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Full text: Berliner Architekturwelt Issue 7.1905

D. A. W. VII, 4. 
ABB. 174. 
NEUES RESTAURATI0NSGE8ÄUDE IM LANDESAUSSTELLUNGSPARK AM LEHRTER BAHNHOF. 
ARCHITEKTEN: KAYSER & VON GROSZHEiM. 
DIE GROSSE BERLINER KUNST 
AUSSTELLUNG 1904, 
Von GEORG SWARZENSKI. 
Eine Jahresausstellung von 2171 Nummern 
kann naturgemäß nur einen verschwindend 
kleinen Prozentsatz an bedeutenden oder 
interessanten Arbeiten bieten — selbst wenn 
sie nicht durch die Konkurrenz so vieler 
anderer Ausstellungen zu leiden Liätte — 
selbst wenn sie noch so international ist. 
Man pflegt darum diese Veranstaltungen zu 
verurteilen. Aber sie haben gerade in ihren 
Mängeln auch ihre interessanten Seiten, 
Man wird freilich hier nicht nur die Wag 
nisse und Taten führender Geister suchen; 
aber man vernimmt den langsamen Schritt 
der mittleren Talente. Statt der Feldzeichen 
und Wegweiser, ihren Einfluß auf den 
Marsch der Regimenter. Denn das Schick 
sal — und das Unglück — dieser Ausstel 
lungen liegt nicht in den paar Künstlern, die 
zu Unrecht bewundertundprotegiertwerden, 
weil sie mitVirtuosität das sagen, was viele, 
allzuviele hören wollen, es liegt nicht 
Ln dem Scheinerfolg der Urteilslosigkeit 
und Immoralität, sondern es liegt gerade 
an denen, die man als Talente anerkennen 
darf, als echte, ehrliche Talente, die das 
beste wollen und oft etwas ordentliches 
können, die aber trotz allem nicht aus dem 
Durchschnitt heraustreten,nicht stark genug 
sind, um als Persönlichkeiten zu inter 
essieren. Solche Arbeiten — man nehme 
es als Lob und nicht als Tadel — sind 
in der Ausstellung zahlreich vertreten, 
zahlreicher jedenfalls als die von der Kritik 
so betonten Arbeiten leerer Rutiniers, 
zahlreicher auch als die falschen Menzel, 
Böcklin und Rodin, zahlreicher auch als 
die Arbeiten derer, die nach Italien, ans 
Meer und ins Gebirge reisen, um Motive 
aus der Gartenlaube zu malen. Gerade jene 
besseren, ernsteren Arbeiten sind aber für 
den Kritiker schwer zu beurteilen, denn 
wenn auch ihr Zunehmen, ihr Überwiegen 
über das schlechthin Wertlose, als erfreu 
lich anerkannt und unbedingt betont werden
        
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