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Full text: Berliner Architekturwelt Issue 8.1906

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ABB. 98. 
m 3 TOILETTE, e m 
VON MAX FABIAN, BERLIN. 
GROSSE BERLINER KUNSTAUSSTELLUNG 1905. 
persönliche Gestaltungskraft bei Klingner 
zu merken, der Sinn für Farbe hat und 
die Freude daran nicht verbirgt. Er ver 
dirbt sich auch nicht die Wirkung durch 
kleinliche Tifteleien. Wenn einmal figür 
liche Gegenständlichkeit gegeben werden 
soll, so muß alles klar, groß und einfach 
sein und sofort sich cinprägen. Diese Regel 
befolgt er. Besonders gut ist in dieser Be 
ziehung die schwarze Tigerkatze, die aus 
roter Schale trinkt. Die Arbeiten sind für 
Trarbachs neues Weinhaus bestimmt. 
Überaus lustig und frisch wirkt der Fries 
für ein Kinderzimmer von Wolff. Auf ein 
facher, grauer Pappe ist mit weißer Farbe 
der Umriß silhouettenartig ausgespart. 
Eindringlich heben sich die Darstellungen 
ab, man sieht die Kinder auf dem Felde 
sitzen, sie lassen den Drachen steigen, sie 
plantschen am Brunnen, stehen unter dem 
Weihnachtsbaum, drücken sich um einen 
Schutzmann herum, laufen einer Droschke 
nach, sehen zu, wie die Soldaten exerzieren 
und lauschen, was Großvater erzählt, die 
Mädchen sorgen für ihre Puppen und 
kochen in ihrer Küche. Es ist eine 
originelle, unterhaltende Idee, die gleich 
eine charakteristische Prägung erhalten 
hat und auch künstlerisch befriedigt. 
Die Plastik. 
Auch die Plastik hat als Raumkunst ähre 
wesentliche Bedeutung. Sie ist ruhende 
Erscheinung der Formen, täuscht nicht 
Bildhaftigkeit vor, sondern ist. Und das 
Licht kommt zu ihr und gleitet hin über 
die Flächen. Die Form baut sich den 
Augen auf und das Leben ist in Stein 
lebendig gebannt. Die Linien des Raums 
zieht die Plastik auf sich. Selbst mit 
wirkend und ausfüllend, lebt sie im 
Raum ihr eigentümliches, geheimnis 
volles Leben. 
Neben guten Arbeiten von Schmidt- 
Kestner, Böres, Darsow, Lepcke 
ist besonders die Halbfigur einer alten 
Frau von Splieth zu erwähnen, deren 
grauweiße Tönung, deren ernste, sach 
liche Fassung erfreut. Ein Kugelspieler 
von Epler zeigt leichte Linien in den 
Konturen. Eine sitzende Brahmsstatuette 
von Feld erhoff gefällt um ihrer 
Schlichtheit willen. Auch die Knaben 
gruppe von Götze ,,Vor dem Bade“ ist 
wohlabgewogen in den Verhältnissen. 
Der eine Junge schreitet vorsichtig ins 
Wasser, der andere sitzt und schaut zu. 
Das Spiel der sich überschneidenden 
Linien ist reizvoll. Von der soliden 
Genrekunst Maisons geben die hiesigen 
Proben keine rechte Vorstellung. 
Höchstens der Neger, die Negerin, ein 
Faun mit Gans wären zu nennen. 
Einige Kinderbüsten sind noch zu er 
wähnen. Hier hält der Stoff den Bildner 
beim einfach-schlichten Ausdruck und 
am ehesten gelingt hier einem technisch 
soliden Durchschnitt ein gutes Werk. Eine 
Dreikindergruppe von Pagels, eine Büste 
von Mißfeldt und ein gelblich getöntes 
Bildnis von Schauß gehören hier zu 
sammen. 
Am meisten Befriedigung gewährt hier 
Lewin-Funcke. Er hat Gefühl für Linien 
und Formen. Sein „Am Quell“ hebt den 
Körper rein und plastisch von dem glatten 
Hintergrund ab und es ergibt sich ein an 
genehmes Spiel von Licht und Schatten. 
Auch die „Tänzerin“ (Bronze) hat diese 
leichte, graziöse Art. Apart wirkt die kleine 
Statuette einer Reifenspielerin. Ein eigen 
artiges Brunnenmodell fesselt die Auf 
merksamkeit. Auf einem viereckigen Block 
von gelblicher Färbung, dem das Wasser 
entströmt, kniet ein nackter Knabe und 
langt hinunter nach dem als Ausfluß die 
nenden Faunskopf. Nur muß sich Lewin- 
Funcke davor hüten, süßlich zu werden. 
In dem Bestreben, wohlabgewogene Ver 
hältnisse in zierlicher Bändigung zu geben, 
kommt er manchmal dicht an die Grenze.
        
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