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Hohenzollern und Oldenburg-Schleswig-Holstein

Full text: Hohenzollern und Oldenburg-Schleswig-Holstein

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Er hat eine sehr angenehme Unterhaltungsart und eine sehr h�bsche Renntni� von �allen Wissenschaften; eifrig bei
seinen Gesch�ften, vers�umt er nichts, um Ordnung hineinzubringen. Unsere erste VcgegnunZ ist sehr gut verlaufen,
er hat mir ein �u�erst verbindliches Aompliment gemacht und mich von allem unterhalten, wovon er wissen konnte,
da� es mir am meisten Vergn�gen machen w�rde, d. h. von meiner lieben Familie; dann haben wir von gleich-
g�ltigen Dingen gesprochen. Er ist von sehr fr�hlicher laune, und ich habe nur Anla� sehr zufrieden zu sein. Er
hat unendliche Aufmerksamkeiten f�r mich, und kommt mir mit Allein zuvor, was nur Vergn�gen machen kann.
Aurz ich habe Anla� zu hoffen, da� ich das gl�cklichste Wesen auf der Welt sein werde." Sie bittet den Vruder,
�berzeugt zu sein, da� sie die Wahrheit schreibe; l�ge die Sache anders, so w�rde sie geschwiegen haben.
Auch sp�ter hat (uise-Ulrike, die ihren Gemahl ohne Frage an verstand und an willensstarke weit �ber-
ragte, gegen die verwandten in der Heimat es immer von neuem beteuert, da� sie an seiner Seite gl�cklich sei; da�
sie wie Freunde miteinander lebten; da� er kein Aarl XII. sei, aber sicher mit mehr Ueberlegung als Rarl XII.
handeln werde; da� sie einen Mann, der nonchalant w�re und sich von anderen leiten lie�e, nicht lieben w�rde.
Ihr sehnlicher Wunsch ist, wie sie dem Prinzen August-Wilhelm einmal schreibt, da� der A�nig, ihr Vrudcr, nicht
glauben m�ge, ihr Gemahl sei wie der Durchschnitt der F�rsten, �die in Gleichg�ltigkeit und Unt�tigkeit dahin leben
und die Sorge f�r die Gesch�fte ihren G�nstlingen �berlassen."
wir besitzen aus den Flitterwochen dieser Prinzessin anziehende Aufzeichnungen �ber allerhand harmlosen
Zeitvertreib, mit dein sich der junge Hof, wenn man unter sich war, unterhielt, wir h�ren von humoristischen Ver-
bindungen, die man stiftete und mit Statuten ausstattete, von einein Regiment de la Calotte und einem Orden der
M�pse; es sind lustige Protokolle �ber feierliche Kapitelft^uugen erhalten, in denen �ber die verbrechen der Hofdamen
hochnotpeinlich zu Gericht gesessen wird, wo z. V. die jugendliche Gr�sin Sparre verurteilt wird, die n�chste Nacht
in ihrem neuen Staatskleide zu schlafen, um sie an fr�heres Aufstehen zu gew�hnen (pour la rendre dor�navant plus
matineuse). 1 Aber die Cage der Spiele, die Zeiten des ersten ungetr�bten Gl�ckes gingen f�r kuise-Ulrike nur allzu-
schnell vorbei. Unaufhaltsam wurde sie in den Strudel des schwedischen parteitreibens hineingerissen. Die Adels-
fraktionen der �H�te" und der �M�tzen" stritten widereinander um die Herrschaft im Staate, die sie nach dem Tode
Aarls XII. dem K�nigtum entrissen hatten. Unerm�dlich war die Schwester des absoluten K�nigs von Preu�en
darauf bedacht, zumal feit ihr Gemahl den Thron bestiegen hatte, sich einen Anhang, eine Partei zu schaffen:
die stolze und leidenschaftliche K�nigin und nicht der gelassenere K�nig war die Seele der royalistischen Propaganda.
Mehr als einer aus der Zahl der M�nner, auf die kuife-Ulrike bestimmt rechnen zu d�rfen geglaubt hatte, wandte
sich von der Sache des K�nigtums wieder ab; als die Stunde f�r die Ausf�hrung der gro�en Entw�rfe im3un \?v6
endlich gekommen schien, wurde der Plan im letzten Augenblick verraten. Die aristokratische Opposition, die sich die
Freiheitsparlei nannte, ging nun gegen die F�hrer der Hofpartei mit der schonungslosesten H�rte vor: die H�upter der
Verschw�rung, die den Staatsstreich hatten bewirken wollen, Graf Vrahe und Graf H�rn, wurden auf das Blutger�st
geschickt, das K�nigspaar sah sich den schwersten pers�nlichen Dem�tigungen ausgesetzt. Das Jahr darauf trieb die
triumphierende Aristokratie das Land in den Krieg mit Preu�en hinein.
So verlief dieser preu�ischen Prinzessin auf Schwedens Thron das keben in Sorgen und Entt�uschungen, in
A�mpfen und Niederlagen. Erst ihren, Sohne, dem A�nige Gustav III.,war es beschieden, was seine Mutter als hei�esten
kebenswunsch gehegt hatte: die Vorherrschaft des Adels zu brechen und das A�nigtum zu neuer Geltung emporzuheben.
Nur einmal hat kuise- Ulrike die preu�ische Heimat wiedergesehen. Siebenundzwanzig Jahre nach ihren,
Fortgange kehrte sie als Witwe nach Verlin zur�ck, um fast sieben Monate dort zu weilen, von dem A�mge und
den anderen Geschwistern und verwandten mit liebe und Herzlichkeit, mit Auszeichnungen und Aufmerksamkeiten
�bersch�ttet. Freilich sollte diesem Vesuch nicht ein schriller Nachklang fehlen. Ein politisches Zerw�rfnis zwischen
1 Vgl. die Mitteilungen von Fr. Aricheim, der seit l�ngerer Zeit mit eiltet Biognip�(ie bec K�nigin ?uifC"llfrife besch�ftigt ist,
in der Stockholmer ,,Personh!storisk Tidskrift" Jahrgang VI, Heft 2, S. 87�95.
        
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