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Full text: Berliner Architekturwelt Issue 8.1906

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AEB. 96. 
VOR DE W BADE. VON MARTIN GÖTZE, 
m m BILDHAUER, BERLIN. @3 & 
GROSSE BERLINER KUNSTAUSSTELLUNG 1905. 
zimmer von Altherr, das ohne bestimmte 
Stilnachahmung in freierWeise den Gesichts 
punkt des gemütlichen Wohnens festhält, 
durchaus ansprechend und man kann wohl 
Voraussagen, daß dieser Eindruck ein 
dauernder sein wird. Auch die kleinen 
Bilder, die in der gleichenHolzfarbe gerahmt 
sind, sind so geschickt verteilt, wie man sie 
wohl selbst hängen würde. Es ist nichts 
Aufdringliches in dem Raum, Die Wand 
bekleidung ist stumpfgrün. Ebenso der 
Bodenbelag. Die Farbe der Stühle, des 
Tisches, der Bank ist ein tiefes sattes Braun. 
Die Form der Möbel ist bestimmt und ein 
fach, ohne Schnörkel, ohne Extravaganzen, 
die dem Bewohner üble Konsequenzen auf- 
erlegen und ihm sein Heim unwohnlich 
machen. Eine einfache Solidität herrscht 
vor. Der Künstler schuf aus den Bedürf 
nissen heraus, das merkt man, und nicht 
bloß aus dem Vergnügen am Spiel der eige 
nen Laune, was dem Wesen der Zweck 
kunst entspricht. Auch das ruhige Orange 
der Kissen auf den Stühlen und dem Sofa 
fügt sich gut dem warmen 
Gesamttonein. Gerade heut 
zutage, wo die Laune der 
Künstler in stilgerechten In 
terieurs Orgien feiert, be 
rührt dieses Gestalten aus 
dem Zweck und derBestim- 
mung heraus, dieses maß 
volle Beschränken wohl 
tuend. 
Es folgt ein Jagdzimmer 
von Hornstein - Grünin 
gen, ein Eßzimmer von 
Rud. und Fia Wille, die 
ebenso wie die Gesamtaus 
stellung des Werkringes, 
der neuen Vereinigung für 
Haus- und Wohnungskunst, 
über deren Ziele der Archi 
tekt Endell vor kurzem 
einen Vortrag hielt, noch 
nicht fertig sind. 
Die Architektur des Saales, 
die Anordnung, geschieht 
durch Endell. Es wird also 
gegebenen Falles nach Fer 
tigstellung der Räume dar 
über zu berichten sein. Die 
Verzögerung rechtfertigt 
sich durch den Umstand, 
daß die Vereinigung vor 
kurzer Zeit erst zustande 
kam. Man kann einige 
Hoffnungen an sie knüpfen. 
Denn die Grundsätze, die 
Endell vor einigen Wochen 
zur Erläuterung der Ziele 
Vortrug, zeugten von Ein 
sicht und klarem Willen, 
den Sinn und die Notwen 
digkeit der Formgebung zu 
betonen und den Haupt 
wert darauf zu legen, daß 
in den zu schaffenden Räumen „gewohnt“" 
werden soll und kann. Die Kojen 
abteilung ist von Prof. Grenander ent 
worfen und eingerichtet. Um einen Mittel 
gang liegen sechs kleinere Räume, deren 
Gliederung durch weiße Holzpfeiler, die 
zugleich als Ständer für kleinere plastische 
Arbeiten dienen, gegeben ist. Die räum 
liche Wirkung ist eine intime, die Farben 
wahl der Wandbekleidung geschmackvoll, 
die Beleuchtung gut. Hier stellen einige 
Künstler kollektiv aus, kunstgewerbliche 
Arbeiten alles. Da ist der Maler Max 
Fleischer, der seine schönen Batik-Stoffe 
zeigt, Die Farben sind meist düster, wie 
es primitive Völker, denen die Technik ent 
nommen ist, lieben. Die Formen sind 
ornamental verwandte Blumenmuster oder 
geometrische Figuren, denen die Brand 
stellen des abgeschmolzenen Wachses einen 
feinen, reizvollen Hintergrund geben, der 
aussieht, wie das krakelierte Muster auf 
chinesischem Porzellan. Namentlich ein 
grauschwarzes Tuch, ein grünlichbrauner
        
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