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Full text: Berliner Architekturwelt Issue 9.1907

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getönten Porträtbüsten, die „sprechend ähn 
lich“ sind. 
Einem dritten Bildhauer, Ernst Wenck, 
ist in dem Saal 8 c ein besonderer Raum 
zugebilligt. Der Junge, der ein Schaf 
als Beute nach Hause trägt, kommt über 
das Genre nicht hinaus. Der Entwurf für 
eine Porträtfigur, die einen Schädel in 
der Hand hält, bleibt trotz der skizzen 
haften Manier im Nachbilden stecken. 
Die Herkulesstudie ist ohne Rodin un 
denkbar. Aber die Skizzenhaftigkeit ist 
nur künstlich. Der Miniaturfaun ist ein 
launiger Einfall. Die Büsten haben eine 
gewisse Treffsicherheit und Ähnlichkeit. 
Ein Faunkopf erinnert an Böcklin und 
Begas. Durch das moderne Motiv gefällt 
ein Jüngling, der einen Block heben will 
und in dieser Bewegung an dem Stein 
kauert. Das große Modell zu einem Relief 
an einem Gerichtsgebäude, das unter 
einem Nemesiskopf allerlei stürzende Ge 
stalten zeigt, täuscht durch die Bewegtheit 
über den Gehalt hinweg. Der Künstler hat 
sich mit der Ausstattung seines Raumes 
anerkennenswerte Mühe gegeben. 
Auch der Bildhauer Schmarje hat eine 
Art Kabinett für sich. Das Beste gibt er 
in dem „Ruhenden Knaben“, der pla 
stische Ruhe besitzt. In einer Herme, die 
einen Porträtkopf zeigt, befleißigt er sich 
eindringlichen Realismus. Die Bildnis- 
Abt, 15g. 
Von Wilhelm Wandschneider, Bildhauer in Charlottenburg. 
Große Berliner Kunstausstellung 1906. 
büste in Wachs bezeugt Feinheit der 
Empfindung, sie ist zart durchgeführt. 
Schmarje ist ein Künstler, der sich zurück 
hält. Das ist das Gute an ihm. Vorbilder 
leiten ihn. Die römische Antike. Aber 
es ist viel Formgefühl in ihm. Eine leise, 
akademische Note ahnt man schon. Die 
Mäßigung, die Ruhe, die Plastik seiner 
Arbeiten befriedigt. Er hat aus der An 
schauung der italienischen Form ein 
Stilgefühl gewonnen. Es ist aber etwas 
Abstraktes darin, es ist nicht aus dem 
Leben gewonnen. Es ist vorläufig noch 
etwas Unausgeglichenes in dem Künstler. 
Zwischen akademischer Manier und ei 
genem Gestalten tastet sich das Können 
vorsichtig hindurch und man hofft, daß 
die persönliche Note sich kräftiger hin 
durch ringen möge. 
Der tüchtige Bildhauer Stichling stellt 
vier Werke aus, die seine Art gut vertreten. 
Das „sinnende Mädchen“, eine kleineBronze 
von leuchtend schwarzer Tönung, zu der 
das leicht goldbronzierte Haar fein steht, 
ist in ihren etwas spitzen Formen zierlich 
durchgebildet. Stichling befreit die Form 
von dem Zufälligen, er wirkt einfach, er 
zeigt damit seinen Sinn für das Plastische. 
Daß er sich andererseits fernhält von einem 
übertriebenen Stil, vom Zwang, zeugt von 
Geschmack, Es ist etwas Apartes in der 
Art, wie er hier die Mitte hält, wie er nicht tri 
vial, auch nicht forciert wirkt. Eine Mäd 
chenbüste gefällt durch ihre etwas ecki 
gen Formen, die wie unerschlossen, noch 
nicht erblüht wirken. Die leichteFlächen- 
haftigkeit in der Arbeit zeugt von vorneh 
mer Gestaltung. Auch der Akt „Junges 
Weib“, der Prüfstein des Plastikers und 
oft seine Falle, oft auch einVerlegenheits- 
mittel, mit dem er eindringliche Technik 
klug umgeht, befriedigt durch seine ge 
naue Arbeit, die der Natur folgt, ohne sich 
von ihr knechten zu lassen. Es ist Harmo 
nie darin. Die Büste „Konrad Ansorge“ 
ist als Porträt gut. Als plastische Schöp 
fung würde ich sie nicht so schätzen. 
Der Ausdruck ist treffend. Besonders 
die Mundpartie ist gelungen. 
Ein Studienkopf von Lepcke ist in sei 
ner grauen Tönung und dem schwarzen 
Haar gut gelungen. Es ist eine große Linie, 
es ist Stil darin. Auch die „Bogenspanne 
rin“ hat diesen Stil. Sie steht geschlossen 
da, spannt den Bogen und blickt seit 
lich hin aufs Ziel. Diese kräftige, elasti 
sche Anspannung vor dem Absenden des 
Pfeils kommt in allen Gliedern gut zum 
Ausdruck, Es ist ein Akt von elasti 
scher Kratt und Schönheit. Straffe, le 
bendige Form, die unwillkürlich groß 
wirkt und sich einprägt. 
J. Götz gibt seinen Figuren oft eine 
glückliche, genrehafte Durchbildung. 
Passend wählt er dazu das Format klein.
        
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