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Full text: Berliner Architekturwelt Issue 8.1906

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der modernen Innenkunst einer der frucht 
barsten Momente. Hiebei kommt es jedoch 
nicht so sehr auf die Kostbarkeit des 
Materials wie auf seine natürlichen künst 
lerischen Eigenschaften an, die naturgemäß 
auch in minderwertigem Materiale vor 
handen sind. In dieser Richtung können 
wir noch vieles von England lernen. So 
hat der Schotte Ch. R. Mackinstosh die 
Wände seines englischen Speisezimmers 
statt mit kostspieligen Hölzern mit grauem 
englischen Packpapier bekleidet. Dem so 
erreichten einfachen, jedoch gediegenen 
Grundtone entspricht eine ähnliche Durch 
führung der grau gebeizten Eicheumöbel, 
die in einfacher ruhiger Verteilung nirgend 
wo den Raum beengen. 
Die Kredenz besteht aus einfachen Bord 
brettern, die zwischen schmalen Schränken 
der Wand eingefügt sind. Alles trägt einen 
fast derben, bäuerlichen Charakter, nur die 
wenigen Farben sind von höchstem Raffine 
ment, Die dunkel grauen Stühle wurden 
mit grünem Leder bespannt, hier und da 
leuchtet dann noch ein lichtes Lila her 
vor, wie in den Vorhängen des Fensters 
oder in dem beliebten Quadratmuster, 
welches auch hier als Belebung der Tür- 
umrahinung verwendet ist. In diesen weni 
gen Farben des vorwiegend dunkelgrauen 
Raumes, der mit der lichten Decke kon 
trastiert, liegt das Geheimnis seiner guten 
Wirkung. 
Die derbe und einfache Behandlung des 
Materials finden wir auch bei G. Wal ton, 
Lond on, hier jedoch mit allerlei Schnitze 
reien und mehr in Anlehnung an ältere 
Stilarten, besonders den in Amerika be- 
liehten Kolonialstil. In seiner Gestaltung 
als niederes, schiffskabinenartiges Wohn 
zimmer aus Nußbaumholz mit Bücher 
schränken, einer langen Bank an der 
Fensterwand, kleinen leichten verstellbaren 
Tischchen und ebensolchen rechteckigen 
Bänken, gehorcht dieser Raum der stark 
entwickelten englischen Geselligkeitskultur 
und ermöglicht aufs leichteste eine unge 
zwungene Bewegung oder zwanglose Un 
terhaltung. 
Ein Frühstückszimmer von C. West 
mann, Stockholm, in hellgebeiztem 
Eichenholz bedeutet für den Eindruck 
weiter nichts neues. Der schablonierte 
bunte Ornamentstreifen der Wand paßt 
sogar in diese Ausstellung nicht mehr hin 
ein. 
Neben diesen einfachen Räumen for 
dern ein Musik- und ein Herrenzimmer 
von Prof. Gr en an der in der Kostbarkeit 
der Durchführung zu allgemeiner Bewun 
derung heraus. Beide Zimmer sind in 
Mahagoni mit Paduk-, Zinn-, Elfenbein- 
und Ebenholzintarsien mit unübertrefflicher 
Präzision der Arbeit ausgeführt. Das hier 
ausgestellte Herrenzimmer ist von St. Louis 
her rühmliehst bekannt. Der Künstler 
wurde dafür mit der goldenen Medaille 
ausgezeichnet. Das Gemeinsame der Möbel 
im einzelnen ist die schmiegsame ein 
ladende Rundung, die in geschwungener 
Linie das Eckige und Kantige tunlichst 
vermeidet. Daneben kommt in einer kost 
bar ausgestatteten Kaminnische mit runden, 
in rotem Steinmosaik ausgeführten Säulen 
und wuchtigen Sesseln eine starre Ruhe 
zu trefflichem Ausdruck. Im einzelnen 
erfordert das organische Gefüge der Möbel, 
die Feinheit der Rundung oder der ge 
schweiften Linie vor allemin den Ansatzteilen 
eine genaue Betrachtung. Besonders versteht 
esGrenander, das komplizierte Werk der In 
tarsien in der Fläche festzuhalten. Dagegen 
hat Prof. Billing-Karlsruhe in einem 
farbig gut gestimmten Bibliothekszimmer 
aus Withe-wood mit Stechpalmen-Intarsien 
bei diesen ein Schwarz so unmittelbar 
neben einen lichten Ton auf hellem Grunde 
angebracht, daß die Intarsien aus der 
Fläche herausgetrieben werden. 
Für das Berliner Kunstgewerbe ist es 
von großer Bedeutung, daß Grenander 
einen Kreis von Schülern um sich ver 
sammelt hat. In einem räumlich ausge 
zeichnet disponierten Empfangssaal, dessen 
Möbel vorwiegend in Nußbaumholz mit 
Intarsien ausgeführt sind, haben H. Brandt, 
A. Fehse, M. Philipp, A. Schmidt, E. 
Schneckenberg einzelne sehr talentvolle 
Arbeiten ausgestellt. Wenn auch ein Zu 
sammenhang vorerst natürlich scheint, so 
ist durchgehends eine einfache klare 
Grundanschauung für die erwachende 
Selbständigkeit das beste Leitmotiv. E. 
Schneckenberg hat in einem Schreib 
tisch mit Stuhl bereits eine ausgezeichnete 
Arbeit geschaffen, die in künstlerischer 
Geschlossenheit und praktischer Verwen 
dung gleich wertvoll scheint. In gleicher 
Weise wäre ein Salon in Nußbaum- und 
Padukholz von Arthur Schmidt hervorzu 
heben, Bei einem Klavier ist hier eine 
äußerst praktische Beleuchtung angebracht, 
die das Licht von oben wirft, während die 
Lichtquelle hinter einer Krämpe zum Schutze 
der Augen verborgen bleibt. 
Von "dem Künstlerehepaar Rudolf und 
Fia Wille ist ein sehr ansprechendes Da 
menschlafzimmer, die Möbel aus unga 
rischem Eschenholz mitPerlmutterintarsien, 
ausgestellt. Die Maserung des Holzes 
leuchtet hier in wunderbarer Stärke. Doch 
scheint auf diesem Grunde eine so zarte 
Linienintarsia wie beim Schlüsselloch des 
Schrankes unwirksam und überflüssig. 
Erich Kleinhempel-Dresden hat einen 
Damensalon aus Mahagoniholz mit Birn 
baumintarsien ausgestellt, wenig neu im 
Eindruck und unruhig in der dekorativen 
Behandlung der Wände, Dieser Umstand 
ließe sich jedoch leicht heben, wenn man 
die wenigstens an dieser Stelle wenig an 
sprechenden Bilder wegnähme. Wie denn 
im Anbringen von dekorativen Werken an 
der Wand überhaupt vielfach eine gewisse
        
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