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Full text: Berliner Architekturwelt Issue 8.1906

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in der Künigstraße und am Weidendamm. 
Für die Stadt Berlin arbeitete er an der 
architektonischen Gestaltung von Brücken. 
Krause war ein unabhängiger und geist 
reicher Autodidakt, und so schlug er schon 
in seinen allerersten Werken einen freien, 
selbständigen Ton an, abweichend von der 
Schablone der historischen Stile, weiche 
damals der Mehrzahl der Architekten noch 
als „allein seligmachend“ galt, Er war ein 
Künstler, der Eigenes zu geben hatte und 
dies mit Überzeugung gab, dabei stets maß 
voll und ernsthaft. Auf diese Weise hat er 
als ein im besten Sinne moderner Künstler 
mitgeholfen an der Fortentwicklung unserer 
hehren Kunst, deren neues Aufblühen auch 
er kommen sah. Allerdings glaubte er nicht 
daran, daß uns, wie so mancher meint, eine 
neue Architektur erstehen könne aus den 
Kleinigkeiten des Kunstgewerbes, dessen 
vielen, aufdringlichen Ruhmredereien er 
schroff abweisend gegenüberstand. Pflegte 
er doch häufig zu spotten, daß man Über 
einen neu entworfenen Kleiderhaken ein 
Geschrei zu erheben beliebe, als sei „der 
Kleiderhaken des Jahrhunderts“ erfunden 
worden, 
Es hieße nun, Krauses eigenartiger Per 
sönlichkeit nur teilweise gerecht werden, 
wollte man nicht auch seiner unbestreit 
baren Verdienste Erwähnung tun, die er 
sich um die Interessen der Architektenschaft 
erworben hat. In frischer, zielbewußter 
Haltung, die ihn selbst während seiner 
langen Krankheit nicht verließ, trat er, unter 
Zurücksetzung seiner eigensten Interessen 
und gelegentlich auch ohne Rücksicht auf 
seine Freunde, stets kampfbereit für das 
ein, was er einmal als richtig und erstrebens 
wert erkannt zu haben glaubte. Er hatte 
den Kampf gegen jegliches Philistertum und 
„molluskenhafte“ Wesen in Kunst und Ge 
sinnung auf seine Fahne geschrieben. Wohl 
hat er sich durch seine ungebundene und 
autodidaktische Art manchen Feind ge 
schaffen, aber jeder, der sehen konnte und 
sehen wollte und nicht den philiströsen 
Maßstab der Schulweisheit an ihn anlegte, 
der wird eingestehen, daß man sich bei 
H. A. Krause einer überzeugungstreuen, 
redlichen und unzweifelhaft ernst streben 
den Künstlernatur gegenüber sah, deren 
frühzeitigen Heimgang man betrauern 
muß.
        
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