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Full text: Berliner Architekturwelt Issue 8.1906

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ABB. 97. 
m @ Blondine, m m 
VON MAX FABIAN, BERLIN. 
GROSSE BERLINER KÜNSTAUSSTELLUNG 1905. 
Vorhang, dann wieder ein 
blauer Stoff mit breitblätt 
rigen Mustern zeigen ge 
dämpfte, schöne Farben. 
Arthur Diener gibt in sei 
nem Kabinett Aufnäharbeiten 
und Intarsien. Auf groben 
Rupfen näht er ausgeschnit 
tene Stücke weißen oder 
schwarzen Tuches auf und 
erreicht so dekorative Wir 
kung. Vögel, die fliegen, 
Fichten, die schlank zum 
Himmel ragen — immer ist 
es ein abgeschlossener und 
wegen der Einfachheit der 
kontrastierenden Farben er 
freulicher Eindruck. Auch 
die Intarsien sind fein durch 
den zarten Ton der gewähl 
ten Hölzer. Ein Schiff auf 
dem Wasser, zwei kämpfen 
de Stiere, ein landschaftliches 
Bild, das sind die Motive. 
Handstickereien stellt Flo- 
rence Hösel aus. Auch hier 
wird erfreulicherweise der 
dekorative Eindruck betont. 
Großzügige Landschaften, 
auch phantastische Entwürfe 
(z. B. silberne, leuchtende 
Pfauen zwischen exotischen 
Blumen) sind hier mit der 
Nadel gestaltet. Das Material 
prunkt etwas zu sehr. Das 
Künstlerische könnte mehr 
vorherrschen. Ganz kleine 
Stickereien namentlich zei 
gen öfter kleinliche und auch 
nicht genaue Arbeit, so daß 
man es loben muß, daß bei 
ganz ausführlichen Arbeiten 
der große Flächeneindruck 
meist gewahrt ist. Die Künstlerin hat ein 
Gefühl für dekorative Werte, das zeigen 
ihre schwarzen Vorhänge, auf denen nur 
hin und wieder ein Rot auftaucht. — Die 
Kunststickereien von Math, und Elsa Huber 
zeigen mehr ornamentalen Charakter. Die 
Komposition richtet sich nicht auf natura 
listische Wiedergabe, die dekorativ stärker 
betont wäre. Die Blumenwelt gibt ihnen 
die Unterlage zu aparten Mustern, Nament 
lich die Kissen sind mit sicherer und feiner 
Materialempfindung gearbeitet, wenn auch 
die Ornamentik selbst nicht originell zu 
nennen ist, sondern sich geschickt an 
Muster anlehnt, die die moderne Kunst aui 
diesem Gebiet erprobt. 
Unter den in der letzten Koje ausgestellten 
Einzelarbeiten sind die leuchtenden Emaillen 
Frida Bastaniers nach BoAicelli zu er 
wähnen, denen ein besonderer Wert jedoch 
abgeht. Eine schöne Pelikangruppe von 
Gaul führte Randhahn (Bunzlau) aus, deren 
breite Wirkung in dem stumpfen Weiß des 
Materials gut herauskommt. Die Majo 
liken von Luise Hoffmann-Fallersleben 
sind farbig wohl vollwertig, aber dekorativ 
dennoch zu unentschieden in der Wirkung. 
Die Schreibzeug-Garnitur von A. Müller 
empfiehlt sich durch die flächige Wirkung 
des schwarzen, glatten Materials. Plessners 
keramische Arbeiten sitzender Junge, ein 
Bär, zwei Frauen und einige einfache Re 
liefs - erheben sich nicht über den guten 
Durchschnitt, sie haften zu sehr an dem 
gegebenen Vorwurf, ohne einen besondern 
Stil zu suchen. Schön ist die farbige 
Wirkung. Das Formale geht den Werken 
noch ab. 
Den dekorativen Malereien, die in dem 
anschließenden Saal untergebracht sind und 
die ungezwungen den Übergang zu der 
Gemäldeausstellung vermitteln, fehlt leider 
oft der ruhige, dekorative Gesamteindruck. 
Die Wirkung ist überladen und zu bunt. 
Das Gegenständliche drängt sich vor und 
der architektonische Wert leidet unter dem 
erstrebten Eindruck des bildartigen Er- 
zählenwollens. Am ehesten ist noch eine
        
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