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Full text: Berliner Architekturwelt Issue 8.1906

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4^ Eine Ausstellung der Denkmalpflege im Elsaß 
wird im Aufträge des Ministeriums vom Kaiser 
lichen Denkmal-Archiv vom 24. September bis 5. No 
vember in den Räumen des alten Schlosses zu Straß 
burg i. E. veranstaltet. Es handelt sich um wissen 
schaftliche Hülfsmittel der Denkmalpflege: Urkunden, 
alte Pläne, Aufnahmen, Zeichnungen, Photographien, 
Publikationen usw., ferner um technische Hülfs 
mittel, Bearbeitung des Materials, Steinmetzarbeiten, 
Wiederherstellungen von Glasmalereien, Wandmale 
reien , Gobelins, Holziiguren usw, und um aus 
geführte und in der Ausführung begriffene Arbeiten 
der Denkmalpflege. Damit verbunden werden: I. Vor 
träge am 25. September: „Wie man wiederherstellen 
soll* *: Herr Bodo Ebhardt, Architekt der Hohkönigs- 
burg. 5. Oktober: „Die Denkmalpflege in Elsaß-Loth 
ringen“: Herr Prof. Wolif, Konservator der geschicht 
lichen Denkmäler im Elsaß. 12. Oktober: „Mittelalter 
liche Technik und moderne Restauration“: Herr J. Knauth, 
Münsterbaumeister. ig. Oktober: „Rundgang durch 
unsere Burgen in den Vogesen unter Berücksichtigung 
der Naturdenkmäler“: Herr Prof. Dr. Luthmer. 26. Ok 
tober: „Das Elsaß und seine Stellung in der kunst- 
geschichtlichen Entwicklung“ : Herr Prof. Dr. Polaczeck, 
II. Sonderausstellungen vom 24. September 5. Okto 
ber: Ausgefiihrte und in der Ausführung begriffene 
Arbeiten der Denkmalpflege. 6. Oktober 11. Oktober: 
Bauern- und Bürgerhäuser. 12. Oktober— 18. Oktober: 
Aufnahmen der Glasmalereien des Münsters in Straß 
burg. ig. Oktober—25. Oktober: Burg- und Schloß 
ruinen im Elsaß. 26. Oktober — 31. Oktober: Die be 
deutendsten Kunstdenkmäler im Elsaß. 1. November — 
5. November: Zeichnungen und Aufnahmen elsässischer 
und italienischer Bauwerke von Ch. Fr. Perrin (Straß 
burg 1811 —1868). 
9 * 
* 
00 Gefärbte Hölzer. Seit einiger Zeit erinnert man 
sich wieder eines Verfahrens, das man ehemals mit 
Vorliebe anwandte: des Beizens. Man beizt nament 
lich Eichenholz in den seltsamsten Farben, und das 
Verlangen nach immer neuen Farben scheint uner 
sättlich. Aber auch hier stellen sich leider einige 
Mängel heraus. Zunächst ist das Beizen eine sehr 
schwierige und mühselige Arbeit, dann aber hat man 
nie die Gewähr, daß man den gewünschten Farben 
ton auch wirklich trifft. So ist es das Bestreben der 
letzten Jahre gewesen, ein Verfahren zu erfinden, das 
an Stelle des Beizens, welches nach Fertigstellung des 
Möbels geschieht, und, wie gesagt, ziemlich mühevoll 
und unsicher ist, das Holz vor der Verarbeitung zu 
färben gestattet, Man hat dieses bislang durch Kochen 
des Holzes in der Farbe zu erreichen versucht; erst 
der neuesten Zeit blieb es Vorbehalten, ein Verfahren 
in größerem Maßstabe zur Anwendung zu bringen, 
das man als geradezu vollendet bezeichnen muß. 
Das Prinzip dieses Verfahrens ist der Ersatz des na 
türlichen Holzsaftes durch Farbstoff. Man bringt den 
ganzen Stamm frisch, wie er gefällt ist, in ein eisernes 
Gefäß, preßt unter Anwendung hydraulischen Druckes 
den Saft heraus und zwar derart, daß man an das 
eine Stammende den hydraulischen Druckapparat an 
setzt und in Wirkung bringt, so daß am anderen Ende 
das Wasser in Strömen herausläuft. Nun bringt man 
auf gleichem Wege die Farbe in den Stamm und sät 
tigt mit ihr die Poren und Kanäle, Das auf diesem 
Wege gewonnene Material zeigt nach dem Trocknet! 
eine schöne gleichmäßige Farbe. Die Vorteile dieses 
Verfahrens liegen auf der Hand. Zunächst ist das 
Holz durch und durch gefärbt, sodaß man Fourniere 
und Bohlen daraus schneiden, es hobeln, schnitzet! 
und überhaupt wie Nußbaum und Mahagoni behandeln 
kann; immer wird es von gleicher Färbung innen wie 
außen sein. Ferner läßt es nicht nur die Struktur 
klar und deutlich erkennen, sondern diese wird durch 
das Verfahren sogar noch gehoben. Das am besten 
für dieses Verfahren sich eignende Holz scheint die 
schwedische Birke zu sein, die einerseits ein festes, 
zähes Holz hat, andererseits aber doch porös genug 
ist, um die Farbe durchzulassen; im übrigen ist aber 
gerade die Birke von herrlicher Struktur und giebt 
namentlich poliert, wunderbare, seidenartige Wirkungen. 
Das durchgefärbte Birkenholz kommt unter dem Namen 
„Björkholz** in den Handel und beginnt bereits seiner 
schönen Farben und seiner herrlichen Maserung wegen 
sich großer Beliebtheit zu erfreuen. Besondere Auf 
merksamkeit erregen zur Zeit einige in diesem Holz 
in der „Großen Berliner Kunstausstellung“ ausgestellte 
Zimmer. Julius Philipp.
        
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