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Periodical volume

Full text: Africa-live.de - das Afrika-Portal Issue 2006,5

POLITIK • WIRTSCHAFT • KULTUR • REISE

Ausgabe 05/2006 (September/Oktober) • 3,- Euro

Interview:
Ellen Johnson-Sirleaf: «Ich bin ein Technokrat, der zufällig eine Frau ist»
Seite 11

Wirtschaft:
Afrika setzt auf neuen Bio-Treibstoff
Seite 24

Sport:
Interview mit Fußballlegende Roger Milla
Seite 30

Wahlen im Kongo: Chance, Farce oder Fiasko?
ab Seite 4

Berichte aus: Ägypten + Äquatorialguinea + Äthiopien + Benin + Burkina Faso + Gabun + Kamerun + Kenia + Kongo + Liberia + Mali + Mauritius + Niger + Nigeria + Ruanda + Sao Tomé & Principe + Senegal + Südafrika + Sudan + Togo + Uganda + Zentralafrikanische Republik

Vorwort

Nr. 05/2006 | Seite 2

VORWORT
von Jean-Claude BOUDA, Generaldirektor der Internationalen Kunsthandwerksmesse (Salon International de l’Artisanat de Ouagadougou - SIAO) in Burkina Faso
Liebe Leser und Leserinnen von Africa live, die 10. Ausgabe der internationalen Kunsthandwerksmesse von Ouagadougou (SIAO) steht vor der Tür. Eine Messe, die für die meisten von Ihnen sicherlich ein Begriff ist, da AFRICA live seit Bestehen des Magazins im Jahre 1998 stets ausführlich darüber berichtet hat und ihr zweifellos auch in der nächsten Ausgabe erneut einen Artikel Neben der Ausstellung an sich bietet die widmen wird. Messe Raum für Zusammenkünfte und Austausch zwischen Erzeugern und KäuDie SIAO entstand vor 18 Jahren aus einer fern, sie bildet den Rahmen für ÜberlegunInitiative des Nationalen Außenhandels- gen zu den Problemen des afrikanischen büros und der Industrie- und Handelskam- Handwerks. Das Hauptthema der diesjährimer Burkina Fasos, die sich zum Ziel ge- gen Veranstaltung ist «afrikanisches Handsetzt hatten, das durch sinkende Rohstoff- werk und gerechter Handel», dem speziell preise verursachte Handelsdefizit der afri- eine eigene Halle gewidmet und wozu es kanischen Länder auszugleichen. Im Laufe mehrere Workshops geben wird, sowie eine der Jahre - sie findet in zweijährigen Rhyth- Tagung der Verantwortlichen des «Promus statt - entwickelte sich die SIAO zu ei- gramms zur Unterstützung der afrikaniner international renommierten Ausstel- schen Unternehmen (PAPEA) und die lung. Dieses Mal - vom 27. Oktober bis 5. No- Hauptversammlung des CODEPA (Koordivember 2006 - haben wir also ein ganz be- nierungsausschuss für die Entwicklung sonderes Jubiläum: Es ist die 10. Messe und und die Förderung des afrikanischen Handihr 18-jähriger Geburtstag! werks). Unsere Messe, deren Ehrengastland diesmal Brasilien sein wird, ist ein riesiges Schaufenster des afrikanischen Handwerks und die größte Messe dieser Art auf dem Kontinent. Jedes Jahr erweist sich wieder ihre Bedeutung für das afrikanische Handwerk. Seit ihrer Gründung haben das Exportvolumen und auch die direkten Verkäufe permanent zugenommen, und was die Produktion betrifft, steigern sich Qualität und Vielfalt der ausgestellten Produkte ein jedes Mal. Ein Plus auch für die Ausbildung im Land, denn die Handwerker werden immer professioneller, ganz besonders auch bei der Vermarktung – die Auswirkungen der Messe auf das afrikanische Handwerk sind also äußerst positiv. Alle werden wir uns in Ouagadougou ein Stelldichein geben: die Kunsthandwerker des gesamten Kontinents und darüber hinaus, die professionellen Käufer aus der ganzen Welt und die internationalen Medien. Kommen auch Sie, lassen Sie uns alle zusammen in Burkina Fasos Hauptstadt das Fest des afrikanischen Handwerks feiern! Wir freuen uns auf Sie!. Jean-Claude BOUDA Generaldirektor Die Anzahl der professionellen Besucher und Käufer aus dem In- und Ausland steigt stetig, ebenso wie die Zahl der teilnehmenden nationalen und internationalen Medienvertreter, und nicht zuletzt ist die Messe auch für die breite Öffentlichkeit immer mehr zu einem viel besuchten Anziehungspunkt geworden.

Impressum
Herausgeber und Verlagssitz: AFRICA Live Consulting Susanne Lassal Erlanger Str. 13 D – 12053 Berlin Tel.: * 49 (0) 30 279 085 30 Fax: * 49 (0) 30 279 085 31 Email: pdg@africa-live.de Web: www.africa-live.de Chefredaktion: Ingrid Aouane (V.i.S.d.P.) Ständige Mitarbeiter: Susanne Lassal (sl), Hanspeter Stauffer (hps), Hans-Joachim Weber (hjw), Jimmy Kenga (jk), Theresa Endres (te), Gerd Eckert (ge), Andrea Meyer-Tuve (amt), Marlene Neusüss (mn), Helge Hagener, Manfred Loimeier (malo), Mostefa Brahim (Korr. Algerien), Maurille Sètondji (Korr. Benin) Agenturen und Kooperationspartner: pana, syfia, pressafrica (pa), afrik.com, fetnat, Deutsche Welle World Übersetzungen: Christine Belakhdar Layout & Artdirektion: Karl-Yosef Aouane schaffens-kraft.de werbeagentur Tel.: +49 (0)2227 – 90 72 60 Fax: +49 (0)2227 – 90 72 61 www.wir-machen-zeitungen.de Gedruckt wird in Deutschland. Namentlich gekennzeichnete Artikel geben nicht in jedem Fall die Meinung der Herausgeber wider, nicht namentlich gekennzeichnete sind PR-Artikel oder Agenturmeldungen. Nicht gekennzeichnete Fotos sind Archivfotos von AFRICA Live. Für unverlangt eingesandte Manuskripte und Fotos übernehmen wir keine Gewähr. Fotos: Ingrid Aouane (ia), Hanspeter Stauffer (hps), Schaffenskraft, Bilderbox, Stock Market, Stock Casse, Photocase (pc), fetnat, Hemera. Titelbild: Defenselink

Inhalt

Nr. 05/2006 | Seite 3

+++ Letzte Nachrichten bei Redaktionsschluss +++
Zentralafrikanische Republik: Ex-Präsident Patassé zu 20 Jahren Zwangsarbeit verurteilt Ange-Félix Patassé, der im Exil in Lomé/Togo lebt, wurde in beiden Unternehmen «nicht ihren vertraglichen Verpflichtungen im Hinblick auf die Steuerzahlung» nachgekommen seien.

INHALT:
VORWORT:
Jean-Claude Bouda, Direktor der Kunsthandwerksmesse SIAO, Burkina Faso . . . . . . . . . . . 2

TITELSTORY:
Kongo: Wahlanalysen und Zukunftsprognosen . . . . . . . . . . 4 ff.

POLITIK UND GESELLSCHAFT:
Liberia: Interview mit Ellen Johnson-Sirleaf . . . . . . . . . Gabun: „Aufs Paradies will niemand verzichten“ . . . . Niger: Ligne verte - Kostenlose und anonyme Aids-Beratung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Mali: Alternative Kindergärten bilden fürs Leben . . . . Nigeria: Rücktritt der Außenministerin . . . . . . . . . . . . . Kenia: Kinder-Videoprojekte regen zu Diskussionen an . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Holzarbeiter in der Zentralafrikanischen Republik: Vielleicht hilft Patassé ihm bald? Foto: irin
Abwesenheit wegen „Veruntreuung öffentlicher Güter“ zu dieser Strafe verurteilt. Zusätzlich zur Zwangsarbeit sind 9.100 Euro Strafe und 10,7 Mio. Euro Schadensersatz an den zentralafrikanischen Staat zu zahlen. Zahlreichen Ex-Mitarbeitern wurden ebenfalls diverse Strafen auferlegt. ++++++++++ Tschad: Déby weist Ölkonzerne Chevron und Petronas aus Im Streit um die Verteilung der Öl-Einnahmen hat der Präsident des Tschad zwei der drei im Land tätigen ausländischen Öl-Konzerne des Landes verwiesen. Die Vertreter des USKonzerns Chevron und der malaysischen Petronas mussten das Land verlassen und ihre Büros schließen. Der Tschad will das Ölgeschäft künftig gemeinsam mit dem dritten Mitglied des Ölkonsortiums, dem US-Konzern Exxon, alleine führen. Präsident Déby begründete die Ausweisung damit, dass die ++++++++++ Waffenruhe zwischen ugandischer Rebellengruppe LRA und Regierung Die ugandische Regierung und die Rebellengruppe Lord’s Resistance Army (LRA) haben bei ihren Friedensgesprächen im Sudan am 25. August eine Waffenruhe vereinbart. Die Vereinbarung sieht vor, dass sich die LRA-Rebellen in zwei Lagern unter neutraler Aufsicht sammeln. Die ugandische Regierung garantiert, dass die Kämpfer un-

11 12 12 13 14 14

AFRICA LIVE TRAVEL:
Südafrika: Vantari Africa - Wellness am Kap . . . . . . . Benin: Neue Hoffnungen für den Tourismus . . . . . . . Senegal: Unternehmensporträt Africa Connection Tours Dakar . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kurznachrichten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Diawahn.de: 2000 Topfotos aus Afrika online . . . . . . . Afrika-Tourismus im Internet: Initiative von WTO und Microsoft . . . . . . . . . . . . . . . .

15 16 17 18 19 19

WIRTSCHAFT UND UMWELT:
Ägypten: Vor 50 Jahren wurde der Suezkanal verstaatlicht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kamerun: Sag mir wo die Fische sind . . . . . . . . . . . . . Ruanda: Die Saubermänner gehen um . . . . . . . . . . . . Helge Hageners Weinkolumne . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ethanol: Afrika setzt auf neuen Bio-Treibstoff . . . . . . Südafrika: Kampf gegen den Glimmstängel . . . . . . . .

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Hausneubau in einem ugandischen Flüchtlingslager Foto: irin
gehindert dorthin kommen. Das Abkommen wurde vom ugandischen Innenminister Ruhakana Rugunda und dem Leiter der LRA-Delegation, Martin Ojur, unterzeichnet.

ZUSAMMENARBEIT:
Togo: Deutsch-französische Städtepartnerschaft als Triebfeder für binationale Hilfsprojekte . . . . . . . . 25 „A net for a net“: Gemeinsam gegen Malaria . . . . 26/27

SPORT:
Interview mit Fußballlegende Roger Milla . . . . . . . . . 30 Südafrika: Mbeki verspricht „Beeindruckendste WM der Geschichte“ . . . . . . . . . . . 31

NACHRICHTEN AUS:
Ägypten Äquatorialguinea Äthiopien Benin Burkina Faso Gabun Kamerun Kenia Kongo Liberia Mali Mauritius Niger Nigeria Ruanda Sao Tomé & Principe Senegal Südafrika Sudan Togo Uganda Zentralafr. Republik

PORTRÄT:
Uganda: Streitbare Journalistin provoziert mit Kolumne . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32

KULTUR & LITERATUR:
DVD: „AFRICA live Roll Back Malaria-Konzert in Dakar“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 31 CD-Tipp: Acoustic Africa . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 31 Buchtipps: „Der Walrufer“ und „Wüstenlied“ . . . . . . . 31 Spots: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28/29 Termine . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35

Titel

Nr. 05/2006 | Seite 4

WählerInnen im Kongo: Steht ihnen noch Schlimmeres bevor? Foto: uno

Harte Worte aus Kinshasa:

Wie die heiße Herdplatte
Monuc und Eufor haben zwar die Eskalationen im Anschluss an die Verkündung der Wahlergebnisse im Kongo beruhigen können, aber die große Frage bleibt: Wie geht es weiter, was geschieht bis zu und nach dem zweiten Wahlgang? Während im Ausland, wie die übrigen hier veröffentlichten Kommentare teilweise zeigen, manch einer recht optimistisch ist, sieht es in Kinshasa selbst offenbar völlig anders aus. Verfolgt man die Kommentare in der örtlichen Presse, sind sich offensichtlich viele nationale Beobachter und Wahlanalytiker einig: Die Wahlen waren ein fürchterliches Fiasko. Anstatt den Übergangsprozess zu beenden, droht ein erneuter Bürgerkrieg. Die Schuldigen sind für manche schnell gefunden: «Dieses Fiasko ist nicht das Werk der Kongolesen», schreibt die Tageszeitung «Le Phare». «Die Zeit ist gekommen, daran zu erinnern, wie sehr die internationale Gemeinschaft schon seit langem den Übergangsprozess im Kongo steuern will. Das jetzige Scheitern ist also zunächst einmal ein Misserfolg der internationalen Gemeinschaft, denn sie hat Warnzeichen wie die Anwesenheit von Interhamwe-Milizen, Rebellenstützpunkte in Ituri und dergleichen ignoriert und sich statt dessen den ehemaligen Kriegsführern gegenüber aufgeschlossen gezeigt und damit Betrug und Straffreiheit unterstützt. Man hat einfach geglaubt, die Anwesenheit von Panzern und Blauhelmen würde aus früheren Kriegsherren Demokraten machen». Die internationale Gemeinschaft solle ihre Schwächen eingestehen und sich mutig etwas einfallen lassen anstatt auf einem von den Ereignissen eingeholten Schema zu beharren, denn ansonsten stünde «das Schlimmste noch bevor», prognostiziert das Blatt. Auch die Tageszeitung «Le Potentiel» schlägt in die gleiche Kerbe: «Dass die Urnen den Willen des Volkes ausgedrückt haben, ist zu bezweifeln. Der Westen hat die Wahlen finanziert und kontrolliert nun die Ergebnisse. Was bleibt uns übrig? Ziviler Ungehorsam bringt uns nicht weiter. Wir sollten nicht weiter die Wahlergebnisse anzweifeln sondern auf die Revolution setzen. Wir Kongolesen haben ein Recht darauf, unabhängig zu sein, unser Leben und unsere Zukunft zu gestalten anstatt diese vom Westen bestimmen zu lassen». Dem Westen wird unterstellt, das Land teilen zu wollen, und man geht sogar soweit, Parallelen zu ziehen zum Fall Lumumba, «nach dessen demokratischer Wahl der Westen sehr schnell seine Maschinerie in Gang gesetzt hat, um Kongo zu destabilisieren und zu teilen.» Was derzeit geschehe, sei eine Wiederbelebung der westlichen Einschüchterungs-, Manipulations-, Fremdbestimmungs- und Teilungsstrategie» (siehe auch «Lumumba» auf S.10). Möglicherweise sind all diese Schuldzuweisungen Ausdruck der Überforderung und Hilflosigkeit der Kongolesen angesichts der aktuellen Situation. Es ist wie mit dem Kind, das sich die Hand an der Herdplatte verbrennt und die Mutter beschuldigt, den Ofen angestellt zu haben. Die Bevölkerung wollte (und will immer noch) die Demokratie, hatte aber im Grunde nur die Wahl zwischen zwei «großen» Kandidaten, von denen sie möglicherweise den Eindruck hat, andere hätten sie für sie ausgesucht. Aber wer außer dem Druck der internationalen Gemeinschaft könnte es z.B. bewerkstelligen, dass Kabila und Bemba einen Truppenrückzugsvertrag unterzeichnen, sprich, wer legt letztendlich dem Kind den Verband an? Philippe Biyoya, Professor für Politikwissenschaften an der protestantischen Universität in Kinshasa, drückte diese Hilflosigkeit in einem Interview mit dem französischen Radiosender RFI sehr gut aus: «Die Ereignisse in Kinshasa zeigen, dass die Kongolesen die Demokratie akzeptieren, aber die Wahlen akzeptieren keine Demokratie». (Ingrid Aouane)

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Nr. 05/2006 | Seite 5

Europa hat in Kongo einiges gutzumachen:

Kongo:
In der Demokratischen Republik Kongo, vormals Zaïre, leben rund 60 Millionen Menschen, wovon etwa vier Millionen in der Hauptstadt Kinshasa wohnen. Zirka 91 Prozent sind Christen. Die DR Kongo ist seit 1960 von Belgien unabhängig und sowohl nach Fläche als auch Einwohnerzahl der drittgrößte Staat Afrikas. 1965 ergriff Mobutu Sese Seko die Macht und gab dem - damals nach dem Kongofluss benannten - Land den Namen Zaïre. 1990 musste Mobutu ein Mehrparteiensystem zulassen. Ein Jahr später wurde eine Nationalkonferenz einberufen, die 1992 ein Übergangsparlament wählte. Wegen des wirtschaftlichen Niedergangs und der - ungeachtet des Übergangsparlaments - politischen Verkrustung des Landes formte sich, ausgelöst von einer Rebellion im Osten des Landes, eine Allianz zur Befreiung des Kongo. 1997 wurde Mobutu entmachtet und Kongo zur Demokratischen Republik erklärt. Rebellenführer Laurent Désiré Kabila ernannte sich selbst zum Präsidenten, was 1998 zu einer weiteren Rebellion der Sammelbewegung für Demokratie führte. Kabila wurde 2001 erschossen, der Kongo ist seither faktisch in drei Machtzonen - Süden, Osten und Westen - geteilt. In Kinshasa im Westen regiert Kabilas Sohn Joseph. Am 17. Mai 2005 verabschiedete das Übergangsparlament den Entwurf einer Verfassung, die im selben Jahr von 83 Prozent der Wahlberechtigten angenommen wurde. Die für 30. Juli datierten Parlaments- und Präsidentschaftswahlen waren ursprünglich für Februar vorgesehen und wurden immer wieder verschoben. (malo)

Bevölkerung begegnet ausländischem Engagement mit Misstrauen
zumindest als Privatbe«Zu Weihnachten ist die Truppe sitz abgeben und zur wieder daheim» - diese Worte Kolonie Belgiens umfordes Bundesverteidigungsminimen musste. sters Franz Josef Jung zum Bundeswehreinsatz in Kongo erinUmgekehrt haben Euronern prekär an den Spruch, pa und seine Besitzunmit dem deutsche Soldaten im gen in der Neuen Welt August 1914 siegesgewiss an jahrzehntelang erhebdie Westfront zogen: «Zu Weihlich von dem Reichtum nachten sind wir wieder dades Kongo profitiert. Sei heim». Nun droht in Zentrales wirtschaftlich, was afrika sicherlich kein Großer die natürlichen RessourKrieg, aber eine nüchtern realicen wie Bodenschätze stischere Haltung wäre gewiss wünschenswert. Denn europäi- Bundesverteidigungsminister Franz Josef und Sklaven betrifft, sei Jung versprach «Heimkehr zu Weihnach- es kulturell, was die sche Truppen sind im Herzen Foto: eu Bronze- und HolzplastiAfrikas nur eingeschränkt will- ten» ken aus dem kleinen Kökommen, und die Gründe dafür nigreich Kongo angeht, die seither im Köreichen historisch noch weiter zurück als niglichen Museum für Zentralafrika - vordas geschichtsvergessene Bonmot Jungs. Aus Europa, so die afrikanische - besonders mals Kongo-Museum - in der Avenue Tervuren in Brüssel untergebracht sind. Die Dein Kongo ausgeprägte - Sicht der Dinge, batten um eine Neugestaltung dieses Mukam noch selten etwas Gutes. seums, die bis 2010 abgeschlossen sein soll, bezeugen die erheblichen Schwierigkeiten Es begann schließlich schon 1884/85 mit der Belgier im Umgang mit ihrer Kolonialder so genannten Kongo-Konferenz in Berlin, als sich die Imperien Europas den afri- geschichte. kanischen Kontinent teilten, freie Schifffahrt auf dem Kongo vereinbarten und das Gar nicht zu reden von der jüngsten Vergangenheit, als Belgien, Frankreich und Land dem belgischen König Leopold II. zudie USA immer wieder an dem mörderisprachen. Als seinen Privatbesitz ließ Leoschen und korrupten General Mobutu festpold II. den Kongo in einem Maße ausbeuhielten und eine Deten, dass sogar andere Kolonialmokratisierung des mächte ernsthaft gegen die zentralafrikanischen Gräuel belgischer Gouverneure Landes verhinderten, protestierten. Einheimischen, die die nach 45 Jahren die von ihnen geforderten Quonun doch und just unten an Kautschuk und Elfenbein ter Aufsicht des Wenicht ablieferten, wurden die stens institutionaliHände abgehackt - oder sie wursiert werden soll. Was den ohnedies gleich umgebracht. die deutschen SoldaZehn Millionen Kongolesen überten in Kinshasa am lebten Leopolds grausame Herrmeisten zu fürchten schaft nicht. haben, sind wohl weniger Kindersoldaten, Der Schriftsteller Joseph Conrad die sich eher weit östfand für die Schreckensfigur des lich der Hauptstadt Elfenbeinhändlers Kurtz in seiherumtreiben, sonnem Roman «Das Herz der Finsternis» zahlreiche Vorbilder: zum Kabilas Gegner im 2. Wahlgang: Bemba dern das dürfte das Foto: uno mehr als nur generaBeispiel den Offizier Léon Rom, der seinen Gartenzaun mit abgeschlagenen tionenlang tief verwurzelte Misstrauen manch eines Kongolesen gegenüber jegliKöpfen «zierte», oder den Militär Guillaucher Einmischung von außen sein. me van Kerckhoven, der für jeden abgeschlagenen Kopf eines Afrikaners eine Be(Manfred Loimeier) lohnung zahlte. Erst eine Menschenrechtskampagne um Edmund Morel, den Angestellten einer Schifffahrtslinie in Liverpool, erreichte 1908, dass Leopold II. den Kongo

Kongo:

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Nr. 05/2006 | Seite 6
dings verdächtigt ihn die Zentralafrikanische Republik, Kriegsverbrechen begangen zu haben, weshalb sie den Internationalen Gerichtshof in Den Haag zu Nachforschungen aufforderte.

Manfred Loimeier:

Die Menschen im Kongo haben schon viel zu Wege gebracht
Wie immer die Stichwahl Ende Oktober zwischen Amtsinhaber Joseph Kabila (35) und seinem bisherigen Stellvertreter JeanPierre Bemba (43) um das Präsidentenamt in der Demokratischen Republik Kongo ausgehen wird, eines ist sicher: Das System aus Vetternwirtschaft, Machtmissbrauch und Korruption, das in dem zentralafrikanischen Land ausgeprägt ist, wird sich dadurch vorerst nicht grundlegend ändern. Der einzige Erfolg, der zu erhoffen ist, besteht darin, dass das Prinzip der Demokratie dort Fuß fasst und dass Wähler wie Politiker lernen, die neue Wahl- und Meinungsfreiheit konstruktiv zu nutzen. Seit gut 40 Jahren ist dies die erste freie Wahl - eine solche Erfahrung muss erst einmal reifen. So gesehen haben die Menschen im Kongo schon viel zu Wege gebracht. Sie haben sich im Vorjahr per Plebiszit eine neue Verfassung gegeben, sie haben die Präsidentschaftsund Parlamentswahlen am 30. Juli organisiert und dafür knapp 26 Millionen Menschen als Wähler registriert - das sind nach UNO-Angaben mindestens 90 Prozent aller Wahlberechtigten. 70,5 Prozent von ihnen nahmen an den Wahlen teil. Kritiker sagen zwar, diese Registrierung sei nur gelungen, weil die Wahlkarte zum amtlichen Identitätspapier erklärt wurde - aber damit haben viele Kongolesen nun eben auch einen Personalausweis, und die meisten davon überhaupt zum ersten Mal einen solchen. sehen ließ. Jean-Pierre Bemba und Azarias Ruberwa, zwei seiner vier Vizepräsidenten und frühere Rebellenchefs, konnten sich so kaum profilieren

Seine Macht muss der spätere Präsident künftig aber mit einem Premierminister teilen, sich als Erfolg verbuchen, den und das lässt eine Koalitionsreseit 1998 herrschenden Bürger- gierung als wahrscheinlich erscheinen. Vermutlich werden krieg 2003 großteils beendet in der neuen Koalitionsregiezu haben. Bemba hingegen, rung dieselben Kreise vertreder aus der Provinz Equateur ten sein, die schon jetzt in der Übergangsregierung zusammen saßen. Bemerkenswerteste Kennzeichen dieser Runde: Raubbau an den Bodenschätzen, Ausverkauf der Schürfrechte an Kupfer und Kobalt und ein ausgeprägter Unwille, die ehemaligen Bürgerkriegsgegner aus dem Norden oder Osten zu integrieren. Kabilas Kampf um Mitstreiter kostete seinen Preis, und so hat er die Bergbau-Konzessionen zu einem Preis verhökert, Wahlzetteltransport durch die Uno wie es selbst Diktator Mobutu Foto: uno niemals getan hatte. Natürlich sehen ausländische Firmen unter diesen Vorzeichen einem im Nordwesten des Landes eventuellen Sieg Kabilas in der stammt, leitete die von Uganda unterstützte Kongolesische Stichwahl freudig entgegen, Befreiungsbewegung MLC, die zumal die Kosten der Wahl, 320 Millionen Euro, von der als erste Rebellengruppe den Friedensvertrag mit Kabila un- UNO finanziert wurden. Kein terzeichnete. Seine Ausbildung Wunder, dass Teile der kongolesischen Bevölkerung die Meibekam aber auch er im Ausnung vertreten, der Westen land: Sein Studium beendete er in Belgien, zudem ist er aus- wolle sich so nur weiterhin die preiswerten natürlichen Ressourcen sichern. Aber vielleicht ist auch das etwas, was diese Wahlen im Kongo erst einmal an den Tag bringen müssen: die Dürftigkeit des gesetzlichen Rahmens für die Wahlen selbst. Was sind Kriterien für einen sauberen Wahlkampf, wie sind die «Spenden» zahlreicher westlicher Firmen zu verbuchen, wie wird organisatorische Chancengleichheit zwischen Parteien erreicht? Wenngleich die Wahlen dieses Mal nur symbolisch sein dürften - Kongo beschreitet damit den Weg in Richtung Demokratie, und das allein ist eine gute Nachricht.
(Manfred Loimeier ist Journalist mit langjähriger Afrikaerfahrung)

und im Bewusstsein der Wähler verankern. 33 Kandidaten traten Ende Juli um das Präsidentenamt an, und während sich Kabila dafür die Unterstützung durch 30 Parteien sicherte, brachte Kontrahent Bemba nur 20 Parteien hinter sich.

Kabila, der 44,8 Prozent der Stimmen erhalten hat, weiß für die Stichwahl den Osten des Landes hinter sich. Bemba, der 20,03 Prozent der Stimmen versammelte, kann mit dem Westen rechnen. Bemba spielte seinen Trumpf aus, ein «Kind des Landes» zu sein, während Kabila das Exilanten-Image anhaftet. Kabila, in Katanga geboren, ging in Tansania zur Schule, er stuDie große Wahl hatten die dierte in Uganda und erhielt Menschen in Kongo damit aber noch nicht. Amtsinhaber seine militärische Ausbildung in China. Auch die im Westen Kabila nutzte auch staatliche Mittel - und nicht etwa nur ei- Kongos einschließlich Kinshasa gebräuchliche Sprache Lingene Möglichkeiten -, um einen Wahlkampf zu führen, der gala ist Kabila nicht geläufig. Immerhin kann er es aber für seine Konkurrenten blass aus-

Diamanten: mit ihnen finanzierte Bemba die MLC Foto: fetnat

gebildeter Pilot und war in den 1990er Jahren Chef einer Fluggesellschaft. 1997 ging Bemba ins Exil, 1998 gründete er die MLC, deren Kämpfe er mit Diamantenhandel finanzierte. Bemba kontrolliert nach wie vor große Teile des kongolesischen Militärs. Aller-

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Nr. 05/2006 | Seite 7

Hartwig Fischer:

«Die Kongolesen sind dankbar, von Europa nicht im Stich gelassen worden zu sein»
Interview mit Hartwig Fischer, Mitglied des Deutschen Bundestages, Obmann der Arbeitsgruppe für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung der CDU/CSU- Bundestagsfraktion, Vorsitzender der Parlamentariergruppe West- und Zentralafrika: Herr Fischer, sind die Wahlen eine Chance für die DR Kongo? Natürlich. Die Wahlen sind ein erster, erfolgreicher und wichtiger Schritt, um den Friedensund Demokratieprozess im Land zu stärken. Ganz abgesehen davon, dass nach vier Jahrzehnten des Bürgerkrieges die ersten freien Wahlen ein wichtiger Einschnitt sind, ergeben sich positive Nebeneffekte. Man darf z.B. nicht vergessen, dass viele Kongolesen, immerhin 90 % der Wahlbevölkerung, mit den Wahlen erstmalig eine ID-Karte erhalten haben und somit endlich ein offizielles Dokument in den Händen halten, das ihre Zugehörigkeit zur DR Kongo verbrieft. Das schafft ein Zusammengehörigkeitsgefühl und ist ein wichtiger psychologischer Effekt. War es richtig und aus heutiger Sicht wirklich notwendig, Bundeswehrsoldaten in den Kongo zu schicken? Ja. Ich habe mich, nachdem der Deutsche Bundestag mit breiter Mehrheit die Beteiligung der deutschen Bundeswehrsoldaten an dem EU-Einsatz in der DRKongo gebilligt hat, gefreut. Sehen Sie, dieser EU-Einsatz beweist auch, dass sich Europa um ein stabiles Afrika bemüht, denn ein stabiles Afrika liegt, und das wird leicht vergessen, auch im Sicherheitsinteresse Europas. Welchen konkreten Beitrag liefert die Bundeswehr zur Sicherung nach Wahlen? Die Befugnisse und Aufgaben der EUROFOR RD CONGO, autorisiert durch die Resolution 1671 (2006) des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen, nem funktionierenden Staatssystem, dass vor allem der Korruption der Kampf ansagt wird. Die Menschen verlangen nach jahrzehntelangem Bürgerkrieg ein hohes Maß an Sicherheit. Deshalb sollte, wie in den vergangenen Monaten, bei der Ausbildung der Polizei Unterstützung geleistet werden. Wenn wir auch in Zukunft beratend partnerschaftlich dem Kongo zur Seite stehen, können die Weichen richtig gestellt werden. Die Wahlen und die Regierungsbildung zu einem freien und demokratischen System bieten die Chance für eine friedliche Entwicklung nicht nur im Kongo, sondern auch für das zentrale Afrika. (ia)

sind vielfältig. So unterstützen wir die militär-strategische Führung durch die Bereitstellung des EU-Operationshauptquartiers (OHQ) in Potsdam. In Kinshasa vor Ort beteiligen wir uns auf operativer Ebene am Force Headquarter (FHQ) und sind vor allem für die Durchführung von Evakuierungsoperationen vorgesehen, um Einzelne aus Gefahrensituationen zu verbringen. Zur Erfüllung solcher Aufgaben ist das Vertrauen der Bevölkerung vor Ort in unsere Soldaten unerlässlich. Es gab anfangs sicherlich eine gewisse Skepsis in der Bevölkerung Kinshasas, aber ich glaube es ist uns gelungen, durch den intensiven Kontakt, sei es mit den Menschen auf der Straße oder aber den Vertretern der Provinzen, ein Klima des Vertrauens aufzubauen. Ich halte selbstverständlich ständig Kontakt in die Region und freue mich berichten zu können, dass die Menschen dort dankbar sind, von Europa in dieser wichtigen Zeit nicht im Stich gelassen worden zu sein.

Hartwig Fischer bei einem Besuch im Kongo Foto: privat

Die Wahlen werden allgemein als «erster Schritt» bezeichnet. Wie muss es Ihrer Meinung nach weitergehen? Natürlich sind freie Wahlen niemals ein Allheilmittel. Aber sie sind die einzige Chance des Landes, wieder auf einen soliden Weg zu kommen. Die kongolesische Bevölkerung stellt hohe Erwartungen an uns. Um diesen gerecht zu werden, muss es jetzt mit anderen Ländern gemeinsam darum gehen, ein Konzept für die Zeit nach der Wahl zu erarbeiten, um den Demokratie- und Friedensprozess weiter voranzutreiben. Es geht vor allem darum, darauf hin zu wirken, dass die Geberländer sich am Wiederaufbau des Landes beteiligen; eine stabile Sicherheitslage gewährleistet ist und den Menschen eine wirtschaftliche und soziale Perspektive geboten werden kann. Das bedeutet auch, dass nach Anstößen durch die Geberländer, Prozesse in Gang gesetzt werden, die es dem Land gestatten, dass die Erlöse aus dem Wäre also auch eine VerlängeAbbau von Rohstoffen in den rung des Mandats denkbar? Haushalt der DR Kongo einZunächst einmal ist das Manfließen. Damit wird ermögdat für die deutsche Friedenstruppe im Kongo auf den Zeit- licht, dass der Staat aus eigener Verantwortung Bildungssyraum bis Ende Oktober ausgerichtet. Ich sehe ehrlich gesagt stem, Gesundheitssystem und zum jetzigen Zeitpunkt keinen Infrastruktur für seine Bürger Grund daran zu zweifeln, dass aufbaut. Neben der Hilfe zur Selbsthilfe hat die Unterstütwir im Zeitrahmen bleiben. Nach aktuellem Stand könnten zung zum Aufbau demokratiunsere Soldaten also Weihnach- scher Strukturen absolute Prioten schon wieder zu Hause sein. rität. Dazu gehört, neben ei-

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Nr. 05/2006 | Seite 8

Christian Ströbele:

Birgit Homburger:

«Die EU-Politik ist in einer schweren Krise»
Der Friedensprozess im Kongo ist in eine schwere Krise geraten: Mit dem Angriff von Präsident Kabilas Garde auf die Residenz von Vizepräsident Bemba ist der Wahlprozess unterbrochen. Denn wenn die Aussagen von etlichen Diplomaten stimmen, dass es sich hier um einen klaren Mordanschlag auf Bemba gehandelt habe, dann müsste Kabila nach demokratischen Spielregeln von den Wahlen ausgeschlossen werden. Allerdings gibt es gar keine politische Kraft, die eine schnelle neutrale Untersuchung durchführen könnte.

«Alles unterlassen, was zu weiteren Schwierigkeiten führen könnte»
Europa und Afrika sind durch die Geschichte, ihre geographische Lage und das gemeinsame Ziel einer friedlichen und demokratischen Zukunft miteinander verbunden. Deshalb muss Europa ein besonderes Interesse an der demokratischen Entwicklung Afrikas haben. Die friedliche Abhaltung freier Wahlen ist ein wichtiger Schritt der DR Kongo. Aufgrund der zentralen Rolle, Lage und Größe des Landes hätte seine Stabilisierung unmittelbare positive Auswirkungen auf die gesamte Region der Großen Seen. Es ist deshalb wichtig, diese Entwicklung zu unterstützen. Die EU engagiert sich in der DR Kongo mit zivilen ESVP-Missionen, deren Schwerpunkte auf der Ausbildung von kongolesischen Polizeieinheiten, der Reform des Sicherheitssektors und der Verbesserung der Soldzahlung in den Streitkräften liegen. Deutschland hat bilateral 10 Mio. Euro für die Wahlen zur Verfügung gestellt, der deutsche Beitrag für MONUC beläuft sich auf etwa 50 Mio. Euro pro Jahr und über den europäischen Entwicklungsfonds und die Weltbank unterstützen wir die DR Kongo mit rund 200 Mio. Euro.

Birgit Homburger: «Gemeinsam ein politisches Gesamtkonzept für die DR Kongo erarbeiten» Foto: FDP-Fraktion

Christian Ströbele: «Die Katastrophe wird überspielt» Foto: Deutscher Bundestag

lung des Kongo in West und Ost.

Die Ereignisse zeigen deutlich die schweren politischen Mängel der EU-Politik, die sich ganz auf den Einsatz von Militär verlassen hat. Obwohl gewichtige Aus der Ferne bleibt allerdings Stimmen aus der Zivilgesellrätselhaft, was Kabila nach eischaft, z.B. auch die kath. Binem Wahlerfolg mit 45% zu schofskonferenz und die größte diesem Schritt veranlasst haben Oppositionspartei warnten und könnte. Konnte Kabila nicht eiden politischen Dialog fordernem 2. Wahlgang in Ruhe entten, war die EU nicht bereit, gegensehen? Bemba hat in die im Friedensprozess vorgeseKinshasa und dem Westen Konhene und von allen Parteien gos unerwartet gut abgeschnitmit Ausnahme Kabilas geforten. Auch werden die hohe derte Einsetzung der CIAT-DiaWahlbeteiligung und die hologgruppe vorzunehmen. Auf hen Stimmergebnisse für Kabieine von mir an die Bundesrela in manchen Regionen sowie gierung gerichtete Frage lehnte der ungeklärte Verbleib von 3 diese die Einsetzung der DiaMillionen Stimmzetteln von loggruppe rundweg ab. Obwohl manchen angezweifelt. Überradie EU der größte Geldgeber ist schend war auch das schlechte und daher auch ihren Einfluss Abschneiden der anderen Kangeltend machen könnte, wird didaten und die darin sichtbar die sichtbare politische Katawerdende Polarisierung. Auch strophe überspielt mit großspuBembas Milizen hatten nach rigen Äußerungen von Verteidider Wahl Kabilas Garde angegungsminister Jung und intergriffen. Andererseits werden nen Debatten über die AbweBembas Radiostationen besenheit von General Viereck. schossen und jetzt geschlossen. (Hans-Christian Ströbele, MdB ist stellJournalisten spekulieren bevertretender Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen) reits über eine mögliche Tei-

satz wirklich auf die Dauer von vier Monaten zu begrenzen ist, sind gewachsen. «Es fehlt ein politisches Gesamtkonzept zur Stabilisierung Kongos nach dem Ende der EUFOR-Mission», denn erst dann wird sich weisen, ob das Ergebnis demokratischer Wahlen und die neue Regierung von den Wahlverlierern akzeptiert werden. Überlegungen, aus diesem Grunde den zweiten Wahlgang vorzuziehen, sind höchst problematisch. Alles, was eine Änderung der bisherigen Abläufe bedeutet, könnte als Manipulationsversuch ausgelegt werden und der Keim für erneute Unruhen sein. Angesichts der fragilen Situation, die derzeit in der DR Kongo herrscht, muss alles unterlassen werden, was zu weiteren Schwierigkeiten führen könnte.

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Klar ist: Mit militärischen Mitteln allein wird man keine stabile Lösung erreichen. Jetzt ist es wichtig, dass sowohl Die FDP steht dem Einsatz der Deutschland, als auch die andeBundeswehr im Kongo mit ren europäischen Partner und Skepsis gegenüber und hat ihn die UN weiter auf einen korrekdeshalb abgelehnt. Denn trotz ten Verlauf der Wahlen achten des genannten Engagements und alles politisch Mögliche fehlt ein politisches Gesamtdafür tun, dass demokratische konzept, wie eine StabilisieGepflogenheiten anerkannt rung des Landes nach dem werden. Es geht jetzt darum, in Ende der EUFOR-Mission geKinshasa in Gesprächen mit währleistet werden kann. Unruden am Wahlprozess Beteilighen bereits nach dem ersten ten darauf hinzuwirken, dass Wahlgang lassen Befürchtundiese das Ergebnis der Wahl akgen für die Zeit nach dem zweizeptieren. Gemeinsam muss ten Wahlgang aufkommen. ein politisches Gesamtkonzept Dann stellt sich die Frage, ob für die DR Kongo erarbeitet der Zeitrahmen des Mandats zu werden, das die Stabilität des halten ist. Werden die EU-TrupLandes auch nach dem Abpen Kinshasa nach Ablauf ihres schluss der Wahlen gewährleiMandates auch dann verlassen, sten kann.» wenn dort Kämpfe zwischen ri- (Birgit Homburger, MdB ist Stellvertrevalisierenden Milizen stattfintende Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Sprecherin für Sicherheitspoden? Die schon vor Beginn des litik und Bürokratieabbau und LandesMandats seitens der FDP vorsitzende der FDP Baden-Württemgeäußerten Zweifel, ob der Ein- berg)

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Nr. 05/2006 | Seite 9
Und nun, wie sieht es aus nach den Wahlen? Wie vorher. Alle beteiligten Präsidentschaftskandidaten klagen laut über massive Manipulationen zu Gunsten des von der EU favorisierten Joseph Kabila. Drei Wochen nach den von der EU finanzierten Wahlen sprechen die Waffen wieder im Kongo anstatt der Wille des Volkes.

Jimmy Kenga:

Wahlfarce im Kongo: Das Volk braucht keine Warlords mehr!
Seit Sonntag, 20. August 2006 ist Kinshasa, die Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo, nicht mehr die Gleiche. In der fast 8 Millionen großen Metropole haben die Anwohner den Beginn eines möglichen neuen Krieges mit schweren Waffen erleben müssen. Bis dato kannte die pulsierende Großstadt Kinshasa keinen Krieg. Musste dies überhaupt passieren? Wir haben in der Vergangenheit immer betont: Entweder gibt es faire Wahlen, oder der Kongo verfällt erneut ins Chaos. Die Gefahr geht dabei nicht etwa von dem durch die langjährige Mobutu-Diktatur

unterstützten Rebellion AFDL nach Kinshasa, der andere kehrte 2003 nach seiner von Uganda unterstützten Rebellion MLC nach Kinshasa zurück. Was aber viele Unterstützter des Friedensprozesses im Austen in der Hauptstadt Kinshasa land nie wahr haben wollten, nach der Bekanntgabe der Prä- ist die Tatsache, dass beiden sidentenwahl eine militärische die notwendige politische KulKraftprobe liefern? Für viele tur für die Demokratisierung kritische Beobachter der politi- Kongo-Kinshasas fehlt. Sie waschen Entwicklung im Kongoren ja nie in ihrer Jugend oder Kinshasa war dies vorhersehvor ihrer Machtergreifung Verbar. fechter oder Aktivisten einer demokratischen Partei. Für vieNach der Beendigung des Bür- le Kongolesen sind die westgerkriegs im Jahre 2003 mach- lich Lobeshymnen auf Kabila ten bewaffnete Gruppierungen oder Bemba nicht nachvolldas Rennen bei der neuen ziehbar. Machtverteilung, die gewaltfreie Opposition um die poDass ausgerechnet derart brupuläre Partei UDPS ging unver- tale Menschen für die Führung gleichlich leer aus. Die im Juli einer 60 Millionen Gesell2003 vom inner-kongolesischaft von europäischen Länschen Dialog in Südafrika gefassten Beschlüsse wurden von der Übergangsregierung unter

Korrekturen am Wahlprozess und runder Tisch
Ohne die Einberufung eines politischen runden Tisches zur Korrektur des Wahlprozesses steuert das Land in eine gefährliche politische Sackgasse. Die Kongolesen haben kein Vertrauen mehr in die noch bevorstehenden Wahlen. Die Bevölkerung wehrt sich gegen

gebeutelten Volk aus, sondern von den ehemaligen Rebellenführern des verheerenden Bürgerkriegs, die inzwischen seit Juni 2003 Präsidenten, VizePräsidenten und Minister der Übergangsregierung Kongos geworden sind.

Wahllokal in Kinshasa Foto: uno

General-Major Joseph Kabila nur teilweise umgesetzt. Die Bildung einer neuen Armee, die Entwaffnung aller Milizen wurden z.B. vor den Wahlen nicht realisiert. Das Kabila-Lager, die politisch-militärischen Keiner der 33 Kandidaten erhielt bei den Wahlen die abso- Bewegungen MLC von JeanPierre Bemba und RCD von lute Mehrheit: Joseph Kabila, der amtierende Präsident, kam Azarias Ruberwa besitzen bis heute noch große Waffenarseauf für Afrika ungewöhnliche 44,81 %, gefolgt von Jean-Pierre nale und Kämpfer, die nicht in die reguläre kongolesische ArBemba, einem der vier Vizemee integriert wurden. präsidenten des Landes, mit 20,03%. Der Weggefährte Lumumbas, Antoine Gizenga, Warlords in Zivil? steht an dritter Stelle mit 13,06%. Alle übrigen Kandidaten erhielten weniger als 5% Die Warlords Kabila und Bemder Stimmen. Wen wundert es ba kennen leider keine andere daher, dass sich zwei ehemali- Sprache als die Gewalt. Der ge Rebellenführer, Joseph Kabi- eine kam 1996 in den Koffern la und Jean-Pierre Bemba, mit- der von Ruanda und Uganda

dern unterstützt werden, ist und bleibt ein Rätsel für viele Afrikaner. Die internationale Gemeinschaft – im Kongo durch die UN-Mission MONUC und die 14 Botschafter der CIAT (internationales Begleitkomitee der Übergangszeit bestehend aus Botschaftern wichtiger westlicher Länder wie USA, Frankreich, England, einige afrikanische Länder, China und Russland) hat immer den großen Fehler gemacht, nicht auf die demokratische Opposition und die mächtige katholische Kirche Kongos zu hören. Die um Oppositionsführer Dr. Etienne Tshisekedi von der UDPS gesammelten politischen Kräfte und die katholische Kirche hatten unermüdlich Korrekturen am Wahlprozess gefordert. Ihre Appelle verhallten ungehört, stattdessen wurde eilig eine schlecht vorbereitete Wahlrunde am 30. Juli 2006 durchgeführt.

UN-Mission MONUC im Kongo Foto: uno

den Versuch des Auslands, einen inkompetenten Mann an der Spitze des Landes zu legitimieren. Diejenigen, die weiterhin die natürlichen Reichtümer Kongos plündern wollen, sind zu allem bereit. Aber eine Wahlmaskerade wird in Kongo-Kinshasa nicht so einfach hingenommen werden. Wirklich gebraucht werden nun Menschen wie Etienne Tshisekedi. Dank seiner Kompetenz und seinem politischen Charisma würde es ihm zweifellos innerhalb eines kurzen Zeitraums gelingen, die Bevölkerung wieder an die Arbeit heranzuführen und den Grundstein für eine politische Erneuerung in allen Bereichen des Staates zu legen. Kongo braucht keine Warlords mehr.
(Jimmy Kenga ist Kongolese und Koordinator der Initiative AFRIKA 2000 in Wuppertal)

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Nr. 05/2006 | Seite 10

Gert Weisskirchen:

Symbol der Hoffnung Patrice Lumumba:

Kongo-Einsatz bleibt trotz Unruhen im Zeitplan
Diese Wahlen sind ein Schüsselereignis für die weitere Entwicklung des Landes und Gesamtafrikas. Der Kongo ist die letzte große Krisenregion südlich des Äquators. Die Bundesregierung hat sich in der EU und den VN seit Jahren an der politischen und wirtschaftlichen Stabilisierung des Kongo und dem Übergangsprozess beteiligt, der zum Aufbau demokratischer Strukturen führen soll. Deutschland trägt jährlich mit ca. 84 Millionen Euro zum Haushalt von MONUC bei. Zudem unterstützen wir den Kongo durch humanitäre und Entwicklungshilfe sowie finanzielle Hilfe für die Wahlen. Die begrenzte militärische Operation der EU zur Unterstützung der Wahlen ist nur ein weiterer Teil dieses langfristig angelegten Engagements. friedlicher und demokratischer Entwicklung zu unterstützen. Genau dieses Versprechen kann die deutsche Beteiligung an einer EU-Mission im Kongo einlösen. Der Zeitraum von 4 Monaten für den geplanten Einsatz ist von der Resolution des VN-Sicherheitsrats vorgegeben, die die Grundlage für das deutsche Mandat ist. Auch das Parlamentsbeteiligungsgesetz, dass die Auslandseinsätze der Bundeswehr regelt, schreibt vor, dass es eine zeitliche Begrenzung gibt. Der weitgehend friedliche Verlauf der Wahlen sowie die hohe Wahlbeteiligung von 70 % haben gezeigt, dass die Menschen im Kongo die Chancen der De-

Sein Tod demaskierte die belgischen Interessen
Er galt als Lichtgestalt der jungen afrikanischen Demokratien, damals, 1960, im «Jahr der Unabhängigkeiten»: Patrice Emery Lumumba, erster Premierminister des Kongo unter Joseph Kasavubu, dem ersten Präsidenten des unabhängig gewordenen Landes. Gleich am ersten Tag, dem 30. Juni 1960, als Kasavubu und Lumumba ihre Ämter antraten, begannen aber auch schon die ausländischen Interventionen. Giefer produzierte «Patrice Lumumba, eine afrikanische Tragödie» (2000). Erst der Soziologe Ludo De Witte* konnte mit Recherchen in den Archiven des belgischen Außenministeriums und der Vereinten Nationen zweifelsfrei nachweisen, dass belgische Offiziere an der Ermordung Lumumbas zumindest beteiligt waren. Am 5. Februar 2002 entschuldigte sich die belgische Regierung offiziell für ihre Verstrickung in die Lumumba-Affäre. Lumumbas Familie akzeptierte diese Entschuldigung. (malo)
*Ludo De Witte: «Regierungsauftrag Mord. Der Tod Lumumbas und die Kongo-Krise». Forum Verlag, 312 S., 21,40 Euro

Allen voran wollte Belgien, die vormalige Kolonialmacht im Kongo, ein neokoloniales Regime installieren, um sich den Seit Ende Juli ist die EU neben Zugang zu den unermesslich der UN-Friedenstruppe MONUC scheinenden Bodenschätzen im Kongo vertreten, um den des Landes und zu ihrer Erfriedlichen Ablauf der Präsischließung zu sichern: Kupfer, dentschafts- und ParlamentsKobalt, Zinn, Mangan, Gold, wahlen zu garantieren. Die dorDiamanten, Zinkerze. Lumumtigen EUFOR-Truppen umfassen bas innenpolitische Gegner, bedabei rund 2300 Mann, wobei sonders Moïse Tshombe, betrie1100 in der kongolesischen ben schon im Juli 1960 die AbHauptstadt Kinshasa stationiert Gert Weisskirchen spaltung der Provinz Katanga, Foto: SPD-Fraktion und das an Diamanten reiche sind und weitere 1200 in Gamokratie ergreifen wollen. bun. Hinzu kommt eine Resersüdliche Kasai schloss sich an. ve von 1500 Soldaten in Europa. Nach der Bekanntgabe der Belgien sicherte mit UnterstütWahlergebnisse der 1. Runde Deutschland hat das Einsatzzung der Vereinten Nationen führungskommando von Euro- der Präsidentschaftswahl am die Sezession politisch, wirtpa aus, vor Ort haben die Fran- 20. August 2006 kam es in den schaftlich und militärisch ab. ersten Tagen zu Unruhen zwizosen die Befehlsgewalt. Die Im September 1960 putschte schen den Sympathisanten der General Mobutu und löste das Aufgabe der europäischen Solbeiden erstplazierten Bewerber, Parlament in Kinshasa auf. Am daten ist es vor allem, die neu aufgebauten kongolesischen Si- bei denen mehrere Menschen 17. Januar 1961 wurden Lugetötet wurden. Doch nach eicherheitskräfte, insbesondere mumba und zwei seiner engnigen Tagen hatte sich die Lage sten Mitarbeiter nach Katanga die Polizei, in der Hauptstadt zu unterstützen. So werden im in Kinshasa wieder stabilisiert. verschleppt und dort ermordet. Deshalb sehe ich keinen Anlass, Die Umstände von Lumumbas Zeitraum vor und nach den das Mandat der auch mit BunWahlen das politische Umfeld Tod blieben bis ins Jahr 2000 in Kinshasa gesichert, mögliche deswehrsoldaten bestückten heftig umstritten. Der Politiker Störer abgeschreckt und der Be- EU-Friedenstruppe zu verlänwurde von der imperialismusgern. Das Mandat ist auf den völkerung Zuversicht vermitkritischen Linken verklärt, woZeitraum bis Ende November telt. von das in Alternativ-Kreisen ausgerichtet, zur Stichwahl im einst beliebte «Lumumba»-GeDie SPD-Bundestagsfraktion hat Rennen um die Präsidentschaft tränk zeugt, und zahlreiche Doim letzten Jahr ihre «Grundsät- Ende Oktober wird EUFOR kumentarfilmer versuchten, ze sozialdemokratischer Politik noch in Kinshasa sein. Wir blei- Licht ins Dunkel zu bringen. für Sub-Sahara-Afrika» beschlos- ben also im Zeitrahmen. Raoul Peck aus Haiti etwa dreh(Gert Weisskirchen, MdB ist außenpolisen, in denen sie verspricht, te «Der Tod des Propheten» tischer Sprecher der SPD-Bundestagsden Kontinent auf dem Weg zu fraktion) (1991), der Frankfurter Thomas

«Das Herz der Finsternis» «Das Herz der Finsternis», der Titel des von Joseph Conrad 1899 in einer Zeitschrift und 1902 als Buch veröffentlichten Romans, ist im Verlauf der vergangenen 100 Jahre zur Bezeichnung für ganz Afrika geworden. Conrad schildert in «Das Herz der Finsternis» (Reclam Leipzig, 167 S., 4,40 Euro) die Fahrt eines Flussdampferkapitäns auf dem Kongo landeinwärts. Im Landesinnern begegnet der Kapitän dem Elfenbeinhändler Kurtz, der dort ein Schreckensregime errichtet hat. Conrads Roman wurde zum Symbol für afrikanische Tyrannen, doch hatte ihn der Autor als Kritik am belgischen Kolonialregime formuliert. Am Beispiel Afrikas, so die Intention des Autors, zeige sich das finstere Herz des Kolonialismus. Als 1975 der nigerianische Autor Chinua Achebe, Friedenspreisträger 2002, kolonialistische Stereotypen selbst noch in Conrads Roman nachwies («Ein Bild von Afrika», Alexander Verlag, 107 S., 8,50 Euro), löste dies Kontroversen aus. Achebes Kritiker mussten ihm jedoch Recht geben. Francis Ford Coppola verfilmte mit «Apocalypse Now» Conrads Roman. (malo)

Politik und Gesellschaft

Nr. 05/2006 | Seite 11

Liberia:

«Ich bin ein Technokrat, der zufällig eine Frau ist»
Die liberianische Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf spricht über die Herausforderungen der Justiz, Versöhnung und wirtschaftliche Erneuerung nach 14 Jahren Bürgerkrieg, - und wie man sich fühlt als erste weibliche afrikanische Präsidentin. Wie stehen Sie zu dem bevorstehenden Gerichtsverfahren gegen Liberias Ex-Präsident Taylor, dem Kriegsverbrechen zur Last gelegt werden? Das Verfahren ist kein liberianisches Problem sondern ein Problem der UN. Charles Taylor muss sich nicht vor einem liberianischen Gericht sondern vor einem UN-Kriegsgericht für in Sierra Leone begangene Verbrechen verantworten. Wir wollten nur nicht, dass die Verhandlungen hier in der Region stattfinden, das wäre zu riskant für die umliegenden Länder. Wir hoffen, dass es ein freies und faires Verfahren geben wird, in dem er sich verteidigen kann. Denken Sie, dass die Gerichtsverhandlung Liberia dauerhaften Frieden bringen wird? Liberia kommt dadurch voran. Solange Taylors Rückkehr drohte, blieb es riskant für uns. Durch das Verfahren – ganz gleich, wie es ausgeht ist für uns die Angelegenheit erledigt. Ende Juni wurde die «Wahrheitsund Versöhnungskommission» (Truth & Reconciliation Commission, TRC) offiziell gegründet. Einige Vertreter der Zivilgesellschaft sind der Ansicht, die TRC sei nicht ausreichend, man brauche ein eigenes liberianisches Kriegsgericht. Das haben wir bei den Friedensgesprächen in Accra angesprochen. Tausende und Abertausende junger Menschen, manche erst zehnjährige Kinder, wurden zur Gewalt gezwungen, mit Drogen und Alkohol gefügig gemacht. Sollen wir diese Kinder vor ein Kriegsgericht stellen? Wir kamen überein, in einem ersten Schritt den Verzeihungsprozess anzugehen. Wir können diese Menschen anklagen, sie dazu bringen, dass sie beteuern, es tue ihnen leid, und dann versuchen, ein neues Leben für sie mit aufzubauen. Wollen die Ankläger nicht nur Verzeihen sondern Gerechtigkeit, dann muss die TRC überlegen, wer von ihnen vor Gericht gestellt werden soll. Zunächst einmal müssen wir diejenigen rehabilitieren, die zum Krieg gezwungen wurden. Das ist keine Unterminierung der Justiz, wir müssen lediglich ein Gleichgewicht finden zwischen der Gerechtigkeit einerseits und Versöhnung andererseits. Sie sind nun bereits über ein halbes Jahr im Amt. Haben Sie es geschafft, ausländische Investoren nach Liberia zu bringen? Investitionsvorschläge werden noch diskutiert. Wir sind noch dabei, alle Konzessionen und Verträge, die während der Übergangsregierung abgeschlossen wurden, zu überprüfen, da viele nicht im Interesse unseres Landes lagen. Außerdem gab es Sanktionen gegenüber Liberia, zum Beispiel in der Waldwirtschaft, die erst vor einer Woche aufgehoben wurden. Das Ministerium prüft nun rund 20 Investitionsvorschläge in Zusammenarbeit mit der nationalen Investmentkommission. Diesmal wollen wir vorsichtig sein, das Land und die Bevölkerung sollen davon profitieren. Im Oktober, nach Ende der Regenzeit, werden wir mehrere Konzessionen unterzeichnet haben. Was hat neben den Sanktionen außerdem potenzielle Investitionen behindert? Das größte Hindernis ist die Infrastruktur, Licht, Wasser, Straßen. Firmen können ohnedem nicht arbeiten. Was ist Ihrer Ansicht nach das Bedeutendste, was Sie bisher erreicht haben? Wir haben Ordnung in die Finanzen gebracht. Die Steuereinnahmen haben sich um 30% erhöht. Wir haben alles unternommen, damit die Sanktionen aufgehoben werden, wofür über 80 Verträge gekündigt werden mussten. Nun sind wir dabei, uns für die AGOA zu qualifizieren, die Exim Bank arbeitet wieder mit Liberia. Unser Verhaltenskodex wurde aufgestellt und geht nun in die gesetzliche Verabschiedung. Die Regierungsmannschaft wurde mit qualifizierten und integren Liberianern besetzt. Die ersten guten Schritte sind also getan, aber das ist natürlich noch längst nicht alles. Auf dem Stromsektor hätten wir gern mehr erreicht, aber die Ressourcen und die technische Unterstützung waren nicht vorhanden. Unsere Infrastruktur ist weiterhin sehr unterentwickelt. Aber die Weltbank hat uns einen Kredit von 60 Mio. Dollar zugesagt für den Straßenbau nach der Regenzeit. Mit dem IWF wurde ein Maßnahmenkatalog aufgestellt, so dass wir in ca. einem Jahr mit einem Schuldenerlass rechnen können. Die größte Herausforderung ist die Schaffung von Arbeitsplätzen. Junge Leute sollen zur Schule oder arbeiten gehen. Wie sind Ihre Beziehungen zur Opposition, insbesondere zu Ihrem Wahlkonkurrenten George Weah? Es gibt noch einige Probleme mit der Hauptopposition,

Vertritt die Hoffnung aller afrikanischen Frauen: Ellen Johnson-Sirleaf Foto: Weltbank

enge Beziehungen zu Weah gibt es nicht. Wir haben Kontakt aufgenommen zu seiner Wählerschaft, den jüngeren Menschen, und versuchen, ihren Erwartungen zu entsprechen. Für sie ist das keine politische Frage, sie wollen Schulen, Arbeitsplätze. Aber wir bemühen uns weiterhin um die Verbesserung des Verhältnisses zur Opposition. Gab es Hindernisse auf Ihrem Weg, die dadurch begründet sind, dass Sie weiblich sind? Nein, ich bin ja schon lange ein Profi. Ich sage den Leuten immer: Ich bin ein Technokrat, der zufällig eine Frau ist. Meine professionelle Glaubwürdigkeit habe ich schon längst in einer von Männern dominierten Welt unter Beweis gestellt. Ich hoffe nur, als Frau eine weitere Dimension zum Präsidentenberuf hinzufügen zu können: die Sensibilität einer Frau und Mutter für die sozialen Fragen. Frauen sind auch meine stärksten Anhängerinnen, sie setzen große Erwartungen in mich. Ich vertrete die Hoffnung aller Frauen in ganz Afrika, und ihretwegen muss ich Erfolg haben. Trotzdem ist meine Regierung keine Frauenregierung, sondern ein Zusammenschluss fähiger Menschen.
(irin)

Politik und Gesellschaft

Nr. 05/2006 | Seite 12

Gabun:

Aufs Paradies will niemand verzichten
Die Einwanderungswelle ist weniger spektakulär als diejenige nach Europa, dennoch wird es für das zentralafrikanische Land mit nur rund 1,2 Mio. Einwohnern mehr und mehr zu einem Problem, dass dort jedes Jahr Tausende afrikanische Einwanderer illegal einwandern. Am Rande der Migrationskonferenz in Rabat/Marokko im Juli forderte Innenminister André Mba Obame Einschränkungen und gar, den «Hahn zuzudrehen». Offizielle Statistiken gibt es nicht. Der gabunische Staat sowie internationale Organisationen schätzen allerdings die Zahl der im Lande überwiegend illegal lebenden Ausländer auf mindestens 400.000, ein Drittel der Gesamtbevölkerung. Während des Ölbooms wurden in der Vergangenheit all diese «Brüder» aus Westafrika mit offenen Armen empfangen, um das Bevölkerungsdefizit bzw. den Mangel an Arbeitskräften zu kompensieren. Seit Ende der 80-er Jahre sind die Jahre im «Kleinen Emirat am Golf von Guinea» allerdings weniger golden, und die Grenzen dichter geworden. Dies hat jedoch das Bild eines Schlaraffenlandes in den Au-

gen der Nachbarn Benin, Burkina Faso, Kamerun und Togo, nicht getrübt, deren Bewohner weiterhin unbeirrbar über das Meer in der Hauptstadt Libreville eintreffen. «Man kann sagen, was man will: unser Land ist reich, und es ist stabil. Deshalb versuchen weiterhin zahlreiche Bürger weniger begüterter Länder mit allen Mitteln hierhin zu gelangen», stellt ein Vertreter der Einwanderungsbehörde fest. Dort ist man allerdings mittlerweile der Ansicht, das Boot sei voll. «Die illegalen Arbeitnehmer verursachen uns gewaltige Probleme», klagt Innenminister Mba Obame. «Sie

gelangen kann, weiß jeder: über die Straße, und insbesondere das Meer. Jeden Monat stechen insbesondere von Nigeria aus klapprige Boote in See, immer wieder werden Leichen am Strand in Libreville aufgefunden. Die Polizei ist machtlos: «Wir haben nur 14 Männer, um die 500 km lange Grenze zu Kamerun und Äquatorialguinea zu überwachen». Darüber hinaus wird oftmals ein Auge zugedrückt, denn die billigen Arbeitskräfte sind immer noch beliebt im Land. «Die illegale Einwanderung kommt vielen entgegen», behauptet Baba Aboudjac, Vorsitzender eines togoischen Einwandererhilfevereins. «Der wirkliche Wille zum Stopp dieSenegalesische Arbeiter auf einer Baustelle ser Einwanderung fehlt, denn in Libreville Foto: ia sie nutzt der Wirtschaft, insbesondere in Bereichen, in denen Gabuner nicht arbeiten tenden Anstieg der Kriminalität, und sie führen jedes Jahr wollen». «Die Ursprungsländer umgerechnet 600 bis 750 Mil- haben sich verpflichtet, die lionen Euro in ihre Heimatlän- unkontrollierte Auswanderung zu bekämpfen, wir werden der zurück», führt er weiter also mit ihnen Quoten aushanan. «Die Wirtschaft Gabuns deln und Illegale zurückkann sich keinen solchen schicken», versichert hingegen Aderlass mehr erlauben». der Innenminister. «Solange Diese Tonart ist nicht neu. Re- Leute Hunger in ihrem Land haben werden, kann nichts sie gelmäßig schreibt die lokale daran hindern, ihr Glück anPresse, die Toleranzgrenze sei derswo zu versuchen», erwiin dieser Hinsicht überschritdert Aboudjac, «das wäre, als ten. Die Regierung beantwortet diesen Volkszorn an und zu würde man von ihnen verlangen, auf das Paradies zu verdurch spektakuläre, aber oft zichten». (ia mit pa) unnütze Blitzaktionen. Wie man ohne Visum nach Gabun bringen unsere Gesundheitsstrukturen, unsere Schulen, unsere Wohnungssituation in Schwierigkeiten. Sie sind verantwortlich für einen bedeuWer Infos hat, kann sie auch weitergeben Foto: irin

Niger:

Ligne verte - Kostenlose und anonyme Aids-Beratung
Amadou möchte erfahren, wie er sich verhalten soll, er hat den Eindruck, dass seine Freundin Aids hat. Awas Freund ist von einer langen Reise zurückgekehrt, sie ist nicht sicher, ob er ihr treu war. Sie will wissen, ob sie fordern kann, dass ihr Freund künftig das Kondom benutzt. Beispiele von Jugendlichen, die in Nigers Hauptstadt Niamey die neue Gelegenheit nutzen, sich kostenlos am Telefon beraten zu lassen. Eingerichtet im Jugendzentrum eines Stadtteils, geben zehn ausgebildete und erfahrene Berater/Innen, darunter Soziologen, Ärzte und Sozialarbeiter den Anrufern Antwort auf ihre Fragen. Von Dienstag bis Samstag von 9 bis 21 Uhr erteilen die freiberuflichen Mitarbeiter Auskunft und beraten die meist jugendlichen Anrufer. Die kostenlose AidsTelefonhotline ist gedacht als Informationsquelle für jeden, der mehr wissen will über Aids, über den Unterschied zwischen HIV und Aids, über die Symptome und die Anzeichen, über die übertragbaren sexuellen Krankheiten, die Möglichkeiten sich vor Aids zu schützen. Gefragt wird nach den Marken von guten Kondomen, wo ein Aidstest gemacht werden kann, wie viel er kostet und wie verlässlich ein solcher Test ist.

Die ersten Erfahrungen belegen das große Interesse der Öffentlichkeit. Die Anrufer sind nach ersten Auswertungen allerdings keineswegs nur Jugendliche, die Berater der kostenlosen Telefonlinie berichten von Nachfragen aus allen Teilen der Bevölkerung, ein Beweis dafür, wie wichtig ein solcher Informationsaustausch ist.
(Theresa Endres)

Politik und Gesellschaft

Nr. 05/2006 | Seite 13

Tanz und Musik für die Kleinsten Foto: ia

Tip top sind sie alle … Foto: ia

… und erzielen bessere Noten in der Grundschule Foto: irin

Mali:

Alternative Kindergärten bilden fürs Leben
Malis alternative «Clos d’enfants» (Kinderstuben) für Dreibis Sechsjährige stehen hoch im Kurs. In den Dörfern vermitteln diese preiswerten Kindergärten den Kleinen Kenntnisse über Ernährung, Hygiene und Umgangsformen. Überraschende Reaktionen bei Klein und Groß … die wir schon erledigten, als sie noch gar nicht auf der Welt waren», grummelt er. Nachbarin Kadida Touré, deren drei Jüngsten alle in die Kinderstube gehen, schmunzelt: «Manchmal sind sie wie kleine Bourgeois». 60 Kinder zu betreuen. Märchen, Lieder, Tänze und Spiele, die ihren Ursprung in der lokalen Kultur haben, stehen auf dem Programm. Außerdem werden ihnen Kenntnisse in Hygiene, Ernährung und Benimm vermittelt, und gemeinsam fertigt man RecyclingSpielzeug. «Lesen und Schreiben bringen wir ihnen nicht bei», erklärt Betreuerin Rama Sissoko, «wir wecken aber ihren Lerneifer und zeigen ihnen, wie man sich in der Gesellschaft ordentlich benimmt». «Diese Kinder sind aufgeweckter, aktiver und bekommen bessere Noten als diejenigen, die im «klassischen» Kindergarten waren», bezeugt Schulleiter Mohamed Dicko. Ein gutes System also, um die unzureichende Vorschulbildung auszugleichen, an der in Mali nur 5% der Drei- bis Sechsjährigen teilnehmen können. «Um einen Kindergarten zu bauen, braucht man mindestens 23.000 Euro, ohne Einrichtung und Schulmaterial, für eine Kinderstube reicht eine kleine Hütte», erläutert Diakité Oumou Faye, «und die monatlichen Kosten für die Eltern liegen um das Zehnfache niedriger». Unterstützt von Unesco, Unicef und der FiCeméa (Nationaler Verband für aktive Erziehung) wurde die Initiative schon 2001 fester Bestandteil des Kleinkinderprogramms des Erziehungsministeriums. Mittlerweile gibt es 60 Kinderstuben, die entweder vom Staat, den Dorfbehörden oder Frauenorganisationen ins Leben gerufen wurden. Über 1000 Kinder werden von dort aus jährlich in die Grundschule entlassen. Bis 2010 sollen es doppelt so viele werden.
(syfia)

Samantara ist das erste Dorf Malis, das das Kinderstubenprojekt aufgegriffen hat. Be«Mama, ich will diese Bluse gonnen hat alles 1997 in Banicht anziehen, da sind mako mit der Eröffnung einer Flecken drauf», protestiert im Brustton der Überzeugung die ersten Kinderstube im Schulzentrum Niarela. Gründerin kleine Assetou (5). Die junge Dame macht sich gerade fertig Diakité Oumou Faye, ehemalifür die Kinderstube in Saman- ge Lehrerin und ausgebildete Psychopädagogin, erklärt ihre tara, 400 km westlich von MaMotivation: «Es ist ein sehr lelis Hauptstadt Bamako. Sie ist bendiges Viertel, in dem ich schon früh aufgestanden, hat sich ordentlich gewaschen und täglich die Kleinen mit ihren Müttern auf dem Markt oder anschließend höflich jedem alleine auf der Straße sah. Um Familienmitglied einen guten ihnen ein besseres und gleichMorgen gewünscht. Gute Gezeitig bildendes Umfeld zu biewohnheiten, die man ihr in ten, habe ich den Frauenverein der Kinderstube, die sie seit «Jigiya» («Unterstützung» auf zwei Jahren besucht, beigeBambara) gegründet, der nun bracht hat. «Seitdem unsere diese Kinderstuben betreibt. Kinder dorthin gehen, zeigen sie uns, wie man sich die Nase Hier in Bamako sind es derzeit 45 Kinder, die von 15 auf Kleinputzt, die Hände wäscht und die Wohnung sauber hält. Und kinder spezialisierte Betreuewenn es dunkel wird, kommen rinnen versorgt werden. Diese verdienen umgerechnet 40 sie von ganz allein nach Hause» staunt ihre Großmutter Bai Euro im Monat. In Samantara übernehmen dies 60 Frauen Samabaly. Assetous Großvater aus drei Generationen kostenallerdings sieht das anders: «Wie können sie es wagen, uns los und wechseln sich in Fünfergruppen ab, um insgesamt Dinge beibringen zu wollen,

Aufgewecktere Kinder
Die Kinder finden es toll. «Ich bekomme Reis, Orangen und Bananen zu essen, ich kann spielen, singen und tanzen», erzählt die kleine Fatou (4). «Ich komme so gerne hierhin, weil ich Gedichte auswendig lernen und mit anderen spielen kann», fügt ihre Freundin Malamine (6) hinzu. Auch die Erwachsenen sind überwiegend mit den Ergebnissen zufrieden. In Samantara wurde im vergangenen Oktober die erste Gruppe von elf Jungen und fünf Mädchen in die Dorfgrundschule eingeschult.

Politik und Gesellschaft

Nr. 05/2006 | Seite 14

Nigeria:

Kenia:

Rücktritt der Außenministerin
Kaum einen Monat im Amt, erklärte die nigerianische Außenministerin Ngozi Okonjo-Iweala Ende Juli ihren Rücktritt. Präsident Olusegun Obasanjo nahm das Rücktrittsgesuch der 52jährigen Okonjo-Iweala an, die zuvor das Finanzministerium geleitet hatte, und erst Ende Juni ins Außenministerium berufen worden war. Der offiziellen Verlautbarung zufolge bedauerte der Präsident ihren Rücktritt, «zumal das Wirtschaftsreformenprogramm beginnt, die ersten positiven Ergebnisse zu zeigen». Nur ihrer großen, über 20jährigen Berufserfahrung und dem dabei entwickelten Netzwerk ist es zu verdanken, dass die Weltbank Nigeria einen Teil seiner Schulden erlassen hat. Die Regierung wird sie gewiss vermissen. Einige Beobachter brachten für den überraschenden Rücktritt ihr aufsehenerregendes Debüt an der Spitze der Diplomatie ins Spiel: Kurz nach ihrem Amtseintritt konstatierte sie einen möglichen Betrug von 4,6 Millionen Dollar der diplomatischen Mission Nigerias in Jamaika. Es handelte sich ihren Worten zufolge um einen illegalen Transfer von 4,6 Millionen anstelle von 22.000 Dollar an eine in Kingston niedergelassene internationale Seefahrtsorganisation. Rasch wurden ihre Worte von einem offiziellen Kommuniqué widerlegt, und die diplomatische Mission Nigerias verpflichtet, die überschüssige Summe wieder zurückzuerstatten. Ngozi Okonjo-Iweala, die nach der Wiederwahl von Olusegun Obasanjo ein zweites Regierungsmandat erhielt, hatte sich vor allem um die substantielle Senkung der Auslandsschulden Nigerias verdient gemacht. Am 20. Oktober letzten Jahres hatte der Pariser Klub mit Nigeria einen Schuldenerlass von 18 Milliarden der nige-

Kinder dürfen sprechen - Videoprojekte regen zu Diskussionen an
Um eine Vielzahl von Menschen zu erreichen, nutzen etliche engagierte Gruppen in afrikanischen Ländern audiovisuelle Medien wie etwa Videoproduktionen. Videos haben den Vorteil, dass sie sich leicht transportieren und unschwer mehrfach zeigen lassen – vorausgesetzt, eine Gemeinde verfügt über ein TV- und ein Videogerät, über Strom und einen Versammlungsplatz. Wichtig ist es den Verantwortlichen, über die Videoaufführung ein Gespräch, eine Debatte im Publikum herzustellen, die auch dann fortgesetzt wird, wenn die Videovorführer wieder abgereist sind. Das Kinderhilfswerk Plan International unterstützt weltweit lokale Hilfsorganisationen bei der Produktion von Viduktionen berühren Kinderarbeit, ein Leben auf der Straße oder frühe Heirat. «Sauti ya watoto wa dida» beruht auf wahren Begebenheiten. Im Mittelpunkt des Videofilms steht die heute 17-jährige Ushindi. Im Alter von 13 Jahren wurde sie vom Ehemann ihrer Schwester schwanger, wurde verheiratet, das Baby starb. Ushindis Schicksal ist nicht ungewöhnlich – ungewöhnlich ist nur, dass es ihr gelang, den Teufelskreis der (sexuellen) Ausbeutung zu durchbrechen und ihre Schulausbildung fortzusetzen. Dafür verließ Ushindi ihre Familie auf dem Land, dafür verstieß sie gegen Traditionen, die einem Mädchen nur Gehorsam und ein isoliertes Leben als dienstbeflissene Ehe-

Deckte Betrug auf: Ex-Außenministerin Okonjo-Iweala Foto: Weltbank

rianischen Gesamtschulden ausgehandelt. Das bedeutet eine Tilgung von rund 60 Prozent seiner rund 30 Milliarden Dollar betragenden Schulden (davon mehr als 6 Milliarden Altschulden). So betrugen, den Zahlen der Schuldenverwaltungsbehörde zufolge, die nigerianischen Auslandsschulden Ende Juni 2005 nur noch 4,84 Milliarden Dollar (3,82 Milliarden Euro). Ende Mai hatte Nigeria ebenso seine Absicht kundgetan, seine Verbindlichkeiten von 2,15 Milliarden Dollar (1,6 Milliarden Euro) gegenüber dem Londoner Klub (private Gläubiger) zu begleichen. Bereits einige Tage zuvor wurde Frau Okonjo-Iweala - ohne jegliche Erklärung – von der Leitung des Wirtschaftsrates der Regierung suspendiert. Nogzi Okonjo-Iweala, die ihr Studium in Harvard absolvierte hatte, kam 1982 zur Weltbank und bekleidete dort im Jahre 2003 eines der Ämter der Vizepräsidentschaft, bevor sie im Juli des gleichen Jahres von Olusegun Obasanjo in die Regierung berufen wurde. Im gleichen Jahr war sie Mitherausgeberin der Publikation «Die Schuldenfalle in Nigeria». Frau Okonjo-Iweala war 2004 und 2005 von einer großen nigerianischen Tageszeitung zum «Minister des Jahres» gekürt worden. (pa)

deos, um etwa über Kinderrechte zu informieren oder überhaupt das Lebensumfeld von Kindern sichtbar zu machen. Zu einer der Produktionen, die von Plan International unterstützt wurden, zählt in Kenia zum Beispiel der Film «Sauti ya watoto wa dida». Das ist Suaheli und heißt auf Deutsch «Gebt Kindern eine Stimme». Das Besondere nicht nur dieses Films, sondern aller Arbeiten des in Kenia unterstützten Videoworkshops, ist es, dass sie von Kindern selbst konzipiert und produziert wurden – sowohl vor als auch hinter der Kamera. Die Inhalte der Pro-

Kenias Kinder produzieren eigene Videos Foto: fetnat

frau abverlangen. Als «Sauti ya watoto wa dida» in der Gemeinde Madzo im südkenianischen Kwale-Bezirk gezeigt wurde, herrschte erst Trubel und Aufregung – und dann Betroffenheit. Wenn daraus Diskussionen erwachsen, hätte der Film seine Wirkung gezeigt. (Manfred Loimeier)
Mehr zu Plan International Deutschland: www.plan-deutschland.de

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Nr. 05/2006 | Seite 15

Vantari Africa:

Wellness am Kap
Im Hintergrund der Tafelberg, davor das tiefblaue Meer und dazwischen eingebettet die Mutterstadt Südafrikas: Kapstadt, eine der schönstgelegenen Städte der Welt. Kapstadt ist jedoch mehr als nur der Anfang oder das Ende einer Südafrikareise: Inmitten dieser Metropole am südlichsten Zipfel Afrikas bietet «Vantari Africa» die Möglichkeit, die wunderbare Welt des Ayurveda und Yoga kennenzulernen und die Schönheit ayurvedischer Anwendungen am eigenen Leib zu erfahren.

Bestandteil des kulinarischen Einstiegs in den Tag. Ayurvedische Getränke, die eine erfrischende und belebende Wirkung auf Körper und Geist haben, stehen den ganzen Tag zur Verfügung. Auf den Ausflügen, die das Wellnessprogramm einrahmen, werden ayurvedische Snacks angeboten, die nicht nur schmackhaft sind, sondern auch verbrauchte Energie schnell zurückbringen.

außerdem die individuelle Konstitutionsbestimmung und entsprechende Typberatung. Im persönlichen Gespräch werden praktische Tipps gegeben, die auch nach dem Urlaub problemlos in den Alltag integriert werden können. Auch dass Yoga viel mehr sein kann als Körperposen, die gesund und biegsam machen, erfährt man bei «Vantari Africa»: Es stärkt den Körper umfassend und vielseitig. Das Well-

Therapie mit sozialem Aspekt

Ayurvedische Anwendungen, z.B. Aromatherapie-Massagen, unterstützen den Körper in seinen wichtigen Funktionen wie Stoffwechsel und Ausscheidung von Schadstoffen. In einYoga und Ayurverveda … stündigen Massagen werden Foto: emediawire die Gäste von Mitarbeiterinnen … in der Metropole am Tafelberg «Vantari Africa», das sind Doris Foto: satourism Meixner und Petra Becker. Mit fühlt sie sich immer noch eng der Blinds Association vermit ihrem Mutterland verbun- wöhnt. Es handelt sich hierbei mehr als zehn Jahren Erfahness Workout mit Yoga bietet den. Mit ihrem Diplom in Psy- um ein erfolgreiches soziales rung in der Reise- und Tourigezielte Übungen zur Stärkung chologie (Justus-Liebig Universtikbranche sowohl in Projekt, das bereits seit zwei der Körperfunktionen, insbeDeutschland als auch im südli- sität Giessen) und ihrer mehrJahren sehbehinderten und sondere des Nervensystems jährigen, staatl. anerchen Afrika weiß Doris Meixund der Muskulatur. Atemkannten Ausbildung ner, wie man wirklich unvertechniken verbessern die Lungessliche Eindrücke in diesem in Yoga und Ayurveda genfunktion und geistige Kon(Ananda Kutir Aswunderschönen Teil der Welt zentration. Tiefenentspannung vermittelt. Als staatlich geprüf- hram/Kapstadt) ist sie dient dem Wiederaufbau von eine angesehene und te Reiseleiterin (S.A. Tour GuiEnergie und Lebenskraft. Der beliebte Therapeutin de Certificate) mit einer kaufYogaunterricht wird täglich im männischen Ausbildung, ihrer in Kapstadt. Gästehaus angeboten, und Leidenschaft für Fauna und wenn es das Wetter erlaubt am Diese beiden FachFlora und ihrer positiven LeStrand, in den Dünen oder am benseinstellung ist sie die per- frauen bieten nun in Swimmingpool. Last but not fekte Besetzung, um ihren Gä- ihrem stilvollen Gä… im Einklang mit der Natur least: Alter und körperliche stehaus in Kapstadt ein Wellsten das Abenteuer Afrika Foto: satourism Fitness werden bei allen Yoganäher zu bringen. Petra Becker ness- und Verwöhnprogramm stunden individuell berückan, das keine Wünsche offen liebt – nach eigener Aussage blinden Menschen Ausbildung sichtigt, so dass eine Reise in das Leben, Yoga und Kapstadt. lässt. Die Gäste werden jeden und Arbeitsplatz bietet. Abgedie wunderbare Vantari-AfricaPetra kommt ursprünglich aus Morgen mit einem ayurvedirundet wird das MassageproWellnessoase für jedermann schen Frühstücksbuffet verDeutschland, ist aber in Südgramm mit einem entempfehlenswert ist. (ia) wöhnt. Tropische Früchte, Geafrika aufgewachsen. Obwohl schlackenden Algenpeeling treidevariationen und frisch ihr jetziges Leben in erster Liund entspannenden BlütenMehr unter: www.vantari.co.za nie durch Kapstadt geprägt ist, gepresste Obstsäfte sind fester bad. Im Mittelpunkt stehen

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Nr. 05/2006 | Seite 16

Benin:

Neue Hoffnungen für den Tourismus
Bislang nutzt Benin sein natürliches Tourismuspotential noch recht wenig. Nun aber soll der Sektor zu einem wichtigen Pfeiler seiner Wirtschaft werden. 2004 brachte der Tourismus dem Land umgerechnet nur 30,5 Mio. Euro ein. Dabei verfügt das Land über zahlreiche für Touristen interessante Orte, einen Nationalpark, Wasserfälle, Pfahldörfer, Strände und nicht zuletzt auch einen reichhaltigen Kunsthandwerk- und Kulturmarkt. Die nur geringe Verwurzelung der Tourismusbranche in der Volkswirtschaft ist nicht nur auf ihre mangelnde Gewichtung zurückzuführen, sondern auch auf die völlig unzureichenden Betreuungsstrukturen. Angesichts der wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen und der Krise der traditionellen Wirtschaftssektoren stellt Benin nunmehr die Förderung des Fremdenverkehrs in den Mittelpunkt. Der Ausbau der Unterbringungsmöglichkeiten und die Aus- und Umgestaltung der entsprechenden Regionen ist gegenwärtig das ehrgeizigste Projekt seit der Unabhängigkeit vor 46 Jahren. Diese Initiative namens «Projet de Développement touristique de la Route des Pêches» verfolgt das Ziel, den Tourismus zur wichtigsten Quelle der Deviseneinnahmen zu machen. Mit den zur Verfügung gestellten rund 200 Millionen Euro ist im Laufe der kommenden zehn Jahre der Bau von 2.000 Hotelzimmern vorgesehen. Das Projekt ist in erster Linie darauf ausgerichtet, einheimischen und ausländischen Investitionen durch Grundstückskonzessionen attraktive Bedingungen zu schaffen, wobei ein speziell für den Tourismussektor ausgelegtes Investitionsgesetz den Investoren ausreichend Garantie bieten soll. Die von diesem Projekt vorgesehene ‘’Fischereiroute’’ erfreut sich zahlreicher touristischer Reize: eine malerische Landschaft, Kokospalmen, Seengebiete, Sand, Sonne, Bambuspalmen- und Mangrovenwälder, ausgedehnte Dörfer und vieles mehr. Die Fläche erstreckt sich über eine Länge von 32 km südlich des Flughafens von Cotonou und durchschnittlich 80 km zwischen dem
Fischerdorf mit Pfahlbauten Foto: fetnat

Dorf in Nordbenin

Foto: fetnat

Ozean im Süden und der Küstenlagune im Norden. Von den Strukturverbesserungsmaßnahmen (Straßenbau, Wasser- und Elektrizitätsversorgung, Ausbau des Telefonnetzes sowie Reinigungs- und Abfallentsorgungssysteme) sind 1.050 ha der insgesamt 3.589 ha zählenden Fläche betroffen.

Finanzierung und Perspektiven
Finanziert werden sollen der Erwerb von mehrheitlich in Privatbesitz befindlichen Grundstücken sowie Erschließungs- und Sanierungs-

teln aus der Privatisierung, Zuschüssen von staatlichen Unternehmen und der Mobilisierung von Aktien auf dem EUMarkt und der Westafrikanischen Wirtschafts- und Währungsunion (UEMOA), eine acht frankophone Länder vereinende Wirtschaftsintegrationsplattform. Benin kann bei seinem Vorhaben auf die Unterstützung der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds zählen. Die Europäische Union hat ihre Bereitschaft zur Unterstützung des Projekts unter der Voraussetzung erklärt, dass die «Fischereiroute» zur Senkung der Arbeitslosenzahl in dieser Region beiträgt und dass die Wahrung von natürlichen Gegebenheiten, der biologischen Vielfalt und der Umwelt zum obersten Prinzip erhoben wird. Die Initiatoren des Projekts sind zuversichtlich ob dieser Forderungen. Weitere Investoren werden erwartet.

Benin erhofft sich von diesem Projekt die Schaffung von 8500 Arbeitsplätzen im Laufe der nächsten zehn Jahre. Bis zum Jahre 2013 rechBeninische Kunstwerke aus Bronze net man mit rund 100.000 TouFoto: fetnat risten. arbeiten in bereits vorhande(Maurille Sètondji) nen Fremdenverkehrsgebieten. Das Projekt rechnet mit Mit-

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Unternehmensporträt:

Africa Connection Tours Dakar
Ein neuer Tourismusmarkt ist für alle Seiten attraktiv, für das betreffende Land ebenso wie für die VerbraucherInnen, die immer auf der Suche nach neuen Eindrücken jenseits der ausgetretenen Pfade sind. Im Hinblick auf die Erschließung eines solchen Marktes ist für die deutschen Reiseveranstalter eines von größter Wichtigkeit: ein zuverlässiger, deutsch sprechender Reiseveranstalter als Partner im Zielland. Im Senegal, der sich in Deutschland stärker positionieren will (vgl. AFRICA live Nr. 3/2006), wurden wir bei unserer Dienstreise im Juli 2006 zu unserer Überraschung sogleich fündig. «Hallo, mein Name ist Amath Kane, ich bin Mitarbeiter des Reiseveranstalters Africa Connection Tours (ACT) hier in eventuell an einer Zusammenarbeit mit dem Senegal interessiert wären, dass so etwas keineswegs Gang und Gäbe ist. Und Amath Kane («wie der Olli», lacht er) spricht nicht

Ambitionierter Touristikprofi: ACT-Inhaber Salif Badiane Foto: ia

uns fachmännisch beiseite, erklärt uns kundig die verschiedenen touristischen Ziele und regelt schnell und auf eine sehr liebenswürdige Art jegliches Anliegen unsererseits.

Ethnien und Riten entdecken Foto: Laurent Gerrer

Der Inhaber von ACT, Salif Badiane, ist schon seit Jahrzehnten im Tourismusgeschäft, ein echter Profi, immer auf der Suche nach neuen Absatzmärkten und mit Gespür für die Wünsche seiner Kunden, die von seinem rund 20 Fachkräfte umfassenden Mitarbeiterstab in vielen Sprachen beraten und durchs Land geführt werden. Neben Touren zu den klassischen touristischen Zielen des Senegal wie Dakar und Umgebung mit der Sklaveninsel La Mehrsprachige Fachkräfte beraten im Gorée, dem «Lac Rose» oder der ACT-Büro in Dakar Foto: ia Stippvisite unterwegs: Amath Kane mit Benediktinerabtei Keur Moussa seiner Tochter, die ihren «reisenden» Vater und der Pilgerstadt Touba, soDakar. Wir möchten Ihnen bei nur sehr selten sieht Foto: ia wie ein- oder mehrtätige ExIhrer Prospektionsrundreise kursionen in die einstige gerne behilflich sein. Ich schla- nur perfekt Deutsch, er kennt ge vor, ich komme heute abend auch die deutschen Ansprüche Hauptstadt St. Louis, zu um 19.00 Uhr bei Ihnen im Ho- in punkto Pünktlichkeit, denn den schönen Badestränschon kurz vor 19.00 Uhr ist er den an der «Petite Côte» tel vorbei, bringe Ihnen ein oder über die Casamance im Hotel, zeigt und erläutert paar Prospekte, und dann planen wir gemeinsam Ihren Auf- uns die Prospekte von AC Tours bis hin nach Gambia hat er noch einige Leckerbisund plant mit uns die komenthalt», meldet sich telefosen im Programm, die nisch gleich am ersten Tag ein menden Tage. Und dass man ganz besondere Aufmerkbei ACT nicht nur gut plant unbekannter Anrufer in absosamkeit verdienen: Da ist sondern auch perfekt durchlut perfektem Deutsch. Na so zum einen eine 8-tägige führt, beweist er uns dann was! Wir sind beeindruckt, auch in der Praxis: In seiner Be- Rundreise «Auf den Spuwussten wir doch aus Geren der traditionellen Heigleitung entdecken wir einen sprächen mit diversen deutler», wo man in BegleiGroßteil des Senegal, er steht schen Reiseveranstaltern, die tung von hochkarätigen senegalesischen Forschern z.B. heilenden Riten und Tänzen beiwohnen und sich über die Wirkungsweise der medizinischen Pflanzen detailliert informieren kann. Eine andere Rundreise «Gesichter Senegals» ermöglicht die Begegnung mit den verschiedenen Landschaften, Ethnien und religiösen Gemeinschaften des Landes. Da auch Herr Badiane sehr am deutschen Markt

interessiert ist, wird in Kürze eine deutsche Webseite verfügbar sein und ein Prospekt in deutscher Sprache erstellt. Wer also Lust bekommen hat, mit diesem Fachunternehmen den

Naturschauspiel: der «Rosa See (Lac Rose)» Foto: Laurent Gerrer

Senegal zu kennen zu lernen, kann diese Broschüre gern bei AFRICA live anfordern. Keine Frage: es lohnt sich! (ia)

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Nr. 05/2006 | Seite 18

Belgien:

Mauritius:

SNBA verstärkt auf Afrikamarkt
SN Brussels Airlines will seine Position in Afrika festigen und ausbauen. Sie wird Partner der lokalen kamerunischen Fluggesellschaft und interessiert sich darüber hinaus für Ruanda, Burundi, Mali, Niger und Burkina Faso. «Unser Ehrgeiz besteht nicht darin, gegen fest bestehende Basen wie Casablanca oder Dakar anzugehen, oder Nairobi und Johannesburg, die in den Händen großer Allianzen wie Skyteam oder STAR Allianz liegen. Wir wollen Kosteneinsparungen auf Nischenmärkten und im Rahmen langfristiger Partnerschaften mit afrikanischen Gesellschaften ermöglichen», sagte Michel Meyfroidt, Mitglied des Exekutivausschusses von SNBA, in einem Zeitungsinterview. 14 afrikanische Ziele werden bisher von Brüssel aus angeflogen. Die Kooperation mit Kamerun, die unter dem Namen First Delta Air Services firmieren wird, hat das Ziel, einen Hub am Standort Douala zu schaffen, der zwei Flugstunden von 15 afrikanischen Hauptstädten entfernt liegt. Aber die SNBAInteressen drehen sich auch um ein anderes Land: Ruanda. Letzteres sucht ausländische Partner im Rahmen der eventuellen Privatisierung seiner nationalen Fluggesellschaft Rwandair Express. Das Potenzial in der Region der großen Seen ist allein schon wegen des Tourismus wichtig: die Größe des Flughafens von Kigali hat sich in den vergangenen vier Jahren verdoppelt. Und von Ruanda bis Burundi

Urlaubsinsel spekuliert auf ein Stück vom WM-Kuchen
Mauritius will bei der Fußballweltmeisterschaft, die im Juni 2010 in mehreren Städten Südafrikas ausgetragen wird, mit im Spiel sein. Da es selbst nicht in der Lage ist, diesen Wettkampf von Rang auszutragen, will Mauritius dennoch punkten und möglichst viele für das Finale qualifizierte Mannschaften aufnehmen. Diese könnten mehr als eine Woche in Mauritius bleiben, die Luxushotels und Strände nutzen und sich bei den Trainingsspielen die Muskeln wärmen, bevor es weiter nach Südafrika zu den Wettkampfspielen geht. ziehen. Warum nicht auch Mauritius? Mehrere für die WM 2010 qualifizierte Mannschaften aus Asien oder Ozeanien könnten vor ihrem Flug

Gute Infrastruktur verspricht Chancen für WM-Tourismus Foto: fetnat

Äthiopien:

Für dieses große Ziel ist Mauritius bereits im Vorfeld aktiv: Mauritische Behörden nahmen zu einem bewährten europäischen Marketingfachmann des Afrika im Visier: SN Brussels Airlines Foto: fetnat internationalen Fußballs Kontakt auf. Dies bestätigte Sylvio ist es nur ein Katzensprung. Tang, Minister für Jugend und Für die SNBA ebenfalls potenSport, der Lokalzeitung Exziell interessant sind Mali, Nipress. «Auch wir wollen an der ger und Burkina Faso. «Aber vor unserer Haustür organiwir werden Schritt für Schritt sierten Weltmeisterschaft 2010 vorgehen, wir können nicht teilhaben«. Mauritius’ Ambitiomehrere Projekte gleichzeitig nen sind hoch gesteckt, und angehen», schränkte Meyfroidt die Hotelanlagen sowie das ein. (pa) weltweit positive Image des Landes als Freizeit- und Erholungsziel geben ihm recht. Geographisch liegt Südafrika je nach Zielort zwischen drei und fünf Flugstunden von Mauritius entfernt. Bislang konnten stets die Anrainerstaaten auf die eine oder andere Weise von der Austragung einer Weltmeisterschaft Nutzen Genna (äthiopisches Weihnachten) gefeiert. Die Feierlichkeiten fangen am Vorabend mit bunten ProzesFoto: fetnat sionen und Zeremonien an, die am 12. Januar enden (20. lich orthodoxen Kirche. Es geJanuar Gregorianischer Kalendenkt der Taufe Christi durch der). Zum Timket, das 3 Tage «Johannes den Täufer» im Jordauert, werden «Tella» und dan. Timket wird am 11. Januar des äthiopischen Kalenders «Tej» gebraut, wird spezielles (19. Januar Gregorianischer Ka- Brot «Himbash» (in Tigrigna) und «Ambasha» (im Amharic) lender), zwei Wochen nach
Marktplatz in Äthiopien

nach Südafrika in Mauritius einen Zwischenstopp einlegen. Mit seiner Marketingkampagne allerdings will Mauritius auch die europäischen Mannschaften gewinnen. Um den Anforderungen zu entsprechen, so der Minister für Jugend und Sport, werden sämtliche Stadien des Landes umgestaltet, mit neuen Beleuchtungssystemen ausgestattet und die Infrastrukturen auf den Empfang der hohen Gäste sowie zahlreicher Journalisten ausgerichtet. Dies dürfte dann wohl zu einer der größten Marketingaktionen des Landes im Rahmen eines Wettkampfes werden. Und die Mauritier und Touristen hätten ihren ganz eigenen Nutzen: Sie könnten nämlich den Trainingsspielen der verschiedenen Mannschaften beiwohnen. (pa)

Timket – eines der größten Feste in Äthiopien
Äthiopiens kulturelle Schätze sind den meisten Reisenden noch unbekannt – vor allem auch das reiche orthodoxe christliche Erbe. Von allen Ländern Afrikas kann nur Äthiopien auf eine historisch belegte Geschichte zurückblicken, die mehr als 25 Jahrhunderte alt ist. Sie fasziniert nicht nur den Historiker, sondern auch den Kunstinteressierten, den Architekturkenner und überdies jeden Liebhaber von Kunst und Kultur. Timket (Epiphanie) ist eines der größten Feste der christ-

gebacken und Schafe werden geschlachtet. Einer der führenden Tour Operator in Äthiopien ist Green Land Tours, Hotels & Lodges. 2004 und 2005 wurde die Firma von der Ethiopian Tourism Commission mit den «Certificates of Merit» für ihre Leistungen in der Tourismusindustrie ausgezeichnet.
Mehr Infos unter: http://www.greenlandethiopia.com/ger/ (asa)

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ist mir wichtig, alle Details genau wiederzugeben und auch das Umfeld, die Welt der Menschen im Hintergrund mit einzufangen. Mit dem ungewöhnlichen Aufbau der schwerfälligen, antiquiert wirkenden Kamera in freier Natur wurde ich mit einer Mischung aus Misstrauen und Neugier aufgenommen. Nachdem ein Vertrauensverhältnis aufgebaut war, ergab sich daraus ein fröhliches Freiluft- Fotoshooting.» Neben der Fotoserie mit dem blauen Klappstuhl gibt es auch eine weitere Serie mit Schwarzweißportraits, die mit dem einzigartigen Polaroid Positiv / NegativFilm entstanden sind. Dieser Film wird direkt vor Ort entwickelt. Das Positiv bekommt der Porträtierte, das Negativ wird für spätere Vergrößerungen aufgehoben.

Diawahn.de:

2000 Topfotos online
Seit Mai 2004 ist die InternetBildagentur diawahn.de online, die sich mit Bildmotiven des afrikanischen Kontinents beschäftigt. Neben Aufnahmen aus 23 Ländern des afrikanischen Festlandes können auch Motive von den Kanarischen Inseln, den Kapverden sowie den Maskarenen online recherchiert werden. Oliver Forster und Markus Drischel betreiben mit vier weiteren Fotografen diese kleine Bildagentur, die ihren Kunden inzwischen 2.000 Bilder online präsentiert. Seit geraumer Zeit ist auch Hans- Peter Stauffer mit im Netz, der als ständiger Mitarbeiter bei AFRICA LIVE

landschaftlich eine Vielfalt an Motiven bereithält. Alle Aufnahmen werden ausschließlich mit hochwertigen Kleinbild- und Mittelformat- Kameras erstellt, um die Bilder auch für hochwertige Präsentationen in Diashows nutzen zu können. Für den digitalen Workflow wird je nach Einsatzzweck und Kundenwunsch in der entsprechenden Auflö-

tätig ist. Neben der traditionellen Reisefotografie sind vor allem die Menschen Afrikas Schwerpunkt von www.diawahn.de. Ein Spezialgebiet hierbei ist Namibia. Ein Land, das sowohl kulturell als auch

Tourismus im Internet:

Initiative von WTO und Microsoft
Die Welttourismusorganisation (WTO) und Microsoft haben eine langfristige Partnerschaft zur Expansion der Informations- und Kommunikationstechnologien auf Afrikas Touristiksektor angekündigt. Im Rahmen dieser Partnerschaft werden Tourismusbehörden und –unternehmen IT-Technologie erhalten, um ihre Wettbewerbsfähigkeit, sowie die Qualität ihrer Produkte und ihrer Logistik zu verbessern. Hauptschwerpunkt dieser Maßnahmen: Afrika. Lt. Bill Gates will Microsoft eine direkte Rolle dabei spielen, Ländern und ganzen Regionen zu helfen, die Tourismuswirtschaft zu entwickeln, Arbeitsplätze zu schaffen, das Wachstum anzutreiben und Innovation zu fördern. «Das schaffen wir, indem wir ihnen einen einfachen und preiswerten Zugang zur Technologie gewährleisten. So können wir über 40 Mio. Afrikanern nützlich sein», prognostizierte der Microsoft-Chef. Als erstes Projekt soll ein Internetportal speziell für Afrikatourismus sein, erstellt in Zusammenarbeit mit WTO und NEPAD. Dieses Portal soll weltweit ein wettbesung gescannt. Auch für Auftragsfotografie steht diawahn.de dem Kunden zur Verfügung. Besonders mit Portrait, aber auch mit Panoramaund Stillife sowie mit Architektur- und Werbefotografie beschäftigt sich der Foto- Designer Markus Drischel, der im südafrikanischen Raum bereits auf drei Reisen seine Großformat- Kamera im Gepäck hatte. In Namibia, Botswana und Simbabwe traf er Menschen verschiedener Ethnien, die er auf einem einfachen, blauen Klappstuhl porträtierte. So entstand eine Großformat- Bilderserie, die bereits in mehreren Ausstellungen in München die Besucher begeistert hat. «Die langwierige aber sehr bewusste Fotografie mit der Großformat- Kamera bewirkt eine intensivere Auseinandersetzung mit den porträtierten Menschen» so Markus Drischel über die Art seiner Arbeit. «Es

In vieler Hinsicht ein Förderer Afrikas: Bill Gates Foto: microsoft

werbsfähiges Afrika vorstellen, und es kann von nationalen und lokalen Anwendern reproduziert werden. «Dieses Partnerschaftsabkommen ist ein gewaltiger Sprung vorwärts für die Schaffung neuer Arbeitsplätze, die Ausfuhrerlöse und die Nutzung des lokalen Potentials dank dem Tourismus in den am meisten benachteiligten Ländern der Welt, besonders in Afrika, wo es zu einem Teil unseres Armutsbekämpfungsprogramms werden wird», sagte WTO- Generalsekretär Frangialli. (pa)

10% der Erlöse aus den Bildhonoraren, die bei diawahn.de erzielt werden, kommen einer gemeinnützigen Hilfsorganisation (Medizin-, Schul-, oder Natuschutzbereich) in Afrika zugute. Ein kleiner Dank und eine kleine Hilfe für die Menschen dieses faszinierenden Kontinents.

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Ägypten:

Vor 50 Jahren wurde der Suezkanal verstaatlicht
26. Juli 1956: ein historischer Augenblick für Ägypten. Präsident Nasser kündigt die Verstaatlichung des Suezkanals, strategischer Punkt zwischen dem Mittel- und dem Roten Meer, an. Eine Provokation für Frankreich und Großbritannien und der erste Schritt zu einem arabischen Nationalismus. 50 Jahre später feiert das Land dieses Jubiläum nur sehr diskret. Eine Sonderbriefmarke, ein paar kleine Feierlichkeiten ohne Fanfaren und Feuerwerk, mehr gab es angesichts der Nahostkrise nicht. fahren, brauchen nicht mehr Afrika am Kap der guten Hoffnung zu umfahren, eine Ersparnis von 8000 km. Eine einträgliche Sache für Ägypten: Im vergangenen Jahr brachte der Kanal 3,564 Milliarden Dollar ein, 274 Millionen mehr als im Vorjahr. Vier Monate später greifen Frankreich, Großbritannien und Israel Ägypten an, um den Kanal zurück zu erobern. Die Drohungen Chruschtschows und die Verurteilung durch die Amerikaner führten schon Abgesehen von dem wirteinige Tage später zu einem schaftlichen Aspekt hat der Su- Waffenstillstand, die Kolonialezkanal einen hohen symboli- mächte müssen sich zurückschen Wert. Seine Verstaatliziehen, und erstmals kommen chung bleibt eins der glorUno-Blauhelme ins Land. Für reichsten Ereignisse der ägypti- Nasser eine militärische Nieschen Geschichte. Im Jahre derlage, aber ein politischer 1956 steht er unter französiSieg. Die gesamte arabische scher Verwaltung und britiWelt bewundert ihn für seinen scher militärischer ÜberwaMut, sich den europäischen chung. Gamal Abdel Nasser, Imperialisten entgegen zu setseit vier Jahren an der Macht, zen, und sein Vorgehen macht erklärt am 26. Juli in einer ihn zum Pionier und Helden zweistündigen Rede in Aledes panarabischen Nationalisxandria: «Nicht Armut, sonmus. dern Ausbeutung der Völker ist eine Schande. Wir nehmen «Die Verstaatlichung hat eine uns unser Recht zurück, denn Phase eingeläutet, in der die dies ist unser Boden, und der Araber ihre Macht wieder geKanal gehört Ägypten. 120.000 funden haben. Ägypten und Landsleute haben daran gearalle arabischen Staaten konnbeitet und viele ihr Leben ten die Kontrolle über ihre dafür lassen müssen. Die Suez- wichtigsten Ressourcen zurück kanalgesellschaft in Paris ist gewinnen. Damals wurde alles nichts als ein reines Ausbeudarangesetzt, um Ägypten wietungsunternehmen». der aufzubauen. Heute gehen wir genau ins Gegenteil über: Wir verkaufen alles nach und Die Suez-Krise nach an Ausländer, und das zu niedrigsten Preisen», erklärt Hossam Issa, Professor für in14 Mal zitiert er den Namen ternationales Recht, in einem Ferdinand de Lesseps’, des französischen Diplomaten, auf Interview mit der Tageszeitung Al Ahram, und betont: dessen Initiative der Kanal «Jeder Ägypter hat den Suezkazurückgeht. Das ist ein Code, nal im Hinterkopf, und wenn ein Signal für die rund 30 seifür Ägypten eines Tages wieder ner Mitarbeiter, die Büros der glorreiche Zeiten anbrechen, Verwaltungsgesellschaft in Ismailia und Port Said zu beset- wird auch der Ruhm des Suezzen. Die Männer sind nicht be- kanals wieder aufblühen». waffnet, alles geht ohne BlutHeute bestreitet niemand vergießen vor sich. Ägypten mehr die ägyptische Souverähat sich so einen der wichtignität über den Kanal, der sten Erdölpassagen zwischen 25.000 Menschen beschäftigt den arabischen Ländern und Europa zurück erobert. Dieser und die wirtschaftliche Lunge Akt ruft heftige Empörung im des Landes ist. Und von Privatisierung ist keine Rede, denn, Westen hervor. Für den damaso erläutert Galal Al-Dib, Beraligen britischen Premierminiter bei Verwaltungsorganisatister Anthony Eden ist die Veron des Suezkanals: «Sein Wasstaatlichung «ein faschistiser und sein Salz fließen in scher Akt», Nasser wird mit unseren Adern».
(afrik.com)

len Konflikte nicht darauf übergegriffen. Derzeit wird er noch verbreitert und vertieft, so dass 2012, nach einer Investition von 10 Milliarden Dollar, Riesenschiffe wie z.B. Erdölfrachter von 350 000 Tonnen hindurchfahren können werden.

Mussolini und Hitler gleichgestellt.

Die durch den Kanal erzielten Einkünfte von rund 10 Mio. Dollar täglich sind Ägyptens drittbeste Deviseneinnahmequelle, nach dem Tourismus und den Heimatüberweisungen der Gastarbeiter. 7% des Welthandels läuft durch den Eingeweiht im Jahre 1869, ver- Suezkanal, mit steigender Tenbindet dieser gut 160 km lange denz angesichts der HandelsKanal Port Said im Mittelmeer aktivitäten mit China und Inmit Suez am Roten Meer. Schif- dien. Trotz seiner strategischen Lage haben die regionafe, die von Europa nach Asien

Britische Marine im Suezkanal Foto: Ministry of Defence (GB)

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hoffen, und obendrein sind es kleine Fische!» Die kamerunischen Fischer beschuldigen ihre chinesischen Konkurrenten unlauterer Fangmethoden, die die Wasserfauna zerstören, und klagen gleichzeitig die ge Problem ist, mit dem die einer Untersuchung getroffen Behörden an, nicht darauf zu Einst erschwingliche Proteinworden, die enthüllt hat, dass Fischer konfrontiert werden», reagieren. «Manchmal sehen quelle selbst für Familien mit schimpft ein Angestellter der dieser Treibstoff, der eigentwir auf See zwei chinesische sehr niedrigem Einkommen, kamerunischen Gesellschaft lich nur an Fischer verkauft Schiffe, jedes hält auf einer wird Frischfisch in Kamerun für Schalentiere. Steuern, Quit- Seite ein und dasselbe Netz immer seltener und immer teu- werden sollte, durch die Steutungen und Zollkosten sind in auf einer Fläche von über eirer. Die Behörden beschuldigen erbehörde, die diese Initiative nem Kilometer. Damit fahren die Fischer, ihren Fang im Aus- überwachen sollte, parallel an der Tat ebenfalls nach oben korrigiert worden. sie lange Strecken ab und samland abzusetzen, diese wieder- andere Nutzer verkauft wurde», erklärt ein leitender Angemeln alles ein, was ihnen unum klagen über zu hohe Steustellter des Minepia, des Miniterwegs ins Netz geht», ärgert ern und Fangmethoden chinesteriums für Zucht, Fischerei sischer Kollegen. Chinesische Konkurrenz sich dieser Fischer. Die Miund Tierindustrie. Die kamerunepia bestätigt, dass die indunischen Fischer waren also striellen Fänge in der KüstenMenschenauflauf in der DämEin Großfischer, der nicht genun wieder gezwungen, sich region zwischen 1999 und merung: Auf dem Fischerkai nannt werden will, lastet das wie alle anderen Endverbrau2006 um die Hälfte gesunken von Youpwè in Douala dränProblem der geringen Fischgeln sich die Großhändler, um cher auch mit versteuertem ausbeute der Anwesenheit von sind. Fischläden, die früher auf den frischen Fisch spezialiChinesen in den kamerunisiert waren, mussten umdenschen Gewässern an. «Bevor die Chinesen in unsere Gewäs- ken. «Unser Kühlraum verbraucht viel Elektrizität. Um ser kamen, kamen wir leicht Leerlauf zu vermeiden und somit Geld zu verlieren, bin ich heute gezwungen, aus dem Senegal importierten Tiefkühlfisch zu verkaufen», bedauert Maurice Nombou, Inhaber eines Fischladens in Yaoundé. Die Lagerhäuser, die früher sich mit frischem Fisch zu ver- Fischer – ein immer härterer Job … Foto: sat zur Lagerung des frisorgen, den sie anschließend Treibstoff zu versorgen. Eine schen Fisches beauf den Märkten von Kameteure Angelegenheit, denn der stimmt waren, sind runs Wirtschaftshauptstadt Liter Super kostet mittlerweile völlig leer. Einst erweiter verkaufen werden. Der schwingliche Progeringe Fangertrag der Fischer umgerechnet einen Euro. teinquelle selbst für wird versteigert, und das zu die Ärmsten, kann immer höheren Preisen. Im In- Die Fischer weichen demzufolge auf Nachbarländer wie Nisich heute kaum dustriefischerhafen ist die noch jemand FrischLage nichts anders. Immer we- geria aus, wo der Treibstoff billiger und unversteuert ist. Sie fisch leisten und niger Schiffe legen hier an, muss gezwungenerund die Ware wird auf schnell- verkaufen ihre Fische dann maßen auf Tiefkühlstem Wege abgesetzt. Auf dem auch gleich dort, unter Miss… und Fänge dieser Art sind die Ausnahachtung des kamerunischen fisch zurückgreifen. Hausfrauzentralen Markt sind die Preime Foto: rigon Gesetzes, das sie verpflichtet, en, denen auch dieser zu teuer se stark nach oben korrigiert ihren gesamten Fang im Heiist, behelfen sich mit Soja – worden. Noch vor fünf Jahren womit wir wieder bei den Chikostete ein Barsch weniger als mathafen abzusetzen. Diese mit Fängen von 50 Tonnen nesen wären … (syfia) 1.000 Fcfa (1,50 €), heute 1.500 Gesetzesübertretung setzt sie nach zehn Tagen nach Hause. Fcfa (2,30 €). Der Preis für Ma- Strafen aus, die bis zu 40 MilHeute muss man bis an den lionen Fcfa (über 60.000 €) be- Rand des Grenzgebiets von krelen, der meistverkaufte Fisch, stieg um über die Hälfte. tragen können. Laut Richard Bakassi gehen, um auf 30 t zu Konservieren ist angesagt Foto: fetnat Tchoubia, regionaler Delegierter des Minepia, ist diese PraDie Fischer sehen den Grund xis jedoch Gang und Gäbe bei für diesen Preisanstieg in eiallen Berufsfischern. Es habe ner im Jahre 2001 ergriffenen Regierungsmaßnahme. Zuvor zwar im letzten Jahr Sanktionen gegeben, aber die Lage war der für die Fischerei behabe sich seitdem kaum geänstimmte Treibstoff von der dert. «Die Behörden wissen Zahlung der 19%-igen Mehrwertsteuer freigestellt worden. sehr wohl, dass die Versorgung «Diese Entscheidung ist infolge mit Treibstoff nicht das einzi-

Kamerun:

Sag mir wo die Fische sind

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und mehr stolz aufs das Erreichte und zufrieden. «Die Abfälle werden nicht mehr überall hin geworfen, denn jeder wird beobachtet und bestraft, wenn er seine Kompostgruben nicht benutzt», freut sich ein Einwohner von Karenge im Distrikt Ngoma. Manche Volksvertreter haben es noch eiliger als andere: Die Behörden der Ostprovinz wollen die Strohhütten abzureißen, die den Menschen dort überwiegend als Behausung dienen. «Es geht nicht an, wenn ein Landwirt über zehn Kühe hat und elendig in einer Strohhütte lebt», erklärt der Bürgermeister eines Distriktes. Viele Tierzüchter hängen dem Aberglauben nach, ein Haus mit Blechdach bringe dem Vieh Unglück. Der neue Gouverneur Théoneste Mutsindashyaka jedoch, ehemaliger Bürgermeister der Hauptstadt Kigali, hat dafür kein Verständnis und ermahnt jeden, «der Geschwindigkeit des modernen Entwicklungs-

Ruanda:
Sauber sein, Schuhe tragen, Moskitonetze benutzen: Das sind einige der zahlreichen Bestimmungen, die kürzlich in Ruanda in Kraft getreten sind. Lokalpolitiker, die diesbezüglich eine Art Leistungsverträge mit der Regierung unterzeichnet haben, üben Druck auf die oft benachteiligten Bevölkerungsgruppen aus, sich daran zu halten. Wehe dem Familienmitglied, das sein Kind barfuß in die Schule schickt! Wehe dem Lehrer, der es ohne Schuluniform in die Klasse lässt! Wehe dem

Die Saubermänner gehen um

Bauern, der schmuddelig in öffentlichen Gebäuden erscheint! Seit Anfang April müssen sich Ruander in Stadt und Land einer Reihe neuer Verpflichtungen unterwerfen. Die Bürgermeister aller Distrikte haben sich gegenüber dem Präsidenten der Republik verpflichtet, die sozioökonomische Lage ihrer Bevölkerung zu verbessern. Ein «Leistungsvertrag», legt die zu erreichenden Zielsetzungen und festgesetzte Frist fest. Die Führungskräfte des Distriktes Nyarugenge in Kigali zum Beispiel haben gewettet, dass innerhalb eines Jahres 70% der Bevölkerung der Krankenkasse beigetreten sein werde, dass 90% der schwangeren Frauen im Krankenhaus entbinden und dass alle Büros der außerhalb liegenden Bezirke mit Sonnenenergie beleuchtet werden. Für die Bevölkerung jedoch werden die von ihren Vertretern eingegangenen Verpflich-

chen Kosten der zu ergreifenden Hauptmaßnahmen auf mehr als 150 Euro, weitaus mehr als das jährliche Durchschnittseinkommen eines tungen zu Zwängen. So wird Ruanders. Wer sich jedoch z.B. in der Ostprovinz kein nicht daran anhält, wird hart Kind in der Schule angenombestraft. Im Osten wird einem men, wenn es keine Schuhe Haushalt ohne Toilette oder und Uniform trägt. Eine beKompostgrube eine Geldstrafe trächtliche Schülerzahl wurde von umgerechnet 7 Euro auferzurückgeschickt und läuft Ge- legt. Eine Familie, die nicht fahr, nie wieder zur Schule ge- unter einem Moskitonetz hen zu können. «Diese Maßschläft, muss den gleichen Benahme schadet dem oberen trag zahlen. Um den Sanktionationalen Ziel der Schulbilnen zu entgehen, verstecken dung für alle», kritisiert ein sich in Bugesera manche BeLehrer aus Rwamagana, in des- wohner so lange im Wald, bis sen Klasse seit Monaten tägdie Kontrolleure, die regellich bis zu zehn Kinder fehlen. mäßig im Land herumreisen, «Meine Tochter war in der vier- wieder verschwunden sind. ten Klasse der Grundschule, Die Dorfbewohner beklagen heute kann sie nicht mehr die starre und drastische Anwendung der Maßnahmen, auf die sie nicht vorbereitet wurden und die ergriffen wurden, ohne die Betroffenen vorher zu befragen. Meistens haben die Lokalpolitiker keinerlei Erklärungen über die Zielsetzungen der Maßnahmen abgegeben, oder falls doch, dann so kurzfriNur wer adrett und sauber ist und Schuhe stig, dass trägt, darf in die Schule Foto: ia die Bevölkedorthin. Wie sollen Familien, rung keidie es kaum schaffen, ihre Kin- ne Zeit der überhaupt zu ernähren, hatte, als erstes Schuhe und Schul– sich dauniformen kaufen? Die Behör- mit vertraut zu machen. «Der den müssen unterscheiden Widerspruch besteht darin, zwischen Luxus und Notwendi- dass die Dorfbewohner lieber gem», empört sich ein Vater ihnen auferlegte Geldstrafen aus Ruhinga im Distrikt Ngozahlen als die entsprechenden ma. Hygienemaßnahmen zu ergreifen, sie sagen einfach, dazu sie Teure Verpflichtungen – seien ein nicht in der Lage», klagt Sozialarbeiter. Dort jedoch, wo die neuen Rehohe Strafen gelungen in den letzten Monaten streng angewendet werDie Liste der Verpflichtungen den, stellt man wirkliche Änist lang: außer dem Schuhderungen in punkto Hygiene zwang für alle müssen die Ruander Toiletten bauen, Kom- fest. Die Menschen sind mehr postgruben anlegen, das Geschirr auf Tischen und nicht mehr im Gras trocknen lassen, unter imprägnierten Moskitonetzen schlafen, sich nach der Feldarbeit sofort umkleiden, einer Krankenkasse beitreten usw. Für eine siebenköpfige Familie belaufen sich die jährli-

Aberglaube: Tiere brauchen Strohdächer Foto: ia

zuges zu folgen». Begüterte Dorfbewohner müssen jetzt Häuser aus dauerhaften Materialien bauen. Die Bedürftigen, die derzeit in eine Liste aufgenommen werden, erhalten Baumaterialien auf Kredit. Ob sie sie jemals zurückzahlen können, bleibt dahingestellt.
(A.B. Twizeyimana)

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Weinkolumne:

Eine Reise durch Afrika (I)
In dieser und den folgenden Ausgaben werde ich mit Ihnen eine Reise durch die Weinbauländer Afrikas unternehmen. Wir beginnen im Nordosten in Marokko und werden bis nach Südafrika reisen. Der Weinbau in Afrika Afrika ist die Wiege des Weinbaus. Archäologische Funde im Nildelta zeigen, dass im heutigen Ägypten bereits 5.000 v. Chr. Rebkulturen wuchsen. Der erste systematische Weinbau fand jedoch weiter westlich statt: um Karthago bei Tunis im heutigen Tunesien legten die Phönizier um 500 v. Chr. gezielt die ersten Weingärten an. zeugung von Tafeltrauben. Die wichtigsten Rebsorten sind die roten Sorten Carignan, Grenache und Cinsaut. Der typische marokkanische Rotwein ist farbintensiv und alkoholreich mit warmen und reifen Fruchtnoten. Im Jahr 1956 wurde ein Appellations-System nach französischem Vorbild eingeführt. Das wichtigste und beste Anbaugebiet ist die Region Fès-Meknès in den nördlichen Ausläufern des Atlas-Gebirges. Neben Wein ist Marokko ein relativ wichtiger Lieferant für Korken.

Algerien Auch in Algerien werden überwiegend französische Rebsorten wie Carignan, Alicante, CinHeute gibt es auf dem gesamsaut und Grenache angebaut. ten afrikanischen Kontinent Dies liegt in der französi325.000 Hektar Rebfläche, schen Besatzung im was vier Prozent der Jahr 1830 begrünWeltrebfläche ausdet. Während der macht. Hiervon Kolonialzeit wurwerden pro Jahr jede der Großteil doch nur 9,5 Milder Weine als Verlionen Hektoliter schnittwein nach Wein produziert – Frankreich expordas sind 3,5 Milliotiert. Wie in Marokko nen Hektoliter weniging auch hier die Rebger, als die kleine WeinGrenache-Reben fläche auf Grund der baunation Deutschland Foto: fetnat Unabhängigkeit, des pro Jahr hervorbringt. Diese Tatsache zeigt, dass Afrika in Exportverbotes nach Frankreich und des islamischen der Welt des Weins nur eine Wein-Verbots stark zurück. kleine Rolle spielt. Heute stehen noch 61.000 Hektar unter Reben. Die RebMarokko flächen liegen oftmals in Der Grundstein des systematiHöhenlagen im Norden des schen Weinbaus in Afrika Landes nahe der Küste. Es werdurch die Phönizier um 500 v. den überwiegend Rotweine mit Chr. war auch der Anfang des hohem Alkohol und intensiver Weinbaus in Marokko. EntFarbe erzeugt. Das Appellatischeidende Impulse in der Weinbereitung gab es zunächst ons-System heißt AOG (Appellation d´Origine Garantie) und durch die Römer und später weist sieben Bereiche als Quadurch die Franzosen, die das litätszonen aus, die in den beiLand zwischen 1912 und 1956 den Provinzen Alger und Oran regierten. Nach der Unabhängigkeit im Jahr 1956 verbot die liegen. Nach Portugal und Spanien ist Algerien der weltweit Regierung den Weinexport nach Frankreich und enteigne- drittgrößte Lieferant für Korken. te viele Weingutsbesitzer. Dies führte zunächst zu Absatzpro(Helge Hagener, Weinberater, Weinaublemen und später unweigertor und Betreiber der Seite www.sa-weilich zu einer drastischen Verne.de. Im Februar 2006 wurde Helge kleinerung der Rebfläche. Heu- Hagener von der Zeitschrift «Wein Gourmet” als Deutschlands zweitbester te stehen noch etwa 13.000 Weinkenner des Jahres ausgezeichnet). Hektar unter Reben, woraus nur ein kleiner Teil Wein produziert wird. Der weitaus größte Teil der Ernte dient der Er-

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Südafrika:

Ethanol:

Kampf gegen den Glimmstängel
«Seit acht Jahren dürfen die Zigarettenhersteller nicht mehr für ihre Produkte werben», schreibt die südafrikanische Tageszeitung ‚Business Day’. «Jetzt will das Gesundheitsministerium ihnen das Leben noch schwerer machen: Ein Gesetzentwurf sieht vor, dass sie aus den Regalen der Geschäfte verschwinden», berichtet das Blatt weiter. Diese Änderung der Tabakverordnung, die dem Parlament bis Jahresende zur Abstimmung vorgelegt werden soll, nimmt den Zigarettenkonzernen somit die letzte Möglichkeit, mit ihren Kunden zu kommunizieren. François van der Merwe, Vorsitzender des südafrikanischen Tabakinstituts, geht auch gleich auf die Barrikaden: «Das ist eine Ungepc

Afrika setzt auf neuen Bio-Treibstoff
Ende Juli fiel in Afrika der Startschuss für eine ganze Reihe von Initiativen, die alle eins zum Ziel haben: langfristig den teuren Spritpreis durch preisAuch im Senegal begann man wertere biologische Alternatimit dem Bau der ersten Ethaven zu ersetzen. nolanlage in der letzten Juliwoche. Die Distillerie entsteht neben der CSS in Richardtoll, Südafrika begann mit dem 520 km von der Hauptstadt DaBau seiner ersten Bioethanolanlage am 25. Juli in Bothavil- kar entfernt. «Der neue Treible. Der Norden ist das Herz des stoff hat in Brasilien schon große Erfolge erzielt. Ich habe Maisanbaus im Land, der die Grundlage der Ethanolproduk- mich mehrmals dort vor Ort tion darstellt. 10.000 neue Ar- davon überzeugen können, dass die Ersparnis enorm ist», beitsplätze soll diese viel verberichtet Moussa Loum, Prosprechende Initiative bis zur Vollendung der Arbeiten Ende jekttleiter des seneglaesischen

«Zeichen der Unabhängigkeit»

rechtigkeit. Tabakprodukte sind legal, die Verbraucher müssen selbst entscheiden können, worauf sie sich einlassen, ob sie sie konsumieren wollen oder nicht», kommentiert er. Es sei schon schlimm genug, dass Zigarettenwerbung und Eventsponsoring durch Zigarettenmarken verboten seien. Der südafrikanische Werberat ließ hingegen verlauten, man sei bereit, jede Anzeige gegen die Tabakindustrie weiter zu verfolgen.
(ia)

iz3w t Zeitschrift zwischen Nord und Süd

2007 bringen. Das Ziel: eine Tagesproduktion bis zu 60.000 Litern, der erste Hektoliter ist zwischen Mai und Juli 2007 geplant. Weitere Länder wie Senegal und Mauritus haben ähnliche Pläne. Im Senegal dient Melasse als Grundstoff für die Treibstoffproduktion. Melasse ist der noch etwa 50 % Zucker enthaltende honigartige dunkelbraune Zuckersirup, der als Nebenerzeugnis in der Zuckerproduktion anfällt. In hoch konzentrierter Form lässt sich daraus Treibstoff gewinnen. Im April 2006 hatten die senegalesische Zuckergesellschaft (CSS) und die Regierung einen Produktionsvertrag unterzeichnet. Dieser weitaus preiswertere und ökologische Treibstoff könnte sich zu einem Segen für die ganze Region entwickeln, denn Senegal will auch seine Nachbarn damit versorgen.

Ethanolproduktionsanlage Foto: fetnat

Unternehmens. «In Brasilien fahren schon sehr viele Autos damit, Firmenwagen ebenso wie Privatleute. Für mein Land und ganz Afrika wird das ein Zeichen echter Unabhängigkeit sein», prognostiziert er. Mauritius begann Ende Juli eine Testphase: Drei Monate lang werden 25 Fahrzeuge mit einem Gemisch aus 90 % Benzin und 10 % Ethanol fahren. Ist der Test positiv, sollen alle Benzin-Fahrzeuge auf der Insel in Zukunft dieses Gemisch verwenden. Die Studie wird durchgeführt von der Ingenieurfakultät der Universität Mauritius, in Zusammenarbeit mit der Motor Vehicle Dealers Association (MVDA), dem Verband der Neuwagenimporteure. (afrik.com)

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Zusammenarbeit

Nr. 05/2006 | Seite 25

Togo:

Deutsch-französische Städtepartnerschaft als Triebfeder für binationale Hilfsprojekte
Als sich das Gemeindeparlament im südhessischen Erbach im Herbst 1963 entschloss, mit dem zwischen Grenoble und Lyon gelegenen Marktflecken Pont-de-Beauvoisin eine Städtepartnerschaft einzugehen, war die Zielsetzung für die Mandatsträger klar umrissen. Aussöhnung der Menschen diesseits und jenseits des Rheins, verbunden mit dem Ziel, durch ihren persönlichen Einsatz bei den grenzüberschreitenden Aktivitäten beispielhaft zum Abbau des immer noch weit verbreiteten Stereotyps vom Erbfeind vergangener Jahrhunderte beizutragen. gungen der Menschen in Togo zu verbessern. Von 1885 bis 1918 unter deutscher Kolonialherrschaft, wurde Togo danach Frankreich als Kriegsentschädigung zugesprochen.

Die historische Verantwortung diesem 5- Millionen-Land gegenüber und die katastrophale Situation auf dem Gesundheits- und Bildungswesen sind die Gründe für das Engagement der Vereinsmitglieder. Sehr zustatten kommt beiden Vereinen, dass Maurice Roberge, der Präsident von «Les Amis du Togo» in Pont-de-Beauvoisin jedes Jahr mindestens dreimal vor Ort in Afrika ist, um laufende Projekte zu beDie ursprünglichen Ziele der gleiten und zusammen mit Partnerschaft waren nach 20 den Verantwortlichen in Togo Jahren zu einem guten Stück verwirklicht, und die erfolgrei- neue Hilfsmaßnahmen in die Wege zu leiten. Maurice Roberche Arbeit durch den Rat der ge arbeitet wie alle anderen Gemeinden Europas preisgeMitglieder ehrenamtlich. Er krönt worden. André Marter, hält in finanziellen Dingen bezu Beginn Bürgermeister von wusst Distanz zu RegierungsPont-de-Beauvoisin und nun stellen. Die aufgebrachten Mitlängst im Ruhestand, wollte tel und Sachspenden dürfen der Partnerschaft ein neues nirgendwo versickern oder Betätigungsfeld erschließen zweckentfremdet werden. Sound ruhte nicht, bis im Jahre 1985 in den jeweiligen Partner- mit ist gewährleistet, dass sie gemeinden Vereine gegründet den Not leidenden Menschen unmittelbar zugute kommen. wurden, deren Ziel es auch heute noch ist, in gemeinsaBegonnen haben beide Vereine mer Arbeit die Lebensbedin-

Buschambulanz in Hohomegbé vor 20 Jahren war ein bescheidener Anfang. Heute profitiert vor allem das Krankenhaus in Notse in beträchtlichem Umfang von unseren materiellen und finanziellen mit der Verbesserung der Was- Zuwendungen. Vier Ärzte müssen hier die medizinische Verserversorgung in der Region sorgung von 100.000 MenHahomegbé. Es entstanden schen sicherstellen. Wegen der zwei Regenwasserrückhalteschlechten und überdies unrebecken mit über 20 Pumpen, gelmäßigen Bezahlung des Perdie heute die Trinkwasserversonals haben «Les Amis du sorgung von 5000 Menschen Togo» und die «Togohilfe»das gewährleisten. Eine segensreiche Einrichtung, die dazu bei- Jahresgehalt für einen Arzt, eigetragen hat, dass Infektionen nen Pfleger und eine Hilfskraft übernommen. Alle Gedurch verschmutztes Wasser als Nährboden für den berüch- bäude sind renoviert worden, medizinisches Gerät und Meditigten Guinea-Wurm deutlich kamente werden regelmäßig zurückgegangen sind. Im Bilaus Frankreich in großem Umdungswesen freuen sich über fang dorthin gespendet. Um 1000 Schüler in der gleichen Region über drei neue Schulge- die Kontakte auch auf eine persönliche Basis zu stellen, bäude, einschließlich des von wird dem medizinischen Pereinheimischen Handwerkern sonal aus Togo die Möglichkeit angefertigten Mobiliars. Das eröffnet, sich im Krankenhaus Gymnasium von Notse erhielt von Pont-de-Beauvoisin mit mit Unterstützung des Lycée den europäischen Kollegen Pravaz in Pont-de-Beauvoisin auszutauschen. Eher eine Visieine komplette Computerauson als ein konkreter Plan ist stattung, in Hahomegbé gibt die Absicht französischer Ärzte es jetzt dank vieler Buchspenaus Isère und Savoy, in Notse den aus Frankreich eine öfein Zentrum für Schmerzthefentliche Bibliothek. Patenrapie einzurichten und sich schaften für 19 weitere Schudabei einer Webcam als Medilen in der Region stellen sium zur Instruktion und Übercher, dass dringende Reparawachung zu bedienen. turarbeiten an den Dächern, den sanitären Anlagen und Eine eher kleine Mitgliederden Regenwasserzisternen fizahl - der Verein in Deutschnanziert werden können. land zählt gerade einmal 50 Schwerpunkt ist zur Zeit das Gesundheitswesen. Die Errich- Beitragszahler - erwirtschaftet durch den Verkauf von selbst tung und Ausstattung einer gefertigtem Kunsthandwerk und Strümpfen, der Veranstaltung von Straßenfesten, der Bewirtschaftung einer Cafeteria und einigen größeren Spenden erstaunliche Einnahmen. In den 20 Jahren ihres Bestehens hat die»Togohilfe Erbach» sich mit mehr als 120.000 Euro an der Finanzierung von Hilfsprojekten in Togo beteiligt. Auf französischer Seite kommt weniger Geld ein. Dafür gelingt es «Les Amis du Togo» immer wieder, ganze Container mit Sachspenden von Ärzten, Apothekern und Krankenhäusern zur Verbesserung der medizinischen Versorgung nach Togo bringen zu lassen. Kurz: Wir retten Leben, lindern Not und bringen Glück. (Myriam Geidel, 1. Vors. der «Togohilfe Erbach»)
Trinkwasser für 5000 Menschen in Hahomegbé Foto: Myriam Geidel

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Nr. 05/2006 | Seite 26

«A net for a net»:

Gemeinsam gegen Malaria
David Robertson ist ein Mann mit nur einem Arm und einem Bein, einem Landrover voller Moskitonetze und mittlerweile 140.000 zurückgelegten Kilometern auf dem Tacho. Ein Mann mit einer klaren Mission: Er kämpft gegen Malaria. Dabei setzt er alle Hebel in Bewegung: Er trifft Präsidenten, Journalisten und Gesundheitsminister der verschiedensten Länder, hält Vorträge, akquiriert Sponsoren, besucht Krankenhäuser und abgelegene Nomadensiedlungen und verteilt imprägnierte Moskitonetze und Medikamente. Die nackten Zahlen zeigen, warum Robertson sein Leben dem Kampf gegen Malaria verschrieben hat: 500 Millionen Menschen erkranken jährlich weltweit an Malaria, 90 Prozent davon in Afrika. Insgesamt sterben in Afrika täglich etwa 3000 Kinder unter fünf Jahren an der Erkrankung alle 30 Sekunden eines. Das ist die erschreckende Bilanz einer Statistik der WHO. Das Hauptproblem ist: es fehlen imprägnierte Moskitonetze. Moskitonetze, die etwa sieben Dollar kosten und die sich die Wenigsten leisten können. Selbst Krankenhäuser haben meistens nicht genug Netze für alle Patienten – und keine finanziellen Mittel, um zusätzliche Netze zu kaufen. nisationen und Unternehmen in ihrem Einsatz gegen die tödliche Infektion vereint. Auf seiner von 1998 bis 2008 stattfindenden Tour durch mittlerweile 59 afrikanische Länder dokumentiert er mit Hilfe der Fernsehjournalistin Julia SaWeitere Gründe für die ungebremste Ausbreitung von Mala- muël den regionalen Kampf gegen Malaria, verteilt Netze ria sind die schlechte Ausstatund Medikamente, schult und tung vieler Krankenhäuser, in denen Patienten nicht effektiv informiert die Bevölkerung und wirbt weltweit für Spengegen Malaria behandelt werdengelder. den können. Außerdem der Mangel an Moskitonetzen in den Krankenhäusern selbst: Es Der Engländer David Robertson verlor mit 18 Jahren seigibt immer wieder Fälle, bei nen rechten Arm und das denen Patienten wegen einer rechte Bein, als ein betrunkeleichten Verletzung die Klinik ner Fahrer sein Motorrad überaufsuchen und dort an Malasah. Nach diesem Unfall reiste ria sterben. Hoch-Zeit hat die Robertson um die ganze Welt. Malaria in der Erntesaison, wenn viele Menschen von Bäu- 1989 erkrankte er in Afrika an einer der schlimmsten Formen men stürzen und wegen Knovon Malaria, flog sofort nach chenbrüchen in die KrankenEngland zurück und kämpfte häuser gehen... im Norwich Hospital um sein Leben. Fünf Wochen später Neben den gesundheitlichen war er wieder auf dem Weg Auswirkungen ist die Kranknach Afrika – diesmal mit eiheit für soziale und ökonominer ganzen Menge Fragen über sche Schäden verantwortlich: Malaria im Kopf. Die erDazu gehören Kosten für schreckenden Antworten auf Prävention und Behandlung, aber auch indirekte Kosten wie diese Fragen motivierten Robertson, ein neues Projekt das verminderte Wirtschaftszu starten und nach Sponsowachstum. Das heißt, Malaria ist nicht nur die Krankheit der ren für seinen «Drive against Armut, sondern auch eine der Malaria» – der weltweit längUrsachen der Armut in Afrika. sten Autofahrt durch die höchste Anzahl an Ländern – zu suEin Teufelskreis: Bei einem Jahreseinkommen von rund 36 chen. 1998 startete der britische Aktivist seine Reise von Dollar in manchen Regionen dem World Harbor Festival in ist das erste Bestreben der Familien, alle satt zu bekommen. Rotterdam. Die wenigen Dollar für ein Seit 2000 ist David Robertson Moskitonetz sind nicht im zusammen mit Julia Samuël in Budget. Afrika unterwegs. 2003 machten die Beiden ihre Mission ofRobertsons Initiative «Drive fiziell, indem sie die Transpaagainst Malaria» findet unter rent World Foundation gründer Schirmdeten, eine Organisation, die herrschaft sich dem Kampf gegen Malaria des WHOverschrieben hat. Julia dokuPromentierte den «Drive against gramms Malaria» in der 4-teiligen Serie «Roll «Challenge Africa», die 2005 Back Maauf BBC gesendet wurde. Zurlaria» statt, zeit arbeitet sie an einer zweidas Privatsten Dokumentationsreihe. pender, OrgaDabei könnten allein mit Moskitonetzen ein großer Teil der Infektionen verhindert werden: Die Anopheles-Mücke, die den Malariaerreger überträgt, sticht nämlich nur nachts.

Kinder und Schwangere besonders betroffen
«Menschliches Leid aufgrund von Malaria ist nicht vergleichbar. Es ist wahrscheinlich das Schlimmste auf dieser Welt», sagt David Robertson, «der einzige Weg, Malaria zu stoppen, ist die flächendeckende Verteilung von imprägnierten Moskitonetzen, und das müssen wir jetzt tun.» Im Rahmen seiner Kampagne hat er bereits tausende von kostenlosen Moskitonetzen an arme Familien mit kleinen Kindern sowie an Kranken- und Waisenhäuser verteilt. Ein solches Netz bleibt fünf Jahre lang oder rund 20 Wäschen lang wirksam imprägniert und ist groß genug, einer ganzen Familie nächtlichen Schutz zu bieten. Die Imprägnierung ist für die Mücke tödlich – für den Menschen aber nicht gesundheitsschädigend. Malaria ist zum Großteil für die hohe Kindersterblichkeit von 20 Prozent bei den unter Fünfjährigen verantwortlich. Derzeit schläft jedoch nur etwa jedes siebte Kind in Afrika unter einem Moskitonetz – und nur zwei Prozent unter einem mit Insektiziden behandelten. Besonders gefährdet sind außerdem schwangere Frauen, welche für Malaria übertragende Moskitos laut einer in der medizinischen Fachzeitschrift «The Lancet» veröffentlichten Studie «für die AnophelesMücke doppelt so attraktiv wie nicht Schwangere» sind. Malaria ist Hauptursache der pränatalen Sterblichkeit, des niedrigen Geburtsgewichts und der mütterlichen Anämie in Afrika. «Ich habe aufgehört die Babys zu zählen, die unter unseren Augen sterben. Ich habe aufgehört die Krankenhäuser zu zählen, die keine finanziellen Möglichkeiten haben, Moskitonetze für alle Patienten auf-

Zusammenarbeit

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David und Julia verteilen Moskitonetze in Dörfern am Lake Malawi, einem Gebiet mit höchstem Malariarisiko

Der «Drive against Malaria» unterstützt das Tosamaganga Waisenhaus mit Moskitonetzen und Tabletten

Der rettende Landrover unterwegs in Kenia

zuhängen», erzählt Julia Samuël, «unser Ziel ist es sicherzustellen, dass es diese Netze gibt.» Eine besondere Art der Hilfe, welche unter dem Motto «A Net for a Net» läuft, leistet ab 2006 der Sponsor Tropicare, ein Hersteller von Produkten rund um Gesundheit auf Reisen. Die Idee dahinter: Für jedes verkaufte Care Plus®-Netz aus seinem Programm spendet das niederländische Unternehmen ein imprägniertes Moskitonetz an den Drive against

Malaria. Geschätzte Zahl gemäß der Verkaufszahlen der letzten Jahre: etwa 15.000 Moskitonetze pro Jahr! Der Verkaufspreis der Care Plus®-Netze im Handel bleibt trotz des Engagements unverändert. Der wichtigste Aspekt dieses Projektes liegt in der zielgerichteten und unbürokratischen Hilfestellung, wie Arnoud Aalbersberg, Geschäftsführer von Tropicare, erklärt: «Reine Geldspenden führen in Afrika häufig leider nur dazu, dass sich der Präsident einen

neuen Swimmingpool bauen lässt. Bei dieser Aktion ist das anders: Wir geben Netze aus, die direkt an gefährdete Personen verteilt werden – wie etwa Kinder oder Schwangere. Auch Schulungen zum sachgemäßen Gebrauch der Netze und zur Nachimprägnierung gehören zum Programm.» Momentan sind David Robertson und Julia Samuël in Angola unterwegs, schulen und helfen wo sie können mit Netzen und Medikamenten. Auch in Angola sehen sie viel

Leid und menschenunwürdige Verhältnisse. Aber das glückliche Lächeln einer Mutter mit ihrem von Malaria geheilten Baby auf dem Arm, zeigt ihnen immer wieder, dass sie ihrer Mission ein Stück näher gekommen sind.
(Malin Auras, Fotos: David Robertson) Wenn auch Sie helfen möchten, finden Sie weitere Informationen unter www.transparentworld.com.

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Nr. 05/2006 | Seite 28

Aids:

Nigeria:

Beschneidung der Männer soll HIV verhindern
Bei Männern könnte die Beschneidung die HIV Belastung für Afrika deutlich verringern. Zu diesem Ergebnis ist eine Studie gekommen, an der unter anderem UNAIDS beteiligt war. Die Berechnungen basieren auf Forschungsergebnisvorherzusagen. Mittels eines mathematischen Modells wurde errechnet, was passiert, wenn in den nächsten zehn Jahren alle Männer in Schwarzafrika beschnitten werden würden. Ergebnis: Innerhalb eines Jahrzehnts

Kernkraftwerk in zehn Jahren
Nigeria wird in 10 bis 12 Jahren sein erstes Kernkraftwerk in Betrieb nehmen. Es soll die Energieerzeugung verstärken und helfen, die Landwirtschaft zu entwickeln. «Die Konzeption und die Verwirklichung dieses nuklearen Projekts wird zwischen zehn und zwölf Jahre in Anspruch nehmen», erklärte ein hoher nigerianischer Regierungsbeamter anlässlich der Einrichtung des Verwaltungsrates der Energiekommission in der Hauptstadt Abuja. «Diese Frist entspricht den internationalen Forderungen, und wir können ernsthaft behaupten, dass wir die notwendigen Mittel für die Verwirklichung dieses Projekts mobilisieren können», gab er an. Nigeria wird sich strikt an die internationalen Bedingungen für die Verwirklichung

Nigeria setzt bei der Atomkraft auf internationale Unterstützung Foto: fetnat

sen, die 2005 publiziert, davon ausgingen, dass eine Beschneidung das HIV Risiko bei heterosexuellen Männern um rund 60 Prozent verringert. Ein internationals Wissenschaftlerteam nutzte Daten zu den HIV-Infektionsraten und der Verbreitung der Beschneidung bei Männern in Afrika, um eine mögliche Auswirkung

Aidspatient in einem Armenkrankenhaus im Kongo Foto: irin

dieses nuklearen Programms, das eine heikle Angelegenheit ist und daher der Zusammenarbeit und Unterstützung der internationalen Gemeinschaft bedarf, halten. (pa)

könnten zwei Millionen neue HIV Infektionen und rund 300.000 Todesfälle verhindert. In den folgenden zehn Jahren würden weitere 3,7 Millionen Infektionen und 2,7 Millionen Todesfälle nicht eintreten.
(pte)

Die Stimmen der Freiheit:

Radioprojekte in Afrika
Analphabetismus ist nach wie vor ein ausgeprägtes Phänomen in schwarzafrikanischen Ländern. Zeitungen und Zeitschriften erreichen daher meist nur die elitäre gebildete Bevölkerungsschicht, aus der indes die Entscheidungsträger kommen. Sie sind es auch, die Internet-Angebote zu nutzen verstehen – falls Strom- und Servernetze ausreichend Kapazitäten zur Verfügung stellen. Der Großteil der Afrikaner lebt aber auf dem Land, wo Zeitungen nur selten und mit Verspätung eintreffen, und wo für den Preis einer Zeitschrift zahlreiche Lebensmittel bezahlt werden können. Zudem ist es gerade die Landbevölkerung, die kaum Zugang zu Schulen oder nach einem etwaigen Schulbesuch Lesen und Schreiben verlernt hat. In Senegal hat daher der nationale Sender Radio Télévision Senegal (RTS) ein Medienprojekt für Kinder gestartet, das von Plan International gefördert wird. In Burkina Faso unterstützt die Hilfsorganisation Terre des

Sao Tomé & Principe:

Fradique de Menezes bleibt Präsident
Im ersten Wahlgang am 30. Juli schlug Fradique de Menezes, Präsident von Sao Tomé & Principe, seine beiden Gegenkandidaten. Der Amtsinhaber erzielte die absolute Mehrheit mit knapp 60% der Stimmen, sein Hauptgegner Patrice Trovoada von der Unabhängigen Demokratischen Bewegung (ADI) erreichte knapp 38 %, der dritte Kandidat, der Geschäftsmann Nilo Guimaraes, ging mit 0,58% aus den Wahlen hervor. Fradique de Menezes wurde für fünf Jahre wiedergewählt. Seine letzte Amtszeit war gekennzeichnet durch eine sehr schwierige Kohabitation mit der ehemaligen Einheitspartei, der «Bewegung zur Befreiung von Sao Tomé & Principe (MLSTP) von Premierminister Maria do Carmo Silveira, der kurzzeitig eine parlamentarische Mehrheit innegehabt hat-

Eines der wichtigen Informationsquellen: das Radio Foto: Souleymane Ouattara

Fradique de Menezes bei einem Besuch in Libreville Foto: ia

te (24 Abgeordnete, die Koalition, die Menezes unterstützte, verfügte über 23). Im vergangenen März verschoben sich allerdings die Mehrheiten zugunsten der Menezes-Partei. Der kleinen Inselgruppe mit knapp 140.000 Einwohnern steht ruhige Zeiten bevor bis 2010, dann soll dort das erste Erdöl gefördert werden. (pa)

Hommes das Frauenprojekt Radio Munyu, das im Süden des Landes vor allem Frauen und Jugendliche erreichen will. In den Hörfunkprogrammen von Radio Munyu, die auch in mehreren lokalen Sprachen gesendet werden, geht es ganz praktisch zum Beispiel um Fragen des Umweltschutzes, der Landwirtschaft, der Bodenerosion und der Wasserreinhaltung, aber auch um Gleichberechtigung und politische Bildung. (malo)

Spots

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Großbritannien:

Tschad/Sudan:

Gewinne höher als Entwicklungshilfe
Großbritannien hat im Laufe des vergangenen Jahres mehr Geld aus Subsahara-Afrika erhalten, als es Hilfe gewährt hat. Dies gab die Nichtregierungsorganisation (NRO) Christian Aid bekannt. Im Laufe der zwölf Monate nach dem G8-Gipfel in Gleneagles in Schottland im Jahre 2005 verdiente das Land fast 11 Milliarden Pfund in Afrika. Der Finanzfluss von Großbritannien nach Afrika belief sich in diesem Zeitraum auf knapp 17 Milliarden Pfund: Entwicklungshilfe, Spenden, Überweisungen von in Großbritannien lebenden Afrikanern und Direktinvestitionen. In umgekehrter Richtung flossen über 27 Milliarden Pfund: Schuldenrückzahlungen, Gewinne britischer Firmen in Afrika, britische Exporte und Kapitalflucht, berechnete die NRO. Claire Melamed, Wirtschaftsanalytikerin bei Christian Aid: «Diese Zahlen zeigen, dass sogar in einem Jahr, wo Afrika zur Priorität erklärt wurde, die reichen Länder weitaus mehr Reichtümer aus Afrika abziehen als sie dem Kontinent zukommen lassen. «Die britische Regierung und auch die Bevölkerung denken manchmal, dass wir, weil wir mit zu den größten Hilfeleistenden zählen, dazu beitragen, die Armut zu bekämpfen. Das ist ganz einfach nicht der Fall», erklärt sie. Die Hauptverantwortlichen für diese Schieflage sind nach Christian Aid die großen Unternehmen und die Geschäftsleute, deren Gewinne in Subsahara-Afrika sich im vergangenen Jahr dank der Kapitalflucht auf 22 Milliarden Pfund (31,74 Milliarden Euro) belaufen haben. «Dieses Geld hätte vor Ort Rücklagen darstellen können, statt dessen schläft es in britischen Banken», klagt Claire Melamed. Ihres Erachtens müsste «die britische Regierung Maßnahmen ergreifen, um mit Steuernischen aufzuräumen und das Bankgeheimnis aufheben, das solch eine Kapitalflucht erlaubt».
(pa)

Ende der Feindseligkeiten

Anlässlich der Feierlichkeiten zur Vereidigung für seine dritte Amtszeit haben der tschadische Präsident Deby und sein sudanesischer Amtskollege Omar el Beschir am 8. August die Aussöhnung ihrer Länder besiegelt. Der Sudan und der Tschad hatten sich in den vergangenen Monaten vorgehalten, regierungsfeindliche Rebellen im jeweiligen Nachbarland zu unterstützen. Im Dezember hatte Deby erklärt, er sehe sein Land «im Kriegszustand» mit dem Sudan. Im April brach er die

Flüchtlingsfrauen reparieren ihre Hütten im Sudan Foto: Paul Jeffrey/UMCOR

diplomatischen Beziehungen zum Sudan ab, nachdem bei einer Rebellenoffensive auf N’Djamena hunderte Menschen starben. Der Tschad beschuldigte den Sudan, die Rebellen zu unterstützen. Der Sudan warf dem Tschad vor, den Rebellen in der Grenzregion Darfur zu helfen. Die seit April geschlossenen Botschaften im jeweiligen Nachbarland sowie auch die Grenze zwischen beiden Ländern wurden wieder geöffnet. (pa)

Togo:

Äquatorialguinea:

Obiang Kandidat 2009
An der Macht seit 1979, ist Äquatorialguineas amtierender Präsident Teodore Obiang Nguema von seine Parteigenossen als Kandidat seiner Partei, der PDGE, für die Präsidentschaftswahlen 2009 wiedergewählt worden. Gleichzeitig wurde der «einzige und natürliche» Kandidat der PDGE für weitere fünf Jahre an die Spitze der ehemaligen Einheitspartei berufen. Keine überraschenden Nominierungen, zumal im Laufe des Parteikongresses seine Verdienste ausgiebig gepriesen wurden. Er habe die Modernisierung der Städte vorangetrieben, eine Partei geschaffen, die Massen mobilisieren könne und erfolgreich politische Erfahrung gesammelt, hieß es

Fernsehwerbung für Medikamente, Alkohol und Tabak gestoppt

Die «Haute autorité de l’audiovisuel et de la communication au Togo (HAAC)» (Oberste audiovisuelle und Kommunikationsbehörde) hat die togoischen Privatfernsehsender dazu verpflichtet, ab 1. Oktober Der «einzige und natürliche Kandidat 2006 keine mehr Foto: uno Werbung für Medikamente, Alu.a. Der 64-jährige General kohol und Tabak auszustrahObiang Nguema führt Äquato- len. rialguinea seit einem StaatsInsbesondere bei Medikamenstreich im Jahre 1979. Trotz tenwerbung handelt es sich oft des Ölbooms seit den neunzium Produkte, die von traditioger Jahren – das Land ist Subnellen, selbsternannten «Doksahara-Afrikas drittgrößter toren» und «Professoren» angeRohölerzeuger – lebt die Mehr- boten werden, die angeblich heit seiner halben Millionen eine große Anzahl von KrankEinwohner weiterhin in heiten heilen könnten, darunArmut. (pa) ter auch Aids.

Ob «echt» oder «selbsternannt»: werben darf Herr Dr. nicht mehr Foto: irin

«Es gibt zwar bereits eine Verfügung, die die Werbung für derartige Produkte untersagt», sagt Philippe Evegnon, Vorsitzender der HAAC, «aber die Medien haben sich einfach nie daran gehalten. Damit ist zum 1. Oktober endgültig Schluss»!
(pa)

Sport

Nr. 05/2006 | Seite 30

Roger Milla:

«Nie wieder Rassismus, weder in Stadien noch anderswo!»
Laufbahn eines «unbezwingbaren Löwen»: Der Kameruner Albert Roger Miller, genannt Roger Milla, unterzeichnet bereits mit 13 Jahren seinen ersten Spielervertrag. Auftakt zu einer brillanten Fußballerkarriere in Kamerun, die ihren ersten Höhepunkt 1976 mit der Verleihung des afrikanischen Goldenen Fußballs erfährt. Milla wechselt danach von der kamerunischen Nationalmannschaft nach Valenciennes, Monaco, Bastia, Saint-Etienne und Montpellier, allein in den französischen Mannschaften schoss er insgesamt 152 Tore. Dennoch hat er insbesondere die kamerunische Nationalmannschaft geprägt - von seinem ersten Tor 1978 bis zu seiner letzten Teilnahme an der WM 1994, wo er mit 42 Jahren als ältester Torschütze der Fußballgeschichte teilnahm. Den Goldenen Fußball erhielt er erneut im Jahre 1990. Durch Vermittlung von AFRIEVENT Berlin konnte AFRICA live ihn am Rande der Fußball WM für ein Interview gewinnen. Roger Milla, Sie waren der Star des Fußballs in den 80-er und 90-er Jahren? Wo leben und was machen Sie heute? Ich lebe abwechselnd in Yaoundé in Kamerun, wo ich Botschafter beim Präsidialamt bin, und in Montpellier in Frankreich. Die afrikanischen Teilnehmer an der WM 2006 waren recht schnell von der Bildfläche verschwunden. Woran lag’s? Klar sind sie schnell verschwunden, aber ich bin dennoch sehr stolz auf sie. Sie haben einen hervorragenden Fußball gezeigt, das Problem waren eigentlich nur die Schiedsrichter. Ganz toll fand ich Ghana, die gleich bei ihrer ersten WM-Teilnahme ins Achtelfinale kamen. Stimmt es, dass Afrika in Bezug auf den Fußball ausblutet, dass skrupellose Manager unterwegs sind, die dort Jugendliche, die davon träumen, Fußballstar zu werden und viel Geld zu verdienen, mit großartigen Versprechungen, die sie ropäischen Mannschaften, ist das gut oder schlecht für Afrika? Ich finde das positiv. Die Spieler machen weitere Fortschritte im Ausland, was nicht nur für ihre persönliche Entwicklung gut ist. Sie wissen dadurch bei späteren Gelegenheiten wie z.B. einer Weltmeisterschaft, wie man sich an den europäischen Mannschaften messen muss. Deshalb mein Rat an alle, die noch zu Hause sind: Arbeitet, arbeitet, arbeitet, damit ihr so gut werdet, dass ihr in eine europäische Mannschaft kommt!
Botschafter der WM 2010: Roger Milla Foto: ia

Fall werden sich alle sehr abstrampeln, denn wer sich schon bei der CAN profiliert, hat gute Chancen, zwei Jahre später bei der WM 2010 dabei zu sein. Vor über zehn Jahren hat mir eine kamerunische Freundin eine CD von Ihnen geschenkt. Wie steht’s mit ihrer Musikkarriere? Da läuft im Moment nichts, standby sozusagen (lacht). Ich habe zwei Stück aufgenommen, eine für Unicef und eine andere, man tritt auch oft an mich heran, um weiterzumachen. Die Karriere eines Musikers endet nie, man kann mit 90 noch Musik machen, da bleibt mir ja noch Zeit. Haben Sie noch andere Zukunftspläne? Wichtig ist mir meine Stiftung «Coeur d’Afrique», in deren Rahmen ich in Kamerun Waisenhäuser errichte. Ich schreibe an viele Prominente und bitte sie um Unterstützung, damit Waisenkindern geholfen wird. Ein Wort zum Schluss für unsere fußballbegeisterten Leser? Meine Botschaft ist ganz einfach: Wir wollen keinen Rassismus mehr in den Stadien, denn Fußball ist kein Anlass für Bösartigkeit sondern ein Grund zur Freude. Helft alle mit, dass es nie wieder Menschen verachtende Äußerungen und Taten geben wird, weder im Sport noch anderswo!
(Interview: Ingrid Aouane)

Was wird in vier Jahren sein, wie werden die afrikanischen Roger Milla und Albert Minlend Mannschaft bei der WM 2010 (Afrievent) im Deutschen Bundestag dastehen? Welche Erwartungen Foto: Alain Ndjock haben Sie? Sehr hohe. Ich will jetzt die, hinterher nicht halten, aus die 2006 teilgenommen haben Oft wird ja auch der schlechten ihrem Umfeld reißen? nicht schlecht machen, aber Organisation seitens der afrika- Dieses Vorgehen prangere ich schon seit Ewigkeiten an. Aber wenn z.B. Nigeria, Senegal nischen Verbände die Schuld nicht nur diese «Talentsucher» oder Kamerun dabei gewesen zugeschoben, z.B. die beschäwären, hätte bestimmt eine menden Vorfälle bei den Togo- sind schuld daran, sondern afrikanische Mannschaft im noch viel mehr die Eltern, die lesen. Halbfinale gestanden. Jetzt ihnen ihre Kinder anvertrauDas war ein besonderer Fall, müssen wir uns gut vorbereiden wir alle sehr bedauert ha- en. Sie müssen einsehen, dass ten, denn die nächste WM ist ben. Aber das wird für alle an- ihr Sohn, wenn er schon für unsere, die Afrika-WM! Ich deren Spieler und Fußballver- eine Mannschaft in der Heiwerde als designierter WM-Botmat nicht gut genug ist, es antwortlichen der jeweiligen schafter meinen Teil dazu beiganz bestimmt in Europa erst Länder eine Lehre sein. Die tragen. Prämien müssen spätestens ei- recht nicht schaffen wird. Sie müssen sich zuerst vor Ort nen Monat vor Spielbeginn Der Afrikacup wird 2008 in eine gute Technik aneignen ausgezahlt sein, man kann Ghana stattfinden, die Qualifinicht von den Spielern verlan- and dann ins Ausland gehen, kationsspiele beginnen in Küransonsten irren sie später gen, einfach so nur für ihr Land zu spielen und zu gewin- nach ihrem Misserfolg im Aus- ze. Ihre Prognose? Na, ich kann doch hier keine nen. Das ist unehrlich, und so land herum, und niemand Prognose stellen. Jeder wird kümmert sich um sie. etwas darf sich niemals wieseine Chance haben, und auch derholen – und das wird es hier geht’s um die psychologiDie meisten großen afrikanimeiner Meinung auch ganz sche Vorbereitung. Auf jeden schen Fußballer spielen in eubestimmt nicht.

Sport

Nr. 05/2006 | Seite 31

WM 2010 in Südafrika:

Mbeki verspricht «Beeindruckendste WM der Geschichte»
die für ihn schon lange eine Herzensangelegenheit ist, bezeichnete er als «einen Akt der Gerechtigkeit für den afrikanischen Kontinent». Sicherlich wäre Südafrika stolz, der ganzen Welt seine organisatorische und logistische Kapazität und seine Kreativität an einem derart ehrgeizigen Projekt zu demonstrieren. Das Logo in den Landesfarben symbolisiert Dynamismus, Kraft und afrikanische Einheit, ein Fußballspieler überlagert den Hintergrund, der aus einer stilisierten Karte Afrikas besteht. Die neun StädGanze federführend durchführen. Sie wird die privaten und öffentlichen Subventionen erhalten und sich an der Finanzierung der Arbeiten zur Verbesserung der sportlichen Infrastruktur beteiligen.

Am 15. Mai 2004 bekam Südafrika den Zuschlag, die Fußball-WM 2010 zu organisieren, nachdem Afrika – entgegen aller Versprechen, die zuvor von der Fifa und den europäischen Ländern gegeben wurden - die Ausrichtung der letzten WM durch die Lappen gegangen war. Nachdem im Jahre 2000 der Grundsatz einer rotierenden Organisation von einem Kontinent zum anderen beschlossen wurde, konnte man zwar nun eine afrikanische Bewerbung nicht mehr ablehnen, dennoch war das persönliche Engagement von Nelson Mandela erforderlich, damit sich der Zeiger der Waage endgültig in Richtung Tswane neigte. Am 7. Juli 2006 stellten im Berliner Tempodrom im Rahmen

Zweifellos werden die Südafrikaner alles unternehmen, um dem deutschen Organisationsvorbild so nahe wie möglich zu kommen. Das Land wird vermutlich angesichts seiner neu gewonnenen post-Apartheid-Identität auf modernes Know-How setzen und insbesondere die afrikanische Authentider laufenden WM der südafrizität kanische Präsident und das Orals beganisationskomitee das Logo deuder WM 2010 vor, und Präsitende dent Thabo Mbeki schwor feiAchse erlich, «die beeindruckendste herWM der Geschichte» zu organivorhesieren. Er sicherte zu, dass sein ben. Land dieses Versprechen halEs ten würde und betonte, diese wird WM-Ausrichtung käme genau natürlich auch die Gelegente und die zehn Stadien, die zum richtigen Zeitpunkt, so sich der Verantwortung stellen heit nutzen, die lokale Touriswie die Weltmeisterschaft musindustrie zu fördern, angewerden müssen, den weltweit 1954 Deutschland wieder sichts der Bauaufträge werden populärsten sportlichen WettSelbstbewusstsein in der schwierigen Nachkriegszeit ge- bewerb zu beherbergen, stehen auch das Handwerk und andefest: Zwei in Johannesburg, so- re Sparten aus Industrie und geben habe. Dienstleistungen beachtlich wie weitere in Bloemfontein, aufblühen. Wie wär’s z.B. mit Kapstadt, Durban, Nelspruit, Auch FIFA-Chef Sepp Blatter einem Fußball made in Africa? Polokwane, Port Elizabeth, zeigte sich in Bezug auf die Twane (ex Pretoria) und RuVorbereitungen für 2010 opti(Text & Fotos: ia) stenberg. Die SAFF, eine 2005 mistisch: «Wir vertrauen Südgegründete südafrikanische afrika.» Die erstmalige AustraFußballstiftung, wird das gung des Weltcups in Afrika,

Porträt

Nr. 05/2006 | Seite 32

Uganda:

Zur Person:
Millicent Richards wurde am 10. Oktober 1980 in Nairobi, Kenia, als Tochter eines Ökonomen und einer Rechtsanwältin geboren. Sie studierte Jura, arbeitete als Rechtsanwältin in Kenia und Uganda und verbrachte einige Zeit in den Niederlanden. Ihre journalistische Laufbahn begann sie Anfang 2000 bei einer Frauenzeitschrift in Ägypten, später schrieb sie für Sudan Daily. Seit letztem Jahr schreibt sie «A Woman’s Journal» für den Weekly Observer. Daneben engagiert sie sich in der Organisation V-Day. Zurzeit lebt sie in Johannesburg, Südafrika. Ihre Texte können unter http://www.ugandaobserver.c om/new/easy/relation/index.php abgerufen werden. ebenso die der Vergewaltigungen und ehelicher Gewalt, der Kampf gegen FGM stagniert. Sie haben auch in Europa gelebt. Was fiel Ihnen im Umgang der Geschlechter dort besonders auf? Am meisten wohl die verschiedene Auffassung von Ehe. Hier in Uganda meinen die meisten Leute, dass die Ehe zwar das Ziel jeder Frau bedeute, dass sie aber automatisch den Platz hinter ihrem Ehemann einnehmen müsse. Am deutlichsten wird das daran, dass emanzipierte Frauen in Uganda als «unheiratbar» gelten. Wie stehen Sie zum Begriff Feminismus? Als «verabscheuungswürdige Feministin» bezeichnet zu werden, schockiert mich überhaupt nicht. Ich würde meine Weiblichkeit gegen nichts eintauschen wollen, und wie alle Frauen meiner Familie definiere ich Weiblichkeit als Feminismus. Er macht mich zu der, die ich bin, und für ihn bin ich bereit, zu kämpfen. Was meine Kritiker darunter verstehen, kann ich nicht sagen. Aber meist bin ich als Feministin «beschimpft» worden, wenn ich mich anders verhielt als eine Fußmatte.
(Andrea Meyer-Tuve)

Streitbare Journalistin provoziert mit Kolumne
Sex ist ein Thema in Uganda. Nicht nur wegen der erfolgreichen HIV-Präventionskampagne während der 90er Jahre, mit der das ostafrikanische Land zu einem Musterland für schwierige Fälle weltweit avancierte. Wer eine ugandische Zeitung aufschlägt, findet im Ratgeberteil Liebe, Beziehung und Sex in allen Facetten diskutiert. Eine der deutlichsten Stimmen in diesem Teil des Blätterwaldes gehört der Juristin Millicent Richards, 26, vom Weekly Observer, einer unabhängigen Wochenzeitung mit Sitz in der Hauptstadt Kampala. Mit ihrer expliziten Sprache und ihrer Vorliebe für heiße Eisen hat sie «A Woman’s Journal» (Tagebuch einer Frau) eine Gruppe von treuen Lesern erschrieben – entrüstet die einen, hellauf begeistert die anderen. Africa Live sprach mit ihr über Feminismus in Afrika, ihren Bruch mit Traditionen und ein Wort, das ihr besonders am Herzen liegt. worden waren. Diese Erlebnisse verursachen mir noch heute Alpträume und machen mich sehr wütend. Aber ich schreibe auch über weniger spektakuläre Aspekte dieses Themas, die Schädlichkeit von Stringtangas z.B. oder die abnehmende Zahl von vaginalen Geburten. Und ich will Frauen den Stolz auf ihren ganzen Körper wiedergeben! Nicht zuletzt ist das Wort Vagina dafür verantwortlich, dass ich «A Woman’s Journal» überhaupt begonnen habe.

Journalistin mit offener Sprache: Millicent Richards Foto: amt

Die Wahrheit wird dich frei machen. Aber zuerst wird sie dich ankotzen.

Glauben Sie, mit ihrer Arbeit auch zur Gleichstellung von Frauen in Uganda beizutragen? Ach, wissen Sie, die politiWie genau kam es dazu? schen Umbrüche der letzten Auslöser des Ganzen war eiJahrzehnte haben dieses Thegentlich das staatliche Verbot ma durchaus gefördert. Es gibt des Theaterstückes «The Vagieine Reihe mutiger Aktivistinna Monologues» von Eve Ensnen, die den Mund aufmaler, das im Frühjahr 2005 Premiere in Kampala haben sollte. chen. Insofern fühle ich mich Ich war Teil der Theatertruppe eher, als ob ich einer Liga von engagierten Frauen beigetreund über das Verbot derten wäre. Und das macht mich maßen aufgebracht, dass ich sehr stolz. Zugleich gibt es in unbedingt Druck ablassen musste. Mein erstes Stück hieß diesem Land noch immer unhaltbare Zustände im Leben «Warum wir vor dem ‚V-Wort’ Was hat Sie veranlasst, eine zurückschrecken», das war am der Frauen. Und oft tragen selSexkolumne zu schreiben? ber zu ihrer Ohnmacht bei. Nun, ich selber verstehe meine 5. Mai 2005. Von da an lief es Kolumne eher als eine, die Pro- eigentlich von selbst. Inwiefern? bleme von Frauen behandelt, Ihre Sprache ist sehr offen. Wie Sie haben über Jahre Präsident politische, wirtschaftliche, Yoweri Museveni unterstützt, physische und psychologische. reagieren die Menschen darder ihnen versprochen hatte, auf? Viele Menschen glauben, ich schriebe nur über Sex, weil ich Sehr negativ bis absolut begei- sie «aus der Küche und in die Politik» zu holen. Die bisher stert. Ich war schon als Kind so oft das Wort «Vagina» verreichlich bescheidene Erfolgseine sehr selbstbewusste Perwende. quote der Regierung in den son. Meine Mutter sagte mir regelmäßig, ich würde irgend- dringendsten Problemen fällt Was genau ist Ihnen denn an dabei unter den Tisch. Zwar wann Ärger mit der Geselldiesem Wort so wichtig? hat Uganda seit 1986 eine Reischaft bekommen. In «A WoDie Vagina durchzieht mein he von Gleichstellungsgesetman’s Journal» spreche ich Leben und meine Arbeit wie zen verabschiedet. Nach der Dinge aus, die die Öffentlichein roter Faden. Wenn dieses keit nicht hören will. So etwa, Einführung einer Gender-QuoWort den Weg in unsere Alltagssprache findet, kann es die dass die Gesellschaft Masturba- te vor 15 Jahren gehen wesentlich mehr Mädchen auf die tion als etwas Positives akzepMarginalisierung weiblicher Universität als früher; nachtieren akzeptieren solle. Ich Sexualität aufheben. Die Bedem ein Drittel der politischen wünschte, sie hätten damals schneidung der Vagina, die in Wahlämter für Frauen resermeine Emails sehen können… Teilen Ugandas immer noch viert wurden, wuchs praktisch Manche Leser empfehlen mir praktiziert wird, ist wohl die den Psychiater, manche wollen über Nacht eine neue Politikekrasseste Form, Frauen zu unrinnengeneration heran. Interdrücken. Ich habe im Mbale es noch viel genauer wissen. Distrikt im Osten Ugandas Op- Als ich den Umgang des Islams zwischen werden die meisten mit der Menstruation kritisier- Vizeposten in Politik und Wirtfer von fehlgeschlagenen Beschaft an Frauen vergeben. schneidungen gesehen, ich bin te, bekam ich eine Reihe von Zurechtweisungen aufgebrach- Aber unterhalb dieser Ebene in den Norden Ugandas gegibt es beunruhigende Entter Muslime. Einer von ihnen reist, um in Gulu mit Frauen lobte aber andere meiner Arti- wicklungen in Ugandas Frauzu sprechen, die zum Zwecke enfragen. Die Rate der Teenakel und wünschte mir alles der Kriegsführung vergewalgerschwangerschaften steigt, Gute. Ich denke, so läuft es: tigt und unfassbar verletzt

Kultur und Literatur

Nr. 05/2006 | Seite 33

Senait Mehari:

«AFRICA live Roll Back Malaria-Konzert in Dakar»:

Wüstenlied
Nach ihrem autobiographischen Buch «Feuerherz» erzählt Senait Mehari in „Wüstenlied“ von ihrer – temporären – Rückkehr nach Afrika, um nach ihren Wurzeln zu suchen. Kein einfaches Unterfangen, Eritrea ist vom Krieg zerstört, in ihren ehemaligen Kinderheimen schlägt ihr Schweigen entgegen, und auch ihre Familie gibt erst nach und nach Geheimnisse preis. So lernt Senait nicht nur eine ihr bisher unbekannte Großmutter kennen, sondern auch einen leiblichen Bruder, von dessen Existenz sie bisher nichts wusste. Auch die Fortsetzung der Lebensgeschichte des «Kofferkindes» ist ein Abenteuer, natürlich weni-

Afro-Woodstock vom Feinsten
Organisiert von Youssou N’dour, fand das Africa Live Benefizkonzert im März 2005 in Dakar statt. Das Konzert war Teil der Kampagne „Roll Back Malaria“ und unterstützt den Kampf gegen die Krankheit Malaria, der jährlich zwei Millionen Menschen vor allem in Afrika zum Opfer fallen. Während der Konzerte wurde von Mick Csáky und Pierre-Olivier Bardet ein 120-minütiger Dokumentarfilm gedreht, der das Ereignis dokumentierte. Ein Konzert in Afrika und für Afrika, mit ausschließlich afrikanischen Künstlern wie Youssou N’Dour, Salif Keita, Tinariwen, Baaba Mal, Angélique Kidjo u.v.a. – ein Hochgenuss für Fans! Darüber hinaus zeigt der Film auch verschiedene Interviews zum Thema Malaria in Afrika, das Leben mit der Krankheit und mögliche Strategien zu ihrer Bekämpfung und zur Vorsorge werden dokumentiert. Ein sehr informativer Dokumentarfilm, typisch für Afrika: Betroffenheit und Engagement mischen sich mit unerschütterlicher Lebensfreude. Wirklich empfehlenswert! (sl)

ger dramatisch, aber auch mit Höhen und Tiefen.
320 Seiten, Verlag: Droemer/Knaur, ISBN: 342627387X , 16,90 Euro

CD-Tipp:

Putumayo World Music presents ACOUSTIC AFRICA
Der afrikanische Kontinent ist nicht nur von Trommeln und Rhythmen geprägt, das Gesicht der modernen AfroKulturen bestimmen auch die sanft schwingenden kreolischen Takte, der “Blues” Malis, die eleganten Melodien der Liedermacher vom Kongo bis zum Kap. Eine wunderbare Spätsommerplatte: Niemals sind dem Senegal, Mali, der Elfenbeinküste, dem Kongo, Guinea-Bissau, den Kapverden, Benin, Madagaskar und Südafrika so ungeahnt intime Momente entlockt worden. Die Künstler: Dioal, Eneida Marta, Rajery, Angélique Kidjo, Vusi Mahlasela, FayaTess & Lokua Kanza, Laye Sow, Gabriela Mendes, Habib Koité, Dobet Gnahoré, Manecas Costa und Djélimady Tounkara. Ein Teil der Erlöse aus dem Verkauf von Acoustic Africa geht an Mercy Corps und OXFAM. Zum Release der CD startet Putumayo World Music eine weltweite Tournee mit drei auf der CD vorgestellten Künstlern, Habib Koité, Vusi Mahlasela und Dobet Gnahoré. In Deutschland wird am 8. Oktober Vusi Mahlasela live beim Acoustic Africa Concert im Tollhouse in Karlsruhe zu sehen und zu hören sein! (sl)

Zakes Mda:

Der Walrufer
Der Walrufer, ein Eremit, der in dem südafrikanischen Ort Hermanus lebt, wo die Glattwale überwintern, hat die Fähigkeit, mit seinem Horn die Wale zu rufen. Sein Liebling unter ihnen ist Sharisha, ein Glattwalweibchen. Sein Leben dreht sich ganz um seine tägliche Kommunikation mit ihr, eine Zuneigung, die der alkoholsüchtigen Saluni, die eines Tages in ihren roten Stöckelschuhen in die Idylle einbricht, ein Dorn im Auge ist. Eine bittersüße, humorvolle und traurige Dreiecksgeschichte über einen Mann, einen Wal und eine Frau – in dieser Reihenfolge, gleichzeitig amüsant und liebevoll erzählt, eingerahmt von Outsider-Figuren wie z.B. neunjährigen Zwillingsmädchen, deren

engelsgleiche Stimmen ihren bösen Charakter verdecken.
282 Seiten, Unionsverlag, ISBN: 3293003648, 19,90 Euro

Jux

Nr. 05/2006 | Seite 34
schwarzen Farmern, denen er die 4000 Farmen ehemaliger weißer Besitzer überlassen hat, gedroht, dass er ihnen die Ländereien wieder wegnähme, wenn sie nicht mehr und besser produzierten. Die sind aber auch so was von undankbar: Da haben sie schon so einen weitsichtigen Präsidenten, der eine geniale Entkolonialisierung in Form einer Landreform mittels Enteignung fast aller Weißen vorgenommen hat (zugegeben, es ging alles ein bisschen schnell und brachial vor sich), und dann waren sie derart faul, dass es zu einer wirtschaftlichen Krise kam, die dazu führt, dass der ehemalige Kornspeicher Afrikas jetzt zu 80% von ausländischer Hilfe abhängt. Kann einem echt Leid tun, der Mugabe.

Reporter Satir’s Kolumne

Ach Afrika! Viele reden oder schreiben darüber ohne die geringste Ahnung zu haben. Z.B. Heiner Lauterbach. «Afrika, dieses Land ist schicksalhaft für uns, hier wurde auch

mehr als 30 international führende Zeitungen druckten kürzlich die erfundene Geschichte eines britischen Farmers über seinen angeblichen Export von Galgen nach Afrika, und sogar Amnesty International protestierte gegen diesen Export von Tötungseinrichtungen nach Simbabwe und Libyen. So ist es: Afrika werden solche Brutalitäten sogleich zugetraut, journalistische Nachforschungen zur Überprüfung des Wahrheitsgehalts solcher Meldungen sind im Falle dieses Kontinents völlig überflüssig. Dass solche üblen Länder auch noch über schöne Botschaften in Berlin verfügen, ist dann auch manchem ein Dorn im Auge. So entdeckte ich neulich zufällig in einem Internetforum folgenden Kommentar eines Anwohners einer afrikanischen Botschaft in Berlin-Dahlem: «Wie kann eines der ärmsten Länder Afrikas eine derart feudale Botschaft in Berlin - also ein Millionenobjekt – erwerben? Wie ist dies mit den armen Menschen, die teilweise unter der Armutsgrenze leben, verein-

IV-Empfänger in Deutschland sollten auch deutsche Botschaften weltweit dürftiger gestaltet werden. Das wäre gelebte Solidarität! Jedem das, was er verdient – das ist auch das Motto des Präsidenten von Äquatorial-

Bauern, an die Arbeit!

Der Exportschlager

unsere Tochter Maya gezeugt» soll der Schauspieler gesagt haben, als er in Südafrika von der zweiten Schwangerschaft seiner Frau erfuhr. Aha. Aber leben wird das Kind sicherlich im Land Europa, oder? Ebenso
Schluss mit lustig

So wärs richtig

hieß es in einer PR-Meldung des Pressebüros Südsauerland für bilderwelt.de über Afrika: «Die unglaubliche Magie dieses einzigartigen Landes ist Magnet für Abenteurer aus aller Welt». Der britische Sender BBC und

bar? Sind es Entwicklungsgelder der Bundesrepublik, mit denen diese erworben werden?» heißt es da u.a. Genau, Betrüger sind sie auch alle noch! Recht hat er: Eine Botschaft ist kein Statussymbol sondern muss den ökonomischen Zustand des entsprechenden Landes repräsentieren. Da Afrika ja sowieso ständig als ein einziges Land betrachtet wird, sollte es auch nur über eine gemeinsame bescheidene Botschaft z.B. in Berlin-Marzahn verfügen! Und das gilt nicht nur für Afrika: Angesichts der vielen Hartz

guinea: Er will den Armen in seinem Kleinstaat den Genuss von Alkohol untersagen. «Die Armen haben keinen Grund, Alkohol zu trinken», sagte er. Er habe deswegen Anweisungen gegeben, die Alkoholsteuer so weit anzuheben, dass der Alkoholgenuss künftig nur «den reichen Leuten vorbehalten ist». «In unserem Land existiert Mangel, und Mangel hängt zusammen mit der Mentalität der Menschen.» Äquatorialguinea ist der drittgrößte Ölproduzent südlich der Sahara. Trotz der enormen Öleinnahmen rangiert die frühere spanische Kolonie nur auf Rang 121 der UNO-Liste über die menschliche Entwicklung. Die Zivilbevölkerung profitiert kaum vom Ölreichtum. Eben, alles eine Frage der Mentalität. Präsidiale Anordnungen sind in Afrika tatsächlich manchmal sehr ungewöhnlich: Simbabwes Staatsherr Robert Mugabe, bekannt für seine radikale Haltung Schwulen gegenüber (Schwule seien «niederer als Schweine und Hunde» und Homosexualität «eine Seuche») hat seine Gesetze gegen Homosexualität verschärft. Es wurde ein Gesetz über «Sexuelle Abnormalitäten» angenommen, was nun untersagt, dass zwei gleichgeschlechtliche Personen sich bei der Hand fassen. Omi, lass dein Enkeltöchterchen los, der Löwe wirds schon nicht fressen! Auch sonst fährt er harte Geschütze auf: So hat er kürzlich den

Dogging-Schuhe

Für die einen sind Hunde etwas Niedriges, für andere eine Quelle der Inspiration: Mama Dédé, nicht mehr ganz taufrische aber sehr beliebte gabunische Sängerin, hat jetzt eine Bekleidungskollektion herausgebracht namens Creachy (zusammengesetzt aus Création und Chien = Hund). Der Gag dabei: Man trägt völlig verschiedene einzelne Schuhe und passend dazu Hosen mit verschiedenfarbigen Hosenbeinen. Genial, oder? Auf so etwas muss man erstmal kommen! Ursprung dieser kreativen Idee: Mama Dédés Hund, der eines Nachts einen Großteil ihrer Schuhe angeknabbert bzw. zerbissen hatte, so dass sie nur noch teils unversehrte Einzelschuhe vorfand. Dogging-Schuhe sozusagen. Herzlichst Ihr

Satir

Termine

Nr. 05/2006 | Seite 35
Omar Sosa Foto: lala

Termine
Veranstaltungen/Festivals
05.09.06 bis 16.09.06: 6. Internationales Literaturfestival Berlin, Haus der Berliner Festspiele 15.09.06 bis 17.09.06: Festival der Kulturen Campus der Universität Hamburg - Allende Platz 27.10.06 bis 29.10.06: Südafrika Tage 2006 in Hamburg, Crown Plaza 06.10.06 bis 11.10.06: «Heimspiel» 1. Theaterfestival der Kulturen Stuttgart - versch. Locations 09.09.06: Afrika trifft Mannheim - Afrikanisches Sommerfest Mannheim Foyer der Uni-Mensa 24.09.06: 6. Festival Son Cuba Fabrik Hamburg 30.09.06 bis 03.10.06: Afrikamarkt-Benefiz – Karibuni Strandterrasse und Uferpromenade am Steinhuder Meer Wunstorf 31.10.06 bis 01.11.06: Südafrika Tage 2006 in Berlin, Hilton Berlin
mehr unter: http://www.afroport.de/em_veranstaltungen_festivals.php

Ausstellungen
24.09.06 bis 28.09.06: Adieu l’Excision! Auf Nimmerwiedersehen, Beschneidung! Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung, Dillingen a.d. Donau 27.10.06 bis 30.11.06: Aktuelle Afrikanische Kunst Neue Galerie Landshut 10.09.06 bis 29.11.06: Vom Himmel über Afrika ÜberseeMuseum Bremen 31.08.06 bis 01.10.06: Sansibar ins Gesicht geschaut. Fotosafari auf der ostafrikanischen Insel, Werkstatt der Kulturen, Berlin 31.08.06 bis 01.10.06: Tingatinga. Quadratmalerei aus Tansania, Werkstatt der Kulturen Berlin

Konzerte – Tanz – Theater - Zirkus
10.09.06: Cécile Verny Quartet Blue Note Osnabrück 14.09.06 bis 04.11.06: André Heller präsentiert: AFRIKA! AFRIKA! Das magische Zirkusereignis vom Kontinent des Staunens – Düsseldorf 29.09.06: Khaled - Kölner Philharmonie - Köln 10.10.06: Amadou und Mariam, Leverkusener Jazztage – Leverkusen 22.09.06: Pierrick & friends, Mensa bei den Gymnasien - Alte Spohnturnhalle, Ravensburg 23.09.06: Cécile Verny Quartet, Unterfahrt München 24.09.06: Argile Kuno, Nürnberg 27.09.06 bis 28.09.06: Dido & Aeneas in Africa nach Henry Purcell, Gasteig München 29.09.06: Cécile Verny - European Songbook, Stadthalle Triberg 07.10.06: Orak Naa Naa – Duo, Reitstadel Neumarkt 13.10.06: Pierrick & friends Jugendzentrum Molke, Friedrichshafen 21.10.06: Cécile Verny Quartet, Stuttgarter Kulturnacht im Landtag Stuttgart 25.10.06: Lyambiko - Love … and then, Fürstenfeldbruck

Trommelworkshops, Ballettzentrum Grünwald 29.09.06 bis 01.10.06: Afrikanisches Trommeln und Tanzen mit Francis Zonon aus Benin, Turnerheim, Annweiler am Trifels 30.09.06 bis 03.10.06: AfroTanz AustauschTreffen, Tanzfabrik Nürnberg 05.10.06: Afrikatag für Kinder, Förderschule St. Christina, Ravensburg 07.10.06 bis 08.10.06: Afrikanischer Tanzworkshop Förderschule St. Christina, Ravensburg 14.10.06:Trommeln für Anfänger (Erwachsene) mit Uschi Freudigmann VHS Eching, Eching 14.10.06 bis 15.10.06: Balafonworkshop mit Momo in Nürnberg Kinderhort St. Kunigund, Erlangen-Eltersdorf 14.10.06: Trommeln (Schulkinder bis 10 Jahre) mit Uschi Freudigmann VHS Eching, Eching 19.10.06 bis 22.10.06: Eröffnung des IAM - Europäisches Institut für Afrikanische Musik mit Galaabend IAM Europäisches Institut für Afrikanische Musik Neuburg a.d.D. 20.10.06 bis 22.10.06: Workshop «Afrikanischer Tanz» mit Angelina Akpovo Evang. Bildungswerk Amberg 21.10.06 bis 22.10.06: BALAPHON- das afrikanische «Xylophon»mit Momo Werner Wevers, Förderzentrum, Pulling bei Freising 30.09.06 bis 01.10.06: Afrikanische Tanz- und Trommelwoche Tu Was e.V., Küsten/Wendland 27.10.06 bis 29.10.06: Workshop «Afrikanischer Tanz» mit Angelina Akpovo Gymnasium Ohmoor, Hamburg 23.09.06: Sabar mit Moussa Diagne und Live Percussion, Düsseldorf 21.10.06: Sabar mit Moussa Diagne und Live Percussion, Düsseldorf

Vorträge/Lesungen
12.09.06: Lesung Stefanie Gercke «Feuerwind» GoetheBuchhandlung Weiland, Stralsund 26.09.06: Reisebericht über Niger und Algerien. Vortrag von Xenia Kuhn, Bildungswerk Rosenheim 05.10.06: Der Himmel über der Kalahari - Die religiöse Lebenswelt der Buschleute im südlichen Afrika. Vortrag von André Gerth, Bildungswerk Rosenheim 07.10.06 bis 08.10.06: Weltkonferenz der Ethnotherapien, Ludwig-Maximilians-Universität München 23.10.06 bis 25.10.06: Afrika verstehen lernen Anregungen für Unterricht und Projekttage, Akademie für Politische Bildung, Tutzing 17.09.06: Führung in der Ausstellung «Hautzeichen – Körperbilder» Museum der Weltkulturen, Frankfurt a.M. 10.09.06: Führung durch die Sonderausstellung: Ab durch die Wüste JuniorMuseum im Ethnologischen Museum Berlin-Dahlem
Mehr unter: http://www.afroport.de/

Workshops
23.09.06 bis 24.09.06: Tänze und Rhythmen aus Ghana, Tanzraum, Nürnberg 23.09.06 bis 24.09.06: Afrikanischer Tanz & Co mit Uschi Freudigmann, Förderzentrum Pulling, Pulling bei Freising 23.09.06 bis 24.09.06: Tanz-und

2006

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