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Full text: Berliner Architekturwelt Issue 8.1906

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Ganz besonderes Interesse beanspruchen 
durch die Zusammenfassung eines größeren 
Komplexes zur Einheit die Beamtenhäuser 
von C. Cornelius (Frankfurter Chaussee 52 
bis 57). 
* 
Von den Landhäusern macht eine Grune- 
waldvilla von Hans Grube einen über 
aus reizvollen Eindruck, allerdings mußte 
der einheitliche Komplex des Ganzen durch 
das Atelierhaus auseinandergerissen wer 
den. Verwandten Charakter zeigt eine 
Villa von Karl Ed. Bangert. Landhäuser 
dieser Art scheinen für das moderne Ein 
familienhaus am meisten zu entsprechen. 
Hierhin gehören das Giebelhaus von Bruno 
Möhring, eine Villa von Erdmann und 
Spindler in Godesberg, eine Villa von 
Sepp Kaiser in Luzern, welch letztere 
der anderen landschaftlichen Umgebung 
entsprechend völlig anderen Charakter 
tragen. Eine Grunewaldvilla von Fritz 
Schumacher ist bei dem geringen Größen 
verhältnis zu massig und burgmauerartig 
ausgefallen. Ein Ärztehaus von Ludwig 
Hoffmann sei für kleinere Ansprüche 
erwähnt. Von Villen sind noch zu nennen 
die Arbeiten von Ludwig Otte, Karl Ed, 
Bangert, Emil Frey, Job. Kraaz. 
Ein Gefängnis in Pankow von R. Mön- 
nich verdient hervorgehoben zu werden, 
weil hier der Versuch gemacht wurde, 
den trostlosen Aspekt dieser Institute durch 
eine freundliche „villenartige“ Außenseite 
zu heben. 
* * 
H* 
Die erfreulichsten Fortschritte liegen auf 
dem Gebiete der Innenausstattung. Die 
Ausstellung A. S. Ball, die Ausstellung des 
Werkrings boten eine Fülle guter Arbeiten. 
Am wenigsten erfreulich sind die Arbeiten 
des übrigen Kunsthandwerkes; nur auf 
Gebieten, wo eine einfachere Ornamen- 
tierung dem Materiale entspricht, beginnt 
eine gewisse Sicherheit der künstlerischen 
Durchführung zum Ausdruck zu kommen. 
* + 
+ 
Für die Weiterentwicklung unserer An 
schauung, die auf Schritt und Tritt von 
der Formenwelt unserer alten Kulturen 
gefesselt aber auch beirrt wird, ist es 
wichtig immer wieder zu betonen, daß 
äußerliche Nachahmung alter Kulturformen 
nichts weiter ist wie handwerksmäßige 
Fertigkeit. Seit einigen Jahrzehnten war 
diese Tätigkeit in so allgemeiner Übung, 
daß selbst die Ästhetik versuchte, Kunst 
aus Material und Technik zu erklären. 
Heute, wo das allgemeine Bestreben auf 
größte Vereinfachung und Zweckdienlich 
keit des Ausdruckes hindeutet, wo sich 
eine größere Vertiefung und feinere Art, 
die Dinge zu sehen, herausgebildet hat, ist 
man wieder bemüht, über die einfachste 
Tektonik auch der gleichgültigsten Formen 
Klarheit zu gewinnen. Heute sieht die 
Ästhetik das Wesentliche des Künstleri 
schen in einer freien schöpferischen Tätig 
keit, die erst in zweiter Linie Rohmaterial, 
Technik, Unternehmertum, Zweckbestim 
mung ihrem Willen gefügig macht. Neben 
dieser theoretischen Aufstellung gewinnt 
heute die praktische künstlerische Tätig 
keit im Aufmerksamwerden auf die natür 
liche Schönheit des Materials und den Zu 
sammenhang der großen Natur und des 
Menschen.
        
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