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Periodical volume

Full text: Africa-live.de - das Afrika-Portal Issue 2006,2

POLITIK • WIRTSCHAFT • KULTUR • REISE
Berichte aus:
Algerien Angola Benin Botswana Burkina Faso Dem. Rep. Kongo Gabun Kenia Kongo Brazzaville Liberia Libyen Marokko Mauritius Namibia Sambia Sansibar Senegal Simbabwe Südafrika Togo Tschad Tunesien

Ausgabe 02/2006 (März/April) • 3,- Euro

Im Luxuszug 6000 km durch Afrika
Seite 13

Südafrika:

KONGO:
Komplizierte Wahlen Seiten 8-9

BENIN:
Kérékou tritt ab Seite 12

REISE:
Libyen - Alternative in Nordafrika Seite 17

MODE:
Sexy im senegalesischen Häkellook Seite 23

Vorwort

Nr. 02/2006 | Seite 2
Friede sei auf ihm, der am meisten geliebte, der am meisten verehrte Mensch, der jemals auf dieser Erde gelebt hat. Das hat europäische Zeitungen nicht daran gehindert, Karikaturen des Propheten abzubilden, von denen sie wissen, dass sie viele Muslime bereits zutiefst verletzt hatten. Für uns Muslime ist es schwer nachvollziehbar, dass es hier vor allem um eine Verteidigung der Meinungsfreiheit geht. Wir empfinden die besagten Karikaturen als einen gezielten Angriff auf islamische Überzeugungen und Werte. Es wird die bedeutendste Persönlichkeit des Islam verunglimpft, die herausragende Integrationsfigur unseres Glaubens, deren Biographie in keinem Bezug zu gegenwärtigen Missständen in islamischen Ländern und Gesellschaften steht. Meinungsfreiheit wurde als ein Grundprinzip in moderne Verfassungen aufgenommen auf Grund der geschichtlichen Erfahrung vom Leid der Völker, welche sich im Angesicht einer unterdrückerischen Staatsmacht nicht frei äußern konnten. Dieses Recht wurde also eingeführt, um die Menschenwürde derer zu schützen, welche politisch ohne Macht waren. Dieses Prinzip wird nun auf den Kopf gestellt, indem aus einer exponierten Position heraus das Recht auf Meinungs- und Pressefreiheit dazu missbraucht wird, eine Religionsgemeinschaft in ihrem Glauben zu verletzen und herabzuwürdigen. Der Chefredakteur der «Welt» sprach in diesem Zusammenhang von «gesunden Instinkten der Respektlosigkeit» (Die Welt vom 06.02.06). Diese Haltung ist für uns Muslime nicht nachvollziehbar und inakzeptabel. Denn die eine, die unverzichtbare Basis für den fruchtbaren Dialog und Austausch, welchen ich eingangs beschrieben habe, ist der uneingeschränkte Respekt für die grundlegenden und unverhandelbaren Werte des jeweils anderen. Fragen und Kritik müssen jederzeit erlaubt sein, Beleidigungen hingegen sind nicht hinnehmbar. Wer diese Grundregel nicht akzeptiert, wird an einem ehrlichen und gleichberechtigten Dialog nicht teilhaben können. Ich bin überzeugt, dass die große Mehrheit meiner Mitmenschen diese Ansicht teilt. Wir werden dafür arbeiten, dass interkulturelle Begegnungen auch in Zukunft von gegenseitigem Respekt, von aufrichtigem Interesse und dem Wunsch nach Frieden und Verständigung getragen werden.

«Freiheit endet, wo die des anderen beginnt» E
s ist schon beeindruckend und erfüllt mich mit großer Freude, zu sehen, welch positive Entwicklung die deutsch-arabischen Beziehungen im Laufe der vergangenen Jahre genommen haben. Während internationale Entwicklungen immer wieder auch Anlass zur Sorge gegeben haben, hat die Bundesrepublik schon zum Jahrtausendwechsel ein umfassendes Dialogprogramm mit der islamischen Welt ins Leben gerufen, welches den bikulturellen Austausch substantiell voranbringen und das gegenseitige Verständnis stärken konnte. viel erreicht, besonders auch dank engagierter und verlässlicher Partner auf deutscher Seite. Nie war der bilaterale Austausch so offen und konstruktiv. Der bemerkenswerte Erfolg des Botschafter Salem Quateen, arabisch-deut- Leiter der Mission der Arabischen Kultur- schen Liga in Berlin Foto: privat Die Liga der Arabischen Staaten verfolgt ei- dialogs geht vor allem auch darauf zurück, dass eine nen ähnlichen Ansatz. Wir sind der Überzeugung, dass neben dem politischen und Grundregel eingehalten wurde: Bei aller Verbundenheit den eigenen Werten und wirtschaftlichen Austausch vor allem das Verständnis für die grundlegenden zivilisa- Traditionen gegenüber, wurde den Überzeugungen und Empfindsamkeiten des jetorischen Werte des jeweils anderen gestärkt werden sollte. Als Diplomat habe ich weils anderen Respekt gezollt und Rechnung getragen. mich immer dafür eingesetzt, gerade diesen kulturellen und religiösen Dialog zu Was den aktuellen Karikaturenstreit anfördern. geht, welcher zwar nicht so sehr die bilateralen Beziehungen betrifft, aber doch die Der arabische Ehrengastauftritt auf der beiden Kulturkreise, denen Deutsche und Frankfurter Buchmesse 2004 war ein beAraber sich jeweils zugehörig fühlen, so ist sonderer Höhepunkt dieses kontinuierlichen Annäherungsprozesses. Die arabische diese Grundregel verletzt worden. Im Folgenden möchte ich versuchen, die musliWelt hatte hier die «goldene Chance» mische Sicht dieses kulturellen Konflikts (Amre Moussa, Generalsekretär der Arabidarzulegen. schen Liga), ihre vielseitige Kultur einer breiten primär westlich orientierten ÖfFreiheit ist kein absoluter Wert. Sie endet, fentlichkeit vorzustellen. Die Resonanz war gewaltig und sehr positiv- immer wie- wo die Freiheit des anderen beginnt. Von klein auf lernen wir: Nimm ihr das nicht der wurde auf den hohen Stellenwert der arabischen Präsentation verwiesen, gerade weg, sag nicht dieses Wort... Wenn wir älter werden, begreifen wir die Bedeutung vor dem Hintergrund einer angespannten des abstrakteren Begriffes RESPEKT. Jemaninternationalen Situation und einer zumeist problemorientierten Darstellung der den respektvoll zu behandeln bedeutet, arabisch-islamischen Region in westlichen eine bestimmte Linie nicht zu überschreiten und somit die Beschränktheit der eigeMedien. Ein weiterer Meilenstein auf dem Weg der bilateralen Kooperation waren die nen Freiheit zu akzeptieren. «Tage der arabischen Welt» im Deutschen Bundestag Ende 2004- Forum für Diskussi- Freiheit ist kein rein materieller Begriff. Sie gilt gleicher Maßen für den Bereich des on und Austausch für ein hochkarätiges Publikum aus den Bereichen Politik, Wirt- Denkens, der Überzeugungen und des Glaubens. Auch wenn wir die Überzeugunschaft und Kultur. Dass Annäherung, Dialog und aufrichtiges Interesse am anderen gen einer anderen Person nicht teilen, hakeine Einbahnstraße sind, bewies der deut- ben wir nicht das Recht, die Grenzen des Respekts zu überschreiten. Manch einer sche Auftritt auf der Kairoer Buchmesse beklagt sich, die Muslime überforderten 2006. Als erster Ehrengast überhaupt präsentierte sich Deutschland mit einem bun- mit dem Maßstab, den sie hinsichtlich der Grenzen der Meinungs- und Pressefreiheit ten Kultur- und Freizeitprogramm. Das große Interesse auch einer breiteren, weni- ansetzen. Es kann aber doch nur der Gläuger intellektuellen ägyptischen Öffentlich- bige entscheiden, was er ertragen kann keit machte den deutschen Auftritt beson- und was nicht. Derjenige, der eine Religiders wertvoll und ermöglichte eine beson- on persifliert, hat nicht nur nicht das Recht dazu, er kann es schier nicht. dere Breitenwirkung. Wir haben also in den vergangenen Jahren Für Muslime ist der Prophet Mohammed,

Botschafter Salem Quateen, Leiter der Mission der Arabischen Liga in Berlin

Good News

Nr. 02/2006 | Seite 3

Internetportal für Exporteure aus Entwicklungsländern
Produzenten aus so genannten Entwicklungsländern auf der Suche nach Abnehmern in der EU bietet sich ein neuer «Marktplatz»: Ein Online-Dienst der Europäischen Union (EU) bietet Firmen aus Entwicklungsländern die Möglichkeit, ihre Produkte in die EU zu exportieren. Diese Webseite enthält Informationen in englischer, französischer, spanischer und portugiesischer Sprache über ImportTarife für verschiedene Produkte, Handelsdaten der EU-Länder und bietet auch direkt unter der Rubrik «Market Place» die Gelegenheit, Kontakte zwischen Exportinteressenten und EU-Importfirmen zu knüpfen. Eine sehr gut gestaltete, klare Webseite, die jedoch leider von afrikanischen Unternehmen noch kaum genutzt wird, lediglich Ägypten, Tunesien und vereinzelt Nigeria haben Angebote eingestellt.
(http://export-help.cec.eu.int)

Burkina Faso:

«Avenue Thomas Sankara» in Ouagadougou
Seit 28.Dezember 2005 hat Burkina Fasos Hauptstadt Ouagadougou eine Straße, die nach Thomas Sankara, einer der schillerndsten Figuren des Kontinents und Ex-Präsident des Landes, das vor seinem Amtsantritt Obervolta hieß, benannt. Zum ersten Mal in der Geschichte des Landes wird Sankara eine solche Ehrung zuteil. Ouaga ist seit 1919 Landeshauptstadt. Damals war Burkina noch die französische Kolonie Haute Volta, Obervolta zu deutsch. An dem Land waren die Franzosen wenig interessiert, nur an dem Potenzial an Arbeitskräften, das sie für ihre großen Plantagen an der Elfenbeinküste und später für den Bau der Eisenbahnstrecke von Ouaga in die Hafenstadt Abidjan brauchten. Zu Burkina Faso, dem «Land der aufrechten Menschen», wurde es unter seinem Präsidenten Thomas Sankara. Der bei seinem Amtsantritt erst 34-jährige wollte in den achtziger Jahren einen «Marxismus ohne Marx und Engels errichten» und forderte unter anderem die Gleichbe-

Foto: ia

Afrikas «Che Guevara»: Thomas Sankara Foto: fetnat

Simbabwe:

Vorbild im Umgang mit der Aids-Gefahr
Immer weniger Simbabwer stecken sich mit HIV an, haben britische und simbabwische Forscher im Rahmen einer Untersuchung herausgefunden. Im Zeitraum zwischen 1998 und 2003 gingen die Neuinfektionen deutlich zurück. Vor allem die jungen, besser gebildeten Simbabwer liegen dabei vorn: 23 Prozent weniger bei den 17- bis 29-jährigen Männern, bei Mädchen und jungen Frauen zwischen 15 und 24 Jahren betrug der Wert sogar 49 Prozent. Persönliche Verhaltensänderung sei vermutlich der Haupteinflussfaktor für diese Entwicklung, schreiben die Forscher im Magazin «Science». Simon Gregson und Geoffrey Garnett vom Imperial College London hatten zusammen mit Kollegen des Biomedizinischen Forschungsinstituts in Simbabwe rund 10000 Bewohner aus dem Osten Simbabwes befragt: Wie sieht Ihr Sexualverhalten aus? Wie schätzen Sie die AIDS-Gefahr ein? «Ein entscheidender Grund für die Abnahme scheint zu sein, dass die Zahl unverbindlicher Sexualkontakte abnimmt», schreiben die Forscher. Sie betonen, dass auch die zunehmende Benutzung von Kondomen dazu beigetragen haben dürfte, ebenso wie die Tatsache, dass Jugendliche länger bis zum ersten Mal warten. Darin sehen die Forscher eine Folge der AIDS-Aufklärung und Ausdruck steigender
Foto: irin

rechtigung der Frauen. 1987 wurde Sankara bei einem Putsch ermordet und für das Volk postum zum Helden, zum afrikanischen Che Guevara. Bei den Wahlen Ende vergangenen Jahres waren eine ganze Reihe Parteien angetreten, die sich als Nachfolgeorganisationen im Sinne Sankaras bezeichneten. (pa)

Marokko:

Kostenlose Telefonnummer für Frauen in Not
Marokko hat seine erste «Grüne Telefonnummer», unter der sich misshandelte Frauen und Mädchen melden können, eingerichtet. Unter dem Anschluss 0 8000 8888 können diese sich nun Rat und Hilfe holen. Eine Maßnahme, die die Regierung im Rahmen ihrer Strategie im Kampf gegen Gewalt gegen Frauen ergriffen hat. Fatima Maghnaoui, Leiterin des Beratungsbüros Annajda in Marokkos Hauptstadt Rabat ist glücklich über diese neue Einrichtung. « Das wird uns enorm helfen im Kampf gegen die ‘Omerta’, das heimliche Stillschweigen», sagt sie. Sechs psychologisch geschulte Telefonberaterinnen sind bisher im Einsatz, täglich von 8.30 Uhr morgens bis Mitternacht. Gleich in den ersten Tagen gingen bereits über 500 Anrufe ein: «Es rufen natürlich überwiegend Frauen an, aber auch Männer, die sich um ihre Schwestern sorgen», berichtet Hanane Nadir, Frauenbeauftragte im Familienministerium. «Auch wenn ein Teil der Anrufer sich nur einen Scherz erlauben will, ist dies eine sehr hohe Zahl, mit soviel Reaktionen haben wir nicht gerechnet». Hanane Nadir und Fatima Maghnaoui hoffen nun, dass weitere Telefonberaterinnen eingestellt werden, einerseits um den Betreuungsservice rund um die Uhr leisten zu können, andererseits fehlen auch noch Mitarbeiterinnen, die der Sprache der Berber mächtig sind.
(Morad Ouasti - afrik.com)

Angst vor der Krankheit. Obwohl er nicht mit absoluter Sicherheit bestätigen könne, dass die Angst vor HIV und Aids diese Verhaltensänderungen bedinge, verweist Gregson, der Leiter der Studie, auf «Simbabwes gut ausgebildete Bevölkerung, gute Berichterstattung und die Infrastruktur der Gesundheitsversorgung.» Insgesamt sank die Fallzahl von HIV-Infektionen in dem südafrikanischen Land von 1998 bis 2003 von 23 auf 20,5 Prozent. (pa)

Titel

Fußball-WM:

«Eine «runde» Sache»
Die ersten Runden sind geschafft: Ausnahmsweise einmal nicht als Kaiser sondern als Fußball-Botschafter für Deutschland hat Franz Beckenbauer in Afrika bereits seine Besuchsrunden durchgeführt (siehe Titelseite). In ein paar Wochen geht’s dann rund mit den «Gegenbesuchen»: Adler, Sperber, Elefanten, schwarze Antilopen und ebensolche Sterne werden bei der Fußball-WM zu vorübergehenden Botschaftern ihrer Länder in Deutschland. Denn ihr Talent ist auch das Afrikas, sie sind Pioniere, die dazu beitragen können, das Bild Afrikas positiv abzurunden oder neu zu formen. Gewiss keine rundweg einfache Aufgabe für die Teams aus Angola, Côte d’Ivoire, Ghana, Togo und Tunesien, aber: Der Ball ist rund, und rund ist auch der Kopf, damit das Denken die Richtung wechseln kann, wie Francis de Picabia so treffend sagte ... Hoffen wir also, dass viele Runden an Afrika gehen werden! dete: Die Kameruner, die «Unbezähmbaren Löwen», die leider diesmal bei der Qualifikation bezähmt wurden, befanden sich vor 16 Jahren am 10. Juni in Hamburg in der gleichen Lage, und sie schafften es zur allgemeinen Verblüffung, beim Eröffnungsspiel den amtierenden Weltmeister Argentinien zu schlagen. Allerdings wäre diese hervorragende Mannschaft ohne ihren Dirigenten, den französischen Trainer Henri Michel, undenkbar. Denn das Team der Elfenbeinküste ist bereits die vierte Mannschaft (nach Frankreich, Kamerun und Tunesien), die Michel zur Teilnahme an einer WM-Endrunde führte. Dem erfahrenen Trainerfuchs ist es gelungen, sämtliche ihm in den Weg gelegte Hindernisse zu überwinden. Obwohl er sich über die gesamte Qualifikation hindurch starker Kritik wegen des von ihm nominierten Spielerkaders ausgesetzt sah, setzte er den durch ihn eingeschlagenen Weg konseZwar wurden die Italiener letzten November in Genf bei einem Freundschaftsspiel von den ivorischen Elefanten mit einem 0:0 bedacht, aber ein Freundschaftsspiel ist nun mal kein WM-Spiel. Der zweite dicke Brocken für die Ghanaer ist die Tschechische Republik, zwar gerade etwas auf dem absteigenden Ast, aber dennoch ein harter Gegner. Dann die an Finalspiele gewöhnten und immer für Überraschungen guten USA. Trainer Djukovics Schützlinge befinden sich in einer ähnlichen Lage wie ihre westafrikanischen Brüder: Sie müssen auf höchstem Niveau spielen, um das Achtelfinale zu erreichen. Die Glanzpunkte im Team der Black Stars setzen Spielführer Appiah und Chelseas Michael Essien – der teuerste Spieler in der Geschichte des afrikanischen Fußballs – die zusammen mit Udineses trickreichem Muntari den Ton in Ghanas beeindruckendem Mittelfeld angeben. Vorne werden Asamoah Gyan und Matthew Amoah, der in den Niederlanden spielt und nach zweijähriger Abwesenheit in die Nationalelf zurückfand, dafür sorgen, dass die Anstrengungen ihrer Mitspieler nicht vergebens sind.

die Iraner waren es ja, die Nigeria bei den Qualifikationsspielen aus dem Rennen geworfen haben. Die «Antilopen» verdanken ihren Erfolg aber in erster Linie der Erfahrung ihres Trainers Oliveira Gonçalves, der den angolanischen Fußball zum Erfolg führte. Er war bereits Trainer der Juniorenmannschaft, die 2001 mit der afrikanischen Juniorenmeisterschaft den bisher einzigen Titel des Landes

Oberbürgermeister Dr. h.c. Martin Biermann: «Die Angolaner mit offenen Armen empfangen» Foto: privat

gewann. Mit dem Erreichen der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006 feiert er jetzt einen weiteren Erfolg. Am schwierigsten wird es wohl In der Mannschaft standen die Mannschaft aus der Côte mehrheitlich die Spieler, die er d’Ivoire haben. Manche halten bei der FIFA Junioren-Weltmeisie zwar für die beste afrikanisterschaft 2001 in Argentinien sche Mannschaft überhaupt – entdeckt hatte. Inzwischen forwas nicht zuletzt ihr Erreidern die bedingungslosen chen der Afrikacup-Finale zu Angolaner einen «Vertrag auf bestätigen scheint - aber mit Lebenszeit» für ihren NationalArgentinien, den NiederlanCelle im trainer. Ihr großer Held Akwa den und Serbien-Montenegro bringt den Erfolg, den das Vorbereitungsfieber als Gegner müssen sie sich auf Team derzeit erlebt, auf den etwas gefasst machen. Sie Punkt: «Wir haben gezeigt, strotzen jedoch vor Zuversicht: Angola wird 31 Jahre nach seidass Angola mehr ist als ein Anlässlich einer Promotion-De- Adama Bamba, Mitglied der ivorischen ner Unabhängigkeit auf seinen Land mit Erdöl, Krieg und ArDelegation: Man träumt vom «Finale à la legationsreise in Deutschland Ex-Kolonialheeren Portugal mut.» CAN» Foto: ia Ende Februar äußerte der Leitreffen. Man kann sich auf Im WM-Standort Celle geht’s ter des ivorischen Investitionsemotionsgeladene Begegnung bereits rund, die Stadt ist voll quent fort. Überdies zeugte sei- gefasst machen, denn die zentrums, Tchetche N’Guesin action, man freut sich sehr ne Abwesenheit beim triumsan, vor der Presse in Berlin: Schwarzen Antilopen werden auf die «Antilopen», die sich phalen Empfang seiner Mann- sich extrem ins Zeug legen, «Das Tollste wäre doch, wenn dort rundum wohl fühlen solschaft nach der WM-Qualifika- um gerade diesen Gegner zu sich die Situation des Afrikalen. Oberbürgermeister Dr. h.c. tion vom bescheidenen Chacups wiederholen würde. Das besiegen. Ihr zweiter Gegner, Martin Biermann gegenüber rakter des Erfolgstrainers. Gastgeberland und wir im FiMexiko, wird versuchen, sich AFRICA live: «Wir gratulieren nale – so müsste die WM ausmit dem Spiel gegen Angola dem Team Angola ganz herzgehen!» Vielleicht rührt dieser Ghana in der E-Gruppe hat zu qualifizieren, falls er zuvor lich zum Erreichen der EndOptimismus daher, dass schon auch keine besseren Karten, gegen den Iran Erfolg gehabt runde um die Fußball-Weltmit Italien, das immer ein einmal eine afrikanische haben sollte. Dritter Herausformeisterschaft. Dieser Erfolg ist Mannschaft gegen Argentinien schwierig zu handhabender derer Angolas ist der Iran, großartig. Wir werden die einen Überraschungscoup lan- Gegner in WM-Spielen ist. auch nicht zu verachten, denn

Titel
Mannschaft und ihre Fans mit offenen Armen im Trainingsquartier Celle empfangen und alles dafür tun, damit die «schwarzen Antilopen» das Achtelfinale erreichen!»

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«Alles kann nur besser werden»
Togo zählt auf Deutschland: Quasi in letzter Minute – am 20. Februar - haben die «Sperber” den 67-jährigen Deutschen Otto Pfister als Nachfolger von Stephen Keshi ernannt, der in der Woche zuvor nach dem Ausscheiden in der Vorrunde des Afrika-Cups und dem Streit mit dem Starspieler Emmanuel Adebayor entlassen worden war. Pfister ist ein alter «Afrika-Hase»: Er betreute bereits die Nationalmannschaften von Ghana, der Demokratischen Republik Kongo, Ägypten, Burkina Faso, Senegal und der Côte d’Ivoire. «Alles kann nur besser werden», kommentierte Pfister denn auch die Situation in Togo. Ab Mai will er mit seinem Team in deren WM-Quartier in Wangen im Allgäu für vier Wochen ins Trainingsla-

Günter Volker-Stadion Celle: Hier trainieren die «Antilopen» Foto: Stadt Celle

Nigerianer, beschlossen jedoch, für Togo zu spielen. Adebayor ist der unumstrittene Held des togoischen Fußballs und hat Frank Fiawoo, das legendäre Idol der sechziger Jahre, bereits überflügelt. Dieser hatte damals für die französischen Vereine Olympique Marseille und Bastia gespielt. Der groß gewachsene, schlaksige Adebayor steht in der ersten französischen Liga bei Monaco unter Vertrag und erzielte in der Qualifikation elf Tore, wobei er gegen alle fünf Gegner Togos in Gruppe 1 traf. Mit dieser beeindruckenden Bilanz wurde er Torschützenkönig im afrikanischen Qualifikationswettbewerb. Tunesien, die einzige Mannschaft neben den ivorischen Elefanten, die - während die WM-Generalprobe CAN für die Teams von Angola, Ghana und Togo gründlich schief ging und das Trio bereits nach der Vorrunde die Koffer packen musste - sich zumindest behaupten und das Viertelfinale erreichen konnte. Die «Adler von Karthago» haben unbestritten gute Erfahrung in hochkarätigen internationalen Spielen, und vielleicht liegt ihre Chance im Spiel gegen Saudi-Arabien, gefolgt von Spa-

nien und der Ukraine. Mit so hervorragenden Spielern wie Ziad Jaziri, Santos, Adel Chadli und Kapitän Hatem Trablesi könnten die Tunesier weit kommen. Dazu stößt der junge Stürmer Haykel Guemamdia, der inzwischen zu den besten Stürmern Afrikas zählt. Ein zweiter Sieg in einem WMSpiel scheint bei der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006 in greifbarer Nähe. Und dabei werden es die Tunesier mit Sicherheit nicht bewenden lassen. Die CAN - oftmals als Trainingslager für die Weltmeisterschaft bezeichnet -, fand erstmals im Jahre 1957 statt, zu einem Zeitpunkt, als die meisten afrikanischen Länder noch unter Kolonialherrschaft standen. Mit fortschreitender Unabhängigkeit bot der Fußball Afrikas Staaten seitdem jenseits aller internen Konflikte einen gemeinsamen Nenner, ein nationales und kontinentales Zusammengehörigkeitsgefühl. Im Laufe der Zeit, mit zunehmender Teilnahme an der

Celle scheut weder Kosten noch Mühen Foto: Stadt Celle

Fußball-WM, hat Afrika seine anfänglichen Komplexe abgebaut, nicht zuletzt dadurch bedingt, dass viele seiner Spieler, die auch in Deutschland dabei sein werden, in Europa unter Vertrag stehen, oft bei großen Vereinen. (Fußball-)Talent kennt eben keine Grenzen – weil auch die Erde rund ist.
(Ingrid Aouane, mit fifa)

Wer spielt wann wo?
10. Juni 06, Hamburg: Côte d’Ivoire 11. Juni 06, Köln: Angola 12. Juni 06, Hannover: Ghana 13. Juni 06, Frankfurt: Togo 14. Juni 06, München: Tunesien 16. Juni 06, Stuttgart: Côte d’Ivoire 16. Juni 06, Hannover: Angola 17. Juni 06, Köln: Ghana 19. Juni 06, Stuttgart: Tunesien 19. Juni 06, Dortmund: Togo 21. Juni 06, München: Côte d’Ivoire 21. Juni 06, Leipzig: Angola 22. Juni 06, Nürnberg: Ghana 23. Juni 06, Berlin: Tunesien 23. Juni 06, Köln: Togo

Abstimmungsergebnisse einer Fifa-Umfrage:
Welche Mannschaft wird nach dem Afrikanischen Nationen-Pokal bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006 am besten abschneiden?
(Stand 22.02.06)

Ivorische Fußball-Legende: Didier Drogba Foto: sportwide

ger. Die Togolesen haben ebenfalls heikle Gegner, Südkorea, die Schweiz und Frankreich stehen auf dem Plan. Das wird spannend, denn die Sperber waren bei den Qualifikationsspielen absolut klasse und haben ihre Gegner dermaßen überrascht, dass man sich fragen muss, wie hoch sie noch kommen können und werden. Togos Stürmer Adebayor und Oulfade sind zwar gebürtige

Ghana 38% Elfenbeinküste 34% Angola 14% Tunesien 9% Togo 5%
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Titel

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Ghana:

Angola:

Die «Black Stars»
Gegründet: 1957 FIFA-Beitritt: 1958 WM-Teilnahmen: Keine Konföderations-Titel: Afrika-Meisterschaft 4-mal (1963, 1965, 1978, 1982), CSSA-Länderpokal 5-mal (1982-1984, 1986, 1987) Fakten Obwohl Ghana schon viermal die Afrika-Meisterschaft gewonnen hat, brauchte es neun Anläufe, um sich für eine WM-Endrunde zu qualifizieren. Beim ersten Antreten in einer Qualifikation zu einer Weltmeisterschaft 1962 scheiterte man knapp an Marokko. Die vergangene Qualifikationsgruppe zur Weltmeisterschaft 2002 war ein Alptraum für die Ghanaer. Hinter Nigeria, Liberia und dem Sudan belegte das Team nur einen enttäuschenden vierten Platz. Vor allem die 1:3-Heimniederlage gegen Liberia und ein schwaches Remis in Sierra Leone brachten Ghana um die Chance, sich endlich einmal für eine WM-Endrunde qualifizieren zu können. Gegen Somalia setzte sich Ghana in der Vorausscheidung zur Qualifikation für die FIFA WM 2006 durch. (Quelle: fifa)

Die «Schwarzen Antilopen»
Gegründet: 1979 FIFA-Beitritt: 1980 WM-Teilnahmen: Keine Konföderations-Titel: COSAFA Pokal 2-mal (1999, 2001) Fakten 1986 meldete sich Angola erstmals für die Qualifikationsrunde zu einer Fußball-Weltmeisterschaft. Beim Debüt stolperte man knapp über Algerien, vier Jahre später fand man unter anderem in Kamerun seinen Meister. Ein einziger Sieg gegen Togo reichte in der darauf folgenden Qualifikation nicht, um von einer Endrundenteilnahme träumen zu dürfen. In der Qualifikation für 1998 feierte man vier Siege, was aber nicht ausreichend war. Auch wenn man gegen die stärkeren afrikanischen Teams nur wenig Chancen hatte, konnte auch in folgenden Jahren das Leistungsvermögen weiter verbessert werden. Im 2000 feierte man beim 7:1 gegen Swaziland einen Rekordsieg. (Quelle: fifa)

Togo:

Côte d’Ivoire:

Die «Sperber»
Gegründet: 1960 FIFA-Beitritt: 1962 WM-Teilnahmen: Keine Konföderations-Titel: Keine Fakten Togo nahm für die Weltmeisterschaft 1974 zum ersten Mal an Ausscheidungsspielen teil. Beim ersten Antreten schied man gegen die Demokratische Republik Kongo aus, bei den folgenden Turnieren blieb man an Guinea und dem Niger hängen. In der Qualifikationsrunde für 1994 setzte es nur Niederlagen, vier Jahre später gelang zumindest ein Sieg gegen Simbabwe. in den Ausscheidungsspielen für die WM 2002 gelangen in einer Gruppe mit Kamerun Siege gegen Sambia und Libyen. Togo sorgte 1998 beim Afrika-Cup für eine Sensation, als man mit einem 2:1Sieg über den vierfachen Titelgewinner Ghana dazu beitrug, dass dieser aus dem Wettbewerb ausschied. Nach einer 0:1-Niederlage im Hinspiel gegen Äquatorial Guinea während der Vorausscheidung zur Qualifikation für die FIFA WM 2006, machte Togo im Rückspiel mit einem 2:0-Sieg alles klar und sicherte sich einen Platz in der Qualifikation. (Quelle: fifa)

Die «Elefanten»
Gegründet: 1960 FIFA-Beitritt: 1960 WM-Teilnahmen: Keine Konföderations-Titel: Afrika-Meisterschaft 1-mal (1992) Fakten Nach sieben Versuchen ist die Elfenbeinküste erstmals für eine WM-Endrunde qualifiziert. In der Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2002 war man Tunesien lange Zeit dicht auf den Fersen, doch am Ende reichte der zweite Gruppenplatz nicht, um sich für die WM-Endrunde zu qualifizieren. Gegen WM-Teilnehmer Tunesien blieb die Elfenbeinküste bei zwei Unentschieden (1:1 und 2:2) ohne Niederlage. In ihrer Fußballgeschichte hat die Elfenbeinküste schon dreimal 6:0 gewonnen, was bis heute noch als Rekord in der Statistik verzeichnet ist. Mit diesem Ergebnis schlug man Mali (1985), Botswana (1992) und den Niger (2000). Die höchste Niederlage datiert aus dem Jahr 1971, als man gegen Ghana mit 2:6 verlor. (Quelle: fifa)

Tunesien:

Die «Adler von Karthago»
xiko und eines Unentschieden gegen Titelverteidiger Deutschland überstand Gegründet: 1956 FIFA-Beitritt:1960 WM-Teilnahmen: 3 (1978, 1998, 2002) WM-Erfolge: Keine Konföderations-Titel: Afrika Cup (2004) Fakten 1978 zeigte Tunesien bei seiner ersten Teilnahme an einer WM-Endrunde, dass sich der afrikanische Fußball im Aufwind befand. Trotz eines Sieges gegen Meman die Vorrunde nicht. Es dauerte dennoch 20 Jahre, bis Tunesien wieder an einer Endrunde teilnehmen konnte. Man erwischte mit England, Kolumbien und Rumänien eine harte Gruppe und musste auch diesmal vorzeitig die Heimreise antreten. 2002 war Tunesien wieder bei der Endrunde dabei, die Leistung war allerdings nicht sehr zufrieden stellend. Ein 1:1 gegen Belgien in einem schwachen Spiel war noch die beste Ausbeute des Turniers, bevor man zum dritten Mal nach der Vorrunde die Segel streichen musste. (Quelle: fifa)

Politik und Gesellschaft

Nr. 02/2006 | Seite 7

Gabun:

Doumba – Waldwirtschaft, Casimir Oyé Mba – Planung und Honorine Dossou Naki – Justiz), dennoch gibt es viele Veränderungen, wobei der stark erhöhte Frauenanteil ins Auge fällt. Von ehemals fünf tragen nunmehr 12 Im Beisein von 12 seiner Amtskollegen und zahlreicher Vertreter ausländischer RegierunFrauen Regierungsvergen leistete Omar Bongo Ondimba am 19. Januar seinen Amtseid, wobei er bekräftigte, antwortung. Getrau seidass die Zeit des Redens vorbei sei und nun die Ära des Handelns beginne. «Passons aux actes – Lasst nem Wahlkampfmotto uns handeln» heißt die Devise, die auch auf unzähligen Plakaten in Stadt und Land thematisiert wird. «J’ai dit, j’ai fait» (Ich tue, was ich gesagt Der Konferenzsaal in Librevilles Cité de la dieses Mandat – zweifellos sein letztes – habe), hat Bongo sein Versprechen, Frauvon bedeutenden Maßnahmen und tief Démocratie, wo Bongo am 1. Oktober en viel stärker aktiv in den Mittelpunkt greifenden Veränderungen geprägt sein 2005 seine Kandidatur zur Wahl verkünzu stellen, eingehalten. Eine der schilwird und insistiert erneut auf der Dringdet hatte, ist erneut Schauplatz einer feilerndsten Figuren unter den Neubesetlichkeit des Handlungsbedarfs. erlichen Handlung - majestätisch herauszungen ist die als vehemente Regimekritigeputzt und technisch aufgepeppt durch kerin bekannte Gewerkschafterin ChristiDer zweite Akt lässt sich nicht lange auf riesengroße Übertragungsbildschirme, ane Bitougat, die nun als Arbeitsministeauf denen die Teilnehmer der Zeremonie sich warten: Bereits am nächsten Tag berin beweisen muss, dass sie ihre Ideen die Ankunft der Staats- und anderer Gäste stätigt Bongo Vizepräsident Didjob Divunumsetzen kann. gi Di Dinge im Amt und ernennt einen verfolgen können, was zumindest die neuen Premierminister: Jean Eyeghe durch die extreme Verspätung mancher Die Zusammensetzung des neuen KabiNdong. Für manche eine Überraschung, Staatsgäste ausgelöste Langeweile beim netts zeugt zwar von einer gewissen ÖffWarten auf den Beginn der Veranstaltung denn dieser Dr. der Politikwissenschaft ist nung gegenüber der Opposition und der zwar ein langjähriger Parteiangehöriger etwas mildert. Aus Europa kam nur der Zivilgesellschaft, aber der Löwenanteil und hat seine Befähigung u.a. als Staatsfranzösische Erziehungsminister, wobei geht an die «Rénovateurs» (die Erneuerer) sekretär im Finanzministerium unter Bemanche es als einen Affront seitens des innerhalb der Regierungspartei PDG (Parweis gestellt, zu den Großen der Regiefranzösischen Staatspräsidenten Chirac ti Démocratique Gabonais) – Bongos Danrungspartei PDG zählt er jedoch nicht. betrachten, lediglich «solch einen unbekeschön an diejenigen, die ihm so tatkräfdeutenden Minister zu einer derart wich- Das erhöht die Spannung in Bezug auf tig im Wahlkampf zur Seite gestanden hadie Zusammensetzung der neuen Regietigen Zeremonie zu entsenden». Der Star ben. rung – Akt drei, der am 21. Januar gegen unter den Gästen: Ellen Johnson-Sirleaf, Abend im nationalen Fernsehen bekannt die Bongo fast die Schau stiehlt. Sie hat Bleibt abzuwarten, ob dieses Kabinett gegeben wird. den Saal noch gar nicht betreten, bereits nach den Parlamentswahlen, die urihr Anblick auf dem Bildschirm verursprünglich für Dezember 2006 vorgesesacht einen Beifallssturm im Saal, und als hen waren, eventuell jedoch bereits im sie dann eintritt, ist das Publikum nicht «J’ai dit, j’ai fait»: Juli stattfinden werden, in dieser Form mehr zu halten: Alle anwesenden Frauen bestehen bleiben wird, denn die ParlaFrauenanteil steigt beträchtlich erheben sich spontan und applaudieren, mentswahlen zeigen weitaus stärker als so begeistert, dass es ihnen letztendlich die Präsidentschaftswahlen die politiauch die Männer gleichtun – einer der be- Die neue Regierung zählt 47 Mitglieder schen Kräfteverhältnisse im Land. Der wegendsten Momente dieses Tages. (46 zuvor), die Zahl der Vize-Premierminivierte Akt wird den ersten dreien an ster ist auf vier angewachsen, darunter Spannung gewiss in nichts nachstehen. eine Frau, Georgette Koko, Dr. der Geogra(Ingrid Aouane) phie. Ein Teil der Schlüsselministerien Stück in drei Akten bleibt zwar weiterhin von den bisherigen AmtsinhaFoto: ia Endlich, um 12.15 h, erscheint Bongo On- bern besetzt dimba (OBO, wie er seit seiner Namensän- (darunter Jean Ping – derung verkürzt genannt wird), und nachdem die Präsidentin des Verfassungs- Außenminigerichts, Marie Madeleine Mborantsuo, ei- ster, Paul Toungui nen ellenlangen Text über das Prozedere Wirtschaft bezüglich des Antrags auf Annullierung der Wahlen, den die unterlegenen Kandi- und Finandaten Pierre Mamboundou (UPG) und Za- zen-, Ali Bongo charie Myboto (UGDD) erfolglos gestellt Ondimba – hatten, vorgelesen hat, schreitet Bongo Verteidizum ersten Akt: dem Amtseid. Die linke gung, RichHand auf der Verfassung, den rechten ard Auguste Arm erhoben in Richtung der NationalOnouviet – flagge, schwört er «das Gesetz zu achten Bergbau und und einzuhalten», dankt ganz besonders noch einmal den gabunischen Frauen für Energie, ihren Einsatz im Wahlkampf, betont, dass Émile

«Passons aux actes» Bongo schreitet zur Tat

Politik und Gesellschaft

Nr. 02/2006 | Seite 8

Aussichtsreicher Herausforderer: Etienne Thisekedi Foto: udps

Hartwig Fischer, CDU-Afrika-Experte: «Logistische Hilfe: ja, Kampfeinsatz: nein» Foto: ia

Amtsinhaber Joseph Kabila Foto: Helene C. Stikkel

September 2005: Kongos Finanzminister Futa unterzeichnet das Schuldenerlassdokument bei der Weltbank Foto: Weltbank - D. W. Campos

Demokratische Republik Kongo:

Unwägbarkeiten vor den ersten Wahlen
Die Demokratische Republik Kongo ist seit 45 Jahren unabhängig. Bis heute hat noch nie ein kongolesischer Bürger die Regierung frei wählen können. Das soll sich ändern. Die ersten freien, fairen, demokratischen Wahlen seit 45 Jahren sollen es werden in der Demokratischen Republik Kongo. Die Erwartungen sind dementsprechend hoch, und sie steigen von Tag zu Tag bei allen Beteiligten. Bei den Vereinten Nationen, die mit ihrer Einsatztruppe MONUC versuchen, das Land zu stabilisieren, bei den Europäischen Wahlbeobachtern und natürlich bei den Kongolesen selbst. Gewählt werden sollen das Parlament und ein neuer Präsident. «Ich sehe eine Aufbruchstimmung im Land», sagt Ingo Badoreck, langjähriger Vertreter der Konrad-AdenauerStiftung in Kinshasa. «Ich glaube, dass die Menschen im Kongo das auch spüren. Und das ist genau das, warum im Kongo Wahlen stattfinden - einfach weil die Menschen es wollen. 80 Prozent der Menschen haben gesagt, wir wollen wählen, wir wollen uns aussprechen, wer uns regieren soll. In dem Zusammenhang glaube ich, dass die Qualität wichtiger ist als der Termin.» zur Wahl? Als aussichtsreich gelten der jetzige Präsident Joseph Kabila von der Partie du Peuple pour la Reconstruction et la Démocratie (PPRD) und Oppositionsführer Etienne Tshisekedi von der Union pour la Démocratie et le Progrès Social (UDPS). Einen alleinigen Auch er warnt davor, die Wahlsieg wird jedoch keiner Vorbereitungen zu hastig von beiden einstreichen köndurchzuführen. «Gerade dadurch, dass die Diskussionen nen. sich fast immer auf Formalien und Zeitpläne beziehen und nicht auf Inhalte, Sicherheitsrisiken wächst die Gefahr, dass die Erwartungen enttäuscht Erschwerend komme für die werden», warnt er, «weil Bevölkerung hinzu, so Ingo man sagt: schnell, schnell Badoreck, dass die Parteien wir müssen doch bis Juni alim Kongo kaum eine wirkles schaffen. Und wenn lich politische Grundausnicht, ist das eine Katastrorichtung haben. «Die UDPS phe. Oder man argumenhat kein wirklich sozialdetiert: Besser eine schlechte mokratisches Programm in Wahl jetzt als eine bessere unserem Sinne, und auch später. Ich finde eine bessere die Christdemokraten sind Wahl später besser als eine inhaltlich nicht programmaschlechte jetzt.» tisch ausgerichtet, wie man das in Deutschland kennt.» Doch wer steht eigentlich die Verteilung der Wahllisten - bis das Papier in einem Land so groß wie ganz Westeuropa auch den letzten der 25 Millionen Wähler erreicht hat, das kann dauern, meint der Berliner Journalist Dominic Johnson.

Unwägbarkeiten
Der Termin ist nur einer der vielen Knackpunkte: Für den 29. April ist die Wahl angesetzt, doch schon jetzt hinken die kongolesischen Behörden dem Zeitplan hinterher, teilweise ist jetzt von einer Wahl im Juni die Rede. Die Verabschiedung des Wahlgesetzes, die Bewerbungen Tausender Kandidaten für 500 Parlamentssitze und

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Die Demokratische Republik Kongo
Ländername: Demokratische Republik Kongo - République Démocratique du Congo Fläche: 2.344.858 qkm Bevölkerung: ca. 53 Mio., fast 80% Bantu Bevölkerungswachstum: rd. 2,7%, Bevölkerungsdichte: 21,3 Einwohner je qkm Lebenserwartung: rd. 46,4 Jahre Landessprache (n): Amtssprache: Französisch, Verkehrssprachen: Lingala, Kisuaheli, Tshiluba, Kikongo Religionen/Kirchen: über 40% Katholiken, über 30% Protestanten, über 10 % Kimbanguisten, 1% Moslems, Rest: Anhänger von Naturreligionen Regierungsform: Präsidialregime; Übergangsverfassung vom 04.04.2003 (Constitution de Transition) sieht daneben 4 Vizepräsidenten, ein Parlament und einen Senat vor Staatsoberhaupt: Präsident (Président de la République) Generalmajor Joseph Kabila (vereidigt am 26.01.01, d.h. nur wenige Tage nach dem Attentat vom 16.01.2001 auf seinen Vater Laurent-Désiré Kabila), erneute Vereidigung auf die Übergangsverfassung am 7.4.2003 Außenminister: Raymond Ramazani Baya Parteien: Von nationaler Bedeutung sind PPRD, UDPS, PALU, RCD-Goma, MLC, FONUS; daneben gibt es eine Vielzahl kleinerer Parteien (über 400) Regierungsparteien: Allparteienregierung aufgrund des am 17.12.2002 geschlossenen «Accord global et inclusif», der auch von ehemaligen Rebellenbewegungen (MLC, RCDGoma, Mayi-Mayi, RCD-ML, UPC etc.) unterzeichnet wurde. Die UDPS ist derzeit die einzige Partei von nationaler Bedeutung, die nicht an der Regierung beteiligt ist. Opposition: Politische Parteien (z.B. UDPS), NichtregierungsOrganisationen, Exilgruppen, hauptsächlich ehemalige Mobutuanhänger Gewerkschaften: Nach Abkehr von Einheitsgewerkschaft seit Ende 1990 Gewerkschaftspluralismus (über 20 Einzelgewerkschaften, faktisch ohne Einfluss) Wichtigste Medien: Private Fernsehsender wie u.a. Antenne A, Raga, Tropicana, staatliche Fernsehanstalt RTNC (Radio et Télévision Nationales du Congo), Agence Congolaise de Presse (ACP) eine Vielzahl von Tages- und Wochenzeitungen in sehr geringer Auflage, u.a. Le Potentiel, L’Avenir, Le Phare, La Tempête des Tropiques, Le Palmarès, La Référence Plus einzige landesweite Radiostation: Radio Okapi (unter Regie der VN-Mission MONUC) Bruttoinlandsprodukt (BIP): ca. 6,7 Mrd. USD (Schätzung 2004) BIP / Kopf: ca. 100 USD (2003)
Quelle: AA

MONUC: EU-Truppen sollen ihr unter die Arme greifen Foto: irin

Auf der einen Seite beklagt Ingo Badoreck diesen Zustand, weil es nicht mehr um Programme, sondern um Personen und Ethnien gehe. Auf der anderen Seite habe das den Vorteil, «dass es keine ideologischen Vorbehalte bei der Koalitionsbildung gibt.» Für die ausländischen Beobachter - und für die Bevölkerung - ist vor allem das Sicherheitsrisiko ein Problem. Täglich greifen Rebellen Dörfer an, verschleppen Frauen und Kinder, werden Journalisten an der Arbeit gehindert oder umgebracht. Juliane Kippenberg von Human Rights Watch macht schon länger darauf aufmerksam, dass unter diesen Bedingungen die Zivilgesellschaft kaum frei und aktiv agieren könne.

Hilferuf der UNO
Die Präsenz ausländischer Beobachter bei den Wahlen ist wichtig. Die Vereinten Nationen haben bereits die Europäische Union um Hilfe gebeten: eine EU-Eingreiftruppe solle der 16.000 Mann starken MONUC-Mission unter die Arme greifen. Auch bei der Deutschen Bundeswehr wurde angefragt - doch die Bundesregierung bleibt bis heute unschlüssig.

«Logistische Hilfe: ja, Kampfeinsatz: nein», gibt Hartwig Fischer, CDU-Afrika-Experte zu verstehen. «Wenn Sie politische Verantwortung tragen und Soldaten in den Kongo schicken müssten, dann machen Sie sich über alles Gedanken», gibt er zu bedenken. «Auch darüber, wie es für ei«Hin und wieder trifft man auf nen Soldaten ist, wenn er auf die Sichtweise, dass der Frieein Kind schießen muss, weil den und die Stabilität sich so das Kind mit einer Panzerfaust langsam ausbreiten würden vor ihm steht. Ich steh da und es nur noch kleine Orte nicht in der Truppe. Aber wir mit Unruhen gebe. Das ist eine entscheiden für unsere Trupfalsche Sichtweise», sagt Juliape, deshalb bitte ich um Verne Kippenberg. «Betrachten Sie ständnis, dass ich mich dazu allein, wie viele verschiedene heute noch nicht äußern bewaffnete Gruppierungen im kann.» Osten Kongos operieren. Es gibt verschiedenste DissidenMan setzt auf Zeit und wartet tengruppen, die man in die Ar- noch auf eine Einwilligung des mee integrieren wollte, die kongolesischen Präsidenten Josich aber dagegen gewehrt ha- seph Kabila zu einem solchen ben.» Ein unglaubliches KonEinsatz. fliktpotenzial, das im Grunde (Stefanie Duckstein – dw world) schon jetzt dabei sei, zu explodieren, meint die Human Rights Watch-Mitarbeiterin.

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Marokko:

Tabubruch für Demokratie und Menschenrechte
Tausende politische Gefangene waren unter dem verstorbenen marokkanischen König Hassan II. von massiven Menschenrechtsverletzungen betroffen. Ein düsteres Kapitel der marokkanischen Geschichte, die so genannten «bleiernen» Jahre, deren Opfer bzw. Hinterbliebene im Rahmen der durch seinen Sohn und Thronerben König Mohamed VI. im Januar 2004 einberufenen «Kommission für Gerechtigkeit und Versöhnung» die Möglichkeit gegeben wurde, die Menschenrechtsverletzungen anzuzeigen und über ihre damaligen Erfahrungen zu sprechen. Mohamed VI., der nach dem Tod seines Vaters im Juli 1999 an die Macht kam und sich von Anfang an vom Erbe Hassans II. distanzierte, beging mit der Einberufung dieser Kommission einen beispiellosen Tabubruch: Es durfte plötzlich an der Monarchie gerüttelt werden, ehemalige politische Gefangene sprachen offen über Folter, geheime Kerker und willkürliche Festnahmen. Ihre Zeugenaussagen über Staatsverbrechen und Repression in der Zeit von der Unabhängigkeit des nordafrikanischen Landes 1956 bis 1999 wurden im Staatsfernsehen direkt übertragen. Die Wahrheitskommission kümmerte sich in den vergangenen zwei Jahren darum, Dokumente aus marokkanischen und internationalen Quellen zu sichten sowie Art, Dauer und Tragweite von Menschenrechtsverletzungen nachzuweisen, die in den oben genannten Jahren begangen wurden. Die Akten von knapp 24.000 Personen, die Menschenrechtsverletzungen angezeigt hatten, mussten überprüft werden. Neben der Entschädigung der Personen, die Opfer von willkürlichen Verhaftungen, Entführungen und ähnlichen Rechtsverletzungen wurden, sorgte sich die Kommission auch um die psychische und gesundheitliche Rehabilitierung der Opfer und unterstützte sie dabei, die administrativen, beruflichen und juristischen Probleme zu lösen, die sich den Entführten nach ihrem Wiederauftauchen und den Gefangenen nach ihrer Freilassung stellen. Der Vorsitzende der nach südafrikanischem Vorbild gegründeten Wahrheitskommission, Driss Benzekri, - selbst ein Opfer, das 17 Jahre im Gefängnis saß - legte Ende Dezember 2005 in Brüssel seinen Abschlussbericht über 40 Jahre Machtmissbrauch im Königreich Marokko vor. Ein Menschenrechtsrat unter seinem Vorsitz soll nun weiter für Entschädigung der Opfer von Folter und Verschleppung sorgen. Die Kommission empfiehlt vor allem die Umsetzung echter Gewaltenteilung und die Einrichtung einer unabhängigen Justiz. «Der Konsultativrat für Menschenrechte wird die Untersuchungsergebnisse praktisch umsetzen: Entschädigung, sozioökonomische Programme für den gesellschaftlichen Wiederaufbau, das heißt, Reparationsleistungen auf Gemeindeebene für bestimmte Regionen. Dann sind Reformen nötig, um bestimmte demokratische Prinzipien zu achten. Und über die Verfassungsreform und GesetzeGeht beispielhafte Wege: Marokkos König Mohamed VI Foto: uno

sänderungen muss mit der Legislative, also dem Parlament, der politischen Klasse, debattiert werden», heißt es.

AFRICA live traf Driss Benzekri und den Vorsitzenden des Komitees für die Entwicklung des Königsreichs Marokko, Dr. Ahmed Akhchichine, in Berlin. AL: Herr Dr. Akhchichine, wie sehen Sie als Mitglied des marokkanischen Menschrechtsverbandes die Resultate der Arbeit der Wahrheitskommission? AA: Es ist für mich insbesondere Ausdruck einer kollektiven Bewusstseinsbildung – wenn auch zunächst nur unter der Elite -, die dahingeht, dass wir unsere Geschichte unter diesen Gesichtspunkten neu schreiben müssen, und dass alle Marokkaner sich darüber klar geworden sind, dass man den anderen, die menschlichen Werte, die Menschenrechte achten muss, damit sich solche Vorfälle niemals mehr wiederholen. AL: Kann Marokko Vorläufer für andere Staaten werden? AA: Wir sind uns in den letzten Wochen darüber klar geworden, dass wir diesen Prozess nicht alleine bewältigen können, wir brauchen die Unterstützung anderer demokratischer Staaten, die uns auf diesem noch so fragilen Weg begleiten. Und so könnte auch eine Lawine in Bewegung gebracht werden, zunächst einmal in Nordafrika bzw. den Maghrebstaaten.

Vlnr.: Drizz Benzekri, Marokkos Botschafter R. Bouhlal, A. Akhchichine Foto: B. Schumacher

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AL: Das Frappierendste ist ja, dass König Mohamed VI. durch die Einsetzung dieser Kommission im Grunde zugegeben hat, dass sein eigener Vater Verbrechen begangen hat. AA: Dieses Verhalten ist ihm hoch anzurechnen. Er ist jung, er möchte lange regieren, und dafür schafft er eine Basis. Sein Vater und sein Großvater konnten sich gegenüber der Bevölkerung im Glanz der erreichten Unabhängigkeit sonnen, Mohamed VI. dagegen arbeitet auf eine verantwortungsbewusste Zivilgesellschaft hin, die der Monarchie vertraut. Und dass es keinen Grund mehr zum Fürchten gibt, haben spätestens alle verstanden, als die Opfer öffentlich im Fernsehen ihr Leiden schildern durften. auftreten sondern nur Licht ins Dunkel der Menschenrechtsverletzungen bringen wollten. Es hat auch Proteste gegeben, wir sollten doch lieber das Vergangene ruhen lassen – darunter waren natürlich viele Leute, die in die Geschehnisse als Mitschuldige verwickelt waren. Harte Arbeit waren auch die Überprüfungen der Angaben, unzählige Archive mussten eingesehen werden, Gendarmerie-, Krankenhaus-, Gerichts- und sonstige Aufzeichnungen, die keineswegs immer korrekt geführt worden waren.

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Angola:

Datum für erste Nachkriegswahlen ungewiss
Im Ungewissen bleiben die Angolaner was das Datum für die ersten Wahlen nach dem Ende des Bürgerkriegs angeht. Präsident Eduardo dos Santos hat vor kurzem klar zum Ausdruck gebracht, dass sie nicht wie vorgesehen dieses Jahr stattfinden würden. «Unsere Partei muss die Regierung dahingehend unterstützen, dass das Straßen- und Schienennetz bis 2007 soweit 2008 zu verschieben. «Das ist seine Strategie. Er setzt Straßen und Eisenbahnwege instand, das kommt gut an bei den Wählern und bringt Stimmen», mutmaßt er. William Tonet, Führer der Großen Bürgerbewegung (AMC), geht sogar noch weiter: «Vielleicht werden die Wahlen um Jahre verschoben, ich denke da bis an 2010» erklärt der Herausgeber der einflussreichen Zeitung Folha Oito. «Der politische Wille fehlt ganz of-

AL: Sie haben die bleiernen Jahre selbst erlebt. Was verlangen Sie als Entschädigung? DB: Ich war Marxist-Maoist, glaubte an den Sieg des Proletariats, wie man eben so als junger Idealist ist. Ich wollte AL: Am Nebentisch mit Herrn Ben- die Welt verändern und landete aufgrund dieser politischen zekri sitzt eine arabische Dame, Aktivitäten im Gefängnis. die unentwegt mit den Tränen Durch all das, was ich seit meikämpft. Wer ist das? ner Entlassung unternommen AA: Da werden Sie Zeugin der habe, habe ich mich selbst verweit reichenden Dimension unserer Arbeit: Es handelt sich wirklicht und auch sozusagen selbst entschädigt, denn ich um ein Opfer, Frau Habiba* habe mich engagiert in Menaus Leipzig. Ihr Bruder wurde schenrechtsorganisationen, vor 30 Jahren in Marokko verhaftet, verschleppt und in Süd- für die Menschenrechte gekämpft, damit es anderen marokko in ein Gefängnis genicht so ergeht wie mir. Und steckt, ohne dass ihm jemals der jetzige Erfolg meiner Arder Prozess gemacht wurde. beit in der Kommission für GeSpäter kam er in ein anderes Gefängnis, und man hörte nie rechtigkeit und Versöhnung ist wieder etwas von ihm. Erst vor für mich die beste Entschädigung – mehr verlange ich kurzem wurde sein Leichnam nicht. entdeckt. Die WahrheitskomAL: Eine marokkanische Zeitung mission machte seine Schwester in Deutschland ausfindig, hat Sie zum «Mann des Jahres 2005» gekürt. Wie man hört, sind und nun berät Frau Habiba Sie darüber gar nicht glücklich … mit Herrn Benzekri, der sie nach Marokko eingeladen hat, DB: Ich freue mich, wenn man das weitere Vorgehen in Bezug meine Arbeit anerkennt. Aber wenn so ein Käseblatt wie das auf eine würdige Beerdigung, betreffende nur seine verkaufEntschädigung usw. te Auflage steigern will, indem es lautstark behauptet, landesweite Umfragen durchgeführt Fragen an: zu haben, wen die Bevölkerung nun lieber möge, den König, mich, den und den Sänger oder Schauspieler oder sonst AL: Herr Benzekri, was war das wen, ohne überhaupt die fiSchwierigste an Ihrer Arbeit als nanziellen Mittel für solche Vorsitzender der Kommission? DB: Zunächst einmal die Frage, Befragungen zur Verfügung zu haben, dann ärgert mich das. ob die Menschen überhaupt Mittel zum Zweck will ich niebereit sein würden, sich der mals sein. Vergangenheit zu stellen, all das wieder aufleben zu lassen, (Interviews: Ingrid Aouane) worunter sie so gelitten haben. * Name geändert Zumal wir ja nicht als Richter

wieder hergestellt ist, dass alle Bürger an den Wahlen teilnehmen können», ließ er auf einem Parteikongress verlauten. «Nur wenn die Menschen sich überall hinbegeben können, wird es eine glaubhafte Wahl», fügte er hinzu. Vor etwas über einem Jahr hatte er hingegen kategorisch behauptet: «2006 werden die Angolaner an die Urnen gehen, um ihr Wahlrecht auszuüben. Das wird ein historischer Moment». In der Tat ist die Organisation der Präsidentschafts- und Parlamentswahlen in dieser von einem 27-jährigen Bürgerkrieg (1975 – 2002) zerstörten ehemaligen portugiesischen Kolonie eine logistische Herausforderung. Opposition und manche Bürger glauben jedoch eher, dass der Wille zur Durchführung der Wahlen fehlt. José da Silva, Vorsitzender des Politischen Oppositionsrates (CPO), eines Verbands von Parteien ohne Abgeordnete, ist der Meinung, der Präsident versuche nur, die Wahlen auf

Angolas Hauptstadt Luanda Foto: fetnat

fensichtlich», klagt Manuel Fernandes, Generalsekretär der Koalition der Oppositionsparteien (POC). Die nationale Wahlkommission (CNE) hat vorgeschlagen, dass die Erfassung der rund sieben Millionen Wählerinnen und Wähler erst nach der Regenzeit beginnen solle, das heißt, Ende Mai oder Anfang Juni, da die abseits gelegenen Orte sonst nicht erreichbar wären. Da die Registrierung ein halbes Jahr dauern wird, ist offensichtlich, dass man vor Ende 2006 damit nicht fertig sein wird. Angola, ein riesiges Land mit 14 Millionen Einwohnern, ist reich an Erdöl und Diamanten. Die letzten Wahlen fanden im Jahr 1992 statt, aber der zweite Wahlgang konnte nicht durchgeführt werden, da die Kämpfe wieder aufgeflackert waren.
(pa)

Driss Benzekri

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kerung, die von dem Personenwechsel an der Spitze sehr viel erwartet, endlich mit positiven und konkreten Inhalten gefüllt wird. Eine Gnadenfrist wird man dem neuen Staatschef nicht gewähren. Abgesehen von den vorerwähnten Anforderungen wird er eine neue politische Klasse auf die Beine stellen müssen, weg von Bereicherung und Berechnung ohne Rücksicht auf den Volkswillen zur Entwicklung, hin zu einem neuen Vertrauen in den Staat und die Gesellschaft im Allgemeinen. Das Wichtigste wird sich also nicht bei, sondern nach der Wahl zeigen.
(Maurille Sètondji)

Benin:

Große Herausforderungen für die Herausforderer
26 Kandidaten haben ihre Teilnahme am ersten Wahlgang der Präsidentschaftswahlen Anfang März bekannt gegeben. Ein Zeichen für die dynamische Demokratie in diesem Land, dessen wirtschaftliche und soziale Lage ernorme Anstrengungen erfordern wird. der Wirtschaft, Bekämpfung der Armut und Korruption, Förderung der Arbeit – sprich Reduzierung der Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung -, Stärkung der Demokratie, Frauenförderung usw. Wer auch immer als Sieger des zweiten Wahlgangs hervorgehen wird, schwierig haben wird er es auf jeden Fall. Das fünfjährige Mandat wird eine Herausforderung, ebenso wie es der Wahlkampf selbst war. Dessen Organisation erweckte bei der Bevölkerung schon die Befürchtung, man wolle die nach der nationalen Konferenz 1990 angegangene Demokratie wieder in der Versenkung verschwinden lassen: Am Vorabend ihres Mandatsablaufs erklärte die Regierung unter Kérékou, die desolate wirtschaftliche Lage mache die Ausrichtung von Wahlen aufgrund der hohen Kosten unmöglich. Kein Wunder, dass Muss abtreten: Mathieu Kérékou Foto: fao die Wähler darin erneut einen Grund sahen, zu bezweifeln, Regierung bilden können ohne dass das Regime tatsächlich geBündnisse einzugehen. Im Grunde wird sich das Wahlkarussell nur um ein paar Einzelne drehen, die bereits mehrmals angetreten sind oder aber unstrittige Pluspunkte zu verzeichnen haben. Am ehesten rechnet man mit dem Finanzexperten Bruno Amousou und dem Rechtsanwalt Adrien Houngbédji, beide Minister in der scheidenden Regierung, mit Yayi Boni, Ex-Präsident der Westafrikanischen EntwickHat Chancen: Adrien Houngbédji lungsbank, und Lehady Soglo, Foto: ia dem Sohn des ehemaligen Präwillt sei, Wahlen zu organisiesidenten Nicéphore Soglo. ren und die Macht aus der Auch wenn die Wahlveranstal- Hand geben würde. Eine Antungen der einzelnen Parteien sicht, die auch Verteidigungsminister Pierre Osho öffentlich recht vielfältig waren, so ginteilte – und gleich darauf gen sie doch alle um die gleizurücktrat. chen Themen: Ankurbelung Zwei Frauen und 24 Männer bewerben sich um die Nachfolge des Amtsinhabers Mathieu Kérékou, für den eine erneute Kandidatur ausgeschlossen war, da er die Altersgrenze von 70 Jahren und die verfassungsmäßig festgelegte Anzahl an Mandaten erreicht hat. Die sieben Millionen Beniner machen keinen Hehl aus ihrer Verwirrung bis hin zu Verstimmung über diese unzähligen Kandidaturen, deren Großteil als Scherz abgetan wird. Keiner der Herausforderer wird eine

Mehr als eine Wahl
Angesichts der Budgetpolemik stellten mehrere Geldgeber – darunter die EU - dem Land sieben Millionen Euro für die Organisation der Wahl zur Verfügung, die die Regierung durch einen nicht näher bezifferten Betrag aufstockte. Dennoch blieb der Wahlkampf von Unsicherheiten geprägt, da die finanziellen Mittel nicht ausreichten. Die friedliche und verfassungsgemäße Vereidigung eines neuen Präsidenten im April 2006 wird somit das Ende einer langen Ära einläuten. Die Mobilisierung der Bevölkerung und Zivilgesellschaft im Hinblick auf korrekt organisierte Wahlen wird sicherlich Früchte tragen. Jenseits der Wahl befindet sich Benin mehr denn je an einem Scheideweg. Der neue Präsident wird eine marode Lage mit ungewisser Zukunft vorfinden. Die Wirtschaft, die zu 80% auf der durch Subventionen an amerikanische und europäische Produzenten nicht mehr wettbewerbsfähigen Baumwolle basiert, ist am Boden. Ananas, Mango u.a. wären ernst zu nehmende Alternativen, aber die Absatz- und Vertriebswege sind noch nicht erschlossen. Die Fleischproduktion, bereits zurückgegangen durch Tiefkühlimporte, erlitt gerade eine weiteren schlag durch die im Nachbarland Nigeria aufgetretene Vogelgrippe. Im Klartext heißt es, Worte in Taten umzusetzen. Das Land muss seine Wirtschaft diversifizieren und neue Lösungen entwickeln, damit die Demokratie in den Augen der Bevöl-

Impressum
Herausgeber und Verlagssitz: AFRICA Live Consulting Susanne Lassal Erlanger Str. 13 D – 12053 Berlin Tel.: * 49 (0) 30 634 131 22 Fax: * 49 (0) 30 634 131 20 Email: pdg@africa-live.de Web: www.africa-live.de Chefredaktion: Ingrid Aouane (V.i.S.d.P.) Ständige Mitarbeiter: Susanne Lassal (sl), Hanspeter Stauffer (hps), HansJoachim Weber (hjw), Jimmy Kenga (jk), Theresa Endres (te), Gerd Eckert (ge), Marlene Neusüss (mn), Helge Hagener, Maurille Sètondji (Korr. Benin) Agenturen und Kooperationspartner: pana, syfia, pressafrique (pa), afrik.com, fetnat, Deutsche Welle World Übersetzungen: Christine Belakhdar Layout & Artdirektion: Karl-Yosef Aouane schaffens-kraft.de werbeagentur Tel.: +49 (0)2227 – 90 72 60 www.wir-machen-zeitungen.de Gedruckt wird in Deutschland. Namentlich gekennzeichnete Artikel geben nicht in jedem Fall die Meinung der Herausgeber wider, nicht namentlich gekennzeichnete sind PR-Artikel oder Agenturmeldungen. Nicht gekennzeichnete Fotos sind Archivfotos von AFRICA Live. Für unverlangt eingesandte Manuskripte und Fotos übernehmen wir keine Gewähr. Fotos: Ingrid Aouane (ia), Hanspeter Stauffer (hps), Schaffens-kraft, Bilderbox, Stock Market, Stock Casse, Photocase (pc), fetnat, Hemera. Titelfoto: Sipa Press

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Südafrika: Mit Rovos Rail durchs halbe Afrika
Nach Jahren harter Arbeit in den verschiedensten Branchen hatte der passionierte Liebhaber nostalgischer Züge, Rohan Vos, den Mut, alles auf eine Karte, bzw. einen Zug zu setzen und kaufte 1986 seine erste Lok «Bianca», benannt nach seiner ältesten Tochter. Es folgten weitere Lokomotiven mit Waggons, die seine Frau Anthea liebevoll restaurierte und detailgetreu nostalgisch einrichtete. 1989 war es dann endlich soweit: Rovos Rail wurde ins Leben gerufen und bietet seitdem einmalige Bahnsafaris durch einige der spektakulärsten Landschaften Afrikas an. Der Rovos Rail Bahnhof in Capital Park wurde erstmals im Jahre 1943 eröffnet und spielte eine wichtige Rolle im Eisenbahnnetz Pretorias, bevor er in den 70ern nicht mehr genutzt wurde. 1999 wurde er von Rohan Vos übernommen und komplett restauriert. Heute kann man im Lokomotivschuppen bei den alltäglichen Wartungsarbeiten zuschauen. Der Nostalgiezug verfügt über drei Züge und fünf Lokomotiven, die mit besonderer Sorgfalt und Herz und Seele im Stil wieder hergerichtet worden sind. Die Unterkunft an Bord ist von höchstem Standard und kombiniert den Luxus und Prunk der Vorkriegszeit mit modernem Komfort. Die großzügigen Deluxe Suiten sind 11qm2 groß und verfügen über permanente Betten (Doppel- oder Twin) und eine separate Loungeabteilung. Jede Suite hat ein eigenes Bad mit Dusche. Die Royal Suiten haben die Größe eines halben Waggons (16qm2), und das Bad ist mit einer antiken Wanne ausgestattet. Im viktorianisch ausgestatteten Speisewagen verwöhnt eine exquisite Küche anspruchsvollste Gaumen, abgerundet durch ausgezeichnete südafrikanische Weine. Anschließend geht es stilvoll im Loungecar oder in der Observation Bar mit dem offenen Balkon weiter. Die Züge The Pride of Africa und The Classic können jeweils maximal 72 Fahrgäste befördern und fahren fahrplanmäßig auf der Route KapstadtPretoria-Kapstadt, entlang der Gartenroute, von Pretoria nach Durban und zurück und als Flug-Zug-Kombination zu den Viktoria Fällen. Während der Fahrt wird an interessanten Plätzen Halt gemacht, wo dann organisierte SightseeingTouren stattfinden. So wird kein Highlight ausgelassen! Im Preis sind die Zugreisen, Vollpension sowie alle Getränke und Ausflüge enthalten. Ferner werden Sonderfahrten durchgeführt, angefangen von der legendären 14-Tages-Reise von Kapstadt bis nach Dar es Salaam in Tanzania, 6100 km durch die Hälfte des afrikanischen Kontinents. Eine 9-tägige ”African Collage» und die 7tägige Reise von Pretoria nach Swakopmund in Namibia stehen ebenfalls auf dem Programm. Dreimal im Jahr werden 9-tägige Golf-Safaris durchgeführt. Zusätzlich zu den angebotenen Reisen besteht auch die Möglichkeit für Charter, Privatveranstaltungen und Betriebsausflüge mit variablen Strecken.
(www.travelpromotion.de www.rovos.co.za - www.rovos.com) Fotos: rovos rail

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Burkina Faso:

Kenia:

Billigflieger gegründet
Westafrika machts den europäischen Billigfliegern nach: Ab 6. März 2006 kann man zum Beispiel von Bamako/Mali nach Ouagadougou/Burkina Faso oder Dakar für 10.000 CFA (rund 15 Euro) fliegen. Die burkinische Fluggesellschaft «PointAir Burkina» steigt in das erprobte Billigfluggeschäft ein: Je früher gebucht, desto preiswerter. «Reisen für alle» heißt die Devise des Unternehmens, das besonderen Wert darauf legt, zu betonen, dass diese niedrigen Preise keinesfalls zu Lasten der Sicherheit gehen. Die Flüge werden mit Airbus 320-Flugzeugen durchgeführt, die internationalen Standards entsprechen. Diese Billigflüge sind sicher nicht nur interessant für Afrikaner auf dem Kontinent, sie könnten auch für ausländische Besucher eine Alternative darstellen: Sie können nun eventuell ein teures Endziel mit einem Zwischenstopp in Westafrika günstiger buchen. (ia)

Turtle Bay Beach Club erhält Öko-Auszeichnungen
Eine internationale Jury, ernannt von der Kenya Association of Manufacturers, verlieh dem Turtle Bay Beach Club (KAHK) vergeben wird sowie den Tourism Award of Excellence, bei dem insbesondere das öko-freundliche EnergieManagement eine wesentliche Rolle spielt.

Tunesien:

Auszeichnung für besten Messestand
Auf der österreichischen Urlaubs- und Reisemesse «Tourist 06», die vom 27. bis 29. Januar in Linz stattfand, wurde der tunesische Stand mit dem ersten Preis als bester Stand ausgezeichnet. Wie man es schon von der ITB her kennt, war Tunesien mit einem modernen und einladenden Stand vertreten, der die ganze Spannbreite des tunesischen Tourismus professionell darstellte. Ziel in Linz war eine Weiterentwicklung auf dem österreichischen Markt. Letztes Jahr besuchten 86.000 Österreicher Tunesien.

Seit Jahren ist die «All inclusive»-Clubanlage Turtle Bay Beach Club mit deutsch spreKenias Strände, in Deutschland sehr beliebt chendem Personal bei StammFoto: fetnat gästen sehr beliebt. Der Club eine weitere Auszeichnung im liegt an einem der besten Bereich der Energie-Wirtschaft Strände der Welt inmitten des Watamu National Marine – den Energy Management Parks. Der Club hat insgesamt Award. Das Hotel hat bereits folgende ökologische Auszeich- 145 Zimmer, tropische Gartennungen erhalten: den Eco Tou- anlagen und einen riesigen Swimmingpool. rism Award, der vom Verband der kenianischen Hotelbesitzer (www.turtlebay.co.ke)

Südafrika:

Lake St. Lucia ist malariafrei
Port El Kantaoui, beliebter Ferienort in Tunesien Foto: ia

Natürlich ist Tunesien dieses Jahr auch wieder mit einem bedeutenden Stand auf der ITB vertreten: Halle 21, Stand 215.
(pa)

Abenteuer, Nervenkitzel, Anstrengung

Eine der faszinierendsten Regionen Südafrikas, der 40 km lange See St. Lucia sowie das angrenzende Gebiet in der Provinz KwaZulu-Natal, sind malariafrei. Dies erklärte Dr. Brian Sharp, der Leiter des medizinischen Forschungsinstitutes in Südafrika. Damit ist nur noch der äußerste Norden der Provinz mit dem Tembe Elephant Park in den Monaten Oktober bis Mai ein malariagefährdetes Gebiet. Die Malaria ist seit ihrer Bekämpfung in KwaZulu-Natal um 96 Prozent zurückgegangen. Der Lake St. Lucia gehört zum Greater St. Lucia Wetlands Park, der seit 1999 zum Weltnaturerbe der UNESCO zählt. Das 250.000 Hektar große Gebiet beherbergt fünf verschiedene Ökosysteme. Zu den Attraktionen der Region zählen dicht bewaldete Dünen, Sümp-

fe und Palmenwälder sowie

Lake St. Lucia Foto: SA Tourism

Der Kindheitstraum vom Fliegen?! Herausforderung und Begeisterung? Nirgends besser als in Südafrika!
Hier geht's lang zum «African Bush Camp», zur Pilotenausbildung und zur anspruchsvollen Wildlife-Safari!

eine unvergleichliche Tierwelt mit Flusspferden, Krokodilen und eine Vielzahl an kleineren Wild- und Vogelarten. Einige reizvolle Tierreservate liegen ebenfalls entlang dieser Küste. Hier ist ein Paradies für Angler, Kanu- oder Kajakfans, Schnorchler und Taucher, Vogelfreunde, Walbeobachter oder Wanderfreaks.
(www.zulu.org.za, tourlinkafrica@t-online.de)

www.pilotenschule-suedafrika.de www.wildlife-flugsafari.de www.flugsafari-suedafrika.de

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Besonnt vom Luxus Die Klassenunterschiede der Hotels auf Mauritius sind meist eine Frage des Geschmacks
Avinash, der jugendliche Page, hat eine klare Vorstellung, wo er freie Tage am liebsten verbringt, und obwohl viele Kollegen das Faible teilen, macht es ihn ob seiner vermeintlichen Schlichtheit verlegen: Es heißt «La Pirogue». Das «mauritischste aller Hotels» nennt Avinash die Anlage, deren Eingangsbereich einem seitlich zur Hälfte in die Erde gesteckten Fischerboot gleicht, und deren Häuser zu einem Dorf komponiert sind, das äußerlich ein wenig dem des Asterix ähneln könnte, würden nicht 11.000 Palmen das Areal säumen, in dessen Mitte sich ein opulenter Pool ausbreitet. Avinash, der zweimal im Jahr auf Kosten des Hotels hier schlafen darf, spricht lieber von Hängematten und davon, dass im «Pirogue» – weil alle Zimmer ebenerdig begehbar sind – niemand Treppen steigen müsse. Dann aber verschwindet er rasch, drei Treppen hinab. Genug der Werbung für die günstige Konkurrenz aus dem eigenen Haus. Um seine Verlegenheit zu verstehen, muss man wissen, dass Avinash nicht im VierSterne-Hotel «La Pirogue» an der mauritischen Westküste arbeitet, sondern auf der anderen Seite der Insel, dort, wo die Sonnentage kühler sind. Im Deluxe-Hotel «Le Touessrok» serviert Avinash Platten mit feinster Schokolade aufs Zimmer, er packt Koffer aus und wieder ein, und er sortiert bei Bedarf die 13 Hand- und Badetücher entlang der eiförmigen Wanne, die die Mitte der 65 Quadratmeter großen Junior Suite bildet. Avinash arbeitet inmitten puren Luxus’: Dass das «Touessrok» fünf Sterne trägt, ist so selbstverständlich wie die Givenchy-Anwendungen im Spa oder die Qualität des Champagners im «Three-NineEight». Zumal beide, das Spa und das Restaurant «Three-Nine-Eight», gerade erst renoviert und zeitgemäß eingerichtet wurden; ebenso wie die schönsten Suiten des «Touessrok»: jene mit Breitbildfernseher, DVD-Player und Red Bull in der Minibar. Er wolle Luxus «trendig interpretieren, nicht traditionell», sagt Heinrich Morio, der das Hotel leitet, und Elvis, der sich um die wichtigen Gäste kümmert, die aus Hollywood und die aus Riad, wählt nach der Begrüßung bevorzugt Vergleiche mit der Autobranche. Das «Touessrok», sagt Elvis dann, sei der «Ferrari» unter den Hotels der One & Only-Gruppe auf Mauritius. Damit liegt er allerdings insoweit daneben, als das Hotel bei aller Eleganz und Behändigkeit, mit der die Gäste bedient werden, ein vergleichsweise ruhiger Ort ist. Auch und gerade dann, wenn abends im «Three-Nine-Eight» acht Küchen feinste Spezialitäten aus neun Ländern auf drei Ebenen servieren, das aufwändige musikalische Beiprogramm aber nur müden Beifall erwirkt. Es sind dies wohl die Momente, an denen Avinash sich besonders ins «Pirogue» wünscht, zu den traditionellen Sega-Auftritten, dargeboten ohne allzu großen Drang zur Perfektion vom Hotelpersonal. Und an denen Heinrich Morio darauf verweist, wie der Name One & Only zu verstehen ist, insbesondere auf Mauritius: Nämlich so, dass jedes Haus für sich einzigartig sei, so wie seine Gäste Individualisten seien, die keinen Kontakt suchten. Die Jugendlichen und Hochzeitsreisenden aus dem «Pirogue» nicht mit den Paaren um die 35, die im «Touessrok» dem Luxus frönen. Und noch weniger die Drei-SterneAll-Inclusive-Urlauber des «Coco Beach» mit der gesetzten Klientel in jenem Hotel, das Elvis den «Rolls Royce» nennt: das «Saint Géran». Das Haus heißt so wie das Schiff, das der Legende nach mitsamt Virginie an Bord sank, noch bevor Paul, der andere tragische Held der mauritischen Mythologie, die aus Frankreich Heimkehrende wiedersehen konnte. Den beiden zu Ehren speisen Gäste des «Saint Géran» heute zur Seeseite im «Paul et Virginie». Denselben Namen trägt auch das Pool-Restaurant im «Pirogue». Das Essen, bevorzugt Meeresfrüchte à la Mauricienne, ist in beiden ausgezeichnet. Dennoch stehen Paul und Virginie beispielhaft für den Klassenunterschied zwischen beiden Hotels. Denn während Gäste des «Pirogue» alternativ nur am Buffet oder im «Sugar Beach» nebenan dinieren können, wenden sich Gourmets im «Saint Géran» von Sage und Meer ab und reservieren einen Platz im «Spoon des Îles». Dort essen sie dann Kaviar und Pralinen, deren Rezepturen nur den Sterne-Köchen bekannt sind. Sie reden über die Golfrunde des vergangenen Tages auf der fantastischen Île aux Cerfs und beklagen dabei, dies allerdings sehr diskret, die hohen Preise für den Wein. Avinash sagt, wer im «Saint Géran» wohne, könne sich wohl auch den teuersten Wein leisten. Und dass er nur Minigolf spiele. Nicht Golf wie die Gäste des «Saint Géran» und des «Touessrok», nur Minigolf. Bisweilen im «Pirogue».
(Jan-Frederik Valentin)

Mauritius:

Coco Beach

Sugar Beach Resort

«Asterix mit Palmen»: La Pirogue

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Namibia:

Sansibar:

Mit Gondwana Desert Collection durch die vier Wüsten
Die Vereinten Nationen haben 2006 zum ‘Internationalen Jahr der Wüsten und Wüstenbildung’ erklärt. Die empfindlichen Lebensräume sollen geschützt werden. Wer afrikanische Wüstenlandschaften kennen lernen möchte, wird im Süden Namibias fündig. Dort treffen gleich vier Wüstensysteme aufeinander: Die Kalahari, die Nama Karoo, die Sukkulenten Karoo und die Namib. Namibia-Urlauber können die faszinierende Vielfalt der Landschaften sowie die Pflanzenund Tierwelt der vier Wüsten in den vier Parks der Gondwana Desert Collection erleben. Der Gondwana Kalahari Park, nordöstlich von Mariental, liegt inmitten roter Sanddünen der Kalahari, der größten Sandfläche der Welt. Im Gondwana Cañon Park am Fischfluss Canyon kann man die karge Schönheit der Nama Karoo mit ihren typischen Köcherbäumen erkunden. Der Gondwana Sperrgebiet Rand Park bei Aus ist ein Wanderparadies in der Sukku-

Touristenrekord in 2005
Die zu Tansania gehörende, halbautonome Insel Sansibar konnte im vergangen Jahr die höchsten Besucherzahlen ihrer Geschichte verzeichnen, obwohl zuvor befürchtet wurde, dass eventuelle Vorfälle in Zusammenhang mit den Wahlen Touristen abschrecken könnten. «Zum ersten Mal in unserer Geschichte hatten wir über 100.000 Besucher» erklärte Ali Halil Mirza, einer der Verantwortlichen der Tourismuskommission Sansibars, erfreut auf einer Pressekonferenz. 113.237 Sonnenhungrige besuchten die Insel im Indischen Ozean, erwartet hatte man nicht mehr als 100.000, denn eine ganze Reihe Länder hatten ihren Bürgern abgeraten, in Zeiten des Wahlkampfes dorthin zu reisen. Im Laufe der letzten Jahre nimmt der Tourismussektor jährlich um 5% zu und beschäftigt direkt und indirekt

Foto: gondwana

Fischer in Sansibar Foto: zanzibar.net

lenten Karoo, der artenreichsten Wüste der Erde. Im Gondwana Namib Park, nördlich von Sesriem (nahe dem berühmten Sossusvlei), findet man versteinerte Dünen sowie auch Sanddünen der Namib, der ältesten Wüste der Welt.
(www.gondwana-desert-collection.com)

45.000 Menschen auf der eine Million Einwohner zählenden Insel. Er könnte bald die Landwirtschaft übertrumpfen, die bisher 35% des Bruttoinlandsprodukts stellt. (pa)

Südliches Afrika:

Das Königreich der Zulu von seiner schönsten Seite
Die Höhepunkte des sagenumwobenen und faszinierenden Königreiches der Zulu sowie Einblicke in die Schönheit Mosambiks ermöglicht Caraville Tours auf einer einzigartigen 13-tägigen geführten Reise für eine kleinere Gruppe (4-10 Personen). Zu den Höhepunkten zählen unter anderem die majestätischen Drakensberge im Weltkulturerbe des Ukhahlamba Naturparks, die hervorragende Küche des Cleopatra Mountain Farmhauses, die faszinierende Zulukultur in Shakaland, die vielfältige Tierwelt der Ithala- und Hluhluwe-Imfolozi-Tierreservate, die unberührten, endlos weißen Sandstrände Mosambiks, das malerische von Raffia-Palmen umgebene Kosi Seengebiet, das Weltkulturerbe des St. Lucia Sees sowie die multikulturelle Hafenstadt Durban. Die Übernachtung erZulumädchen beim Körbeflechten Foto: SA Tourism

folgt zum Teil in Restcamps der Naturparks, in Safari-Lodges oder auch in Hotels. Die Tour wird zu unterschiedlichen Abfahrtsterminen von April bis Dezember 2006 angeboten und ist ab 3.300 EUR pro Person im Doppelzimmer zu buchen.
(www.caraville.co.za, tourlinkafrica@t-online.de)

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ter identifizieren sich voll mit dem Unternehmen. Durch diese Begeisterung entsteht eine herausragende Servicekultur. Schlägt die sich auch in Libyen in den Buchungszahlen nieder? Der Erfolg bestätigt unsere In-

Libyen:

Sechs-Sterne-Komfort, Antike und Wüste
Alfred Pisani war gerade Anfang 20, als er gemeinsam mit seinen Geschwistern 1962 auf Malta sein erstes Restaurant eröffnete. Inzwischen heißt das Unternehmen, das Pisani leitet, Corinthia Hotels International und führt 22 Hotels in Europa und in Afrika. Im September 2003 war Corinthia die erste Gruppe, die in der libyschen Hauptstadt Tripoli eine LuxusAnlage von Weltformat eröffnete. Das »Corinthia Bab Africa Hotel & Commercial Centre» gilt noch immer als das beste am Platz und als Indiz dafür, dass der Tourismus in Libyen eine große Zukunft hat. bereits seit 30 Jahren im Catering-Business tätig, zum Beispiel versorgen wir den Flughafen von Tripoli. Außerdem passt das Land sehr gut in unsere Expansionsstrategie: Wir investieren in eigene HoSpuren der Antike telimmobilien, und das immer Foto: fetnat in Ländern, die noch am Anfang ihrer touristischen EntWo soll ich da anfangen? Die wicklung stehen. Manchmal Strände sind großartig und kaum berührt. Die Ruinen aus steigen wir sogar ein, Jahre bevor größere Investoren uns folder Zeit der Römer und Griegen: Auf Malta investierten wir chen versetzen ebenso ins Staunen wie die geradezu ma- schon in den Siebzigern, als JV: Wie läuft das Tourismusgedort noch kaum Urlauber weiljestätische Weite der Wüste. schäft in Libyen? ten. Vorreiter waren wir auch Pisani: Es boomt. Das Ende der Und die Gastfreundschaft der in der Türkei in den frühen Libyer ist unübertroffen. Ich US-Sanktionen und die Öff90er Jahren und später in Mitnung der libyschen Wirtschaft muss das wirklich so sagen: tel- und Osteuropa. Ich habe selten ein Land ernach außen haben dazu geführt, dass viel mehr ausländi- lebt, in dem man so offenherDas «Bab Africa» haben Sie selbst sche Besucher als früher nach zig empfangen wird. errichtet – und unter anderem Tripoli kommen. Hatten Sie tatsächlich keine Beden- zweimal den Innenarchitekten ausgewechselt. Trifft der Stil des HauAn der geänderten Regierungspolitik ken, ein Luxushotel im ehemals ses jetzt Ihren Geschmack? geächteten Libyen zu errichten? allein kann das nicht liegen. Was hat Libyen den Reisenden zu bieten? Im Gegenteil. Wir sind dort ja Auf jeden Fall: Das Gebäude ist ein architektonisches Wahrzeichen von Tripoli geworden. Spitzenhotel Corinthia Bab Africa in Tripoli Der Stil ist arabisch, aber nicht Foto: Corinthia überladen.

Dezenter arabischer Stil Foto: Corinthia

vestition schon jetzt: Wir sind meist ausgebucht. Das Hotel wurde gerade rechtzeitig fertig, um von den wachsenden Gästezahlen in der Stadt zu profitieren.

Planen Sie weitere Investitionen in Libyen? Ja. Wir haben bereits eine ganze Reihe an Grundstücken gekauft. Sowohl in der in der Gegend von Tripoli als auch in anderen Ecken des Landes werden wir Touristenkomplexe bauen. Ich bin mir sicher, dass Und der Service entspricht europäi- parallel zu unseren Investitionen auch die Veranstalter die schen Standards? Chance ergreifen und an der Wir bieten absoluten SechsEntwicklung des Tourismus in Sterne-Komfort, der BusinessLibyen mitarbeiten werden. Reisenden ebenso zusagt wie anspruchsvollen Touristen. Das Auf die volle Unterstützung der libyschen Regierung, unter ist ja einer der Hauptgründe anderem auf Steuererleichtedes großen Erfolgs von Corungen, können sie dabei setrinthia, vor allem in den verzen. gangenen fünf Jahren, in denen wir einen Quantensprung (Interview: Jan Valentin) gemacht haben: Alle Mitarbei-

Majestätische Weite Foto: hps

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Der Pilot ist hier auf sich alleine gestellt: Schnelle Entscheidungsfähigkeit und somit Flexibilität im Denken ist erforderlich, Entscheidungen Dritter müssen hier vom Piloten getroffen werden – zur Sicherheit aller... Nichtsdestotrotz, Afrika ist der schönste und spannendste Kontinent dieses Planeten, jeder Tag, jede Stunde und jede Minute können völlig neue Erkenntnisse und Wunder im Zeitenlauf der Sonne gebären...
(TH-Aviation-ConneXions)

Härteste Herausforderungen für Piloten:
Das Herz Afrikas, im Ländergespann »Sudan-Uganda-EritreaKenia» ist ausgesprochen anspruchsvoll, nicht nur für den Charterpiloten. Das Klima und Landschaftsbild reicht vom feuchten Dschungelwetter über den schneebedeckten Kilimanjaro bis hoch zur trockenen nordafrikanischen Wüstendürre im Norden Sudans. Im Kibale-Forest Ugan-

Fliegen in der Mitte Afrikas!

und Ankunftszeit. Vor Abflug muss die Startbahn durch Sicherheitskräfte freigegeben werden, Vögel oder herumlaufendes Vieh können lebensgeauf dem Weg zur Stabilisierung lassen sich erste Ansätze fährliche Hindernisse einer Maschine beim kritischen wirtschaftlicher Aktivitäten Startvorgang bedeuten. erkennen. HaupteinnahmeDer Flug an sich ist relativ unquelle ist das Öl, welches im spektakulär, mal abgesehen Zentrum Sudans als strategisch wichtiger Rohstoff liegt. von kaum vorhandener KomNichtsdestotrotz ist die Armut munikation mit der Flugsicherung; Sollte diese dennoch sehr groß, eine Schulbildung zustande kommen, merkt der ist kaum vorhanden. Probleme sind insbesondere die un- Pilot schnell, dass das TowerPersonal leichten Belastungszuverlässige Bereitstellung situationen nicht gewachsen ist. Foto: ia

In der nächsten Ausgabe:
R e i s e r e p o r t a g e vo m S a h a r a fe st i v a l i n B i s k r a / A l g e r i e n

das leben mehr Primaten als an jedem anderen Platz unserer Erde, und nicht zuletzt ist dort auch das Ursprungsland des Nil, der sich an den Murchison-Fällen von einer besonders schönen Seite zeigt. Schnellstes, sicherstes und somit günstigstes Transportmittel sind kleine Regionalflieger afrikanischer Charterfirmen. Sudan: dieses Land ist noch sichtlich durch den Krieg zwischen den Moslems im Norden und den Christen im Süden zerrissen. Mittlerweile

von Energie. Die Straßen Sudans sind nach wie vor stark vom Krieg in Mitleidenschaft gezogen, durch Minengefahr sind diese größtenteils unbefahrbar. Das Mobilfunknetz ist ebenfalls sehr unzuverlässig, so dass die Kommunikation auch des Internetverkehrs auf Satellitenübertragung beruht. Für den südafrikanischen Berufspiloten stellen sich ungeahnte Fakten in dieser Gegend. Es gibt keinen «Flugplan» im Sinne von Boarding der Passagiere, Abflugzeit

Marokko:

Royal Air Maroc auf Expansionskurs
Die Royal Air Maroc (RAM) hat eine Steigerung ihrer Flüge nach Afrika um 106% über den Hub Casablanca angekündigt. Ab hier fliegt die RAM bisher direkt nach Mauretanien, Senegal, Côte d’Ivoire, Guinea, Mali, Gabun, Niger, Kamerun, Togo, Benin, Burkina Faso, Ägypten,

Foto: ram

Abenteuer, Nervenkitzel, Anstrengung

Der Kindheitstraum vom Fliegen?! Herausforderung und Begeisterung? Nirgends besser als in Südafrika!
Hier geht's lang zum «African Bush Camp», zur Pilotenausbildung und zur anspruchsvollen Wildlife-Safari!

www.pilotenschule-suedafrika.de www.wildlife-flugsafari.de www.flugsafari-suedafrika.de

Algerien, und Tunesien. Die bestehenden Flüge sollen aufgestockt werden, wobei es nunmehr u.a. zweimal täglich einen Flug nach Dakar geben wird, in Zusammenarbeit mit der Air Sénégal, deren Kapital zu 51% der RAM und 49% dem senegalesischen Staat gehört. 7 mal in der Woche geht’s nach Abidjan et Tunis, 6 mal nach Bamako, 5 mal nach Nouakchott, 4 mal nach Conakry und Algier, 3 mal nach Libreville, Douala, Ouagadougou, Lomé und Cotonou, sowie zweimal wöchentlich nach Niamey, Oran und Tripoli.

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Nur 49 davon dürfen bar ausgegeben werden: algerischer 1000-Dinar-Schein Foto: ia

Hier leben fast nur noch Millionäre: Simbabwes Hauptstadt Harare Foto: fetnat

Steigt und steigt: der sambische Kwacha Foto: fetnat

Algerien/Sambia/Simbabwe:

Von Geldnoten und Geldnöten
«Wer genau weiß wie viel Geld er besitzt, hat nicht viel Geld», sagt der Volksmund. Das kann den Simbabwern nicht passieren: Dort gibt es immer mehr unfreiwillige Millionäre. In Algerien indessen dürfen ab September 2006 große Beträge nicht mehr bar bezahlt werden, wohingegen in Sambia der immer stärker werdende Kwacha zu einer Euphorie der Verbraucher führt. Jetzt ist es amtlich: Die Algerier haben Angst vor Nullen. Anfang Februar 2006 wurde ein Gesetz im Parlament verabschiedet, das beschloss, dass am 1. September 2006 alle Algerier, ob Privat- oder Geschäftsleute, Zahlungen in einer Höhe von mehr als 50.000 Dinar (rund 500 Euro) nicht mehr bar tätigen dürfen. Als Grund für diese Maßnahme wird angeführt: Vorbeugung zur Vermeidung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierungen. Das Pikante daran ist jedoch, dass Personen, die nicht in Algerien wohnen, weiterhin ihre 50.000- Dinar-Scheine «ungestraft» unters Volk bringen dürfen, wohingegen jeder andere, der eine Zahlung über diesen Betrag hinaus tätigt oder annimmt, mit hohen Sanktionen rechnen muss. An ganz Schlaue, die eventuell versuchen würden, den Betrag in mehrere Zahlungen aufzuteilen, hat das Gesetz bereits gedacht: Werden sie ertappt, erwartet sie die gleiche Strafe. Eine Maßnahme mit Vor- und Nachteilen: «Kleinen Leuten», die bisher mangels größerer Ersparnisse kein Bankkonto eröffnen konnten, steht dieser Weg nun offen, aber andererseits wird es sicherlich sehr große Probleme geben insbesondere bei Privatgeschäften: Wie soll ich wissen, ob der Scheck des Privatmanns, der mein Auto kaufen will, auch gedeckt ist? Also läuft die Transaktion nur mit – für Fälscher sicher nicht schwer zu erstellendem - bankbestätigtem Scheck, was für die Banken im echten oder falschen Falle mit enormem Arbeitsmehraufwand verbunden sein wird. simbabwische Notenbank sagt bereits einen weiteren Anstieg um 200 Prozent bis zum Jahresende voraus. Flugs wurde eine neue 50.000 Zim-Dollar-Banknote eingeführt, die aber inzwischen auch bereits wieder von der Inflation überrollt wurde, denn dieser Betrag reicht nicht einmal mehr zum Kauf einer Tageszeitung. Straßenverkäufer haben eine neue Marktlücke entdeckt: Sie bieten nun Plastiktüten, Rucksäcke oder für größere Transaktionen Koffer feil. Die Lebenshaltungskosten einer durchschnittlichen Familie in Simbabwe betragen etwa 6.6 Millionen Zim-Dollar im Monat, was selbst in 50.000-er Noten immer noch eine Menge Papier bedeutet. Plastikgeld ist auch keine Alternative, denn das Gros der Simbabwer verfügt nicht über die entsprechende Bonität, um solch eine Karte zu erhalten. verzeichnen: Die jährliche Inflationsrate ist auf 12,2 Prozent gefallen, der niedrigste Stand seit vier Jahren. Benzin, Fahrkarten und neu importierte Fahrzeuge sind dadurch viel billiger, Lebensmitel und Mieten erschwinglicher geworden. Glück für die einen, Sorge für die anderen: Die sambischen Exportfirmen befürchten Umsatzverluste. Der von den G8Staaten im November 2005 beschlossene bis zu 100%-ige Schuldenerlass stärkt zwar die lokale Währung, für die Exportwirtschaft ist das jedoch keineswegs förderlich. Da der Kwacha gegenüber dem USDollar um 35% gestiegen ist, ist der Absatz im Ausland von Frischgemüse, Baumwolle und Tabak nicht mehr im gleichen Maße gesichert wie zuvor.
(Ingrid Aouane)

600% Inflation
In Simbabwe hingegen wird mit Millionen nur so um sich geworfen: Die Hyperinflation macht die meisten Leute zu unfreiwilligen Millionären und zwingt sie, tagtäglich riesige Bündel von Geldscheinen mit sich herum zu tragen. Die derzeitige Inflationsrate beträgt 600 Prozent, und die

Alles wird billiger
Glückliche Verbraucher hat dagegen – zunächst - Sambia zu

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Cuvée du Président:

Jenseits von (Süd-) Afrika
Wer an afrikanischen Wein denkt, der denkt automatisch an Südafrika. Doch auch jenseits vom Kap der Guten Hoffnung wird Weinbau betrieben. Auf Grund des vorherrschenden tropischen und subtropischen Klimas ist in Afrika der Weinbau jedoch nur in den klimatisch milderen Randzonen im Norden und Süden möglich. heißen Klimas findet der Weinbau jedoch vornehmlich in den küstennahen und hoch gelegenen, kühlen Gebieten statt. Trotz der teilweise recht großen Menge an produzierten Weinen, ist es nicht einfach, qualitativ hochwertige WeiNoch bevor die ersten Rebstöcke in Deutschland angepflanzt wurden, blühte ne aus dem Norden Afrikas zu finden. Ein in Nordafrika bereits der Weinbau. Bei Tu- Land, in dem man diese Weine finden kann, ist Algerien. nis im heutigen Tunesien gab es schon 500 v. Chr. Weingärten, und Ägypten gilt Der Weinbau in Algerien geht auf die Zeit sogar als die Wiege des Weinbaus. Doch der Besatzung durch die Franzosen im der islamische Einfluss und das damit Jahre 1830 zurück. So stammen auch die einhergehende Weinverbot ließen die angebauten Rebsorten aus Frankreich: CaWeinproduktion in Nordafrika fast zum rignan, Cinsaut, Cabernet Sauvignon, Erliegen kommen. Heute werden außerGrenache Noir, Pinot Noir und Syrah. Das halb Südafrikas auf etwa 215.000ha RebAppellations-System als Pendant zum stöcke angebaut. Der Großteil davon ist jedoch für die Tafeltrauben- und Rosinen- französischen AOC heißt hier AOG (Appellation d’Origine Garantie). produktion bestimmt. Aber auch Wein wird in nordafrikanischen Ländern wie Algerien, Marokko und Tunesien produziert. Aufgrund des Als einer der besten Weine Algeriens gilt der Cuvée du Président. Er ist eine Cuvée aus den Rebsorten Carignan, Cinsaut, Sy-

rah, Cabernet Sauvignon, Grenache, Mourvèdre und Alicante Bouschet. Im Glas schimmert der Wein in einem blassen Rubinrot. Das Bouquet präsentiert sich fruchtig-würzig mit warmen Fruchtnoten von Pflaumen, Kirschen und Brombeeren, durchzogen von Kräuternoten. Auch am Gaumen zeigt sich der Wein süßlich-warm und recht robust mit einem Schwung Pfefferwürze und samtigen Tanninen. Man meint, die nordafrikanische Hitze in diesem Wein zu spüren. Der Wein besitzt mit einem Preis von nur 5.00 Euro ein gutes Preis-Genussverhältnis.
(Helge Hagener - Weinautor, Leiter von Weinseminaren und Betreiber der Seite www.sa-weine.de)

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berichteten sehr konkret über die Bemühungen der afrikanischen Produzenten um die Qualität ihrer Produkte und der Erreichung der Normen, d.h. der EuroGap-Norm. Mali, Ägypten, Kenya und Uganda die Die Fruit Logistica, als wichtigste Messe Nur damit können sie ihre Exporte siMöglichkeit der Messeteilnahme. Beide Inim Bereich des Obst- und Gemüsemarkechern. tings, hat im Verlaufe der letzten Jahre im- stitutionen sind staatliche Einrichtungen mer mehr Interessenten aus afrikanischen ihrer Länder und leisten als Promotoren Während Prof. Sefa-Dedeh von der Univereinen wichtigen Beitrag im Sektor MarkeLändern angezogen. Die Präsentationen sität in Accra die Dynamik im Rahmen der afrikanischen Unternehmen sind zwar ting für afrikanische Partner. der PPP zur Prägung einer GhanaGAP ernoch differenziert in ihrer Gestaltung, läuterte, die auch von der Regierung aber sie sind gekommen, um direkte KonKooperationsmöglichkeiten maßgebend unterstützt wird, zeichnete takte zu finden, um ihre Produkte zu offeMr. Chadwick vom Verband der Zitrus-Anmit Deutschland ausweiten rieren, in dem Wissen, dass sie selbst akbauer in Südafrika ein Bild der intensiven tiv sein müssen in der Marktöffnung für Produktionsentwicklung bei Zitrusfrüchihre Produkte, und um sich einen Anteil Mounir Bensaid, Leiter der marokkaniten in Südafrika. Sie stehen heute an 3. am Importbedarf der europäischen Länschen Exportförderungsagentur, gegenüStelle im Weltexport. Einen speziellen Beider zu sichern. Aber dafür benötigen sie ber Africa live: «Wir haben 40 Jahre lang trag leistete Achilles de Naeyer aus Namizweifellos Unterstützung, die sie auch bei an der Grünen Woche teilgenommen, bia zu einem für Nambia neuem Sektor, deutschen Partnern suchen. sind dafür sogar ausgezeichnet worden, der Tafeltraubenproduktion. Die Besonhaben dann aber 2000 gewechselt auf die derheit der am Oranje-Fluss auf WüstenAuf der einen Seite zeigten sich sehr beFruit Logistica, die professioneller und boden entwickelten Tafeltraubenprodukeindruckend die Gemeinschaftsstände eher auf marokkanische Produkte zugetion liegt darin, dass die Früchte mangels von Unternehmen der Länder Südafrika, schnitten ist. Unsere Exportzahlen nach Regen nicht aus der Luft verschmutzt Marokko und Ägypten. Auch eine Reihe Deutschland steigen zwar, sind aber werden und in einer ausgezeichneten von Exporteuren aus Ghana präsentierten längst noch nicht auf dem Niveau angeQualität zu einem großartigen Exportrensich gemeinsam unter der Regie der Gha- langt, das sie eigentlich erreichen könnner wurden, obwohl die Sicherung der na Export Association mit ihren guten ten. Das liegt meines Erachtens an beiden Wasserversorgung sehr kostspielig war. Ananas Qualitäten MD2, Sugar Loaf und Seiten: Deutschland ist noch nicht ausreiHerr Naeyer sprach von jährlich 27 000 Smooth Cayenne, mit Mango, Papaya und chend informiert über unser großes PoTonnen Trauben verschiedener Sorten, Gemüse. Ghana verzeichnet beim Gemütenzial, was wir aber selbst zu verantwordie nach Europa und Asien exportiert se- und Fruchtexport eine Erfolgsstory ten haben, weil wir offensichtlich markewerden. Das spezielle Logistiksystem simit jährlichen Wachstumsraten von bis tingtechnisch gesehen noch nicht genug chert eine hocheffektive Verschiffung der 20 %. Für Produkte aus diesen Ländern be- Verkaufsförderung betreiben». Ware, die in 19 Tagen vom Strauch beim stehen bereits eingefahrene Bezugswege, Verbraucher ist. getragen von deutschen GroßimporteuDie afrikanischen Aussteller auf Kontaktren, die sich auch vor Ort in die Entwick- suche zu deutschen Partnern fühlten sich Diese progressiven Tendenzen in Afrika lung mit Investitionen eingebracht hajedoch teils verlassen. Dabei bieten sich sollten in unserem Land doch Anreiz geben. im Zuge vielseitiger Initiativen der Regieben, mehr zu tun in der Entwicklung von rungen afrikanischer Länder in Richtung Partnerschaften, mehr zu überlegen und Andererseits zeigte sich auch, dass eine agro-industrieller Entwicklungsprojekte, zu entscheiden, wie eine Mitwirkung in Reihe kleinerer Produzenten die Möglich- die als Ziel die Verarbeitung landswirtAfrika-Projekten auch zum eigenen Vorkeit erhielten, von einem europäischen schaftlicher Produkte und Früchte im eiteil aussehen könnte. Die Fachmesse Fruit Partner für die Messeteilnahme begleitet genen Land haben, interessante KooperaLogistica 2006 in Berlin hat ihren Beitrag zu werden. So agierte wieder die SIPPO tionsmöglichkeiten an. für konkrete wirtschaftliche Beziehungen «Swiss Import Promotion Programme» mit Afrika bereits beispielhaft erbracht. und nahm unter ihrem Schirm u.a. zwei Das zu Kenia angeführte Hallenforum (Dipl. Oec Gerd Eckert, Fotos: ia) Unternehmen aus Ghana mit auf. Die «Frischepartner in Afrika – Neue Produkte CBI, « Centre for the Promotion of Import und großes Potenzial» war eine sehr gefrom Developing Countries» aus den Nielungene Untersetzung der Afrikaaktivitäderlanden bot Produzenten aus Senegal, ten auf der Messe. Alle vier Vortragenden

Afrika auf der Fruit Logistica 2006:

Auf der Suche nach Früchte tragender Zusammenarbeit

Ghana: Wachstumsraten von bis zu 20%

Südafrika: Professionell aufgemachter Stand sorgt für großen Andrang

Mounir Bensaid: «Deutschland ist noch nicht ausreichend informiert über unser großes Potenzial»

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Südafrika:

«Blackoisie» treibt Autoverkäufe in die Höhe
Die Neuwagenverkäufe in Südafrika erreichen Rekordhöhen dank der Kaufkraft der schwarzen Mittelschicht, die sich mittlerweile insgesamt zu einem zentralen Motor der Wirtschaft entwickelt. Laut Angaben des Verbandes der Automobilhersteller Südafrikas (Naamsa) wurden im Jahre 2005 erstmalig über eine halbe Million Neuwagen verkauft, eine Steigerung von über 35% im Verhältnis zum Vorjahr. Nico Vermeulen, Leiter der Naamsa, schreibt die gestiegene Nachfrage zwar einerseits den relativ niedrigen Zinssätzen zu, aber der springende Punkt ist für ihn die aufstrebende schwarze Mittelschicht, deren Nachfrage ständig zunimmt. Über ein Drittel der verkauften Fahrzeuge gingen an Verbraucher aus diesem gesellschaftlichen Umfeld. «Es ist nicht zu übersehen, dass die schwarze Mittelschicht sich rasant nach oben entwickelt», sagt Servaas van der Berg, Professor für Wirtschaft an der Universität Stellenbosch. Dieses Kaufverhalten sei noch eine Folge der Apartheid, meint er, die schwarzen Mitglieder der südafrikanischen Mittelschicht gäben lieber ihr Geld aus für dauerhafte Konsumgüter wie Autos oder Immobilien, wohingegen die Weißen sich eher einen teuren Urlaub gönnten.
Foto: Mercedes SA

noch der Großteil der Reichtümer in den Händen von Weißen liegt. In seinem Bericht vom August letzten Jahres schreibt das Zentrum für Entwicklung und Unternehmen, dass die schwarze Mittelschicht sich zwar in der Tat rasch entwickele, aber dennoch weitaus kleiner sei als in den Medien dargestellt. «Basierend auf dem Willen, die Nation aufzubauen, gibt es in Südafrika eine Tendenz, in Bezug auf die Verteilung der Reichtümer sehr optimistisch zu sein und wirtschaftliche Fortschritte zu übertreiben», heißt es darin weiter. Roger Southall, Forscher am Humanforschungszentrum HSRC, betont, dass diese Kaufkraft auf einer hohen Verschuldung beruht, wodurch sie sehr zerbrechlich würde. «Sollte sich die wirtschaftliche Tendenz ändern oder die Zinsen steigen, hätte das gravierende Folgen», warnt er. Auch wenn die schwarze Bourgeoisie, die eine südafrikanische Wochenzeitung «Blackoisie» nannte, im Kommen ist, so ist die Armutsbekämpfung unter der Gesamtbevölkerung dennoch weiterhin eine bedeutende Herausforderung für die Regierung des Landes.
(pa)

Viele Analysten warnen jedoch davor, übereilte Schlüsse zu ziehen, in einem Land, wo fast 12 Jahre nach den ersten freien Wahlen in der Geschichte, die der ANC mit 62% für sich entscheiden konnte und Nelson Mandela als ersten schwarzen Präsident an die Macht brachten, immer

Kongo-Brazzaville:
Diese Verschleierungstaktiken werden ermöglicht durch mit Erdöleinnahmen abgesicherte Anleihen, eine «Wir werden von allen Seiten angegriffen, unsere Gläubiger sind wie die Geier auf der Suche nach Vorgehensweise, die viele unseren Einnahmen, damit wir unsere Schulden bezahlen. Deshalb sind wir gezwungen, unser arme aber rohstoffreiche LänGeld durch manchmal unorthodoxe Methoden zu schützen» gab Ende Januar der kongolesische der praktizieren. Das schafft lt. Premierminister Isidore Mvouba offen u. Einige Tage zuvor hatte der Abgeordnete Joseph KigGlobal Witness ein ideales Umnoumbi Kia Mboungou einen Riesenmedientrubel verursacht, als er lautstark vor dem Parlafeld für Korruption, denn die mentsgebäude forderte, Präsident Sassou Nguesso wegen Hochverrats vor Gericht zu stellen. Regierungen sind nicht gehalDie britische Nichtregierungs- Während der Premierminister Seine aussichtlose Forderung ten über die Art der Verträge erklärt, diese Praktiken dienbasiert auf einem Gerichtsver- organisation Global Witness noch die Verwendung der Gelten nur dem Entkommen vor fahren in Großbritannien, das erklärte in einem im Dezemder zu informieren. In den den Gläubigern, nimmt Global ber 2005 veröffentlichten BeKongo gegen einen Gläubiger USA z.B. läuft ein GerichtsverWitness an, dass sich die dem richt, das Gericht habe eine verloren hatte und in dessen fahren, das den Zeitraum von Schieberei von mindestens 472 Präsidentenclan angehörenden Verlauf bewiesen worden war, 1999 bis 2003 umfasst, in dem Firmenbosse selbst bereichern dass kongolesische Regierungs- Millionen Dollar aufgedeckt, 650 Millionen geliehene Dollar wollten. Die Differenz zwidie durch zwei Firmen geganvertreter mit Hilfe eines Netdurch 1,4 Milliarden Dollar Erzes von Offshorefirmen Erdöl- gen seien, die «Sphynx Bermu- schen dem Betrag, den die döleinnahmen zurück erstatSNPC erhalten und dem was da» und die «Africa Oil and einnahmen vor dem Zugriff tet wurden. Kongos Regierung letztendlich die staatliche FiGas Corporation», die wiederder Gläubiger gerettet hatten, versprach, diese Praktiken zu nanzkasse bekommen habe, um beide einem Berater des die versucht hatten, über die stoppen, hat sich aber bis heubeliefe sich auf 300 Millionen nationale kongolesische Erdöl- Präsidenten, Denis Gokana, te nicht daran gehalten. unterständen, der auch gleich- Dollar – ein Drittel der Erdölgesellschaft SNPC an ihr Geld (Zaïre Djaouane – afrik.com) einnahmen des Landes. zeitig Direktor der SNPC ist. zu kommen.

Erdöleinnahmen werden vor Gläubigern verheimlicht

Mode

Nr. 02/2006 | Seite 23

Senegal:

Nafissatou Diop: inspiriert von den Waffen der Frau
Nafytoo: Ihr Markenname ist zugleich ihr Kosename: Die junge senegalesische Modedesignerin Nafissatou Diop hat eine Marktlücke entdeckt: Sie kreiert Unterwäsche, ein Novum in ihrer Heimat und auf dem gesamten subsaharischen Kontinent. Ihr verführerischleichter, oft mit Perlen verzierter Häkellook bezaubert inzwischen ihre Kundinnen, auch wenn es zu Anfang gar nicht so einfach war, in einem muslimischen Land mit diesen Dessous den Durchbruch zu schaffen. Nafissatou und ihre sechs Geschwister werden streng erzogen, Ihr Vater ist Offizier der senegalesischen Armee, ihre Mutter eine traditionsbewusste Peulh. 1984 wird der Vater nach Paris versetzt, und von nun an wird vieles anders. Nafissatou beginnt, sich für Mode zu interessieren, und nachdem sie 1993 an einer Modenschau einer Designerschule teilgenommen hat, weiß sie, was sie will: Sie hängt kurzerhand ihre kaufmännische Berufausbildung an den Nagel und schreibt sich an einer Designerschule ein. Vier Jahre später kehrt sie zurück in den Senegal, um ihre eigene Marke dort zu lancieren. Dass Unterwäsche und Homewear eine Marktlücke sind, fällt ihr sofort auf, und schon bald sind die beiden Produktlinien Créations Nafytoo auf dem Markt: «Sensations exotiques», die zauberhafte handgehäkelte Unterwäsche, natürlich modern mit bei BHs verstellbaren Trägern und Bügeln, und «Téranga», eine Homewear-Kollektion aus weichen, fließenden Stoffen, die man sogar am Strand tragen kann. Nafissatou, wie bist du gerade auf den Häkellook gekommen? Häkeln ist etwas, was wir Senegalesinnen sehr gut können, so dass ich dadurch Arbeitsplätze schaffen kann. Und es sieht doch toll aus, oder? Wie geht die Herstellung der Modelle vor sich? Ich habe einen Stab junger Frauen, die für mich arbeiten, ein Teil stellt die Ware her, andere betätigen sich als Ausbilderinnen. Deine Produktlinien heißen «Exotische Empfindungen» und «Téranga» – was bedeutet das? Téranga heißt so etwas wie Einladung und Gastfreundschaft auf Wolof – die bedeutendsten Charakterzüge der Senegalesen überhaupt. Wie betreibst du dein Marketing? Hast du schon an Messen teilgenommen? Ja, gerade im Februar war ich auf der internationalen Wäschemesse in Paris – mit großem Erfolg übrigens. Vorher bin schon einmal nach Kanada gereist, als Teilnehmerin einer Wirtschaftsdelegation, die das senegalesische Handelsministerium organisiert hatte. Wer sind deine Kundinnen? Senegalesinnen, Französinnen und …? Klar, aber sogar Männer kaufen bei mir. Das hält sich aber noch in Grenzen, die sind oft zu schüchtern! Ich würde gerne auch in Deutschland Vertriebszweige eröffnen und mich freuen, wenn sich über AFRICA live Interessenten meldeten. Deine Inspiration? Afrika mit seinen Mysterien, Farben und Gerüchen, der moderne Okzident, und natürlich ganz besonders die Frau - mit ihren Rundungen, ihrer ruhigen Kraft und ihren geheimen Waffen.
(Ingrid Aouane, Fotos: privat)

Sucht Vertriebspartner in Deutschland: Stilistin Nafissatou Diop

Verführerisch: leichte Dessous

Modell «Ayele»: Wohlfühlmode für zu Hause und Strand

Spots

Nr. 02/2006 | Seite 24

Botswana:

Tschad:

Neues von den San
Die San aus Botswana, die sich einer Vertreibung aus dem Kalahari-Reservat verweigern (siehe Titelstory AFRICA live Nr. 1/2006), haben sich bereit erklärt, mit der Regierung über einen Kompromiss zu verhandeln, kündigte ihr Anwalt Gordon Bennett Anfang Februar anlässlich der Wiederaufnahme des Prozesses an. «Es ist nie zu spät für eine Lösung», erklärte Bennett, «aber es handelt sich hier um einen Fall, der sehr viel Nachdenken und Gespräche erfordert». Der Prozess, der von den internationalen Medien mit Interesse verfolgt wird, wurde wieder aufgenommen, nachdem er auf Ersuchen der San, die erst einmal die finanziellen Mittel zur Weiterführung zusammenbringen mussten, im Septem-

Nationalversammlung verlängert Mandat bis 2007
Die Abgeordneten des Tschad haben Ende Januar für die Verlängerung ihres Mandats gestimmt, mit dem Argument, dass aufgrund der finanziellen Probleme des Landes nicht gleichzeitig Parlaments- und Präsidentschaftswahlen vorgenommen werden könnten, wie es ursprünglich für 2006 vorgesehen war. gel muss darauf verzichtet werden». Tschad hat seit kurzem Probleme mit der Weltbank, die alle Kredite eingestellt hat und die Konten, in die Erlöse aus dem Erdölgeschäft fließen, gesperrt hat. Aufgrund gravierender finanzieller Probleme hatte der Tschad zuvor beschlossen, die wichtigste Verord-

Roy Sesana, Führer der botswanischen San Foto: ia

ber 2005 unterbrochen worden war. Die San, einstmals Millionen, sind heute nur noch 100.000, wovon die Hälfte in Botswana, die übrigen in Angola, Namibia, Südafrika, Sambia und Simbabwe leben. (ia)

Südafrika:

Stopp der Grundstücksverkäufe an Ausländer?
Eine von der Regierung beauftragte Expertenkommission hat empfohlen, in Erwartung eines entsprechenden Gesetzes ab sofort Grundstücksverkäufe an Ausländer einzustellen. Präsident Mbeki hatte Anfang Februar vor dem Parlament geäußert, dass noch in diesem Jahr ein solches Gesetz erlassen würde, «in Übereinstimmung mit internationalen Vorgehensweisen und Normen», hatte er präzisiert. Als «Erbe» der Kolonial- und Apartheidszeit ist in Südafrika der Großteil der Ländereien in den Händen von Weißen. Eine Agrarreform sieht vor, dass innerhalb von 15 Jahren 30% schwarzen Südafrikanern gehören sollen. In den letzen Jahren hatten verstärkt Europäer, Amerikaner und Asiaten Residenzen, Weinbaugebiete und Landwirtschaftsbetriebe erstanden. Als im Juni 2004 die Regierung erstmals davon sprach, den Verkauf an Ausländer im Rahmen eines Gesetzes festzulegen, hatte die Opposition heftigst reagiert und argumentierte, das würde Investoren verschrecken. Mbeki sagte

Abderamane Djasnabaille, Minister für Parlamentsangelegenheiten und Menschenrechte erklärte dazu: » Wir können 2006 nicht Präsidentschafts-, Parlaments- und auch noch Kommunalwahlen abhalten. Sie alle wären zwar aufgrund des Vierjahrsrhythmus fällig, aber aus Geldman-

Gesprächsrunde Tschad-Weltbank Foto: fetnat

nung des Gesetzes zur Verwaltung der Erdöleinkünfte, die die Regierung verpflichtete, einen Teil des Geldes für die zukünftigen Generationen anzulegen, abzuändern.
(pa)

Afrika/USA:

Jendayi Frazer betont Bedeutung Afrikas in punkto Sicherheit
Die stv. US-Staatssekretärin für afrikanische Angelegenheiten, Jendayi Frazer, hat geäußert, «Afrika sei lebenswichtig für die Sicherheit der USA». Die Ex-Botschafterin de USA in Südafrika erklärte weiter, sie sei sehr erfreut, Teil einer Regierung zu sein, die «Afrika in Bezug auf die allgemeinen Interessen der USA wirklich höchste Bedeutung zumesse». Veröffentlicht wurden diese Aussagen in «Panorama», einem Infobulletin der amerikanischen Botschaft im Senegal. Mrs. Frazer betonte, dass diese Tatsache sie motiviere, sich verstärkt für amerikanisch-

Weinregion Stellenbosch: Bald unerreichbar für Ausländer? Foto: fetnat

seinerzeit, dass viele Länder solche Einschränkungen praktizierten, z.B. die Schweiz und Kanada. (pa)

Jendayi Frazer

Foto: usgov

afrikanische Partnerschaften einzusetzen. (pa)

Spots

Nr. 02/2006 | Seite 25

Kenia:

Algerien:

Barclays Bank führt islamisches Bankengesetz ein
Die Barclays Bank in Kenia hat eine Produktreihe auf den Markt gebracht, die auf die rund acht Millionen muslimischen Kenianer zugeschnitten ist. In Zukunft können diese ein so genanntes «Riba Current Account» eröffnen, das unter anderem keine Zinszahlungen erlaubt. Bankdirektor Mohamed erklärte, es handele sich dabei um ein System, das von der Scharia inspiriert sei. Auch nicht-muslimische Kunden könnten solch ein Konto eröffnen, dabei müsste aber jeweils geprüft werden, dass die Einlagen nicht für Zwecke verwendet würden, die der Scharia widersprächen. Kenia ist damit

Siemens baut mit Partnern erste U-Bahn in Algier
Führer des Konsortiums ist, Siemens wird mit zwei Partentfällt mit 145 Millionen nern die erste U-Bahn in Algier bauen. Wie der deutsche Euro der größte Anteil. GeKonzern in Paris mitteilte, er- plante Bauzeit der neun Kilometer langen Linie mit zehn hielt sein Konsortium mit den Unternehmen Vinci aus Frankreich und CAF aus Spanien den Zuschlag für das 380 Mil- Algier: Neun Kilometer U-Bahn geplant Foto: hps lionen Euro teure Projekt in Stationen sind 35 Monate. der algerischen Hauptstadt. Die 14 Züge werden von der Auf die Siemens-Tochter spanischen Construcciones Transportation Systems, die y Auxiliar de Ferrocarriles System- und Signaltechnik, Telekommunikation, Elektro- (CAF) geliefert. nik, Schienen und Fahrkar(pa) tenautomaten liefert und

Foto: fetnat

das vierte afrikanische Land, das über solch ein Bankensystem verfügt, nach dem Sudan, Ägypten und Südafrika.
(pana)

Liberia :

Taylor «keine Priorität»
Liberias neue Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf hat in ihrer ersten Pressekonferenz nach der Wahl erklärt, die strafrechtliche Verfolgung des Ex-Präsifür Liberia nötig ist». «Somit ist das Problem für uns zweitrangig, auch wenn wir wissen, dass es in den Augen der internationalen Gemein-

Sansibar:

Neues Ausbildungsgesetz positiv für Schülerinnen
71 Parlamentsmitglieder - die Oppositionspartei CUF (Civiv United Front) enthielt sich haben vor kurzem in Sansibar für eine neue Ausbildungspolitik gestimmt, die bedeutende Reformen vorsieht. Insbesondere profitieren werden davon junge schwangere Schülerinnen. Über 20 Jahre lang mussten diese nämlich sofort ihre Schulzeit endgültig beenden. Bis zu einer Gesetzesänderung im Jahre 2005 konnten sie sogar in-

denten Charles Taylor sei für sie kein vordingliches Anliegen. Mehrere Menschenrechtsorganisationen hatten sie angeschrieben und um Verurteilung Taylors in Liberia ersucht. Johnson-Sirleaf äußerte, dass der Fall Taylor kein Hindernis dabei darstelle, «zu tun, was

Ehemalige Taylor-Soldaten während des Bürgerkriegs in Liberia Foto: hrw

Nach der Geburt zurück in die Schule Foto: irin

schaft von äußerster Wichtigkeit ist», fügte die Präsidentin hinzu. Charles Taylor lebt seit seinem Machtverlust 2003 in Nigeria im Exil.
(pa)

haftiert werden. Das neue Gesetz erlaubt ihnen nun, nach der Niederkunft ihre Schulausbildung fortzusetzen. (pa)

Initiativen

Nr. 02/2006 | Seite 26

Simbabwe:

Tengenenge soll weiter leben!
«In diesem Jahr wollen wir auf dem Gelände des abgerissenen Hauses für ehemalige Minenarbeiter neue Übernachtungsmöglichkeiten für Besucher und Tagungsräume schaffen», sagt Steven Blomfield. Er ist der Sohn des Gründers der Bildhauersiedlung Tengenenge im Norden Simbabwes, einer in dieser Art einzigartigen Institution. Sein Vater, Tom Blomfield, blickt trotz aller sozioökonomischen und politischen Probleme der letzten Jahre hoffnungsvoll in die Zukunft. Denn die engagierten weltweit lebenden Freunde und Förderer der von Tengenenge aus bekannt gewordenen modernen afrikanischen Kunstrichtung, geben nicht auf. Sie organisieren weiter Ausstellungen und Vorträge mit und über die sprechenden Steine, wie sie oft genannt werden, und versuchen so den Bekanntheitsgrad dieser Kunst zu erhöhen. Tom Blomfield bemüht sich mehr denn je bei seinen Auslandsaufenthalten in Europa, Kontakt zu FreundInnen der sprechenden Steine und der Menschen in Simbabwe zu knüpfen und zu halten. Die Simbabwer nicht im Stich zu lassen ist gerade in der jetzigen desolaten Situation wichtig, unter der nicht zuletzt auch die Künstler mit ihren Familien leiden. Auch, weil wegen der Negativmeldungen, die zum großen Teil der Wahrheit entsprechen, der Tourismus und die Förderung von Projekten der Entwicklungszusammenarbeit stark zurückgehen. Nach der politisch begründeten Einstellung der bilateralen
Madzanai Machire fällt doppelt bei den Künstlern in Tengenenge auf. Künstlerinnen sind kaum zu finden, und sie nimmt Frauen-Themen auf, wie mit dieser Skulptur einer Hochschwangeren mit Kind, womit sie die Frauen anspricht, nicht so schnell nach einer Entbindung wieder schwanger zu werden. Foto: privat

Künstlergemeinschaften wie in Shirimodomba im Bezirk Mwurvi und im Künstlerzentrum in Chitungwiza bei Harare entsprechende Entwicklungsprojekte geplant und durchgeführt. Dabei werden über die sprechenden Steine vielfältige Themen wie Erziehung, Armutsbekämpfung, Geburtenplanung, Grundversorgung und Kampf für bessere politische Verhältnisse vermittelt. Tengenenge ist dabei eine Art Symbol und zugleich Praxisbeispiel für den jahrelangen Reinhold Hemker MdB Kampf um bessere LebensbeFoto: SPD-Fraktion dingungen, nicht nur für die Solidaritätsorganisationen. Sie Künstler und ihre Familien. versuchen weiterhin angeVereinbart wurde jetzt bei den sichts der mit teilweise brutaGesprächen in Simbabwe, die len Zerstörungsmaßnahmen Zusammenarbeit im Land mit einhergehenden Verelendung deutschen Partnern stärker zu besonders der armen Bevölkerung, die Not ein wenig zu lin- vernetzen. Die DSG soll dabei dern. Dabei liegt ein Hauptau- gemeinsam mit der ZWA eine Koordinationsfunktion übergenmerk darauf, die Arbeit von NGOs wie der ZWA organi- nehmen. Zu der praktischen Arbeit kommt auch verstärkt satorisch und strukturell zu der kritische Dialog mit den unterstützen. Community-DeUmso wichtiger sind die AnKräften im Land hinzu, die velopment-Projekte unter Einstrengungen der in Deutschdurch Mitwirkung an Landbebeziehung der Bevölkerung land seit Jahren aktiven Orgasetzungen und Zerstörung von vor Ort waren und sind denn nisationen wie Zimbabwe Netzwerk, der Deutsch-Simbab- auch immer wieder Thema der Wohnhäusern, Läden und Verkaufsständen im informellen wischen Gesellschaft, der Akti- Planungsgespräche zwischen deutschen und simbabwischen Sektor die Not der Bevölkeon Humane Welt (AHW), der rung noch verschärft haben. Partnern. So wurden z.B. in Partnergesellschaft Erste Anzeichen dafür, dass es Kernen/Masvingo und anderer Tengenenge und anderen staatlichen Entwicklungszusammenarbeit durch die deutsche Regierung und weiterer Geberländer reichen nun auch die Mittel, die über private Träger zur Verfügung gestellt wurden und werden, bei weitem nicht für die Finanzierung der Arbeit von Nichtregierungsorganisationen im Land. Sabine Reichmann vom Deutschen Entwicklungsdienst (DED) berichtet in einem Gespräch mit Mitgliedern der Deutsch-Simbabwischen Gesellschaft (DSG) anlässlich deren Besuches in Simbabwe über die Jahreswende, dass die afrikanischen Partner des DED die Eigenmittel für Projekte zumeist nicht mehr aufbringen können. Auch der nationale Koordinator der Zimbabwe Workcamps Association (ZWA), Innocent Katsiga, bestätigt, dass es nahezu unmöglich geworden sei, im Land selbst Mittel für Organisationskosten zu bekommen.

Initiativen
bei einigen der für das Dilemma Verantwortlichen Einsicht gibt, sind bereits zu erkennen. Vor allem die Kritik aus einigen afrikanischen Ländern an der Einschränkung der Pressefreiheit, den willkürlichen Verhaftungen im Rahmen der so genannten «Clean up-Aktion» und der damit verbundenen Obdachlosigkeit von Hunderttausenden von Menschen und der überall auf dem Land sichtbaren Hungersnot aufgrund der zurückgegangen Produktion von Nahrungsmitteln hatten daran großen Anteil. Auch äußern sich in den letzten Wochen immer mehr überwiegend jüngere Menschen kritisch, die zunächst die Maßnahmen dieser Kampagne gut geheißen oder unterstützt hatten. Ein Mann in Chitungwiza, der vor den Grundmauern seines bei der Zerstörungskampagne im Mai 2005 niedergerissenen Truck-Shops, eines Miniverkaufsladens, jetzt auf einem kleinen Holzfeuer Maiskolben grillt, veranschaulicht diesen «Kampf». Überall an den Strassen in der Stadt vor den Häusern und auf dem Land bieten Menschen Maiskolben und andere Produkte wieder an. Und Polizisten greifen nicht mehr ein. Einige von ihnen gehören sogar wieder zu den Käufern. Zeichen der Hoffnung, eines neuen Anfangs. Steven Blomfield, der auch im Rahmen der Landbesetzungen

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bedroht und verfolgt wurde, sagte am 6.Januar 2006 in Harare: «Nicht nur Tengenenge braucht eure Unterstützung aus Deutschland.» Tengenenge soll weiter leben. Simbabwe soll weiter leben! (Reinhold Hemker MdB, Präsident der Deutsch-Simbabwischen Gesellschaft (DSG) sowie Mitglied in der Deutschen Afrikastiftung (DAS) und im Arbeitskreis Afrika der SPD-Bundestagsfraktion)

Senegal:
Taminou Li, Student der Literaturwissenschaften im ersten Semester an den Universität Cheikh Anta Diop in Dakar, liegt auf dem Bett in seiner kleinen Studentenbude, die er sich mit einem Kommilitonen teilt und blättert in einer uralten Ausgabe eines Werkes von Léopold Senghor. Das Buch ist bereits so alt, dass einer der Vorbesitzer den Umschlag laminiert hat, um ein Auseinanderfallen zu vermeiden. Vor ihm auf dem Boden liegen überall herum nicht weniger abgenutzte Bücher, die er alle im Laufe der letzten Monate bei einem «Fußbodenbuchhändler» erworben hat. «Wir Studenten kommen nicht leicht an Bücher heran. Die Unibibliothek hat nicht genug Geld», erklärt Li und fügt hinzu, dass manche seiner Studienkollegen sogar das Studium an den Nagel gehängt haben, weil sie sich nicht die notwendigen Bücher besorgen konnten. Li hat seine fast alle in einer der Buchhandlungen gekauft, die entlang der Mauer des großen Markts in der Innenstadt aufgereiht sind. Hier kann jeder preiswert neue und alte Bücher, Schulbücher und Romane erstehen. Cheikh Sène (65) ist hier der Boss. Er betreibt das Geschäft schon seit 40 Jahren, und wie viele andere Händler kann er nicht lesen, was ihn aber nicht hindert, in Minutenschnelle genau das Buch zu finden, was ein Kunde gerade sucht. «Ich habe nie eine Schule besucht, aber ich weiß genau, was in all meinen Büchern drinsteht», erklärt er stolz. Zu Anfang legte er seine Ware auf den Boden, in den 80er Jahren erstand er dann einen Tisch, auf dem er die wertvolleren Exemplare deponierte. Heute hat er eine Verkaufslizenz und einen festen, legalen Standplatz an der Mauer.

Buchhandlung «Fußboden»

den Preis feilschen!» 1996 gründete er den Verband der senegalesischen Buchhändler (Association des Bouquinistes Sénégalais – ABS), um den Händlern einen Dachverband und einen legalen Status zu geben. Heute zählt der Verband bereits 500 Mitglieder. Diese «Fußbodenbuchhandlungen» spielen eine besonders große Rolle nach den großen Ferien, wenn der Kauf neuer Schulbücher für die Kinder ansteht. «In einer regulären Buchhandlung müssten Eltern umgerechnet zwischen 80 und 120 Dollar pro Kind ausgeben, das entspricht einem Durchschnittsgehalt. Wir verkaufen sie gebraucht und tauschen auch gebrauchte wieder um», sagt Händler Demba Diang. Inzwischen laufen 70% aller Buchverkäufe über diese Händler, selbst Monsieur M. Wélé, ein Verantwortlicher des Kultusministeriums, bezeichnet sie nicht mehr als illegal, sondern als «notwendiges Übel» und gibt zu, selbst dort seine Einkäufe zu tätigen. Mbengue hat noch viel vor mit seinem Verband: Er möchte ein »Haus des Buchs” eröffnen, wo alle Verbandsmitglieder unter einem Dach untergebracht wären, mit einer angeschlossenen Bibliothek, wo die Studenten vor Ort die Bücher lesen könnten, ohne sie gleich kaufen zu müssen, und wo er Alphabetisierungskurse für Eltern geben möchte, damit diese sich in Zukunft besser um die schulischen Leistungen ihrer Kinder kümmern können. Seitdem seine Pläne bekannt wurden, kann er sich vor Mitgliedsanträgen kaum retten, aber er bleibt vorsichtig: «Klar, wir möchten zwar gerne überall präsent sein, aber ich bin wählerisch, denn bei uns Mitglied zu sein, das beinhaltet auch eine große Verantwortung». (irin)

Wichtige soziale Funktion
Abdourahmane Mbengue begann mit dem Verkauf von Büchern kurz vor dem Abitur. Er realisierte schnell, dass die Leute nicht nur preiswerte Bücher kaufen wollten, sondern auch in einem sozialen Umfeld, das ihnen behagt. «Wir wollen immer den Westen nachmachen», sagt er, «aber der sozioökonomische Zusammenhang spielt eine große Rolle. Die Leute sind es gewohnt, alles auf dem Markt zu kaufen und gehen ungern in richtige Buchhandlungen. Vor allem können sie da nicht um

Schatztruhe Fußboden

Foto: irin

Jux

Nr. 02/2006 | Seite 28

Reporter Satir’s Kolumne

Diesmal möchte ichs mal mit dem Denken versuchen (ich verbitte mir jeglichen Kommentar!) Also: Was hat sich die kenianische Regierung dabei gedacht? Trotz mehrfacher Hungersnöte hat sie lt. Transparency International in den vergangenen beiden Jahren etwa zehn Millionen Euro für Luxusautos ausgegeben. Mit derselben Summe hätte die Schulbildung von etwa 25 000 Kindern finanziert werden können. Ein dicker Hund, dachte sich Ms. Drummond aus Neuseeland und beschloss kurzfristig, Kenias Kindern animalische, sorry, humanitä-

Bäh, weg damit! Foto: Montage

re Hilfe zukommen zu lassen: In ihrer Eigenschaft als Inhaberin einer Herstellungsfirma von Hundefutter schlug sie vor, 42 Tonnen Hundenahrung zu spenden. Es handele sich dabei ursprünglich um eine «Zusatznahrung», ein Pulver auf Proteinbasis, das mit Wasser angerührt werden muss, erklärte sie. Ganz abgesehen davon, dass uns die Vergangenheit bereits gezeigt hat, was diese Vorgehensweise angesichts des nicht immer saube-

um eine exotische PalmenSchönheit: eine Kokospalme mit drei Köpfen. Das seltene Stück steht in einem Kokospalmen-Forschungszentrum bei Abidjan, das angesichts politischer Unsicherheit und knapper Finanzen das Geld dringend gebrauchen könnte. Was denken Sie, wenn Sie folgenden Slogan lesen: «6.9 – der perfekte Genuss»? Tja, wieder reingefallen! Auch dies ist kein unmoralisches Angebot, sondern 6.9 ist der Name einer Denkste: Es geht um die obere … neuen Biersorte in Gabun. Und Foto: fetnat was denken Sie weiter, was dort sogar Erwachsene: Weil daran die weiblichen Konsudie Athleten aus Afrika zu mentinnen stark sind, haben die Veranstalter des traditionellen Cross- stören könnte? Genau: rennens von Venta de Baños keine Läufer aus Äthiopien, Ke- Das Bier ist nia und Eritrea eingela- stark alkoden und ließen für den holhaltig und wird daMännerwettbewerb nur weiße Teilnehmer durch imzu. Einige afrikanische mer mehr zum LiebAthleten dachten sich einen Trick aus: Sie be- lingsverführungsgewarben sich um eine tränk der Teilnahme und boten an, etwas langsamer zu Männer. Aufgrund laufen. Noble Geste, fürwahr, und man den- dieses bedenklichen ke mal weiter: Eine Sportveranstaltung ga- Umstands haben die rantiert ohne Doping… und gleich, liebe Kollegen, lassen wir euch Frauen in Verdacht, das wäre doch vor … Foto: fetnat Franceville, mal was gewesen! wo es geZum Denken im großen Stil im 6. Harry-Potter-Film anbiebraut wird, verleitet Larbi Uasbir aus der ten. Na, ja, wer ein Star wermittlerweile den will, muss eben zu den er- marokkanischen Stadt Tiflet: den SloEr ist der Tüftler des größten denklich ungewöhnlichsten 6.9 – das Bier für zwei … oder dann drei Kreuzworträtsels der Welt. Das gan umMitteln – sprich Papas KreditFoto: Montage Rätselstück ist 2,10 Meter lang formukarte – greifen. und 1,20 Meter breit, und dar- liert: 6 Minuten Genuss brinAnstatt Harry Potter zu gen 9 Monate Schwangergucken, spielten Kinder früher, in können Ratefüchse insgesamt 37.382 arabische Lösungs- schaft» heißt es nun. Ärgerlich zum Beispiel «Wer hat Angst für die Brauerei SOBRAGA, die vorm schwarzen Mann?», ohne wörter suchen. «Nicht ein mit dieser Zahlenkomposition Wort wird in diesem Rätsel weiter über den rassistischen etwas ganz anders im Sinn wiederholt, das trotzdem keiHintergrund nachzudenken. hatte: Es ist die 6. Biersorte, ne schwarzen die sie auf den Markt gebracht hat, und sie wird nur in 6 der Kästchen 9 gabunischen Provinzen verenthält», kauft. Denkbar schlecht für so der Erihre Werbestrategen, die nun finder. Gedanken- nicht mehr für voll genommen werden … spiel auf ivorisch: «Exotische Schönheit für eine Million Herzlichst Ihr Dollar zu Neue Folge in Planung … Foto: Montage verkaufen», titelt eine Zeitung. Heute spielt das wohl (hoffent- Nein, nicht was Sie denken, es lich) niemand mehr – denkste! handelt sich nicht um ein unmoralisches Angebot, sondern Die Spanier spielens noch, ren Wassers in Afrika für katastrophale Folgen beispielsweise bei der Säuglingsernährung haben kann, war der Vorschlag offensichtlich eh für die Katz’: Kenias Behörden reagierten sehr empört und werden diesem Deal wohl einen (Hunde-) Riegel vorschieben. Wie es hungernde Kinder gibt, so gibt es auch reiche, verwöhnte Kinder, deren Denkvermögen oftmals aussetzt: In den USA lassen sie sich von nigerianischen Spammern ködern, die gegen eine Gebühr von knapp 4000 Dollar Rollen

Satir

Terminkalender

Nr. 02/2006 | Seite 29

Termine
Ausstellungen
22.01.06 bis 26.03.06: Adieu l’Excision! Auf Nimmerwiedersehen, Beschneidung! Frauen Museum - Wiesbaden, Wörthstaße 5 21.02.06 bis 14.05.06: Schwarze Götter im Exil. Fotografien von Pierre Verger, Staatliches Museum für Völkerkunde - München, Maximilianstr. 42 09.02.06 bis 17.09.06: Altägypten (be)greifen – 40 Berührungspunkte für Sehende und Blinde - Staatliche Sammlung Ägyptische Kunst, Residenz München, Eingang Hofgartenstraße 01.01.06 bis 02.04.06: Traditionelle Frauenkultur aus Südafrika Linden-Museum - Stuttgart, Hegelplatz 1 05.02.06 bis 23.04.06: Psychiatrie in Afrika – fotografische Erkundungen , Kunsthaus Kannen - Münster, Alexianerweg 5 30.11.05 bis 30.04.06: Im Schatten des Kongo. Leo Frobenius, Stereofotographien 1904 bis 1906 Museum der Weltkulturen Frankfurt a.M., Schaumainkai 37, Hochparterre 01.03.06 bis 29.03.06: Fotoausstellung: Magisches Afrika – Durch die Augen der Götter. - ITB Berlin 26.11.05 bis 31.05.06: NEU im GRASSI - Dauerausstellung: Rundgänge in einer Welt, Grassimuseum - Leipzig, Johannisplatz 5 – 11 27.08.05 bis 30.04.06: NEU in Berlin-Dahlem - Dauerausstellung: Kunst aus Afrika , Museum für Völkerkunde - Berlin-Dahlem, Lansstr. 8 16.03.06: NI-UZ-BE-NITE KATO-Kulturbahnhof - Berlin, im UbfSchlesisches Tor 19.03.06 und 26.03.06: Ab durch die Wüste , JuniorMuseum im Ethnologischen Museum - Berlin-Dahlem, Arnimallee 23 24.03.06: Jobarteh Kunda und Humphrey Cairo 84 Liederbühne Robinson Runding bei Cham Westafrikanische Melodien. 24.03.06: Amadou und Mariam Zapata Kunst & Kultur - Stuttgart, Pragstraße 120 20.04.06: Beres Hammond - Love has no Boundaries - TOUR 2006 Muffathalle Club Ampere - München, Zellstrasse 4 21.04.06: Beres Hammond - Love has no Boundaries - TOUR 2006 Zapata Kunst & Kultur - Stuttgart, Pragstr. 120 27.04.06 bis 24.06.06: André Heller präsentiert: AFRIKA! AFRIKA! Das magische Zirkusereignis vom Kontinent des Staunens – Theresienwiese - München 18.03.06: Souad Massi Glashaus Arena - Berlin, Eichenstr. 4 19.03.06: Souad Massi Voices Festival - Oldenburg 08.04.06: The Virginia Mukwesha Quintett Werkstatt der Kulturen - Berlin, Wissmannstr. 32 10.05.06: Beres Hammond - Love has no Boundaries - TOUR 2006 Fabrik - Hamburg, Barnerstr. 36 27.04.06 bis 16.05.06: Afrika Normal – Hamburg, Info unter: 040 - 3990 4179 27.04.06: Von Südtunesien bis zum Nig er - Reiseeindrücke Museum für Völkerkunde - Dresden, Japanisches Palais, Palaisplatz 11 09.05.06: Wanderer zwischen den Welten - Masken und rituelle Gewänder in Afrika , Museum für Völkerkunde Dresden, Japanisches Palais, Palaisplatz 11 09.05.06: Beres Hammond - Love has no Boundaries - TOUR 2006 Kesselhaus - Berlin, Schönhauser Allee 36

Veranstaltungen/Feste
10.03.06: Tanzbrasil - Performance: Candomblé - Tanz und Musik der Gottheiten - Staatliches Museum für Völkerkunde - München, Maximilianstr. 42 11.03.06: Symposium und Podiumsdiskussion Goethe-Forum - München, Dachauer 122 11.03.06: Trommeln in der Wirtschaft Gasthof Stern - Gersthofen, Kirchplatz 10 11.03.06: Lyambiko - Love … and then Kulturzentrum Tollhaus - Karlsruhe, Schlachthausstr. 1 16.03.06: Jobarteh Kunda und Humphrey Cairo 80 Theater Spieldose im Künstlerhaus - München, Lenbachplatz 8 16.03.06: Ägypten und das Rote Meer. Live-Dia-Show mit dem Reisejournalisten Harald Mielke, Lena Christ Saal - Germering

Workshops
18.03.06 bis 19.03.06: Afrikanischer Tanz mit Jacqueline Moesch Mampuya (Live-Perkussion) TANZTENDENZ - München, Lindwurmstr. 88 18.03.06 bis 19.03.06: Grenzgängerinnen - Seminar für Frauen in deutsch-afrikanischen Partnerschaften und Familien Sozialpädagogische Fortbildungstätte Schloss Glienicke - Berlin 28.04.06 bis 01.05.06:Workshop von Koffi Kôkô Tanztendenz München 12.05.06 bis 14.05.06: Grenzgängerinnen - Seminar für Frauen in deutsch-afrikanischen Partnerschaften und Familien VHS Berlin Tempelhof-Schöneberg, Barbarossaplatz 5

2006

Vermischtes

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Kinotipp:

Bundespräsident Köhler:

«Moolaadé» von Sembène Ousmane
Dieser Film, der am 11. Mai bundesweit in den Kinos anläuft, ist eine großartig in Szene gesetzte Parabel über die Tradition der Beschneidung junger Mädchen in Afrika sowie den mutigen Kampf einer jungen Frau gegen die aktuelle Praxis dieses Rituals. forderung. Der Altmeister des afrikanischen Kinos, Ousmane Sembene, erzählt in faszinierend lebendiger Optik ein ergreifendes und berührendes afrikanisches Drama im Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne. In Großbritannien war «Moolaadé» nicht nur ein großer Vier Mädchen, die sich weiPublikumserfolg, sondern hat gern, sich beschneiden zu lasauch zu einem breiten gesellsen, suchen Schutz bei einer schaftlichen Diskurs geführt. Frau mit einem starken Willen, die ihre eigene Tochter vor Beim Filmfestival in Cannes 2004 wurde er mit dem Preis der Beschneidung bewahrt hat. Als die anderen Bewohner des Dorfes und ihre Verwandten versuchen sie zu zwingen, sich von den Szene aus «Moolaada» Foto: neue visionen Mädchen zu trennen, beruft »Un Certain Regard« ausgesich Collé auf den magischen zeichnet. Der Drehbuchautor Brauch «Moolaadé», der einen und Regisseur Ousmane Semunantastbaren Schutzraum bene ist der legendäre erste bietet, ein Vakuum der Unabund seit nunmehr fast 45 Jahhängigkeit, das durch keinerren unabhängig produzierenlei menschliche Gewalt erde Filmemacher Schwarzafrischüttert werden kann. Doch als auch die Heirat ihrer Toch- kas. Er bezeichnet sich selbst als leidenschaftlichen Kämpfer ter durch ihre konsequente für die Abschaffung der BeHaltung gefährdet wird, steht schneidung. Collé vor einer neuen Heraus-

Staatsbesuche in Afrika
Bundespräsident Horst Köhler reist zu Staatsbesuchen in die Republik Mosambik, in die Republik Madagaskar und in die Republik Botsuana. Bundespräsident Horst Köhler und Frau Eva Luise Köhler besuchen auf Einladung S.E. des Präsidenten der Republik Mosambik, Herrn Armando Emílio Guebuza, vom 3. bis 6. April 2006 die Republik Mosambik, auf Einladung S.E. des Präsidenten der Republik Madagaskar, Herrn Marc Ravalomanana, vom 6. bis 9. April 2006 die Republik Madagaskar, und auf Einladung S.E. des Präsidenten der Republik Botsuana, Herrn Festus Gontebanye Mogae, vom 9. bis 12. April 2006 die Republik Botsuana.
(bpa)

Kindersoldaten:

Köhler empfängt ugandische Kindersoldatin
Bundespräsident Horst Köhler hat am 9. Februar die ehemalige ugandische Kindersoldatin China Keitetsi zu einem Gespräch in Schloss Bellevue empfangen und sich von ihr über das Schicksal der rund 300.000 Kindersoldaten in Afrika informieren lassen. China Keitetsi (29) lebt heute in Dänemark und arbeitet in einem Kindergarten. Als Neunjährige wurde sie verschleppt
Foto: kna

sal von China Keitetsi berührt mich sehr, und es zeigt, wie wichtig es ist, dass wir unsere Kräfte bündeln, um gegen den Missbrauch von Kindern als Soldaten vorzugehen. Das Anliegen von China Keitetsi hat meine volle Unterstützung.» China Keitetsi unterstützt die «Aktion Volltreffer», eine Initiative der kirchlichen Hilfsorganisationen missio, Adveniat und dem Missionswerk der

und gezwungen, elf Jahre als Kindersoldatin in der RebellenArmee zu kämpfen. Keitetsi wurde von missio Präsident Pater Hermann Schalück begleitet. Der Bundespräsident zeigte sich beeindruckt und dankbar für das Gespräch: «Das Schick-

evangelischen Kirche in Bayern. Die «Aktion Volltreffer» schärft im Umfeld der in Deutschland stattfindenden Fußball-Weltmeisterschaft das öffentliche Bewusstsein in Deutschland für die Lage der Kindersoldaten in Afrika.
Weitere Infos unter www.volltreffer.de

Zusammenarbeit

Nr. 02/2006 | Seite 31

Togo-Deutschland:

Zeigen, was der Fußball für Togo bedeutet!
Togo hat sich im Oktober letzten Jahres sensationell zum ersten Mal in seiner Geschichte für die Endrunde einer Fußballweltmeisterschaft qualifiziert. Der Deutsch-Togoische Fußball-Fanclub hat es sich zur Aufgabe gemacht, die togoischen Deutschland und Togo auch über das Turnier hinaus vertieft und gefördert werden. Die bundesweite Organisation des Vereins durch vier Koordinatoren in den Regionen Nord (Schwerin), West (Wuppertal), Süd (Nürnberg) und Ost (Ber-

Vereins und eine mögliche Zusammenarbeit besprochen. Auf seiner Internetseite www.togo2006.de informiert der Fanclub regelmäßig über Veranstaltungen, Aktivitäten und über die Eperviers. In Berlin soll beispielsweise bereits im Vorfeld der Weltmeisterschaft gezielt durch kulturelle Events die Aufmerksamkeit auf den afrikanischen Kontinent gelenkt werden. Trotz der enttäuschenden Leistungen der Mannschaft während des Afrika-Cups in Ägypten zeigt sich Kossi Aziabou zuversichtlich, dass man mit den großen Teams bei der WM mithalten könne, denn «die Unstimmigkeiten innerhalb der Mannschaft im Vorfeld der Afrikameisterschaft werden bis zur Weltmeisterschaft mit Sicherheit behoben sein.» Sollten die «Sperber» ihre Leistungen aus der Qualifikation wiederholen können, werden sie sicher noch für einige Überraschungen sorgen und ihre Fans zu weiteren Freudentänzen animieren. (Verena Leinberger)

sche Nationalmannschaft samt ihrer Fans auf dem Weg nach Deutschland und während des Turniers zu unterstützen. Die Teilnahme der Nationalmannschaft, der Eperviers (auf deutsch: «Sperber») an der Weltmeisterschaft 2006 bedeutet nicht nur eine einmalige Gelegenheit, sich sportlich mit den besten Fußballnationen der Welt zu messen. Für eines der kleinsten Länder Afrikas liegt hierin zudem die Möglichkeit, sich der breiten Weltöffentlichkeit zu präsentieren. Bereits die Qualifikation löste eine Welle der Begeisterung in Togo aus, und genau diesen Enthusiasmus möchte der Deutsch-Togoische Fußball-Fanclub nach Deutschland tragen. Der eingetragene Verein wurde Ende Oktober von einer kleinen Gruppe deutscher und afrikanischer Fußballanhänger in Berlin gegründet, «die nun zeigen wollen, was Fußball für Togo bedeutet», so der Vorsitzende Kossi Aziabou. Der international ausgerichtete Verein entstand aus der Idee, die togoische Fußballnationalmannschaft und ihre Fans während der Weltmeisterschaft zu unterstützen. Darüber hinaus soll die freundschaftliche Beziehung zwi-

Die Gründungsmitglieder Photo: privat

lin) gewährleistet dabei die schnelle und persönliche Kontaktaufnahme mit interessierten Fans und anderen Initiativen. Dass in Deutschland die Resonanz Togo gegenüber überaus positiv ist, zeigt sich schon in der rasch wachsenden Anzahl der Mitglieder: Bereits kurz nach Aufnahme ins Vereinsregister konnten die Verantwortlichen knapp 400 Mitglieder verzeichnen. Am Rande der WM-Auslosung am 9. Dezember 2005 in Leipzig fand dazu ein Treffen mit Verantwortlichen des togoischen Fußballverbandes, der Fédération Togolaise de Football (FTF), statt. Bei diesem Treffen wurden unter anderem geplante Aktionen des

Kontakt: Deutsch-Togoischer Fußball-Fanclub / Association des Supporters des Eperviers en Allemagne e.V. - Postfach 120314 - D-10593 Berlin - E-Mail: info@togo2006.de Vorsitzender: Kossi AZIABOU – Stv. Vorsitzender: Sven KLEIN
        
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