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Volume H. 8

Full text: Berliner Architekturwelt (Public Domain) Ausgabe 16.1914 (Public Domain)

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räumen. Weniger hübsch aber war es, daß 
bei dieser Anordnung in einigen Entwürfen 
zugunsten der Architektur dieses Wohn- 
geschoß zur Minderwertigkeit herabgedrückt 
ward. 
Vielfach mißverständlicher Auffassung ist 
der im Bau programm geforderte große Em 
pfangsraum (Halle) begegnet Dieser Raum 
ist der zentrale Hauptgesellschaftsraum; er 
stellt einen durchaus selbständigen Saal vor, 
in welchem die Gäste begrüßt und vor 
gestellt werden* von welchem aus sie sich 
in die übrigen Räume begeben. Es ist also 
nicht richtig, ihn als eine Treppenhaushalle 
aufzufassen, als eine Fortsetzung des 
Treppenhauses oder in ihn hinein sogar die 
Treppenläufe endigen zu lassen, wie es so 
vielfach geschehen ist Im Programm war 
unter II c von einem Empfangsraum und 
unter II g von einer stattlichen Haupt 
treppenhalle die Rede, d, h. von zwei ver 
schiedenen Dingen. Auch ist es nicht 
richtig, ihn in Erinnerung an die englisch- 
amerikanische Hall als Diele mit Treppe 
aufzufassen, erst recht nicht, wenn man 
diese Diele io das Erdgeschoß verlegt. Es 
kann das wohl zu hübschen Effekten führen, 
entspricht aber nicht der Forderung, daß 
sich die Menge bei Empfängen bequem in 
der Runde durch alle Räume bewegen 
könne. Dieser Forderung ungestörten Rund 
ganges ist vielfach, selbst in Entwürfen 
von großem Reiz, wenig Genüge geleistet, 
obgleich im Programm noch besonders 
darauf hingewiesen war. Gibt man nun, 
wie z. B. in dem Dülferschen Entwürfe, 
dem Empfangsraume eine langgestreckte 
Form, an deren Seite die übrigen Gesell 
schaftsräume aufgereiht liegen, so gewinnt 
man dadurch nicht nur eine vortreffliche 
Folge von Räumen, sondern auch die beste 
Zirkulation. Die lange Galerieform ist zu 
dem in Amerika sehr beliebt; sie war auch 
in den aus Amerika eingesandten Entwürfen 
als Hauptgrundrißmotiv verwendet. 
Schließlichist nochder Anordnung der Höfe, 
Lichthöfe und Oberlichte Erwähnung zu tun. 
Die Anlage von Seitenflügeln, die sich 
hinter dem Vordergebäude bis zur rück 
wärtigen Grenze erstreckten, hatten häufig 
zur Bildung eines architektonisch aus- 
gestalteten Innenhofes mit Schmuckgarten 
geführt; in einzelnen Fällen war sogar der 
ganze Botschaftergarten in einen Hof von 
großen Abmessungen hineingelegt. Es kann 
nicht unerwähnt bleiben, daß auf diese Weise 
reizvolle Anlagen geschaffen waren, wie z. B. 
der nachstehend wiedergegebene Entwurf 
von J. Radke, Düsseldorf zeigt Andererseits 
aber wird das Grundstück durch die Bau 
masse allzusehr zerschnitten und die zum 
Garten verfügbare Fläche verkleinert Dazu 
kommt noch eine für die Bewirtschaftung 
allzu unbequeme Weitläufigkeit in den 
Grundrissen. Oft waren aus einem Hofe 
zwei und mehrere geworden. Es gab sogar 
Grundrisse mit vier bis fünf Lichthöfen. 
Daß das auf solch großem. Grundstücke 
nicht angeht, das braucht wohl nicht erst 
bewiesen zu werden. Auch war von Ober 
lichten, besonders zur Belichtung des großen 
Empfangssaales, mehr als nötig Gebrauch 
gemacht. Bei großen Monumentalbauten 
mögen Oberlichträume als Treppenhäuser, 
Vestibüle oder ähnliche Zentralräume an 
gebracht sein, nicht aber bei einem Gebäude 
vorliegender Art, bei einem Wohnhause. 
Man denke doch nur an die Hitze des 
Washingtoner Sommers. Wer einmal in 
Wohnräumen Oberlicht angeordnet und die 
Nachteile kennen gelernt hat, der tut es 
sicher ohne Not nicht zum zweiten Male. 
Auch hier hilft die Freilage des Hauses 
über alle die Mängel bequem hinweg. 
Aus der Fülle des großen, interessanten 
Materials, welches in den 272 Entwürfen 
zusammen getragen war, sind nachstehend 
außer den vier prämiierten Arbeiten noch 
einige andere aus der engeren Wahl im 
Bilde ob ihrer verschiedenartigen Auffassung 
wiedergegeben, ohne damit etwa erschöpfend 
sein zu wollen. 
Ernst Spindler.
	        
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