Path:
Miscellanea Zollerana

Full text: Miscellanea Zollerana

323
Ger�chte beim Tode der K�nigin Luise. Mitgeteilt lassen, un�t die sollen Sie haben, meine Geliebte. Eine Escadron(Barbe du Corps ist heute abgegangen, um die theuren Uebcrreste der
verewigten usw.von
paut Beibti,
wie es bei Todesf�llen hervorragender Pers�nlichkeiten ja
leicht eintritt, so erz�hlte man sich auch in ?3er!in nach dem Tode
der K�nigin Luise von Vorg�ngen, oie angeblich auf ihren bevor-
stehenden Tod hingewiesen h�tten. In dem hier mitgeteilten Briefe,
dessen Abschrift ich dem Interesse der Frau Gr�fin Dohna^Finckenstein
f�r die Geschichte der K�nigin Luise verdanke, wird Zun�chst der
Eindruck geschildert, den die Nachricht von dem am 19- Juli erfolgten
Tode der K�nigin verursachte, dann aber auch ein derartiger Vorfall
besprochen, bei dem es sich um eine vereitelte Ank�ndigung des
Todes der K�nigin gehandelt haben soll. Das in dem ersten Teile
des Briefes erw�hnte Miniawrbildnis der K�nigin ist von Darling
gemalt und oben Seite \^\ abgebildet:
Eine h�chst sonderbare, ich m�chte sagen abenteuerlicheVegcbcn-
heit, die sich vor sechs Tagen inCharlotten b�rg zugetragen hat, mu�
ich Ihnen erz�hlen. Der Hof ohne den K�nig ist zum Ther im
Gartenfalon des Schlosses versammelt, als mit Eins ein Weib ganz
in Trauer geh�llet vor der Glasth�re des Saales stehet und Mine
macht herein zu treten. Der General K�keritz gehet ihr entgegen
und fragt nach ihrem Vegehren, worauf sie erwiedert, sie fei gekommen
um den K�nig zu sprechen. Der General verlangt sie solle ihm
sagen, was sie von dem K�nig wolle, er werde es ihm anzeigen.
Die Dame versichert indessen, was sie dem K�nige bekannt z. machen
habe, k�nne nur durch sie selbst geschehen, und es bed�rfe dazu blo�
drei Worte. Herr v.K. zeigt ihr den Kronprinzen und sagt �Dies
ist der K�nig, sprechen Sie mit ihm". Das Weib aber entgegnet ihm,
sie wisse wohl, da� das der K�nig nicht w�re, und als der Kr�n�
prinz lachend und sch�kernd auf sie zugeht, giebt sie ihm recht derbe
Vorw�rfe �ber die ihm nicht geziemende Art sie zu behandeln und
sagt dann pl�tzlich �Nun kommt der Konig!", und obschon die
Gesellschaft die Ann�herung desselben nicht h�rte, trat er nach
ungef�hr 4 Sekunden wirklich in den Saal. Er fragt was dieFrau
wolle und nachdem man es ihm anzeigte, da� sie vorgebe ihm
nur 3 Worte von der h�chsten Wichtigkeit aber sagen zu wollen, hie�
er ihr sie solle geh�, er wolle das dumme Zeug nicht h�ren, aber
wenn sie etwas vern�nftiges verlange, m�ge fie es sagen, sei es
eine Bettelei werde er ihr Geld geben lassen. Das Weib versicherte
indessen sie w�nsche blos ihm eine Sache von der h�chsten wichtig-
keit zu entdecken und bed�rfe sonst nichts. Als darauf der K�nig
wiederholte, da� sie sich entfernen solle, rief sie aus �Nun ich will
gehen weil der Konig mich nicht h�ren willaber er wird es bereuen
denn ein nahes gro�es Ungl�ck bedrohet ihn und durch meine
Warnung h�tte es abgewendet werden k�nnen." Das Weib geht
hierauf fort und passiert ein Zimmer wo die Lakaien sich aufhalten,
ste brummt ganz unwillig f�r sich �Geld hat man mir geben wollen
aber dies war nicht was ich verlangte, es kann mir nicht helfen!"
Die lakaien welchen die Vegebenheit bekannt war, wollten ihr
bedeuten, da� sie das Geld nicht h�tte ausschlagen sollen, weil es
selten geboten w�rde und man besonders jetzt immer es gebrauchen
k�nne. Sie erwiedert indessen ver�chtlich sie bed�rfe kein Geld und
holt eine ganze Hand voll touisdor aus der Tafche, die sie dem
erstaunten Vedientenvolk vorzeiget. Man hat die Einfalt gehabt das
Weib ohne weiteres von Charlottenburg weggehen z. lassen und
nun ist es durch die Polizei vergeblich wieder aufgesucht worden.
Sie k�nnen denken welche Sensation dieser Vorfall unter unfern
abergl�ubischen Hofdamen gemacht hat."
�Berlin 2U.Iuly ;8^n. �
Sie erhalten �on mir heute eine Trauerpost, die ich eben so
mit wehm�thigem Herzen Ihnen �berschreibe, als sie dem Ihrigen
schmerzlich fein und mit Ihnen auch Ihre lieben verehrten (Eltern
innig betr�ben wird. Unsre gute K�nigin hat 311 leben aufgeh�rt,
wenige Stunden find es feit die Nachricht davon hier angekommen
ist und uns Alle in die tiefste Vctr�bni� versczt hat. Menschen aller
Klaffen, der h�chsten wie der niedrigsten sind �ber diesen Verlust mit
unnennhafter Trauer erf�llt. (Ein Jeder f�hlt es schmerzhaft, welche
neue unheilbare Wunde mit dein Code der verehrten K�nigin das
verh�ngni� dem vaterlande schl�gt, Was der empfindet, gute
Adelheid, der nicht nur dieses Gef�hl allein in der Vrust tr�gt
sondern auch ihrer Milde das Gl�ck feines Lebens, die h�chste Wohl�
that ihrer himmlischen G�te gro�en Theils 5� danken m�ssen w�hnet,
kann ich Ihnen nicht beschreiben. Es war mir, als ich das Ungl�ck
vernahm, nicht m�glich bei mir 311 Hause 3" weilen und Ruhe 311
suchen, ich durchstrich halb Verlin und in allen H�usern, auf allen
Strafjen fand ich den Menschen die Z�ge des dr�ckendsten Kummers
aufgepr�gt. Ver Gleichg�ltigste und Unempfindlichste h�tte bei dieser
allgemeinen wehmuth nicht unermeicht bleiben k�nnen. So wie man
vorl�ufig erfahren hat ist die K�nigin gestern Nachmitt. 3 Uhr auf
einem )?aiibl(aufe des Herzogs ihres Vaters nahe bei Strelitj ver�
blichen. Sie f�hlte die N�he ihres Todes usw.
Noch nicht H Wochen sind es feit sie von hier in v�lliger
Gesundheit abreiste. Ein Maler, der mein guter Freund ist, hat sie
vor ungef�hr 2 Monaten gemalt und so �hnlich als ich noch nie ein
Portr�t von ihr gesehen hatte. Viermal war sie ihm gesessen, ich
habe dem guten Manne alle meine Vaarschaft f�r das Gem�lde
geboten, weil ich so gerne es f�r Sie meine theure, liebe Adelheid
gehabt h�tte, aber ich habe es nicht erhandeln k�nnen, weil er es
nun f�r den K�nig bestimmt hat, dessen Anspr�che nun freilich die
n�chsten sind. Indessen habe ich eine gute Kopie mir versprechen Usw. �ber der K�nigin Tod.
Gtne brandenburgtsche Uniform von 1570. von
f)aul Zeidel.
erworbene Zeichnung hier abzubilden, die dadurch noch vonbesonderem
Interesse ist, da� in den Aufschriften, die allerdings nicht mehr
s�mtlich lesbar sind, genaue Angaben �ber die Bestandteile der
Tracht gegeben werden. Die Inschrift unten rechts gibt an, bei welcher
Gelegenheit die Uniform getragen wurde: �In solchem Habit haben
Die Seltenheit vonUniformbildern der brandcnbnrgischen Armee
aus so fr�her Ieit veranla�t mich eine vom Hohenzollern-Mufeum
�*
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.