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Full text: Berliner Architekturwelt Issue 8.1906

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ABB, 75. 
Kopfleiste von Kllngner. 
angeschlagen, die dann in den einzelnen 
Sälen zu höchstem Glanze gesteigert werden, 
Am Ende des Einganges liegt die monu 
mentale Marmortreppe, Daneben glänzt 
das Metallwerk des großen Personenauf 
zuges, der in diese romanisierende Archi 
tektur im Grunde nicht recht hineinpaßt. 
Man betritt dann die niedrigen Gardero 
benräume, die rechts und links mit den 
Toilettenräumen (Architekt: R. Walter) ver 
bunden sind. Zu den eigentlichen Räumen 
kann man dann, unbehindert durch die be 
kannten Garderobenpyramiden oder be 
hängte Wände, den vollen Raumeindruck 
freier Wände auf sich wirken lassen. 
Die gesamte künstlerische Innenaus 
stattung ist nach Zeichnungen R. Riemer- 
schmids ausgeführt und trägt in mancher 
Beziehung einen durchaus süddeutschen 
Charakter, Besonders die Holzvertäfelung 
der Wände besitzt in der hier ausgeführten 
Form Vieles von derber volkstümlicher Art, 
die auch der Möbelkunst Riemerschmids 
eigen ist. Die gute alte Art der getäfelten 
altdeutschen Trinkstube wurde in lichte, 
farbenfrohe Vornehmheit übertragen. 
Durch den großen Vorsaal, dessen Wände 
in Eichenholz getäfelt sind, gelangt man 
nach rechts in den Kaisersaal mit einem 
Gemälde Sr. Maj. des Kaisers von H. von 
Oehlschläger. Die sich hier anschließende 
Flucht von Räumen ist farbig überaus 
glücklich zusammen gehalten. Aus dem 
in Hellbraun gehaltenen Kaiserzimmer sieht 
man nach der Straße hin durch einen nie 
deren mit Kacheln bekleideten Raum in 
Grünblau in den sogenannten Spiegelsaal, 
dessen Wände wieder in lichtem Braun 
mit hohen, aus Redwood und Eichenholz 
hergestellten Paneelen verkleidet sind. Um 
gekehrt korrespondiert mit dem grünblauen 
Gewölberaum wieder der prächtige Onyx 
saal im Schmelze seines grüngelblichen 
Materials. 
Im Spiegelsaal an der Straße ist die Decke 
in ihrer ganzen Ausdehnung mit Messing 
blechbeschlagen, eine byzantinische Prunk 
entfaltung, die allerdings sehr geeignet 
scheint, die Besucher von der Straße herein 
zulocken. Schmale Spiegel an den Wänden 
spiegeln den Lichterglanz der Decke wieder 
und geben dem Raume atmendes Leben. 
An den Wänden ziehen sich dünne grüne 
Guirlandcn hin, die zum ständigen Inventar 
des Raumes zu gehören scheinen, jedoch 
allzu spielerisch wirken. Riemerschmid 
empfindet überhaupt mehr als Maler, und 
mancher Architekt wird mit einigen seiner 
Lösungen nicht ganz einverstanden sein. 
Die fast verschwenderische Pracht des 
ganz mit brasilianischem Onyx bekleideten 
Saales wäre mit größerer Zurückhaltung 
dem tektonischen Charakter des Materiales 
vielleicht gerechter geworden. Der Glanz 
des Onyx spiegelt den Luftraum so stark 
wieder, daß jede tektonische Anforderung 
illusorisch wird. Die Decke dieses Saales 
ist als Kappengewölbe ausgebildet. An den 
Schmalwänden sind zwei dekorativ bedeu 
tende Bilder von Albert Klingner, Berlin, 
Noahs Weinprobe und die Erntefreude, so 
wohl wegen der Lebendigkeit der Dar 
stellung wie der eigenartigen dunklen 
Farbengebung, die mit der exotischen Pracht 
des Onyx wundervoll zusammenklingt, be 
sonders hervorzuheben. 
Dem Onyxsaal entsprechend liegt auf der 
Gegenseite der Rosensaal, der sich links 
vom Vorsaal an den in Eichenholz gehalte 
nen Buffetraum anschließt. 
In diesem Saale ist alles prickelnde 
Lebendigkeit. Von der Decke fließt ein 
Regen dünner Lichtkörper. An den 
lichten Wänden sieht man über grauem 
Ahornpaneel Rundbilder von Fritz Erler, 
Mosel-, Rhein-, Bordeauxwein und Cham 
pagner in Gestalt lustiger Frauengestalten. 
Ein Ornament stilisierter roter Rosen steigert 
diese ganze Lebendigkeit bis zur Aus 
gelassenheit. 
Aus diesem Raume führt eine Treppe nach 
den im Zwischengeschoß gelegenen dreiklei 
neren Räumen, dem blauen Zimmer, dessen 
Wände und Decken mit gescheuertem und 
dunkel gebeiztem Redwood bekleidet sind, 
einemVorzimmer, dessenDecke mitMessing 
beschlagen, dessen Wände mit hellgehal 
tener und geschnitzter Redwoodpaneele,
        
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