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Full text: Berliner Architekturwelt Issue 9.1907

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Abb. 353. 
Aus dem Haus Kempinski in Berlin. Architekt; Alf. J, Balcke. Bildhauer; Robert Schirmer. 
burger Marmorwerke. Beleuchtung; Le 
ander. 
Der Garderobe schließt sich, mehrere 
Stufen höher liegend, ein ovaler Durch 
gangsraum an, der eine echte Mosaikwand 
bekleidung erhielt, eine in Bronze getrie 
bene Tür führt zu den im Keller liegenden 
Schreib- und Telephonzellen, eine zweite 
in das Haupttreppenhaus. 
Dies letztere vermittelt durch eine in Sky- 
rosmarmor ausgeführte Prachttreppe, eben 
so durch einen Personenlift den Aufgang 
zu den im oberen Stock belegenen „Neuen 
Sälen“! 
Die Wände des Treppenhauses sind 
mit griechischem Cipollinmarmor bekleidet. 
Ein Wandbrunnen mit einem Relief des 
jungen Dionysos und Faunenmasken vom 
Bildhauer Hans Latt schmückt die eine 
Längswand. Die Füllungen des Geländers 
sind in Stucco, wie solche an der Fenster 
wand, ausgeführt. Ein großes dreiteiliges 
Fenster mit reicher Glasmalerei nach Kar 
tons des Kunstmalers Fr. W. Mayer aus 
geführt, bringt einen Bacchuszug, tanzende 
Mänaden, Panther usw. zur Darstellung. 
An der reich vergoldeten Decke hängt ein 
in Bronze getriebener, mit Rubinglastropfen 
dekorierter Beleuchtungskörper. Oberhaupt 
sind sämtliche Beleuchtungskörper von 
dieser Firma nach den Entwürfen des 
Architekten ausgeführt. 
Hier ist alles prickelnde Lebendigkeit, 
Weiß, Grün und Gold. Die Pracht des 
malerisch koloristischen Eindrucks ist zu 
einer für Berlin ungeahnten Höhe gestei 
gert. Wieder sind von besonderer Schön 
heit die grünen Mosaiks, schuppenförmig 
geordnet, am Rande mit hängenden Tropfen 
aus schillerndem Perlmutter. Der Reiz des 
Materials ist in jeder Beziehung überwäl 
tigend. Man müßte byzantinische Prunk 
arbeiten zum Vergleich heranziehen, wenn 
man Verwandtes anführen wollte. Es scheint 
von hohem Interesse, daß unsere Zeit wie 
der eine starke Neigung zu diesen rhomä- 
ischen und romanischen Tendenzen zeigt, 
ein Moment, das mit der impressionistischen 
modernen Auffassung zusammenhängt. 
Von der halben Treppenhöhe erreicht 
man die luxuriös ausgestatteten Damen 
toiletten und Ruhezimmer. Die Treppe 
selbst zeigt vollendete Stückarbeiten unter 
Verwendung Häckelscher Naturformen, 
insofern um so erfreulicher, als diese 
Vorbilder meistens sehr verunglückte Er 
zeugnisse verschuldet haben. Die Höhe 
des Treppenraumes ist sehr geschickt durch 
einen prachtvollen Beleuchtungskörper ver 
deckt. 
Die Glasfenster lassen die Farbenglut 
mittelalterlicher Fenster wieder aufleben. 
Sehr glücklich ist hier linear die lebendige 
Bewegung der tanzenden Mänaden, die 
durch Streumotive noch besonders ver 
stärkt wird. 
Auf dieser Treppe wird man wirklich 
sehr angenehm unterhalten. Vom oberen 
Podest erreicht man den grauen Saal. 
Es empfiehlt sich zunächst ein Gang 
durch die älteren Räume des Erdgeschosses, 
um hier die Neuheit des künstlerischen 
Eindrucks zu würdigen. 
Der graue Saal ist in grau gebeiztem 
schwedischen Björkholz und glattem und 
gemasertem Ahornholz ausgeführt. Plaket 
ten, Gesimse und Zierleisten sind in versil 
bertem Cartonpierre gearbeitet, die umman 
telten Pfeilerausbildungen mit versilberten 
Metallstäben wurden in die Beleuchtungen
        
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