Publication:
1906
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-9143377
Path:

DER WETTBEWERB
UM EIN GESCHÄFTSHAUS FÜR DIE
ALLGEMEINE ELEKTRIZITÄTS-GESELL
SCHAFT IN BERLIN.
Anfangs dieses Jahres spielte sich inBerlin
ein. bedeutsamer allgemeiner Wettbewerb
ab. Das Ergebnis war außergewöhnlich
und höchst überraschend; es wurde nicht
nur kein erster Preis, sondern überhaupt
kein Preis erteilt. Das Preisgericht kam
zu der Ansicht, daß von allen 104 rechtzeitig
eingegangenen Entwürfen kein einziger in
vollem Umfange die baupolizeilichen Be-
dingungen erfülle; daß ferner keiner durch
schlagende Vorzüge der Grundrißlösung mit
hohen Ansprüchen genügender künstleri
scher Gestaltung des Äußern und Innern
vereinige; daß dagegen die auf die engere
Wahl gesetzten 13 Entwürfe doch so bemer
kenswert seien, daß man sie als die relativ
besten bezeichnen könne. Ergebnis: Manbe-
schloß, für die zur Verfügung gestellte Hono
rarsumme diese 13 Entwürfe anzukaufen.
Damit hat also das Preisgericht jeden bis
herigen Rekord geschlagen. Es liegt mir
nichts ferner als eine Kritik dieses Preis
richterspruches; man muß sich im Gegenteil
freuen, daß dem in den letzten Jahren so
vielfach geübten Brauche — Mißbrauche • ,
keinen ersten Preis zu verteilen, auf diese
Art die Krone aufgesetzt wurde. Es gewinnt
dadurch die Hoffnung Raum, daß die Preis
richter sich demnächst wieder auf eine
programmäßige Verteilung der Preise be
sinnen werden. Hat doch die Vereinigung
Berliner Architekten bei ihrem neuesten
Wettbewerb die einsichtsvolle Bestimmung
aufgenommen, daß ein erster Preis unter
allen Umständen verteilt werden muß. Das
wird zur Nachahmung empfohlen!
Wie aber ist es möglich, daß sich unter
104 Entwürfen nicht so viele Anden, die der
6 ausgesetzten Preise wert erscheinen, zu
mal wenn der Durchschnitt ein guter ist?
Und daß er das war, bestätigten nicht nur
einzelne Preisrichter, das sah auch jeder
unbefangene Beschauer der ausgestellten
Arbeiten, Der Grund dafür liegt lediglich
in der allzu knapp bemessenen Arbeitsfrist
von noch nicht 3 Monaten. Wie sollen
praktisch erfahrene und zur Lösung der
artiger Aufgaben geeignete Künstler — und
solche will man doch zur Mitarbeit heran
ziehen — neben ihren vielen laufenden
Arbeiten in so kurzer Zeit noch Muße finden,
dieselben künstlerisch befriedigend zu be
wältigen? — Darin liegt das ganze Geheim
nis so vieler ergebnislos verlaufener Wett
bewerbe der letzten Jahre. Also; gebt mehr
Zeit! —
Die Entwürfe selbst — wir bringen nach
stehend die 13 angekauften — unterscheiden
sich wesentlich nach 2 Gesichtspunkten:
erstens, ob sie die Vorderfront ganz oder
nur teilweise bebauen. Der Bauplatz liegt
am Friedrich-Karlufer in Berlin, links
vom vollbebauten Grundstücke des Nieder-
barnimer Kreishauses, rechts vom Gelände
des Lessingtheaters begrenzt. Das Theater
steht bekanntlich ringsum frei. Rechnet
man nun mit diesem Zustande, und daß
derselbe vorläufig bestehen bleibt, so liegt
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