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Full text: Berliner Architekturwelt Issue 9.1907

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der Verschwommenheit des künstleri 
schen Woliens zu klarem selbständigen 
Ausdruck verhelfen. 
Rudolf Zahn gibt in seinem mit dem 
Ersten Preis ausgezeichneten Vereinshaus 
für den Bonner Eisklub neue und originale 
Momente seines Könnens, um dann in dem 
Gesellschaftshaus der Schlesischen Gesell 
schaft für Vaterländische Kultur in Breslau, 
vielleicht auf Grund der retrospektiven Be 
stimmung des Bauwerkes, wieder in be 
kannteren Bahnen zu wandeln. Auch der 
Schloßneubau für Hauptmann von Jena auf 
Mühlrädütz bei Eiegnitz zeigt neben der 
feinen Gliederung überaus konservative, 
allerdings hier wohl berechtigte Tendenzen, 
In jeder Beziehung glänzend durchgear 
beitet ist das Wohn- und Geschäftshaus 
desselben Architekten, in der Potsdamer 
straße. Aber darüber darf man nicht im 
Unklaren sein, so sieht der Typus der zu 
künftigen Architekturen dieser Hauptver 
kehrsader nicht aus. 
Auf gleichem Niveau steht das Schleusen 
gehöst in Klein-Machnow am Teltowkanal 
von Friedrich Lahrs, überaus fein in der 
Gesamtanlage, der flächigen Behandlung 
der Giebel, dem Einsetzen der Fenster, 
eine Auffassung, welche die altmärkische 
Bauweise mit neuem Leben durchdringt. 
In dieser Architektur liegt schon ein großer 
Fortschritt, ein der älteren plastisch 
barocken Auffassung überwinden, wie sie 
in den Modellen der Reichsbankgebäude in 
Jan er und Stallupönen von Habicht und 
Nonn, von Habicht und Alberti, und den 
übrigen Reichsbankgebäuden, die in Mo 
dellen auf der Großen Berliner Kunstaus 
stellungvertreten waren, noch weitgehend 
zum Ausdruck kommt. Hierhin gehört auch 
das Bahnhofsgebäude in Zehlendorf-West 
von Hart und Lesser und der Neubau des 
Forsthauses Paulsborn von Friedrich 
Wilhelm Göhre. Dem Schleusengehöft in 
Klein-Machnow nahestehend ist das Hallen 
schwimmbad für Darmstadt (I. Preis) von 
Franz Thyriot in gleicher Weise ausge 
zeichnet durch die malerische Flächen 
behandlung der Giebel, eine Behandlung, 
die überhaupt mehr an süddeutche Auf 
fassung erinnert. 
Das Verwaltungsgebäude der jüdischen 
Gemeinde von Johann Hoeniger (unter 
Mitwirkung von Richard Ziegler), ferner 
der Entwurf zu dem Neubau eines Kranken 
hauses der jüdischen Gemeinde vonReimer 
ünd Körte gehören gleichfalls zu dieser 
Gruppe. Der letztere Entwurf ging als 
erster aus dem einzigen für Berlin erlassenen 
Preisausschreiben des Jahres hervor. Nach 
dem Gutachten des Preisgerichtes ist bei 
diesem Entwürfe die Ausbildung der ein 
zelnen Grundrisse eine gute, und besonders 
zeigt der wichtigste Teil der Anlage, das 
Krankengebäude, eine sehr günstige Lage 
auf dem Grundstück und eine einwandfreie 
Ausbildung. Unter den Plänen, welche 
beide Krankenabteilungen in einem Ge 
bäude unterbringen, zeigt der vorliegende 
die befriedigendste Lösung, 
An großen Warenhäusern entstand das 
Warenhaus Tietz am Alexanderplatz von 
Cretner und Wolffenstein. Vielfach 
barock in der abschließenden Gliederung 
waren bei dem Grundrisse dieses Baues 
schon gewisse Elemente dieser Art gegeben, 
die später im Gesamtaufbau festgehalten 
werden mußten. Interessant ist bei diesem 
Warenhause, wie Bestandteile einer ver 
alteten Anschauung mit der modernen 
Gliederung des Ganzen kontrastieren. 
Überaus entwicklungsfähig sind die Ent 
würfe von Wilhelm Brurein, so ein Ent 
wurf zu einem Häuserblock am Kaiser 
Wilhelm-Platz in Bremen, eine Architektur, 
die, abgesehen von seiner Barockvaluten 
leidenschaft, für Berlin überaus geeignet 
wäre. Es ist interessant, daß Brurein in 
ähnlicher Weise wie Bruno Schmitz aus 
der monumentalen Vorliebe heraus zu einer 
edlen Vereinfachung durchgedrungen ist, 
In gleicher Weise sind bei einem Ge 
schäftshause von Karl Bernhard über 
kommene Bestandteile tunlichst vermieden. 
Bei diesem Bauwerke ist auch der Versuch 
gemacht, den Wirrwarr der Geschäfts 
reklame zu verhindern und die Schilder 
in die Architektonik mit hineinzuziehen. 
Hier eröffnet sich eine der wichtigsten 
Aufgaben der modernen Architektur. Statt 
der immer wiederkehrenden Balusterfriese 
sollte man lieber wirksame Streifen für die 
unvermeidliche Geschäftsreklame vorsehen. 
Straffer in der Durchbildung ist ein Ge 
schäftshaus von FelixLindhorst,ein gutes 
Beispiel für die Architektur der kleineren 
Warenhäuser. 
Besonders überzeugend wirkt eingrößeres 
Geschäftshaus in der Dessauerstraße von 
Bru n o Schmitz, in allen Tellen gleich not-
        
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