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Hohenzollern und Oldenburg-Schleswig-Holstein

Full text: Hohenzollern und Oldenburg-Schleswig-Holstein

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Auf der R�ckreise von Paris nach Ru�land hat Nikolaus Me preu�ische Hauptstadt nicht wieder ber�hrt,
aber im Juni vor der Schlacht von Velle-Alliance, wieder im Segriff, den Ariegsschauplatz aufzusuchen, hielt
er sich drei Cage lang in Berlin auf. Nach der Zweiten (Einnahme von paris zog nun auch Nikolaus den preu�ischen
Kronprinzen ins Pertrauen, �Denken Sie sich," schreibt der Aronprinz am \7. Juli aus paris an seinen Erzieher
2titciIloTi, �er scheint unb�ndig verliebt, er spricht so oft, so wunderbar gezwungen von Charlotte, da� ich sehe, es ist
nicht gezwungen, c'est ? dire von anderen abgerichtet, wie wohl F�rstenliebe abgerichtet wird, ich glaube mich nicht
zu t�uschen. Ja. vorgestern Vormittag, in seinem Garten, als ich mit ihm einen Moment allein war, hat er mir
geradezu davon gesprochen, wie er glaubte, da� es nicht m�glich sei, sie zu sehen, ohne sie zu lieben, ic, te., viel
feuriges und sch�nes." So richtete denn der Kronprinz an feine Schwester noch von paris aus eine offene Frage,
und fie antwortete ihm am September: �was die Frage wegen der Heirat anbetrifft, so wei� ich nicht viel mehr,
als voriges Jahr um diese Zeit, wo ich mit Dir am Monument^ davon sprach, als da� er mir gefallt, und ich
glaube sicherlich, mit ihm gl�cklich sein Zu k�nnen." lind da dem Vruder ein etwaiger Glaubenswechsel bedenklich
erschien, so bat sie ihn im n�chsten Briefe (22. September \S\5) dringend, ihr zu versprechen, �da� nichts in der Welt,
wie es auch kommen m�ge, Veine treue br�derliche Freundschaft ersch�ttern wird". Sie setzt hinzu: �An meine 2??utter
denke ich so vieil G wenn die lebte, da w�re keine Frage, ein Wort und die Ainder folgten; so la�t uns aber auch
jetzt auf den Vater bauen, ihm vertrauen, das ist unsre Pflicht."
Am 22. Oktober lM5 kam der Gro�f�rst Nikolaus, zugleich mit seinem j�ngeren Vruder Michael, auf der
R�ckkehr aus Frankreich wieder nach Verlin, zwei Tage sp�ter traf Aaiser Alexander ein. Zwischen den beiden H�fen
war wegen der Familienverbindung, der ersten zwischen den H�usern Preu�en und Ru�land, jetzt bereits eine Abrede
getroffen worden; auch �ber den Anschlu� der Prinzessin Charlotte an die Aonfession des Gro�f�rsten hatte man sich
verst�ndigt. An, H. November fand in der Vildergalene des k�niglichen Schlosses die Familientafel statt, an der die
Verlobung verk�ndet wurde.
Im folgenden Jahre hat Nikolaus vom 5. bis zum 27. Gktoder als Vr�utigam am Berliner Hofs geweilt,
im April und 2Nai nochmals mehrere Wochen, am Juni trat die Prinzessin von Charlottenburg aus die
Reise in das Reich an, dessen Aaiserkrone sie dereinst tragen sollte. Prinz Wilhelm, ihr zweiter Vruder, hat sie bis
Petersburg geleitet und ist dort bis zum Veginne des neuen Jahres Gast des russischen Hofes gewesen. In Memel,
au den St�tten, mit denen f�r Charlotte unausl�schliche Erinnerungen an den Aufenthalt von verbunden waren,
erwartete sie der Vr�utigam. Am 22. Juni �berschritt sie die Grenze zwischen Nimmersatt und polangen, zu Fu�,
an der Hand des Prinzen Wilhelm. ,/Ietzt bin ich wieder beruhigt," schreibt sie an diesen, Tage an A�nig Friedrich-
Wilhelm III.,�aber Gott wei�, da� es mir recht schwer wurde, mein liebes Preu�en heute zu verlassen und den letzten
preu�ischen Soldaten zu begr��en. Ich stieg vor dem Schlagbaum aus und ging bei den Truppen vorbei, unter dem
Schlagbaum stand UNKO^^� (Nikolai), der mich da empfing, und gegen�ber wurde ich ebenso mit Hurraschreien
von den Russen empfangen, wie mich die Preu�en verlassen hatten." Am < 3.Juli wurde zu Petersburg
die Verm�hlung gefeiert.
Nicht in eine Welt des Streites und Hasses sah sich diese Prinzessin beim Eintritt in die neue Heimat hinein-
gestellt, nicht zu einer Aampfesrolle berufen, wie einst die preu�ische Gemahlin des Erben der Wasakrone. F�r die
Geschichte der russischen Politik, so urteilt der Geschichtsschreiber der Regierungszeit des Aaisers Nikolaus, �ist sie nur
so weit von Bedeutung gewesen, als sie dem Reich den Erben und dem Kaiser eine H�uslichkeit gab, die den besten
und lichtesten Punkt seines Daseins darstellt"^ Darin aber glich die Tochter des dritten Friedrich-Wilhelm der Tochter
des ersten v�llig, da� beide in der Fremde die Treue f�r ihr Stammland, das wanne preu�ische Herz bewahrt haben.
Hier sind ihre Vriefe genau auf den gleichen Ton gestimmt, wie sich Ulrike auf ihr brandenburgisches Herz beruft,
das sich nie wandeln werde, so ist es f�r Charlotte, wie sie in dem Sommer des Revolutionsjahres 18H3 einmal
'
Dem Rauchschen Grabdenkmal der A�nigin luise. � 3chiemann a. a. G. I, 22;. **
        
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