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[Hefte 23-30] 28. Heft: Eine Volks-Jury in Berlin

Full text: [Hefte 23-30]

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f�nfzig Jahren DaS zum Rechte auspr�gt, was in
der Seele, im Glauben, in der Gesinnung des Volkes
l�ngst als unumst��liches Recht lebte! Noch heut zu
Tage ist z.V. die g�ttliche Kunst, diese Himmel und
Erde, Natur und Ideal, Mensch und Gott verbin-
dende Psyche, in der Jurisprudenz gemeine Ar-
beit, und der K�nstler hat kaum daS Recht und die
Sicherung eines Handwerkers und Kr�mers. Was
ist eine Wissenschaft, in welcher das heutige Ver-
brechen, durch einen Regierungswechsel, morgen Tu-
gend wird, die heutige Tugend morgen Verbrechen?
In despotischen Staaten ist das sogenannte Recht
Nichts weiter als der Wille eines Einzelnen, und
ein Wille ist nie ein Recht, selbst wenn's ein guter
Wille w�re. Denn das Recht ist Herz und Wille
der Gesellschaft, die Strafe deren sittliches Ueberein-
kommen. �Was Du nicht willst, das Dir geschicht,
das thu' auch keinem Andern nicht!" Das ist die
ganze Logik, daS ganze Recht, die ganze �chte Wis-
senschaft. WaS ist aber eine Wissenschaft, die baare
Wlllk�hr ist; die eben so gut �Von Rechts Wegen"
schreibt, ob sie zwei oder drei Jahre Gef�ngni� giebt,
und weder f�r die Richtigkeit des Einen, noch f�r
daS Andere den geringsten Grund angeben kann?
Eine Wissenschaft, die hier den Schuldner einsperrt,
dort frei l��t; die den kleinsten Diebstahl mit Ent-
ehrung bestraft, und den gr��ten Betr�ger in der
gl�nzenden Equipage fahren lassen mu�? Ein Phan-
        
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