des Heiligen Sees sammeln sich fr�hliche Menschenscharen, dankbar f�r den Schutz, den ihnen
die hohen Nfer des Neuen Gartens gew�hren.
Diese eben angedeuteten Sch�nheiten liegen durch die Gnade des kaiserlichen Besitzers f�r einen jeden frei und
offen da; um sie zu genie�en und zu verstehen, dazu geh�rt nur ein f�r die Gaben der Natur in allen ihren Einzel-
erscheinungen offener Sinn und ein fr�hliches Herz, dem der Schlag der Nachtigall und der s��e Schmelz im Ges�nge
der Singdrossel, der Ruf des Auckucks und der Pfiff des Vogel V�lows, das pink pink der Meise und der fr�hliche
Gesang des Zaunk�nigs und die schwerm�tige weise des Rotkehlchens in den Sch�nheiten dieser Welt ebensoviel gelten
wie die h�chsten musikalischen Runstgen�sse, die die Kultur der Gro�stadt zu bieten vermag. Hier k�nnen alle mit
gleichem Rechte sich erlaben und erfreuen, der alte Milit�r, der seinen Ruheabend in Potsdam genie�en, ebenso wie
der �berarbeitete Gro�st�dter, dcr f�r einige Stunden dem L�rm der Stra�e und der nerv�sen Hast des Berufes
entrinnen will, das Aind an der Hand seiner Mutter, und an den Festtagen der dem Hualm seiner werksl�tte
entfliehende Fabrikarbeiter.
Was dem Neuen Garten und dem Marmorpalais in ihm f�r uns aber seine besondere Bedeutung gibt,
und was er nicht mit so vielen anderen Erholungsst�tten in der Umgegend Berlins zu teilen vermag, ist der Umstand,
da� unser Aaiser und die Kaiserin in ihrer Prinzenzeit den gro�en Teil des Jahres hier an den Ufern des Heiligen
Sees verlebt haben, da� hier der Kronprinz mit fast allen seinen Br�dern, der Stolz und die Freude ihrer Eltern
und die Hoffnung des Vaterlandes, und zuletzt die Prinzessin Victoria tuise, geboren und aufgewachsen sind. Vas
gibt mir Veranlassung, zum Tage der Silbernen Hochzeit unseres Herrscherpaares aus allen Akten und Papieren
etwas von der Vorgeschichte dieses sch�nen St�ckes Erde zu erz�hlen, was nicht einem jeden bekannt sein d�rfte, und
unterst�tzt von einem reichen Abbildungsmaterial zu versuchen, ein Vild von den Einzelheiten seiner Erscheinung
und seiner Geschichte zu geben. Da� das nicht in der w�nschenswerten Vollkommenheit geschehen kann, liegt in der
Unzul�nglichkeit alles menschlichen Schaffens, und der Verfasser wagt zu hoffen, da� feinem schwachen Versuche der
alte Spruch des Gvid als Motto dienen darf: �Ut desint vires tarnen est laudanda voluntas", Wenn's auch an
Kr�ften gebricht, so ist doch der Wille zu loben.
Wohl wenigen Besuchern des Neuen Gartens wird es bekannt sein, da� sie auf dem Boden alter Wein-
g�rten wandeln, wo sich noch vor Jahren im Herbste ein fr�hliches winzerleben entwickelte, wo gekeltert,
in F�sser gefa�t und wahrscheinlich auch flott getrunken und gesungen wurde. Potsdamer wein � �pfingstberg-
Auslese" oder �Heiligen See Rie�ling" � es wird manchen teser ein Schauer anwandeln, und die Vorstellung
        
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