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Dritter Band Begräbnißtag in einer armen Familie

Full text: Dritter Band

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ging endlich, so wenig der Ort daf�r geeignet schien, zu Th�t-
lichkeiten �ber. Es ist bekannt, da� selbst bei h�her gebildeten
Personen in Augenblicken des Zornes derselbe die Ueberhand
�ber jede Ceremonie und Convenienz gewinnt, und die thierische
Natur des Menschen den sogenannten Anstand bei Seite wirft
�
um so mehr waren die Demoisellen Henriette und Emmeline
Kurisch zu entschuldigen, da sie in einen au�erordentlichen Zorn
gerathen waren, und Jede die gerechteste Sache zu haben glaubte.
Es w�re freilich besser gewesen, wenn sie sich in der Trauer-
kutsche gem��igt, und sich namentlich nicht die Haare und ihre
Wiener Locken in Unordnung gebracht hatten, allein ein gro�er
Philosoph des Alterthums sagte: geschehene Dinge sind nicht
zu �ndern, und darin m�ssen wir ihm aus voller Ueberzeugung
beistimmen.
Der Zug hielt auf dem Kirchhofe an; die Begleiter der
letzten Ueberrefte der alten Muhme stiegen aus und stellten sich
mit ehrfurchtvollen Mienen um das offene Grab.
Darauf wurde ein Vaterunser gebetet, und der Sarg hin-
untergesenkt in die alles Leben nehmende und gebende Erde.
Die Anwesenden begr��ten die gute alte Muhme zum letzten
Male, indem sie ihr eine Hand vollErde aus das Bett warfen,
in welchem sie nach dem m�hevollen und freudenlosen Tage
ihres Lebens die stille, s��e Nacht des Todes umfing, auS der
sie zum sch�nsten Morgen erwachen sollte.
Die, welche geweint hatten, fuhren mit Denen, die nicht
geweint hatten, nach der Wohnung des Schuhmachers Knake
zur�ck, und zwar so schnell, als freuten sie sich, die alte Muhme
bei Seite gebracht zu haben und der traurigen Mienen ledig
        
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