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Full text: Berliner Architekturwelt Issue 8.1906

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X Vereinigung Berliner Architekten. In der 
vorletzten Versammlung kam eine Frage zur Be 
sprechung, die für die künstlerische Anschauung unserer 
Zeit von weitgehendster Bedeutung ist. Am Bau des 
Düsseldorfer Schauspielhauses nannte sich auf einer 
Inschrifttafel lediglich die ausführende Unternehmer 
firma als Erbauerin, während der Name des ausfühTenden 
Architekten unterdrückt wurde. Es herrscht hier die 
gleiche veraltete Anschauung, die ein Kunstwerk aus 
Faktoren Material und Technik zu erklären versucht. 
Heute sind wir endlich dazu gelangt, Absicht und 
Wollen des Künstlers als den ersten und wesentlichen 
Faktor hinzustellen, dem sich in zweiter Linie Material, 
Technik, Unternehmertum unterordnen. Eine klare 
und deutliche Scheidung ist hier im Interesse jeder 
künstlerischen Arbeit Haupterfordernis. Eine einheit 
liche Schöpfung kann nur von einem Auge gesehen 
und von einer Hand im wesentlichen entworfen werden. 
Die Vereinigung gelangte zu dem Beschluß, daß der 
Künstlername in erster Linie genannt werden müßte. 
Da jedoch einer als Hauptunternehmerin auftretenden 
Firma ein gewisses Verdienst am Zustandekommen 
des Werkes nicht abgesprochen werden könne, so dürfe 
der Name der Firma nicht ausgelassen werden. Der 
Text der im Vestibül des Düsseldorfer Schauspielhauses 
neu anzubringendun Tafel sei also zu fassen: Architekt: 
Bernhard Sehring in Charlottenburg. Ausführung: 
Boswau und Knauer in Berlin. Diese überaus wich 
tigen Fragen über das Verhältnis zwischen Künstler 
und Unternehmertum und die Beziehungen zu den 
wirtschaftlichen Fragen der Zeit bedürfen eines gründ 
lichen Wandels. Die Versammlung kam hier zu dem 
Entschlüsse, einen Ausschuß zu ernennen, der sich 
mit der Frage zu beschäftigen habe, durch welche 
Mittel und Wege die Stellung des Architekten als 
Künstler in der Öffentlichkeit gestärkt und seine Tätig 
keit der modernen wirtschaftlichen Bewegung angepaßt 
werden könnte. Der Ausschuß besteht aus den Herren: 
Bangert, Boethke, Hehl, Alb. Hofmann, Möhring, 
Scheurembrandt und Schilbach. 
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± Dr, Georg Swarzenski, Privatdozent an der 
Berliner Universität wurde als Direktor der Sammlungen 
des Städelschen Kunstinstituts nach Frankfurt berufen. 
Swarzenski war vorher Assistent am Kunsthistorischen 
Institut zu Florenz und zuletzt Direktorialassistent am 
Königlichen Kunstgewerbemuseum, Gleichzeitig mit der 
Verwaltung des Städelschen Institutes ist ihm die Leitung 
der zu gründenden Städtischen Galerie übertragen, 
* * 
* 
X Eine Ausstellung der neuesten Erfindungen in 
Olmtkz veranstaltet der Olmutzer Gewerbeverein im 
Jahre igoy, Gegenstände des Patent- und Gebrauchs 
musterschutzes sowie Neuheiten auf den verschiedenen 
fach technischen Gebieten sollen dargeboten werden. 
Die Ausstellung ist international. Anmeldungstermin 
bis 15. Februar tgoö. Drucksachen beim Olmützer 
Gewerbeverein erhältlich. Nachdem dieser Verein in 
den Jahren 1892 und 1902 zwei glänzende Ausstellungen 
durchgeführt hat, ist an dem Gelingen dieses höchst 
eigenartigen Unte nehmens wohl nicht zu zweifeln, 
* * 
z\= Verein beratender Ingenieure für Elektrotech 
nik, Die zweite Jahresversammlung fand am 17. und 
18. November im Palast-Hotel in Berlin statt. Die 
starke Beteiligung der Mitglieder förderte lebhafte Be 
sprechungen zu der umfassenden Tagesordnung. Die 
in der vorigen Jahresversammlung gewählteKommission 
hat einen eingehenden Bericht über die Sicherheit 
elektrischer Anlagen erstattet, welcher allgemeine An 
erkennung fand. Neue Anregungen wurden gegeben 
und deren Ausarbeitung beschlossen. Eine weitere 
Entwicklung des Vereins, sowie günstige Kassenver- 
hältnisse wurden konstatiert. Die wieder gewählte 
Vorstandschaft setzt sich für das dritte Vereinsjahr 
zusammen, aus dem Vorsitzenden Dr, E, Müllendorff- 
Berlin, dem stellvertretenden Vorsitzenden F. Tischen- 
dörfer-Berlin, dem Schatzmeister A. Boettcher-Magde- 
burg, dem Schriftführer O. Hirstein-Berlin und dem 
Beisitzer E. Coste-Düsseldorf. Nach dem geschäftlichen 
Teil der Tagesordnung wurden Vorträge gehalten von 
Herrn Tischendörfer über Dampfturbine und Turbo- 
dynamos, von Herrn Boettcher über neuere Betriebs 
maschinen und von Herrn Kirstein über Sicherungen. 
Die durch zahlreiche Abbildungen und Modelle unter 
stützten Vorträge wurden beifällig aufgenommen und in 
der sich anschließenden Diskussion die Erfahrungen 
über moderne Maschinen und Dynamos ausgetauscht.
        
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