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[Hefte 15-22] 19. Heft: Nante Nantino, der letzte Sonnenbruder, oder: Die Entstehung der norddeutschen Volkspoesie

Full text: [Hefte 15-22]

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Zweifel, dar�ber is keen langer Monolog n�thig wie
in de meisten dummen Trauerspiele. Da Shak-
speare sterben mu�te, braucht Keener leben zu blei-
ben. Meinen Dod h�tt' ick also so jut wie in de
Tasche, aber wie wird es hernach? Ob? oder nich
ob? dcS iS die jro�e Frage! (Er rei�t dns Fenster auf,
blickt zum Himmel empor und h�lt den Zeigefinger an die
Nase.) Ob? (Schlie�t das Fenster wiederund st�tzt den
Kopf; wie fr�her.) Es is noch immer zu viel Wind.
Was war ich? Sonnenbruder war ich! Nich
der Bruder der Sonne, Iott sei Dank! denn sonst
war' ich mit den d�mlichen Kerrel, den Kaiser von
China verwandt, mit diesen Tyrannen, der ihr
Onkel is. Ich war insofern Sonnenbruder, als ich
den janzen Dag mit meine Br�der in de Sonne
stand und wartete, bis mir Jemand Etwas zu dra-
gen brachte. Wenije dramatsche Dichter haben
so viel tragischen Stoff in de H�nde jehabt wie Ich;
wenige Helden waren so tief tragisch wie ich, denn
ich wohnte im Keller, war immer standhaft, drug,
wat mir deS Schicksal brachte, k�mpfte in viele Kei-
lereien jejen meine Br�der, un mein Unterjang iS
in der sich ausbreitenden Verzweigung des Fiaker-
thumS unabwendbar. Dies stempelt mir auch, der
ich bereits durch meinen klarenNolksverftand literarisch
wurde, zur politischen Fijur. Denn als Sonnen-
bruder bin ick die Repr�sentant des Stillstandes,
        
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