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Full text: Berliner Architekturwelt Issue 9.1907

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Knienden herausragende stehende Mann, 
der die Mütze in der Hand hält. Die har 
ten Züge sind in ihrem ergriffenen Aus 
druck kräftig gearbeitet. Ein weiblicher 
Kopf von Ida Krause, „Schmerz“ betitelt, 
ist weich und doch kräftig in der Behand 
lung. Ein herber Ausdruck in den Mienen. 
Die Augen sind geschlossen, der Kopf leicht 
zurückgelehnt. Es ist der Künstlerin ge 
lungen, den Stein zu beleben. Die kleine 
Gruppe „Rast der Flüchtigen“ von Barlach 
hat beinah etwas Archaistisches. Sie läßt 
an altdeutsche Arbeiten denken. Wie das 
Haar in Parallelstreifen behandelt ist, die 
Naivetät des Ausdrucks, das erinnert an 
alte Meister. Es ist moderne Empfindung 
in dem Wdrk, Interessant ist auch die 
unbekümmerte, primitive Art, wie die halb 
liegende, kniende Frau neben den hin 
sinkenden Mann gebracht ist. Eine Bildnis 
statuette, die von Mutz als Keramik aus 
geführt ist, zeigt eine Dame im Gehen 
begriffen. Das Momentane darin ist inter 
essant behandelt. Die weiche Tönung des 
Ganzen wirkt angenehm und dämpft das 
Skizzenhafte daran. 
Sehr gut ist eine Arbeit von Karl Kowal- 
czewski, ein „betender Eremit“, Die matte, 
weiche, gelbliche Tönung des Steins kommt 
der Form zugute. Fein geht alles in ein 
ander über. Namentlich die Partie am 
Kinn, wie z. B. der Bart übergeht in den 
Rock, zeugt von eigenem Wollen. Es ist 
Reife darin, eine große Anschauung, die 
mit Ruhe gestaltet. Man wird diese Arbeit 
lange betrachten können. Es ist nichts 
Kleinliches daran und doch ist alles sehr 
subtil behandelt. 
In der Kleinplastik sind einige gute 
Arbeiten anführenswert. Eine Studie 
„Sitzendes Mädchen“ von Diederich ge 
fällt um der einfachen Behandlung willen, 
die dennoch groß wirkt. Namentlich das 
Haar und die Hände sind fein. Auch der 
Körper hat Leben. Eine sehr feine Arbeit 
lieferte Jaray in einem sitzenden, nackten 
Mann, eine Bronzestatue voll intensiven, 
plastischen Lebens. Das Stumpfe an der 
Tönung des schwärzlichen Metalls trägt 
dazu bei. Man beobachte, wie subtil die 
Muskulatur durchgearbeitet ist, besonders 
die Hände. Die Partie am Knie wirkt äu 
ßerst lebendig und ist vornehm in der ein 
wenig flächigenHerausarbeitung. Es scheint 
persönliche Art in diesem Künstler wirk 
sam und man ist gespannt, weitere Arbeiten 
zu sehen. 
Eine kleine, kaum faustgroße Gruppe, 
Kind mit Katze, die sich an den Rücken 
anschmiegt, ist sehr lustig gearbeitet. Et 
was nach der Karikatur hin, aber mit Ab 
sicht. Aus dem Plumpen ist eine Art Stil 
gewonnen. Die Tönung ist dunkel grünlich. 
Eine Arbeit von Amberg prägt sich ein 
durch die großflächige Behandlung des 
Gesichts. 
VonWeddig ist ein „Pavian“ um seiner 
sorgfältigen Durcharbeitung willen zu er 
wähnen. Das Tier sitzt; die Form ist da 
durch massig. Die Einzelheiten an dieser 
Masse sind voll zur Geltung herausgear 
beitet. 
Tierplastiken gibt auch Pallenberg. Er 
hat dabei einem besonderen Stil sich ge 
nähert. Er betont das Massige solchen 
tierischen Körpers. Im kleinen Format gibt 
er Großes. Er arbeitet das Tierische ge 
treu heraus. Er gibt weniger Psychologie 
als Erscheinung. Der „Steinadler“, der 
„Wisent“ sind in ihrer sachlichen Art gute 
Werke. Es ist plastisches Gefühl darin. 
Einige Kästen mit Plaketten sind noch 
zu erwähnen. Die Arbeiten von Brenner 
(Paris) empfehlen sich besonders durch die 
zarte Behandlung des Flachreliefs. Wie 
das Haar, der Bart matt übergeht in die 
Fläche, das ist sehr geschmackvoll durch 
geführt. ■ Kinderszenen gibt der Künstler 
dadurch einen feinen, intimen Reiz. Selbst 
ein so fremder Vorwurf: eine Dame 
Klavier spielend, gewinnt durch diese tech 
nische Behandlung an Reiz, die immer leicht 
und sicher bleibt. Die Arbeiten von Paw- 
lik (Wien) sind schärfer, prägnanter durch 
geführt. Sie streben mehr hin zur Charak 
teristik, Einzelne Köpfe arbeitet der Künstler 
resolut heraus, so daß sie sich voll abheben 
gegen die glatte Grundfläche. Er ist nicht 
so malerisch wie Brenner, dafür plastischer. 
III. 
Das Kunstgewerbe mußte sich' diesmal 
mit einem kleinen, geschmackvoll gestal 
teten Raume begnügen. Die Raumgestal 
tung rührt von Bruno Möhring und Ru 
dolf Wille her. Im kleinen bietet sich da 
viel interessantes Material, das im ganzen 
anzeigt, daß man in Berlin der dekorativen 
Kunst immer nachhaltigeres Interesse zu 
wendet, so daß man dem Glauben zuneigt, 
daß einmal von einem charakteristischen 
Stil die Rede sein kann. Freilich muß da 
noch energischer zugefaßt werden, soll das 
Gute sich gebührende Anerkennung ver 
schaffen. Ein eigenartiger Künstler, von 
dem man gern öfter etwas sehen möchte, 
istMorawe. Er hat einen Fächer hier in 
Elfenbein und Schildpatt, der in Form und 
Farbe besondere Anschauung verrät. 
Eine gute Zusammenstellung moderner 
Druckarbeiten schließt diese Abteilung ab, 
die deshalb wohl so bescheiden sich präsen 
tiert, weil Dresden alle kunstgewerblichen 
Kräfte diesmal an sich zieht.
        
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