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Full text: Berliner Architekturwelt Issue 9.1907

Weise im Zusammenhang mit den gärtne 
rischen Anlagen nur für die Bewohner ge 
dacht. Hier ist vor allem der Versuch ge 
macht, den Garten als architektonischen 
Annex in die Gesamtwirkung mit hineinzu 
ziehen. Von der Halle nach dem Garten zu 
schließt eine erhöhte Terrasse in umrankten 
Holzarkaden gleichsam als leichtere Fort 
setzung der Veranda den Garten ab. Busch 
werk und Sträucher sind so günstig verteilt, 
daß der Eindruck einer dichten Umfassung 
entsteht. Äußerst wirksam öffnet sich für 
den Beschauer von der Halle der Blick 
auf die geschlossene Anlage und die Strauch- 
und Baumgruppen, die dem Auge sehr 
glücklich das dahinterliegende bebaute 
Terrain verbergen und der Vorstellung 
freien Spielraum lassen. 
Eine leicht gewölbte glatte Rasenfläche 
breitet sich, allmählich ansteigend und da 
durch weiter erscheinend, für das Auge 
eine wohltuende Erholung, dem Hause vor. 
Dieser Zusammenhang zwischen Architek 
tur und Umgebung, dem ideell-künstle 
rischen Komplex und dem Luftraum, ist 
künstlerisch von großer Bedeutung. Der 
Unterschied ist der, daß frühere Architek 
ten die Landhäuser als malerische Bild 
motive faßten, wie man sie irgendwie mit 
Erkern und Türmchen abgebildet sehen 
konnte, während die moderne Auffassung 
allmählich dazu übergeht Architektur, Luft 
und Landschaft als Bildganzes und male 
rische Einheit im Wechsel des Lichtes zu 
sehen und zusammen zu fassen. 
Bei diesem Landhause wirkt besonders 
günstig der Bewurf mit Rauhputz, der ein 
außerordentlich feines Spiel von Licht und 
Schatten auf den Mauerflächen hervorruft. 
Diese Art der Behandlung in ganz ein 
fachen großen Rauhputzflächen ohne Ge 
sims und Pflasterornamentik und ohne vor 
geklebte Architekturteile ist unter Verwen 
dung eines farbig sehr wirksamen braun 
gelben schlicht bearbeiteten Sandsteines 
für Sockelquader und Fensterbänke für den 
Gesamteindruck wesentlich. Der Rauh 
putz besteht aus einer Mischung von Kalk 
mörtel mit grobkörnigem Flußkies, dessen 
Stärke bis 2 cm erreichen. Gerade dieser 
starke grobkörnige Putz giebt den Flächen 
Lebendigkeit. Der Putz zieht sich an den 
Fassaden auch in die beiden offenen Hallen 
hinein, er dringt selbst ins Innere, nimmt 
hier jedoch ein solonfähigeres Aussehen an. 
Das Vestibül ist mit Fliesen von feiner 
mausgrauer Tönung bekleidet. Die Wand 
fläche in Goldocker wurden mit weißauf 
gelichteter Ornamentik belebt. Diese Far 
benstimmung wird in iein durchgebilde 
ter Folge weitergeführt in der großen Halle 
mit hellgelblicher Vertäfelung in Esche und 
Ahorn, dem orangefarbenen Goldton der 
Japantapete, dem blaugrauen Seidenplüsch 
der Möbel und dem auf grau gestimmten 
Fußbodenteppich. 
Von besonderer Monumentalität ist hier 
der Kamin mit holländischen Fliesen, gold 
gelbem Marmor und einer Bronzeumman 
telung in Form eines Drachenkopfes. Die 
Decke ist in einfachem weißen Stuck ge 
halten. Das Speisezimmer mit einladenden 
abgerundeten Ecken zeigt eine hohe Ver 
kleidung von braungebeiztem Eichenholz 
mit quadratischen Einlagen von ungarischer 
Esche. Friesartig ziehen sich hier in far 
biger Intarsia Rheinlandschaften in star 
ker dekorativer Wirkung hin. Diese In 
tarsien (von Spindler, St. Leonhard) zei 
gen in feiner Beobachtung der Holz 
maserung eine geschickte Verwendung der 
verschiedenartigen Hölzer. Die Intarsia 
wird heute wenig mehr verwandt. Früher 
eines der beliebtesten Mittel, minderwertige 
Holzarten durch Einlage seltener Hölzer 
reizvoller zu gestalten, ließ ihre Verwen 
dung mehr oder mehr nach, als die kost 
baren Hölzer selbst in größerem Umfange 
verwendet werden konnten. Erst als die 
Kunst der Japaner auf die Schönheit des 
natürlichen Holzes aufmerksam machte, 
fing man an die Strucktur des Holzes wieder 
zu beobachten und zur Geltung zu bringen. 
Für Intarsien waren hier die großzügig 
dekorativen Elemente der Zeichnung am 
wirkungsvollsten. Neuerdings schießt man 
über das Ziel hinaus, wenn man durch 
Intarsien die Wirkung von Ölbildern 
schlimmster Sorte zu erreichen strebt. 
Über der Eichenholzverkleidung sind in 
der Wölbung der Decke wellenförmige 
Linien in den Putz der Decke eingegraben, 
die das Auge nur leicht beschäftigen. Bei 
diesen Zimmern ist für den Blick nach 
dem Garten hin ein feinsinniger Zusammen 
hang mit der Umgebung dadurch geschaffen, 
daß die Brüstung der Fenster möglichst nied 
rig gelegt würde, so daß für den Sitzenden 
der Garten bildartig in die künstlerische Wir 
kung des Raumes mit hineingezogen wird.
        
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