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Full text: Berliner Architekturwelt Issue 7.1905

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unterscheidet. Es finden sich aber in der 
Ausstellung viele Porträts, die selbst in der 
Technik, in der manuellen Verwertung 
der Mittel, bei weitem nicht das Maß an 
Differenzierung zeigen, über die die mo 
derne künstlerische Photographie verfügt! 
Die Malerei der übrigen deutschen 
„Schulen“ ist sehr ungleich vertreten. Am 
besten Düsseldorf und dann Karlsruhe; 
München und Dresden sehr mangelhaft. 
Nach welchem Prinzip die Beteiligung des 
Auslandes bestimmt ist, ist schwer zu sa 
gen. Man findet einen Belgier (Courtens) 
und drei Holländer (Gari Melchers, H. W. 
Mesdag und Mesdag vaii Houten), dann 
eine größere Kollektion des Spaniers So- 
rolla y Bastida: Bilder von fabelhafter Vir 
tuosität in der Bewegung und gewagter 
Kühnheit der Palette. Warum aber hat 
man außerdem nur noch diese Menge un 
garischer Bilder ausgestellt? Denn wenn 
hier auch wenigstens zwei ältere Munkäcsy 
und vielleicht noch zwei, drei Landschaften 
interessieren, — wer kann die Mehrzahl 
der übrigen Bilder, die mit ihrer brutalen 
Stofflichkeit die besten Plätze wegnehmen, 
überhaupt nur ansehen? 
Als Annex der Malerei bieten die Zeich 
nungen und graphischen Arbeiten viel des 
Guten und Bemerkenswerten; und man 
sieht hier, um wie viel interessanter eine 
Ausstellung wird, wenn Künstler gerade 
sehr verschiedener Art und Richtung neben 
einander aüsstellen, — selbst wenn dieselben 
gute, alte Bekannte sind, die nicht erst 
entdeckt zu werden brauchen. Aus der 
nummerreichen Ausstellung des „Verbandes 
Deutscher Illustratoren“ erwähne ich, ab 
gesehen von den Karikaturisten, nur die 
Blätter von Fidus, Stassen, Hanns Anker 
und A, Johnson, aus der „Freien Ver 
einigung der Graphiker zu Berlin“ einen 
Farbenholzschitt nach Holbein von A. Krüger 
und das Bildnis Gerhart Hauptmanns 
(Originalradierung) von H. Struck. Schade, 
daß diese Abteilungen nicht in der splen 
diden Weise gehängt sind wie die schöne 
Kollektivausstellung farbiger Monotypien 
von Kappstein und Langhammer, die neben 
dem technischen Interesse in der Farb- 
stimmung und dem dekorativen Geschick 
von bester Wirkung sind. 
In der Skulpturenabteilung überwiegen 
wieder die Berliner, und auch hier soll 
neben den bekannten Größen, wie Manzel, 
Schauss, Hosaeus, das Hervortreten ernster 
jüngerer Kräfte besonders anerkannt werden. 
An erster Stelle möchte ich da die Porträt 
büsten und -hermen von Jaeckle und 
Schmarje nennen, die deutlich zeigen, daß 
es diesen Künstlern Ernst ist um ein klares, 
eindringliches Erfassen der charakteristi 
schen Formen und die zugleich einen güten 
Sinn für originelle Wirkung erkennen lassen. 
Auch die Arbeiten von Ernst Müller, Kowa- 
leczewski, Helene Quitmann, Klett, zeigen 
z. T. diese Vorzüge. Geschmackvolle Be 
handlung und persönliche Beobachtung 
zeichnen auch einige mehr dekorative Ar 
beiten aus; die „Konkurrenz“ von Werne- 
kinck, den Stier von Splieth, die feine 
Bronzestatuette von Elfriede Wendlandt. 
Neben manchen tüchtigen Arbeiten von 
Kessler, Kuebart, Lewin-Funcke, Leib- 
küchler, Walter-Lewy seien die zwar be 
fangenen, aber ernsten, vornehmen Arbeiten 
von Vordermeyer (Rast) und C. Starck 
(Quelle) hervorgehoben. 
Zu den erfreulichsten Eindrücken der 
Ausstellung gehört entschieden die Archi 
tekturabteilung. Die geschmackvolle deko 
rative Neugestaltung des Raumes ist bereits 
gerühmt worden; und dazu kommt, daß 
das Arrangement der Arbeiten selbst — 
nicht zu viel und nicht zu wenig! — ein 
sehr geschicktes ist. Vor allem steht aber 
die künstlerische Ausführung dieser Arbeiten 
auf einer außerordentlichen Höhe. Im Prin 
zip mag sich vielleicht manches dagegen 
einwenden lassen, wenn in einer Archi 
tekturausstellung die künstlerisch aus 
geführten Ideal- oder einfachen Außen 
ansichten in so starker Weise überwiegen 
über die rein sachlichen Grundrisse, Auf 
risse und Modelle. Aber das, worauf es 
ankommt, ist doch, daß das, was nun ge 
boten ist, zunächst schon in der künst 
lerischen Ausführung befriedigt. Und dies 
ist in ganz erstaunlicher Weise der Fall. 
Die Mehrzahl der Ansichten und Skizzen 
sind nicht nur in der Behandlung, sondern 
auch in der Auffassung von künstlerischer 
Wirkung und Eigenart, und zeigen starke 
dekorative Werte. So erfüllen z. B. die An 
sichten des Landhauses in Altenhof von 
A. J. Balcke, die Grünewaldvilla und der 
Kaiser Wilhelm-Garten in Treptow von 
K. E. Bangert, das Züricher Kunsthaus und 
das Dessauer Waisenhaus von Sepp Kaiser 
die Ansprüche, die man in dieser Hinsicht
        
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