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Full text: Berliner Architekturwelt Issue 7.1905

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unternommen. Besonders größere Aufgaben 
haben unsere Architekten weit über die 
Grenzen ihrer engeren Heimat in Anspruch 
genommen. Zu allen diesen ausgeführten 
Arbeiten kommen dann noch die zahl 
reichen durch die Wettbewerbe veran- 
laßten Entwürfe, in denen gewöhnlich eine 
bedeutende Summe künstlerischer Kraft 
niedergelegt zu werden pflegt. Faßt man 
alles dieses zusammen, so ergibt sich, wie 
der letzte Jahrgang zeigt, ein Quantum archi 
tektonischen Schaffens, das der Rahmen 
unserer Zeitschrift kaum zu umfassen im 
stande ist. 
Einen der bedeutendsten Erfolge brachte 
im letzten Jahr für unsere Berliner Archi 
tektur die große Berliner Kunstausstellung. 
Zum ersten Male seit langer Zeit konnte man 
wieder mit einiger Befriedigung von dieser 
Veranstaltung sprechen, zum ersten Male 
fühlte man sich ein wenig behaglich in 
diesen sonst so unendlich öden Räumen. Es 
war unserenArchitekten gelungen, durch die 
dekorative Ausgestaltung mehrerer großen 
Räume das besuchende Publikum in die 
Stimmung zu versetzen, die erst die Vor 
bedingung zu einem erquicklichen Genuß 
der ausgestellten Kunstwerke gibt. In dem 
großen Zentralsaal hatte Alfr. J.Balcke einen 
Repräsentationsraum geschaffen, der sowohl 
durch seine eindrucksvolle Raumwirkung 
wie durch seine geschmackvolle kolo 
ristische Haltung durchaus Lob verdiente. 
Der Wettbewerb, aus dem er als Sieger 
hervorgegangen, hatte übrigens auch in den 
anderen Arbeiten von Arthur Biberfeld, 
Alfred Grenander, Emil Schau dt u. a. Ent 
würfe gezeitigt, die, wenn sie zur Ausführ 
ung gebracht wären, sicher der Ausstellung 
zur Zierde gereicht hätten. Auch der Aus 
stellungssaal für die Architekten von Albert 
Gessner stellte sich trotz seiner Einfachheit 
als ein sehr würdiger und vornehmer Raum 
dar, der in dem von Emil Schaudt geschaffe 
nen Repräsentationssaal der „Neuen Gruppe 
Berlin“ einen festlichen Ausklang fand. 
Auf einem ganz anderen Gebiete bewegte 
sich der Skizzen-Wettbewerb für die archi 
tektonische Ausgestaltung der Klein-Mach- 
nower Schleuse, der vielleicht unter den 
Berliner Konkurrenzen des verflossenen 
Jahres als der wichtigste und interessanteste 
bezeichnet werden darf. Hier galt es, die bei 
den Schleusenportale mit dem anschließen- 
denSchleusengehöft zu einer wirkungsvollen 
Baugruppe zu vereinigen. In den Entwürfen 
von Friedrich Lahrs, Erdmann k Spindler, 
Otto Kuhlmann, Altgelt & Schweitzer, O. 
Spalding, Hans Hausmann und F. Berger 
fand diese Aufgabe mannigfache Lösungen, 
die zu ähnlichen späteren Anlagen reiche 
Anregung zu geben vermögen. Sowohl hier 
wie bei dem vorhin erwähnten Wettbewerb 
ist auch die farbige Wirkung der Entwürfe 
wiedergegeben worden. 
Auch der Wettbewerb um ein Landhaus 
Kruse auf Hiddensee hatte ein günstiges 
Resultat. Die Entwürfe von Spalding & 
Grenander, Schweitzer & Altgelt, Rudolf 
Bislich undEmil Högg bieten charaktervolle, 
auf den Ton der Landschaft gestimmte 
Architekturen, die einen wertvollen Beitrag 
zum Kapitel des Landhausbaues geben. 
Interessante Lösungen zeigten auch die in 
dem Wettbewerb um den Bahnhof Zehlen 
dorf-West preisgekrönten Arbeiten von Hart 
& Lesser, Eugen Kühn und Otto Kuhlmann. 
Von den zahlreichen in auswärtigen Wett 
bewerben erkämpften Erfolgen Berliner 
Architekten mögen besonders hervorge 
hoben werden: der Entwurf zu einem 
Kollegiengebäude in Freiburg i. B. von 
Heinrich Jennen, für eine Mädchenschule 
und Internat in Regensburg von Fritz 
Schwager, ein Rathaus und Höhere Töchter 
schule für Wilmersdorf von Hermann Jansen, 
die Volksbank in Mainz von Hermann Jansen 
und William Müller und die Stadthalle in 
Lübeck von J, Otto Kerwien. 
Den Wettbewerbsarbeiten lassen sich eine 
größere Anzahl von Entwürfen anreihen, in 
denen reif gewordene architektonische Ge 
danken niedergelegt worden sind, ohne daß 
gerade der äußere Anlaß einer Konkurrenz 
vorlag. Dazu gehört; der Entwurf zur 
Aufteilung des Kurfürstenparkes von Meier 
& Werle, zu einem Festhause am Nollen- 
dorfplatz von Arthur Biberfeld, zu einem 
Sanatorium von Albert Gessner, zu Wohn 
häusern vonEmilSchaudt, A,F. M. Lange und 
Olander Gröffell und zu einem Mausoleum 
von wuchtiger Kraft von Josef Reuters. In 
dem Entwurf von Wilhelm Thurm offenbart 
sich eine auf Großzügigkeit und Massen- 
wirkung gerichtete Phantasie, 
Zahlreiche öffentliche Gebäude kamen im 
verflossenen Jahre zur Vollendung, so das 
Friedenauer Gymnasium von Paul Engel- 
mann und Erich Blunck, das sowohl im 
Äußern wie im Innern eine gleich liebevolle
        
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