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Full text: Berliner Architekturwelt Issue 8.1906

DER NEUBAU DER „KOMISCHEN OPER.“ 
Unter künstlerischer Mitarbeiterschaft des 
Architekten Arthur Biberfeld wurde dieser 
Bau in er. 11 Monaten — Dezember 1904 
bis November 1905 von der Baufirma 
Lachmann & Zauber ausgeftihrt. Obgleich 
schon seitiöjahren eine Preußische Theater- 
bau-Ordnung existiert, ist die „Komische 
Oper“ das erste große Theatergebäude auf 
Berliner Terrain, welches auf Grund dieser 
Bauordnung genehmigt wurde. 
Das Theater faßt 1230 Sitzplätze, ferner 
ein Orchester für 60 Musiker mit Stimm- 
und Garderobenzimmer, eine ausreichend 
geräumige Bühne mit seitlicherHinterbühne, 
25 Ankleideräume für Sänger und Sänge 
rinnen, die notwendigen Probesäle und den 
Raum für Requisiten, Prospekte usw. Sech 
zehn Treppenhäuser vermitteln den Zugang 
nach oben, und 6 von obigen vollständig 
getrennte Kellertreppen den Zugang nach 
dem Untererdgeschoß. Von ersteren dienen 
dem Publikum S Treppen, den Künstlern 6, 
den Bühnenarbeitern 2. Außer dem Theater 
enthält das Gebäude noch zwei Eckläden. 
Als besonders schwierig erwies sich die 
Fundamentierung des Baues. Auf dem ge 
samten Grundstück mußte das Grundwasser 
noch um 5 m tiefer als die Sohle der vor 
beifließenden Spree ausgepumpt werden, 
um den untauglichen Baugrund beseitigen 
und das Fundament errichten zu können. 
Um möglichst Raum zu sparen, wurden 
die massiven Mauern durch Eisenkonstruk- 
tionen verstärkt und die tragenden Pfeiler 
durch eiserne Stützen ersetzt; auch die 
Ränge, obgleich sie bis 8 m ausladen, sind 
vollständig ireie Balkenkonstruktionen ohne 
irgend welche Stützen. 
Die Beheizung des Zuschauerraums er 
folgt durch Öffnungen in der Decke, denen 
vermittelst regulierbaren Drucks die er 
wärmte Luft entströmt; entwertete kalte 
Luft wird durch Öffnungen unter den ein 
zelnen Rängen abgeführt. Die herabströ 
mende Luftrichtung verhindert bei einem 
etwaigen Brande auf der Bühne das Auf 
steigen der Rauchgase nach den Rängen, 
eine Gefahr, welche übrigens durch eine 
in der Mitte der Prosceniumsdecke ange 
brachte Riegenöffnung, durch welche auf 
steigende Gase unmittelbar ins Freie be 
fördert werden, fast vollständig beseitigt ist. 
Im Falle eines Brandes wird die dünne 
Schnur, welche diese Klappen schließt, 
durch das Feuer zerstört, welches so das 
öffnen der Klappen und gleichzeitig den 
automatischen Schluß aller anderen Ab 
zugsöffnungen in der Decke des Zuschauer 
raumes bewirkt, sodaß die Rauchgase auch 
auf die im III.Range befindlichen Zuschauer 
nicht Zuströmen können, 
ZweiFeuermelder, der eine zurBenutzung 
für das Publikum im Hauptvestibül, der 
andere für die Künstler im Bühnenhause 
angebracht, stehen mit der nächsten Feuer 
wache in direkter Verbindung, während im 
Theater seihst durch 13 elektrische Feuer 
signalknöpfe die Meldung irgend welcher 
Gefahr vollzogen werden kann. 150 Not 
lampen im Falle des völligen Versagens aller 
elektrischen Flammen, die bekannte Regen 
vorrichtung, welche dieBühne unterWasser 
setzt, eine Anzahl Hydranten zum Anschluß 
von Schläuchen usw. bilden einen Sicher 
heitsapparat, für dessen tadelloses Funktio 
nieren jede nur erdenkliche Vorsorge ge 
troffen ist. Das Dach des Bühnenhauses 
ist derartig konstruiert, daß es leicht aus 
einandergleitet, und so bei einem Bühnen 
brande der Abzug des Feuers direkt in die 
freie Luft ermöglicht ist; außerdem ist aber 
dadurch, das sämtliche, um den Zuschauer 
raum führenden, mit Fenstern versehenen 
Gänge direkt an der Straße liegen, dem 
Publikum bei Feuersgefahr eine Möglich 
keit geboten, die von außen nahende Hilfe 
in Ruhe abzuwarten, und damit die Gefahr 
einer Panik vollständig beseitigt. 
Die Hauptfassade ist nach der Friedrich 
straße gelegt, wohin sich fünf Eingänge für 
Fußgänger öffnen; dem Wagenverkehr 
dienen die nach dem Weidendamm und 
der Privatstraße liegenden Seitenfronten, 
wo sich auch die Ein- und Ausgänge be 
finden, welche zu den einzelnen Rängen, 
sowie zu den Garderoben der Künstler und 
dem Bühnenhause führen. Eine unterhalb 
der Bühne gelegene Durchfahrt verbindet
        
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