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Zweiter Band Der Stralower Fischzug

Full text: Zweiter Band

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heutige Begleiterin , die sehr kleine aber corpulente Amalie, bei
ihrer Herrschaft zur �Male" abgek�rzt, hat sich die hohe Haube
mit h�chst dunkelrothen B�ndern schm�cken, und daS neue, gro�-
bl�mige Kattunkleid a la Rococco machen lassen. Sie benimmt
sich aber keinesweges mit jener steifen Zierlichkeit deS �neien re-
�ime, sondern druckt durch ihre Bewegungen ganz moderne Ge-
sinnungen auS, indem ihrFortschritt ein au�erordentlich schneller
ist. Sie macht Schritte , an und f�r sich, und unterst�tzt von
einem sehr bemerkenSwerthem Fu�e, so gro�, da� das Concret der
Stabilit�t neben ihr nur durch einige, von Zeit zu Zeit einge-
legte, Sturmschritte mit ihr inFront kommen kann. So unan-
genehm auch solch' Ertemporiren dem, an maschinenartige Bewe-
gung gew�hnten , dreij�hrigen Krieger in Friedenszeiten ist: er
duldet still;er hat im weiten Pompadour semer Geliebten Dinge
bemerkt, die ihn wunderbar fesseln und den Launen der f�r einige
Zeit Erkohrenen f�gsam machen. Es war eine wei�e, bis an den
Kork gef�llte Gluckerstasche ,deren Inhalt ihm eben so wenig
fremd ist, wie der eines gleichzeitig bemerkten P�ckchens inetwas
fettigem Papier , in welchem er die sterblichen Reste eines herr-
schaftlichen KalbS- oder Rinderbratens ruhen wei�. Auch hatte
er ihr gestern Abends, als er auf dem Hausstur drei ViertelStun-
den lang seinen Armum jene Stelle ihres k�rperlichen Seins ge-
schlungen hielt, wo man nicht ohne empirischen Grund eine Taille
vermuthen k�nnte, in sanftester Weise den Vorwurf gemacht, da�
sie, mindestens in Beziehung auf die Liebe, eine Anh�ngerin der
platonischen Philosophie sei, ohne jedoch dm Namen des so-
kratischen Schwanes zu nennen. Und ste hatte ihm darauf eine
        
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