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räumen. Weniger hübsch aber war es, daß
bei dieser Anordnung in einigen Entwürfen
zugunsten der Architektur dieses Wohn-
geschoß zur Minderwertigkeit herabgedrückt
ward.
Vielfach mißverständlicher Auffassung ist
der im Bau programm geforderte große Em
pfangsraum (Halle) begegnet Dieser Raum
ist der zentrale Hauptgesellschaftsraum; er
stellt einen durchaus selbständigen Saal vor,
in welchem die Gäste begrüßt und vor
gestellt werden* von welchem aus sie sich
in die übrigen Räume begeben. Es ist also
nicht richtig, ihn als eine Treppenhaushalle
aufzufassen, als eine Fortsetzung des
Treppenhauses oder in ihn hinein sogar die
Treppenläufe endigen zu lassen, wie es so
vielfach geschehen ist Im Programm war
unter II c von einem Empfangsraum und
unter II g von einer stattlichen Haupt
treppenhalle die Rede, d, h. von zwei ver
schiedenen Dingen. Auch ist es nicht
richtig, ihn in Erinnerung an die englisch-
amerikanische Hall als Diele mit Treppe
aufzufassen, erst recht nicht, wenn man
diese Diele io das Erdgeschoß verlegt. Es
kann das wohl zu hübschen Effekten führen,
entspricht aber nicht der Forderung, daß
sich die Menge bei Empfängen bequem in
der Runde durch alle Räume bewegen
könne. Dieser Forderung ungestörten Rund
ganges ist vielfach, selbst in Entwürfen
von großem Reiz, wenig Genüge geleistet,
obgleich im Programm noch besonders
darauf hingewiesen war. Gibt man nun,
wie z. B. in dem Dülferschen Entwürfe,
dem Empfangsraume eine langgestreckte
Form, an deren Seite die übrigen Gesell
schaftsräume aufgereiht liegen, so gewinnt
man dadurch nicht nur eine vortreffliche
Folge von Räumen, sondern auch die beste
Zirkulation. Die lange Galerieform ist zu
dem in Amerika sehr beliebt; sie war auch
in den aus Amerika eingesandten Entwürfen
als Hauptgrundrißmotiv verwendet.
Schließlichist nochder Anordnung der Höfe,
Lichthöfe und Oberlichte Erwähnung zu tun.
Die Anlage von Seitenflügeln, die sich
hinter dem Vordergebäude bis zur rück
wärtigen Grenze erstreckten, hatten häufig
zur Bildung eines architektonisch aus-
gestalteten Innenhofes mit Schmuckgarten
geführt; in einzelnen Fällen war sogar der
ganze Botschaftergarten in einen Hof von
großen Abmessungen hineingelegt. Es kann
nicht unerwähnt bleiben, daß auf diese Weise
reizvolle Anlagen geschaffen waren, wie z. B.
der nachstehend wiedergegebene Entwurf
von J. Radke, Düsseldorf zeigt Andererseits
aber wird das Grundstück durch die Bau
masse allzusehr zerschnitten und die zum
Garten verfügbare Fläche verkleinert Dazu
kommt noch eine für die Bewirtschaftung
allzu unbequeme Weitläufigkeit in den
Grundrissen. Oft waren aus einem Hofe
zwei und mehrere geworden. Es gab sogar
Grundrisse mit vier bis fünf Lichthöfen.
Daß das auf solch großem. Grundstücke
nicht angeht, das braucht wohl nicht erst
bewiesen zu werden. Auch war von Ober
lichten, besonders zur Belichtung des großen
Empfangssaales, mehr als nötig Gebrauch
gemacht. Bei großen Monumentalbauten
mögen Oberlichträume als Treppenhäuser,
Vestibüle oder ähnliche Zentralräume an
gebracht sein, nicht aber bei einem Gebäude
vorliegender Art, bei einem Wohnhause.
Man denke doch nur an die Hitze des
Washingtoner Sommers. Wer einmal in
Wohnräumen Oberlicht angeordnet und die
Nachteile kennen gelernt hat, der tut es
sicher ohne Not nicht zum zweiten Male.
Auch hier hilft die Freilage des Hauses
über alle die Mängel bequem hinweg.
Aus der Fülle des großen, interessanten
Materials, welches in den 272 Entwürfen
zusammen getragen war, sind nachstehend
außer den vier prämiierten Arbeiten noch
einige andere aus der engeren Wahl im
Bilde ob ihrer verschiedenartigen Auffassung
wiedergegeben, ohne damit etwa erschöpfend
sein zu wollen.
Ernst Spindler.