Path:

Full text: Berliner Architekturwelt Issue 7.1905

119 
die neueren Arbeiten aus Venedig in ihrer 
breiteren, reiferen Farbigkeit Vertiefung und 
größere Unabhängigkeit von Pariser Ein 
drücken. Von den Bildern Uth’s mag das 
eine oder andere den Vorzug geistreicher 
Allüren in der Behandlung haben, — aber 
wer kann sie in dieser Anzahl, in diesem 
kleinen Raume ertragen? 
Auch abgesehen von diesen Kollektiv 
ausstellungen überwiegen die Arbeiten Ber 
liner Künstler. Von den älteren bekannten 
und berühmten Größen ist z. B. Meyerheim 
mit einer Reihe von Bildern seiner besten 
Art vertreten; besonders frisch und lebhaft 
in den Farbflecken ein Hühnerhof und die 
Skizze von dem Begräbnis Lenbachs. Die 
relativ größte Anzahl guter und vertrauen 
erweckender Arbeiten stellt die Land 
schaftsmalerei. An erster Stelle ist da wohl 
Hans Herrmann zu nennen, der besonders 
in seiner „Dorfstraße an der Eiffel“ ein 
Bild von feiner koloristischer Wirkung ge 
schaffen hat. Neben ihm fallen auch Kall 
morgen und Feldmann durch tüchtige Ar 
beiten auf, und bei Künstlern wie Douzette 
und Röchling wäre eine zunehmende Sicher 
heit in der Aneignung und Verarbeitung der 
modernen Ausdrucksmittel zu betonen. 
Aber auch eine größere Anzahl jüngerer 
oder jedenfalls weniger bekannter Künstler 
ist hier zu nennen, die mit Ernst und Be 
gabung den Problemen, besonders der nord 
deutschen Flachlandschaft gerecht zu wer 
den sich bemühen, — oft mit sicherem, oft 
mit noch schwankendem Glücke! So ge 
winnt man von den Landschaften von Le- 
jeune, Türcke, Halke, Jülich, Wendel, 
Hänsch, Hartig, Wildhagen einen sympa- 
tischen Eindruck durch die einfache Auf 
fassungsweise, bei anderen wie Kayser- 
Eichberg, Scherres,Roland,Eschke, Freude- 
mann, Liedtke, Kahle, Köcke, Sandrock, 
Mewes, Pape ist mit Erfolg nach einem 
reicheren, volleren Vortrag gestrebt. Bei 
der Mehrzahl dieser Künstler findet man 
ein Schwanken zwischen verschiedenen 
Eindrücken, eine zu große Abhängigkeit 
vom Motiv. Bei manchen Arbeiten führt 
der Einfluß der großen Stilisierung Leisti- 
kows zu einer plakatartigen Leere, bei 
anderen führt die heroische Wirkung 
Bracht’scher Arbeiten zu unwahren Effek 
ten; und auch aus der Weichheit des so 
liden Frenzelschen Vortrags wird hier oft 
eine flaue Unklarheit. 
Unter den Fägurenbildern fallen nur Ar 
beiten von Künstlern auf, deren Eigenart 
gut bekannt ist. In erster Linie ein großer 
Dettmann: Friesische Frauen, den Kirch 
hof verlassend. Vorzüglich in dem Zu 
sammengehen von Landschaft und Figuren, 
als Ganzes in der Linie stärker, als im 
Tone. Ebenso ist die Trauerfeier auf Föhr 
von O. H. Engel eine bedeutende, eindrucks 
volle Leistung, — selbst wenn die Massen 
noch nicht mit voller Sicherheit regiert 
sind. VonMüller-Schönefeld einige Arbeiten, 
die durch vornehme Empfindung auffallen, 
und auch in der flächigen Behandlung 
und feinen Farbgebung die Persönlichkeit 
des Künstlers verraten. Auch Stassen hat 
in dem kleinen Pastell eines schreitenden 
Adam eine gute Arbeit geliefert. Looschen 
und Höniger zeigen sich mit ihren bekann 
ten Vorzügen und Schwächen, während 
Skarbina die, die viel von ihm. erwarteten, 
empfindlich enttäuscht. 
Unter den Berliner Porträts ist eine er 
freuliche Zunahme von Arbeiten zu kon 
statieren, die in der Behandlung des Bild 
nisses künstlerische Werte erstreben. So 
ist das Bildnis einer Dame in grünem 
Kleide bei künstlicher Beleuchtung von 
E. Eltze eine der besten Arbeiten der gan 
zen Ausstellung, interessant in der Farbe 
und von großem Können in der Gestaltung 
des Körperlichen. Vorzüglich dann zwei 
Damenbildnisse von Fritz Pfuhle, besonders 
das der sitzenden Dame in Schwarz durch 
seine breite Behandlung und klare Formen 
auffassung eine starke Talentprobe. Auch 
das Porträt dieses Künstlers von Max Fa 
bian macht seinem Verfertiger alle Ehre. 
Von dem feinen, aparten Bildnis seiner 
Mutter von C, Bennewitz von Loefen ab 
gesehen, sind die übrigen Arbeiten weniger 
interessant. Aber es wäre noch manches 
hier als gut und tüchtig zu erwähnen, 
z.B. von Hennecker, Seeck, Vogel, Michaelis 
und die mit Geschmack gemalten Bildnisse 
von Marie David und Helene Schulze. Die 
Bildnisse Karl Zieglers lassen diesmal die 
Vorzüge eines soignierten Beiwerks ver 
missen, die früher für den Künstler oft 
einnahmen; im übrigen wirken sie meist 
flach und körperlos. — Es soll nicht ver 
hehlt sein, daß gerade bei den Porträts die 
Jury allzu nachsichtig war, Man sagt, daß 
sich ein Bildnis von einer Photographie 
doch schon durch die persönliche Technik
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.