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Periodical volume

Full text: Africa-live.de - das Afrika-Portal Issue 2007,1

POLITIK • WIRTSCHAFT • KULTUR • REISE

Ausgabe 01/2007 (Januar/Februar) • 3,- Euro

Benin:
Auf dem Weg ins Musterland
Seiten 8-10

Tschad:
Interview mit Regierungssprecher H. Moussa Doumngor Seite 13

Reiseland Niger :
Brücke zwischen Nord- und Subsahara-Afrika Seite 19

Burkina Faso, SIAO 2006:

Afrikas Kreativität braucht fairen Handel
Seite 4

Ägypten + Algerien + Benin + Botswana + Burkina Faso + Gabun + Gambia + Kenia + Madagaskar + Marokko + Namibia + Niger + Nigeria + Sansibar + Simbabwe + Somalia + Südafrika + Tschad + Tunesien + Zentralafrika

Vorwort

Nr. 01/2007 | Seite 2

Sudan:

Wir sind stärker denn je gefordert
Vorwort von Marina Schuster MdB, Mitglied der Auswärtigen Ausschusses und Afrika-Expertin der FDP-Fraktion on in Darfur: China, Russland und Katar haben sich enthalten. Vor allem China will durch eine Nichteinmischungspolitik die guten Beziehungen zu den Sudanesen nicht aufs Spiel setzen. China importiert Liebe Leserinnen und Leser in großem Maße Öl aus dem Sudan und von AFRICA live, exportiert im Gegenzug Waffen. Wir müssen die Chance ergreifen und an China appellieren, seinen Einfluss auf die Regiebeinahe täglich lesen wir in der deutrung geltend zu machen. schen und internationalen Presse über Bei meiner Reise in den Sudan im Somdie humanitäre Katastrophe, die sich in der westsudanesischen Provinz Darfur ab- mer 2006 habe ich auch ein anderes Bild dieses Landes gesehen. In der Hauptstadt spielt. Darfur ist mittlerweile zum InbeKhartum schlendern die Menschen am griff für Gräueltaten auf dem afrikanischen Kontinent avanciert und wird in ei- Nil oder sitzen auch in Cafes, es herrscht geschäftiges Treiben und es wird viel genem Atemzug mit dem Völkermord in Ruanda genannt. Nicht noch ein «zweites baut. Verlässt man die Hauptstadt, ändert sich das Bild radikal. Die Menschen in Ruanda» fordert deshalb auch UN-Generalsekretär Kofi Annan und will mit einer Darfur sind bitterarm und müssen um ihr Land und Leben fürchten. Menschenverstärkten UN-Blauhelmtruppe der Afrirechtsverletzungen sind an der Tagesordkanischen Union (AU) in Darfur zu Hilfe kommen. «Afrikanische Lösungen für afri- nung. Viele Bewohner sind aus dem Sukanische Probleme» so lautete der Leitsatz dan in den vermeidlich sichern Tschad geflüchtet. Der Ansturm hat für große der internationalen Gemeinschaft für Darfur. 7000 afrikanische Soldaten versu- Probleme und Verteilungskämpfe um Ressourcen an der Grenze geführt. Deshalb chen in der Westprovinz das Schlimmste hat Annan den Menschenrat in Genf, die zu verhindern. Doch die AU-Truppen stehen auf schwierigem Posten gegenüber ri- Nachfolgeorganisation des Menschenrechtskomitees aufgefordert, zum valisierenden Rebellengruppen und den Milizen der Regierung, den Dschandscha- Schutze der Menschen in Darfur einzugreifen, Menschenrechtsverbrecher vor wid. Ihnen fehlt es vor allem an der Fiein internationales Gericht zu bringen. nanzierung, der technischen und logistischen Kapazität – und auch an einem ent- Im Lager der internationalen Gemeinschaft bleibt die Lage sowohl im Sichersprechend robusten Mandat, was in der heitsrat als auch im Menschenrechtsrat Diskussion häufig vergessen wird. Bisher vertrackt. Weder westliche Industrielänkamen mindestens 200.000 Menschen der, China, Russland, noch afrikanische ums Leben, über zwei Millionen wurden aus ihren Dörfern vertrieben. Andere Zah- Länder untereinander können sich auf len gehen von noch mehr Opfern aus, ge- ein klares gemeinsames Vorgehen einigen. Dieser Knoten muss politisch gelöst naue Angaben gibt es nicht. werden, bevor neue militärische Mandate Die instabile Lage in Darfur bedroht indessen auch die Nachbarländer. Die Gren- für Darfur ins Gespräch gebracht werden. Und was häufig komplett außer Acht geze zum Tschad im Westen wird nur unlassen wird: Neben der Herstellung von Sigenügend bewacht und ist deshalb sehr cherheit bedarf es allen voran, den Stimdurchlässig für Rebellen und Dschandschawid -Milizen aus dem Sudan. So grei- men innerhalb des Landes mehr Gehör zu schenken. Ein Darfur-Darfur-Dialog muss fen sie tschadische Städte und Dörfer an, aber auch die Flüchtlinge, die aus Darfur die verfeindeten Rebellengruppen, Regiebeim Nachbarn Schutz suchen. Die Regie- rung und deren Milizen, aber auch die Zivilgesellschaft wieder an einen Tisch brinrung im Tschad hat erst vor kurzem den Notstand über weite Teile des Landes ver- gen. Das bereits unterzeichnete Darfur hängt. Der Darfur-Konflikt hat das Poten- Peace Agreement (DPA) sollte von allen Gesellschaftsteilen unterstützt werden, tial, sich zu einem Regionalkonflikt ausnicht nur der Rebellengruppe um Minni zuweiten. Auch die Zentralafrikanische Minawi. Ohne einen politischen Ansatz Republik im Süden ist von den Kämpfen betroffen. Frankreich, das im Tschad 1100 kann es keine dauerhafte Stabilität geben und das DPA bleibt vor allem eines: fragil. Soldaten stationiert hat und in der Zentralafrikanischen Republik 300, setzt sich Hier sind wir stärker denn je gefordert. für eine internationale Schutztruppe des Dreiländerecks ein, bisher vergeblich. Im UN-Sicherheitsrat zeigte sich folgendes Bild bezüglich einer UN-geführten Missi-

Impressum
AFRICA live Redaktion: Postanschrift: Erlanger Str. 13, 12053 Berlin Tel.: * 49 (0) 30 279 085 30 Fax: * 49 (0) 30 279 085 31 Email: pdg@africa-live.de Abos: kontakt@africa-live.de Internet: www.africa-live.de AFRICA live erscheint alle zwei Monate im Verlag AFRICA live Consulting – Susanne Lassal Erlanger Str. 13, 12053 Berlin. Chefredaktion: Ingrid Aouane (V.i.S.d.P.) Autoren: Hans-Joachim Weber (hjw), Jimmy Kenga (jk), Theresa Endres (te), Gerd Eckert (ge), Andrea Meyer-Tuve (amt), Manfred Loimeier (malo), Amrei Horstbrink, Roger Künkel, Maike Bruns, Dr. Uschi Eid MdB, Marina Schuster MdB. Korrespondenten / Auslandsvertretungen: Algerien: Mostefa Brahim Benin: Maurille Sètondji Burkina Faso: Prudencio da Silveira Schweiz: Hanspeter Stauffer Nachrichtenagenturen und Kooperationspartner: pana, pressafrica (pa), syfia, afrik.com, DW World, Afro TV Berlin Übersetzungen: Christine Belakhdar Layout & Artdirektion: Karl Aouane schaffenskraft.de designagentur Tel.: +49 (0)2222 – 99 35 22 Fax: +49 (0)2222 – 99 35 21 www.wir-machen-zeitungen.de Bildredaktion: Ingrid Aouane (ia), Afro TV Berlin, Hanspeter Stauffer (hps), Schaffenskraft, Bilderbox, Stock Market, Stock Case, Photocase (pc), fetnat, Hemera. Gedruckt wird in Deutschland. Preis des Einzelheftes 3,— Euro. Der Jahresabonnementspreis für 6 Ausgaben beträgt innerhalb Deutschlands 24 Euro (Auslandspreise auf Anfrage). Bei Nichtlieferung ohne Verschulden des Verlages oder infolge von Störungen des Arbeitsfriedens bestehen keine Ansprüche gegen den Verlag. Namentlich gekennzeichnete Artikel geben nicht in jedem Fall die Meinung der Herausgeber wider. Für unverlangt eingesandte Manuskripte und Fotos übernehmen wir keine Gewähr. Diese Zeitschrift und alle in ihr enthaltenen Beiträge, Abbildungen und Entwürfe sind urheberrechtlich geschützt. Bankverbindung: Susanne Lassal, Dresdner Bank Berlin, Kontonummer: 408 463 0200, Bankleitzahl: 120 800 00

Inhalt

Nr. 01/2007 | Seite 3

+++ Letzte Nachrichten bei Redaktionsschluss +++
Nigeria: Seit Monaten dreht sich das Kandidatenkarussel.
Der muslimische Norden und die Igbos aus dem Osten, die seit 40 Jahren keinen Präsidenten aus ihrer Mitte an der Macht gesehen haben, wollen den Präsidenten stellen, und der Süden argumentiert mit seinen Petrodollars für das Präsidentenamt. Nigerias Regierungspartei PDP (Demokratische Volkspartei) kürte nun Gouverneur Umar Yar’Adua (51 und Moslem) zum Kandidaten für die Präsidentschaftswahl 2007. Yar’Adua hat gute Chancen, denn die PDP ist die größte Partei Afrikas und Schmelztiegel des Vielvölkerstaats Nigeria. (pa)
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INHALTSVERZEICHNIS
VORWORT:
Marina Schuster MdB, Afrikaexpertin der FDP-Fraktion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2

TITELSTORY:
SIAO 2006: Kreativität braucht fairen Handel . . . . . . . 4ff.

POLITIK UND GESELLSCHAFT:
Benin: Auf dem Weg zum Musterland . . . . . . . . . . . . . 8ff. Somalia: Der zerissene Spielball . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10 Tunesien: Weg mit dem Hijab . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11 Botswana/Berlin: Anti-AIDS-Kämpfer Ramotlhwa erhält Afrika-Preis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12 Simbabwe: 800 weiße Farmer sollen entschädigt werden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12 Südafrika: Leben auf Pump . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13 Tschad: Interview mit H.M. Doumngor . . . . . . . . . 14/15 Ägypten: «Harmlose» Chicha im Visier . . . . . . . . . . . . . . 16

Südliches Afrika: Naturpark in der Größe Italiens
Ein Verbund aus fünf Staaten plant im südlichen Afrika einen Naturpark in der Größe Italiens. Das fast 290.000 Quadratkilometer große Kavango-Sambesi-Naturschutzgebiet soll Naturwunder und Tierparadiese wie die Victoria-Fälle und das Okavango-Delta umfassen. Eine Vertragsunterzeichnung der Länder Angola, Botswana, Namibia, Sambia und Simbabwe als Startschuss für das Projekt sei noch vor dem Jahr 2010 möglich, berichtete die südafrikanische Zeitung «Sunday Independent». (pa)
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AFRICA LIVE TRAVEL:
Madagaskar: Boeny – Perle des Nordwestens . . . . . . . . 17 Fliegen auf da Gamas Spuren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18 Niger: Riesige Wüste, Natur und Kultur pur . . . . . 19/20 Burkina Faso: Die heiligen Krokodile von Bazoulé . . . 21 Kurznachrichten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22

Gabun: Weihnachtsgeschenk für die PDG
Die Wahlen vom 17. Dezember er- Erlitt Tiefschlag: gaben, dass die Regierungspartei Mba Abessole Foto: ia mit 83 von 120 Sitzen ihre absolute Mehrheit im Parlament behalten wird. Die Opposition wird mit 15 Sitzen vertreten sein (zuvor 3). Den größten Schlag erlitt Vize-Premierminister Paul Mba Abessole: er verlor gegen Premierminister Eyeghé Ndong. Mba Abessole, jahrzehntelang in der Opposition, dann Mitglied der Kohabitationsregierung, setzte inzwischen wieder seine alte schwarze Revoluzzermütze auf und sprach von «Wahlunregelmäßigkeiten». Die Oppositionspartei UPG von Pierre Mamboundou wurde zur zweitstärksten Kraft im Parlament, und auch die erst im April 2005 von Zacharie Myboto gegründete Partei UGDD erhielt vier Sitze. (ia)

WIRTSCHAFT UND UMWELT:
China und Afrika: Dem Drachen ins Maul geschaut . . . . . . . . . . . . . . . . . . 23 Telekommunikation: Palm- und Kürbisöl fördern afrikanische Telefonnetzwerke . . . . . . . . . . . . 24 Gründung des Senegalesisch-Deutschen Wirtschaftsverbands . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 25 Plädoyer für Investitionen in die Landwirtschaft . . . . . 26 Dem Kilimandscharo schmilzt der Schnee weg . . . . . . 27

KULTUR & LITERATUR:
Fachgespräch zu afrikanischer Kunst im Deutschen Bundestag . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30 Buchtipps: «Akwaaba» und «Sunugal» . . . . . . . . . . . . . . 31

NACHRICHTEN AUS:
Ägypten Algerien Benin Botswana Burkina Faso Gabun Gambia Kenia Madagaskar Marokko Namibia Niger Nigeria Sansibar Simbabwe Somalia Südafrika Tschad Tunesien Zentralafrika

VERMISCHTES:
Berlin: Konferenz «Islam im subsaharischen Afrika» . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32

SPORT:
WM 2010: Sechs Startplätze für Afrika . . . . . . . . . . . . . . 33 Spots: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28/29 Reporter Satir . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34 Termine . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35

Titel

Nr. 01/2007 | Seite 4

Burkina Faso:

SIAO 2006 im Zeichen des fairen Handels
Dass jeder Mensch, der arbeitet, das Recht auf angemessene und befriedigende Entlohnung hat, die ihm und seiner Familie eine der menschlichen Würde entsprechende Existenz sichert, ein Menschenrecht ist, ist zwar allgemein bekannt, aber in den Genuss desselben kommen afrikanische Produzenten von Kunsthandwerk bisher kaum. Um diesem Zustand abzuhelfen, wurde die Kunsthandwerksmesse SIAO 2006 in Burkina Fasos Hauptstadt Ouagadougou unter das Motto gestellt: «Kunsthandwerk und fairer Handel». Unterstützt von diversen NGOs, werden durchgehend Seminare im «Pavillon des fairen Handels» abgehalten. Jeder kann sich dort informieren, wie man Märkte erschließt, wie man am besten vorgeht, um höchstmögliche Gewinne zu erzielen (Diversifizierung und/oder Verbesserung der Produktion, Gruppierung in Genossenschaften usw.). Auch das «Netzwerk westafrikanischer Frauen im Kunsthandwerk» (ROAFA) beschäftigt sich mehrere Tage lang mit diesem Thema und gibt seinen Mitgliedern wertvolle Tipps zur Entwicklung der kunsthandwerklichen Aktivitäten. ein neues Statut für das Programm zur Unterstützung für kleine und mittlere Unternehmen (PAPEA) festgesetzt. «Unser Land hat keine Rohstoffe, deshalb müssen wir neue Wege finden, die Wirtschaft auf einer soliden Grundlage ertragreich zu gestalten», sagt Burkina Fasos Minister für Handel und Kunsthandwerk, Benoît Ouattara, bei einem Rundgang durch den Pavillon de la Créativité, in dem ganz besonders ausgezeichnete Objekte ausgestellt sind. «Das Kunsthandwerk spielt hierbei eine sehr wichtige Rolle, und wir setzen weiterhin alles daran, die Bedingungen hierfür zu verbessern, in Burkina Faso und auch in Zusammenarbeit mit meinen Kollegen auf den gesamten Kontinent. Der arbeitenden Bevölkerung Afrikas muss es gelingen, bessere Einnahmen durch fairen Handel zu erzielen. Das ist unser gemeinsames Ziel, bei dem wir uns gegenseitig unterstützen».

«Ackergaul auf der Rennbahn»
Gegenseitige Unterstützung und Förderung sind auch das Anliegen von Standinhaberin Jacqueline Tientcheu. Sie ist Vorsitzende der Initiative AFATEX International aus Douala in Kamerun und stellt zum ersten Mal ihre Produkte auf der SIAO aus. Die AFATEX besteht aus 60 kunsthandwerklich tätigen Mitgliedern, überwiegend Frauen, die sich zum Ziel gesetzt haben, die Armut in unterprivilegierten Familien zu reduzieren, insbesondere durch Schaffung von Arbeitsplätzen für Frauen und Jugendliche. «Für uns ist die Teilnahme an der SIAO sehr wichtig», sagt Jacqueline, «denn wir können hier nicht nur verkaufen sondern auch an allen Veranstaltungen teilnehmen, uns austauschen mit anderen, unser Design verbessern. Ich möchte darüber hinaus gerne eine Organisation finden, die uns begleitend unter ihre Fittiche nimmt. Das ist wie mit einem Pferd: um ein Rennen zu gewinnen, muss es gefördert werden, man kann kein unvorbereite-

Minister Ouattara (li.) und Generalsekretär Bouda beim Rundgang durch den Pavillon de la Créativité

Darüber hinaus wird anlässlich der Generalversammlung des CODEPA (Koordinationskomitee für die Entwicklung und Förderung des Kunsthandwerks), an dem zahlreiche afrikanische Minister für Kultur oder Kunsthandwerk teilnahmen, u.a. Jacqueline Tientcheu aus Kamerun mit ihren Produkten

Titel

Nr. 01/2007 | Seite 5

tes Dorfpferd so einfach auf die Rennbahn schicken». Rabiatou Badirou Alli aus Benin, Inhaberin der Stoffboutique «Perle Noire» in Cotonou, ist da schon viel weiter: Sie ist schon zum 6. Mal hier. «Ich bin sehr dankbar für die Organisation dieser Messe, denn ich finde hier immer wieder neue Anregungen», er-

biatou ist die Antwort auf die oft gehörte Kritik, afrikanische Designer stellten ihre Kreationen aus importierten Stoffen (z.B. Wax aus Holland) her. «Anfangs waren wir darauf angewiesen, weil wir das Know-how brauchten, aber mittlerweile können wir mit unserer Kreativität den ganzen Kontinent entwickeln», schwärmt Rabiatou.

Wunder, denn Inhaber Souleymane Sow setzt auf Solarenergie. 1993 kam der junge Unternehmer mit einem Stipendium der Carl-Duisberg-Gesellschaft nach Deutschland, «und von Anfang an hatte ich nur die Sonnenenergie im Kopf», lächelt er. Er wollte sich dort das Wissen aneignen und dann zu Hause anwenden. Ein spezielles Studium dafür gab es aber noch nicht, so studierte er Elektro- und Nachrichtentechnik und bildete sich nebenher an der Fachhochschule Ulm weiter in Rich-

stellte und vier bis fünf freie Mitarbeiter, auf die er bei Bedarf zurückkommt. Sein Erfolgsgeheimnis? Eine eigene Erfindung: der «intelligente Batterieauflader», wie er das mit Sonnenenergie funktionierende Gerät nennt. «Wissen Sie, das Problem in Burkina Faso ist die Stromversorgung auf dem Land. Baumwollbauern nutzen fürs Sprühen batteriebetriebene Geräte, sind die Batterien leer, werden sie zu allem Übel noch in die freie Natur geworfen. Für 4 ha z.B. brauchen sie 12 Batterien! Mit meinem

Profi im Stoffbusiness: Rabiatou Badirou Alli aus Benin

klärt sie. Sie stellt Textilien her, eine Passion, die in der Familie liegt: Ihre Mutter ist bereits seit 50 Jahren in diesem Geschäft, und Rabiatous Stoffe werden mittlerweile auch bereits seit 20 Jahren zu hochwertiger afrikanischer Mode verarbeitet. Auf der SIAO stellt sie in ihrem Stand handgewebte Stücke aus Benin und Nigeria aus, und zwischendurch veranstaltet sie im Rahmen der Messe Modenschauen, um junge Designer zu promoten. Ihre Stoffe verkaufen sich in Europa, wo man die hohe Qualität schätzt, ebenso gut wie in Afrika, wo insbesondere die handgewebten «Pagnes» reißenden Absatz finden. Ra-

«In naher Zukunft möchte ich eine afrikanische Textilschule eröffnen, damit alle ihre Talente unter einem Dach vereinen und davon profitieren können, anstatt Afrika den Besucher aus aller Welt Rücken zu kehren, im fälschlichen Glauben, hier keine Per- tung Solarenergie und bespektive zu haben». suchte alle relevanten Messen. Nach Abschluss seiner Ausbildung 1997 machte er ein PrakDeutschlands guter Ruf tikum bei Siemens, heiratete eine Deutsche und ging mit Während andere Aussteller öf- ihr zurück nach Burkina Faso, ters Stromversorgungsproble- mit 200 DM in der Tasche. me haben (manche haben vier Sein Mut hat sich gelohnt: Ende 98 konnte er seine eigeoder fünf Kühltruhen dabei, was dem Stromnetz gar nicht ne Firma gründen. «Angefangen habe ich im Kinderzimgut bekommt), strahlt der Stand der Firma MicroSow aus mer meiner Tochter», gibt er unumwunden zu, «aber schon Ouagadougou, der sich ein Jahr später konnte ich ein draußen auf dem Gelände Ladenlokal mieten und einen außerhalb der AusstellungsMitarbeiter einstellen». Mitthallen befindet, hell in der abendlichen Dunkelheit: kein lerweile hat er sechs Festange-

Gerät kann der Bauer acht Stunden ununterbrochen arbeiten. Ist er fertig, kann er es weitervermieten an andere Bauern und somit sogar noch etwas hinzuverdienen». Die einmalige Anschaffung kostet umgerechnet rund 150 Euro, die sich schnell amortisieren. Das ist aber nicht alles: MicroSow installiert sonnenenergiebetriebene Kocher und Lampen in Krankenhäusern, Kindergärten, Schulen usw. «So können auch abends noch Erwachsene Alphabetisierungskurse besuchen, Bildung ist doch so wichtig», meint Souleymane. Auf dem Land werden auch Wasserpumpen

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Manche allerdings haben weniger noble Absichten: Eine Dame an einem anderen Stand preist lautstark ihre Seife an, die angeblich 30 Krankheiten in 10 Minuten heilen kann. Ein älterer Herr hört ihr fasziniert zu und kauft gleich mehrere der Wunderseifen. Zahlreich vertreten sind auch die Stände mit «Naturmedizin», hunderte mit handgeschriebenen Zettelchen versehene kleine Fläschchen gegen Wehwehchen aller Art sind dort aufgetürmt. Eins trägt die Aufschrift «Vorzeitige Ejakulation». «Wofür ist das?», fragt mein Kollege

Nr. 01/2007 | Seite 6
Tunesien, mit einer Kollektion von hervorragenden Parfums, die bei den Besucherinnen großen Anklang fanden. Libyen, zum zweiten Mal hier, hat dagegen eine besondere Philosophie: das Land stellt nur aus, zur Ansicht, verkauft wird nichts. «Vielleicht beim nächsten Mal», heißt es, «wir wollen erst noch einmal abchecken, wie unsere Produkte überhaupt ankommen». In der «Lebensmittelhalle» fällt ganz besonders der Ideenreichtum bei der Verarbeitung lokaler Produkte ins Auge. Reis, Nüsse, Bio-Fruchtsaft, Schokolade und vieles andere wird zu ansprechenden Produkten verarbeitet und ökologisch verpackt präsentiert. Eine besondere Rolle kommt bei jeder SIAO dem vorerwähnten Pavillon de la Créativité zu. Hier werden 150 seltene Stücke präsentiert, die als beste afrikanische Werke ausgewählt wurden. Es handelt sich um Skulpturen, Gemälde, kunstvoll gestaltete Möbel und andere Inneneinrichtungsgegenstände, Töpferartikel und Recyclingprodukte, denen alle eine besondere Förderung auf internationaler Ebene zuteil werden wird. Für Jean-Claude Bouda, Generalsekretär der SIAO, sind gerade diese besonderen Stücke «der Beweis dafür, dass das Kunsthandwerk ein Terrain ist, auf dem Afrika Schritt halten kann und keinen internationalen Vergleich scheuen muss». Abgerundet wird die Messe wie jedes Mal von einem rauschenden Fest in Ouagadougous Offiziersmesse, mit einer internationalen Modenschau, musikalischen Darbietungen von KünstlerInnen aus ganz Afrika und als Tüpfelchen auf dem «i» der Wahl der «Miss SIAO» (Titelfoto), die für die kommenden zwei Jahre bis zur nächsten SIAO Vertreterin der Ziele und Symbol für die Schönheit Afrikas und seines Kunsthandwerks sein wird.
(Ingrid Aouane, Text und Fotos)

Souleymane Sow mit seinem «intelligenten Batterielader»

solar betrieben. Das Material kauft er in Deutschland und bei Lieferengpässen auch manchmal in den USA, bald möchte er aber eine eigene Produktion größerer Geräte (wie Kocher etc.) starten. «Grüßen Sie mir Deutsch-

Mit silbernen Tuareg-Motiven verzierter malischer «Kamelfuß» aus Ebenholz

land», sagt Souleymane abschließend, «da habe ich mich immer wohl gefühlt und viele gute Freunde».
Abenteuer, Nervenkitzel, Anstrengung

Am Stand von Diade H. Sangho, dem Leiter des malischen Nationalrats zur Förderung des Kunsthandwerks (CNPA), werde ich zunächst weniger nett empfangen: Als ich ein wunderschönes Ausstellungsstück, ein mit silbernen Ornamenten verziertes hohes Schränkchen aus Ebenholz, fotografieren will, wirft mich der Standinhaber fast hinaus. «Was soll das? Hier wird nicht fotografiert», schimpft er. «Ihr Franzosen knipst und lasst dann die Sachen in Asien billig kopieren», meckert er weiter. Ihm einen Vortrag über Pressefreiheit zu halten, ist eher sinnlos angesichts seines Zorns, ich erkläre ihm daher, dass ich Deutsche bin – und schlagartig ändert sich sein Verhalten. «Oh, Deutschland, ja, das ist etwas anderes. Wir arbeiten sehr gut mit der gtz zusammen, ihr Deutschen seid korrekt und vertrauenswürdig, komm rein, setz dich, ich erkläre dir die Bedeutung der Ornamente auf diesem Schränkchen, das wir «Kamelfuß» nennen, gerne», heißt es da plötzlich. Das war der Beginn einer Freundschaft, mittlerweile planen Diade und ich seine Teilnahme am importshop Berlin 2007!

Wer’s glaubt: die Wunderseife

Mathurin Butusolua von Radio Afrika International aus Wien provokant. «Damit geht’s schneller», antwortet der Verkäufer. Verwundert wirft Mat ein, eigentlich sei man doch eher an einer längeren Dauer interessiert. «Nein», kontert der Verkäufer, «glaub’ mir, ich habs ausprobiert, in zehn Minuten ist alles zur beiderseitigen Zufriedenheit gelaufen». Also wenn der Verkäufer schon nicht weiß, wozu die Medikamente eigentlich gut sind …

Wunderseife und -medikamente
Der Kindheitstraum vom Fliegen?! Herausforderung und Begeisterung? Nirgends besser als in Südafrika!
Hier geht's lang zum «African Bush Camp», zur Pilotenausbildung und zur anspruchsvollen Wildlife-Safari!

«Afrika kann Schritt halten»
Zurück zu den seriösen Ausstellern: Bei dieser 10. SIAO mit fast einer halben Million Besuchern aus aller Welt beeindrucken wieder einmal die Verschiedenheit und das typisch afrikanische Design der ausgestellten Produkte der 2.500 Aussteller aus 30 Ländern. Zum ersten Mal dabei:

www.pilotenschule-suedafrika.de www.wildlife-flugsafari.de www.flugsafari-suedafrika.de

Interessant sind auch die Stände mit Biokosmetik, die vor allem mit Hilfe von Sheabutter hergestellt wird. «Frauen arbeiten bei uns für Frauen», erklärt eine der Ausstellerinnen, «das kommt allen zugute, denn schließlich sind wir Frauen Afrika!»

Politik und Gesellschaft

Nr. 01/2007 | Seite 7

Kompetenz statt Masse: die Delegation aus Benin Foto: AFRO TV Bln

Begrüßung des deutschen Botschafters in Benin, Dr. Albrecht Conze Foto:ia

Benin:

Auf dem Weg zum Musterland
März 2006: das beninische Volk stimmt im zweiten Wahlgang mit fast 75% für den unabhängigen Kandidaten Dr. Thomas Boni Yayi - und damit für eine totale Erneuerung in diesem kleinen westafrikanischen Land. Eine zweifellos richtige Entscheidung, denn Boni Yayi hält, was er versprochen hat: Seine neue Regierung ist wirklich neu, die alte politische Garde sucht man darin vergebens, von Postenverschiebung keine Spur. Er weiß, dass in der Politik und für die Entwicklung eines Landes niemand unersetzlich ist und greift auf jüngere Technokraten aus der Zivilgesellschaft zurück. Eine Frage der Auslese und des politischen Reformwillens, zwei Wege, die für ein aufstrebendes Afrika unerlässlich sind und die Benin beispielhaft vorlebt. Dass Präsident Boni Yayi andere Prioritäten setzt ist als manche seiner afrikanischen Amtskollegen, fällt sogleich auf bei seinem Staatsbesuch in Deutschland Ende Oktober 2006: er erscheint nicht in Begleitung eines riesigen Trosses von Ministern und Beratern, seine Delegation ist viel bescheidener angelegt – bereits das macht ihn von Anfang an sympathisch. Und wenn er dann das Wort ergreift, verkörpert er eine Art gelungener Mischung aus Mahatma Gandhi, Martin Luther King und einem kompetenten Wirtschaftswissenschaftler. Seine Grundidee: Um Afrika zu entwickeln, braucht es Führungskraft und eine zielgerichtete Vision, gepaart mit Frieden und Stabilität – Prinzipien, die er auch im Interview mit AFRICA live immer wieder aufgreift. gibt es keinen Frieden in der Gesellschaft, und ohne Frieden gibt es keinen Zusammenhalt, wie die zahlreichen Konflikte auf unserem Kontinent bezeugen. Jetzt geht es für uns darum, politische, institutionelle und wirtschaftliche Reformen durchzusetzen, damit wir unseren Anspruch erfüllen und unsere Ziele erreichen können. Einer der Kernpunke Ihres Wahlprogramms war der Kampf gegen die Korruption. Auf den Sprecher und Vizepräsident des Verbandes der nationalen Organisationen gegen Korruption (OLC), Dr. Jean-Baptiste Elias, ist lt. Agenturmeldungen vor ein paar Tagen ein Attentat verübt worden. Was schließen Sie aus diesem Vorfall? Davon weiß ich nichts, ich höre das zum ersten Mal. Glauben Sie mir, unser Volk ist so friedliebend, dass ich die Richtigkeit dieser Information anzweifle. Es kann unmöglich in meinem Land passieren, dass man jemanden wegen seines gesellschaftlichen oder politischen Engagements angreift. Ich muss dieser Sache sofort nachgehen … («Das war eine Falschmeldung in

Eintragung ins Goldene Buch der Botschaft Foto: ia

Herr Präsident, Ihr Wahlslogan lautete «Es kann sich etwas ändern, es muss sich etwas ändern, es wird sich etwas ändern»! Was hat sich seit Ihrer Wahl im März 2006 verändert? Finden Sie nicht, dass es für solch eine Bilanz noch zu früh ist? Aber es ist richtig, wir haben in der Tat bereits etwas er-

reicht, was auch Umfragen unter der Bevölkerung bestätigen: Zunächst einmal gibt es Einigkeit. Die Bevölkerung teilt unser Konzept, dass die Zukunft unseres Landes in erster Linie eine Frage einer Vision, einer Strategie ist. Diese Vision zielt auf Wohlstand für alle, eine gerechte Verteilung der Reichtümer, die allen zugute kommt. Ich bin überzeugt, dass das gesamte Volk hinter uns steht, und das ist das erste, was sich geändert hat: Die Beniner blicken wieder hoffnungsvoll in die Zukunft. Sie wünschen sich eine Demokratie, die von wirtschaftlicher Entwicklung getragen wird, denn eine Demokratie ohne einen solchen Fortschritt wird gefährlich. Dieser Zusammenhang ist extrem wichtig, denn ohnedem

Feierliche Einweihung der neuen beninischen Botschaft in Berlin Foto: ia

dem Sinne, dass dieser Anschlag nicht politisch motiviert war sondern in Zusammenhang mit einer Privatfehde erfolgt ist», erklärt daraufhin der Pressesprecher des Präsidenten und trägt damit beträchtlich zur Beschwichtigung seines beunruhigten Präsidenten bei.) Die meisten Länder SubsaharaAfrikas werden die Milleniumsziele zu Entwicklung und Armutsbeseitigung bis 2015 nicht erreichen können, heißt es im kürzlich vom Internationalen Währungsfonds veröffentlichten Bericht zu den Wirtschaftsperspektiven Afrikas. Was sagen Sie als Ökonom dazu? Das stimmt. Wir haben die Hälfte der Wegstrecke zu den Milleniumszielen bereits zurückgelegt, und wenn man

Politik und Gesellschaft

Nr. 01/2007 | Seite 8

«Bundespräsident Köhler ist ein Afrikaner» Foto: AFRO TV Bln

Bilanz zieht, muss man feststellen, dass keines unserer Länder erreicht hat, was bis hierhin vorgesehen war. Nehmen wir zum Beispiel die Halbierung der Armut: Das Wirtschaftswachstum beträgt derzeit zwischen zwei und drei Prozent, und sieben müssten es eigentlich jährlich sein. Wenn das so weitergeht, wird keines unserer Länder das Armutsreduzierungsziel erreichen – Spezialisten sprechen ja gar schon von einem Zeit-

schlechten Regierungsführung muss ein Ende gesetzt werden, denn nicht nur Afrika macht Fehler, westliche Länder ebenso.

Ein Beispiel für diese «Schocks von außen»? Nehmen wir die Wirtschaftszusammenarbeit. Auf diesem Gebiet werden wir regelrecht bestraft. Mein Land ist Baumwollproduzent, und die internationalen Bestimmungen hierfür bringen unsere ganze Wirtschaft durcheinander, und nicht nur die Wirtschaft, sondern auch das Budget, die öffentlichen Finanzen, die Stabilität des Landes, ja, sie gefährden sogar die Demokratie! Denn eine Demokratie, die mit Ar«Auch westliche Länder machen Fehler!» mut einhergeht, wird zu eiFoto: ia nem Gift. Es kann doch nicht angehen, dass ein Partner sagt, raum bis 2150! Was die übrigen Aspekte angeht, könnte es er sei für die Armutsreduzierung in einem Land und vielleicht sein, dass das eine gleichzeitig jedoch solche Suboder andere Land es schafft, ventionsmaßnahmen weiterobwohl ich nicht sonderlich daran glaube. Unser demogra- hin unterstützt oder zuminphisches Wachstum ist enorm, dest toleriert. Zwei von drei Bewohnern unserer baumwollund wir erleiden Schocks von produzierenden Länder leben außen durch internationale direkt oder indirekt davon, die «bad governance», die unsere Baumwolle erwirtschaft ca. 12Probleme noch verschärfen. Das habe ich auch Bundestags- 15% des Bruttoinlandspropräsident Lammert gesagt: Wir dukts, 40% der Steuereinnahmen, und bis zu 80% des Exbrauchen die Unterstützung portgeschäfts bauen darauf des deutschen Parlaments bei der Bereinigung der Probleme, auf. Solange der Welthandel so die auf internationaler Ebene … Bundestagspräsident Lammert verspraexistieren. Der weltweit chen Unterstützung Foto: AFRO TV Bln

ungerecht weitergeht, werden wir arm bleiben und uns nicht weiter entwickeln können, denn wenn wir fast die gesamten Baumwollerträge als Rohstoff zu niedrigen Preisen exportieren müssen, bleibt uns kein Geld für die Weiterverarbeitung im Lande.

Bundeskanzlerin Merkel und … Foto: AFRO TV Bln

Und was hat man Ihnen geantwortet, als Sie in Deutschland dieses Problem angesprochen haben? Alle Gesprächspartner haben es begrüßt, dass ich das Thema angeschnitten habe. Insbesondere Bundespräsident Köhler – das ist ja sowieso kein Deutscher mehr, das ist ein Afrikaner, wenn man sich seine Ansichten in Bezug auf Afrika vergegenwärtigt! – und auch Bundeskanzlerin Merkel haben mir zugesichert, dass im Rahmen der EU-Ratspräsidentschaft und der G8 der Ar-

mutsreduzierung in Afrika eine tragende Rolle zukommen wird. Ich sagen Ihnen, wenn diese anstehenden Probleme – auch in Zusammenhang mit dem Schuldenerlass oder der Entwicklungshilfe – nicht geregelt werden, verlangt man zuviel von uns. Dann sieht es für die Stabilität unserer Länder schlecht aus. Wir Afrikaner wissen, was man von uns erwartet, und wir Beniner ganz besonders: Wir brauchen eine feste Vision und präzise Zielsetzungen, wir müssen uns als starkes Land zeigen, als ein Rechtsstaat, unsere Institutionen müssen glaubwürdig und überprüfbar sein, wir müssen gute Regierungsführung zeigen und jegliche Straffreiheit beenden. Wenn wir all das durchführen, werden wir vorankommen. In

Politik und Gesellschaft
welchem Rhythmus wir uns dann entwickeln werden, wird davon abhängen, dass auf internationaler Zusammenarbeitsebene keine Ungerechtigkeiten mehr vorkommen. Gottseidank sind unsere Partner, sei es nun Europa, die USA oder Asien, disponibel, denn um unsere Länder aufzubauen, brauchen wir nicht nur unsere eigenen Kräfte sondern auch Unterstützung von außen. Und das nicht nur auf Regierungsebene, wir wollen ein wirtschaftliches Klima schaffen, das auch Privatinvestoren von überallher anzieht. Wir sind offen für jeden und keinesfalls ein Hoheitsgebiet irgendeines Landes! Wir brauchen alles verfügbare Kapital, um unsere Bevölkerung zu ernähren – das ist die Botschaft, die ich hier in Deutschland überall herübergebracht habe. Ich bin fest überzeugt, dass man mich hier auch verstanden hat und jeder bereit ist, mich dabei zu unterstützen. (+++)

Nr. 01/2007 | Seite 9

«Image umkehren»
Benins Botschafter in Berlin, S.E. Issa Kpara, zieht eine positive Bilanz des Staatsbesuchs: «Wir haben überall ein offenes Ohr gefunden, bei den deutschen Behörden ebenso wie

«Benin ist der Schlüssel zu Westafrika»
Der Präsident der Republik Benin, S.E. Dr. Thomas Boni Yayi, sieht sein Land als Schlüssel zu Westafrika. Mehr als 20 deutsche Unternehmensvertreter informierten sich bei einem vom Afrika-Verein der deutschen Wirtschaft organisierten Wirtschaftsgespräch über den Handels- und Investitionsstandort Benin. Neben dem seit April 2006 amtierenden Präsidenten waren bei der Veranstaltung auch der Minister für Wirtschaft, Finanzen und Entwicklung, S.E. M. Pascal Irénée Koupaki, sowie der neue deutsche Botschafter in Benin, Dr. Albrecht Conze, anwesend. Der Wirtschaftsminister stellte fünf Pfeiler der neuen Regierungspolitik vor: Die Reform der öffentlichen Verwaltung, die Konsolidierung der öffentlichen Finanzen, die bessere Ausnutzung des wirtschaftlichen Potentials, der Ausbau der Infrastruktur und die Senkung der Verwaltungskosten. Der wichtigste Wirtschaftszweig Benins ist derzeit der Baumwollsektor, in dem 500.000 Menschen beschäftigt sind. In 2006 erzielte man eine Ernte von ca. 350.- 400.000 Tonnen. Der Anteil an der Weiterverarbeitung, bisher nur 5 Prozent, soll deutlich ausgebaut werden. Der Wirtschaftsminister kündigte außerdem an, dass sich die Regierung verstärkt um die Diaspora Benins kümmern möchte. Er möchte sie für ein stärkeres Engagement gewinnen. Der deutsche Botschafter in Benin, Dr. Albrecht Conze sagte: «Wenn all die guten Absichten umgesetzt werden, bestehen gute Chancen, dass Benin bekannt wird».
(Michael Monnerjahn, Afrika Verein)

Benins Botschafter Kpara Foto: ia

Das ist in der Tat der Fall: Deutschland beabsichtigt, den bisherigen Umfang der technischen und finanziellen Zusammenarbeit in Höhe von 32 Millionen Euro auch im nächsten Zwei-Jahres-Zeitraum (2007/2008) beizubehalten. Darüber hinaus bestätigte die Bundesregierung, den Bau einer Straßenüberführung am westlichen Ende der mit deutscher Hilfe errichteten Konrad-Adenauer-Brücke zu finanzieren, die im Dezember 2004 von Bundespräsident Köhler eingeweiht worden war. Schließlich wird Deutschland erstmals in der Geschichte der deutsch-beninischen Zusammenarbeit eine ungebundene Budgethilfe in Höhe von voraussichtlich zwei Millionen Euro innerhalb der beiden kommenden Jahre leisten. Wenn Benin sein Engagement zur Förderung der guten Regierungsführung und zum Kampf gegen die Korruption mit konkreten Ergebnissen belegen kann, ist eine Erhöhung der Budgethilfe möglich. Insgesamt wird sich die bilaterale deutsche Entwicklungshilfe für Benin in den kommenden zwei Jahren auf voraussichtlich 34 Millionen Euro belaufen.

bei Geschäftsterminen. Es wurden zwar keine Verträge abgeschlossen, aber es war eine positive Resonanz zu spüren, auf dieses neue Afrika, das sich in Ländern wie Benin darstellt. Wir möchten weg von der bisherigen «Hilfelogik», eine echte wirtschaftliche Partnerschaft ausbauen. Ich würde es sehr begrüßen, wenn ein permanenter Dialog auf höchstem Niveau zwischen Deutschland und Benin zustande käme. Damit meine ich nicht nur Gespräche bezüglich der Unterstützung der Zusammenarbeit oder der Partnerschaft mit Benin, sondern einen Diskussionsrahmen, der fruchtbaren Austausch über bedeutende aktuelle Themen, Konfliktprävention, Friedenserhalt, internationalen Handel etc. ermöglicht. Mein Wunsch ist, dass Benin in Deutschland zukünftig ganz anders wahrgenommen wird. Seine Bemühungen in Bezug auf Demokratie, die Verbesserung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die gute Regierungsführung müssen hier in der Regierung wie auch der öffentlichen Meinung bekannt werden. Global ausgedrückt: Wir möchten die Tendenz, Afrikas Image zu massakrieren, umkehren».
(Ingrid Aouane)

Hätten Sie’s gewusst?
Pressefreiheit – in vielen afrikanischen Ländern ein Reizwort. Nicht so in Benin: Reporter ohne Grenzen veröffentlichte am 23.10. 2006 die Rangliste zur weltweiten Situation der Pressefreiheit, wofür die Situation in 166 Ländern zwischen September 2005 und August 2006 ausgewertet wurde. Auf dem 23. Platz: Benin, zusammen mit Deutschland und Jamaika, vor Großbritannien (27) oder Frankreich (35). Benin verfügt über mehr als 70 Radiosender, vier Fernsehsender, 25 Wochen- bzw. Monatsmagazine und über 30 Tageszeitungen.

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Nr. 01/2007 | Seite 10

Somalia:

Der zerrissene Spielball
Dezember, Schicksalsmonat Somalias: Im Dezember 1992 besetzen Tausende US-Soldaten die Hauptstadt Mogadischu, mit dem Vorwand, die dort herrschenden Warlords zu entmachten. Doch die Bevölkerung reagiert anders als vermutet: die meisten Somalis betrachten die US-Soldaten als Invasoren und ungläubige Besetzer. Warlord Mohammed Aidid – heute Innenminister der Übergangsregierung - gießt Kenia und Äthiopien als Einfallstore für terroristische Aktionen genutzt werden. Im September 2006 beschließt deshalb die Afrikanische Union, dass sie Friedenstruppen nach Somalia entsenden will. Sie sollen die Übergangsregierung stützen, die nicht im für sie unsicheren Mogadischu residiert sondern in der Provinzstadt Baido. Doch die «Islamischen Gerichte» kündigten an, die Soldaten der Afrikanischen Union als Invasoren zu betrachten und zu bekämpfen. Die Vereinigten Staaten propagieren seit langem, dass sich Al-KaidaVerbündete unter den Islamisten in Somalia befänden. Aufgrund ihrer schlechten Erfahrungen agieren sie nun nicht mehr selbst sondern spannen die Äthiopier für ihre Zwecke ein, die nicht nur islamistische Übergriffe

Zum Verständnis der Lage in dem zerrissenen Land: eine Chronik der Ereignisse
Januar 1991: Nach Aufständen und Machtkämpfen in Mogadischu wird der Militärmachthaber Siad Barre durch eine Allianz unter dem Namen Vereinigter Somalischer Kongress (USC) gestürzt. Ab 1991: Trotz der Errichtung einer Interimsregierung geht der Krieg um die Macht zwischen rivalisierenden Clan-Milizen weiter, die staatliche Ordnung bricht zusammen. 1992-1995: Eine UN-Militärintervention bleibt erfolglos. 1993 herrscht weltweites Entsetzen nach dem Tod von amerikanischen Blauhelmsoldaten, deren Leichen durch die Straßen vom Mogadischu geschleift werden. 2000: Beginn einer Versöhnungskonferenz und der Bildung von Übergangsparlament und Übergangsregierung. Der Bürgerkrieg geht dennoch weiter. Oktober 2004: Neues Übergangsparlament, Abdullahi Yusuf Ahmed wird neuer Übergangspräsident. Islamische Milizen schließen sich zur «Islamischen Gerichtsunion»zusammen mit dem erklärten Ziel, Recht und Ordnung wiederherzustellen. März 2005: Die Islamisten bekräftigen ihr Ziel der Errichtung einer islamischen Republik. Februar 2006: Die international anerkannte Übergangsregierung nimmt ihren Sitz in Baidoa ein. Juni 2006: Die Islamische Gerichtsunion übernimmt nach einem Machtkampf mit säkularen Warlords die Kontrolle über Mogadischu und Südsomalia. Sie nennt sich nach einem Führungswechsel zu Gunsten der Fundamentalisten nunmehr Rat der Islamischen Gerichte. 9. Oktober 2006: Die Islamisten erklären Äthiopien einen «Heiligen Krieg», sollte das Land die Übergangsregierung militärisch unterstützen. 6. Dezember 2006: Der UNSicherheitsrat billigt eine regionale Friedenstruppe für Somalia, die Islamisten lehnen dies ab. 19. Dezember 2006: Erste direkte Kämpfe zwischen Islamisten und Regierungstruppen unter Beteiligung äthiopischer Soldaten. 24. Dezember 2006: Äthiopien gibt die militärische Beteiligung an den Kämpfen in Somalia zu. 25. Dezember 2006: Die äthiopische Luftwaffe bombardiert den Flughafen von Mogadischu. 29. Dezember 2006 (bei Redaktionsschluss): Die Islamisten geben die Hauptstadt Mogadischu auf. Kurz nach ihrem Rückzug übernehmen Kämpfer somalischer Clans, die der Übergangsregierung nahe stehen, die Kontrolle über mehrere Straßenzüge. Regierungssoldaten rücken währenddessen auf die Hauptstadt vor.
(ia, mit dw)

Islamistische Milizen auf Straßenpatrouille in Mogadischu Foto: irin

verbal Öl ins Feuer, mit dem Endergebnis, dass die Somalis die «freundlichen Helfer aus USA» militärisch angreifen. Im Dezember 2006 erklärt Äthiopien – enger Verbündeter der USA - den Islamisten in Somalia den Krieg, die ihrerseits von Eritrea unterstützt werden. Damit droht sich eine Konsequenz an, die den gesamten afrikanischen Kontinent durchteilen könnte: ein Krieg zwischen Christen und Moslems.

Begeisterter Empfang der Bevölkerung für die Mitglieder der «Islamischen Gerichte» Foto: irin

auf ihr Land, in dem viele Somalis leben, befürchten, sondern insbesondere auch ihrem Erzfeind Eritrea, der die IslaSeit Herbst 2006 haben die Islamisten fast das gesamte Land misten unterstützt, eins auswischen wollen. unter Kontrolle, nur im Norden können sich noch KlanAber was wird geschehen, chefs halten. In Mogadischu wenn die Islamisten mileisten die «Islamischen Gerichte» sogar Aufbauarbeit, Ha- litärisch besiegt werden? Bei fen und Flughafen werden wie- der Bevölkerung stehen sie hoch im Kurs, und sicherlich der betriebsbereit gemacht werden ihnen auch Gotteskrieund geöffnet. Aus Sicht der Nachbarländer und der USA ist ger aus anderen Ländern zu Hilfe eilen. Eine Destabilisiejedoch die Gefahr groß, dass Somalia zu einem sicheren Ha- rung der ganzen Region mit dramatischen Folgen steht fen für Terroristen wird. Zuzweifellos bevor. dem könnten die weitgehend unkontrollierten Grenzen zu

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Verbot eine auf dem Glauben und der Meinungsfreiheit fundierte Diskriminierung». Andere Verbände sehen hierin einen Verstoß gegen die Verfassung und einen Angriff auf die Menschenrechte sowie die Freiheit des Einzelnen. Umso mehr, als dass es mehrere Koranauslegungen gibt und das heilige Buch der Moslems weder das Tragen des Schleiers predigt noch es verbietet.

Tunesien:

«Fundamentalistische Kleidung» verpönt
Der tunesische Präsident Zine El Abidine Ben Ali hat sich im Zuge der Bekämpfung des Islamismus gegen den «von außen importierten Schleier sektiererischer Inspiration» ausgesprochen. Mehrere Minister taten es ihm gleich und verurteilten das Tragen des Hidjabs für Frauen und des «qamis» genannten langen Baumwollgewandes sowie den Bart bei Männern. Ebenso wie der Staatschef riefen auch sie dazu auf, sich der traditionellen Kleidertracht zu besinnen. Der Schleier ist ein «von einer sich hinter der Religion verschanzenden Splittergruppe propagierter politischer Slogan zur Durchsetzung politischer Absichten», verkündete Außenminister Abdelwaheb Abdallah. Sein Amtskollege, Innenminister Rafik Belhaj Kacem, ließ verlauten, dass diese Kleidung «das Symbol einer politischen Zugehörigkeit sei, die sich hinter der – dafür keineswegs verantwortlichen – Religion verstecke, die das Rad der Geschichte zurückdrehen möchte». Sie begründen ihre Sorge mit einer wachsenden Zahl von Frauen, die ihren Kopf verhüllen. Khadija Chérif, Präsidentin der Association tunisienne des femmes démocrates (ATFD) kann diese Entwicklung nur bestätigen, sieht dieses Problem jedoch als nicht neu an. Bereits 2003 warnte ihre Organisation vor der «zunehmenden Zahl junger und sehr junger Frauen, die sich überall auf den Straßen, in der Schule und öffentlichen Gebäuden in ‘islamistischer Tracht’ zeigten.»

Traditionelle Kleidung ja, aber ohne «Hidjab» Foto: ia

heißt, dass «diese Uniform, die die Verschiedenartigkeit der Frauen beseitigen will, die Unterschiede aufheben und sie als Sexualobjekt betrachten will, ein Symbol von Herabsetzung und Rückschritt für die Frauen» sei. Denn all jene, die den Schleier trügen, stellten die 1956 gesetzlich festgelegte Stellung der Frau in Frage; jenes Gesetz, dem Tunesien seit langem eine Vorrangstellung in Bezug auf die Frauenrechte verdankt. Die ATFD, die in dieser Hinsicht nicht von ihrer Position abgewichen ist, hat beobachtet, dass die Frauen mit Hidjab aus allen Gesellschaftsschichten kommen. «Leider liegen darüber keine Umfragewerte vor. Wir haben jedoch versucht zu ergründen, weshalb sie ihn tragen. Man kann nicht verallgemeinern, einige Frauen wollen dies allerdings politisch interpretieren, als Reaktion gegen die Regierung, führen religiöse Gründe ins Feld oder wollen sich auf diese Weise vom Westen abgrenzen», erklärt Khadija Chérif. Um diesem Phänomen Einhalt zu gebieten, drängt die Regierung auf die Durchsetzung des Erlasses 108 von 1981, der

das Tragen des Schleiers in öffentlichen Gebäuden untersagt, mit dem Risiko für die Angestellten, entlassen zu (pa) werden. Der bereits 1985 unter dem ehemaligen Präsidenten Habib Bourguiba in Kraft getretene Text sollte dem aufkommenden Fundamentalismus den Weg versperren, stieß jedoch immer wieder auf heftige Reaktionen seitens der Menschenrechtsorganisationen. «Die tunesischen Behörden haben Studentinnen aus dem Campus in Tunis und anderen Universitäten die Teilnahme an Prüfungen untersagt, nur weil sie einen Schleier trugen», erklärte Safwa Aïssa, Vorsitzende des Vereins Vérité-Action, der für Redefreiheit und Wahrung der Menschenrechte in Tunesien eintritt. Die Weltorganisation gegen die Folter bedauerte in ihrem Jahresbericht von 2002, dass der Erlass dazu geführt hätte, dass «Hunderte von Mädchen der Schule verwiesen, und folglich ihres Rechts auf Bildung beraubt wurden. Da sich der Erlass 108 lediglich auf Frauen erstreckt, stellt er hinsichtlich ihres Rechts auf Bildung eine Diskriminierung dar. Des Weiteren sei dieses

Erlass gegen Fundamentalismus
Der Verein unterstreicht «das Recht der Frauen auf freie Kleiderwahl», geht aber noch einen Schritt weiter, wenn es

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Botswana/Berlin:

Simbabwe:

Anti-AIDS-Kämpfer Ramotlhwa erhält Afrika-Preis 2006
Der Deutsche Afrika-Preis 2006 wurde am 25. Oktober 2006 von Bundesaußenminister Dr. Frank Walter Steinmeier an den botswanischen Pharmakologen Segolame Lekoko Ramotlhwa verliehen. Ramotlhwa ist Leiter des staatlichen HIV/AIDS-Therapieprogramms Botswana Masa National Anti Retroviral Therapy (ART), das in Kooperation mit der von der Bill and Melinda Gates Foundation und dem amerikanischen Pharmaunternehmen Merck Inc. finanzierten African Comprehensive HIV/AIDS Partnership (ACHAP) durchgeführt wird. «Ich denke, Ihr Ansatz ist Vorbild für ganz Afrika», erklärte Außenminister Steinmeier in seiner Rede anlässlich der Verleihung in Berlin. «Sie stellen nicht nur die Behandlung, sondern auch Aufklärung, Enttabuisierung sowie den Aufbau eines staatlichen Gesundheitssystems ins Zentrum Ihrer Arbeit». «Worüber wir in Europa häufig nur reden, ist in Botswana in die Tat umgesetzt: eine Dreiecks-Partnerschaft aus Regierung, Gesellschaft und Wirtschaft mit beeindruckender Erfolgsbilanz», lobte Steinmeier, und ergänzte, der Preisträger stünde mit seiner Arbeit auch stellvertretend für eine Generation, die die Zukunft Afrikas in die eigenen Hände nimmt, die auf eigene Stärke setzt und den Gedanken des «African

800 weiße Farmer sollen entschädigt werden
Die Regierung Simbabwes hat Mitte Dezember 2006 angekündigt, dass 800 weiße Farmer, die im Zuge der Landreform aus dem Jahre 2000 von ihrem Besitz vertrieben wurden, entschädigt werden sollen. 200 Farmer erhielten bereits eine Wiedergutmachung, allerdings stehen die Beträge in keinem Verhältnis zu den verlorenen Werten. In mehreren Lokalzeitungen wurde die Wiederaufnahme der Entschädigungszahlungen angekündigt und eine Liste mit 800 Farmern veröffentlicht, die von diesem Programm profitieren sollen. Der Staatssekretär für Bodenfragen, Ngoni Masoka, fordert die
Foto: sat

merhin sind 204 Farmer bisher entschädigt worden».

10% des Gesamtwertes
Die meisten derjenigen, die sich darauf eingelassen haben, sind alt und haben das Arrangement aus Verzweiflung akzeptiert, weil sie über gar keine finanziellen Mittel mehr verfügen. «Natürlich freuen wir uns über eine Entschädigung, aber die Beträge müssen dem reellen Gesamtwert entsprechen und vor allem die Inflationsrate von über 1000% berücksichtigen. So, wie es derzeit praktiziert wird, läuft es auf lediglich 10% hinaus», erläutert Emily. Der Verband «Gerechtigkeit für die

Preisträger Segolame Lekoko Ramotlhwa Foto: Christian Lietzmann

ownership» mit Leben füllt. Die Republik Botswana ist eines der am stärksten von der HIV/AIDS-Pandemie betroffenen Länder der Welt. Etwa 38 Prozent der erwachsenen Bevölkerung ist mit HIV infiziert. Dem ART-Programm sowie der Arbeit und dem großen persönlichen Einsatz des 49-jährigen Segolame Ramothlwa ist es zu verdanken, dass mittlerweile mehr als 50 Prozent jener Menschen in Botswana, die aufgrund klinischer Kriterien antiretrovirale Medikamente benötigen, auch entsprechend behandelt werden kostenlos. Damit ist das botswanische Therapieprogramm das erfolgreichste nationale Therapieprogramm auf dem afrikanischen Kontinent. (ia,
mit VFA)

ehemaligen Besitzer oder ihre Vertreter auf, dringend mit dem Ministerium in Kontakt zu treten, um eine entsprechende Bescheinigung zu erhalten. «Die Behörden sprechen von Entschädigung für Grund und Boden, aber die gesamte Infrastruktur muss doch mit berücksichtigt werden», sagt Emily Crookes, PR-Beauftragte der hauptsächlich aus Weißen bestehenden Farmergewerkschaft. Und solche Listen gibt es nicht zum ersten Mal: «Manche Namen wurden schon mehrmals aufgeführt», erklärt Emily. «Eins unserer Mitglieder ist, als er zum ersten Mal erwähnt wurde, zum Ministerium gegangen und hat darum gebeten, dass man ihm schriftlich gibt, wie hoch die Entschädigung sein würde. Das ist nie geschehen. Aber im-

Landwirtschaft» gibt an, es handele sich um Beträge zwischen 5 und 10%. Deswegen hoffen die, die es sich leisten können, auf ein besseres Angebot. «Gerechtigkeit für die Landwirtschaft» hat jedoch ausgerechnet, dass, wenn man die 4.100 vertriebenen Farmer korrekt entschädigen wollte, 22 Milliarden Euro erforderlich seien, plus sechs bis acht Millionen Euro Zinsen. Ein Betrag, den das Land niemals aufbringen können wird, zumal Nahrungsmittelknappheit herrscht, die u.a. dadurch entstanden ist, dass man die Bauernhöfe völlig Unerfahrenen übergeben hat. Nur noch 900 weiße Farmer gibt es derzeit in Simbabwe, die anderen haben umgeschult oder das Land verlassen, um ihr Glück in Sambia, Nigeria oder Mosambik zu suchen. (afrik.com)

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Nr. 01/2007 | Seite 13
grund der hohen Arbeitslosenrate ein Verdiener in Südafrika zwischen fünf und zehn weitere Personen unterstützt, meistens Familienangehörige. Fünf Prozent der erwachsenen Südafrikaner verloren in den letzten 12 Monaten ihren Hauptverdiener durch Tod, d.h. 1,6 Mio. Menschen, und 8% gaben an, sich im gleichen Zeitraum an den Kosten für ein Begräbnis innerhalb der Familie beteiligt zu haben. Lt. Higgs wäre ein gesetzlich garantiertes Mindesteinkommen von 100 Rand (10 Euro) für jeden Südafrikaner, unabhängig von Alter oder Einkommensniveau, die beste Lösung, um der herrschenden Armut eine Ende zu bereiten. Nichtregierungsorganisationen und die größte Gewerkschaft, die sich für dieses Mindesteinkommen einsetzen, behaupten, die Hälfte der Einwohner Südafrikas sei arm, das Sozialsystem der Regierung (Kindergeld, Renten, Behindertenzulagen) käme nur 11 Mio. Menschen zugute. Die südafrikanische Regierung bleibt bei ihrem Standpunkt, keine Abhängigkeiten schaffen zu wollen wie es durch Zahlung eines garantierten Mindesteinkommens geschehen würde.
(irin)

Südafrika:

Leben auf Pump
Viele Südafrikaner müssen sich Geld leihen, um sich etwas zu essen kaufen zu können, ergab eine Studie, die vom Finanzministerium zusammen mit mehreren großen Finanzinstitutionen durchgeführt wurde. Im reichsten Land des Kontinents hat einer von fünf Einwohnern nicht genug zu essen, und ein Drittel der schwarzen Südafrikaner gab an, dass sie sich von manchmal bis oft keine ausreichenden Mahlzeiten leisten könnten. «Die meisten dieser Leute haben kein Einkommen oder verdienen weniger als 500 Rand (53 Euro) im Monat. Sie müssen sich oft fürs Essen von Freunden oder Verwandten Geld leihen”, sagt Neil Higgs, Leiter der Untersuchung. Mindestens 17% der Südafrikaner gaben an, über gar kein Einkommen zu verfügen, und fast die Hälfte der über 3.000 Befragten erklärte, dass sie von oft bis manchmal keinerlei Einkommen hätten. Für Südafrika, mit einem durchschnittlichen jährlichen Pro-Kopf-Einkommen von umgerechnet 9.170 Euro, ergibt sich somit eine der ungleichsten Einkommensstrukturen der Welt. Jobs zu finden ist

Phumla Nzimande, Gelegenheitsarbeiterin bei einer führenden Lebensmittelkette Südafrikas. «Mir bleibt nichts anderes übrig, als mir Geld zu leihen und immer nach Sonderangeboten Ausschau zu halten, damit wir überleben können”.

Restaurantkellner Bheki Msimang verdient einen Dollar in der Stunde und kommt somit manchmal, «wenn es gutes Trinkgeld gibt», auf 200 Dollar (150 Euro) im Monat. Aber nach Abzug von Miete und Transportkosten bleiben ihm, der auch noch seine Eltern unterstützen und Schuldgeld für seine Kinder bezahlen muss, Reichlich gedeckter Tisch in Südafrika – weniger als 100 Dollar monatfür viele nur ein Traum Foto: sat lich übrig. «Manchmal habe ich nicht genug, um etwas nach Hause zu schicken», erschwierig, die inoffizielle Arklärt er, «meine Mutter muss beitslosenrate beträgt um die 40 Prozent, offiziell werden je- sich dann etwas von den Nachdoch nur 25,6 Prozent angege- barn leihen. Für mich zu essen habe ich, da ich ja in einem ben. Restaurant arbeite, aber meine Familie leidet». 18% der Befragten gaben an, dass sie sich Geld leihen für Über 20% der Teilnehmer gaLebensmittel, 10% für Beerdiben als Einkommensquelle gungskosten, 9% für SchulgeVerwandte oder Freunde an, bühren und weitere 9% für erst danach folgen Einkommedizinische Behandlung. «Ich gebe den Großteil meines men in Form von Gehältern als Angestellte eines UnternehGehalts für Transport aus, mindestens 600 Rand (63 Euro) mens (19%), Kindergeld (11%), gefolgt von sonstigen Löhnen von den 800 Rand (85 Euro), (9%). Gewerkschaften und Fordie ich verdiene, so dass ich schungsinstitute behaupten mit 200 Rand (21 Euro) meine schon seit langem, dass aufKinder ernähren muss», sagt

Bundespräsident Köhler:

«Staatengemeinschaft tut zu wenig für Afrika»
Bundespräsident Horst Köhler hat in einem Beitrag für den «Tagesspiegel am Sonntag» im Dezember der internationalen Staatengemeinschaft vorgeworfen, die Bedeutung Afrikas falsch einzuschätzen und den schwarzen Kontinent gezielt zu vernachlässigen. «Es wird noch viel zu wenig darüber gesprochen, was sich bei uns ändern muss, damit wir bei der Armutsbekämpfung in Afrika vorankom-

men», schrieb Köhler und kritisierte «Doppelstandards und Unglaubwürdigkeit», die «auch bei Industrieländern aus dem Westen» im Spiel seien. «Wir müssen daran arbeiten, das abzustellen. Afrika ernst zu nehmen, das heißt auch, entschlossen gegen Missstände auf unserer Seite vorzugehen. Und das schließt den Kampf gegen Korruption ausdrücklich ein», Engagiert für Afrika: Bundespräsident Köhler schrieb der Bundes(hier mit Senegals Präsident Abdoulaye Wade) Foto: ia präsident.

Köhler wird im Januar in Ghana im Rahmen seiner Initiative «Partnerschaft mit Afrika» mit mehreren Staatschefs über die Zukunft des Kontinents diskutieren. Der Bundesregierung empfahl er, dafür zu sorgen, die kulturelle Präsenz in Afrika auszubauen, «solange es noch ein nachhaltiges Interesse Afrikas an Deutschland gibt». Es sei überdies «Zeit für eine umfassende Gesamtstrategie gegenüber unserem Nachbarkontinent. Unsere Politik darf sich nicht auf ethisch-moralische Ansätze beschränken». (ots)

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Tschad:
Interview mit Regierungssprecher und Kommunikationsminister Hourmadji Moussa Doumngor

«Für manche meiner Landsleute ist die Rebellion zu einer Lebensart geworden»
Herr Minister, was führt Sie nach Berlin? Ich hatte diesen Besuch schon seit langem mit dem Geschäftsträger der deutschen Botschaft in N’Djamena geplant, und durchgeführt wurde er nun mit Unterstützung des Goethe-Instituts. Er war für mich mit sehr interessanten Kontakten und Begegnungen verbunden. Auf politischer Ebene, in Gesprächen beim Außen- und Innenministerium, habe ich mich über die Arbeitsweise der parlamentarischen Demokratie informieren können, über die Aufgabenteilung zwischen Bundes- und Länderparlamenten usw. Medienkontakte und kulturelle Begegnungen runden das Bild ab, so dass ich mit sehr interessanten und nützlichen Informationen die Heimreise antreten kann. Hohelied der bewaffneten Rebellion, klagen alles an, was ihrer Meinung nicht stimmt im Staat, usw. Deshalb habe ich in meiner Funktion als Kommunikationsminister – wenn auch schweren Herzens – diese Verordnung erlassen müssen. Medienprofis, die ihr Metier verstehen und verantwortungsvoll handeln, haben ja auch keine Zensur zu befürchten. Derzeit agieren an Tschads Grenzen zahlreiche Rebellengruppen. Wie gedenkt Ihre Regierung mit dieser Krise umzugehen? Gegen eine bewaffnete Rebellion muss man angehen, mit Waffen ist nicht zu spaßen! Handelt es sich um eine politische Opposition, muss man miteinander sprechen, um einen Konsens zu finden. Aber zunächst einmal wehren gegen diese von außen gesteuerten Kräfte. Das heißt, Sie sehen hinter der Reorganisation dieser neuen bewaffneten Opposition die Mitwirkung des Sudan? Es hat Angriffe gegeben mit Kolonnen von über 100 Fahrzeugen, mit schweren Geschützen, was würden Sie daraus schließen? Woher haben sie all dieses Material? Selbst wenn wir nicht direkt den Sudan beschuldigen wollten, so muss man doch der Realität ins Auge sehen. Diese logistisch gut ausgestattete Armee, mit Hunderten von Soldaten, die ausgerüstet und unterhalten werden müssen, ist ein Fakt. Der Sudan ist Komplize dieser Kräfte, die sich gegen den Tschad richten.

Journalist Hourmadji Moussa Doumngor, Regierungssprecher und Kommunikationsminister Foto: ia

schrittliche Demokratie. In der Tat: von Pressefreiheit kann im Tschad keine Rede sein. Seit der Ausrufung des Notstandes am 13.11. 2006, der gerade auf sechs Monate verlängert wurde, muss jede Presseveröffentlichung von der Regierung autorisiert werden. Reporter ohne Grenzen (RSF) spricht bereits von Einschränkung der Pressefreiheit Ein Beispiel für eine nützliche und Zensur. Was sagen Sie als Journalist dazu? Information? Ich kann nur wiederholen, Im Ausbildungsbereich z.B. was ich auch einem Veranthabe ich viel Wissenswertes wortlichen von RSF in einem erfahren. Das duale Ausbildungssystem finde ich hervor- langen Gespräch gleich nach Einsetzung dieser Verordragend, weil Schulabgänger nung mitgeteilt habe: Worte dadurch sofort ins Berufslekönnen ebenso zerstörerisch ben einsteigen können. Das wäre für uns im Tschad auch sein wie Gewehrkugeln! Die Lage in unserem Land ist sehr eine gute Lösung, denn wir haben unzählige Jugendliche, kompliziert, der lange Bürgerkrieg hat seine Spuren hinterdie die Schule abgeschlossen lassen, und es gibt religiös haben, aber nicht lange stuoder ethnisch rivalisierende dieren können. Gruppen, die sich gegenüberWas mich auch sehr beeindruckt hat, ist der Offene Ka- stehen. Mit solchen Fakten muss man sensibel umgehen. nal Berlin, wo Bürger ihre eiDie Presse müsste hier eine genen Fernsehsendungen zu beschwichtigende Rolle spieThemen, die ihnen am Herlen, was unsere Medien aber zen liegen, frei von jeglicher Zensur zeigen können. Das ist nicht tun, sondern sie gießen ein Beispiel für wirklich fort- noch Öl ins Feuer, singen das

Ins Nachbarland vertrieben: Flüchtlinge unterwegs vom Sudan in den Tschad Foto: UNHCR

hier handelt es sich um organisierte bewaffnete Gruppen, die sich auf sudanesischem Boden zusammentun und unser Land angreifen. Da haben wir die Pflicht, die Gefahr auszuschalten, denn unsere Demokratie ist in Gefahr, das Land soll zurückgeworfen werden. Wir sind uns zwar bewusst, dass letzten Endes eine politische Lösung erforderlich ist, werden uns aber

Worauf wollen die Rebellen Ihrer Meinung nach hinaus? Seit 1963 gibt es immer wieder Rebellionen im Tschad, für manche ist das regelrecht zu einer Lebensart geworden. Manche sind schon fünf oder zehn Mal dabei. Was sie wollen, das fragen wir uns auch. Ist die Ablösung von Präsident Déby ihr Ziel, dann sollten sie sich gedulden, bis ein demokratischer Wechsel durch Wahlen stattfindet. Was ihre eigentlichen Motive

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Hier werden sie aufgenommen: Sudanesisches Flüchtlingslager im Tschad Foto: EC/ECHO/Frederic Bonamy «Die Zurückhaltung der AU ist unverständlich» AU-Soldaten in Darfur Foto: irin … und versorgt: Krankenstation von Ärzte ohne Grenzen Foto: EC/ECHO/Frederic Bonamy

Neueste Meldung zum Tschad:

Regierung und Rebellen vereinbaren Waffenruhe
Tripolis/Libyen: Die Regierung und eine der Rebellengruppen im Tschad haben eine Waffenruhe ausgehandelt. Die Vereinbarung wurde am 24. Dezember 2006 in Libyens Hauptstadt Tripolis unterzeichnet, der libysche Staatschef Muammar Gaddafi agierte als Vermittler. Parteien des Abkommens sind der tschadische Präsident Idriss Deby und Mahamed Nour, dessen «Tschadische Vereinigte Front für Demokratischen Wandel» im April 2006 die Hauptstadt N’Djamena angegriffen hatte. Nour rief die anderen Rebellengruppen im Tschad dazu auf, sich der Friedensvereinbarung anzuschließen und ebenfalls die Waffen niederzulegen. Das Abkommen gewährt ihnen dafür einen Monat Zeit. Binnen drei Monaten soll die Vereinbarung dann umgesetzt werden. Zu den Kernpunkten gehören eine Amnestie für die Mitglieder der Rebellenorganisation, ihre Eingliederung in die regulären Streitkräfte und die Rückkehr von Menschen, die vor den Kämpfen geflohen sind. (pa)

sind, kann ich Ihnen ehrlich gesagt nicht sagen. Wenn sie aus Enttäuschung handeln, dann sollten sie sich zu einer politischen Partei zusammenfinden, mit uns diskutieren, um den Rahmen für eine transparente Wahl zu konstituieren. Nach diesem Schema wäre eine Übereinkunft möglich, aber wenn sie als Grundvoraussetzung die Ablösung von Präsident Déby fordern, dann nicht. Sollte sich die Afrikanische Union (AU) stärker in der Konfliktlösung engagieren? Die Aggression geht vom Sudan aus, ein Land, das ebenso Freunde innerhalb Afrikas hat wie der Tschad auch. Im allgemeinen Interesse des Kontinents müssen die Freunde des Sudans darauf hinwirken, dass er den Aggressoren und

Auswirkungen auf den Sudan und umgekehrt. Libyen bemüht sich schon seit einiger Zeit um eine Einigung zwischen unseren beiden Ländern. Leider sind die bisher unterzeichneten Übereinkommen von sudanesischer Seite nicht eingehalten worOmar el-Béchir (Sudan), den. Was jetzt in TripoIdriss Déby (Tschad) und lis vereinbart wurde, François Bozizé (Zentral- habe ich hier in Deutschland nicht mitafrikanische Republik) bekommen. Auf jeden haben vor einigen Tagen in Tripolis unter Fe- Fall wollen wir den Frieden, jeder Schritt in derführung Muammar Kadhafis einen Minigip- diese Richtung ist ein Erfolg, und ich gehe dafel durchgeführt, der von aus, dass die Situation entspannen sollte. Im Anschluss die Äußerungen von Präsident hat Ihr Präsident geäußert, er sehe große Déby diesen Friedensprozess Hoffnungen auf eine Verbesserung der Lage. ermutigen wollen. Hoffen wir, Was begründet diesen dass sich der Optimismus? Sudan nun defiFriedensbemühungen jeglicher Art sind zu be- nitiv an die Vereinbarungen grüßen. Der Tschad und der Sudan müssen halten wird. zusammen leben. Was (Interview: bei uns geschieht, hat Ingrid Aouane) Rebellen seine Unterstützung entzieht, damit ein politischer Dialog zustande kommen kann. Wir wundern uns, dass die AU sich bisher so zurückhält, Konfliktregelung ist doch eine ihrer Aufgaben.

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Ägypten:

«Harmlose» Chicha im Visier
Beliebtes Mitbringsel im Reisegepäck zahlreicher Ägyptentouristen: Chicha und Tabak mit Apfelaroma. Stehen die «Chicha Lounges» im Westen hoch im Kurs, so lässt sich in Ägypten eine zunehmende Abhängigkeit von der Wasserpfeife beobachten, die die Gesundheitspolitiker vor Ort mit Sorge erfüllt. «Sie ist weniger gesundheitsschädlich als die Zigarette, weil sich der Rauch vor dem Einatmen zunächst mit Wasser vermischt», behauptet eine junge niederländische Touristin auf dem Basar in Kairo, und zieht dabei kräftig an ihrer Chicha. Gesundheitsexperten versuchen dieses verharmlosende Bild von der orientalischen Pfeife zu widerlegen, deren Rauch durch einen langen Schlauch, der mit einem Flakon voll aromatisierten Wassers verbundenen ist, in den Mund des Rauchers gelangt. «Wir haben es hier nicht nur mit einer Mode fernab im Ausland, sondern mit einer hier gibt es keine genauen Zahlen, aber sie ist zu einem Trend geworden», so Gabali. «Die neue Steuer könnte 800 Millionen ägyptische Pfund einbringen, die direkt den Krankenkassen zufließen würden «, heißt es weiter. Fatima al-Awwa beklagt die im Vergleich zur Zigarettenherstellung fehlenden Normen bei der Chichatabakproduktion. Der Chichakonsum wird von den Rauchern weniger als eine Abhängigkeit denn eine Gelegenheit gesehen, zu Hause oder in den Cafés stundenlang zu plaudern und sich dabei Auch hierzulande in Mode: die Chicha Foto: ia den Schlauch weiterzureichen. Der einstige Zeitvertreib von hinaus, so eine Untersuchung Männern aus den armen der WHO, inhaliert der WasSchichten ist inzwischen zu eiserpfeifenraucher im Vergleich ner Modeerscheinung für junzum Zigarettenkonsumenten ge Ägypterinnen geworden. mehr Kohlenmonoxid und an«Rauchende Frauen sind in dere Toxine. Außerdem geÄgypten schlecht angesehen, langt der Rauch tiefer in die die Chicha jedoch ist amüsant Lungen, da beim Einatmen und nicht schädlich», meint durch den längeren Schlauch Hoda, eine junge verschleierte mehr Kraft aufgewandt wird. Frau von 20 Jahren, die in einem trendigen Café an ihrer Eine vom ehemaligen ägyptiChicha mit Melonen- und Capschen Gesundheitsminister, puccinogeschmack zieht. Das Awad Tag-Eddine, geleitete StuWort Chicha ist eine Ableitung die macht die Wasserpfeife für des Wortes Haschisch, der Drodie Rückkehr der Tuberkulose ge, die ursprünglich mittels in Ägypten verantwortlich, eiWasserpfeife genossen wurde. nem Land, das in punkto Tabakkonsum weltweit zu den Am Café Zahret Strand, mitten Spitzenreitern gehört. «Die in Kairo, scheint die ägyptidurchschnittlichen Ausgaben sche Anti-Tabak-Kampagne für Tabak betragen 2,5 Prozent spurlos vorbeigerauscht zu pro Familie und liegen damit sein. Mohamed, ein 61 Jahre höher als die für Gesundheit alter, elegant gekleideter Witund Freizeit», erklärt Frau wer, raucht hier jeden Abend Awwa. An der Wand ihres zwei Chichas. «Ich weiß, dass Büros hängt eine Fatwa des es schlecht für die Gesundheit ehemaligen Muftis von Ägypist, aber es ist eine Art alltägliten, derzufolge Rauchen gegen che Belohnung für mein Tageden Islam verstoße. werk», sagt er. «Wenn ich nicht an der Chicha sterbe, dann an Gesundheitsminister Hatem aletwas anderem. Darüber kann Gabali zeigt sich beunruhigt nur Gott befinden». (pa) über das Ausmaß dieser Mode. In der neuen Sitzungsperiode des Parlaments soll ein Gesetzesentwurf über die Einführung einer 10-prozentigen Tabaksteuer eingebracht werden, teilt er mit. «Die Ägypter konsumieren täglich 20 Millionen Zigaretten. Für die Chicha

immer populärer werdenden Gewohnheit zu tun», erklärt Fatima al-Awwa vom Regionalbüro der Weltgesundheitsorganisation (WHO). «Eine Stunde Chicha entspricht in etwa dem Konsum von 100 bis 200 Zigaretten», bestätigt sie und erklärt, dass der Chicharaucher bei gleicher Nikotinmenge mehr Rauch einatmet als beim Zigarettenkonsum. Darüber

Der Köder muss dem Fisch
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Nr. 01/2007 | Seite 17

Madagaskar:

Boeny – Perle des Nordwestens
Im 8. und 9. Jahrhundert erlebte die madegassische Nordwestküste eine blühende Zivilisation, mit starker islamischer Prägung. Schiffe aus dem Orient (Indien, Persien, China, arabische Halbinsel) und aus Afrika legten an der Küste von Boeny an. Händler kamen vorbei oder ließen sich dort nieder, und in Verbindung mit den Einheimischen entstanden so bedeutende lokale und internationale Handelszentren und große Städte in den Buchten. Heute ist Boeny einer der 22 Verwaltungsbezirke der Republik Madagaskar und bietet auf dem Hintergrund dieser Geschichte ein touristisches Spektrum mit authentischen und bisher noch wenig bekannten Attraktionen. Moudj Angaïa, die meistens «Majunga» genannte Hauptstadt der Region, ist die Stadt der Blumen, deren Schönheit schon immer Besucher von nah und fern angezogen hat, die den berauschenden Duft der Jasminblüten lieben. Eine kosmopolitische, tolerante Stadt der Begegnung, wo sich seit Jahrhunderten Muslime und Christen, Fischer und Händler, Rikschafahrer und Touristen ein Stelldichein geben. de Nadelfelsen, die sich aus einem kalkartigen Untergrund herausgebildet haben. Sie bilden teilweise Canyons und kaufsleiter der Reiseagentur ANGAIA TOURS. «Entdeckungsreisen in gut ausgerüsteten Pirogen auf dem Fluss oder in Luxuskatamaranen auf dem Meer, Camping an den Wasser- «Die Jugend des Landes mit der Begeisterung anstecken» Foto: ia fällen oder auf Sandbänken, hiesige Jugend anstecken, ihWanderungen für Ungeübte und Profis, Ausflüge im Allrad- nen ihre Wurzeln und ihre fahrzeug und Übernachtungen Vergangenheit wieder bewusst machen. Wenn sie bei und mit uns arbeiten, können sie so einen Beitrag leisten zur Entwicklung ihrer Gesellschaft, in- und ausländischen Besuchern die Bedeutung der Kul-

Zauber Majungas: Jasmin Foto: fetnat

Höhlen und sind der Lebensraum von verschiedenen endemischen Pflanzen und Tieren. Auch der Wald von Ankarafantsika mit seinen Lemuren, von denen immer wieder neue Arten entdeckt werden, die vielen kleinen und größeren Inseln sowie einer der größten Mangrovenwälder Madagaskars tragen zur Attraktivität der Region bei. «Mit der Öffnung der Nationalstraße 6 bieten sich für uns immer wieder neue touristi-

2006 in Madagaskar entdeckt: der Goodmans Mouse Lemur Foto: Robert Zingg

in den besten Hotels am weißen Sandstrand – Kombinationen, die Rustikales und Komfort verbinden». ANGAIA TOURS ist ein junger, dynamischer Reiseveranstalter, der Touren anbietet in die Kultur Madagaskars, zum Eintauchen ins tiefe Land, zum Entdecken unberührter, gar einsamer Gegenden. Ihr bevorzugtes Reisegebiet ist die Region Boeny, aber auch andere Gegenden Madagaskars sind im Angebot. «Wir möchten mit unserer Begeisterung für diese Region die

Weite Sandstrände und Paradies für Fischer Foto: Angaia Tours

Unzählige Sehenswürdigkeiten machen den guten Ruf der Region aus: Die Tropfsteinhöhlen Auch typisch für Madagaskar: von Anjohibe, die weißen Chamäleons Foto: ia Sandstrände von Ampazony sche Ziele, die wir unseren Gäund Antsahanitia und die Tsingys von Namoroka. Tsingys sten zeigen möchten», sagt sind fantastisch anzuschauen- Lanto Razafimahatratra, Ver-

tur für die regionale und nationale Entwicklung nahe bringen und mithelfen, die wunderschöne aber so zerbrechliche Natur durch Ökotourismus zu erhalten», erklärt Lanto. «Ganz gleich, woher die Besucher kommen, durch die einmaligen Erlebnisse, die wir ihnen hier bieten, erholen sich alle und tanken auf!»
ANGAIA TOURS Lot VF 76 bis ANKORAHOTRA ANTANANARIVO Tel.: +261 20 24 234 11, +261 33 11 000 96 E-Mail: lanto.ra@wanadoo.mg

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Nr. 01/2007 | Seite 18

Marokko :

Von Südafrika nach Mosambik:

Tourismuseinnahmen steigen beachtlich
Die durch den Tourismus bedingten Deviseneinnahmen Marokkos sind in den ersten sieben Monaten des Jahres 2006 auf 26,8 Mrd. Dirham (rund 2,5 Mrd. Euro) gestiegen. Das bedeutet einen Anstieg von 29% gegenüer dem Vorjahreszeitraum. Die Anzahl der Übernachtungen in touristischen Einrichtungen des nordafrikanischen Landes erreichte 9.296.66, also 6% mehr als in den Monaten zuvor. Das Tourismusministerium wies dabei allerdings darauf hin, dass die beliebtesten Zielorte wie Marrakesch und Agadir geringere Steigerungsraten aufweisen, da beide sowieso fast ständig ausgebucht sind, wobei allerdings die Aufenthalte von Franzosen, den hauptsächlichen Besuchern, nachlassen. (pa)

Fliegen auf den Spuren von Vasco da Gama
Unser Flug führt uns von Südafrika nach Mosambik, dorthin, wo Vasco da Gama als erster Europäer 1498 seinen Fuß an Land setzte. Es geht zu dem endlosen Ozean der warmen Winde, in Richtung Vilanculous. Als äußerst reizvolle Nachbarländer sind Tansania, Malawi, Sambia, Simbabwe, Südafrika und Swasiland zu erwähnen. Augen des Gastes, portugiesische Kochkünste sind als Hochgenuss für die Sinne als koloniales Erbe erhalten geblieben.

Weiter im Angebot: Wasserski, Parasailing, »Kiting” … nicht ganz einfach, dieses Naturwunder anschließend zu verlassen. Aber: diese traumhaften Eindrücke finden ihren Fortgang in der Inyati Lodge. Hier ist als Wir starten entspannt vom Kru- Zielgruppe der erholungssuger Mpumalanga International chende Genießer angesproAirport mit einer einmotorigen chen. Diese Anlage wurde liebeAfrikas Tourismus wächst am schnellsten: voll und exklusiv in den SandCessna 208 Caravan. Nach Passieren des Grenzgebietes zu Mo- dünen errichtet. Morgens wird man vom sanften Licht der Sonsambik über dem Krüger Park überfliegen wir eine buscharti- ne, die sich rot glühend über dem Ozeanriesen erhebt, bege, flache Ebene ... Afrika liegt grüßt. Auch hier eine selbstverDas Jahr 2006 brachte dem afri- Nigeria und Senegal. Die Erständlich exquisite Zubereigebnisse wurden beim 79. Trefkanischen Tourismus zum tung des Dinners, Wassersportfen der UN World Tourism Orzweiten Mal in Folge RekordAktivitäten in einer Atmosphäzahlen. Beim Wachstum der Be- ganisation im November 2006 re der entspannenden Ruhe, sucherzahlen rangiert der Kon- in Algier präsentiert. Allein Alnur der Wind des Ozeans tinent sogar an der weltweiten gerien wurde im Vorjahr von scheint zu flüstern …. 1,5 Mio. Reisenden besucht. Spitze. Das ist ein Wachstum von 17 Dabei sind es nicht nur altbeProzent im Vergleich zum Jahr kannte Tourismusländer wie Südafrika oder Kenia, die boo- davor. «Grundsätzlich ist es Die paradiesische Inyati-Lodge … sehr zu begrüßen, dass Afrika Foto: Thomas Fabian generell und insbesondere Senegal einmal anders in den unter uns! Das Bild wandelt Medien dargestellt werden, als sich nach gut zwei Stunden in der Kontinent bzw. das Land, eine Symbiose aus dem tiefem aus dem Tausende Migranten Blau des Ozeans, charmant verunter Einsatz ihres Lebens woben mit einem scheinbar un… wir fliegen Sie hin! nach Europa flüchten wollen. endlichen Zuckerstreifen des Foto: Thomas Fabian Sondern als Land, das aufweiß-perligen Strandes ... VilanVolkswirtschaftliche Eckdaten: grund seiner Kultur und seiculous, eingebettet in eine Palner natürlichen Schönheit menlandschaft, heißt seine Gä- Über 80 % der Erwerbstätigen Algier – die weiße Stadt am Meer Mosambiks sind in der Landsehr wohl auch Besucher anste willkommen. Wunderbare Foto: ia zieht», so Karin Chladek, PresBeispiele für einen sehr exklusi- wirtschaft tätig, produzieren allerdings nur 24 % des BIP. Die sesprecherin des Instituts für ven Aufenthalt sind die Dumen. Zu den großen Gewingong Lodge und die Inyati Lod- wichtigsten landwirtschaftlinern gehören Algerien, gefolgt Integrativen Tourismus und chen Erzeugnisse sind Cashewge, zirka 25 km von Vilanvon Botswana, Äthiopien, Mali, Entwicklung. (pte) nüsse, Zuckerrohr, Baumwolle culous entfernt. und Tee. Die Küstenfischerei hat sich in den letzten Jahren Wir fahren mit einem Boot Vilanculous verlassend in Rich- zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor entwickelt. Getung Dugong Lodge. Aufspritfischt werden hauptsächlich zende Gischt erfrischt die sonThunfisch und Garnelen. Der nengebräunte Haut ... erneute Landung .... die selten derart er- Tourismus hat als drittes Standlebte Gastfreundschaft des Per- bein eine zunehmende ertragswirtschaftliche Bedeutung in sonals lässt einen unvergesslichen Aufenthalt erahnen. Nach Mosambik – nicht ohne Grund: wer das Exquisite, Außergeeinem Tauchgang mit dem wöhnliche sucht, ist hier beDive-Instructor zu dem noch stens aufgehoben – und wir unberührten bunten Meeresfliegen Sie hin! garten, ist das abendliche SeaFood ein weiteres Erlebnis. Ein- (http://www.flugsafari-suedafrika.de malig die Zubereitung vor den http://www.pilotenschule-suedafrika.de)

Topzahlen für Algerien, Botswana und Senegal

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Nr. 01/2007 | Seite 19

Niger:

Im Zeichen des «W»
Wüste, Wadis, Wasserläufe und «W»-Park: Niger bildet das Scharnier zwischen Nord- und Subsahara-Afrika. Denkt man an Reisen in den Niger, kommen einem zunächst die großen Wüstenregionen in den Sinn, die über die Hälfte des Landes ausmachen. Lange Zeit jedoch war Niger eine fruchtbare und bevölkerte Region, wie die zahlreichen Felsmalereien im Aïr-Gebirge bezeugen. Mit einer Fläche von 1.267.000 km2 ist Niger ein weites Land, zwei Drittel sind Wüsten- und wüstenartige Zonen. Das überall im Land sehr trockene Klima kennt starke Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht. Das Jahr wird in drei Jahreszeiten aufgeteilt: die heiße Saison, die von März bis Mai geht, die Regenzeit von Juni bis September, und die «kalte» Jahreszeit von Oktober bis Februar, die für den Tourismus die geeignetste ist. Nigers Bevölkerungsstruktur ist sehr unterschiedlich, ein Gemisch aus Nomaden und Sesshaften, die, obwohl sie sich durch Sitten und Bräuche, Kleidung und Lebensräume sehr unterscheiden, harmonisch zusammen leben. Landessprache ist Haussa, Sprache der mehrheitlichen Bevölkerungsgruppe, Amtssprache ist Französisch. seum, in dessen kleinen, mit viel Liebe zum Detail ausgestatteten Pavillons u.a. eine umfangreiche prähistorische Sammlung, Werkzeuge aus dem alltäglichen Gebrauch, Gegenstände aus dem kulturellen Leben zu finden sind, sowie die Thematisierung des Uranabbaus in der Stadt Arlit. Weitere Attraktionen sind die riesigen Dinosaurierskelette und die Schirmakazie, auch Baum der Ténéré-Wüste genannt, der noch bis vor knapp 25 Jahren einzig und allein inmitten der Ténéré stand. dieses Reservat, das an alle drei Länder angrenzt, gemeinsam zu verwalten und somit 50.000 km2 wilde Natur zu schützen. Die Unesco ernannte den Park zum Weltkulturerbe, und die EU fördert ihn mit ihrem Ecopas-Programm, das Ökosysteme im afrikanischen Saharagebiet schützt. morgesteine und die «blauen Berge» (les Montagnes Bleues), die ihren Namen dem kobalthaltigen Gestein verdanken. Auf Täler mit spärlicher Vegetation folgen trocke Flussläufe, die Wadis. Inmitten der schroffen Steinwüste tauchen Oasen auf. Felszeichnungen zeugen davon, dass in der Vergangenheit hier Strauße, Elefanten, Nasshörner und Giraffen lebten. Kunstvolle Gravuren, wie im Tal von Anakoum, wurden bereits vor mehreren tausend Jahren in die Felsblöcke eingeritzt.

In diesem größten und tierreichsten Naturschutzgebiet Westafrikas findet man eine reichhaltige Flora (über 500 Pflanzenarten), Baoboabs sprießen hier wie Bambus. Elefanten, Flusspferde, Antilopen, Büffel, Affen, Gazellen, Löwen Das Dorf Boubon, ist ca. 12 km von Niamey entfernt. Bewohner und sogar Leoparden sind hier zu Hause – insgesamt über 70 Foto: Stefan Froehlich verschiedene Säugetierarten und 260 verschiedene Wandervögel. Die geschulten Führer, die sich zu einer Kooperative zusammengeschlossen haben, beantworten und erklären ausführlich die Besonderheiten des Parks. der umliegenden Dörfer bringen auf ihren Pirogen ihre Erzeugnisse auf den wöchentlich hier stattfindenden Markt. Eine gemütliche Rückfahrt mit der Piroge nach Niamey (ca. 2 Std.) ermöglicht es, Fischern bei ihrer Arbeit und den Frauen bei ihren alltäglichen Aktivitäten beim Wäschewaschen oder Wasserholen zu zusehen. Die Giraffen von Kouré: Die größten Giraffenherden Westafrikas kann man in Kouré, 25 km von Niamey entfernt, beobachten. Sie leben in einer von Bauern und Viehzüchtern bewohnten Region. Im Laufe der Zeit haben sich die sonst eher scheuen Giraffen dem Leben mit Menschen angepasst.

Im Norden
Nach zwölf Stunden Busfahrt (95o km von Niamey entfernt) durch die typische Savanne Westafrikas erreicht man Agadez, das Tor zur Wüste, zum Aïr Gebirge, und eine heilige Stätte des Islams. Die 500 Jahre alte Moschee stellt ein eindrucksvolles Beispiel der traditionellen Lehmbauarchitektur dar. Der frühere Reichtum der Stadt gründet sich auf den Handel mit Salz, Gold und Elfenbein. 1860 bereiste Heinrich Barth als einer der ersten Afrikaforscher Agadez, heute ist ihm ein kleines Museum gewidmet.
Möchte Kontakte mit Deutschland ausbauen: Nigers Tourismusminister Nouhou im Gespräch mit Susanne Lassal, AFRICA live Consulting

Die Hauptstadt und ihre Umgebung
Niamey, am Niger gelegen, stellt das wirtschaftliche Zentrum des Landes dar und beherbergt die zwei einzigen Universitäten. Eindrucksvoll und informativ ist das National-Mu-

Aïr - Gebirge

Das Aïr-Gebirge, dessen höchste Erhebung 1944 m ü. N.N. erreicht, übt eine Faszination auf Im Süden von Niamey befindet jeden Sahara-Reisenden aus: sich das Reservat des Parks «W», bizarre Steinformationen, die unter den sich ändernden so benannt nach der Form der Flusswindungen des Niger. Vor Lichtverhältnissen ihre Farben knapp sechs Jahren beschlossen wechseln. Besonders beeinNiger, Burkina Faso und Benin, druckend sind die weißen Mar-

Der Nationalpark «W»

Timia, im Aïr Gebirge: Dieser Ort zieht alljährlich viele Besucher an, die neben dem Erleben der Wüste, die Spuren der Vergangenheit, die nicht weit von Timia gelegene Quelle, die karge Natur und die weite Landschaft entdecken wollen, deren Bewohner sie ein Stückweit an ihrem Alltag teilhaben lassen. Frauen und Kinder sind

Innenstadt von Agadez Foto: Stefan Froehlich

Foto: E. Seybold

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da draußen» oder schlichtweg mit «Wüste» übersetzt. Diese Wüste, die die Hälfte der Fläche Nigers einnimmt, gehört neben dem Aïr-Gebirge seit 1991 zum Weltnaturerbe der UNESCO. Dass hier trotz dieser Bedingungen eine mannigfaltige Flora (ca. 300 identifizierte Pflanzenarten) und Tiere wie Gazellen, Antilopen, Paviane, Husarenaffen, Schakale und Wüstenfüchse existieren können, mag erstaunen. Zwischen November und Februar begeben sich Karawanen, beladen mit Salz und Vorräten, auf die lange Reise nach Agadez. Frauen ziehen mit ihren mobilen Zelten den Männern, die mit den Viehherden unterwegs sind, hinterher. Sie versuchen durch den Verkauf von Käse, Tuareg-Schmuck und anderen Gegenständen ihr kärgliches Einkommen zu verbessern. (Theresa Endres)

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Niger auf einen Blick
Ländername: Republik Niger, République du Niger Klima: Semiarid bis vollarid; Regenzeit von Juli bis Sept./Okt., von Nov. bis März sehr warm, April bis Juni sehr heiß (45°) und trocken, Juli bis Okt. z.T. sehr heiß und feucht. Durchschnittliche Niederschlagsmenge zwischen 150 und 500 mm/J. Lage: Binnenland zwischen Wendekreis des Krebses (nördlichster Punkt) und 12 Grad nördlicher Breite (südlichster Punkt) in der Sahara, Sahel- und Sudanzone. Gemeinsame Grenzen nach W: Burkina Faso und Mali, nach N-NW: Algerien, nach N-NO: Libyen, nach O: Tschad, nach S: Nigeria und S-W: Benin Größe: 1.267.000 qkm Hauptstadt: Niamey - ca. 850.000 Einwohner Bevölkerung: ca. 13 Mio. Einwohner (davon ca. 1,5 Mio. Nomaden), wichtigste Ethnien: Haussa (50 - 55 %), Djerma (20 – 24%), Tuareg (ca. 10%), Peulh (unter 10%), Kanouri (ca. 4%) und kleinere. Landessprachen: Amtssprache Französisch, wichtigste Landessprachen Haussa, Djerma, Fulfulbe, Tamaschek (Tuareg) Religionen: Sunnitische Moslems 95%, Animisten 4,5%, Christen 0,35% Nationaltag: 18.12. (Tag der Ausrufung der Republik 1958) Unabhängigkeit: 3. August 1960 Staatsform/Regierungsform: 5. Republik mit semi-präsidentiellem Regime Staatsoberhaupt: Mamadou Tandja, Président de la République, seit 1999, zweite Amtszeit nach Wahl am 4.12.2004 für 5 Jahre mit 65% der Stimmen Parlament: Assemblée Nationale, Ein-Kammer-Parlament mit früher 83 Sitzen, seit Wahl am Ende 2004 Erweiterung auf 113 Sitze, davon 14 Frauen Verwaltungsstruktur des Landes: In den 8 Regionen des Landes fanden am 24.07.2004 erstmals Kommunalwahlen statt, die Wahl der Bürgermeister wurde Ende September 2004 abgeschlossen, nächste Kommunalwahlen in 2008 vorgesehen Bruttonationaleinkommen: 2,8 Mrd. USD (2004) Pro-Kopf-Bruttonationaleinkommen (BNE): 210 USD (2004)
(Quelle: IWF)

500 Jahre alt: Die Moschee von Agadez Foto: Stefan Froehlich

am «modernen» Brunnen beschäftigt, ihre Eimer und

Die «blauen Berge»

Reiseinfos: Fluglinien, die Agadez von EuFoto: Stefan Froehlich ropa aus anfliegen: Direktflüge ab 30. Oktober bis

Behältnisse mit Wasser zu füllen. Der Lastwagen der Kooperative wartet auf das Beladen werden mit den Erzeugnissen die vor Ort wachsen: Orangen, Zitronen, Pampelmuse, Mango, Salat, Gemüse, ein wahres Paradies inmitten dieser relativ kargen Landschaft. Dazwischen die Schmuckhändler, die ihre gesamten Waren auf einem Stück Stoff präsentieren: das Kreuz von Agadez, Ohrringe, Ringe, Ketten, Schachteln aus Leder und anderen Naturprodukten. Nächtigen kann jeder in der Oase mitten in den Gärten oder in der auf einem Hügel gelegenen Herberge mit einer wunderbaren Aussicht über die Gärten und das Tal.

Giraffen in Kouré Foto: Theresa Endres

Ténéré
Die endlose Weite des Sandmeeres und die bis zu 300 m hohen Sanddünen sollen nicht darüber hinweg täuschen, dass das Überleben in dieser unberührten Gegend für die dort Lebenden immer härter wird. Nicht umsonst wird die Ténéré in der Sprache der Tuareg mit «Land

Mitte März in Kooperation mit «le Point Afrique» und «Go voyages» (www.point-afrique.com und www.go-voyage.com) Fluglinien, die die Hauptstadt Niamey anfliegen: Aus Europa: Aïr France, Royal Aïr Maroc, Aïr Algérie, Afriquiya Innerafrikanische Flüge: Royal Aïr Maroc, Aïr Sénégal, Aïr Burkina, Aïr Ivoire, Afriquiya Überlandbusse und eine private Fluglinie verbinden Agadez mit Niamey.
Zum Einstimmen: schöne Fotos und einen Reisebericht gibts unter http://www.froehlich.priv.at/galerie/niger06/

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Noch sind sie unsichtbar, liegen ruhig im malerischen See …

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… erste Annäherungsversuche

Wer hoch hinaus will … … und wird schließlich belohnt … muss sich anstrengen …

Burkina Faso:

Die heiligen Krokodile von Bazoulé
den Bewohnern des Ortes und der Umgebung heilig. Sie verkörpern für sie ihre verstorbenen Vorfahren und leben somit mit ihnen friedlich zusammen, bringen ihnen Opfer und respektieren sie. Ein kleiner Krokodile sind hier allgegenAltar am See zeugt von diesen wärtig, nicht nur aus Fleisch Opferritualen: Jedes Jahr wird und Blut, sondern auch in Form von Skulpturen und Sitz- eine Reihe von «Kaiman-Festgelegenheiten, die der burkini- en» gefeiert, im Laufe derer die Bewohner den Krokodilen sche Künstler Sam T. Michel Hühner und auch größere Tieaus Beton gestaltet hat, sowie re darbringen, um Wohlstand als Bronzefiguren, die in ei«Das Huhn müssen Sie für 1000 CFA (rund 1,50 Euro) kau- nem kleinen «Centre artisanal» und Schutz des Dorfes vor Unglück zu erbitten. Früher, als verkauft werden. Verwaltet fen», klärt uns der Mann an es noch keinen Deich gab und werden See und Umgebung der Kasse auf, «damit locken der See austrocknete, kamen vom «Verein Tourismus und wir die Krokodile aus dem die Krokodile zu den BehauEntwicklung in Bazoulé», der Wasser». «Und dann»? frage ich, Böses ahnend. «Na, danach sich darum kümmert, dass der sungen und suchten Schutz vor der glühenden Hitze. Auch Ort sauber und freundlich wird’s von einem der Krokos bleibt und vor allem dafür Sor- heute spielen Kinder am Ranverspeist», erklärt er seelenrude des Sees inmitten der Kroge trägt, dass der See, Lebenshig. Nichts für Zartbesaitete kodile, und Angler sitzen in alraum für ca. 100 Krokodile, also. Auch uns ist gar nicht ler Ruhe am Ufer - Unfälle hat auch in der Trockenzeit nicht wohl bei dieser Aktion, aber austrocknet, wofür ein kleiner es noch nie gegeben. was soll’s, schließlich muss Stausee angelegt und kürzlich sich jeder von irgendetwas noch ein weiterer Brunnen ge- Normalerweise halten sich die ernähren, reden wir uns ein, baut wurden. Die Überschüsse Tiere natürlich lieber im bezahlen Eintritt und Huhn kühlen Wasser auf, aber kaum aus den touristischen Einnahund machen uns zusammen mit dem «Krokodilführer», der men kommen der Dorfgemein- hören sie die Schreie des verstörten Huhns, verlassen sie das arme Federvieh auch noch schaft zugute. das frische Nass und erscheimit dem Kopf nach unten hänDie Krokodile von Bazoulé sind nen am Ufer – das Schau(erligend an einem langen Stock «Einheimische 500, Auswärtige 1000, Kinder 250, Hühner 1000» steht auf dem Eintrittspreisschild im rund 25 km von der Hauptstadt Ouagadougou entfernt liegenden kleinen Ort Bazoulé, wo sich der «See der heiligen Krokodile» befindet. Wer daraus schließt, dass hier auch Hühner Eintritt bezahlen müssen, wird schnell eines Besseren belehrt … befestigt hat, auf den Weg zum See der heiligen Krokodile, ein malerisches, von Bäumen umsäumtes und mit Seerosen übersätes Gewässer. che)spiel kann beginnen. Der Krokodilführer schwingt den Stock mit dem Huhn hoch über den Köpfen der Krokodile umher, die sich hoch aufrichten, um die Beute zu schnappen. Es ist erstaunlich, zu sehen, wie diese eigentlich doch recht schwerfälligen, unbeweglichen Tiere plötzlich zu schnellen Reaktionen imstande sind. So kommt letztendlich jeder zu seinem Leckerbissen: Fotografen zu tollen Aufnahmen – und eins der Krokodile zu seinem Huhn.
(Ingrid Aouane, Text und Fotos)

Abenteuer, Nervenkitzel, Anstrengung

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www.pilotenschule-suedafrika.de www.wildlife-flugsafari.de www.flugsafari-suedafrika.de

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Kenia:

Madagaskar:

Felsmalereien am «Lake Victoria» entdeckt

Insel-Hopping auf einer Dhow

Die über 2000 Jahre alten Felsmalereien von Mfangano an der Ostküste des «Lake Victoria» wurden erst vor kurzem entdeckt. Das «Abasuba Community Peace»-Museum schuf hier mit Unterstützung des Nationalmuseums von Kenia (NMK) und dem «Trust for African Rock Art (TARA)» eine neue Attraktion für Besucher.

Jenman African Safaris bietet ab 2007 eine einmalige Camping-Safari auf der Insel Nosy Be mit InselHopping auf einem traditionellen arabischen Segelschiff an. Die 8-tägige Reise Nosy Be Foto: fetnat kann auf eigene Faust oder in seln, weit entfernt von der ZiKombination mit einer FestBlick auf den Viktoriasee vilisation. Schnorcheln mit Foto: arsenalfilm landtour unternommen werWalhaien, fischen, entspannen den. Sie führt in den Norden an unberührten Stränden: DieAnhand der Felsmalereien von Madagaskar auf die Insel ses Erlebnis ist ab 460 EUR pro sieht man, wie die Vorfahren Nosy Be, die von kleinen InselPerson bei mindestens vier der heutigen Bewohner ihr Legruppen mit einzigartiger UnTeilnehmern buchbar. Weitere ben meisterten. TARA hat eine terwasserwelt umgeben ist. GeInformationen: Broschüre herausgegeben, in zeltet wird auf einer der Inwww.jenmansafaris.com (asa) welcher die Felsmalereien sowie die Geschichte und Kultur der Region beschrieben sind.
(asa)

Südafrika:

Namibia:

Air Namibia mit «African Summer Special» ab 659 Euro
Air Namibia bietet in ihrem «African Summer Special» Flüge ab Frankfurt nach Windhoek, Kapstadt und Johannesburg bereits ab 659 Euro, inklusive Steuern und Gebühren an. Das Angebot ist ab sofort buchbar und gilt bis zum 27. Februar 2007. Als Zubringer nach Frankfurt kann das «Rail & Fly» in der 2. Klasse kostenlos hinzugebucht werden. Ein kostenfreier Stopover in Windhoek ist möglich. Kinder bis zu 11 Jahren erhalten 33 Prozent Ermäßigung. Air Namibia fliegt seit 1990 viermal wöchentlich nonstop zwischen

Reit-Safaris im Tswalu Kalahari Reserve
Die Reit-Safaris sind ein einmaliges Erlebnis, um Giraffen oder Gnus aus nächster Nähe zu beobachten. Die Pferde sind für Anfänger und auch für erfahrene Reiter geeignet. Boerperde, eine südafrikanische Zucht, sowie verschiedene Kreuzungen mit Friesen, Arabern oder AppaFoto: southafricantourism

Windhoek

Foto: fetnat

Frankfurt und Windhoek. Air Namibia bietet von Windhoek günstige Anschlussflüge nach Südafrika, Botswana, Simbabwe und Angola. Weitere Informationen: www.airnamibia.de
(asa)

loosas mit englischen Sätteln oder Wanderreitsättel stehen zur Verfügung. Zur Information und Sicherheit begleiten erfahrene Reiter oder Ranger die Gruppe.
(asa)

Weitere Informationen: www.tswalu.com

Südafrika:

Stadt-Tour durch Durban
Touristen in Durban können jetzt die Höhepunkte der Stadt am Indischen Ozean an einem Nachmittag erleben. Gegen 14.00 Uhr werden die Gäste am Hotel zu einer Bootsfahrt abgeholt. Bei einem Gläschen Sekt können sie die Küstenlinie von Durban bewundern und sehen den größten Hafen Afrikas. Anschließend wird der Wasserpark «uShaka Marine World» mit dem beeindruckenden «Sea World»- Aquarium besucht. In einem gehobenen Dampf-Frachter, der 1920 ge-

sunken war, wurden GroßAquarien von fast 500 Metern Länge eingebaut, in welchen die Vielfalt der Unterwasserwelt der Ostküste Südafrikas zu bestaunen ist. In einer Bar, direkt am Meer, erleben die Urlauber den Sonnenuntergang. Beim Abendessen im «Revolving Roma», einem Drehrestaurant im 32. Stock, genießt

man die nächtliche Skyline von Durban - der Tag klingt entspannt aus. Caraville Tours bietet diese Stadt-Tour täglich bereits für zwei Personen ab 105 EUR pro Person an.
(asa) Weitere Informationen: www.caraville.co.za

Wirtschaft und Umwelt

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Foto: ia

Dem Drachen ins Maul geschaut:

Chinas Aufstieg erfordert neue Entwicklungskonzepte für Afrika
redlichen Bemühungen des Westens untergraben, hält Barry Sautman von der Universität Hong Kong für allzu simpel. In seinem Dossier «Friends and Interests: China’s Distinctive Links with Africa» verweist er auf die ebenso zweifelhafte Unterstütbei den arbeitsintensiven Bilzung der USA für autoritäre liggütern stellen die Asiaten Regime, die wichtige Ölliefehier keine Konkurrenz dar, ranten sind. Washington versusondern treten sogar verstärkt che sich im Wettkampf um Ölals Abnehmer auf. Um das reserven auf dem afrikaniWertschöpfungspotential zu schen Markt zu positionieren, Investition in arbeitsintensive erhöhen, sollte die weitere Verum die Abhängigkeit vom NaLeichtindustrien galt lange arbeitung der landwirtschaftlihen Osten zu minimieren. Zeit als das Rezept zur Armutschen Produkte forciert werWährend die Regionen, die bekämpfung. Doch der Aufden, so die Empfehlung der Exden nachgefragten Rohstoffstieg der Chinesen hat die Rahperten vom EntwicklungszenMix bieten, zum Schauplatz menbedingungen verändert: trum der OECD in Paris. geopolitischer Machtkämpfe Durch die Überschwemmung werden, stehen andere zunehdes Marktes mit Produkten aus Wirtschaftlich können demmend im Abseits. Viele westNiedriglohnarbeit fallen die nach viele afrikanische Staaafrikanische Länder leiden unPreise für Textilien, Elektroten vom Handel mit China proter den niedrigen Notierungen nikgeräte und Haushaltswafitieren. Ob dies auch der hufür Baumwolle, die durch die ren. Gegenüber den asiatimanitären Situation zugute subventionierten Produkte aus schen Billigangeboten sind kommt, ist hingegen fraglich. den USA hervorgerufen werafrikanische Firmen machtlos. Peking agiert strikt nach dem den. Hier sei ein Umdenken Prinzip der Nichteinmischung der Amerikaner notwendig, so «Die armutsorientierten Induin interne Angelegenheiten die OECD-Experten. Aber auch strialisierungskonzepte wurder Kooperationspartner. Die der Agrarprotektionismus der den entwickelt, um die Abhänneue Allianz zwischen dem Europäer mache den Lieferangigkeit von den niedrigen Rohaufstrebenden Giganten und ten aus dem Süden zu schafstoffpreisen zu verringern», erdem weltwirtschaftlichen fen. läutert Helmut Reisen, einer Zwergenkontinent wird im der Autoren der OECD-Studie Westen dementsprechend kriWährend der Westen seine ei«The Rise of China and India. tisch beäugt. Chinas Zusamgenen Märkte schützt, fordert What’s in it for Africa?» Heute menarbeit mit «Schurkenstaaer von den Afrikanern, Bedinhingegen verbessern sich auften» wie dem Sudan unterhöhgungen für freien Handel zu grund der asiatischen Nachfrale die Bemühungen um die schaffen. So sind die Kredite ge die Konditionen für RohEinhaltung der Menschenrechvon Weltbank und Internatiostoffexporteure beständig. te, heißt es in einem Papier nalem Währungsfond an wirtEine Entwicklung, die andaudes US Councils on Foreign Reschaftspolitische Reformen geern werde, prognostiziert Reilations. Tatsächlich gehen 60 % knüpft. Deren Erfolg ist jedoch sen: «Man integriert nicht von des sudanesischen Ölexports mehr als fraglich. Liberalisieheute auf morgen zwei Milliarnach China. Für viele Beobachrung, Privatisierung und staatden Menschen in den Weltter der Grund, weshalb Peking, liche Sparprogramme haben markt.» trotz der dramatischen Situatiin den meisten afrikanischen on in West-Darfur, UN-SanktioLändern eher zur VerschärDoch nicht nur der asiatische nen gegen das Regime in Kharfung der Armut beigetragen. Durst nach Erdöl wächst, auch tum verhindert. der Bedarf an Lebensmitteln Bislang profitiert der Großteil nimmt weiter zu. Daher sehen USA und Europa der Bevölkerung demnach wedie Verfasser der Studie im der von der westlichen EinAgrarsektor einen Wirtschaftsmüssen umdenken flussnahme auf innenpolitizweig, der zur Diversifizierung sche Fragen noch vom asiatider afrikanischen Ökonomien Das gern beschworene Bild beitragen könnte. Anders als «skrupelloser» Asiaten, die die schen Interesse am RohstoffIm Süden nichts Neues? Chinas Handel mit dem afrikanischen Kontinent boomt. Doch genau wie der Westen interessiert sich der «asiatische Drachen» vor allem für Rohstoffe. Bleibt Afrika somit der globale Selbstbedienungsladen? Nicht unbedingt, wie eine aktuelle Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zeigt. Um langfristig zu profitieren, müssen die afrikanischen Staaten und ihre westlichen Geldgeber jedoch ihre alten Konzepte überdenken.

Prof. Firmino Mucavele, Exekutivdirektor der NEPAD*:
«China kommt nicht nach Afrika, um es zu entwickeln. Die Chinesen kommen, um China zu entwickeln, um ihrem Volk Gutes zu tun. Die chinesische Regierung will die Lebensbedingungen in ihrem eigenen Land verbessern. Es gibt dort noch über 300 Mio. Arme, es ist noch immer ein Entwicklungsland. Sie sind also auf der Suche nach entsprechenden Möglichkeiten, und zufällig hat Afrika Rohstoffe, die China braucht, und die Arbeitskraft in Afrika ist preiswert. Was wir jetzt im Rahmen der NEPAD machen müssen, ist, neue afrikanische Standards ausarbeiten, Gesetze schaffen, die Partnerschaft und Eigentumsbildung als Grundlage haben. Auch wenn Investitionen der Schlüssel zur Entwicklung sind, brauchen wir nicht nur diese, ganz wichtig ist auch ranggleiches wirtschaftliches Handeln, das sich in partnerschaftlichen Verträgen niederschlägt.
(* am 3.11.2006 bei einem Pressegespräch in Berlin)

reichtum ihres Kontinents. Nur über einen Punkt, so Helmut Reisen, könne sich die breite Masse der Afrikaner freuen: Dank der Billigimporte aus Fernost steige ihre Kaufkraft. Die Verlierer des globalen Handels tragen «Made in China».
(Amrei Horstbrink, Studentin der Geografischen Entwicklungsforschung Afrikas in Bayreuth)

Wirtschaft und Umwelt

Nr. 01/2007 | Seite 24

Biotreibstoffe:

Palm- und Kürbisöl fördern afrikanische Telefonnetzwerke
Palm- und Kürbisöl könnten schon in naher Zukunft für die Mobiltelefonie Afrikas zum Alltag gehören. Ericsson und der südafrikanische Mobiltelefonanbieter MTN haben angekündigt, Dieselöl in den Stromgeneratoren durch nachwachsende Treibstoffe zu ersetzen. Damit soll der Mobilfunk auch in entlegenen afrikanischen Regionen weiter ausgebaut werden. Für viele ländliche Gebiete sind Handys die einzige Möglichkeit, nach außen zu kommunizieren - aufgrund der schlechten Infrastruktur wurden dort nie Telefonkabel verlegt. Zudem sind viele Regionen nicht an das öffentliche Stromnetz angeschlossen. Der Development Fund der global agierenden GSM-Association wird das Pilotprojekt in Nigeria unterstützen. Dort sollen vor allem in den schwer zugänglichen Regionen, in denen keine öffentliche Stromversorgung vorhanden ist, mit Biotreibstoffen betriebene Generatoren Strom für die Basisstationen liefern. «Wir planen diese Systeme auch in Uganda, Ruanda und Kenia einzusetzen», erklärt Ben Soppitt, Manager der GSM-Association. Mit dem Vorhaben soll auch die Produktivität der Bauern gehoben werden, denn die Stationen Nach Berichten der internationalen Fernmeldeunion ITU haben auch die 50 ärmsten Entwicklungsländer in den vergangenen fünf Jahren enorme Fortschritte beim Kampf gegen die digitale Kluft errungen. Zu den größten Erfolgsnationen zählten Länder wie die Kapverden, die Malediven, Gambia, Lesotho und Mauretanien. Zum Teil weisen diese Staaten inzwischen eine Teledichte von 44 Anschlüssen je 100 Einwohner auf. Zwischen 2000 «Eine frühe Adaption der Biound 2005 hat die Mobiltelefofuel-Technologie wird Afrika nie ein jährliches Wachstum an die vorderste Front einer von 82 Prozent vorzuweisen. neuen Innovationswelle stelHier waren die Staaten Djiboulen», zeigt sich Karel Pienaar, ti (186 Prozent Wachstumsrate), die Demokratische Republik Kongo (184 Prozent), Niger (171 Prozent), Liberia (155 Prozent) und Mali (142 Prozent) jene mit den höchsten Wachstumsraten. Ölpalme Foto: fetnat Fast 90 Prozent der Handy-Besitzer nutzen Prepaid-Dienste. Auch im einzigen Staat der Chief Technology Mitarbeiter Welt, der seit fast 16 Jahren von MTN, überzeugt. Die Einkeine Regierung hat, Somalia, sparungen könnten wirklich gibt es trotz Bürgerkriegssituagroß sein, denn Ericsson tion vier verschiedene Mobilschätzt, dass eine solche Mofunk-Anbieter. Seit Jahren gibt bilfunk-Basisstation rund es hier keine Post- und Tele25.000 Liter Dieselöl jährlich kommunikation mehr. Die Mobraucht. Mit dieser Menge bilfunkanbieter offerieren mit Treibstoff könnten 20 Autos Raten um 50 US-Cent pro Mi20.000 Kilometer weit fahren. Weltweit werden tausende sol- nute die billigsten Gespräche in die restliche Welt an. cher neuen Basisstationen gebaut - der Großteil in ländliUmweltschützer warnen indes chen Gebieten. vor einem absoluten Umstieg auf erneuerbare Treibstoffe. MTN gehört zu den größten Mobilfunk-Anbietern der Regi- «Wenn die Palmöl-Plantagen on Afrika-Naher Osten. Das Un- dafür sorgen, dass Urwälder gerodet werden, ist der Umternehmen arbeitet in 21 Ländern und hat 31 Mio. Kunden, stieg auf diese Treibstoffe keine nachhaltige Lösung», meint Ericsson ist mit 30 Prozent Reinhard Behrend, VorsitzenMarktanteil der größte Telekom-Ausstatter. Für Afrika hat der der Umweltorganisation das Mobilfunk-Zeitalter gewal- «Rettet den Regenwald». tige Verbesserungen in der (pte.at) Kommunikation gebracht. in Nigeria werden von lokal angebauten Ölpflanzen befeuert. Die Pflanzen sollen in unmittelbarer Nähe zu den Basisstationen gepflanzt werden, damit lange Wegzeiten vermieden werden. Nach ersten Angaben machen die Treibstoffkosten - inklusive der Transportund Sicherungskosten - bis zu 80 Prozent aller anfallenden Kostenfaktoren im ländlichen Mobilfunkbereich aus.

Mobiltelefonie: 82% Wachstum jährlich Foto: ia

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Nr. 01/2007 | Seite 25

Senegalesisch-Deutscher Wirtschaftsverband:

Neuer Impulsgeber für Wirtschaftskontakte
Im Anschluss an den offiziellen Besuch des senegalesischen Präsidenten, Abdoulaye Wade, Anfang September in Deutschland, wurde in Berlin ein Wirtschaftsverband gegründet, dem deutsche und senegalesische Wirtschaftsakteure angehören. Die Gründungsmitglieder und Botschaftsanengagierten Mitglieder möchgehörige bei der Gründungsversammlung ten mit ihren Projekten und von SeDeWi e.V. Foto: privat ihrem Know-how zu einer nachhaltigen Entwicklung Senegals zuständigen ersten Botschaftsbeitragen und neue wirtschaft- sekretärs Mohamed Diop abgehalten. liche Perspektiven für beide Länder erschließen. Der Verein «SeDeWi»ist politisch und religiös unabhängig Die Gründungsversammlung und versteht sich als gemeinwurde am 25.11.06 in der Botschaft der Republik Senegal in nützig. Er setzt sich aus Unternehmern und leitenden AngeBerlin unter Vorsitz von Abstellten aus Wirtschaft und doul Aziz Ndiaye, Gesandter Wissenschaft zusammen. Ibrades Botschafters S.E. Cheikh hima Badiane, Unternehmer Sylla und des für Wirtschaft und Initiator des Projekts, wurde zum Vorsitzenden des Senegalesisch-Deutschen Wirtschaftsverbands (SeDeWi) e.V. gewählt. Als wichtigste erste Aktivitäten des Vereins wurden benannt: - Stärkung der Wahrnehmung Senegals als Reiseziel für deutsche Urlauber durch verschiedene PromotionAktivitäten in Deutschland - Aktivitäten im Umweltschutz - Durchführung landwirtschaftlicher Projekte - Stärkung des senegalesischen Energiesektors, vor allem durch den Einsatz erneuerbarer Energien - Schaffung von Arbeitsplätzen als Alternative zur illegalen Einwanderung - Einrichtung eines Informationsnetzwerkes und eines Internetauftritts

Der Verein bietet logistische und finanzielle Unterstützung für vielfache Wirtschaftsaktivitäten und trägt durch seine binationalen Kenntnisse (Senegal und Deutschland) dazu bei, Wirtschaftskontakte herzustellen und somit die Gründung von senegalesischen Filialen deutscher Unternehmen voran zu bringen. Dies wird in erster Linie durch eine effiziente Netzwerkarbeit und eine Informationsplattform erreicht. Der Verein möchte zu einer verstärkten Zusammenarbeit beider Nationen beitragen und die freundschaftlichen Verbindungen zwischen Senegal und Deutschland weiter verstärken.
(Susanne Lassal) Kontakt: SeDeWi e.V. Senegalesisch-Deutscher Wirtschaftsverband Darmstädter Str. 117 D-64319 Pfungstadt-Eschollbrücken Tél: 0049-171-2800654 Fax: 0049-6157-930578 E-mail: ibou@freenet.de www.sedewi.de

Erneuerbare Energien:

Afrikas Windmarkt in Bewegung
Noch sind Erneuerbare Energien wie Wind- oder Solarenergie am afrikanischen Markt wesentlich teurer als herkömmliche Energiequellen, das Geld für Förderprogramme fehlt größtenteils. «Im Vergleich zu anderen Kontinenten und vor allem zu Europa ist der afrikanische Markt noch nicht sehr weit entwickelt. Nord- und Südafrika haben allerdings hervorragendes Potenzial und gehören weltweit mit zu den besten Standorten», meint Stefan Gsänger, Secretary General der World Wind Energy Association. Eine Bewegung des Marktes sei jedoch in Sicht, vor allem in Südafrika. Hier würde die im Vergleich zu Ägypten und Marokko freiere Marktwirtschaft bereits erste Anbieter im Bereich Windenergie anziehen. Zwar führen Marokko und Ägypten am afrikanischen Markt gemessen an Installationszahlen, hier fehle es aber noch an Möglichkeiten für privates Investment und für die Etablierung einer eigenen Windindustrie, erklärt Gsänger. Die bestehenden Windparks sind in beiden Ländern staatlich kontrolliert und wurden größtenteils von europäischen Herstellern beliefert. Ende 2005 lag die installierte Leistung aus Windenergie in Ägypten bei 230 MW, in Marokko bei 64 MW und in Tunesien bei 20 MW. Am ersten afrikanischen Windpark-Projekt eines unabhängigen Energieversorgers in Südafrika arbeitet auch der deutsche Windenergieanlagen-Hersteller Fuhrländer mit. In der ersten Phase des Windpark-Projektes liefert das Unternehmen vier 1,3 Megawatt-Windkraftanlagen an den lokalen Betreiber Darling Wind Farm. Die PlaFoto: ewea/winter

nungen für das Projekt laufen bereits seit 1995. Nachdem sich der ursprünglich engagierte Hersteller 2005 aus dem Projekt zurückzog, entschloss sich Fuhrländer für die Kooperation in Südafrika. Nicht nur in Südafrika, sondern auch in anderen afrikanischen Ländern seien weitere Projekte mit privaten Investoren bereits in Vorbereitung, erläutert Gsänger. «Wir sehen es als Durchbruch, dass erstmals ein unabhängiger Betreiber in Südafrika am Markt auftritt», so Gsänger. Das Potenzial und die Möglichkeiten der Windenergie seien heu-

te auch bei politischen Entscheidungsträgern immer noch zu wenig bekannt, weshalb das aktuelle Projekt in Südafrika nicht nur national den Status eines Demonstrationsprojektes hat. Denn der bereits bestehende kleine südafrikanische Windpark des nationalen Strombetreibers ESKOM könne die Vorteile der Windenergie aufgrund seiner denkbar ungeeigneten Lage nicht vermitteln, kritisiert Gsänger. Dieser diene eher der Desinformation, da es im Land unzählige Standorte mit weitaus besseren Windverhältnissen gebe. Neben politischen Förderungen und dem Problem der hohen Anfangsinvestitionen fehle es dem afrikanischen Windenergiemarkt noch an einer eigenen industriellen Produktion. «Der Import von Windkraftanlagen, beispielsweise aus Europa, wäre auf Dauer zu teuer. Das Marktwachstum und der Aufbau einer Industrie ist jedoch ein schrittweises Vorgehen, das sich gegenseitig bedingt», erläutert Gsänger.
(pte)

Wirtschaft und Umwelt

Nr. 01/2007 | Seite 26
menarbeit und Mitwirkung in Agrarprojekten in einzelnen afrikanischen Ländern? 4a. Eine Lösung liegt in dem hohen Niveau unserer landwirtschaftlichen Züchtungen, der Produktionen und Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte, sowie in den Kapazitäten potentieller Agrarbetriebe, Institutionen und wissenschaftlicher Einrichtungen. 4b. Initiierung finanzieller Beteiligungen an Agrarprojekten unter Nutzung der deutschen Förderinstrumentarien. 4c. Wissenschaftliche und praxisbezogene Beratung durch Experten aus Instituten und Agrarbetrieben. 5. Mit öffentlichen Investitionen in den Ländern selbst und mit Fonds aus dem Ausland sollte besonders der Öko-Landbau verstärkt entwickelt werden unter Einbeziehung der Kleinerzeuger. Sie benötigen für die Erzeugung hochwertiger Öko-Produkte umfangreiche Fachberatung und Hilfe für die Versorgung mit landwirtschaftlichen Betriebsmitteln, technische Hilfe, Bewässerung, Kredite, Vertrieb und Öko-Standards. Wichtig ist dabei, dass die Kleinerzeuger aus der effektiven Produktion auch ihren Eigenanteil für die Investitionen einbringen können. Auch die partnerschaftliche Struktur spielt eine Rolle. Dafür kann z.B. die Bildung von Genossenschaften erwogen werden, um die verfügbaren Mittel effektiver einzusetzen und zu wirtschaften und ertragreiche Produktionen zu sichern. Die Entwicklung des Agrarsektors in den afrikanischen Ländern muss weit stärker in die Diskussionen über die Nutzung der wirtschaftlichen Chancen in Afrika einzubezogen werden. Deutsche Unternehmen und Fachkräfte der Agrarwirtschaft sind angesprochen und eingeladen, sich zu engagieren! Es wäre sinnvoll, diese Thematik in einer Expertenrunde deutscher Afrikaakteure zu behandeln und unsere Landwirtschaft dafür zu mobilisieren.
(Gerd Eckert, freischaffender Consultant-Coordinator, Berlin)

Chancenkontinent Afrika:

Plädoyer für Investitionen in die Landwirtschaft
Afrika stand in jüngster Zeit im Mittelpunkt interessanter Diskussionen in Berlin, die von ihrem Inhalt her in der Öffentlichkeit weit stärker gewürdigt werden müssten. Dem Thema «Chancenkontinent Afrika» widmete sich eine Fachkonferenz der Konrad Adenauer Stiftung, und «Die wirtschaftlichen Perspektiven Afrikas» standen vor einem großen Interessentenkreis im Haus der deutschen Wirtschaft zur Diskussion. Beide Veranstaltungen waren getragen von dem Leitmotiv: wir sprechen über das moderne Afrika! Die dargelegten vielfältigen Möglichkeiten der Chancennutzung durch enge Partnerschaften waren auf das große Ziel gerichtet, einen Beitrag zu leisten zur Armutsminderung, im Kampf gegen den Hunger. Damit verbindet sich sehr gut eine Rückblende zum Welternährungstag im September 2006, weil sich dessen Thematik auf die Landwirtschaft, der eine Hauptrolle im Weltwirtschaftssystem zukommt, richtete. Es erging der Appell: «Investiert in die Landwirtschaft für die Ernährungssicherung», mit dem Schwerpunkt Entwicklungsländer. In einem Themenpapier der FAO und des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMELV) werden dazu Beispiele aufgeführt. Zielstellung ist die Steuerung von Investitionen auf den Agrarbereich zur Sanierung der Landwirtschaft, zu Ausbau und Intensivierung, basierend auf öffentlichen und privaten Investitionen. Dabei steht der Aspekt der Förderung privater Investitionen, insbesondere durch die Landwirte selbst, im Mittelpunkt. Aber entscheidend in den Entwicklungsländern ist: Wie sehen die Garantien der Regierungen im Rahmen der Staatshaushalte aus? Wer erstellt z.B. die Analyse über die Verpflichtung der afrikanischen Staatschefs lt. «Maputo-Deklaration von 2003», innerhalb von fünf Jahren mindestens 10 % der Staatshaushalte für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung bereit zu stellen? Wie ist die Bilanz heute? Die Entwicklungshilfe für die Landwirtschaft ist in den letzen 20 Jahren um über die Hälfte zurückgegangen (von 9 Mrd. US$ auf weniger als 5 Mrd. US$ Ende der 90er Jahre), und das angesichts von 800 Mio. unterernährten Menschen weltweit! Veränderungen, wobei der

schläge angefragt werden, um das Interesse deutscher Unternehmen hierfür zu wecken. Die aktuellen Entwicklungen im Agrarbusiness, mit die Schaffung geschlossener Versorgungsketten, sind bereits als Globalisierungstendenz im Agrarbereich eine anspruchsvolle Kooperationsform, wie z.B. mit Brasilien. Aber die Bedingungen in vielen afrikanischen Ländern sind dafür noch nicht gewachsen, und die Partner müssen entsprechend herangeführt werden. Zweifellos profitieren in solchen Strukturen auch die Kleinbauern durch gesicherte Arbeitsmittel und Absatz ihrer Produkte. Diese Businessform erfordert ein stabiles und gesichertes Netzwerk zwischen den Partnern und bedarf einer geduldigen Entwicklung. 2. Ein Zuwachs der Agrarwirtschaft erfordert Investitionen für und auch durch Kleinerzeuger. Weltweit sind die meisten Landwirte Kleinbauern. Sie benötigen mehr Unterstützung ihrer Regierungen, aber auch von außen. Die alleinige Lösung durch private Investitionen der Landwirte, wie es das Thesenpapier vermittelt, wird nicht greifen. 3. Dem Thesenpapier in der praktischen Umsetzung zu folgen heißt, konkrete Aktivitäten im Agrar- Investitionsbereich zu unternehmen, um notwendiges Wachstum zu bewirken. Es wäre sinnvoll, in einer Analyse zur Entwicklungshilfe, die von der BRD aufgebracht wird, den Anteil für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung auszuweisen, um ein genaues Bild über den Einsatz der Mittel zu erhalten. 4. Kernfrage dieses Beitrages: Wie können wir in der deutschen Agrarwirtschaft Interessen wecken für private Investitionen, für kooperative Zusam-

Unterernährung bekämpfen durch Investitionen in die Landwirtschaft Afrikas Foto: irin

Hauptteil der Agrar-Investitionen aus dem privaten Sektor kommen muss, verlangen differenzierte Betrachtungen: 1. Private Investoren von außen sind gefragt, z.B. Nahrungsgüterproduzenten, international agierende Handelskonzerne sowie Produzenten der Ausrüstungsbranchen für die Agrarwirtschaft. Auf deren breite Unterstützung für eine Trägerschaft von Agrarprojekten sind die Entwicklungsländer angewiesen. Diese müssen zu wirksamen Partnerschaften führen. Man sollte darüber nachdenken, dafür spezielle Fonds zu bilden, z.B. im Rahmen von Projektpools, die auf konkrete Agrarprojekte zielen (z.B. Ölpflanzenanbau und Verarbeitung in Kenia). Entscheidend ist jedoch, dass von afrikanischer Seite konkrete Projektvor-

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scher trockenen Winden und direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt, erklärt Fredrick Njau, ein Sprecher der «Bewegung Grüner Gürtel». Diese von der Nobelpreisträgerin 2004, der Kenianerin Wangari Maathai, gegründete Bewegung kämpft gegen die Entwaldung. Sie startete vor kurzem ein 2 Mio. $-Projekt, um die Hänge des Mount Kenia (5.199 Meter), der zweithöchsten Erhebung Afrikas, neu zu bepflanzen, um die Schneeschmelze zum Teil zu stoppen. Es geht nicht nur um die Ästhetik der Gletscher, sondern in erster Linie um die so lebenswichtige Versorgung mit Wasser. «Bis 2025 werden ungefähr 480 Millionen Menschen in Afrika in mehr oder minder wasserarmen Regionen leben», so ein anlässlich der 12. internationalen Klimakonferenz in Nairobi veröffentlichter UN-Bericht. Einen erstaunlichen, und nicht von allen geteilten Vorschlag lieferte Evan Nisbet, Geologieprofessor an der Universität London: den Gipfel des «Kili» mit einem riesigen Tuch zu bedecken, um ihn vor dem Abtauen zu schützen.
(pa)

Kilimandscharo:

Tuch drüber
Vor zwei Jahren glaubte Faustin Meela, ein aus Marangu am Fuße des majestätischen Berges stammender tansanischer Dorfbewohner seinen Augen nicht. Der Gletscher auf dem «Kili», den er noch sechs Jahre zuvor erklommen hatte, war verschwunden. Aber das Schlimmste steht wohl erst bevor. Die wenigen auf dem Gipfel des Kilimandscharo, des Mount Kenia und des Ruwenzori-Gebirges (zwischen der Demokratischen Republik Kongo und Uganda) noch verbleibenden Eis- und Schneemassen könnten, Wissenschaftlern zufolge, in 20 bis 50 Jahren verschwunden sein. Klimaerwärmung, Entwaldung, zu geringe Niederschlagsmenge: Wissenschaftler stellen sich Fragen über die Ursachen des langsam aber unaufhörlich schmelzenden ewigen Schnees des Kilimandscharo, des mit 5895 Metern höchsten Gipfels des afrikanischen Kontinents. Der Verlust dieser Naturschätze ist, ihrer Meinung nach, größtenteils menschlichem Handeln zuzuschreiben, genauer gesagt den Treibhausgasen, die durch die Verbrennung fossiler Energien (Gas, Erdöl, Kohle) entstehen, die Sonnenwärme in der Atmosphäre speichern, und so die Erderwärmung verursachen. Dabei müssen die Wissenschaftler aber auch eingestehen, dass sie längst noch nicht über sämtliche erforderlichen Informationen verfü-

Stefan Hastenrath, Professor für atmosphärische Studien an der Universität Wisconsin und Experte für afrikanische Gletscher, datiert die erste Schneeschmelze um 1880, das heißt, zu Beginn der industriellen Revolution. Seit mehr als einem Jahrhundert sinkt der Wasserstandspegel in den ostafrikanischen Seen, und es treten in dieser Region verstärkt Westwinde auf, ein Foto: Nasa Zeichen für ein trockener werdendes Klima. «Daran sind nicht allein die Menschen schuld «, schlussfolgert Hastenrath. Anderen Theorien zufolge lasse sich die fortschreitende Schmelze des ewigen Schnees in Afrika auf die ständige Entwaldung oder verstärkt auftretende Störungen der Niederschlagsmenge zurückführen. Durch die Abholzung von Bäumen verringert sich der Feuchtigkeitsgehalt in der Atmosphäre, was eine verringerte Wolken- Nebelbildung zur Folge hat, daher sind die Glet-

gen, wie etwa meteorologische Daten vor Ort, um die Schneeschmelze auf den afrikanischen Gipfeln vollständig nachzuvollziehen. Viele meinen, dass dieses Phänomen einzig an der Erderwärmung liege, erklärt Ellen MosleyThompson, Glaziologin an der amerikanischen Universität von Ohio, es sei allerdings unverantwortlich, sich auf eine einzige Ursache zu versteifen.

Wunderbaum wiederentdeckt
Warum werden auf afrikanischen Feldern eigentlich nur Pflanzen angebaut, die ursprünglich gar nicht aus Afrika stammen? Diese Frage stellte sich ein Forscherteam und machte sich in Afrika auf die Suche nach in Vergessenheit geratenen, einheimischen Pflanzenarten. Bei ihrer Entdeckungsreise stießen sie auf einen wahren Wunderbaum: den Meerrettichbaum. Dieser hat so viele Verwendungsmöglichkeiten, dass die Forscher ihm den Spitznamen «Supermarkt auf einem Baumstamm» gegeben haben. Der Meerrettichbaum ist viel nährstoffreicher als die meisten anderen Pflanzenarten und äußerst gesund. In gemahlener Form eigenen sich seine Blätter außerdem ideal als Fischfutter. Aus den Samen der Pflanzen kann ein hochwertiges Öl gewonnen werden, das sowohl als Speiseöl, als auch als Industrieöl genutzt werden kann. Gemahlen sind die Samen ein wirkungsvoller Trinkwasserfilter. Gibt man sie in einem Säckchen in ein Gefäß

«Supermarkt auf einem Baumstamm» Foto: fetnat

mit trübem Flusswasser, wird dieses innerhalb einer Stunde klar. Die Meerrettichbäume wachsen rasch und können eine Höhe von fünfzehn Metern er-

reichen. Die Forscher hoffen, dass afrikanische Bauern den Meerrettichbaum bald auf ihren Feldern anbauen. Die Wunderpflanze könnte helfen, Hunger und Krankheiten in Afrika zu bekämpfen. (geolino)

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Gabun:

Nigeria:

Bongo bestätigt Kandidatur für 2012
Omar Bongo Ondimba, Präsident von Gabun, dienstältester Staatschef Afrikas und international auf dem zweiten Platz hinter Fidel Castro, will 2012 erneut für ein siebenjähriges Präsidentenmandat kandidieren. «Es gibt keinen Thronfolger. Wer sagt denn, dass eine Nachfolge ansteht? Ich werde 2012 kandidieren, wenn Gott mir dazu noch die Kraft gibt», erklärte er Ende Oktober 2006 in einem Interview mit dem französischen Radiosender RFI. Dieses Jahr feiert Bongo, der im November 2005 mit 79% der Stimmen wiedergewählt worden war, seine 40-jährige Präsidentschaft. Im Jahr 2003 war eine Verfassungsänderung in Kraft getreten, die die Beschränkung von Mandaten

Präsident Obasanjo schreibt sich für Fernstudium ein
Im reifen Alter von 69 Jahren widmet sich Nigerias Präsident Olusegun Obasanjo jetzt wieder dem Studium. Der Staatschef, der im Mai 2007 nach zwei Amtszeiten ausscheiden wird, schrieb sich an der National Open University of Nigeria für ein Fernstudium ein. Obasanjo verpflichtete sich, ein gehorsamer Student zu sein und sich an die Regeln der Universität zu halten. Nach Angaben des Präsidialamtes strebt der Staatschef einen Abschluss in Religionswissenschaften an. (pa)

40 Jahre Präsident Gabuns: Omar Bongo Ondimba

Student im fortgeschrittenen Alter: Obasanjo Foto: fetnat

Foto: ia

aufhob, so dass Bongo schon jetzt verlauten lassen kann, dass er erneut zu kandidieren gedenkt. (ia)

Madagaskar:

Marc Ravalomanana bleibt Präsident
Madagaskars amtierender Präsident bleibt weiterhin im Amt: Bereits im ersten Wahlgang vom 3. Dezember 2006 wurde er mit 54,8% der Stimmen wieder gewählt. Trotz eines umstrittenen vorangegangen Mandats haben ihm die Madegassen, insbesondere in der Hauptstadt Anschaftlichen Reformen, die er in den vergangen fünf Jahren angegangen ist – laut Kritik der Opposition allerdings überwiegend zum Wohl seiner eigenen Unternehmen. Er habe zwar im Straßenbau einiges vorangebracht, aber «Straßen ernähren niemanden», hieß es. Madagaskar ist

Tunesien:

Neuer Konsul für Süddeutschland
Mohamed M’Hadhbi wurde zum Konsul für Bayern und Baden-Württemberg berufen. Im Gespräch mit unserem Mitarbeiter Hans-Joachim Weber erklärte der neue ernannte Konsul: «Eine Berufung nach München ist in der Laufbahn eines jeden Diplomaten sicherlich ein ganz wichtiger Schritt. Und ich freue mich schon sehr auf meine Aufgabe hier.» München ist kein leichtes Pflaster für einen Konsul. Politische Strömungen aller Richtungen, praktiziert und vorgetragen sowohl von Deutschen als auch von Tunesiern, verlangen geschicktes Taktieren und eine starke Persönlichkeit. Da kommt Konsul Mohamed M’Hadhbi seine solide wissenschaftliche Ausbildung zugute. Der diplomierte Philosoph und Politikwissenschaftler ist sich sicher, alle Schwierigkeiten meistern zu können. Was fesselt denn einen Konsul so an den Stand-

Foto: hjw

ort München? Mohamed M’Hadhbi ist um eine Antwort nicht verlegen: «Die tunesische Kolonie in Bayern und in Baden Württemberg wartet natürlich auf mein Engagement, auf die Betreuung durch das Konsulat in den verschiedensten Problembereichen, sei es in Deutschland oder Tunesien, sowie die Pflege der deutsch-tunesischen Beziehungen». (Hans-Joachim Weber)

tananarivo, deren Bürgermeister er einst war, erneut ihr Vertrauen geschenkt. Als Vizepräsident der reformieren Kirche Madagaskars wurde er darüber hinaus von tausenden Christen im Lande unterstützt. Die Wahlbeteiligung lag bei 61%, 7 Millionen Menschen waren wahlberechtigt. Ravalomananas Kampagne stützte sich insbesondere auf der Weiterführung der wirt-

Antananarivo, Ravalomananas Hochburg Foto: fetnat

eines der ärmsten Länder Welt, seine Wirtschaft basiert hauptsächlich auf dem Handel mit Vanille. 70% der Bevölkerung lebt von weniger als einem Dollar am Tag. Ravalomananas Lebensweg ist für viele ein Traum: einst Milchmann, schaffte er es, sich ein Imperium mit Joghurtprodukten aufzubauen. (pa)

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Algerien:

Gambia:

Bouteflika für Festigung der algerisch-marokkanischen Beziehungen
Algeriens Präsident Abdelaziz Bouteflika hat «seinen festen Entschluss zum Ausdruck gebracht, die Beziehungen zwischen seinem Land und dem Nachbarland Marokko zu festigen und die brüderlichen Bindungen der Solidarität und gegenseitiger Hilfe zu verstärken». In seiner Botschaft an Marokkos König Mohammed VI anlässlich des Aïd al- Fitr-Festes, das das Ende des Ramadans einläutet, sprach er sich darüber hinaus für mehr Zusammenarbeit und gegenseitige Unterstützung aus. Zwischen Marokko und Algerien herrscht seit Jahrzehnten nicht eitel Sonnenschein aufgrund des Westsaharakon-

Mikrofinanzierung für ländliche Regionen

Tausende wilder Gorillas Ebola-Opfer
Einer Ebola-Epidemie in Kongo und Gabun sind in den Jahren 2003 und 2004 bis zu 5.500 wild lebende Gorillas zum Opfer gefallen. Das geht aus einer Studie hervor, die in der jüngsten Ausgabe des US-Forschungsmagazin «Science» veröffentlicht wird. Die Forschergruppe um die Wissenschaftlerin Magdalena Bermejo von der Universität Barcelona lässt erstmals das Ausmaß der Epidemie auf die ohnehin durch Jagd vom Aussterben bedrohten Gorillas erkennen. Auf die Ebola-Epidemie bei Gorillas seien sie durch Beobachtungen einer 143 Tiere zählenden Gruppe gestoßen. An dem Ebola-Ausbruch 2002 seien 130 Gorillas dieser Gruppe verendet.

In Gambia mit seiner hohen Bevölkerungsdichte hat die landwirtschaftliche Produktion aufgrund von meteorologischen Einflüssen und Landflucht sehr abgenommen. Rund 180.000 Bewohner ländlicher Gebiete können demnächst dank eines neuen Entwicklungsprogramms, das in Zusammenarbeit mit den größten MikrofiAnhänger der «Frente Polisario» nanzorganisationen des LanFoto: fetnat des erstellt wurde, leichter Kreflikts, wobei Rabat Algier vordite erhalten, Versicherungen wirft, die Frente Polisario zu abschließen und in Unternehunterstützen, die die Unabhän- merfragen fachmännisch beragigkeit der seit 1975 unter ma- ten werden. rokkanischer Kontrolle stehenden Region fordert. (pa) Die Kosten von 8,73 Mio. USD trägt zum Großteil der Internationale landwirtschaftliche Entwicklungsfonds FIDA (6,12 Mio. als Darlehen + 400.000 Zentralafrika: Dollar als Spende). Das Projekt sieht vor, in sechs ländlichen Regionen Gambias die regionalen Mikrofinanzberater weiter

Landwirtschaft in Gambia Foto: gambia-ec

zu schulen, um Unternehmern aus dem ländlichen Bereich neue Finanzierungsmöglichkeiten aufzuzeigen, kompetente Beratung zukommen zu lassen und mit Informationstechnologien vertraut zu machen, die ihre Absatzchancen verstärken. Im Rahmen einer jährlichen Erhebung sollen die potentiellen UnternehmerInnen Empfehlungen für den weiteren Ablauf des Programms abgeben können, dessen Endziel 70.000 neue landwirtschaftliche Unternehmer sind. (fida)

Sansibar umweltbewusst:

Verbot für Plastiktüten
Wer kennt sie nicht, die unzähligen Plastiktüten, die oftmals in afrikanischen Ländern die Landschaft verschandeln… Nicht (mehr) so in Sansibar: Zum Schutz der UmFoto: Opération Loango welt wurden sie dort verboten. Danach habe man eine Gruppe Seit dem 9. November beobachtet, die 95 Tiere zählte. 2006 dürfen in der zu 2003 seien 91 davon an Ebola Tansania gehörenden verendet. Daraufhin habe man halbautonomen Region die Todesursache von Gorillas Plastiktüten nicht mehr in der gesamten Region untereingeführt, verteilt oder versucht und sei zu dem Ergebnis kauft werden, teilte der für gekommen, das mindestens Umweltschutz zuständige 3.500, möglicherweise aber bis Behördenvertreter Ali Juma zu 5.500 Tiere der Krankheit mit. Nach dem Gesetz, das im erlegen seien. (pa) September vom Parlament von Sansibar verabschiedet wurde,

Blitzsauber: Hotel auf Sansibar Foto: fetnat

drohen bei Missachtung des Verbots Geldstrafen bis zu umgerechnet rund 1560 Euro oder gar Haftstrafen bis zu sechs Monaten. (pa)

Kultur und Literatur
Foto: Deutscher Bundestag)

Nr. 01/2007 | Seite 30

«Kultur: Zwischen.Welten» –
Fachgespräch zu afrikanischer Kunst im Deutschen Bundestag
Von Dr. Uschi Eid MdB
Wie und wo arbeiten afrikanische Künstler in einer zunehmend transkulturellen Welt? Wer setzt sich mit afrikanischer Kunst auseinander? Braucht der Kulturaustausch zwischen Afrika und Deutschland neue Impulse? Die aktuellen Entwicklungen afrikanischer Kunst und Bedingungen der Produktion standen im Mittelpunkt des Fachgesprächs, zu dem im Oktober 2006 Uschi Eid gemeinsam mit der Grünen Bundestagsfraktion in Deutschland wirkende Künstlerinnen aus Afrika und Kulturvermittler in den Deutschen Bundestag eingeladen hatte. Auch für afrikanische Künstler sind die Bedingungen des Kunstschaffens zunehmend durch transnationale Kontexte und durch den gelebten Kulturaustausch «zwischen den Welten» Europas und Afrikas geprägt. Konkrete Erfahrungen, künstlerische Motivation und aktuelle Arbeiten stellten der deutsch-kongolesische Hip Hop Musiker Buza Lemvo, die Medienkünstler Ingrid Mwangi und Robert Hutter sowie der kamerunische Autor und Regisseur Felix Kama vor. Mit Galeristen und Kuratoren sowie Produzenten (Christian Hanussek, Peter Hermann, Bernd Wolpert und Philippa Ebéné) wurden im zweiten Gesprächsforum aktuelle Entwicklungen in der Kunstszene Afrikas wie auch Ausstellungs-, Bildungsund Fördermöglichkeiten des afrikanischen Kulturschaffens in Afrika und Deutschland erörtert. Ein wichtiges Fazit des Fachgesprächs war, dass es nicht allein um die Forderung nach

Öffnung westlicher Institutionen für afrikanische Kunst geht. Zwar sind stärkere Anreize für europäische und deutsche Produzenten, Ausstellungsmacher und Kulturtätige zu schaffen, um der afrikani-

Entscheidungsträger stärker in die kulturpolitische Pflicht zu nehmen, öffentliche Kulturförderung und die Schaffung von Infrastrukturen als Ziel und Mittel gesellschaftlicher Entwicklung einzufordern. So unterschiedlich die Kunstsparten, Arbeitsfelder und Biographien der geladenen Gäste, so eindeutig war das Credo: nicht schen Gegenwartskunst im hiesigen kulturellen Feld mehr «Fürsprache», sondern klischeefreie AuseinandersetzunAufmerksamkeit zu verschaffen. Mehr Vernetzung und Aus- gen braucht die afrikanische Kunst für eigenwillige Positiotausch zwischen den lokalen nierungen im gegenwärtigen Kunstszenen Afrikas und Deutschlands zu ermöglichen, kulturellen Feld. wurden hingegen nicht nur als Über 100 Gäste – darunter außenkulturpolitische Aufgazahlreiche Künstlerinnen und be, sondern auch als eine für die in der «Diaspora» lebenden Künstler, Vertreter von Kulturinitiativen- und verbänden, afrikanischen Künstler identiMuseumsvertreter und Kulturfiziert. Insbesondere benötige stiftungen nahmen die Geleder informelle afrikanische genheit zum Austausch über Kunstsektor Unterstützung «afrikaniFoto: Büro U. Eid sche Kunst» im politischen Raum wahr. Nicht zuletzt wurde die hiermit initiierte Vernetzung von an afrikanischer Kunst Inauch durch die vor Ort tätigen teressierten begrüßt. Denn von ihr könnten neue Impulse für deutschen Mittlerorganisationen wie etwa das Goethe-Insti- einen intensivierten deutschafrikanischen Kulturaustausch tut, so der Vorschlag einiger ausgehen. Teilnehmer. Aber auch im nationalen und internationalen Kontext gelte es, afrikanische

Afrika für Kinder:

Tanzfest im Regenwald

Diese Audio-CD stellt eine Sammlung von Kinderliedern, Tänzen und Wechselgesängen der afrikanischen Kultur vor. In Geschichten und Liedern erfahGeschichten aus dem Regenwald ren Kinder von den Märchen, Diese Audio-CD stellt eine Sammlung von Kinderliedern, Tänden Tieren und dem Leben in zen und Wechselgesängen der afrikanischen Kultur vor. In insAfrika. gesamt fünf Geschichten und sechs Liedern erfahren Kinder von Audio-CD inkl. Begleitheft von den Märchen, den Tieren und dem Leben in Afrika. Im ausführder Gruppe Kuntu - Mary Ann Fröhlich, Chris Portele, Hansjörg lichen Begleitheft finden sich neben Noten und Text auch erläuOstermayer - Spieldauer 70 Minuten ternde Einführungen zu den einzelnen Geschichten sowie AnISBN 3-935329-91-1, Preis EUR 14,95 leitungen zum bildhaften oder darstellerischen Nacherleben. Musikverlag Edition AMPLE - Vertrieb + Auslieferung: Audio-CD inkl. Begleitheft von der Am Graspoint 44 D-83026 Rosenheim Gruppe Kuntu - Mary Ann Fröhlich, Tel. (08031) 26 94 12 Chris Portele, Hansjörg Ostermayer Fax (08031) 46 37 87 Spieldauer 61 Minuten E-mail: vertrieb@ample.de www.tierstimmen.de ISBN 3-935329-98-9, Preis EUR 14,95

CDs der Gruppe Kuntu laden Kinder zur Reise nach Afrika ein

Kultur und Literatur

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«Akwaaba: ein Sommer in Afrika»:

«Sunugal - unser Boot»:

Afrika ist wieder einmal ein Land
«Josephine, ein junges Mädchen aus Ghana, bummelt durch Berlin und begegnet dabei ihrem europäischen Freund Peter, in Begleitung von drei weiteren Europäern. Leider kann sie deren Unterhaltung nicht folgen, da sie sich auf europäisch unterhalten, und diese Sprache spricht Josephine nicht». Dieser Satz kommt Ihnen seltsam vor? Dergleichen findet man häufig in dem Buch «Akwaaba: ein Sommer in Afrika»– nur eben umgekehrt: Afrika ist hier wieder einmal ein einziges Land, die Menschen sind Afrikaner und sie sprechen afrikanisch. Aussagen, die so versimplifiziert noch nicht einmal in einem einfachen Buch für Vorschulkinder enthalten sein sollten. Zum Inhalt: Josefina, die eigentlich nur ihrer Schwester nur etwas Originelles zum Geburtstag schenken möchte, ersteigert bei ebay ein afrikanisches Dorf für 71 Euro. Was macht ein sechzehnjähriges Mädchen aus Deutschland mit einem ganzen Dorf im fernen Ghana? Kein Problem für dieses sehr reife, geschäftstüchtige Mädchen, dem sogar die Geschäftskorrespondenz mit Rechtsanwälten in perfektem Stil von der Hand geht: Da in Afrika ja bekanntlich alle arm sind, beschließt sie, etwas Nützliches für die Dorfbewohner zu finanzieren. Und weiter geht’s mit der Anhäufung unrealistischer Ereignisse: Josefina kann mit Hilfe ihrer Schwester kostenlos nach Afrika reisen, trifft dort den perfekt deutsch sprechenden, wohlhabenden Dorfchef, der natürlich seine Reichtümer nicht mit den Dorfbewohnern teilt, sondern, wie das in Afrika so üblich ist, im Luxus lebt und gerne von deutschen Schülern zusammengekratzte Spenden für die Armen entgegennimmt. Eingebettet wird das Ganze in eine von Stereotypen durchsetzte «schwarzweiße» Liebesgeschichte. Der Stil des Autors ist holprig und widersprüchlich, grammatikalische Fehler und Sprünge von der Gegenwart in die Vergangenheit scheinen den Lektoren nicht aufgefallen zu sein. Schade um die Botschaft, die mit diesem Buch für Jugendliche (hoffentlich?) transportiert werden sollte – sie wurde kontraproduktiv umgesetzt, durch einen vom Verlag zum «Afrika-Kenner» hochstilisierten Autor, der diese Bezeichnung in der Tat verdient, denn er war ja schon einmal auf einem Workshop in Afrika … ähm … Ghana …
(ia) Fuchs, Thomas: Akwaaba: ein Sommer in Afrika Thienemann, 2006. - 348 S., 17,40 Euro ISBN 3-522-17755-X / 9783522177559

… und immer wieder geht die afro-deutsche Liebe schief
Dieses Buch beschreibt einmal mehr eine typische Liebesgeschichte einer deutschen Frau, wie sie schon oft vorgekommen ist und wohl immer wieder vorkommen wird. Zunächst die Liebe zu einem afrikanischen Land – exotisch, unbekannt und beeindruckend –, gefolgt von einer Liebe zu einem attraktiven Mann, diesmal Ismael, ein Händler auf der senegalesischen Insel Gorée. Nach vielen Besuchen Lisas im Senegal, getrieben von einer Faszination, die Afrikareisende sicher verstehen können, und einer traditionellen Heirat in seiner Heimat kommt Ismael nach Deutschland zu Lisa. Hier nimmt die Geschichte nun ihren fatalen Lauf. Erwartungen und Enttäuschungen von zwei Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen stoßen verstärkt aufeinander, die Naivität Lisas und Ismaels skrupelloses Gebaren im geschäftlichen ebenso wie im persönlichen Bereich führen zu Missverständnissen und Streit und letztlich zum Bruch der beiden. Das Buch beschreibt anschaulich die Schwierigkeiten einer interkulturellen Beziehung und zeichnet darüber hinaus ein farbenfrohes Bild des Senegal, seiner Menschen, Landschaften und Traditionen.
(Kerstin Andersson) Elisabeth Herrlein: Sunugal - unser Boot 184 Seiten, Spielberg Verlag ISBN 3-9810777-0-9, 11,50 Euro

South Africa presents:

Women with a voice 13 klang(starke) Frauen auf einer CD
Eine ganz besondere Compilation: 13 fantastische südafrikanische Sängerinnen bieten nicht nur einen außergewöhnlichen Hörgenuss, sondern die Interpretinnen haben auch alle Biografien, die in unmittelbarem Bezug zu politischen Ereignissen stehen, denn auch nach dem Ende der Apartheid gibt es in Südafrika vielschichtige Probleme, die die Künstlerinnen bewegen. Den Anfang machen zwei der populärsten jungen Sängerinnen: die mittlerweile auch in Europa hoch gehandelte Jazz/Pop-Diva Simphiwe Dana, und Thandiswa, die sich als Sängerin der Kwaito-Band Bongo Maffin einen Namen machte, gefolgt von Mahotella Queens, Letta Mbulu, Sibongile Khumalo, Busi Mhlongo u.a., und das Album gipfelt in einer selten zu hörenden Aufnahme von Miriam Makeba, aus dem Musical «King Kong»von 1959. Die Compilation Women With A Voice zeigt erstmals das weite Spektrum an Stilen und Generationen auf und ist ein Tribut an die südafrikanische Musikszene in ihrer kreativen Vielschichtigkeit – unbedingt empfehlenswert!
(ia)

Leserbrief
Ich wollte euch schon lange mal eine kurze Mail schreiben um zu sagen, dass ich eure Zeitung total klasse finde! Ich habe an sich keine direkte Verbindung zu Afrika, um so eine tolle Zeitung zu lesen, aber mich interessiert schon einige Jahre dieser faszinierende Kontinent und sauge jede Information darüber förmlich auf! Hoffentlich kann ich meinen Traum irgendwann erfüllen und für mindestens ein Jahr irgendein Land mit

seinen Menschen und Kulturen kennen lernen! Macht auf jeden Fall weiter so, ihr seid echt Spitze! Liebe Grüße aus Zwickau, von eurer begeisterten Leserin Johanna Voigt

Vermischtes

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«Einwanderer» im Hamburger Gymnasium Klosterschule
Gemeinsam mit dem Tanzund Percussionensemble DIAMORAL erlebten die Schüler des Ganztags-Gymnasiums Klosterschule in Hamburg am 28. November 2006 den etwas anderen Unterricht: Unter der Leitung von Aliou Badji (ehemals Senegalesisches Nationalballett) präsentierte DIAMORAL seine neue Tanztheaterproduktion «Einwanderer». Dabei ging es um die Themen Migration und Migrationsgründe speziell in Bezug auf Afrika. Mit sprühender Energie und professioneller Bühnenpräsenz begeisterten die KünstlerInnen ihr junges Publikum und zeigten Tänze aus Westafrika im spannenden Wechsel mit humorvollen Theaterszenen. Im Anschluss an die Performance entwickelte sich eine lebhafte Diskussion zwischen den SchülerInnen und den KünstlerInnen des Ensembles, selbst alle MigrantInnen aus afrikanischen Ländern. Die SchülerInnen erfuhren so einiges über den Alltag in Afrika, das Europabild der Afrikaner und über die Situation der MigrantInnen in Deutsch«Afrika anders darstellen» land.
Foto: privat

Berlin:

«Der Islam ist ein Fluss»
In Kooperation mit der Gesellschaft für afrikanische Philosophie (www.gaph.org) veranstaltete die Werkstatt der Kulturen Berlin am 23. November 2006 eine Konferenz zu dem Thema Islam im subsaharischen Afrika. Ziel dieser Veranstaltung war es, die Besonderheiten des subsaharischen Islam aufzuzeigen und somit diese Weltreligion in ihrer zum Teil weisheitlichen und liberalen Lesart darzustellen. Hierfür waren zwei Panels angedacht: das erste besetzt mit internationalen Islamwissenzösischen Kolonialismus als minderwertiger Begriff verwendet wurde. Hassan Mwakimako aus Kenia informierte das Auditorium über den Islam in Kenia. Dieses erste Panel wurde mit der Diskussion um Bilal, dem äthiopischen Gefährten des Propheten Muhammed, beendet - kristallisiert in der Frage, warum so wenig über ihn publiziert werde und ob dieser Umstand rassistisch basiert sei. Im zweiten Panel legte der Imam Muhammed Abdouhadre aus dem Sudan die Grundla-

Aliou Badji: «Wir wollen gerade den jungen Menschen deutlich machen, dass Afrika nicht so ist, wie es in den Massenmedien dargestellt wird.» Die Kombination von Tanz, Theater und Diskussionsrunde hat bei den SchülerInnen des Hamburger Gymnasiums Klosterschule jedenfalls nachhaltiges Interesse an Afrika geweckt – eine weitere Zusammenarbeit ist geplant.
Nähere Informationen: Terra Africa e.V., Tel.: 040-29885605, mail: terrafricaev@yahoo.de (Maike Bruns)

Imam beim Unterricht in Sierra Leone Foto: slis

schaftlern, das zweite mit in Berlin praktizierenden Imamen und Marabouts aus Afrika. Roman Loimeier, Dozent an Universität Bayreuth und profunder Islamkenner, präsentierte einen Überblick über die Verbreitung und Ausprägung des Islam in Afrika und gab seine Überzeugung zum Ausdruck, dass man auf Grund der vielfältigen Kulturen Afrikas nicht von dem afrikanischen Islam sprechen könne. Mohammad Umar aus Nigeria stellte die Literatur über den subsaharischen Islam vor und informierte über den akademischen Wissensstand zur afrikanischen Islamforschung. Er betonte, dass es nicht wünschenswert sei, von einem afrikanischen Islam zu sprechen, da dieser in deklassifizierender Absicht zu Zeiten des fran-

gen des Islam in Afrika als friedvoller, toleranter Religion dar. Besonders sein Bild des Islam als Fluss, der in seinem Fließen immer auch die Farbe des durchflossenen Landes mit aufnehme, hinterließ bleibenden Eindruck. Assane Wade aus dem Senegal lieferte faszinierende Einblicke in die Islamauslegung der Murabiten, deren Philanthropie und weisheitliche Lebensweise er hervorhob. Den Abschluss bildete die Diskussion um das Wort Marabout, welches eine französische Entstellung des Wortes Murabit ist, eines Heiligen im Islam, der allgemein als Wissender bzw. Seher im Islam bezeichnet wird. Die Konferenz wurde von allen Teilnehmern als befruchtend für die Frage nach dem Islam in Afrika betrachtet und hat zu weiteren Gedanken aufgefordert. (Roger Künkel)

Sport

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sterschaft Deutschland 2006 gab es fünf Nationalteams, die erstmals beim größten Fußballturnier der Welt dabei waren und vier davon kamen aus Afrika. Dies zeigt deutlich, dass sich die Kräfteverhältnisse auf dem Schwarzen Kontinent verschieben und neue Fußballnationen nach oben drängen. In Deutschland gaben die Elfenbeinküste, Angola, Ghana und Togo ihr Debüt bei einem WMTurnier. Obwohl sie in einer der schwersten Gruppen des Turniers antreten mussten, konnten die Ivorer sich durch ihre guten Leistungen viel Respekt verschaffen, wenn ihnen auch der Einzug in die nächste Runde verwehrt blieb. Anders hingegen Ghana, das gleich bei seinem WM-Debüt ins Achtelfinale vorstieß.

WM 2010:

Sechs Startplätze für Afrika
Auf seiner Jahresabschlusssitzung am 5. und 6. Dezember gab das Exekutivkomitee der FIFA die genauen Daten für die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010 bekannt. Das Turnier findet demnach vom 11. Juni bis 11. Juli 2010 statt. Die Auslosung der Qualifikationsgruppen erfolgt am 23. November 2007 in Durban. Der FIFA Konföderationen-Pokal Südafrika 2009 wird vom 14. bis 27. Juni in den Städten Port Elizabeth, Bloemfontein, Johannesburg (Ellis Park), Pretoria und Rustenburg ausgetragen. Das nächste WM-Turnier wird nicht nur das erste auf afrikanischem Boden sein, sondern auch das erste, bei dem der afrikanische Kontinent durch sechs Mannschaften vertreten wird. Das Exekutivkomitee der FIFA veränderte zwar die Quoten nicht, doch nachdem bei der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006 ein zusätzlicher Startplatz für Europa vergeben wurde, ist dies nun mit Südafrika als Gastgeber entsprechend für Afrika der Fall. Die Anzahl der afrikanischen Mannschaften stieg im Laufe der Geschichte des Turniers von eins auf fünf. kal-Turnier teilnahm, war Ägypten im Jahr 1934. Die Ägypter verloren ein K.-o.-Spiel in der ersten Runde mit 2:4 gegen Ungarn. Erst 36 Jahre später war wieder eine afrikanische Mannschaft bei einem FIFA Weltpokal-Turnier dabei. phase. Die Marokkaner gewannen ihre Gruppe und zogen in die Runde der letzten 16 ein. Der afrikanische Fußball ist technisch sehr anspruchsvoll und lebt vom Flair der Teams, die einen dynamischen und
Foto: ia

Von 1970 bis 1982 hatte Afrika stets einen Startplatz sicher, ab 1982 dann einen weiteren. Bei den Turnieren 1970 und 1974 landeten Marokko bzw. Zaire (jetzt DR Kongo) jeweils auf dem letzten Platz ihrer Gruppen. 1982 qualifizierten sich Kamerun und Algerien für das FIFA Weltpokal-Turnier in Spanien. Nach Abschluss der Gruppenphase lag Kamerun nach Punkten gleichauf mit Italien. Die Italiener kamen aufgrund der besseren Tordifferenz weiter und errangen am Ende den Titel. Vier Jahre später überstand mit Marokko erstmals ein afrikanisches Team die Gruppen-

Afrika bei FIFA WeltpokalTurnieren
Die erste Mannschaft aus Afrika, die an einem FIFA Weltpo-

Die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010 bietet den afrikanischen Mannschaften eine neue Chance. Der Fußlebhaften Fußball spielen. Beim ball in Afrika wird von Jahr zu Jahr besser. Dies zeigt sich auch FIFA Weltpokal Italien 1990 in der Anzahl und der Qualität tanzte sich Kamerun dank der Inspiration des unvergesslichen der Einzelspieler, die der Kontinent hervorbringt. Roger Milla zum Gruppensieg. Doch dann unterlagen die «UnAfrikanische Spieler wie Didier zähmbaren Löwen» in einem Drogba, Emmanuel Adebayor, dramatischen Viertelfinalspiel Kolo Touré, Michael Essien und gegen England und das FußSamuel Eto’o gehören in der inballmärchen war zu Ende. ternationalen Fußballszene zu Auch 1994 und 1998 stieß mit den Topstars. Diese EntwickNigeria ein Team aus Afrika in lung lässt für den afrikanidie Runde der letzten 16 vor, schen Fußball das Beste hoffen. doch beide Male schieden die Nigerianer in dieser Runde aus. Die sechs Startplätze bei der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 1998 in Frankreich war Afrika Südafrika 2010 bieten für die dann erstmals mit fünf Natioafrikanischen Teams die perfeknen im Starterfeld des FIFA te Gelegenheit, dies zu unterWeltpokal-Tuniers vertreten. mauern. Bei der FIFA Fußball-Weltmei(fifa)

JUX

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stenmonats Ramadan erwischte er ein Pärchen dort beim Sex. Die beiden Beteiligten, die nach eigenen Angaben zu allem Übel auch noch alkoholisiert waren, wurden zu je 18 Monaten Gefängnis verurteilt. Erstaunliche Konsequenzen hatten offensichtlich derartige Aktivitäten bei einem anderen südafrikanischen Paar: der Mann wurde schwanger. So stand dann sollte er ordentlich Geld es zumindest auf bei sich haben, auch wenn er der Krankmeldung, selbst der Pilot ist: kürzlich bedie er seinem Arkam ein britischer Flieger zur beitgeber zusandte. Überraschung von Crew und Um es sich ein paar Passagieren bei einem TankTage gemütlich zu stopp in Dakar keine Startermachen, hatte der laubnis. Grund: Erst müssten Drückeberger eine die Flughafengebühren in bar eigentlich für seine entrichtet werden. Wie die Inschwangere Freunternetseite der britischen «Tidin ausgestellte mes» berichtet, verlangten die Krankschreibung Beamten am Flughafen zwei für sich selbst um«So, jetzt ist Ruhe im Dorf!» Millionen CFA-Francs (gut Foto: sat geschrieben, so dass das ge3000 Euro), bevor sie die Mafälschte Attest des Gynäkoloschine starten ließen. Pilot gen ihm nun bescheinigte, er sind: Ein liebestolles Paar hat sei schwanger und brauche seine Nachbarn in Südafrika eine Woche Ruhe. Ein Gericht zur Weißglut getrieben. Bei in Vereeniging bei Johannesden Liebesspielen der Beiden seien auch zu ungewöhnlichen Tageszeiten derart laute und irritierende Geräusche zu hören gewesen, dass die Nachbarn dem Treiben ein Ende zu Starterlaubnis nur gegen Bares Foto: British Airways setzen suchten. Der Ältestenrat des Dorfes im östlichen John Lawrence griff zu seinen Bundesstaat Mpumlanga wureigenen Ersparnissen und dede mit Anträgen überhäuft, nen seines ersten Offiziers, löden Nachbarn des Paares weste Traveller Checks ein und Auch solch eine Dorfmoschee ist eigentlich nigstens ungestörte Essensein Ort der Ruhe Foto: ia plünderte schließlich die Geund Fernsehzeiten zu gewährlei- burg verurteilte den 27-Jährigen wegen seiner dreisten Ursten. «Ich habe einen neunjähri- kundenfälschung zu 1.000 Rand (umgerechnet 107 Euro) gen Jungen, der Strafe. mich dauernd Vor Gericht kam auch ein fragt, was denn bloß los ist, weil Streit um eine brennende Frisur und Hexerei im Senegal: die Frau so laut Nach Berichten der Zeitung schreit», klagte «Le Soleil» hatte eine Friseurin einer der Nach«Hier sitze ich wenigstens nicht in der ihre Kundin gerade schön gebarn. Der Ältestenrat setzte Schusslinie» Foto: fetnat macht, als plötzlich der Strom schließlich fest, dass das Paar ausfiel. Bei Kerzenlicht machseine sexuellen Stelldicheins tränkekasse des Fluges. Mit te die Frau weiter, doch plötzkünftig auf die Zeit zwischen drei Stunden Verspätung zehn Uhr abends und fünf Uhr lich fing ein Stylingprodukt konnte der Vogel endlich Richauf dem Haupt der Kundin morgens begrenzen muss. tung Bristol starten. Feuer. Die Flammen konnten Ein Gläubiger in einer MoIn Südafrika gabs eine Flugschee in Kenia wurde ebenfalls rasch gelöscht werden, nieStörung anderer Art: ein Mann mand wurde verletzt. Die Kundurch eigenartige Geräusche wollte einen Vogel erschießen din beschuldigte die Friseurin gestört: Ausgerechnet und traf aus Versehen eine während des muslimischen Fa- jedoch nach dem misselektrische Leitung. Er legte so in zwei Städten die Stromversorgung lahm. Die Sprecherin des Stromversorgers Eskom bat daraufhin die Bevölkerung, nicht auf Vögel zu schießen, die auf Stromleitungen säßen (aber ansonsten kann man wohl ruhig auf sie schießen?) Wo wir gerade bei xxxxx

Reporter Satir’s Kolumne

Wenn einer eine Reise tut …
glückten Verschönerungsversuch öffentlich, eine Hexe zu sein. Die Friseurin reichte Klage ein, um ihre Ehre zu verteidigen - Hexerei ist im Senegal ein sehr ernster, wenn auch juristisch nicht aktenkundiger Vorwurf. Das Gericht entschied, der Wahrheitsgehalt der Vorwürfe sei nicht zu überprüfen, und rief die bei-

Libreville: Holzbalken liegen hier am Strand, nicht im Wasser Foto: ia

Satir
Herzlichst Ihr

den Frauen zur Ruhe auf, wie die Zeitung berichtete. Ein Hexer war er zwar nicht (vielleicht wärs dann nicht schief gegangen?), aber eine Art «Ersatzjesus»: ein selbsternannter Pfaffe in Gabun ist an einem Strand der Hauptstadt Libreville ertrunken, als er die Mündung des Flusses Komo überqueren wollte. Der aus Kamerun stammende Mann hatte behauptet, einen göttlichen Wink erhalten zu haben, wonach er das raue Gewässer, dessen Durchquerung mit einem Boot rund 20 Minuten dauert, unbeschadet durchschreiten könne. Offenbar war die Verbindung nach oben jedoch nicht so gut, oder sein höchster Dienstherr wollte ihm einen Streich spielen. Denn ein Fotograf, der das wundersame Ereignis hatte bezeugen sollen, sowie einige Christenschafe, denen der verhinderte Hirte die Heilung von ihren Beschwerden versprochen hatte, mussten zusehen, wie der Ersatzjesus schon bald in den Fluten versank. Wasser hat eben keine Balken. Das sollte selbst diesen selbsternannten Predigern und ihren leider zahlreichen gutgläubigen Jüngern bekannt sein …

Termine

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Omar Sosa Foto: lala

Termine
Ausstellungen / Festivals
26.10.06 bis 15.02.07: Adieu l’Excision! Auf Nimmerwiedersehen, Beschneidung! Rostock 08.12.06 bis 02.02.07: Homestory Deutschland. Schwarze Biographien in Geschichte und Gegenwart Gedenkhalle im Schloss Oberhausen 26.10.06 bis 11.02.07: BLACK PARIS Kunst und Geschichte einer schwarzen Diaspora Iwalewa-Haus – Afrikazentrum der Universität Bayreuth 20.01.07 bis 04.02.07: Africa Alive – Kulturfestival Frankfurt a. M. 23.02.07: CIRCUS SUSUMA - Zirkus-Revue aus Afrika Kurhaus Bad Hindelang 24.02.07: CIRCUS SUSUMA - Zirkus-Revue aus Afrika OberschwabenHallen, Ravensburg 20.01.07 bis 04.02.07: Africa Alive – Kulturfestival Frankfurt a.M. 02.02.07: CIRCUS SUSUMA - Zirkus-Revue aus Afrika Stimberg- und Stadthalle, Oer-Erkenschwick 03.02.07: CIRCUS SUSUMA - Zirkus-Revue aus Afrika Stadthalle Montabaur 03.03.07: CIRCUS SUSUMA - Zirkus-Revue aus Afrika Stadthalle Hockenheim

Vorträge / Lesungen / Filme
05.01.07: Tausend Tage Afrika Stadthalle Tuttlingen 11.01.07 : African Cinema: JE CHANTERAI POUR TOI LumumbaClub Berlin-Mitte 11.01.07: Instituts-Kolloquium: Going to the movies in French West Africa. Cinema and censorship in colonial French West Africa Institut für Historische Ethnologie, Universität Frankfurt a.M. 16.01.07: Öffentliche Ringvorlesung: Afrika - Europas verkannter Nachbar, Otto-Suhr-Institut Berlin-Dahlem 21.01.07: Filmvorführung: Angola - Saudades from the one who loves you Filmtheater Hackesche Höfe Berlin 21.01.07: Tausend Tage Afrika Gasteig München 23.01.07: Öffentliche Ringvorlesung: Afrika - Europas verkannter Nachbar Otto-Suhr-Institut Berlin-Dahlem 24.01.07: Die Wissmannstraße – Öffentliche Erinnerung auf der Probe: Soldaten - Priester - Oppositionelle. Die Kolonialzeit im historischen Kontext Werkstatt der Kulturen Berlin 24.01.07: Tausend Tage Afrika Heiligkreuz Würzburg 25.01.07: AFRIKA-KOLLOQUIUM: Geschichte oder Mythologie: Traditionen der Yoruba und Edo im Süden Nigerias Institut für Historische Ethnologie, Universität Frankfurt a.M. 28.01.07: Südafrika München 30.01.07:Öffentliche Ringvorlesung: Afrika - Europas verkannter Nachbar Otto-Suhr-Institut Berlin-Dahlem 01.02.07: AFRIKA-KOLLOQUIUM: «Ich war wie eine Schlafwandlerin»- Sonderbehandlung von HIV/AIDS-Betroffenen in ihrer Familie Institut für Historische Ethnologie, Universität Frankfurt a.M. 04.02.07: Offene Afro-Deutsche-Spielgruppe, Café Multi-Kulti im Interkulturellen Haus Berlin-Pankow 04.02.07: Ethnologischer Salon: Auf Nimmerwiedersehen Beschneidung! Völkerkunde-Museum der Hansestadt Lübeck 05.02.07: Live-Reportage: «Regenzauber» von Michael Obert Savoy Theater Düsseldorf 06.02.07: Öffentliche Ringvorlesung: Afrika - Europas verkannter Nachbar Otto-Suhr-Institut Berlin-Dahlem 06.02.07: Tausend Tage Afrika Rattenfängerhalle Hameln 06.02.07: Live-Reportage: «Regenzauber» von Michael Obert Cinekarée Aachen 07.02.07: Tausend Tage Afrika Saarlandhalle Saarbrücken 08.02.07: AFRIKA-KOLLOQUIUM: Exil ou Patrie? Jugendliche «Rückkehrer» aus der Côte d’Ivoire in Mali Institut für Historische Ethnologie, Universität Frankfurt a.M. 08.02.07: Tausend Tage Afrika Salmen Offenburg 09.02.07: Tausend Tage Afrika Stadthalle Bamberg 11.02.07: Tausend Tage Afrika Nikolaikirche Rostock 20.02.07: Fadumo Korn. Weibliche Genitalverstümmelung Gasteig München
Mehr unter: www.afroport.de

Feste / Workshops
26.01.07 bis 28.01.07: Djembe Workshop mit Hermann Kathan, Berlin 27.01.07 bis 28.01.07: Tromeln für Anfänger mit Gavin Grosvenor, Nastätten 26.01.07: Jalla-Party - Worldbeat mit dem Global Sound System Muffathalle Club Ampere München 28.01.07: Urban African Dance+Jam-Session SPF.NETWORKIN* München 03.02.07: Jalla-Party - Worldbeat mit dem Global Sound System Staatliches Museum für Völkerkunde München 23.02.07: Jalla-Party - Worldbeat mit dem Global Sound System Muffathalle Club Ampere München 24.02.07.bis 26.02.07: Grenzgängerinnen – Seminar für Frauen, Berlin

Konzerte
12.01.07: Argile Liederbühne Robinson Runding 13.01.07: Cécile Verny Quartet Birdland Neuburg a.D. 14.01.07: Cécile Verny Quartet Jazzclub Leerer Beutel Regensburg 19.01.07: Cécile Verny Quartet Jazzstudio Nürnberg 20.01.07: Cécile Verny Quartet Jazzclub Bamberg 21.01.07: Argile Duo Bürgerzentrum Die Villa Erlangen Imaginary Folk Music aus Marokko 27.01.07 bis 17.03.07: André Heller präsentiert: AFRIKA! AFRIKA! Das magische Zirkusereignis vom Kontinent des Staunens.Cannstatter Wasen Stuttgart 16.01.07 bis 21.01.07: UMOJA - The Spirit of Togetherness Kampnagel Hamburg 13.02.07 bis 18.02.07: UMOJA - The Spirit of Togetherness Musicaltheater Bremen 23.01.07 bis 04.02.07: UMOJA - The Spirit of Togetherness Capitol Theater Düsseldorf 24.01.07: Cécile Verny Quartet Sendesaal SR Saarbrücken 25.01.07: Cécile Verny Quartet Stadthalle Dinslaken 26.01.07: Cécile Verny Quartet Schmiede Düsseldorf 27.01.07: Cécile Verny Quartet Domicil Dortmund

2006

SENEGAL

ERLEBNISREISEN

Nähere Informationen, Broschürenbestellung und Buchung bei:
Afrika Welt Reisen - Birgit Agada Goethestr. 1 / Ecke Rollnerstrasse 90409 Nürnberg Tel. 0911 / 36680833 - Fax 0911 / 36680822 www.Afrika-Welt.de - Info@Afrika-Welt.de Matar Guèye Taif Reisen e.K. Eduard-Schmid-Str. 19a 81541 München Tel.: 089-44140942 – Fax: 089-44142668 E-Mail: taif-reisen@t-online.de

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