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Full text: Berliner Architekturwelt Issue 7.1905

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Ausbildung erfahren hat. Führte hier der 
freiliegende Bauplatz zur Errichtung einer 
malerischen Baugruppe, so beschränkte 
sich dagegen die bauliche Aufgabe bei der 
Gemeinde-Doppelschule in der Bergmann 
straße 60-65 von F. Haack auf eine impo 
sante Fassadenentwicklung. Auch die 
Villenkolonie Grunewald erhielt in dem 
Gymnasium von Zaar & Vahl eine archi 
tektonische Bereicherung. Zu den neu 
entstandenen Lehranstalten gehört ferner 
das Akademische Institut für Kirchenmusik 
in Charlottenburg von Anton Adams und 
Paul Mebes, das seiner ernsten Bestimmung 
entsprechend in die strengen Formen der 
romanischen Architektur gekleidet ist. 
Dieselben durch ihre Klarheit und wuchtige 
Kraft so würdevoll wirkenden mittelalter 
lichen Bauformen zeigt auch die für Mün-r 
ster a. St. von Otto Kuhlmann entworfene 
Kirche, die sich an verwandte rheinische 
Bauten anlehnt, ohne doch sklavische Kopie 
zu sein. Von sonstigen kirchlichen Ge 
bäuden ist die Synagoge in Potsdam von 
J. Otto Kerwien als interessanter und geist 
reicher Bau rühmend hervorzuheben. Eine 
anspruchslose, aber tüchtige Leistung ist 
die Kinderverpflegungsanstalt ,,Zionshülfe“ 
im Friedenauer Teil von Schöneberg, eine 
der letzten Arbeiten des verstorbenen Archi 
tekten C. Teichen. An Geschäftshäusern 
sind zu nennen: das Haus Trunck & Co. 
von Hart & Lesser, das durch seine neu 
artige Ornamentik bemerkenswerte Haus 
Lindenstraße 3 von A. F. M. Lange und Kurt 
Berndt, das Haus Burgstraße 5 von Alexander 
Silbermann und der stattliche Neubau des 
Spindlerhofs von Kayser und von Groszheim. 
Von den auswärts von Berliner Architekten 
ausgeführten, allgemeinen Zwecken dienen 
den Bauten verdienen besonders zwei Be 
achtung: das Seemannshaus in Wilhelms 
haven von Breslauer & Salinger, das schon 
im Äußeren den Charakter wohnlicher Be 
haglichkeit zur Schau trägt, und der Rosen 
garten in Mannheim, jene imposante Fest 
halle, in der Bruno Schmitz ein neues Zeugnis 
seiner genialen Schöpferkraft abgelegt hat. 
Im Berliner Wohnhausbau beginnt all 
mählich an Stelle der mit Karyatiden, 
Säulen und Gesimsen besäten Stuckbauten 
eine solidere und gesundere Architektur 
sich einzustellen, indem man versucht, die 
ganze Front des Hauses durch eine groß 
zügige Formgebung in eine einheitlich 
wirkende, sparsam gegliederte Fassade 
zu verwandeln. Wenn auch allseitig be 
friedigende Lösungen noch nicht vorliegen, 
so zeigen doch die im letzten Jahre ent-r 
standenen Bauten einen bedeutenden Fort 
schritt, der eine schlie Bliche Erreichung 
des Zieles verheißt. Vielfach hat man die 
großen Massen der Fassade dadurch zu- 
sammengefaßt, daß ein großer, sich durch 
mehrere Stockwerke hindurchziehender, 
kräftig ausgestalteter Erker den dominieren 
den Mittelpunkt bildet, dem sich die übrigen 
Teile des Gebäudes unterordnen wie bei 
den Wohnhäusern Thomasiusstraße 12 von 
Paul Engler, Ludwig -Kirchstraße 7 von 
F. Gütze und K. Schraepler und Kirch 
straße 19 von Rieh. Schirrmacher und H, 
Möller. Bei dem Wohnhause Thomasius 
straße 26 von Paul Jatzow sind die beiden 
aus der Mitte der Fassade vorspringenden 
Erker durch einen Uber dem Hauptgesims 
aufsteigenden Giebel zu einer Einheit zu 
sammengeschlossen. Schwieriger ist die 
Gestaltung des Eckhauses, bei der gewöhn 
lich eine Turmarchitektur zu energischer 
Betonung der Ecke gewählt wird, wie bei 
den Häusern in Halensee, Hochmeisterplatz 
und Westfälische Straße 27 von Hart & 
Lesser und Ludwigskirchplatz 12 von Johann 
Cartobius. 
Für das Einfamilienhaus in seinen ver 
schiedenen Abstufungen vom palastartigen 
Stadthause bis zur bescheidenen Vororts 
villa liegen aus dem vergangenen Jahre 
zahlreiche gelungene Lösungen vor. Von 
den Bauten vornehmerer Gattung ist das 
Palais Cohn in Dessau von Alfred Messel 
im Charakter eines achloßartigen Stadt 
hauses gehalten, während mehrere der von 
Erdmann und Spindler geschaffenen Bauten, 
wie die Villa Stiller in Sorau-Seifersdorf und 
das Schloß Bartmannshagen, sich als statt 
liche Gebäude in der Art ländlicher Herren 
sitze darstellen. Zu den kleineren, aber durch 
die mannigfaltige, den individuellen Bedürf 
nissen und Geschmacksrichtungen des Be 
sitzers angepaßten Herstellungsverschieden 
heit sehr lehrreichen Bauten gehören 
das Landhaus Kirschbaum-Doß in Seefeld 
von Otto Michaelsen, das Landhaus Guth- 
matm in Wannsee von Otto Stahn, die Villa 
Cordei in Nikolassee von W. Schilbach, die 
Villa von Uhde im Grunewald von O. Sior, 
ferner die in Groß-Lichterfelde ausgeführten 
Wohnhäuser von Hans Grube (Landhaus
        
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