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[Hefte 23-30] 26. Heft: Verein der Habenichtse für sittliche Bildung der höhern Stände

Full text: [Hefte 23-30]

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Gedanken das Bild zu geben: ihr aber, ihr Vor-
nehmen, entehrt sie zur Kupplerin, da� sie eure Ge-
danken verberge. Das Volk, so weit es nicht von
euch angesteckt ist, lebt ln seiner ehrlichen Wahrheit,
ihr aber vom Morgenkaffee bis zum Abendthee in
lauter Schein, L�ge und Heuchelei. Euer Herz,
euer Kopf ist wie eure Sprache und eure Sitte ver-
schroben und verdorben! Wer sind die Vornehmen?
Die sich Alles vorweg nehmen und sich MeS vor-
nehmen, aber Nichts thun. Statt der Tugend ha-
ben Sie Fr�mmigkeit, statt der That Worte. Sie
betheiligen sich an der Welt, indem sie auf dem So-
pha deren Jammer lesen, den sie sich in Novellen-
Pasteten, oder im Theater von den vornehmen
Schriftstellern in Tantieme-Ragout vorlegen lassen.
Betrug unh Verderben ist bei ihnen hundert Mal
mehr als im Volke; die sogenannte Prostitution, die
alte S�nde, ist ln allen Kreisen gleich, aber alle
S�nde ist bei den Leuten um so haffenswerther, als
sie feiner, gek�nstelter ist. So brechen sie auch nicht
ln die L�den ein, aber sie brechen durch die Ritzen
der Gesetze. Sie beir�gen durch Maschinen, durch
Actien, durch Pf�nder, durch G�tert�ufe, durch Hin-
tertreppen, durch Zeitungen, durch Falllssemente und
durch Tausenderlei. Und f�r all Das beruhigen
sie uns durch artige Manieren, diese reinlichen,
grazi�sen Katzen! Sie k�nnen nicht so gut
sein wie wir, die Vornehmen, denn sie haben nicht,
        
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