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Full text: Berliner Architekturwelt Issue 9.1907

ADOLF ROSENBERG f 
Ara 26- Februar verschied in Friedenau 
bei Berlin Dr. Adolf Rosenberg. 
Mit ihm wurde eine reiche künstlerische 
Anschauung und unerschöpfliche Schaffens 
kraft von uns genommen, deren Heimgang 
für das Kunstleben Berlins einen überaus 
großen Verlust bedeutet. 
Mit dem Hause Wasmuth war der Ver 
storbene seit dreißig Jahren befreundet. 
Als am l. April 1898 die Berliner Archi 
tekturwelt ins Leben gerufen wurde, über 
nahm Rosenberg die Schriftleitung der Zeit 
schrift und behielt sie bis zu seiner im 
Jahre 1901 erfolgten Übersiedlung nach 
Stuttgart. 
Was er dem neuen Unternehmen in die 
sen ersten drei Jahren seines Bestehens 
gewesen, davon zeugt auch dem Ferner 
stehenden die Fülle der sein Signum tra 
genden Aufsätze, in denen er mit nimmer 
ermüdendem Interesse und kritischem Blick 
für das Wesentliche der Erscheinungen die 
Entwicklung unseres Kunstlebens auf dem 
Gebiete der Architektur, der Malerei und 
Plastik und des Kunstgewerbes begleitet hat. 
Rosenberg wurde am 30. Januar 1850 als 
Sohn eines Kaufmanns in Bromberg geboren 
und kam im Jahre 1868 nach Berlin, wo er 
sein Abiturientenexamen ablegte und nach 
dreijährigem Studium der klassischen Phi 
lologie und Archäologie an der Universität 
zum Dr. phil. promoviert wurde. Seine 
fernere Lebenszeit, mit Ausnahme der we 
nigen Jahre, welche ihn vorübergehend in 
Stuttgart sahen, verbrachte er in der Reichs 
hauptstadt. Seine Lebenstätigkeit bewegte 
sich von Anfang an auf schriftstellerischem, 
insbesondere kunstwissenschaftlichem Ge 
biete und hier wieder mit Vorliebe auf 
dem der Kunst der Renaissance und der 
Neuzeit. 
Eine stattliche Reihe kunstgeschichtlicher 
Werke verdankt seinem rastlosen stillen 
Gelehrtenfleiße, der von lebendiger Begei 
sterung und echtem, künstlerischem Ver 
ständnis getragen wurde, ihre Entstehung. 
Es seien an dieser Stelle genannt: die 
Monographien über Sebald und Barthel 
Beham, über Rubens, Rembrandt, Raffael, 
Teniers d. J., Watteau und andere, seine 
Studien über die Berliner, Münchener und 
Düsseldorfer Malerschule, seine „Geschichte 
der modernen Kunst“, seine Neubearbeitung 
von Guhls „Künsllerbriefen“, seine Heraus 
gabe der „Rubensbriefe“, seine Unter 
suchungen über den „Kupferstich in der 
Schule und unter dem Einfluß des Rubens“, 
seine Redaktion der bekannten Bände 
„Klassiker der Kunst in Gesamtausgaben“ 
und schließlich sein „Handbuch der Kunst 
geschichte“. 
Für den Verlag Wasmuth schrieb Rosen 
berg u, A, die Texte zu den von Hugo Licht 
herausgegebenen Sammelwerken „Die Ar 
chitektur Deutschlands“ und „Die Archi 
tektur Berlins“, Auch den ersten Band 
der „Architektur des XX. Jahrhunderts“ 
hat er als Schriftleiter gezeichnet. Er über 
nahm ferner die Übersetzung und Neu 
bearbeitung des Textes zu der 1880/1882 
erschienenen deutschen Ausgabe von Raci- 
nets „Geschichte des Kostüms“. Seine 
letzte Tätigkeit gehörte einem, gleichfalls 
„Geschichte des Kostüms“ betitelten, auf 
neuen Grundlagen im Verlag Wasmuth 
erscheinenden, groß angelegten Sammel 
werk. Am Texte der zweiten Lieferung 
arbeitete Rosenberg, als ihm der Tod die 
Feder aus der Hand nahm. 
Eine Persönlichkeit von reichem Wissen, 
zäher Arbeitsfreudigkeit und dabei großer 
Bescheidenheit und Anspruchslosigkeit im 
Austreten und Gebühren ist mit ihm dahin 
gegangen. Die Früchte seines unermüd 
lichen Schaffens aber werden seinem Leben 
auch über das irdische Dasein hinaus blei 
benden Wert verleihen und sein Andenken 
in uns wach erhalten.
        
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