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Full text: Berliner Architekturwelt Issue 7.1905

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Fest umrissene Grundsätze für die Be 
urteilung der eingelieferten Projekte hatte 
das Preisgericht nicht vereinbart wegen 
der allzuvielen und allzumannigfaltigen 
Möglichkeiten, die gegebene Aufgabe zu 
lösen. Die Projekte wurden infolgedessen 
immer von Fall zu Fall beurteilt. Man kann 
ja auch verschiedener Ansicht sein, ob z. B. 
eine Hofgemeinschaft mit ihrer größeren 
Bauhöhe bei geringerer Hofbreite der ein 
zelnen Parzellen ein Vorteil, oder ob sie in 
folge der hierdurch bedingten grundbuch- 
lichen Eintragung ein Nachteil ist und ähn 
liche Fragen mehr. — 
Bei einigen Projekten war in der Auf 
teilung von Block I der interessante und 
gewiß anzuerkennende Versuch gemacht, 
die Höfe unter einander und mit der Straße 
in Verbindung zu bringen; leider ergab sich 
dies Motiv als nicht befriedigend durchge 
führt, denn keines dieser Projekte erreichte 
eine solche Verwertung der Parzellen, daß 
es in die engere Wahl kommen konnte. 
Im Verfolg dieser Idee haben z. B, die Herren 
Hoeniger & Sedelmeier im Block I einen 
zusammenhängenden, über vier Parzellen 
fortlaufenden Parallelhof angelegt, der eine 
tadellose Querlüftung der Gebäude zuläßt, 
wenn auch dabei die der Straße Nr. 33 zu 
nächst liegenden Höfe etwas klein er 
scheinen, — So tritt also obengenanntes 
Motiv zurück zu Gunsten geschlossener Hof 
anlagen und tatsächlich stellen sich die Ent 
würfe dieser Art als die einträglichsten dar, 
wie z. B. die Projekte „Aspettare", „Skizze 4 ', 
„Dividende". Die Anlage großer Höfe war 
allerdings teilweise nur möglich durch die 
Gestaltung reichlich großer Einzelparzellen 
und durch die Anlage von Mittelflügeln bei 
Inanspruchnahme der Hofgemeinschaft. Ab 
gesehen von der schwierigen Verkäuflich 
keit so großer Parzellen zwingt eine 
derartige Anlage dazu, daß der ganze 
Baublock stets nach dem einmal ange 
nommenen Schema bebaut werden muß. 
Die Projekte „Dividende" und „Skizze" 
zeigen bei Block I außerdem noch die An 
lage von Nebenhöfen, welche bei einem 
dieser Projekte sehr richtig als Staubhöfe 
bezeichnet sind, wodurch ihr Zweck gegen 
über den anderen Höfen reichlich gekenn 
zeichneterscheint. BeiBlockllund Blocklll 
gestaltete sich die Aufteilung infolge der 
landhausmäßigen Bebauung resp. des vor 
geschriebenen Bauwichs bezüglich der Höfe 
und der Querlüftungen der Wohnungen 
wesentlich einfacher. Bei Block II zeigt 
das Projekt „Luft und Licht" die bei weitem 
schönste Anlage; es sind hier durchweg frei 
stehende Villen angeordnet mit je einer ele 
gant ausgebildeten Wohnung in jedem Ge 
schosse. Der Vergleich mit einem anderen, 
sehr rentabel ausgenutzten Projekt ergab auf 
dem ganzen Baublock II pro Geschoß für 
das Projekt „Luft und Licht" ein Minus 
von etwa 10"/,. der geschaffenen Wohn- 
räume. Dafür zeigte dies Projekt aber auch 
große Zimmer mit reichlichem Zubehör, 
großer Diele usw., wodurch das Minus bei 
der Mietsverwertung mehr als gedeckt er 
scheint. Eine ähnliche, wenn auch in der 
Verwertung nicht so vollkommene Anlage 
zeigt das Projekt „Dividende". Solche An 
lagen, wie die genannten, haben andere 
Projekte für Baublock II mit ihren anein 
ander gebauten Eck- und Doppelvillen nicht 
erzielen können. 
Der Block III wird beim Projekt „Luft 
und Licht" in Parzellen geteilt, die von der 
Linden-Allee nach der Straße Nr. 24 durch 
gehen. Es entstehen dadurch lange Seiten 
flügel und Quergebäude. Diese großgeteilten 
Parzellen dürften aber einer leichten Ver 
käuflichkeit hinderlich sein. Allerdings ist 
in dem Projekt noch eine Variante für die 
Aufteilung angegeben, welche erheblich vor 
teilhafter erscheint. Die günstigste Aus 
nutzung des Baublocks III zeigen die Pro 
jekte „Wo ist die Berliner Stube" und 
„Dividende" dadurch, daß sie Seiten- und 
Querflügel und damit auch alle erschweren 
den Bestimmungen der Baupolizeiordnung 
vermeiden und lediglich Vorderhäuser 
bauen. Dieses System ist in „Dividende" 
am vollkommensten durchgeführt. Die ein 
zelnen Gebäude stehen hier von allen vier 
Seiten frei und lassen infolgedessen die beste 
Beleuchtung und Durchlüftung zu. 
Was nun die Verwertung der einzelnen 
Parzellen, resp. die Grundrißbildung der 
Gebäude angeht, so zeigten die Grund 
risse vielfach eine auffällige Vermeidung 
der sogenannten Berliner Stube. Das 
Preisgericht war nun der Ansicht, daß 
eine allzu ängstliche Vermeidung derselben 
nicht angebracht sei. Bei kleinen Woh 
nungen von 2, 3 und 4 Zimmern ist die An 
lage einer „Berliner Stube" (wir meinen 
damit eine Durchgangsstube) natürlich zu 
verwerfen, bei größeren Wohnungen von
        
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