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Full text: Berliner Architekturwelt Issue 8.1906

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AB6. 99. 
Die Malerei. 
Unter den zahlreich vertretenen 
Kollektivausstellungen sind einige, die 
architektur - malerisch interessieren. 
Rudolf von Alt -j- (Wien) malt mit Vor 
liebe das Innere alter Dome. Das 
Licht ist sonnig. Das Steinwerk er 
scheint fein wie Filigran. Alt vereinigt 
malerisches Sehen und plastische Deut 
lichkeit. Eine kleine Bleistiftzeichnung 
gibt so subtil die zierliche Ornamentik 
der höchsten Spitze der Stephanskirche 
wieder, daß ein Menzel daran Freude 
gehabt hätte. Und auch das ist her 
vorzuheben, daß diese Arbeiten selten 
kleinlich wirken. Das Streben nach 
malerischer Auffassung, nach künst 
lerischer Durchbildung tritt immer 
klar zu Tage, 
Nach Alt-Berlin führt uns Julius 
Jakob. Seine Note geht mehr auf 
genaue, zeichnerische Durchbildung. 
Plätze, Straßen, alte Gebäude, die viel 
leicht jetzt gar nicht mehr vorhanden 
sind. Diese lokale, kulturhistorische 
Bedeutung gibt den Bildern den Wert, 
Und ein gut Stück Berliner Malerei ist 
hier aufbewahrt. Das „Innere einer 
Gerberei“ ist luftig und breit gemalt, 
ein „Blick über alte Dächer“ zeigt das 
Rot der Dächer von dunstiger Luft und 
Rauch umkleidet, ein „Blick auf die 
Nikolaikirche“ im Schnee erfreut durch 
die großflächige Behandlung. 
Auch Skarbina steuert hierzu bei, 
aber sein Berlin ist großstädtischer 
geworden. Er hat eine ganze Reihe 
solcher der Wirklichkeit abgelauschter 
Momentbildchen hier, 23 Ölstudien 
Berliner Straßen. Hans Hermann 
führt uns in seinen bekannten Bildern 
nach Holland, wo ihn die Blumen- 
und Fischmärkte besonders reizen. 
Aber auch er geht zuweilen dem malerischen 
Reiz alter Bauten nach. Er gibt die kom 
pakte Wucht des „Doms von Veere“, und 
„St. Marien“ in Wismar gibt ihm Gelegen 
heit, die hohe Räumlichkeit gotischer Kir 
chengewölbe malerisch zu gestalten. 
Hamachers Art ist bekannt. Seine Dar 
stellung widmet sich dem Meere, dessen 
grünliche Luft ihn fesselt, Kamp mann 
(Karlsruhe) gibt dekorative Landschaften, 
besonders Schilderungen der Industrie 
gegenden, denen neben dem Reichtum und 
der Energie der Arbeit noch eine schöne 
Natur eigen ist. Prof. Volkmann entnimmt 
der Antike die Anregung zu seinem Schaffen. 
Auch die Umgebung, in der er lebt, Rom, 
beeinflußt ihn. Seine Statuen sind getönt, 
Seine Bilder zeigen die monumentale Ruhe 
plastischer Arbeiten, Prelis Skizzen haben 
den Wert schnell hingesetzter, oft farbig 
reizvoller Impressionen. 
Neben diesen Kollektivausstellungen, die 
im wesentlichen nichts Neues geben, son 
dern die schon bekannten Künstler in einer 
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VON HANNS ANKER, GROSS-UCHTERFELDE 
GROSSE BERLINER KUNSTAUSSTELLUNG 1905, 
diese ehrenden Repräsentation zeigen, geht 
die große Masse der Bilder einher, deren 
Maler im Einzelnen nicht berücksichtigt 
werden können. Es kann nur bemerkt 
werden, daß die Landschaft eine Reihe 
guter Vertreter hat; Türcke, Engel, Dett- 
mann, Kayser-Eichberg, Feldmann, Jülich, 
Matthies-Masuren, Oesteritz f, daß das Por 
trät in Cornelia Paczka, Müller-Schönfeld, 
Heichert und Anker verständnisvolle Bear 
beiter gefunden hat. Ein kräftiges Stilleben 
rührt von Bandeil her, es erinnert in seiner 
wuchtigen Art der Farbengebung an Trübner. 
Brandis malt feine Interieurs. Leipolt 
weiß aus dem Gegensatz farbiger Segel und 
der grauen Wasserfläche eine feine male 
rische Stimmung herauszuholen. 
Dresden zeigt ein beachtenswertes All- 
gemeinniveau. Bendrat, Müller - Breslau, 
Besig, Beckert, Dorsch, Ufer, Friederici, 
Wilckens, Pepino vertreten die Kunst der 
Elbier. Die Münchener Luitpoldgruppe 
und die Künstlergenossenschaft weisen 
manche guten Arbeiten, namentlich Land- 
1.A.W, VIII. 3
        
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