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Das Marmorpalais im Neuen Garten zu Potsdam

Full text: Das Marmorpalais im Neuen Garten zu Potsdam

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sei hier nur an das Brandenburger Cor erinnert, ein Vauwcrk, bas die Aunstleistungen der Zeit in w�rdiger uni)
wirkungsvoller Form vertritt und neben Schinkels Allein Museum unter den antikisierenden Vaudenkmalern Verlins
an erster Stelle zu nennen ist. Die nicht mehr vorhandene Herkulesbr�cke, das Anatomische Theater der Cierarzneischule,
das durch Schinkels Neubau ersetzte k�nigliche Schauspielhaus auf dem Gendarmenmarkte, die Kolonnaden in der
Mohrenstra�e wurden von den Zeitgenossen als Leistungen eines reineren und verfeinerten Geschmackes gepriesen, aber
die N�chternheit und Trockenheit mancher dieser Bauten lassen den Phantasiereichtum und die malerischen Wirkungen
der namentlich durch von Gontard vertretenen �lteren Richtung nur uni so mehr hervortreten.
Doch kehren wir nun zur unmittelbaren Vaugefchichte des Marmorpalais zur�ck. Eine Grder des A�niZs,
auf deren Datum wir den Entschlu� zu bauen oder den Beginn des Baues selber zur�ckf�hren k�nnten, hat sich nicht
erhalten, und so m�ssen wir uns damit begn�gen, das Datum der fr�hesten Rechnung f�r den Vau festzustellen, die
sich auf den Abbruch des an der stelle des Marmorpalais gestandenen Landhauses im siunschelschen Garten bezieht
und a�n H.Niai 5 78? ausgestellt ist. Die Arbeit selber wird somit sp�testens im April ausgef�hrt sein, womit auch �ber-
einstimmt, da� der mit der Ueberwachung der Ausf�hrung des Neubaues betraute Vberbaurat Ar�ger auf seinen Antrag
vom April an Di�ten f�r ein Reitpferd erh�lt, solange der Bau dauert. Die Reisen von Gontards nach Potsdam auf
Rechnung dieses Baues beginnen aber bereits am 53. Januar j?8? und im M�rz d.I. h�lt er sich eine Woche lang in
Potsdam auf, um in dieser Zeit �f�nfmal nach des A�nigs Majest�t Weinberg zu fahren". Im Winter und Vorfr�hling
hat von Gontard in Verlin Vortrag �ber den Vau halten k�nnen, und erst am 30. Aprilund am 5.Mai begibt
er sich zum Ad'nig nach Sanssouci. Am 21.., 22., 23. und 26. Juni h�lt von Gontard dem A�nige Vortrag in
Charlotten b�rg und am 20., 2^., 2?., 26. Juli und 9.Gktober wieder inSanssouci. Aus diesen zahlreichen Vesprechungen
allein mu� man schlie�en, wie eingehend Friedrich-Wilhelm II. sich mit dem Vau seines Sommerschlosses besch�ftigt hat,
denn zu diesen Vortr�gen sind sicher noch eine Anzahl von Besuchen des A�nigs auf der Baustelle hinzuzurechnen, �ber
die wir keine Nachrichten haben. Vei der Grundsteinlegung zum Marmorpalais, von der wir sonst leider nichts N�heres
wissen, wurde dem K�nig von den Vaumeistern und Gewerken folgendes Gedicht auf einem seidenen Rissen �berreicht:
�tandesvater! Friedrich-Wilhelm! siehe,
Ach zu Deinem lustfchlo� ruht der Grundstein hier,
Und aus diesem sch�nen ?uftort bl�he,
3elbstgcw�hlte, k�nigliche Freude Dir!
Friedrich "Wilhelm! !! bleib uns Vater! immer!
sch�tze Vu, 0 Gott! den k�niglichen Thron!
Ach! so wie im sanften Sotincnf(^immct,
3tche unersch�ttert Friedrich �Wilhelms Thron.
Das Marmorpalais ist nicht von vornherein in der Form gedacht worden, wie es heute vor uns steht, sondern
zun�chst sollte es nur aus dem heutigen Mittelbau bestehen, und erst sp�ter sind die beiden Fl�gel angebaut worden,
wahrscheinlich, weil sich beim Vau herausstellte, da� das kleine Schl��chen f�r einen k�niglichen Hofhalt nicht Raum genug
bot. Der erste erhaltene Entwurf (Abbildung Seite H2/H3) zeigt uns daher die ganze Terrafsenanlage am See mit dem
Mittelschlo� allein, abweichend von der Ausf�hrung erscheint nur die Ausschm�ckung der Terrassenbalustrade mit Skulpturen
und die Form des Velvederes, das als offener Tempel auf ganz flachem Dache projektiert war. Von der wirklichen
Ausf�hrung sind zwei umstehend abgebildete farbige Darstellungen erhalten, die das Schlo� noch ohne die Fl�gel aber
sonst der heutigen Erscheinung entsprechend zeigen. Vie auf dem Projekt und der einen Abbildung sichtbare A�che
in der Form eines versunkenen Tempels sollte urspr�nglich scheinbar direkt aus dem Wasser emporsteigen, was wohl
aNein aus praktischen Gr�nden bald aufgegeben wurde. Im Fr�hling lie� Major von Gontard die Erdarbeiten
beginnen, die durch den Umstand, da� zur Erhaltung eines vom A�nig selber angepfianzten Akaziengeh�lzes der
Bauplatz betr�chtlich in den See hineingeschoben werden mu�te, von gro�em Umfange wurden, da sehr viel gerammt
und gro�e Menge F�llsand in A�hnen herbeigeschafft werden mu�te, um den Raum zwischen den Fundamentmauern
auszuf�llen. Die Kontrakte mit den Handwerkern und Lieferanten wurden �von dem k�niglichen Vbrist-Wachtmeister
von Gontard von Allerh�chst K�niglichen Auftrages wegen" geschlossen, der auch die Rechnungen zur Zahlung
anwies. Im kaufe des Jahres erhebt sich der Au�enbau; Marmor war von den Ank�ufen Friedrichs
des Gro�en noch in gro�en Mengen auf dem Bauhof vorhanden, so da� durch seine Beschaffung keine Zeit verloren
        
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