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[Hefte 7-14] 11. Heft: Strassenbilder

Full text: [Hefte 7-14]

5gen immerfort begafft zu werden: nur die unterste
Volksklasse ist so gescheidt, in den Puppenspielen,
Tanztabagieen ?c. sich ohne Unterschied des Ge-
schlechtes einzufinden, zu spielen, zu singen und zujubeln auf jede m�gliche Weise.
Am langweiligsten ist Berlin in den Monaten
Juli und August, wann der Hof und die reichen
Leute in B�dern, auf den Landh�usern oder auf
Reisen sind, dann ist seine Physiognomie so in-
different und hypochondrisch , da� das sonst so sch�ne
Brandenburger Thor wie sein Mund erscheint, den
es im G�hnen fortw�hrend ge�ffnet h�lt. Zwar tritt
Berlin's Ausdruck der Vornehmheit durch diese Stille
noch deutlicher hervor, und man sieht sich fast gezwun-
gen, im Thiergarten zu antichambriren , allein diese
Vornehmheit ist dann nicht wohlthuend. Der ge-
strenge Herr bewegt keine Miene, schaut gleichg�ltig
zum Fenster hinaus und erwiedert nu� in ganz ge-
w�hnlichen Redeformen, welche Seite seines Geistes
oder seines Herzens man auch ber�hren mag. Keine
gl�nzenden Equipagen, keine Hof-Festlichkeiten, keine
Assembleen, keine B�lle und gro�en Concerte, keine
Paraden, keine wissenschaftlichen und patriotischen
Versammlungen, keine gro�en Opern und gar keine
Ballets! Der Luxus und die Residenzlichkeit sind er-
loschen, die bleiche Prosa, die n�chterne Allt�glichkeit
treten heraus: Berlin hat nach zehn Monaten �p-
pigen Lebens und geistigen Treibens einen physischen
und moralischen Schnupfen.
        
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