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Full text: Berliner Architekturwelt Issue 9.1907

Abb. 394. 
Paneel im Speisezimmer, 
VILLA SPINDLER IN ZEHLENDORF. 
(Erbaut 1903—1904, durch ERDMANN & SPINDLER, Architekten in Berlin,) 
Berlin hat mit sich selbst so viel zu tun, 
daß für das Weichbild und die Vororte 
kaum noch etwas übrig bleibt. In rätsel 
hafter Geschwindigkeit entstehen Waren 
häuser, Hotels, Mietskasernen, nur keine 
Landhäuser, wenigstens keine Landhäuser 
im eigentlichen Sinne, Trotzdem gerade 
mit letzteren der Anfang gemacht werden 
sollte und es ein Haupterfordernis wäre 
den Menschen, die tagsüber in der großen 
Maschinenhalle Berlin ihre Nerven ruinieren, 
wenigstens in dieser Beziehung das Leben 
zu erleichtern. Die Verbindungen sind 
allerdings so schlecht, daß hieran nicht zu 
denken ist. Solange nicht Entfernungen, 
die heute eine Stunde erfordern, auf die 
Hälfte zusammen schrumpfen, wird ein 
eigentliches Leben im Landhaus und in 
natürlicher Umgebung unmöglich sein. Das 
mag wohl auch der Grund sein, weshalb 
die Architektur unserer Landhäuser kaum 
vorwärts schreitet und auf keinem Gebiete 
sich eine solche Unsicherheit verrät. 
Die Bedingungen und die Anlage des 
modernen Landhauses sind schon ver 
schiedentlich erörtert, Dinge von einer 
solchen Einfachheit und Selbstverständlich 
keit der Forderungen, daß man erstaunt 
sein muß, was Bewohner moderner Villen 
an Primitivität und Geschmacklosigkeit 
sich alles bieten lassen, 
Die Neuheit des Äußern wird im modernen 
Landhause schon dadurch bedingt, daß die 
Raumerfordernisse gänzlich andere ge 
worden sind. Wir haben heute über Be 
wohnbarkeit und Reinlichkeit der Behau 
sung von der Auffassung füherer Zeiten 
wesentlich abweichende Anschauungen. So 
selbstverständlich es wäre, daß auf Grund 
dieses Wechsels die Architektur eines Land 
hauses von innen heraus entwickelt würde, 
immer wieder bietet man dem Auftraggeber 
irgend ein anziehendes äußerliches Schema 
einer sogenannten Villa. 
Die Hauptschuld liegt hier zunächst beim 
Auftraggeber, der sich kaum der schwie 
rigen, geistigen Arbeit unterzieht Über die 
Erfordernisse seinesDaseins nachzudenken. 
Im übrigen erfordert ja auch der Zusam 
menhang der Gesellschaft, daß man es ge 
rade so macht wie die andern und die 
Gäste sich wie zu Hause fühlen. Nur 
B.A.W.IX.9. 
4.1
        
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