Path:

Full text: Berliner Architekturwelt Issue 9.1907

247 
Arbeiten sind darum wertvoll, weil sie in 
ihrer dunklen, ruhigen Färbung, die an alte 
Meister erinnert, zeigen, daß Habermann 
mehr ist als ein Manierist. 
Trübner stellt Landschaften und Porträts 
aus. Die Landschatten haben ein volles 
saftiges Grün, das Trübner reichlich und 
gern verwendet. Auch die Porträts sind 
breit hingeschrieben. Sie sind dunkler ge 
halten. Schwarz, Grau und Dunkelrot 
kommen hier zusammen zu einem groß 
zügigen Eindruck. 
Eine eigene Stellung nimmt Pankok ein, 
der hier wieder mit Bildern erscheint, nach 
dem er einige Jahre fast ausschließlich für 
das Kunstgewerbe tätig war. Die kleinen 
Landschaften von ihm sind sehr kräftig, 
ursprünglich. Helle Wiesen, dunkle Wälder, 
dabei im einzelnen manche aparte Fein 
heit, die unaufdringlich wirkt. Sehr fein 
sind auch die kleinen Selbstbildnisse, eins 
davon als Halbakt. Sie sind außerordent 
lich gut gezeichnet, stehen vorzüglich im 
Raum; die liebevoll sachliche Behandlung, 
der feste Wirklichkeitssinn, das hohe, for 
male Können — wie plastisch steht z. B. 
in graubrauner Dämmerung der Halbakt da 
— machen diese Bilder von Pankok zu eigen 
artigen, bemerkenswerten Schöpfungen. 
III, 
Die Plastik. 
Die plastischen Arbeiten in der Se 
zession haben immer den Vorzug, daß sie 
durch triviale Form nicht verletzen. Man 
wird hier vergeblich nach jenen schablonen 
haften Machwerken suchen, die sich in der 
Großen Berliner Ausstellung breitmachen. 
Doch darf man sich nicht verhehlen, daß 
die Auswahl diesen guten Eindruck hervor 
bringt. Diese Annahme wird bestätigt, 
wenn man wahrnimmt, daß ein wirklich 
erstklassiges Werk nicht vorhanden ist, 
nicht einmal ein interessantes. Hier sind 
34 Werke, am Lehrter Bahnhof über 300. 
Würde man dort ebenso streng ausscheiden, 
so würde man vielleicht noch mehr gute 
Werke gleichen Ranges zusammenbringen. 
Wieder ein Beweis, wie not der Großen 
Berliner Ausstellung die kritische Sich 
tung tut. 
Als Einziger kollektiv vertreten äst der 
Däne Jens Willumsen. Es fehlt der Se 
zession an einem geeigneten Raum. Die 
Bildwerke dieses Künstlers sind wenig 
freundlich in die Ecke des Eingangssaales 
gedrückt. Dort stehen sie ziemlich lieblos 
nebeneinander. Zweifellos hat der Bild 
hauer ein Gefühl für große charakteristische 
Form. Erbetätigt das aber vorläufig noch 
in etwas äußerlicher Weise. Würde man 
diesen „Krieg“ eine gewappnete Frauen 
figur, deren verzerrte, übertriebene Mienen 
wohl die Gräßlichkeit und die rücksichts 
lose Wut des Menschenschlachtens dar 
stellen sollen, nicht in der Sezession sehen, 
so würde man von hohlem Akademismus 
und billiger Symbolik reden. Und mit Recht. 
Denn ein Deutscher, der der Jury der Se 
zession mit solch leerer Pose käme, würde 
ausgelacht werden. Das Bestreben, inhalt 
lich zu wirken, betätigt Willumsen noch in 
zwei anderen Köpfen, die übertrieben groß 
sind und in ihrer simplen Stilisierung etwa 
wie die Übertragung einer flauen Vorlage 
zeichnung ins Plastische wirken. In genauer 
Linienführung, die beinahe etwas Ägyptisch 
Starres an sich hat, wird schematisch die 
Form umrissen. Und dadurch, daß der 
Künstler unter den einen Kopf „Schwäche", 
unter den anderen „Reflexion“ schreibt, 
meint er, durch diese inhaltliche, außer 
halb des Werks, das doch durch sich 
wirken soll, liegende Bedeutung dem Ein 
druck aufzuhelfen. Besser ist die „Frauen 
büste“, die in ihrer einfachen Gestaltung 
die eigentliche Anlage des Künstlers ver 
rät, die guter Durchschnitt ist. Nur durch 
gequälte Stilisierung soll das Künstlerische, 
Eigene herbeigezwungen werden. 
Dicht dabei steht ein großer Entwurf in 
Gips des Bildhauers Rambeaux (Brüssel), 
„Satanstöchter“, die im vorigen Jahre in 
München im Glaspalast zu sehenwaren. Da 
mals sagte man sich, daß diese sich drängen 
den, aus dem Stein nur halb herauswach 
senden Gestalten, wie es seit Rodin üblich 
ist, wohl Geschick in der Gruppierung und 
Gliederung verraten, im ganzen aber zu 
groß ausgeführt sind, daher theatralisch 
wirken. 
In Saal VII steht eine Verkleinerung des 
Kaiser-Friedrich-Denkmals in Bremen in 
Bronze. Merkwürdigerweise ist dieselbe 
Arbeit in natürlicher Größe in Gips aus 
geführt in der Großen Berliner Ausstellung 
zu sehen, so daß also derselbe (sezessio- 
nistische) Künstler mit demselben Werk 
in beiden sonst so feindlichen Lagern ver 
treten ist, eine Inkonsequenz, die den Pro 
test des Vorsitzenden des Künstlerhundes, 
Graf Kalckreuth, gegen Einreihung von 
Werken sezessionistischer Künstler, die 
seinerzeit Kunstgenossenschaftler waren, in 
die retrospektive Ausstellung der Großen 
Berliner, in ein eigentümliches Licht rückt. 
Das Werk selbst befriedigt nicht. Es er 
scheint als willkürlich, einen Menschen der 
Gegenwart als Römer darzustellen. Fried 
rich I. als römischer Imperator, der erste 
Gedanke, den der Künstler durch diese 
Darstellung weckt, ist der der Maskerade. 
Auch ist die Haltung des mit dem Scepter 
ausgestreckten Armes theatralisch, von alten 
Vorbildern übernommen. Diese Form ist 
keine Lösung der an sich schwierigen Frage, 
wie die moderne Kleidung plastisch zu be 
handeln sei, sondern ein Notbehelf, eine 
Umgehung. Es sieht so aus, als hätte der 
Künstler am liebsten den freien Entwurf 
eines nackten, reitenden Mannes geben 
wollen und der Auftrag habe ihn nun ge 
zwungen, diesen Mann porträtähnlich zu 
machen und ihm eine Uniform überzu-
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.