Publication:
1902
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-9148130
Path:

Berliner Architektzirwelt
21
nicht für würdig hielt,
andererseits sich aber
auch durch den Miss
brauch, der von geringen
Talenten mit solchen
Sammelausstellungen ge
trieben wurde, abge-
stossen fühlte. Erst der
Tod musste kommen, um
uns über die wahre Be
deutung Souchays, über
den wirklichen Umfang
seiner Kunst aufzuklären.
Was er lebend den Le
benden vorenthalten, ha
ben seine Angehörigen
und Freunde dem grossen
Publikum durch eine
Sammelausstellung zu
gänglich gemacht, die in
den ersten Wochen die
ses Jahres im Künstler-
Hause stattgefunden hat.
Der grosse Hauptsaal war vollständig mit
Oelgemälden, Oelstudien, Aquarellen, Pa
stellen und Zeichnungen gefüllt, die erst
das richtige Verständnis für die Eigenart
des Künstlers eröffnet haben.
Ein Schnellmaler, der in rascher, blen
dender Produktion seine Stärke suchte, ist
Souchay nicht gewesen. Ein gütiges Ge
schick hatte ihm die Möglichkeit gegeben,
sich bei seinen Studien wie bei seinen
späteren Schöpfungen Zeit lassen zu kön
Abbildung 30.
Abbildung 29.
Tischlerwerkstatt, Von PAUL SOUCHAY.
Beim Schiffsbauer. Von PAUL SOUCHAY.
nen, und er hat diese Möglichkeit auch
ausgenutzt, aber nur zum Vorteil völligen
Ausreifens seiner Arbeiten. Am 26. Mal
1849 in Berlin als Sohn des Chefs einer
bekannten Weingrosshandlung geboren,
hatte er im Herbst 1871 seine Studien auf
der Berliner Kunstakademie begonnen, und
bis 187S setzte er sie ohne Unterbrechung
fort, zuletzt unter der Leitung von Max
Michael, dem trefflichen Lehrer der Mal
technik, dessen persönliche Eigenart, eine
eigentümliche Vorliebe für
grünliche und rötlich-vio-
lette Töne, noch lange in
Souchays eigener Malweise
nachgewirkt hat, aber zu
letzt von ihm völlig über
wunden worden ist. Als
Schüler hat sich Souchay
sowohl durch eine akade
mische Konkurrenzarbeit
„Achill an der Leiche des
Patroklus“ als durch seine
fleissigen Aktstudien Aus
zeichnungen erworben. Was
er in dieser Zeit aber wirk
lich gelernt hatte, offenbarte
sich mit einer Kraft, die
nicht mehr einen Schüler,
sondern einen fertigen
Künstler erkennen Hess, in
dem 1878 entstandenen
Bildnis seines Vaters, das
den wackeren Mann in der
Sphäre seines Berufs dar-
Top of page

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.