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Full text: Berliner Architekturwelt Issue 8.1906

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die langgestreckte Form des Grundstückes 
zur Anlage eines Hotelgrundrisses mög 
lichst ungünstig. Sahen sich aul die Weise 
die Wettbewerber einer Häufung von 
Schwierigkeiten gegenüber, so stand ihnen 
zum Überfluß auch noch eine viel zu knapp 
und unzureichend bemessene Zeit für die 
Lösung der Aufgabe zur Verfügung. Und 
so ist es denn gekommen, daß trotz vieler 
tüchtiger und trefflicher Grundrißlösungen 
keine einzige zu Tage getreten ist, die 
einen wirklich großen Zug verrät und 
das muß für ein Haus an dieser Stelle sehr 
bedauert werden. 
Nirgendwo genügend gelöst ist die Ver 
bindung des Hoteleinganges und der Haupt 
treppe mit den an der spitzen Ecke des 
Grundstückes liegenden Gastzimmern; der 
Weg zu denselben ist meistens sehr weit 
und unübersichtlich; das ist ein um so 
empfindlicherer Mangel, als gerade die 
Logierzimmer an dieser Stelle die wert 
vollsten des ganzen Hauses sind. Mehrfach 
ist versucht worden, dem abzuhelfen durch 
Anordnung von hellen Hauptfluren, die ihr 
Licht von großen Höfen erhalten, eine An 
lage, die, wenn sie auch eigentlich als 
selbstverständlich gelten sollte, gelobt werden 
muß; haben es doch viele Wettbewerber 
fertig gebracht, die Flure als dunkle Mittel 
flure mit beiderseitigen Zimmerreihen zu 
gestalten. Es ist heute doch wohl nicht 
mehr angängig, bei einem so großen Hotel 
die Korridore an den Kreuzungspunk 
ten notdürftig durch kleine Schächte zu 
lüften und mit einem Dämmerschein von 
Licht auszustatten und im übrigen der 
elektrischen Beleuchtung — auch bei 
Tage — alles zu überlassen. Mit Recht 
rühmt daher das Preisgericht an dem erst 
prämiierten Entwürfe die helle und gute 
Beleuchtung der Korridore. Umsomehr 
erstaunt man, daß dasselbe Preisgericht 
2 Entwürfe ausgezeichnet hat, die hierin das 
gerade Gegenteil leisten. Mit dieser Korri 
dorfrage eng zusammen hängt auch die An 
lage der Zugangstreppen, Während von dem 
Preisgerichte bei dem Kuhlmann'schen Ent 
würfe gerade die Anlage nur einer Haupt 
treppe hervorgehoben wird, — eine Anord 
nung, die auch vielfach bei nichtprämiierten 
Arbeiten vorkommt — zeigen die 3 erst 
prämiierten Entwürfe 2 Haupttreppen ent 
sprechend den beiden Hoteleingängen an der 
Königgrätzerstraße und am Leipzigerplatz. 
Ist letzteres Motiv auch weniger schön 
und erschwert es die Übersichtlichkeit, so 
vermittelt es doch anderseits gerade bei 
dieser Grundstücksform den Verkehr nach 
den Logierzimmern in bequemerer Weise. 
Auffällig ist bei manchen Entwürfen 
die scheinbare Unkenntnis der Bedürf 
nisse eines großen Hotel- und Restau 
rationsbetriebes; dieselbe äußert sich teils 
in unzureichenden Küchen, teils in dem 
Mangel der notwendigsten Wirtschafts- 
räume, teils in der fehlerhaften Anordnung 
des Gepäckverkehrs beim Hoteleingang, 
und was derartige Dinge noch mehr sind. 
Von solchen Mängeln ist der an erster 
Stelle ausgezeichnete Entwurf nicht ganz 
frei, wie er auch eine andere schwierige 
Forderung des Programms unbekümmert 
vernachlässigt hat, nämlich die Anordnung 
der Badezimmer. 
Verlangt war eine größere Anzahl von 
Bädern in direkter Verbindung mit den 
Wohnräumen. Während es doch wohl 
ganz selbstverständlich erscheint, die Bade 
zimmer als wertvolles Anhängsel den wert 
vollsten Logierzimmern — den Front 
zimmern — beizugeben, statten Bielen 
berg & Moser nur einige hofwärts gele 
gene Zimmer mit Baderäumen, aus, wo 
es gerade paßt. Demgegenüber zeigt der 
Entwurf von Reimer & Körte eine auch 
von dem Preisgericht als lobenswert an 
erkannte Anlage der Badezimmer, welche 
je nach Wunsch bald dem einen, bald 
dem anderen Wohnraume zugeteilt werden 
können. Sodann ist der erstprämiierte 
Entwurf in der Anordnung des Wein- und 
Bierrestaurants nicht glücklich. Zwar 
steht letzteres in schöner Verbindung mit 
zwei großen Höfen, welche für Berliner 
Verhältnisse als RestaUratiotishöfe bedeu 
tenden Wert haben, jedoch liegt an dem 
größeren Hofe leider die Kochküche und 
drückt den Wert desselben wieder herab; 
die Küche liegt am äußersten Ende des 
Restaurants sehr ungünstig, ist über 
haupt unzureichend und ermangelt der 
Nebenräume; schließlich entspricht der Zu 
gang vom Hotel zum Restaurant durch das 
Schreibzimmer hindurch wohl kaum billi 
gen Anforderungen. Trug trotzdem der 
Entwurf von Bielenberg & Moser den ersten 
Preis davon, so liegt das an der Überlegen 
heit seiner Gesamtdisposition über alle 
übrigen Vorschläge, und mit Recht wird
        
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