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[Hefte 23-30] 28. Heft: Eine Volks-Jury in Berlin

Full text: [Hefte 23-30]

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ich Ihnen beweisen und zwar durch ein Factum. Ein
junger, hochbegabter Schauspieler wird an dem Thea-
ter einer gro�en preu�ischen Stadt engagirt. Der
Direktor, zuerst entz�ckt �ber ihn, ist ein roher Mensch,
mit dem eS Niemand lange aushalten kann. Als der
junge Schauspieler den Grobheiten und Unversch�mt-
heiten des Directors nur die gerechte K�nftlerw�rde
entgegen gestellt, wird er nach Paragraph so und so
der �blichen Theater ge setze entlassen. Pl�tzlich aus
seiner Stellung, die ihn ern�hrte: entlassen! Auf
welche Weise erlaubten ihm nun die Gesehe, sein Recht
zu suchen, und welches Recht gew�hrten sie ihm? Er
mu�te sich zur Dienstleistung jeden Augen-
blick bereit erkl�ren, und die Direction auf Zah-
lung seiner ihm entzogenen Gage verklagen. Sein
Contract lief noch anderthalb Jahr; anderthalb Jahr
schwebte der Proze�. Der K�nstler mu�te so viel
Geld aufborgen, so viele seiner Habseligkeiten verkau-
fen, um leben, um Proze� f�hren zu k�nnen. Die
ihm angetragenen Gastrollen und Engagements mu�te
er ablehnen, da er sich nicht vom Orte entfernen durfte,
um zu seinem sogenannten Rechte zu kommen! Zu
seinem sogenannten Rechte, denn nach anderthalb
Jahren gewann er feinen Proze� und erhielt seine
Gage ohne das mitcontrahirte Spielhonarar, da ihn
ja die Direction nicht spielen lie�! Anderthalb Jahr
lang war der junge K�nstler den Sorgen, dem Hum-
mer, dem moralischen und materiellen Untergange blos-
        
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