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Dritter Band Die Berliner Gewerbe-Ausstellung

Full text: Dritter Band

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zeichnen sich selbst aus. Ueberhaupt aber bin ich Niemandes
unterth�nigster Diener. Das ist ein Hunde-Gef�hl. Wir tau-
schen Alle unsere F�higkeiten aus: der Schneider macht Hosen
un der Minister Verordnungen. Ich f�hle mich nur geehrt,
wenn ich mit geistreichen K�pfen umgehen kann; aber wenn der
Kaiser von China und der Varon von Dummsdorf mit mir
sprechen, so denk' ich immer bei mir: ob die Kerrels wohl jetzt
wissen m�gen, welche Ehre ihnen dadurch zu Theil wird, da�
ich mich nicht g�hnend entferne und sie stehen lasse.
Gr�fin v. C. Die b�hmischen und schleichen Fabriken
liefern sch�neres Glas in lieblicheren Formen als die baierischen.
Aber man kann nicht mehr Schlesien und B�hmen nennen, ohne
an das Elend der dortigen Arbeiter zu denken. Die Spenersche
Zeitung meldete neulich aus Schlesien, da� sich eine arme Frau,
wegen g�nzlichen Mangels an Lebensmitteln, mit ihrem zehn-
j�hrigen T�chterchcn ertr�nkt habe. Ich las es fr�h Morgens;
konnte den ganzen Tag �ber nicht heiter werden, ja ich habe,
so unmodern Das auch sein mag, geweint wie ein Kind. Abends
ging ich nicht in's Theater, obschon Gern den Zettel im Som-
mernachtstraum spielte, sondern sah zu, wie viel die Gro�en
und Reichen zur Milderung des dortigen Elends gegeben hatten.
Ich err�thete �ber das erb�rmliche Erbarmen; aber auch �ber
mich selbst err�thete ich, denn die Gr�fin v. C. stand mit 20
Thalern notirt. Sogleich siegelte ich das Doppelte ein: den-
noch dr�ngte sich mir bis sp�t in die Nacht hinein der wun-
derliche Gedanke auf, als ob ich Mitschuldige an dem Tode der
armen Frau und ihrem T�chterchen sei. Aber bleiben Sie
ruhig, lieber Obrift! Macht eine Faust.) Es kann zu keinen be-
        
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