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Periodical volume

Full text: Freiheit der Wissenschaft Issue 2006, Dezember

wissenschaft
Das besondere Thema: Wertewandel – Herausforderung für Schule und Elternhaus, von Winfried Schlaffke Seite 25 Seite 2 Seite 3 Seite 4 Seite 9 Lieber Leser Aus der Arbeit des Bundes Freiheit der Wissenschaft Gesichter des BFW – Vorstand und Regionalbeauftragte Peter Greisler: „Hochschulpolitik nach der Föderalismusreform“

freiheit der

Nr. 4 · Dezember 2006

Herausgeber: Bund Freiheit der Wissenschaft

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HOCHSCHULE
Nordrhein-Westfalen: Neues Hochschulgesetz in Kraft Nachgefragt beim Präsidenten des Deutschen Hochschulverbandes, Professor Dr. Bernhard Kempen, und NRW-Finanzminister Dr. Helmut Linssen Mecklenburg-Vorpommern: Hochschuldiskussion geht weiter Der weite Weg der Hochschulen des Landes Mecklenburg-Vorpommern zur Konsolidierung Von Klaus-Dieter Rosenbaum

Seite 13

Seite 16

SCHULE
Bayern: Was will die Wirtschaftslobby? Berlin: Nein zum rot-roten Projekt Einheitsschule! Einheitsschule in Berlin – ein leistungsfeindlicher und sozialschädlicher Plan Von Gerhard Schmid Nordrhein-Westfalen: 39. Mülheimer Kongreß des Realschullehrerverbandes 10 Jahre Unterrichtsfach „Praktische Philosophie“ – „Festtagung“ in Münster Baden-Württemberg: Hermann Röhrs – Vita und Wirkung Von Kurt Otten Gratulation: Dr. Ursula Besser wird 90 Jahre Gedenken und Dank: Das Berliner Mauermuseum widmet Gerhard Löwenthal einen ständigen Ausstellungsraum Seite 18

Seite 19 Seite 21 Seite 23 Seite 30 Seite 31

BÜCHERREVUE
Kaufhold: Die Lehrfreiheit – ein verlorenes Grundrecht? (Kinzel) Mohler/Weissmann: Die Konservative Revolution in Deutschland 1918–1932. (Dirsch) Bueb: Lob der Disziplin. (Thomalla)

9.–11. Februar 2007 Tagung in Gummersbach: Kurztitel „Bürgergesellschaft“ (s. Seite 3!)

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freiheit der wissenschaft
Offizielles Organ des Bundes Freiheit der Wissenschaft e. V. Für unaufgefordert eingesandte Manuskripte, Zeichnungen und Fotos und andere Beiträge übernimmt der Empfänger keine Haftung. Abdruck mit Quellenangabe und Belegexemplar gestattet. Die mit Namen gekennzeichneten Beiträge stellen nicht unbedingt die Ansicht von Herausgeber und Redaktion dar, sondern die persönliche Meinung des Verfassers. Zuschriften und Stellungnahmen zu Themen und Artikeln dieses Heftes sind willkommen. Wiedergabe und redaktionelle Kürzungen bleiben vorbehalten. „freiheit der wissenschaft“ erscheint in herkömmlicher Rechtschreibung. Herausgeber: Vorstand des Bundes Freiheit der Wissenschaft e. V. Redaktion: Dr. Winfried Holzapfel Verbandsgeschäftsstelle: Postanschrift: Charlottenstraße 65, 10117 Berlin-Mitte (U-Bahnhof Stadtmitte, nahe Gendarmenmarkt) Büro: Petra Schauf Die Geschäftsstelle dient auch als Kontakt- und Informationsstelle. Für größere Veranstaltungen steht ein Hörsaal zur Verfügung. Telefon: (0 30) 20 45 47 04 Fax: (0 30) 20 45 47 06 E-Mail: bund.freiheit.wissenschaft @t-online.de Internet: http://www.bund-freiheit-derwissenschaft.de Bankverbindung: Deutsche Bank AG, Bonn (BLZ 380 700 24), Kto. 0 233 858

Lieber Leser,
entgegen der bekannten Sentenz „Not macht erfinderisch“ gehört in heutiger Zeit zu den Bedingungen freier Wissenschaft die „Notlosigkeit“. In einem notleidenden System leidet auch die wissenschaftliche Arbeit. Sie wird begrenzt in ihren Möglichkeiten. Daher rührt der ständige Ruf nach ordentlicher finanzieller Ausstattung der Hochschulen, nach Rahmenbedingungen, die gewährleisten, daß Befähigung und Leistungskraft der an Wissenschaft Beteiligten gestärkt werden. Ein Charakteristikum von Wissenschaft ist, daß sie nicht gefällig sein darf. Im Erkenntnisdrang und bei der Problemlösung muß sie auf Wahrheit gerichtet und von Unbestechlichkeit begleitet sein. Dies ist nicht nur ein erkenntnistheoretisches Postulat, sondern auch ein ethisches Dogma. Die Voraussetzung echter Forschung ist die „anima pura“ des Forschers, die Demut vor der Sache. Hier gab und gibt es Befleckungen, Sündenfälle durch interessegeleitetes Handeln. In Abhängigkeit zu geraten oder sich zu begeben, ist eine permanente Gefährdung freier Forschung. Die Verantwortung dafür, daß diese Gefährdung durch die neuen Gesetze nicht zunimmt, trägt – wie schon jetzt – der einzelne Forscher. Nicht die Annahme eines Auftrags, nicht seine Bezahlung ist von Übel, sondern der Verstoß gegen das Reinheitsgebot. Aber selbst Verstöße dagegen können korrigiert werden, wenn die wissenschaftliche Gemeinschaft als Ganzes intakt ist. Da wirken die Selbstreinigungskräfte von Kontrolle und Kritik.
Dr. Winfried Holzapfel ist einer der Vorsitzenden des Bundes Freiheit der Wissenschaft

Die Menschen wollen von Natur aus wissen. Wenn die Wissenschaftler ihren innersten Auftrag, das, was sie zu Wissenschaftlern macht, durch ihr berufliches Tun und Lassen bestätigen, bewahren sie die Freiheit der Wissenschaft. Die Verantwortung für die Grenzen der Wirksamkeit des Staates hatte die Gemeinschaft der Wissenschaftler immer schon, sie muß und kann selbst die Grenzen der Wirksamkeit fremden Einflusses – der sich künftig stärker durch Aufträge aus der Wirtschaft entwickelt – bestimmen. Das Ethos des Wissenschaftlers muß sich möglicherweise neuer Verführungen erwehren. Für Profil und Prestige der Wissenschaft ist entscheidend, wie es bewahrt wird und daß es sich zeigt. Durch die neuen Entwicklungen im Hochschulwesen wird die Freiheit der Wissenschaft gefördert (das ist gut) und gefährdet (das ist nicht neu). Im Bewußtsein der Gefährdung selbst liegt der Ansatz, um ihr zu entgehen. Die Wirtschaft muß zum Respekt vor der Freiheit der Wissenschaft erzogen werden. Das geschieht durch die Wahrnehmung und Erfahrung dessen, was Wissenschaft ist. Die Wissenschaft selbst hat es in der Hand, ihren freiheitlichen Charakter überzeugend zu vermitteln. Sie ist eine Macht sui generis. Sie muß es nur beweisen. Die Chancen dafür stehen besonders gut, solange die Wirtschaft selbst Wissenschaft so schätzt und einschätzt. Mit freundlichen Grüßen Ihr Winfried Holzapfel

Verlag, Herstellung und Anzeigen: Vereinigte Verlagsanstalten GmbH, Höherweg 278, 40231 Düsseldorf Internet: www.vva.de E-Mail: info@vva.de Anzeigenleitung: Ulrike Niggemann Anzeigenverkauf: Panagiotis Chrissovergis Tel. 02 01/8712 69 45 Fax. 02 01/8712 69 42 Anzeigentarif Nr. 12 ISSB 0343-7752

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Aus der Arbeit des Bundes Freiheit der Wissenschaft
Am 1. Dezember fand in Berlin wie alle zwei Jahre eine Mitgliederversammlung mit der Wahl des Vorstandes und der Bestätigung der Regionalbeauftragten statt. Die Gewählten werden unten persönlich vorgestellt. Auf folgende Änderungen sei hingewiesen: In den erweiterten Vorstand wurde Frau Dr. Brigitte Pötter neu gewählt, die den Mitgliedern als langjährige Regionalbeauftragte und Sektionsvorsitzende für Berlin und Brandenburg bekannt ist. Nachfolger als Regionalbeauftragter ist Oberschulrat Gerhard Schmid. Für Hamburg stand bisher kein Regionalbeauftragter zur Verfügung. Wir konnten Staatsrat a. D. Dr. Reiner Schmitz für die Aufgabe gewinnen. Niedersachsen wurde bisher von Wiss. Oberrat Dr. Hartmut Schustereit betreut, der wegen Umzugs in ein anderes Bundesland nicht wieder kandidierte. Neuer Regionalbeauftragter für Niedersachsen ist Oberstudiendirektor Bernd Ostermeyer. Frau Professor Dr. Lilo Süllwold kandidierte nicht wieder als eine der beiden Regionalbeauftragten für Hessen. In diesem Bundesland wird der BFW weiter von Privatdozent Dr. habil. Siegfried Uhl vertreten. Für die erfolgreiche bisherige Arbeit sei allen hier und später Genannten herzlich gedankt. Im September ist die Föderalismusreform in Kraft getreten. Die Bundesländer haben jetzt mehr Freiheiten. Das Hochschulrahmengesetz wird abgeschafft. Die Gestaltung des Schulwesens ist ausschließlich Sache der Bundesländer. Über das Thema „Hochschulpolitik nach der Föderalismusreform“ hielt Ministerialdirigent Peter Greisler, Leiter der Unterabteilung Hochschule im Bundesministerium für Bildung und Forschung, beim Bund Freiheit der Wissenschaft am Tag der Mitgliederversammlung einen interessanten Vortrag, den Sie unten lesen können (S. 9ff.). Bildungspolitik muß sich immer auf Veränderungen in der Gesellschaft einstellen. Professor Dr. Winfried Schlaffke wird 2007 (voraussichtlich im März oder April) über den „Wertewandel in Schule und Arbeitswelt“ sprechen; Auszüge aus seinem gerade neu erschienenen Buch sind unten abgedruckt und führen in das Thema ein (S. 25 ff.). Auch 2007 soll wieder eine gemeinsame Tagung mit der Friedrich-Naumann-Stiftung stattfinden, vom 9. bis 11. Februar in der Theodor-Heuss-Akademie in Gummersbach. Das Thema heißt diesmal „Bürgergesellschaft – Möglichkeit zur Rettung unseres Gemeinwesens“. Es geht um folgende Fragestellungen: Immer öfter tauchen in der öffentlichen Diskussion die Begriffe „Bürgergesellschaft“ und „Zivilgesellschaft“ auf. Ist aber „Bürger“ noch ein klar definierter Begriff, sieht man im Bürger wieder den Werteträger und -vermittler, den Garanten für Bildung und Erziehung? Aus dem passiven Empfänger staatlicher Zuwendungen soll wieder der mündige Bürger werden, der sich engagiert und ehrenamtlich für das Gemeinwesen einsetzt. Doch unter welchen Voraussetzungen kann dieses Ziel erreicht werden? Wie kann ein Klima geschaffen werden, in dem der Mut zu Risikobereitschaft und persönlicher Verantwortung wächst? Die Referenten und ihre Vortragsthemen stehen noch nicht vollständig fest; Interessenten bitten wir um eine unverbindliche Mitteilung (Telefon 0 30-20 45 47 04, Fax 0 30-20 45 47 06, E-Mail bund.freiheit.wissenschaft@tonline.de, auch über Website: http://www.bund-freiheit-derwissenschaft.de); sie erhalten dann rechtzeitig eine Einladung mit der Möglichkeit zur Anmeldung. Zu den 21 Unterzeichnern des Aufrufs zur Gründung des Bundes Freiheit der Wissenschaft gehörte 1970 der bekannte, vor einigen Jahren verstorbene Publizist Gerhard Löwenthal. Auch Dr. Ursula Besser, „Stadtälteste“ von Berlin, hat unsere Arbeit vom ersten Tag an mitgetragen. Zu beiden finden Sie aus gegebenem Anlaß Berichte (ab S. 30). Hans Joachim Geisler

Wirkung
Aus der Berliner Morgenpost vom 11.12.06

Dank
Auch an diesem Jahresende möchten wir allen danken, die uns im abgelaufenen Jahr mit dem Besuch unserer Veranstaltungen, in anregenden Gesprächen und in der Korrespondenz mit der Geschäftsstelle ihr Interesse an unserer Arbeit bekundet haben. Besonders danken wir denjenigen, die die Arbeit des Bundes Freiheit der Wissenschaft durch ihre Spenden unterstützt haben. Ihre Spenden waren uns eine große Hilfe und sind uns weiterhin Verpflichtung. Der Vorstand Wir wünschen Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, sowie allen Mitgliedern, Freunden und Förderern des Bundes Freiheit der Wissenschaft ein gutes neues Jahr 2007. Vorstand und Redaktion, Vereinigte Verlagsanstalten

Hinweis
Ähnliche Nachricht mehrfach am 11.12. im Berliner Rundfunk 91,4. Siehe dazu unter „Berlin“ ab S. 19. Bei unserer Tagung im Februar 2006 in Gummersbach zum Thema „Ist Meinungsfreiheit möglich?“ hielt auch Professor Dr. Hartmut Kliemt, Universität Duisburg-Essen, einen Vortrag: „Empörungsorchester – Kostenasymmetrien in der Meinungsbildung, Beispiele und Theorie“. Das Manuskript wurde jetzt fertiggestellt und kann auf unserer Website (http://www.bund-freiheitder-wissenschaft.de) nachgelesen werden.

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Aus der Arbeit des Bundes Freiheit der Wissenschaft
Im folgenden finden Sie einige Angaben über die in der Mitgliederversammlung vom 1. Dezember 2006 in Berlin gewählten Vorstandsmitglieder und Regionalbeauftragten. Die Mitglieder des Vorstandes wurden einstimmig (bei einigen Enthaltungen) gewählt. Die Bestätigung der vom Vorstand vorgeschlagenen Regionalbeauftragten erfolgte ebenfalls einstimmig. Die Angabe der Adressen soll es Ihnen leichtmachen, gegebenenfalls wegen eines Anliegens mit einem verantVorsitzender An der Ölmühle 16, 47608 Geldern, Tel. 0 28 31-44 16, Fax 0 28 31-99 29 72, E-Mail dr.winfried.holzapfel@t-online.de Geb. 1940 in Düsseldorf, verheiratet, zwei Kinder. Studium der Altphilologie und der Philosophie in Köln, Münster und Freiburg. Promotion an der Universität Freiburg. Erstes Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien in Köln, Zweites Staatsexamen in Düsseldorf. Gymnasiallehrer für Lateinisch und Philosophie in Geldern (Niederrhein), Fachleiter für Philosophie am Staatl. Studienseminar in Kleve, seit 1989 Oberstudiendirektor (als Leiter eines Gymnasiums) in Kevelaer. Seit August 2004 pensioniert. Seit 1994 ist er einer der drei Vorsitzenden des BFW. wortlichen Mitglied des Bundes Kontakt aufzunehmen. Diese Adressen finden sich in jeder Ausgabe von „freiheit der wissenschaft“.

Dr. Hans Joachim Geisler,
Vorsitzender Dernburgstr. 53, 14057 Berlin, Tel. 0 30-3 22 31 58, Fax über BFW-Büro, E-Mail hjgeisler@gmx.de Geb. 1934 in Dresden, verheiratet, vier erwachsene Kinder. Studium der Klassischen Philologie und Promotion an der Freien Universität Berlin, wo er bis zur Pensionierung im Jahr 2000 als Akademischer Rat Klassische Philologie lehrte. Einer der 21 Unterzeichner des Aufrufs zur Gründung des BFW am 18. November 1970. Er gehörte 1970 bis 2000 dem Erweiterten Vorstand des BFW an und war bis 1990 Vorsitzender der Notgemeinschaft für eine freie Universität, der Berliner Sektion des BFW. Seit 2000 ist er einer der drei Vorsitzenden des BFW.

Oberstudiendirektor i. R. Dr. Winfried Holzapfel,

Professor Dr. Dr. Kurt J. Reinschke,
Vorsitzender Wachwitzer Bergstr. 32, 01326 Dresden, Tel. 03 51-2 68 61 66, E-Mail kr@erss11.et.tu-dresden.de Geb. 1940 in Zwickau/Sachsen, verheiratet, zwei erwachsene Kinder. Seit 1992 Professor für Regelungs- und Steuerungstheorie der TU Dresden, seit 1997 Direktor des gleichnamigen Instituts an der Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik der TU Dresden. Seit 2003 Vorsitzender des Landesverbandes Sachsen im Deutschen Hochschulverband. Er ist seit 1990 Mitglied des BFW, war 1992 bis 2004 Mitglied des Erweiterten Vorstands und 2000 bis 2005 zugleich Regionalbeauftragter für Sachsen. Seit 2004 ist er einer der drei Vorsitzenden des BFW.

Professor Dr. Günter Püttner,
Schatzmeister Schwerdstr. 3, 67346 Speyer, Tel. 0 62 32-7 19 97 Geb. 1936 in Berlin. 1970 bis 1973 o. Professor für öffentliches Recht in Frankfurt am Main, 1973 bis 1980 o. Professor an der Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer, 1980 bis 2002 Univ.-Professor an der Universität Tübingen, seitdem Emeritus. Er ist seit 1973 Mitglied im BFW, war 1994 bis 2000 einer der drei Vorsitzenden und seit 2000 Schatzmeister.

Professor Dr. Wolfgang Dreybrodt,
Bekassinenstr. 86, 28357 Bremen, Tel. 04 21-27 18 79 E-Mail dreybrodt@t-online.de Geb. 1939 in Annaberg/Sachsen, verheiratet, zwei erwachsene Kinder. 1969 Visiting scientist am MIT, USA. 1970 bis 1974 MaxPlanck-Institut für Festkörperforschung. Seit 1974 Professor für Experimentalphysik, Universität Bremen. Im Ruhestand seit 2004. Forschung auf dem Gebiet der Halbleiterphysik, der Molekularen Biophysik, der Geochemie und der Karstgeologie. Er ist seit 1976 Mitglied des BFW, seit 1978 Mitglied des Erweiterten Vorstands und seit 2000 zugleich Regionalbeauftragter für Bremen. 1989 Verdienstmedaille des Deutschen Bundestages für hochschulpolitischen Einsatz in Bremen.

Oberstudiendirektor Josef Kraus,
Fürstenstr. 59, 84032 Ergolding, Tel. 08 71-6 86 74, Fax 0871-630390, E-Mail josef.kraus@landshut.org Geb. 1949, Oberstudiendirektor am Maximilian-von-Montgelas-Gymnasium Vilsbiburg (Landkreis Landshut, Bayern), unterrichtet die Fächer Deutsch und Sport und ist Diplom-Psychologe. Seit 1987 ist er ehrenamtlich Präsident des Deutschen Lehrerverbandes (DL). Mitglied des Erweiterten Vorstands des BFW seit 2004.

Mitglied des Erweiterten Vorstands und Regionalbeauftragter für Mitglied des Erweiterten Vorstands Bremen

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Aus der Arbeit des Bundes Freiheit der Wissenschaft
Dr. Brigitte Pötter,
Mitglied des Erweiterten Vorstands Heinrich-Heine-Str. 7 b, 15831 Mahlow, Tel. 0 33 79-20 58 65, Fax 0 33 79-20 61 26, E-Mail bpoetter@gmx.de Geb. in Aachen, verheiratet, drei Kinder. Studium der Chemie in Aachen und Heidelberg, Promotion an der Freien Universität Berlin. Mitglied im BFW seit 1991. Vorsitzende der BFW-Sektion Berlin-Brandenburg 1995 bis 2002, Regionalbeauftragte für diese Bundesländer 2000 bis 2006. Mitglied des Erweiterten Vorstands seit 2006.

Professor Dr. Klaus-Dieter Rosenbaum,
Mitglied des Erweiterten Vorstands und Regionalbeauftragter für Mecklenburg-Vorpommern Bärenfelsallee 20, Gutshaus Rustow, 17121 Loitz, Tel./Fax 03 99 98-3 12 93, E-Mail rosen@uni-greifswald.de Geb. 1934 in Strelitz/Mecklenburg, verheiratet, zwei erwachsene Kinder. Studium der Physik 1953 bis 1958 an der Universität Greifswald. Er wechselte nach der Promotion als wissenschaftlicher Mitarbeiter an die Medizinische Fakultät der Universität Greifswald, wurde dort 1987 zum a. o. Professor, 1992 zum Universitätsprofessor für Biophysik ernannt und gehört der Universität seit seiner Emeritierung 1999 weiterhin als Mitglied an. Er ist Mitglied des Hochschulverbandes. Mitglied des Erweiterten Vorstands des BFW seit 1992, seit 2000 zugleich Regionalbeauftragter für Mecklenburg-Vorpommern.

Professor Dr. Winfried Schlaffke,
Mitglied des Erweiterten Vorstands Rüdellstr. 10, 50737 Köln, Tel. 02 21-74 71 59, Fax 02 21-7 40 52 50, E-Mail w.schlaffke@t-online.de Geb. 1939; Studium der Gemanistik, Philosophie und Pädagogik sowie Theologie in Hamburg; von 1967 bis 2001 im Institut der deutschen Wirtschaft Köln, 1976 bis 2001 Geschäftsführer und Leiter der Hauptabteilung I (Bildung und Gesellschaftswissenschaften) sowie von 1995 bis 2001 stellvertretender Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln; seit 1986 Professor für Arbeitsmarkt- und Bildungspolitik im Geschwister-Scholl-Institut der Ludwig-Maximilians-Universität München und seit 2000 Präsident der ISM – International School of Management, Private Hoschschule, Dortmund.

Oberstudiendirektor Willi Eisele,
Regionalbeauftragter für Bayern Kiefernweg 1, 82515 Wolfratshausen, Tel. 0 89-74 55 04 20, 0 81 71-41 09 23, E-Mail willi.eisele@gmx.de Geb. 1946. Er leitet das Gymnasium Fürstenried (München) und unterrichtet Geschichte, Englisch und Ethik. Willi Eisele ist Landesvorsitzender des Bayerischen Geschichtslehrerverbandes und der Fachgruppe Geschichte/Sozialkunde und Mitglied des Bildungsbeirats im Bayerischen Philologenverband. Mitglied des BFW seit 1978, seit 2000 Regionalbeauftragter des BFW für Bayern.

Professor Dr. Sigismund Kobe,
Regionalbeauftragter für Sachsen Leonhard-Frank-Str. 6, 01069 Dresden, Tel. 03 51-4 71 43 11, E-Mail kobe@theory.phy.tu-dresden.de Geb. 1940 in Zella-Mehlis. Hier legte er 1959 die Abiturprüfung ab. 1960 Studium der Kernphysik und der Physik an der TU Dresden. 1965 Diplom, anschließend Assistent. Lehrer im Hochschuldienst und Oberassistent im Wissenschaftsbereich Theoretische Physik der TU Dresden. 1971 Promotion. 1988 Habilitation für Physik. Seit 1992 Professor für Theorie ungeordneter Festkörper am Institut für Theoretische Physik an der Fakultät Mathematik und Naturwissenschaften der TU Dresden. Seit 2006 emeritiert. Regionalbeauftragter des BFW für Sachsen seit 2005.

Professor Dr. Jürgen Kullmann,
Regionalbeauftragter für Baden-Württemberg Panoramastr. 27, 72116 Mössingen, Tel. Universität Tübingen: 0 74 73-57 68, Fax 0 74 73-2 67 68, E-Mail juergen.kullmann@uni-tuebingen.de Geb. 1931 in Berlin-Spandau, verheiratet, fünf erwachsene Kinder. 1950 Studium der Geologie, Biologie und Paläontologie zunächst an der neu gegründeten Freien Universität Berlin, seit 1952 in Tübingen. Seit 1971 Professor für Geologie und Paläontologie an der Universität Tübingen. Mitglied des BFW seit 1971, Mitbegründer der BFW-Sektion Tübingen und seit 1975 ihr Vorsitzender. Seit 2000 Regionalbeauftragter des BFW für Baden-Württemberg.

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Wie deutsch klingt Ihr Englisch? Inlingua Business-Englisch
www.inlingua.de

Aus der Arbeit des Bundes Freiheit der Wissenschaft
Studiendirektor i. R. Norbert Schlöder,
Regionalbeauftragter für Nordrhein-Westfalen Pater-Delp-Str. 11, 47877 Willich, Tel. 0 21 54-7 02 47, Fax 0 21 54-8 76 84, E-Mail nschloeder@aol.com

Oberstudiendirektor Bernd Ostermeyer,
Regionalbeauftragter für Niedersachsen Lageweg 4, 29342 Wienhausen, Tel./Fax 0 51 49-82 63 Dienstl.: Kaiserin-Auguste-Viktoria-Gymnasium, Europaschule Hannoversche Straße 53, 29221 Celle, Tel. 0 51 41-02 40 30 Fax 051 41-90 77 68, E-Mail sl@kav-celle.de Geb. 1954, studierte Geschichte, Sport und Theologie. Seit 1978 im gymnasialen Schuldienst (Land Niedersachsen). Veröffentlichungen und Referententätigkeit zu schul- und bildungspolitischen Fragen. Seit Mai 1990 Oberstudiendirektor des Kaiserin-Auguste-Viktoria-Gymnasiums in Celle. Seit 2006 ist er Regionalbeauftragter des BFW für Niedersachsen.

Geb. 1940 in Düsseldorf; nach dem Abitur Studium in Köln (Anglistik, Latein, Philosophie und Pädagogik); Lehrtätigkeit am St.-Bernhard-Gymnasium in WillichSchiefbahn. Seit Oktober 1989 Mitglied des Rates der Stadt Willich; seit 1994 Vorsitzender des Schulausschusses; seit 2004 Vorsitzender des Vereins Festspiele Schloß Neersen e. V. (www.festspiele-neersen.de). Mitglied im Bund Freiheit der Wissenschaft seit 1998. Seit 2000 ist er Regionalbeauftragter des BFW für Nordrhein-Westfalen.

Oberschulrat Gerhard Schmid,
Regionalbeauftragter für Berlin und Brandenburg Markelstraße 53, 12163 Berlin, Tel. priv. 0 30-7 92 18 93, mobil 01 70-8 15 78 65, dienstl. 0 30-9 02 98-36 22, Fax priv. 0 30-79 01 62 61, E-Mail ger-schmid@web.de Geb. 1945, Oberschulrat in Berlin, als Dienststellenleiter im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg zuständig für die ca. 2 500 Lehrkräfte und Erzieher/innen und die 60 Schulen im Bezirk von den Sonderschulen bis zu den Gymnasien, Beisitzer im Vorstand der Vereinigung der Freunde der CSU in Berlin, Mitglied und Funktionsträger der CSU in Augsburg, 2003 – bis zu den Wahlen 2006 Vorsitzender des Forums und des Fachauschusses Schulpolitik und berufliche Bildung der CDU Berlin. Seit 2006 Regionalbeauftragter des BFW für Berlin und Brandenburg.

Staatsrat a. D. Dr. Reiner Schmitz,
Regionalbeauftragter für Hamburg Friedensweg 34, 22609 Hamburg, Tel. 0 40-8 00 22 73 Fax 0 40-87 08 05 16, E-Mail reinerschmitzhh@yahoo.de Geb. 1947 in Holzbüttgen bei Neuss, verwitwet, vier erwachsene Kinder. 1972 Promotion zum Dr. phil. im Fach Philosophie in Freiburg. Nach dem Staatsexamen Unterricht in den Fächern Philosophie, Deutsch, Geschichte und Latein an Gymnasien in Hamburg. Schulleiter, danach Schulverwaltungsbeamter in Hamburg, dabei von 2002 bis 2004 Leiter des Katholischen Schulamtes in Hamburg, anschließend bis Ende 2005 Staatsrat in der Behörde für Bildung und Sport der Hansestadt. Seit 2006 ist er Regionalbeauftragter des BFW für Hamburg.

Privatdozent Dr. habil. Siegfried Uhl,
Regionalbeauftragter für Hessen Homburger Landstraße 225/I 408, 60435 Frankfurt am Main, Tel. 06 11-58 27-110, Fax 06 11-58 27-1 09, E-Mail s.uhl@iq.hessen.de Geb. 1960 in Überlingen am Bodensee. Erziehungswissenschaftler. 1987–2004 Tätigkeit an den Universitäten Konstanz, Erfurt und Münster und an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe, seit 2004 im hessischen Landesdienst, zur Zeit kommissarischer Leiter der Abteilung II (neu) im Institut für Qualitätsentwicklung, Wiesbaden. Regionalbeauftragter des BFW für Thüringen 2000 bis 2003, für Baden-Württemberg 2003 bis 2004, für Hessen seit 2004.

Professor Dr. Gerd Wechsung,
Regionalbeauftragter für Thüringen Rosenweg 3, 07751 Cospeda, Tel. 0 36 41-44 76 73 Geb. 1939, verheiratet, zwei erwachsene Kinder. Studium der Mathematik in Jena, seit 1992 Professor für Theoretische Informatik an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Seit 2004 im Ruhestand. Mitglied des Erweiterten Vorstands des BFW 1994 bis 2006. Seit 2000 ist er Regionalbeauftragter des BFW für Thüringen.

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Aus der Arbeit des Bundes Freiheit der Wissenschaft
Den folgenden Vortrag hielt Ministerialdirigent Peter Greisler (BMBF) am 1. Dezember 2006 in Berlin auf Einladung des Bundes Freiheit der Wissenschaft. Der Referent stellte die aktuellen Entwicklungen in der Hochschulpolitik dar. Er ging auf die große Linie der Veränderungen ebenso ein wie auf einzelne Fragen der Föderalismusreform und stellte sie in den Zusammenhang mit internationalen Entwicklungen und Absprachen. In der Diskussion ergaben sich auch Streitpunkte, z. B. in Fragen der Umsetzung des Bolognaprozesses, des Akkreditierungswesens und der Strukturveränderungen an den Hochschulen (Hochschulrat). Wir drucken den Vortrag, damit auch diejenigen, die nicht teilnehmen konnten, sich einen umfassenden Überblick über den Stand der Dinge machen können. fdw wichtiger, die Einführung von Studiengebühren ist in vielen Bundesländern bereits beschlossen. Den Gedanken der Autonomie auch hier zu Ende gedacht, müssen die Hochschulen am Ende der Entwicklung grundsätzlich über das „Ob“ und die „Höhe“ von Studiengebühren selbst entscheiden können. Die Autonomie ist die zentrale Voraussetzung für die Diversifizierung der Hochschullandschaft, für die Profilbildung der Hochschulen. Nur eine durchdachte, konsequente und zum Teil für einige Fachbereiche schmerzhafte Schwerpunktsetzung erlaubt im Ergebnis Spitzenleistungen. Dies heißt aber auch, die deutsche Hochschullandschaft wird zunehmend bunter, vielfältiger, unangepaßter, vielleicht auch ein Stück unübersichtlicher. Im wesentlichen war dies immer und ist es jetzt erst recht Ländersache. Der Bund wird diesen Weg zu mehr Autonomie konstruktiv begleiten und mitgestalten. Das Hochschulrahmengesetz soll zeitnah aufgehoben werden. Frau Dr. Schavan hat bereits den Auftrag erteilt, das Hochschulrahmengesetz zeitnah aufheben zu lassen. Damit trägt sie dem Umstand Rechnung, daß die Rahmengesetzgebungskompetenz des Bundes mit der Föderalismusreform entfallen ist. In erster Linie nimmt sie jedoch mit der Aufhebung des HRG, das immerhin seit 1976 existiert, den Ruf der Hochschulen nach mehr Autonomie ernst. Manchen Legenden, was so alles wegen des HRG nicht gehe, wird allerdings auch der Boden entzogen. Das trägt zur Klarheit der Verantwortungsstrukturen bei. Die arbeitsrechtlichen Regelungen, die sich bisher noch im HRG befinden, die sog. 12- bzw. 15Jahres-Regelung für die Qualifizierungsphase, werden in das geplante neue Wissenschaftszeitvertragsgesetz überführt. Die Kompetenz des Bundes für das Arbeitsrecht ist von der Föderalismusreform unberührt geblieben. Dieses Gesetz enthält auch einen neuen Befristungstatbestand, der den Hochschulen die befristete Beschäftigung ihres wissenschaftlichen Personals auf Drittmittelbasis deutlich erleichtern wird. Auch dies ist ein aktiver Beitrag des Bundes, die Rahmenbedingungen für den Wandel mitzugestalten. Allerdings will ich auch klar sagen, daß wir hier Möglichkeiten eröffnen, von denen verantwortungsvoll Gebrauch gemacht werden muß. Mehr dauerhafte und attraktive Arbeitplätze für Wissenschaftler An vielen Stellen müssen wir mehr dauerhafte und attraktive Arbeitsplätze für Wissenschaftler schaffen. Befristete Arbeitsverträge sind nur befristet gut, wenn ich das hier mal so einfach auf den Punkt bringen darf. Das Gesetz wird voraussichtlich schon im Frühjahr nächsten Jahres in Kraft treten.

Peter Greisler

Hochschulpolitik nach der Föderalismusreform
I. Einleitung
Kein Bereich war bei den Verhandlungen zur Föderalismusreform so umstritten wie der Bildungsbereich im allgemeinen und der Hochschulbereich im besonderen. Das zeigt, wie wichtig dieser Bereich ist, aber auch, daß wir auf verschiedenen Ebenen diskutiert haben. Es geht um Hochschulpolitik, aber auch um ordnungspolitische Fragen und natürlich um Machtfragen. Ich will mich hier auf die Perspektive der Hochschulpolitik konzentrieren und komme am Schluß zu dem Ergebnis, daß wir in dem neuen Rahmen durchaus das Richtige tun können. Das Richtige zu erreichen wird nicht leichter, zum Teil zwingen uns die neuen Regeln aber auch zu neuen Wegen, die wir längst hätten einschlagen müssen. „Und wir wollen exzellente Lehre.“

Und wir wollen exzellente Lehre. Letzteres ist nicht nur bildungspo- Am vorläufigen Ende des derzeit litisch klug, sondern auch ein ar- überschaubaren Wandlungsprozesses wird jedoch ein Spanbeitsmarktpolitisches Muß. nungsverhältnis bestehen bleiben. Diese beiden Ziele, zur Spitze so- Der Staat wird und kann sich nicht wohl in Forschung als auch in aus dem Hochschulbereich gänzLehre zu gehören, können wir im lich zurückziehen. Warum nicht? Grunde nur über eine differenzier- Weil er einen Auftrag zu erfüllen te, profilierte, international orien- hat, weil er durch die Verfassung tierte und für Wandel und Wettbe- gebunden ist. werb offene Hochschullandschaft Der Staat „muß die Rahmenerreichen. bedingungen für Forschung und Lehre in den Hochschulen gewährleisten.“ III. Autonomie der Hoch-

schulen

Das Schlagwort „Autonomie“ wird oft und gerne im Zusammenhang mit Hochschulen gebraucht. Wer ist schon für Bevormundung, wer ist für Abhängigkeit? Viele Beschränkungen sind schon gefallen. Viele Entscheidungen werden nicht mehr von den Ministerien, II. Strategische Ausrichtung der Hochschulpolitik sondern von der Hochschule selbst getroffen. Einige HochschuBei jeder der derzeitigen len wie die TU Darmstadt sind in grundsätzlichen Entscheidungen der Entwicklung schon sehr weit. sollten wir uns an unseren beiden zentralen strategischen Zielen für Nimmt man den Gedanken der den Hochschulbereich orientieren. Autonomie ernst, muß am Ende des Prozesses die Befugnis der „Wir wollen Spitzenforschung Hochschulen stehen, über Fragen auf Weltniveau.“ des Personals, der Organisation Wir wollen Spitzenforschung auf etc. selbst zu entscheiden. Diese Weltniveau, d. h. wir wollen lang- neue Freiheit muß auch für die Erfristig und dauerhaft deutsche schließung neuer FinanzierungsUniversitäten in der Liste der quellen gelten: Die Einwerbung TOP-Universitäten der Welt fin- von Drittmitteln spielt eine immer den. stärkere Rolle, Sponsoring wird

Er muß die Rahmenbedingungen für Forschung und Lehre in den Hochschulen gewährleisten. Er muß einen gewichtigen Teil ihrer Finanzierung sicherstellen. Er muß insbesondere gewährleisten, daß jeder einzelne nach seiner Befähigung die Möglichkeit hat, eine akademische Ausbildung zu absolvieren. Letzteres zum Wohle des Ganzen, aber auch zum Wohle des einzelnen. Die Aufgabe des Staates wird sich auf die Festsetzung der Ziele beschränken, die Art und Weise wird weitgehend den Hochschulen überlassen bleiben. Die Umstellung des derzeitigen Steuerungssystems auf Zielvereinbarungen weist hier bereits deutlich den Weg. Ein gesunder Wettbewerb um Ressourcen wird damit einhergehen. Die Bedeutung der leistungsorientierten Mittelverteilung wird und muß steigen.

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Aus der Arbeit des Bundes Freiheit der Wissenschaft
IV. Hochschulabschlüsse
Hinblick auf die europäischen An- V. Internationalisierung, forderungen weiterentwickelt und Bologna Der Bundesgesetzgeber hat mit die Qualitätssicherung an den der Föderalismusreform die Be- Hochschulen insgesamt gestärkt Noch ein paar Bemerkungen zum fugnis erhalten, den Bereich der werden. wichtigen Komplex der InternaHochschulabschlüsse und Hochtionalisierung. schulzulassung nunmehr als kon- Die Erfahrung zeigt, daß die einkurrierende Gesetzgebung zu re- zelnen Fachbereiche sehr unter- Ein Beispiel für das Engagement geln. Der Bund wird von diesen schiedlich und mit unterschiedli- des Bundes aus der Praxis: Die Kompetenzen vorerst keinen Ge- chem Tempo die Umstellung be- Mobilität innerhalb der neu eingebrauch machen. Denn es besteht treiben. Hier erscheint es mir wei- führten Studiengänge kann sich se, weniger auf Zeitvorgaben zu insbesondere beim derzeit in der derzeit kein Regelungsbedarf. setzen, sondern die Umstellung Regel dreijährigen Bachelor orgadurch eine fundierte fachliche nisatorisch durchaus schwierig geDiskussion voranzutreiben. Qua- stalten. Um hier praktikable Lölität geht auch hier vor Schnellig- sungsansätze zu erarbeiten, hat das BMBF den DAAD mit einem keit. Projekt zur Transnationalen MobiIn einer besonderen Situation be- lität in Bachelor- und Masterstudifinden sich die Staatsexamensstu- engängen beauftragt. diengänge. Mobilität ist während des StudiDer Umstellungsprozeß auf die ums ein wichtiges Thema und Bachelor-Master-Struktur ist im nach Abschluß der Ausbildung Bereich der Lehramtsstudien- erst recht. Ein europäischer Argänge voll im Gange. beitsmarkt erfordert als Grundlage Die innerdeutsche Mobilität auch einen europäischen Hochschulraum und eine europaweit der Studierenden erhalten! verwendbare Ausbildung. DeutHier werden die in der Sache zu- sche Sonderwege bei Abschlüsständigen Länder verstärkt darauf sen, besondere Berufszulassungsachten müssen, daß die in- regelungen, staatliche ReglemenPeter Greislers Vortrag ... nerdeutsche Mobilität der Studie- tierungen für Studiengänge etc. renden erhalten bleibt. Erkennba- benachteiligen im Ergebnis deutren Fehlentwicklungen muß ent- sche Studierende und Absolventen und schwächen mittelfristig die Der Bund hatte bereits im Jahre gegengewirkt werden. deutscher 2002 die neuen Bachelor- und Ma- Eine interessante Diskussion ent- Konkurrenzfähigkeit sterabschlüsse als Regelabschlüs- wickelt sich zur Zeit im Bereich Hochschulen. Deutschland hat im Grunde keine Alternative. Es muß se etabliert. Diese Vorgaben, die der Rechtswissenschaften. sich aktiv in die Bologna-Debataus dem Bologna-Prozeß resultieDie Justizministerinnen und Ju- ten einbringen und den weiteren ren, wurden in allen Landesgesetzen umgesetzt. Die konkrete Um- stizminister haben auf ihrer Herbst- Prozeß mitgestalten. stellung der einzelnen Studiengän- tagung 2005 eine Umstellung der „Der Bologna-Prozeß ... ist unge auf das neue Abschlußsystem Rechtswissenschaften als derzeit gemein nützlich für Deutschist ein Prozeß in den Hochschulen, noch nicht sinnvoll eingestuft. land.“ der grundsätzlich keines gesetzge- Gleichwohl haben sie beschlosberischen Eingriffs bedarf. Dieser sen, sich zur Konferenz 2008 u. a. Der Bologna-Prozeß selbst ist unProzeß wird sich auch noch über über Berufsfelder, die für eine gemein nützlich für Deutschland. mehrere Jahre erstrecken. Mittler- Ausbildung nach der Bachelor- Er schärft wie allgemein die Deweile führen bereits 45 % aller Master-Struktur relevant sein batte über die InternationalisieStudiengänge an deutschen Hoch- könnten, und über die Einführung rung von Forschung und Lehre schulen zu den Abschlüssen Ba- der Bachelor-Master-Struktur in den Blick für die Stärken und chelor und Master; sogar 70 % al- der Juristenausbildung anderer eu- Schwächen des eigenen Systems. ler Studiengänge bei den Fach- ropäischer Staaten berichten zu Uns wird ein – manchmal vielhochschulen. Die Zahl ist seit lassen. Vor kurzem hat sich mit leicht sogar eher unwillkommener 1999 stetig angestiegen. Dies ist Frau Müller-Piepenkötter zum er- – Spiegel vorgehalten. Wir sollten ermutigend. Das nationale Akkre- sten Mal eine Justizministerin ei- den Blick in den Spiegel jedoch ditierungssystem, das die Erfül- nes großen Bundeslandes aus- nicht scheuen. Ein Prozeß wie Bolung von Mindeststandards bei drücklich auch für eine Umstel- logna schafft Transparenz, transden neuen Studiengängen sicher- lung der Rechtswissenschaften portiert Ideen, sorgt für einen Bestellt, ist erfolgreich etabliert. Al- ausgesprochen. Die Debatte müs- zugsrahmen für unsere eigene nalerdings muß die Akkreditierung sen wir führen und zwar zusam- tionale bildungspolitische Debatweiter beschleunigt werden. Erst men: Bund und Länder, Justiz- te. Und nicht zuletzt entlarvt er ein Drittel der derzeit angebotenen und Bildungspolitiker und mit manche Diskussion, die in Bachelor- und Masterstudiengän- Blick auf die in Betracht kommen- Deutschland geführt wird, als „tyge sind akkreditiert. Das Akkredi- den Arbeitsmärkte und die eu- pisch deutsch“. Diese Chance, von tierungssystem selbst muß im ropäischen Rahmenbedingungen. anderen zu lernen und unsere Erfahrungen aber auch anderen zur Verfügung zu stellen, sollten wir uns nicht entgehen lassen. Die nächste Gelegenheit hierzu wird sich auf der Bologna-Ministerkonferenz in London im Mai 2007 ergeben. Deutschland wird diese Konferenz im Rahmen seiner europäischen Ratspräsidentschaft gemeinsam mit dem Gastgeberland Großbritannien veranstalten. Beide Länder haben überdies im ersten Halbjahr 2007 den Vorsitz in der Bologna-Follow upGruppe inne. Deutschland wird im März und April 2007 Gastgeber für zwei Sitzungen dieser Gruppe sein und damit in einer besonderen Verpflichtung für die weitere Entwicklung des europäischen Hochschulraums stehen. Die Internationalisierungsstrategien der Hochschulen und die Maßnahmen, die im Rahmen der vom BMBF initiierten „Konzertierten Aktion Internationales Marketing“ durchgeführt wurden, zeigen deutliche Wirkung. Beispielsweise ist das Ziel der Bundesregierung, den Anteil der ausländischen Studierenden auf 10% zu erhöhen, in greifbare Nähe gerückt. Im Wintersemester 2004/2005 wurde schon ein Anteil von 9,5% erreicht. Deutschland wird attraktiver. Deshalb denke ich, sollten wir auch im Hinblick auf die derzeitige sicherheitspolitische Debatte über die Verschärfung der aufenthaltsrechtlichen Bestimmungen für ausländische Studierende praktikable Lösungen mit Weitblick finden. Ansonsten gefährden wir unsere langjährigen Bemühungen um eine Internationalisierung des Hochschulstandorts Deutschland.

VI. Hochschulzulassung
Die Hochschulzulassung in den bundesweit zulassungsbeschränkten Studiengängen hat der Bundesgesetzgeber auf Initiative der Bundesregierung erst 2004 neu geregelt. Danach können 60 % aller Studienplätze nunmehr von den Hochschulen besetzt werden. Autonomie der Hochschulen wird deutlich gestärkt. Damit wird die Autonomie der Hochschulen auch in diesem wichtigen Bereich deutlich ge-

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Aus der Arbeit des Bundes Freiheit der Wissenschaft
stärkt. Auf Basis der HRG-Regelungen haben die Länder erst vor wenigen Monaten einen neuen Staatsvertrag über die Vergabe von Studienplätzen vereinbart. Den Hochschulen steht ein differenziertes Auswahlinstrumentarium zur Verfügung, das nun der Entwicklung und Praxiserprobung bedarf: Studierfähigkeitstests, Auswahlgespräche, gewichtete Einzelnoten sind wichtige Stichworte. Hier sind die Hochschulen besonders gefordert, auch beispielsweise durch die Bereitstellung des erforderlichen Personals. Nach meiner Einschätzung wird zukünftig den fachspezifischen Studierfähigkeitstests in den meisten Fachbereichen eine große Bedeutung zukommen. Eine Rückmeldung über die Eignung für den angestrebten Studiengang ist für eine Hochschule eine offensichtlich wichtige Entscheidungsgrundlage und bietet darüber hinaus für jeden Studienbewerber eine wertvolle Orientierung. Wir konnten ja schon vor einigen Jahren mit dem so genannten Mediziner-Test bundesweit wertvolle Erfahrungen mit diesem Instrument sammeln. Sinkende Studienabbrecherund Studienfachwechselquote Es ist zu erwarten, daß mit der angestrebten Erhöhung der Paßgenauigkeit zwischen Studium und Fähigkeiten, Erwartungen der Studierenden auch die bisherige hohe Studienabbruchsquote und die Quote der Studienfachwechsel deutlich sinken wird. Eine zügige Entwicklung des Auswahlinstrumentariums kann daher nur begrüßt und unterstützt werden. Eine erneute Änderung des Hochschulzulassungsrechts sollte frühestens erwogen werden, wenn ausreichende Erfahrungen mit dem neuen Zulassungsverfahren vorliegen. Mit der zunehmenden Profilierung der Hochschulen, mit der stärkeren Selektion wird auch dem Übergang von der Schule zur Hochschule eine deutlich gewichtigere Rolle als bisher zukommen. Dieser Wandel hat unmittelbare Auswirkungen auf die Schulen. Sie werden in Zukunft ihre Schülerinnen und Schüler bewußter auf eine akademische Ausbildung vorbereiten müssen. Sie müssen sie auch zielorientierter, z. B. bei der Fächerwahl, beraten. Daß hier Abgelehnten vom Studium fühnoch großer Bedarf ist, ist offen- ren. Jeder junge Mensch soll und kundig. muß auch weiterhin seine Chance bekommen. Aufgrund der bereits Auch der Stellenwert der Studienjetzt schon überlasteten Kapazitäberatung wird sich erhöhen. Der ten besteht jedoch derzeit die akuBund wird auch künftig an der Erte Gefahr, daß in wenigen Jahren stellung der Broschüre und dem flächendeckend ZulassungsbeOnline-Angebot „Studien- und schränkungen eingeführt werden Berufswahl“ inhaltlich mitwirken, müssen. Hierauf hat die Präsidendas seit nunmehr 36 Jahren das tin der Hochschulrektorenkonfeeinzige staatlich autorisierte Merenz, Frau Professor Wintermandium in Deutschland ist, das jährlich über alle angebotenen Studi- tel, vor kurzem noch einmal ausengänge informiert. Das BMBF drücklich hingewiesen. bringt sich auch weiterhin in das erfolgreiche Netzwerk „Wege ins Studium“ ein, um die Beratung und Information der Studieninteressierten zu verbessern. ZVS zu einer Serviceeinrichtung der Hochschulen entwickeln Die gewollte Diversifizierung darf weder für die Studienbewerberinnen und -bewerber noch die Hochschulen zu einer Belastung führen. Die Länder sind derzeit dabei, die Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen zu einer Serviceeinrichtung der Hochschulen weiterzuentwickeln. Die ZVS ist eine Landeseinrichtung und sie führt auch Landesrecht aus. Ziel der Reform ist es, die Hochschulen bei der Umsetzung der neuen Auswahlinstrumentarien zu unterstützen. Studierende sollen leichter die für sie geeignete Hochschule finden und die Hochschulen sollen im administrativen Bereich, z. B. bei der Bearbeitung von Mehrfachbewerbungen, entlastet werden. Relevante Hochschulinformationen, z. B. im Hinblick auf das Auswahlkriterium „Einzelnoten“, sollten den Schülerinnen und Schülern bereits beim Eintritt in die Oberstufe vorliegen, damit sie ihre Fächerwahl daran ausrichten können. Auch in diesem Servicebereich könnte die ZVS zukünftig unterstützend tätig sein. Insgesamt wird die Reform der ZVS vom Bund ausdrücklich begrüßt und in den entsprechenden Gremien unterstützt. den akademischen Nachwuchs zu sichern und die Innovationskraft unserer Gesellschaft zu stärken. Deutschland wird durch die Stärkung der Forschung auch attraktiver für den besten internationalen Forschernachwuchs.

Bund und Länder wollen diese Chance nutzen. Deshalb haben sich die Wissenschaftsminister von Bund und Ländern auf Eckpunkte für einen Hochschulpakt 2020 geeinigt. Diese werden den Regierungschefs von Bund und Die deutschen Hochschulen und Ländern im Dezember zur Zumit ihnen das gesamte Wissen- stimmung vorgelegt. schaftssystem stehen in den näch„Der Hochschulpakt beinhalsten Jahren vor großen Herausfortet ein verläßliches und langderungen. Da ist zum einen die fristiges Engagement von Bund steigende Zahl von Studienbeund Ländern für ein der Nachrechtigten, die verursacht wird frage entsprechendes Studiendurch den Schulabschluß geburangebot bis 2020.“ tenstarker Jahrgänge. Sie wird verstärkt durch doppelte Abitur- Der Hochschulpakt beinhaltet ein jahrgänge. Der Höhepunkt der verläßliches und langfristiges EnEntwicklung ist in den Jahren gagement von Bund und Ländern 2011 bis 2013 zu erwarten. für ein der Nachfrage entspreGleichzeitig entsteht aufgrund des chendes Studienangebot bis 2020. Strukturwandels unserer Volks- Ziel ist, jedem Studienberechtig-

... löste ein lebhaftes Echo aus

Püttner (stehend) und Rosenbaum (vorne)

VII. Hochschulpakt
Eine Individualisierung im Zulassungssystem, eine bewußte Auswahl der Studierenden durch die Hochschulen dürfen aber nicht zu einem generellen Ausschluß der

wirtschaft eine wachsende Nachfrage nach Hochschulabsolventen auf dem Arbeitsmarkt. Daneben verlangt der internationale Wettbewerb eine weitere Profilierung unserer Hochschulen in der Forschung, die Hochschulen müssen noch stärker an Exzellenz und Sichtbarkeit gewinnen. Diese Profilierung wurde mit der Exzellenzinitiative eingeleitet. Bund und Länder betrachten diese Herausforderungen als große Chance für unser Land. Die prognostizierte Steigerung bei der Zahl der Studienberechtigten bietet unserem Land die Möglichkeit,

ten, der willens und fähig ist, ein Studium aufzunehmen, auch ein Studienangebot zu machen. Auf der Basis der KMK-Prognose gehen wir dabei zunächst für die Jahre 2007 bis 2010 von 90 000 zusätzlichen Studienanfängerinnen und -anfängern gegenüber dem Basisjahr 2005 aus. Der Bund beteiligt sich an den Kosten zur Aufnahme dieser jungen Menschen mit insgesamt 565 Mio. bis 2010. Daneben beinhaltet der Hochschulpakt eine Programmpauschale für erfolgreiche Forschungsvorhaben, die sich im Wettbewerb um Fördermittel der

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Grundgesetz
Neufassung Artikel 91 b (1) Bund und Länder können auf Grund von Vereinbarungen in Fällen überregionaler Bedeutung zusammenwirken bei der Förderung von: 1. Einrichtungen und Vorhaben der wissenschaftlichen Forschung außerhalb von Hochschulen 2. Vorhaben der Wissenschaft und Forschung an Hochschulen. 3. Forschungsbauten an Hochschulen einschließlich Großgeräten. Vereinbarungen nach Satz 1 Nr. 2 bedürfen der Zustimmung aller Länder. (2) Bund und Länder können auf Grund von Vereinbarungen zur Feststellung der Leistungsfähigkeit des Bildungswesens im internationalen Vergleich und bei diesbezüglichen Berichten und Empfehlungen zusammenwirken. (3) Die Kostentragung wird in der Vereinbarung geregelt.
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Qualität Forschung betreiben. Diese Vorstellung ist von der Realität längst überholt geworden. Die deutsche Hochschullandschaft befindet sich bereits heute in einem deutlichen Prozeß der Diversifizierung. Die Exzellenzinitiative hat eine ungeheure Dynamik in der Hochschullandschaft freigesetzt. Die beeindruckende Zahl an qualitativ höchstwertigen Anträgen hat die Leistungsfähigkeit der Universitäten und ihr enormes Potenzial erneut unter Beweis gestellt. Ich verspreche mir von diesem Wettbewerb erhebliche Impulse für die gesamte Hochschullandschaft. Er macht transparent, mit welchen Strategien universitäre Forschung an die Spitze geführt werden kann.

zu VIII.

DFG durchsetzen. Mit einem solchen Einstieg in die Vollkostenfinanzierung von Forschungsprojekten wird das Ziel verfolgt, die Forschungsförderung der DFG von der Ko-Finanzierung der Hochschulen unabhängiger zu machen. Der Bund wird die Kosten für die Programmpauschalen bis 2010 zu 100 % übernehmen. Mit dem Hochschulpakt hat der Bund eine weitere zentrale Initiative angestoßen, die absehbar auf eine ähnlich positive Resonanz wie die Exzellenzinitiative stoßen wird. Die Exzellenzinitiative wird als Anreiz für die universitäre Spitzenforschung, als Instrument zur Stärkung des Wettbewerbs und damit zur Differenzierung zwischen den Universitäten eine hohe strukturelle Wirkung entfalten. Wir verabschieden uns damit auch von der Vorstellung, daß in Deutschland alle Hochschulen in gleicher, international sichtbarer

Handlungsspielraum eröffnet, der es ihnen erlaubt, ihre gemeinsame Verantwortung in der Praxis auch wahrzunehmen. Die neue Gemeinschaftsaufgabe zur Finanzierung von Vorhaben der Wissenschaft und Forschung an Hochschulen ermöglicht auch die gemeinsame Förderung der Lehre an Hochschulen. Dies ist relevant gerade auch im Hinblick auf die steigenden Studierendenzahlen. Daher hat das Parlament im Rahmen der Beschlußfassung zu dem verfassungsändernden Gesetz den Weg für den Hochschulpakt, wie er jetzt abgeschlossen werden soll, ausdrücklich eröffnet. Damit wird der Tatsache Rechnung getragen, daß es sich um eine Aufgabe von gesamtstaatlicher Dimension handelt, deren Bewältigung eine An dieser Stelle muß ich – um Bund-Länder-Kooperation genauMißverständnisse zu vermeiden – so erforderlich macht wie eine Koetwas einflechten: ordinierung der Länder untereinWir wollen Spitzenunis, die welt- ander. weit Beachtung finden, aber wir Die bisherige Gemeinschaftsaufbrauchen auch gute Hochschulen, gabe „Bildungsplanung“ wurde die insgesamt Deutschland eine durch eine neue Gemeinschaftsgute Ausbildung für Berufsanfänger und eine gute Weiterbildung aufgabe ersetzt (Artikel 91 b sicherstellen. Und wir brauchen Abs. 2 GG). Danach können Bund natürlich auch Universitäten, die und Länder aufgrund von Vereinden sogenannten Spitzenunis im barungen zur Feststellung der Leistungsfähigkeit des BildungsweNacken sitzen. sens im internationalen Vergleich Lebendige Hochschulland- und bei diesbezüglichen Berichten schaft in ganz Deutschland und Empfehlungen zusammenarpflegen. beiten. Dies beinhaltet ein Zusammenwirken bei internationalen Das heißt, bei aller Konzentration Vergleichsuntersuchungen, Bemüssen wir auch eine lebendige richten oder bei der Abgabe von Hochschullandschaft in ganz Empfehlungen. Zentrale Elemente Deutschland pflegen. Nur „wir“ bildungspolitischer Steuerung heißt nicht zuerst „der Bund“. sind künftig also Autonomie, Der Bund ist entschlossen, den Wettbewerb und Monitoring. InsWissenschafts- und Hochschul- besondere das Instrument der standort Deutschland voranzu- Empfehlungen gibt Bund und bringen. Dies zeigt sich vor dem Ländern die Möglichkeit, gemeinHintergrund der beiden Initiativen same Ziele für die Weiterentwick„Exzellenzinitiative“ und „Hoch- lung des Bildungswesens festzuleschulpakt“ auch darin, daß der gen. Sie können auch bei der UmEtat des BMBF gegenüber dem setzung durch koordinierte MaßVorjahr trotz der immer noch an- nahmen in den jeweiligen Zustängespannten Haushaltslage um digkeitsbereichen zusammenzudeutlich über 400 Millionen Euro wirken. gestiegen ist. Zur Umsetzung der neuen Gemeinschaftsaufgabe haben Bund VIII. Neue Gemeinschafts- und Länder bereits den Entwurf eines Verwaltungsabkommens eraufgabe Art. 91 b GG 1 arbeitet. Das Abkommen soll am Rechtsgrundlage des Hochschul- 13. Dezember 2006 durch die Repakts 2020 ist Art. 91 b GG. Dieser gierungschefs von Bund und Länwurde im Rahmen der Föderalis- dern unterzeichnet werden und am musreform neu gefaßt. Hierdurch 1. Januar 2007 in Kraft treten. Es wurde Bund und Ländern ein regelt im wesentlichen die Struk-

turen für das künftige Zusammenwirken von Bund und Ländern im Bereich Bildung und schafft die Voraussetzungen für eine gleichberechtigte Bund-Länder-Kooperation im Bereich der neuen Gemeinschaftsaufgabe. In Zukunft werden die Bildungsministerinnen und -minister von Bund und Ländern in regelmäßigen Zusammenkünften „wesentliche Vorhaben“ des Zusammenwirkens erörtern und beschließen.

IX. Schluß
Ich habe etliche Problemkreise aufgezeigt, an denen Bund, Länder und Hochschulen gemeinsam ihren Gestaltungswillen in den Zeiten des Wandels zeigen können. Immense Herausforderungen Die Hochschulen stehen in der Tat vor immensen Herausforderungen. Bund und Länder sind sich der Bedeutung der Hochschulen für unser Land bewußt. Die derzeitigen gemeinsamen Anstrengungen belegen dies nachdrücklich. Übergangsprozesse zu gestalten, ist im übrigen auch nie einfach, oftmals politisch unbequem, aber stets spannend und lohnend für alle Beteiligten. Und wir müssen uns alle umstellen. Die Länder haben eine größere Verantwortung, aber der Bund muß auch dazu beitragen, daß die Gesamtsicht bleibt. Wir müssen die Forschung über Hochschulen und unser Wissenschaftssystem als Ganzes stärken, die Kommunikation über Landesgrenzen hinweg fördern und die internationale Perspektive einbringen. Mehr als bisher müssen wir auf die Macht der Argumente und ihre öffentliche Verbreitung bauen. Und Bund und Länder müssen gemeinsam Rahmenbedingungen schaffen, in denen Wettbewerb zum Gewinn für das Ganze führt. Gute Lehre, bedarfsgerechte Ausbildung, gute Forschung müssen sich für die Akteure für Ort lohnen. ■

Peter Greisler leitet als Ministerialdirigent die Unterabteilung Hochschule im Bundesministerium für Bildung und Forschung.

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Nordrhein-Westfalen

Das neue Hochschulfreiheitsgesetz
dem Land ermöglicht, Professoren gegebenenfalls einer anderen Hochschule zuzuweisen. Leider ist der Gesetzgeber diesen Vorschlägen nicht mehr gefolgt. An der grundsätzlich positiv zu bewertenden Ausrichtung Nach der Verabschiedung des Gesetzes fragten wir den Präsidenten dies aber nichts. des Gesetzes ändert

Das neue nordrhein-westfälische Hochschulgesetz, das sogenannte schulverband auf die Schaffung einer Versetzungsregelung gedrängt, die es Hochschulfreiheitsgesetz, ist ab dem 1. Januar 2006 in Kraft.

Die fdw berichtete mehrfach über seinen Inhalt und seine Entwicklung. Keine Frage, daß es „umstritten“ ist. Es fand im Parlament aber die einhellige Unterstützung der Regierungsfraktionen.

des Deutschen Hochschulverbandes, Professor Dr. Bernhard Kempen, nach seiner Einschätzung. Über die finanzielle Unterstützung und die finanziellen Gestaltungsspielräume des Staates gab uns der Finanzminister des Landes Nordrhein-Westfalen, Dr. Helmut Linssen, Auskunft.

fdw: In welche Richtung zielt Ihrer Meinung nach der Zusatz „Freiheit“ im Hochschulgesetz, wodurch es zum Hochschulfreiheitsgesetz wird?

Interview mit Bernhard Kempen:
fdw: Herr Professor Kempen, am 25. Oktober 2006 hat der Düsseldorfer Landtag das Hochschulfreiheitsgesetz verabschiedet. Es wird am 1. Januar 2007 in Kraft treten. Schon bei der Anhörung im August haben Sie in Ihrer Stellungnahme gesagt, das neue Gesetz sei ohne Alternative. Damit haben Sie dem Gesetzgeber ein großes Kompliment ausgesprochen. Worin gründete Ihre positive Einschätzung? Kempen: Die Hochschulen stehen vor immensen Herausforderungen: Prognostiziert wird ein rasanter Anstieg der Studierendenzahlen, der einerseits erfreut, andererseits aber auch Sorgen bereitet: Die Umstellung der Studienstruktur auf Bachelor und Master erfordert zusätzliches Lehrpersonal in einer Zeit, in der es nach jahrzehntelanger Unterfinanzierung ohnehin an Lehrkapazitäten mangelt. In dieser schwierigen Ausgangslage halte ich es für richtig, die Hochschulen in die Autonomie zu entlassen, weil damit die begründete Hoffnung einhergeht, daß die Hochschulen die Herausforderungen, die vor ihnen liegen, besser meistern werden. Kreativität entsteht nur dort, wo Freiheit und Unabhängigkeit vorhanden sind. fdw: Nach der Verabschiedung wäre ja zu prüfen, ob die Veränderungsvorschläge, die sowohl Sie persönlich als auch der Deutsche Hochschulverband im August gemacht haben, im endgültigen Gesetzestext berücksichtigt worden sind. Kempen: Der mit dem Hochschulfreiheitsgesetz verbundene Paradigmen-

Kempen: Der Zusatz „Freiheit“ zielt auf die Selbstbestimmung der Hochschulen, die in die Lage versetzt werden, das eigene Potential auszuschöpfen. Die Hochschulen werden mit dem Hochschulfreiheitsgesetz als Körperschaften des öffentlichen Rechts verselbständigt. Ihnen werden bislang vom Staat wahrgenommene Kompetenzen für Finanz- und Personalentscheidungen übertragen. Hochschulen in NRW unterliegen künftig nur noch der Rechts- und nicht mehr der Fachaufsicht des Ministeriums, wenngleich die Übergänge zwischen beiden Bereichen zweifelsohne fließend sind. Durch das Instrument der Zielvereinbarung hat sich das Land zudem selbst die Ermächtigung gegeben, „autonome“ Entscheidungen der Hochschulen maßgeblich zu beeinflussen und sogar aufzuheben. In „Nur ein erster wichtiger Schritt“ welchem Maße die Hochschulen dadurch in der Praxis einen Teil der gerade erst gewonnenen Freiheit wieder verliewechsel setzt deutschlandweit Maßstä- ren, bleibt abzuwarten. be. Gleichwohl ist er nur ein erster wichtiger Schritt in die richtige Rich- fdw: Was verbessert sich durch das Getung. Mit dem Grundsatz der Autono- setz für die Professoren? Werden sie ihmie unvereinbar bleibt die gesetzlich rer Berufung jetzt besser nachgehen verordnete Entmachtung der akademi- können? schen Selbstverwaltungsgremien zu- Kempen: Schnellere Entscheidungen gunsten der zentralen Leitung. Das und größere Gestaltungsspielräume Hochschulfreiheitsgesetz beschert den kommen Lehrenden und Lernenden zuHochschulen einen Hochschulrat, der gute. Wie die neuen Leitungsstrukturen mit großer Machtfülle ausgestattet ist, sich im Universitätsalltag auswirken nicht zuletzt bei der Wahl des Rektors werden, ist noch nicht abzusehen. Jede oder Präsidenten. In einem wettbewerb- Hochschulleitung ist klug beraten, nicht lichen Hochschulsystem sollten jedoch zuletzt die Professoren, die die wissenEntscheidung und Verantwortung dort schaftliche Leistung einer Universität liegen, wo die Leistung erbracht wird. ausmachen und prägen, in die EntscheiDeshalb sollte der Senat auch eine Ab- dungsfindung einzubeziehen und der wahlmöglichkeit des Präsidenten oder Versuchung zu widerstehen, aufgrund des Rektors erhalten. Dem Wettbe- der Rückendeckung durch den mächtiwerbsgedanken widerspricht auch das gen Hochschulrat selbstherrlich zu agieausnahmslos vorgesehene Diplomver- ren. Nicht gegen, sondern nur mit den bot. Schließlich hat der Deutsche Hoch- Professoren werden die Universitäten

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im Wettbewerb bestehen und ihre Stär- Akademie in Düsseldorf hatte als solche ken entfalten können. in den sechziger Jahren einen exzellenten Ruf, zu einer Universität wurde sie fdw: Kritiker sehen das Gesetz als Inaber erst, nachdem weitere Fakultäten strument einer entschiedenen, wenn hinzukamen. Das heißt doch, daß die nicht sogar brutalen Ökonomisierung „universitas“ sich im Ganzen und im der Wissenschaft an, die mehr an finanGlanze ihrer Fakultäten zeigt. zieller Effizienz als an Wahrheitssuche ausgerichtet werde, womit letztlich die Kempen: Die Universität muß sich Wissenschaftsfreiheit unterminiert wer- auch weiterhin am Gedanken der unide. Auch bestehe die Gefahr, daß finan- versitas litterarum orientieren. Die Vielziell ineffiziente Wissenschaften – wie falt der Fächer und ihre Begegnung in die Geistes- und Sozialwissenschaften – Forschung, Lehre und Studium tragen ins Abseits gerieten und in ihrer Exi- wesentlich zur intellektuellen Faszinatistenz gefährdet seien. on der Universität bei. Diese darf nicht durch Sparmaßnahmen gefährdet werKempen: Es ist derzeit nicht einzuden. Das schließt aber nicht aus, daß aus schätzen, wie die jeweiligen Hochschulfinanziellen und strukturellen Überleratsmitglieder an den einzelnen Univergungen Fächergruppen und Schwersitäten agieren werden. Vieles hängt in punkte an einzelnen Universitäten geder Tat davon ab, welche Köpfe innerbildet werden. Warum sollen sich einige halb wie außerhalb der Universität für von ihnen nicht auf ihre Kernkompetenz das neue Gremium gewonnen werden und ihre Stärken konzentrieren? können. Sind die Mitglieder klug ausgewählt und nehmen sie ihre Rolle verant- fdw: Welche Verbesserungen enthält wortungsvoll und umsichtig wahr, wird das neue Gesetz für die Studenten? viel von der grundsätzlichen Kritik am Normierte Studienverläufe in akkrediHochschulrat aufgefangen. Die Gefahr, tierten Studiengängen, ständige studidaß sogenannte „Orchideenfächer“ zu enbegleitende Prüfungen – wo bleibt eikurz kommen oder gar wegrationalisiert gentlich für Studenten die Wissenwerden, ist vorhanden. Kluge Hoch- schaftsfreiheit, die sich unter anderem schulen wissen aber längst, daß gerade in der Möglichkeit ausdrückt, sich in die vermeintlichen akademischen Rand- seinem Fachgebiet zweckfrei, aus Neugebiete das Profil einer Universität gier zu orientieren? maßgeblich bestimmen. Kempen: Nur eine differenzierte und fdw: Hochschulen sollen ihr Profil aus- strukturierte Hochschullandschaft eröffbilden und miteinander in Konkurrenz net den Studierenden die Möglichkeit, treten: Wie scharf darf das Profil denn ein auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenes sein, wenn die Universität noch Univer- Studium auszuwählen und zu ergreifen. sität bleiben soll? – Die Medizinische Universitäten bilden ihre Studierenden

allerdings nicht berufsfertig, sondern berufsfähig aus. Curricula sollten daher nicht zu eng gestrickt sein. Im übrigen gilt: Die überbordende Akkreditierungsbürokratie muß zurückgeschnitten werden, wenn mit der Autonomie der Hochschulen ernst gemacht werden soll. Autonomie ist nach meinem Verständnis ein Langzeitprogramm. Das Hochschulfreiheitsgesetz hat erst den Einstieg geschafft. Weitere Schritte, z. B. im Bereich Kapazitätsrecht oder Liegenschaftsmanagement, müssen folgen. fdw: Welche Entwicklungen erwarten Sie in der Hochschullandschaft des Landes Nordrhein-Westfalen nach Inkrafttreten des Hochschulfreiheitsgesetzes? Könnte es wirklich sein, daß – Staatssekretär Dr. Stückradt aus dem Ministerium für Innovation, Wissenschaft, Forschung und Technologie schließt das ausdrücklich nicht aus – Hochschulen Insolvenz anmelden müssen? Kempen: Die ursprünglich vorgesehene Insolvenzfähigkeit der Hochschulen ist vom Tisch. Das Hochschulsystem wird aber in Bewegung bleiben und sich stärker ausdifferenzieren. Die Hochschulen begeben sich in einen Wettbewerb um Studierende, um Reputation und um die besten Köpfe in Forschung und Lehre. Dabei wird es Sieger und Verlierer geben. Verlagerungen, Zusammenschlüsse oder gar Schließungen einzelner Fachbereiche sind zumindest langfristig nicht auszuschließen.

„Zukunftspakt gibt den Hochschulen Rechts- und Planungssicherheit“
Interview mit Finanzminster Dr. Helmut Linssen
fdw: Herr Minister, wie kommen die früheren Jahren haben die Hochschulen Hochschulen an Geld, wenn Sie ihnen zudem durch den mit ihnen abgeschlossenen Zukunftspakt Rechts- und Planichts mehr geben? nungssicherheit über die ihnen vom Linssen: Wenn wir den Hochschulen Land zur Verfügung gestellten Hausnichts mehr geben würden, würden wir haltsmittel gewonnen. rd. 3,8 Mrd. Euro (inkl. Kliniken) an Haushaltsmitteln sparen. Die Fragestel- fdw: Sollen die staatlichen Mittel in ablung ist also so nicht richtig. Auch nach soluten Zahlen gleich bleiben oder in Inkrafttreten des Hochschulfreiheitsge- Prozent vom Landeshaushalt? setzes werden die Hochschulen im bis- Linssen: Durch den mit den Hochschuherigen Finanzrahmen aus dem Landes- len abgeschlossenen Zukunftspakt ist haushalt finanziert. Im Gegensatz zu den Hochschulen bis zum Jahr 2010 eine Finanzierung auf der Basis der Zuweisungen des Jahres 2006 zugesichert worden. Bei den Personalausgaben nehmen sie im wesentlichen an den für alle anderen Bereiche geltenden Besoldungs- und Tarifsteigerungen teil, so daß von einer Festschreibung nicht die Rede sein kann. Kosten für notwendige Investitionen, etwa bei den Bauten für die Hochschulmedizin, können nicht festgeschrieben werden, sondern werden sich immer auch an den jährlichen Notwendigkeiten orientieren müssen.

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Finanzminister Dr. Helmut Linssen
(Foto: Landtag NRW/B. Schälte)

fdw: Gibt es einen bestimmten Schlüssel für die Zuweisung an die einzelnen Hochschulen und wonach richtet er sich? Linssen: Die Hochschulen erhalten wie bisher eine Grundausstattung, die sich an ihren personellen und sächlichen Ressourcen orientiert. Der größte Teil entfällt hierbei auf die Personalkosten (rd. 70 %). Eine Spitze von 20 % der Mittel erhalten sie nach Maßgabe von Zielvereinbarungen und Leistungskriterien. Eine solche Vergabepraxis wird den Anreiz für eine spezifische Profilausbildung einzelner Hochschulstandorte erhöhen und soll zudem zu einem arbeitsteiligen Schwerpunktausbau an den verschiedenen Hochschulstandorten anregen. fdw: Wie stehen Sie zu der Forderung des Deutschen Hochschulverbandes, den Hochschulpakt, den Landesregierung und Hochschulen miteinander geschlossen haben, gesetzlich festzuschreiben? Linssen: Gemeint ist hier wohl der Zukunftspakt. Eine gesetzliche Regelung ist vor dem Hintergrund des Hochschul-

fdw: Wenn die Hochschulen in einen Wettbewerb treten, kann es auch Verlierer geben. Wie verhält sich der Staat bei drohender Insolvenz einzelner Hochfdw: Bei der Anhörung im Landtag ver- schulen? traten manche Kanzler die Auffassung, daß in die Finanzhoheit der Hochschu- Linssen: Sicher ist, daß die Hochschulen auch die Verfügung über die Liegen- len unterschiedlich vom Hochschulfreischaften eingeschlossen sein müsse. heitsgesetz profitieren werden. In welWürde nicht erst das die komplette fi- chem Maß hängt davon ab, wie es der nanzielle Autonomie für die Hochschu- einzelnen Hochschule gelingt, ihre Stärlen bedeuten und ihnen eine Gesamtbe- ken zu stärken und ihre Schwächen abwirtschaftung ermöglichen? Warum ist zubauen. Ich gehe davon aus, daß durch die bei den Hochschulen eingedas im Gesetz nicht vorgesehen? führte Kosten- und Leistungsrechnung Linssen: Hier dürfte die Einschätzung ein buchhalterisches Frühwarnsystem an den verschiedenen Hochschulstand- vorhanden ist, das das rechtzeitige und orten durchaus unterschiedlich sein. Es verantwortliche Reagieren auf finanziwird gewiß Hochschulen geben, die mit elle Engpässe ermöglicht. Die Insolvenz der Bewirtschaftung ihrer Liegenschaf- einer Hochschule ist im übrigen rechtten überfordert wären und auch weiter- lich ausgeschlossen. hin im Rahmen des Vermieter/Mieterverhältnisses die Dienste des Bau- und fdw: Seit den Hochschulen durch GeLiegenschaftsbetriebes in Anspruch setz ermöglicht wurde, Studienbeiträge nehmen wollen. Andererseits hat die zu erheben, haben circa 80 Prozent der Landesregierung einen Modellversuch Hochschulen beschlossen, von diesem beschlossen, in dessen Rahmen neue Recht Gebrauch zu machen. Es scheint, Liegenschaftsmodelle erprobt werden daß alles sozialverträglich zu regeln ist. sollen. Der Versuch läuft gerade an. Ich Wie ist es aber mit dem anvisierten Ausgehe davon aus, daß nicht zuletzt von bau des Stipendienwesens? Das bildet seinem Ausgang die künftige Behand- sich ja nicht aus eigenem Antrieb aus. lung der Hochschulliegenschaften ab- Hat die Politik da Möglichkeiten, die Dinge voranzutreiben, z. B. durch Aushängen dürfte. schreibung von staatlichen Stipendien? fdw: Was geschieht am Ende der Laufzeit des Zukunfspaktes im Jahre 2010? Linssen: Sie werden gewiß Verständnis Unter welchen Bedingungen wird er dafür haben, daß ich mich hier nicht in die Zuständigkeit des Wissenschaftsresverlängert? sorts einmischen möchte. Ich darf allerLinssen: Mit dem Zukunftspakt und dings darauf verweisen, daß die stets dem Hochschulfreiheitsgesetz hat die auch von den Hochschulen als Vorbild Landesregierung den nordrhein-westfä- herangezogenen angelsächsischen, inslischen Hochschulen eine für Hoch- besondere amerikanischen Hochschuschulen in Deutschland einmalige Di- len, funktionierende hochschuleigene mension selbstverantwortlichen Han- Stipendiensysteme entwickelt haben. delns eröffnet. Künftige Überlegungen Bei uns wird es sicherlich noch erhebliwerden sicherlich von den Erfahrungen cher Anstrengungen bedürfen. Im übrimit der praktischen Umsetzung des gen teile ich Ihre Auffassung, daß es uns Hochschulfreiheitsgesetzes sowie von gelungen ist, die Problematik der Studider demographischen Entwicklung etwa engebühren sozialverträglich abzufebei den Studienanfängerzahlen beeindern. ■ flußt werden. Die Landesregierung wird dann – wie schon in der Vergangenheit – Die Fragen stellte Winfried Holzapfel.

freiheitsgesetzes nicht erforderlich und wäre auch nicht angezeigt. Dies um so mehr, als der Zukunftspakt durch einen entsprechenden Entschließungsantrag des Landtags parlamentarisch abgesichert ist.

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Mecklenburg-Vorpommern

Der weite Weg der Hochschulen des Landes Mecklenburg-Vorpommern zur Konsolidierung
Von Klaus-Dieter Rosenbaum
Rückschritt oder Fortschritt in der Hochschullandschaft ?
Wir erinnern uns, wie in „freiheit der wissenschaft“ Nr. 3 vom September 2005 ausgeführt, daß das Kabinett zur Durchsetzung einer Strukturreform an den Universitäten und Hochschulen des Landes einschließlich des Abbaus von 600 Personalstellen bis zum Jahre 2020 notfalls eine Änderung des Landeshochschulgesetzes plante, um eigenständig Studiengänge einrichten oder aufheben zu können, wenn keine Einigung mit den Hochschulen zu erreichen sei. Dazu beschloß das Kabinett die Einführung einer sogenannten Verordnungsermäch- Wenn jetzt schon ein Mitglied der PDS die Novellierung als Beseitigung der tigung in das Landeshochschulgesetz. Ansätze zur Hochschulautonomie anDie Hochschulen lehnten diese Gesetzes- sah, wird man unschwer die Absicht der änderung ab, weil sie die Hochschulau- rot-roten Koalitionäre erkennen, diese tonomie verletzt sahen. Novellierung des LandeshochschulgeDer Minister versuchte, unter Bezug auf setzes zur Restauration einer Admini„vielversprechende Vorschläge“ zu be- strationsnovelle zu nutzen. schwichtigen, setzte aber gleichzeitig Aus dieser Sicht wird die universitätseiauf ein zentralistisches „Notstandsge- gene Streichliste verständlicher. setz“, wie die Presse urteilte, um endlich Ergebnisse in seinem Sinne zu er- Der Greifswalder Rektor versuchte offenbar den Absichten der Regierung zu zielen. begegnen, indem er seine eigenen VorAuf politischem Felde verteidigte die stellungen formulierte und sie so beLinkspartei den Entwurf des neuen gründete: Hochschulgesetzes als richtig, während Ohne Veränderung keine Zukunft. die CDU ihn heftig ablehnte. Universitäten Rostock und Greifswald erhalten Turbulente Debatten im Landtag Als einer der heftigsten Kritiker gegen diese Art von Sparpolitik und gegen die beabsichtigte Novellierung des Landeshochschulgesetzes trat der ehemalige hochschulpolitische Sprecher der PDSFraktion des Landtages auf, der vormals in einem Kommentar (fdw Nr. 3 vom September 2003) den Bericht des Regionalbeauftragten heftig kritisierte, weil dieser schon die damalige Novellierung mit der Einführung von Zielvereinbarungen als unzureichend zur Erlangung einer Hochschulautonomie ansah und in den Zielvereinbarungen „Diktate“ vermutete.
Professor Dr. Klaus-Dieter Rosenbaum

Gesetzesänderung nicht notwendig“ beschrieben werden. Die Universität Rostock legte als Ergebnis einer Klausurtagung ihre Streichliste vor. Sie beinhaltete die Reduzierung von 116 Stellen bis zum Jahre 2017, obwohl die Schweriner Regierung den Fortfall von 298 Stellen eingefordert hatte. Die Regierung reagierte zurückhaltend und wohl wissend, daß die Universität Rostock schon hierdurch vor tiefgreifenden Strukturveränderungen stehen würde und die Fakultäten heftig protestierten. In einem Interview mit der Ostseezeitung äußerte sich der Greifswalder Rektor dahingehend, daß er mit dem Rostocker Rektor gemeinsam an einem Konzept arbeite, wie die vom Kabinett beschlossenen Kürzungen so umgesetzt werden könnten, daß trotzdem Forschung und Lehre von hoher Qualität möglich seien. Man gehe aber bei diesen Planungen nicht von den ministeriellen Zahlen aus. Gesetzesänderung im Januar 2006 Im Januar 2006 wurde die Gesetzesänderung in zweiter Lesung im Landtag mit den Stimmen der Koalition gegen die der CDU beschlossen. Dabei wurde

Währenddessen spielten sich im Landtag turbulente Debatten ab. Um die beiden Universitäten Rostock und Greifswald des Landes Mecklen- Die erste Lesung endete im Oktober burg-Vorpommern zu erhalten und einer 2005 ohne Ergebnis, und der Entwurf drohenden Zusammenlegung zu einer wurde in den Bildungsausschuß verwie„Universität ohne Tradition“ zu entge- sen. hen, legte der Rektor der Greifswalder Universität im November 2005 eine Im Dezember fand die öffentliche AnStreichliste von 187 Personalstellen bis hörung statt. Die Sachverständigen lehnten die Änderungen nahezu einzum Jahre 2017 vor. stimmig ab. Das „Zugehen“ des Rektors auf die Vorschläge der Landesregierung wurde Die zusammengefaßte Beurteilung heftig kritisiert und nur von wenigen als könnte mit den Worten des damaligen richtig angesehen, um dem Vorwurf ei- Rostocker Rektors: „Wir bekommen gener Verweigerung zu entgehen und die meinsam eine Lösung anderer Art hin“ Grundlage einer Diskussion zu schaf- und „die angestrebten Umstrukturierungen sind Einsparungen. Dafür ist die fen.

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die Verordnungsermächtigung aber ge- – an der Universität Greifswald die Fächerstrukturen in den vier Schwerstrichen und der Einfluß des Landtags punkten: Lebenswissenschaften, Physomit gestärkt. sik und Geowissenschaften, KulturelDanach sollten Regierung, Landtag und le Interaktion mit Schwerpunkt NordHochschulen zunächst grobe Entwickund Ost-Europa sowie Staat und Wirtlungspläne für die Universitäten und schaft, während die Universität die Hochschulen festlegen und daraus EckStudiengänge Altertumswissenschafwerte fertigen, die zu konkreten Zielverten, Romanistik, Erziehungswisseneinbarungen führen. schaften und lehramtsbezogene Masterstudiengänge aufhebt; Nachdem im Kabinett dann die „langfristige strukturelle Hochschulkonzeption“ – an der Fachhochschule Wismar die ohne „Gegenstimmen“ angenommen war Schwerpunkte: Elektrotechnik, Multiund die Zukunftsverträge, auch Zielvermedia, Bauen und Gestaltung, Seeeinbarungen genannt, bis zum 30. April fahrt und maritime Sicherheit, Mamit den Hochschulen abgeschlossen sein schinenbau, Verfahrens- und Umweltsollten, lud der Minister die Rektoren technik sowie Kunststofftechnik; zum 27. April ins Schweriner Schloß zur – an der Fachhochschule Neubrandenfeierlichen Unterzeichnung ein. burg die Schwerpunkte: Natur, UmFünf der Rektoren hatten zugesagt, alwelt, Geodäsie, Landwirtschaft und lein der Rostocker Rektor teilte mit, daß Ernährung, Soziale Arbeit, Bildung er nicht anwesend sein würde. und Erziehung, Nachhaltiger Strukturwandel und Umbau von ländlichen Damit hatte im Gegensatz zu der GreifsRegionen, Gesundheit, Pflege, Prävenwalder Universität und den Fachhochtion und Gesundheitsmanagement; schulen Wismar, Stralsund, Neubrandenburg und der Hochschule für Musik – und an der Fachhochschule Stralsund und Theater die Rostocker Universität die Schwerpunkte: Betriebswissenkeine Zielvereinbarungen bis 2010 soschaften, Informatik in Medizin, wie keine Eckdaten für die langfristige Technik und Wirtschaft, Tourismus/ Entwicklung bis 2020 mit dem BilInternationales Management, Wirtdungsministerium. schaftsingenieurwesen, MaschinenAus dem Bildungsministerium verlautete, sollte eine Zielvereinbarung bis zum 30. April nicht mehr möglich werden, würde das Ministerium laut § 15 des am 25. Januar 2006 novellierten Landeshochschulgesetzes eine Zielvorgabe erlassen. Dem müßte der Landtag noch zustimmen. Zielvorgaben und ein Schleier des Schweigens Nach diesen Zielvorgaben sollen künftig verbleiben: – an der Universität Rostock die Schwerpunkte: Lehrerbildung, Demographischer Wandel, Wirtschaft, Kultur und Technik, Regenerative Medizin, Lebenswissenschaften und Biosystemtechnik, Optical and Material Science, Nachhaltige Entwicklung ländlicher Räume, Maritime Systeme und Prozesse sowie die Rechtswissenschaften, während Betriebswirtschaften, Maschinenbau und Schiffstechnik, Informatik und Elektrotechnik sowie die Medizinische Fakultät gekürzt werden würden;

Im Rahmen der Gründer-Jahres-Feierlichkeiten der Universität fand am 4. und 5. Mai zu Ehren der traditionsreichen Universität die Jahresversammlung der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) in Greifswald statt unter dem Motto: „Die deutschen Hochschulen zwischen Bundesländern und Europa“. Die HRK-Präsidentin, Frau Professor Margret Wintermantel, erklärte dazu: „Das Treffen bietet den Rahmen, das Spannungsfeld zwischen dem Bemühen um die Schaffung eines gemeinsamen europäischen Hochschul- und Forschungsraums und einer stärkeren Dezentralisierung der Hochschulpolitik in Deutschland zu beleuchten“ und weiter: „Mitten auf ihrem Weg nach Europa müssen die deutschen Hochschulen gegen neue Hürden im eigenen Land kämpfen.“ Sie verwies auf die Lehre und Forschung als gesamtgesellschaftliche Aufgabe und weiter auf die gemeinsame Förderung von Bund und Ländern bei Sonderprogrammen sowie auf einheitliche Hochschulabschlüsse, Studienfinanzierung und Zulassungsverfahren sowie einen bundesweiten Wissenschaftstarifvertrag.

Ein weiterer Hinweis betraf die Verlautbarung einer Einigung über die Notbau, Elektrotechnik und Informations- wendigkeit eines Hochschulpaktes, aber technologie. auch auf die Begrenztheit der FinanzieMit der Fachhochschule Wismar verein- rung durch die Länder. barte die Regierung den Modellversuch: In diesem Zusammenhang kritisierten „Autonome Hochschule Wismar 2020“, die Präsidentin und gleichzeitige saarder die Eigenfinanzierung von Personal- ländische Universitäts-Präsidentin sostellen beinhaltet. wie der Greifswalder Rektor Professor Danach legte sich über die Hochschul- Rainer Westermann gemeinsam die Fölandschaft ein Schleier des Schweigens, deralismusreform, daß diese die Hochder neben Unverständnis und Gegenstim- schulen in wirtschaftlich schwachen mungen zur Hochschulpolitik auch in der Bundesländern benachteilige. Sommerpause und den Feierlichkeiten Zur Eröffnung der Jahresversammlung zum Universitätsjubiläum der Greifs- im Greifswalder Dom hielt Professor walder Universität seine Ursachen hatte. Fotis C. Kafatos, der Vorsitzende des Die Konsolidierungsbemühungen der Landes-Universitäten – der „richtige“ Weg deutscher Hochschulen zwischen Bundesländern und Europa? Die Universität Greifswald führte am 17. Oktober 2006 den Festakt zum 550. Jahrestag der Universitätsgründung in Anwesenheit des Bundespräsidenten und der schwedischen Königin Sylvia am Gründungsort im Dom zu St. Nikolai durch. Die Universität war als pommersche Landesuniversität nach dem 30-jährigen Krieg zeitweilig in schwedischer Hoheit. Wissenschaftlichen Rates des Europäischen Forschungsrats, den Festvortrag. Dabei wurde der von Hochschulen und Wissenschaft erstmals ausgelobte Ars legendi-Preis für exzellente Hochschullehre verliehen. Die nachfolgenden Vorträge versuchten über eine Analyse der nationalen und europäischen Gegebenheiten in den technischen Wissenschaften, den Naturwissenschaften und den Geisteswissenschaften sowie in Kultur und Administration offene Fragen zu diskutieren und Antworten zur Vernetzung zu geben.

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Die Europäische Union setzt große Erwartungen in die Wissenschaften, um Europa zum wettbewerbsfähigen Raum zu machen.

Die nationalen Regierungen sind aufgerufen, den Anteil der Ausgaben für Wissenschaft und Forschung auf drei Prozent zu steigern. Neue Konzepte und Institutionen wie das European Research Council oder das European Institute of Technology (EIT) werden entwickelt, um die Leistungsfähigkeit im Bereich von Wissenschaft und Forschung zu Schlußbemerkungen bündeln und zu steigern.

„Groß-Universitäten werden sich auf Kosten des breiten universitären Mittelstandes aufrüsten“. Die Ernst-MoritzArndt-Universität als wohl kleinste Voll-Uni Deutschlands habe ihren Strukturwandel aktiv und offensiv angegangen. „Wir müssen uns von Studiengängen trennen und konzentrieren, holen Leistungsträger nach Greifswald und fördern die internationale Zusammenarbeit.“

Eine Stellungnahme des Bundes Freiheit der Wissenschaft sollte zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen, da in der neuen SPDCDU-Koalitionsregierung in Mecklenburg- Vorpommern das Bildungsministerium CDU geleitet wird und die Auswirkungen wie die der Föderalismusreform einschließlich der Einflußnahme des Bundes auch über den Europäischen Rat noch nicht abschätzbar sind.
■

Professor Dr. Klaus-Dieter Rosenbaum ist Regionalbeauftragter des Bundes Freiheit der Wissenschaft für MecklenDer Greifswalder Rektor verwies auf Dieser Bericht stützt sich sowohl auf burg-Vorpommern. die Gefahren für die Hochschulen in Pressemitteilungen als auch auf eigene Korrespondenzadresse s. S. 5 den ärmeren Bundesländern: Kenntnisse.

Bayern

Wirtschaftslobby: zweifelhafte Loyalität zum Gymnasium
Von Willi Eisele
Einer der Grundpfeiler des Gymnasiums ist der wissenschaftspropädeutisch angelegte Unterricht in klar umrissenen Fächern. Erste Belege, daß die Wirtschaftslobby genau hier den Hebel ansetzt, kennen wir seit der Einführung von „Natur&Technik“, dem bisher jeder Definitionsversuch als „Fach“ fern ist. Wer sich für das Gymnasium als Schulart ernsthaft einsetzt, darf bezweifeln, daß in solchen „Mischfächern“ gymnasiale Bildungsprinzipien umgesetzt werden können. Ein jüngster Beleg für die zweifelhafte Loyalität zum Gymnasium ist auch in Positionen zu erkennen, die der stellvertretende Abteilungsleiter für Bildung bei der Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände (Köln), Dr. Christoph Anz, vor, auf und nach dem Historikertag im Hinblick auf die Qualitätssicherung von Bildung mit Zielrichtung auf das Fach Geschichte vertreten hat. sammenhängen unterrichtet werden kann. Ob ein solcher Unterricht dann als ,Geschichtsunterricht‘ oder ,Gemeinschaftskunde‘ oder ,Philosophie‘ oder was auch immer bezeichnet wird, ist letztlich unerheblich, eben weil es um die Inhalte geht“. Diese Aussage und die naßforsche Art, wie die Wirtschaftslobby hier gegen (!) das Fach Geschichte auftritt und die Unbekümmertheit, wie hier mit wesentlichen Bildungsinhalten umgesprungen wird, muß alle Fächer und damit auch die Berufsvertretung der Gymnasiallehrer in Alarmzustand versetzen. Es ist zu vermuten, daß es genau diese Lobby ist, die einerseits bundesweit verbindliche „Bildungsstandards“ von der KMK fordert, aber gleichzeitig toleriert, daß bestimmte Fächer davon ausgeschlossen bleiben – genau jene, die nach Vorentscheidungen einzelner Kultusministerien bereits nur noch in „Fachverbünden“, „Mischfächern“ oder „Integrationsfächern“ an Sekundarschulen, Regeloder Mittelschulen sowie dem Etikettenschwindel – zur Vermeidung des abgegriffenen Reizwortes Integrierte Gesamtschule aus den 70-er Jahren – nun als „Schule für alle“ (Gemeinschaftsschule) angeboten werden. systeme einfordert, betreiben hier das Geschäft der Wirtschaftslobby und umgekehrt. Wie sehr unser Fach Geschichte den Ideologen ein Dorn im Auge ist, kann der Bayerische Geschichtslehrerverband e. V. auch für Tendenzen in Bayern seit 1996/98 belegen, wo auch auf der Ebene der politischen Entscheidungen die Loyalität zur geschichtlichen Bildung in einem eigenständigen Fach zunehmend zweifelhaft ist. Verfassungsloyalität der politisch Verantwortlichen in Bayern ist angesagt. Angemahnt wurde sie in bezug auf das Fach Geschichte bereits eindrucksvoll im Prinzregententheater anläßlich des Bayerischen Verfassungstages 2005. Das diesjährige 60. Jubiläum der Verfassung des Freistaates Bayern steht unmittelbar bevor – eine passende Gelegenheit, dem Fach Geschichte an den Schulen in Bayern eine Schlüsselrolle in seinen Inhalten für eine vertiefte Allgemeinbildung zuzuweisen.
■

Auf unsere Nachfrage zum Fach Geschichte ging uns eine Antwort zu, die im Auszug zitiert werden soll: „Ein eindeutiges Bekenntnis zum Fach Geschichte als ,Leitfach der Geisteswissenschaften‘ (so von uns nicht erfragt, BGLV) werden Sie von mir nicht bekommen. Ich bin überzeugt davon, daß das, was Sie (BGLV) inhaltlich vermit- Lobbyisten im Bildungsbereich, deren telt wissen wollen, auch in anderen Zu- Ideologie „integrative“ (Gesamt-) Schul-

Oberstudiendirektor Willi Eisele ist Landesvorsitzender des Bayerischen Geschichtslehrerverbandes e. V. Willi Eisele ist auch Regionalbeauftragter des Bundes Freiheit der Wissenschaft für Bayern. Korrespondenzadresse s. S. 5.

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Berlin
Einheitsschule in Berlin – ein leistungsfeindlicher und sozialschädlicher Plan

Nein zum rot-roten Projekt Einheitsschule!
Diese in weiten Teilen erfolglose sechsjährige Grundschule als Einheits- oder Gemeinschaftsschule auf acht oder gar auf zehn Schuljahre zu erweitern und die Schularten Gymnasium, Realschule, Hauptschule und Gesamtschule aufzuheben oder richtiger, eine undifferenzierte Gesamtschule als einzige Schulart einzurichten, wird die Bildungsmisere in Berlin nur verlängern und vertiefen. Ein dann sich anschließender zweijähriger Bildungsgang bis zum Abitur wird nicht zur notwendigen Studierfähigkeit der Schüler führen, sondern bestenfalls nur Mittelmaß fördern.

Von Gerhard Schmid
Vom Gymnasium in Deutschland lernen, heißt weltweit siegen lernen
Das PISA-Ergebnis 2003 hat noch weitere wichtige Facetten z. B. bei der mathematischen Kompetenz der 15jährigen Schüler: Kaum ein Land hat sich zwischen 2000 und 2003 wesentlich verbessert: Finnland von 536 auf 544 Leistungspunkte, Japan sank von 557 auf 534, Australien von 533 auf 524, Kanada stagnierte bei 533 zu 532. Deutschland steigerte sich immerhin von 490 auf 503. Welche Gründe hatte dies aber? Es waren vor allem die guten Ergebnisse der Schüler am erfolgreichen Gymnasium. Erreichten im Jahre 2000 die Gymnasien in Deutschland 555 Leistungspunkte, so waren es 2003 bereits 606. Dies ist eine signifikante Steigerung um 51 Punkte, was mehr als ein Schuljahr entspricht, d. h. in Deutschland haben die Schüler in ihren Leistungen am Gymnasium in drei Jahren im Vergleich zur Vorgängergruppe ein Schuljahr besser abgeschnitten. Eine grandiose Leistung des Gymnasiums in Deutschland! Würde die Diskussion auch international von Vertretern der OECD in Paris, wie von ihrem grünen Koordinator Schleicher, nicht so ideologisch geführt, würde dieses Ergebnis weltweit zu Debatten führen, wie diesem großen Erfolg des deutschen Gymnasiums nachgeeifert werden könnte. Und so eine Schulart soll durch eine zehnjährige Einheits- oder Gemeinschaftsschule aufgehoben werden! Verantwortungsloser kann sich Bildungspolitik in Deutschland nicht mehr zeigen!

Gerhard Schmid

Das gegliederte Schulwesen ist in Deutschland und international erfolgreich
Dagegen hat sich in Deutschland das gegliederte Schulwesen vor allem auch in den Ergebnissen bei PISA 2003 als erfolgreich erwiesen, besonders, wenn es wie in Bayern und in anderen Bundesländern, mit einem sechsjährigen Bildungsgang in der Realschule und einem acht- oder neunjährigen Bildungsgang im Gymnasium nach der 4. Klasse der Grundschule verbunden ist. Dies bringt deutliche Vorteile vor allem für leistungsfähige Schüler, ist also Begabtenförderung – und diese leistungsfähigen Schüler brauchen wir vor allem auch zur Entwicklung der Wirtschaft, auch und gerade in Berlin. Interessant sind hierzu auch Meinungsumfragen: So berichtet der Tagesspiegel vom 7. April 2006: „Die von Fachleuten und Lehrern geforderte Auflösung der Hauptschulen hat keinen Rückhalt in der Bevölkerung. Nach dem Deutschlandtrend im Auftrag von ARD und Tagesspiegel halten nur 27 % der Befragten die Abschaffung dieser Schulform für den richtigen Weg, Probleme wie Gewalt und mangelnde Integration von Zuwanderern zu lösen …In den Anhängerschaften aller Parteien sind nur Minderheiten für das Ende der Hauptschule ...“.

Die sechsjährige Grundschule in Berlin ist erfolglos
Berlin hat mit der sechsjährigen Grundschule bereits eine Art Einheitsschule, die sich als nicht besonders leistungsfähig erwiesen hat. So werden z. B. Haupt- und Gesamtschüler nicht erst an ihren Schularten zu Problemschülern, sondern kommen als solche aus der Grundschule an die Haupt- und Gesamtschulen. Die jüngsten Gewaltvorfälle auch an Grundschulen belegen dies. Die Vergleichsarbeiten in der Jahrgangsstufe 4 in Deutsch und Mathematik in den letzten Jahren zeigen die geringe Leistungsfähigkeit an den Grundschulen – in Berlin nehmen die Schüler nur einen hinteren Platz unter den beteiligten sieben Bundesländern ein. Dabei vergleicht sich Berlin hier nur mit den PISA-Verlierern Brandenburg, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein. Viele bildungswillige Eltern und leistungsfähige und -willige Kinder stimmen daher mit den Füßen ab und wechseln in die wenigen Gymnasien mit 5. Klassen und in die eine Gesamtschule, die bereits ab der 5. Klasse besucht werden kann, oder gehen zu den Privatschulen.

Die Gesamtschule ist sozialschädlich
Das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin hat bereits 1996 eine kurzzeitig viel beachtete, aber dann rasch in der Versenkung verschwundene Längsschnittstudie veröffentlicht („Bildungsverläufe und psychosoziale Entwicklung

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im Jugendalter – BIJU –“). Hier wurden an den Schularten in Nordrhein-Westfalen und Berlin (veröffentlicht wurden aber nur die Ergebnisse aus Nordrhein-Westfalen) die soziale Motivation von Schülern untersucht – soziale Integration und soziale Kompetenz ist für ideologische Befürworter der Gesamtschule das große Plus für die Schulart.

meinschaftsschule ist, insgesamt die ungünstigsten Verläufe: Hier läßt sich ein deutlicher Anstieg des Egoismus- bei simultanem Absinken des Altruismusmotivs feststellen.

schulsystem verantwortlich, für das durchschnittliche in Deutschland nicht ursächlich das gegliederte Schulwesen. Die Unterrichtsqualität ist entscheidend und nicht die Schulstruktur, und die Übereinstimmung von Elternhaus und Schule bezüglich Anstrengungs- und Leistungsbereitschaft. Eine grundlegende Verbesserung der Ergebnisse des Berliner Schulwesens werden wir nur erreichen bei hoher Wertschätzung der Bildung in der Gesellschaft und bei den Eltern, durch Wertschätzung der Schule und der Lehrer, mit gutem Unterricht, hoher Motivation der Lehrkräfte und einem ausgeprägten Leistungs- und Bildungswillen bei den Schülern. Berlin hat hier noch einen weiten Weg vor sich. Einheits- oder Gemeinschaftsschulen führen in eine Sackgasse. Auch die Zusammenfassung von Haupt-, Real- und Gesamtschulen zu einer einheitlichen Oberschule mit Beibehaltung des Gymnasiums wäre die Rückkehr in das 19. Jahrhundert mit einer Volksschule für das gemeine Volk, und das Gymnasium für die höheren Schichten. Die begabungsgerechte Förderung aller Schüler in allen Schularten des gegliederten Schulsystems ist dagegen angesagt. ■

PISA-Ergebnis international

Aber das Gegenteil ist am Beispiel der Das internationale PISA-Ergebnis zeigt sich bunt gemischt: Länder mit langer geHilfsbereitschaft gezeigt der Fall. meinsamer Schulzeit schlossen schlecht ab Hilfsbereitschaft gilt als eine der zentralen (z. B. USA und Dänemark) und auch gut Tugenden unserer christlich geprägten (Finnland). Länder mit stark gegliedertem Kultur. In der pädagogischen und psycho- Schulsystem schlossen ebenfalls schlecht logischen Forschung werden generell drei ab (z. B. Griechenland) und auch gut (z. B. Motive unterschieden, warum Personen Niederlande, Frankreich, Belgien). helfen oder nicht helfen: a) das egoistische Motiv, b) das altruistische Motiv, c) das Konformitätsmotiv. Im ersten Fall hilft man, weil man sich als Folge seines eigenen Hilfeverhaltens Vorteile (z. B. Belohnungen) erhofft. Im zweiten Fall hilft man einer Person, weil man für sie das Beste will. Im letzten Fall wird geholfen, „weil es sich so gehört“ – man folgt also der sozialen Norm und dem sozialen Druck. Nun zum Ergebnis:

Einheitsschule und Hauptstadt
Der Schritt zu einer Einheits- oder Gemeinschaftsschule ist auch gegen Berlin als Hauptstadt gerichtet. Eine erfolgreiche Wirtschaftsentwicklung in der Stadt setzt Investoren und vor allem leistungsfähige Arbeitskräfte voraus. Über 90 % der Schüler in Deutschland besuchen Schulen des gegliederten Systems – die leistungs- und anstrengungsbereiten Schüler vor allem die Gymnasien. Die Abschaffung von Gymnasien und Realschulen in Berlin wird die leistungsfähigen Paare und junge Menschen abschrecken. Die Wirtschaft und die sozialen Bedingungen in der Hauptstadt werden dadurch eher geschwächt als gestärkt.

Nach der Entwicklung über drei Jahre zeigten sich am Ende der 10. Klasse die günstigsten Entwicklungsverläufe für die Real- und Gymnasialschüler mit steigendem Altruismusmotiv bei gleichzeitig sinkendem Egoismus- und Konformitätsmotiv. Hauptschüler weisen nur eine leichte Zunahme des Altruismusmotivs bei gleichzeitig ansteigendem Konformitäts- Zusammenfassung motiv auf. Schließlich zeigen sich auf der Das heißt: Für das gute Ergebnis ist in Gesamtschule, die schon eine Art Ge- Finnland nicht ursächlich das Einheits-

Oberschulrat Gerhard Schmid ist Regionalbeauftragter des Bundes Freiheit der Wissenschaft für Berlin und Brandenburg. Korrespondenzadresse s. S. 8

Im Anschluß an die Mitgliederversammlung vom 1. Dezember 2006 formulierte der Bund Freiheit der Wissenschaft eine Presseerklärung zur Schulsituation in Berlin sowie zum Ergebnis der Neuwahlen. Wir drucken zu Ihrer Kenntnis einen Auszug daraus ab. Pressemitteilung, 5. 12. 2006 Bund Freiheit der Wissenschaft: Kulturkampf im Schulwesen droht
Die Mitgliederversammlung des Bundes Freiheit der Wissenschaft am 1. Dezember 2006 in Berlin stand unter dem Eindruck, daß der rot-rote Senat in Berlin gegen das bei PISA erfolgreiche gegliederte Schulwesen, und auch gegen das Gymnasium, eine Einheits- oder Gemeinschaftsschule durchsetzen will. Nur die Bundesländer, in denen es neben dem Gymnasium, der Realschule und der Hauptschule die Gesamtschule gibt, müssen als PISA-Verlierer bezeichnet werden. So auch Rheinland-Pfalz, aus dem der neue Senator für Bildung, Wissenschaft und Forschung in Berlin, der Medizinprofessor Jürgen Zöllner, kommt. In Hamburg gibt es darüber hinaus Tendenzen für ein zweigliedriges Schulwesen, wie es in Deutschland im 19. Jahrhundert herrschte. Der BFW rechnet bei Abschaffung der Gymnasien mit einer weiteren deutlichen Verschlechterung in der Studierfähigkeit der Absolventen der 12. Klassen einer Einheitsschule. Gegen diesen Kulturkampf in Deutschland setzt der BFW mit seiner Neuwahl ein Zeichen: Zu den Neuwahlen erfahren Sie alles im Bericht „Aus der Arbeit des Bundes Freiheit der Wissenschaft“ (ab S. 3 ).

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Nordrhein-Westfalen

Realschulen mit 11. Schuljahr?
Beim 39. Mülheimer Kongreß, der Jahrestagung des Realschullehrerverbandes NRW, die am 9. und 10. November 2006 stattfand, schlug der Landesvorsitzende Ulrich Brambach überraschend ein 11. Schuljahr für Realschulen vor. Damit sollten die schulischen Voraussetzungen für die Erlangung der Fachhochschulreife erfüllt werden können.
Wir baten Ulrich Brambach seinen Vorschlag näher zu erläutern. Ulrich Brambach: „Um möglichst viel Durchlässigkeit zu gewährleisten, ist das dreigliedrige Schulsystem formal betrachtet so aufgebaut, daß Schülerinnen und Schüler zum Ende des Bildungsgangs je nach Leistungsvermögen noch ein weiteres Schuljahr besuchen können. So gibt es an der Hauptschule, die mit Ausnahme in Nordrhein-Westfalen in der Regel nach der 9. Klasse mit dem Hauptschulabschluß endet, die Möglichkeit, ein 10. Schuljahr anzuhängen, um die Fachoberschulreife zu erwerben. Gleichsam muß es auch an den Realschulen die Möglichkeit geben, in einem weiteren Schuljahr für die leistungsstärkeren Schülerinnen und Schüler die Fachhochschulreife zu erwerben. Diese Möglichkeit gewinnt bei zurückgehenden Schülerzahlen besonders im ländlichen Raum an Bedeutung. So können Kommunen, die nur eine Realschule vorhalten, den Schülerinnen und Schülern, die einen längeren Weg zum nächsten Gymnasium haben, wohnortnah das Erreichen der Fachhochschulreife anbieten. Auch die allgemeine Hochschulreife kann ja zukünftig sowohl nach 12 Schuljahren (Gymnasium) wie auch nach 13 Jahren (Gesamtschule und Berufskolleg) erreicht werden. Schulversuche diesbezüglich werden bereits in Bayern und BadenWürttemberg erfolgreich durchgeführt und sollten auch in Nordrhein-Westfalen initiiert werden. Im Sinne eines schnellen und erfolgreichen Lernens und auch

Ulrich Brambach bei seiner Eröffnungsrede Fotos: M. Berretz

einer gezielten Förderung sind die Schulversuche unter bestimmten Bedingungen aus meiner Sicht erfolgversprechend.“ Der 39. Mülheimer Kongreß hatte als Tagungsthema: „Veränderung von Schule durch die Mediengesellschaft“. Den Eröffnungsvortrag hielt Professor Dr. Merten von der Universität Münster. Im Verlauf der Tagung wurde das Thema an den beiden Kongreßtagen ausführlich in Arbeitsgruppen behandelt. Nach der Begrüßung durch die Oberbürgermeisterin von Mülheim, Dagmar Mühlenfeld, und einem Geleitwort von Schulministerin Barbara Sommer bildete der Auftritt einer sogenannten Bläserklasse ein anschauliches und unüberhörbares Beispiel für den guten Geist von Schule. 31 Schülerinnen und Schüler füllten die Bühne, um die Zuhörer für das Tagungsthema durch das Medium Musik so recht in Stimmung zu bringen, was überzeugend gelang. Ho.

Die „Bläserklasse“ heizte dem Auditorium kräftig ein. Bei der Bläserklasse handelt es sich um die Klasse 6b der Walter-Bader-Realschule in Xanten unter Leitung von Stephanie Bauer.

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Erfolgsgeschichte soll weitergehen

10 Jahre Unterrichtsfach „Praktische Philosophie“ in Nordrhein-Westfalen
(Münster, 18. November 2006 – fdw) Anläßlich des „Jubiläums“ veranstaltete der Landesverband NRW des Fachverbandes Philosophie in der Westfälischen Wilhelms-Universität zu Münster eine „Festtagung“. Mit diesem ungewöhnlichen Begriff sollte wohl signalisiert werden, daß es zwar Anlaß zu Genugtuung und Freude darüber gebe, daß sich das Fach an den Schulen des Landes etabliert hat, daß aber doch noch eine Menge zu tun bleibt – sowohl hinsichtlich des Lehrplans als auch hinsichtlich einer ausreichenden Zahl an Lehrkräften – um zu einer der Bedeutung und dem Auftrag des Faches angemessenen Wirksamkeit zu kommen.
Die Aula der Westfälischen WilhelmsUniversität im Schloß war ein würdiger Ort für eine Feierstunde zum 10jährigen Bestehen des Faches „Praktische Philosophie“ in NRW. In ihrer Begrüßung wies die stellvertretende Rektorin Marianne Ravenstein auf die Bedeutung der Universität Münster beim Prozeß der „Implementierung“ des Faches an den nordrheinwestfälischen Schulen hin: In Münster wurden mehr als 100 Lehrkräfte, die mit anderen Fächern schon im Schuldienst waren, für den Unterricht im Fach „Praktische Philosophie“ nachqualifiziert. In der Verantwortung von Professor Dr. Volker Steenblock und Dr. Klaus Blesenkemper habe die Arbeitsstelle der Universität effiziente Arbeit geleistet. Neben „Praktischer Philosophie“ sei im gleichen Zeitraum nur noch das Fach „Informatik“ als neues Fach in das Unterrichtsangebt der Schulen in NRW eingeführt worden. In seinem kurzen Rückblick gab der Landesvorsitzende des Fachverbandes Philosophie, Studiendirektor Klaus Draken, die Entwicklung des Faches in seinen Grundzügen wieder. Er nannte einige Protagonisten der ersten Stunde und betonte die Wichtigkeit der sicheren Versorgung mit Lehrkräften, die nach einem Curriculum arbeiteten, das seine fachliche und seine didaktische Tauglichkeit von kompetenter Seite, nämlich den Professoren Birnbacher (Düsseldorf) und Martens (Hamburg) bestätigt bekommen habe. Auf regionaler Ebene hätten Moderatoren gute Fortbildungsarbeit geleistet. An den Universitäten hätten zweijährige Studienkurse zu Staatsexamensabschlüssen geführt. Artikel 7 der Landesverfassung von Nordrhein-Westfalen
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(1) Ehrfurcht vor Gott, Achtung vor der Würde des Menschen und Bereitschaft zum sozialen Handeln zu wecken, ist vornehmstes Ziel der Erziehung. (2) Die Jugend soll erzogen werden im Geiste der Menschlichkeit, der Demokratie und der Freiheit, zur Duldsamkeit und zur Achtung vor der Überzeugung des anderen, zur Verantwortung für Tiere und die Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen, in Liebe zu Volk und Heimat, zur Völkergemeinschaft und Friedensgesinnung.
Artikel 7 der Landesverfassung ist bewußt als § 2 (2) in das neue Schulgesetz des Landes Nordrhein-Westfalen aufgenommen worden.

„Gesellschaft der Bindungslosen“
Staatssekretär Günter Winands aus dem Ministerium für Schule und Weiterbildung schritt das weithin unsicher gewordene Feld der Lebensumstände heutiger Heranwachsender ab. Er sprach von einer „Gesellschaft der Bindungslosen“. „Familien mit Verwahrlosungstendenzen“ machten Wertevermittlung in der Schule besonders nötig. Wertevermittlung sei „integraler Bestandteil“ der Erziehungsarbeit. Ihr Fundament habe sie im Artikel 7 der Landesverfassung von NRW, der deshalb auch bewußt in das neue Schulgesetz aufgenommen worden sei, wie Winands unterstrich1.
Engagement für werteorientierte Erziehung: Professor Dr. Heinz-Werner Poelchau, Prorektorin der WWU, Dr. Marianne Ravenstein, Staatssekretär im Ministerium für Schule und Weiterbildung, Dr. Günter Winands. Im Hintergrund der Bundesvorsitzende des Fachverbandes Philosophie, Studiendirektor Dr. Bernd Rolf.

Ausgerichtet an zwei Leitsätzen Pestalozzis: „Erziehung ist Vorbild und Liebe“ und : „Erziehung kann nur leisten, wer Kinder liebt“, forderte er, Werte

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müßten vorgelebt werden. Jedoch sei gangsstufen 9 und 10, die nicht am Reli„wertschätzendes Verhalten im Unter- gionsunterricht teilnehmen. richt“ nicht nur Sache der Lehrer, sondern auch der Schüler. Etwa 60 000 Schülerinnen und Schüler wählen jährlich das Fach „Praktische Philosophie“, das es in allen weiterführenden Schulen des Landes NRW in den Klassen 9 und 10 gibt, sofern eine ausreichende Nachfrage da ist und Fachlehrkräfte zur Verfügung stehen. Das Curriculum „Praktische Philosophie“ ist schulformübergreifend angelegt. Wenn man auch die Werteerziehung als Erziehungsprinzip in jedem Unterricht realisiert sehen sollte, so ist neben Religion „Praktische Philosophie“ das Fach, in dem Wertefragen explizit zum „Stoff“ gehören. Es ist verpflichtend für Schülerinnen und Schüler der Jahr-

erhebliche Unsicherheit in Fragen einer „Verzahnung“ der Didaktiken von Philosophie in Schule und Hochschule unter den Bedingungen neuer umstrittener Eckpunkte künftiger Entwicklung Formen der Lehrerausbildung im SchatKonkrete Fragestellungen der „Prakti- ten des Bolognaprozesses. schen Philosophie“ als Unterrichtsfach Die Versammlung nutzte die Gelegenbeschäftigten dann Arbeitskreise am heit, um Professor Dr. Heinz-Werner Nachmittag, die im einzelnen folgende Poelchau vom Ministerium für Schule Themen hatten: „Elemente praktischen und Weiterbildung für sein inzwischen Philosophierens im Grundschulunterüber ein Jahrzehnt langes Engagement richt“, „Perspektiven Praktischen Philofür die „Implementierung“ des Faches sophierens in Haupt-, Real- und Ge„Praktische Philosophie“ zu danken. samtschulen“ und „Von ,Praktischer Poelchau selbst hatte zuvor die ErfolgsPhilosophie‘, zu ,Philosophie‘, in der geschichte in einem Vortrag mit dem TiSekundarstufe II“. tel „Praktische Philosophie – Herkunft Im Arbeitskreis „Praktische Philosophie und Zukunft“ mit Reminiszenzen aus – Entwicklungen in der Schulland- den vergangenen Jahren und statistischaft“ wurden eher Problemfelder um- schen Erhebungen bis hin zur Gegen■ rissen als Eckpunkte einer profilierten wart anschaulich belegt. Winfried Holzapel Entwicklung festgelegt. Es zeigte sich

Baden-Württemberg
Anläßlich des neunzigsten Geburtstags des Pädagogen Hermann Röhrs sandte uns Professor Dr. Kurt Otten die folgende Würdigung.

Hermann Röhrs – ein Pädagoge der ersten Stunde
Hermann Röhrs wurde als junger Volksschullehrer 1940 eingezogen, war in Russland als Infanterist vom ersten Tag an der Front, fünfmal verwundet, aus Riga (1944) im Lazarettschiff evakuiert, in Hamburg zusammengeflickt und erlebte dort als Leutnant und Adjutant eines Schwerverwundetenregiments den Einmarsch der Engländer. Zugleich arbeitete er an seiner Dissertation. Hermann Röhrs hat über alle Stationen seines Lebens von der frühen Jugend an in seinen Erinnerungen und Erfahrungen – Perspektiven für die Zukunft (Gesammelte Schriften Band 11, Weinheim 1997) über das Wachsen seiner Überzeugungen in einer Aufrichtigkeit Rechenschaft abgelegt, wie sie nur Hochbegabten gegeben ist. In gleicher Absicht hat er ebenfalls in Band 11 die Erinnerungen seiner geliebten Frau Liselotte und ihrer deutsch-jüdischen Familie beschrieben. Liselotte Röhrs verstarb am 2. Oktober 1993. In Hamburg geboren, teilweise auf dem großelterlichen Hof in der Lüneburger Heide aufgewachsen, verbrachte er seine Jugend mit vielen Spielkameraden in einer Natur zwischen Kanälen und Schrebergärten, die heute selten geworden ist. In Wander- und Sportvereinen erlebte er Freundschaft und Bewährung, aber auch mit seinen Eltern die schweren Belastungen der ersten Deutschen Republik unter dem Versailler Diktat, der Arbeitslosigkeit und der Bedrohung der Freiheit. Er brach eine kaufmännische Lehre ab und bestand als Schüler eines Abendgymnasiums nach nur zwei Jahren das Abitur, als ihn dort zum ersten Mal die Freude am Wissen erfaßte und er aufgrund seiner Arbeit zur Eigenverantwortung erwachte. Beim sportlichen Wettkampf lernte er im „fair play“ den Gegner als Teil der eigenen Selbstbewährung zu achten – im Gegensatz zum vormilitärischen Drill, den er ebenso haßte wie den Kommando-Ton. Zukünftige Studenten mußten einen „freiwilligen" Arbeitsdienst ableisten – die Sicherung des Nordseevorlandes durch Dämme und Verbauungen. Das Studium der Pädagogik, Germanistik und Philosophie finanzierte er durch Privatunterricht und Darlehen des Studentenwerks. Er suchte sich Wilhelm Flitner als Lehrer aus, weil dieser die Geschichte und die Gegenwart seines Faches als humanistische Aufgabe der Bildung und Erziehung verstand und nicht als „nationalpolitische Aufgabe der Erziehung“. Seine Staatsexamensarbeit bestand aus Vorstudien zu einer späteren Dissertation „Das Problem einer Erziehungsphilosophie und das Verhältnis zu den pädagogischen und philosophischen Strömungen der Gegenwart (1945)“. Seine Habilitation (1951) galt dem Lebenswerk Aloys Fischers, eines bedeutenden, aber nahezu in Vergessenheit geratenen Münchener Pädagogen, der zwangsemeritiert wurde, weil er sich weigerte, sich von seiner jüdischen Gattin scheiden zu lassen. Fischer erlag einer Herzkrankheit, seine Gattin kam in Theresienstadt um, sein Sohn fiel noch am Westwall. Es sind die menschlichen Dinge im Leben eines Gelehrten, die den Leser anrühren, die aber oft nicht von den wissenschaftlichen Leistungen zu trennen sind (Die R.N.Z. berichtete ausführlicher 5./6. Jan. 2004). Fischers Werk ist eine heute fast vergessene prophetische Arbeit „Über die notwendige Neuorientierung der Pädagogik im Zeitalter der Industrie und Technik“.

Von der „Hooverspeisung“ zur „Reformpädagogik“
Röhrs war nach seiner Genesung und dem Kriegsende sofort wieder aktiv

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beim Wiederaufbau des Bildungswesens in Hamburg. Er lehrte als Volksschullehrer in einer halbzerstörten Schule mit Schichtunterricht und Hooverspeisung und verstand letztere als einen Akt demokratischer Selbstvergewisserung für Schüler und Lehrer. Einige seiner damaligen Schüler haben ihm noch zu seinem 80. Geburtstag in Jahrestreffen die Treue gehalten. 1957 erhielt er einen Ruf an die Wirtschaftshochschule Mannheim, 1958 folgte er dem Ruf nach Heidelberg und organisierte dort das Erziehungswissenschaftliche Seminar und die Forschungsstelle für vergleichende Pädagogik im umfassenden Sinn seines Wissenschaftsverständnisses. Sie hat seitdem viele ausländische Studenten und Wissenschaftler angezogen und kooperiert mit Instituten weltweit. Seit 1965 ist er Honorarprofessor in Mannheim. Einen Ruf nach Köln lehnte er 1966 ab. Friedenserziehung und Friedenspolitik Seine kritischen Auseinandersetzungen mit der „re-education“, noch in Hamburg begonnen, verdienen im Zusammenhang mit seinen Arbeiten zur Friedenserziehung und Friedenspolitik gelesen zu werden, denn sie sind heute fast so aktuell wie damals. Die allgemeine Erziehung wurde wie heute vernachlässigt unter den Anforderungen der jeweiligen Sachfächer, deren soziale, moralische und geistige Grundlagen allerdings ohne eine umfassende Friedenserziehung nur „unvollkommen gesichert“ werden können. Das ist ein charakteristisches „understatement“ des Hanseaten. Hier sieht Röhrs, der beim Aufbau der Lehrerbildung in Hamburg ebenso wie in Heidelberg mitgearbeitet hat, jedenfalls eine der wichtigsten zukünftigen Aufgaben der internationalen Erziehung. In der Ausbildung der Lehrer klafft an dieser Stelle auf allen Stufen eine entscheidende Lücke. In diesem Sinn hat Röhrs die soziale Empirie, Soziologie und Anthropologie immer als notwendige Ergänzungen der pädagogischen Forschung gesehen. Auf vielen internationalen Kongressen und Auslandsreisen in den USA, nach Afrika, Afghanistan, China, Japan, Israel, Zypern und in Zusammenarbeit mit der Unesco hat er über seine Erfahrungen vor allen Dingen mit Blick auf die Lehrerausbildung und die soziale Lage der Bildung detailliert berichtet.

in vielen Ländern, vor allem in England und den USA, aber auch in Europa gleichzeitig und mit ähnlichen Zielen entwickelt hat, wobei auch Deutschland wichtige Beiträge vor allem im 19. und 20. Jahrhundert leistete. „Reformpädagogik. Ursprung und Verlauf“ (Weinheim 1998) ist ins Englische, Japanische und Neugriechische übersetzt. Die Bände über „Allgemeine Erziehungswissenschaft“ (G. S. Band 1), „Bildungsgeschichte und Bildungsphilosophie“ (G. S. Band 13) gelten inzwischen als Grundlagen seines Fachs. Zu den wichtigsten historischen Arbeiten zählen Studien zur Wirkung der deutschen Bildung auf die USA und umgekehrt sowie die Arbeiten zu Comenius, Kurt Hahn und Martin Buber, vor allem aber die Monographie „Jean-Jacques Rousseau. Vision und Wirklichkeit“ (Köln, Weimar, Wien 1993, G. S. Band 13, Weinheim 1999) sollten gleichfalls hervorgehoben werden. Rousseau ist in den Widersprüchen der Geschichte als Philosoph und Pädagoge vor allem über die Reformerziehung (Progressive Education) längst zur zentralen, wenn auch umstrittenen Gestalt in der Bildungsgeschichte unserer Zeit geworden. Er spiegelt die Zerrissenheit des modernen Menschen und versucht zugleich, aus seinen negativen Erfahrungen in der Gesellschaft heraus, neue Grundlagen einer menschenwürdigen Erziehung für die Zukunft zu gewinnen, die in der Interpretation von Hermann Röhrs darüber hinaus zur Einheit eines persönlichen Lebensgefühls zu führen vermögen. Es ist eine kühne und bedeutende Studie, die trotz ihres Erfolges und ihrer Aktualität in der offiziellen Bildungspolitik zu wenig beachtet wird.

50 Nationen und erlernen Deutsch in gemischten Vorbildungsklassen in einer Atmosphäre von Freundschaft, gegenseitiger Hilfsbereitschaft zusammen mit Frühunterricht in englischer Sprache. Es hat als umkämpftes Wagnis begonnen und sich überzeugend durchgesetzt. Das angestrebte Ziel der Internationalität ist eine harte Prüfung sowohl für die Friedenserziehung wie die Verständigung insgesamt. Sie funktioniert, weil sie in aller Offenheit sich den Problemen aller Beteiligten stellt und die Lösungen im Unterricht gemeinschaftlich erarbeitet. Die Eltern werden dabei in einem höheren Maße als üblich über die Schule in die Lebenswelt der Kinder miteinbezogen. Die verschiedenen nationalen Lebensweisen sind wie ihre hiesigen Probleme lebendige Teile des Unterrichts. Der Englischunterricht dient dabei als gemeinsamer neutraler Boden. Das Eintauchen in die erlebte Kommunikation geschieht wie selbstverständlich auf der spielerischen Basis gemeinsamer Projekte und in der sprachlichen Reflexion von Sprüchen, Bildern und Liedern. Die Schule verfügt über gut ausgestattete Werkräume. Sie ist ein Gemeinschaftsprojekt aller Beteiligten und beteiligt sich an sozialen Einrichtungen der Gemeinde. Sie verfügt inzwischen dank ihrer Lehrer über eine Tradition eingespielter Erfahrungsweisen, über Rituale gemeinsamer Erlebnisse, Feiern der Besinnung in „meditativen Haltepunkten“, auf die großer Wert gelegt wird. Solches galt früher als elitäres Erbe bedeutender privater Heimschulen. Sie haben sich hier als reformpädagogische Elemente zu Lebensformen verfestigt. In unserer PISA-gebeutelten Nation ist eine solche Schule durch ihren Bildungswert und persönliche Hingabe ein Lichtblick und eine Hoffnung für die Zukunft. Hermann Röhrs hat viele Ehrungen, national und vor allem auch übernational, erhalten. Seine Lehren sind in seinem Heimatland dennoch verhältnismäßig wenig in die Bildungspraxis der Öffentlichkeit umgesetzt worden, die ihrer dringend bedürfte. Es gibt hier noch sehr viel zu entdecken und zu tun. In diesem Sinne gelten die Wünsche seiner Gratulanten nicht nur dem Lebensabend eines großen Gelehrten, sondern auch den Hoffnungen auf die Reformen der geistigen Bildung, denen er sein Leben gewidmet hat.

Die Gründung der „Gesamtschule als Friedensschule“ in Heidelberg

Hermann Röhrs’ stiller Stolz gilt der „Internationalen Gesamtschule Heidelberg als Friedensschule", die er als Verantwortlicher im Planungsausschuß mitbegründet hat (1974). Sie hat 2001 ihr 25jähriges Jubiläum gefeiert und ist als Unesco-Projektschule anerkannt. Sie umfaßt die Schulformen von der Grundschule bis zur gymnasialen Oberstufe und ist eine der wenigen Gesamtschulen, die in Baden-Württemberg nicht nur erfolgreich überlebten, sondern zu ■ Im Mittelpunkt seiner Arbeiten steht einem Renommierfall für das Land geferner die „Reformpädagogik“, die sich worden sind. Ihre Schüler stammen aus Professor Dr. Kurt Otten, Heidelberg

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Wertewandel – Herausforderung für Schule und Elternhaus
Von Winfried Schlaffke
Überblick I. Der Weg in die Wertekrise 1. Veränderungsdynamik und Strukturwandel 2. Werteverschiebung und Wertepluralismus 3. Verweigerung und lautlose Revolution 4. Ratlosigkeit und Anstandsdebatten II. Die Rolle der Eltern bei der Bewältigung der Wertekrise (S. 26) 1. Emanzipationspolitik gestern und Familienpolitik heute 2. Erziehungskrise und Elternversagen 3. Verhaltensregeln und Kopfnoten 4. Gemeinsame Lehrer- und Elternleistungen 5. Leistungsdruck und Leistungsfreude III. Die Rolle der Lehrer bei der Bewältigung der Wertekrise (S. 28) 1. Autoritätsverluste und ein verheerendes Lehrerbild 2. Bessere Schulausstattung und besser qualifizierte Lehrer 3. Lehren und Erziehen als Dienst am Schüler 4. Lehren und Erziehen als Dienst an der Gesellschaft 5. Erziehungsziele und verpflichtende Richtlinien 6. Schulqualität und Begabungsförderung IV. Die Verantwortung von Schülern, Eltern und Lehrern für Schulqualität (S. 29)

sammenleben auf eine höhere sittliche Stufe zu stellen, Gutes zu Besserem weiterzuentwickeln, Menschenrechte zu etablieren, Werte, Normen und Tugenden zu vermitteln. Doch in den letzten Jahrzehnten sind Umbrüche und Entwicklungssprünge in einem Ausmaß entstanden, das es so niemals zuvor in der Menschheitsgeschichte gab. Zu nen- Professor Dr. Winfried Schlaffke nen sind – der einschneidende (welt-)politische 2. Werteverschiebungen und Wandel (Fall der Sowjetunion, deutWertepluralismus sche Einheit, Wachsen der EU, terBlickt man zurück, scheint in der Tat roristische Bedrohungen); das Leben in den vorindustriellen Ge– die technologischen Entwicklungs- sellschaften sehr kontinuierlich, fast sprünge (Mikroelektronik, Digitali- statisch in überschaubaren und festen sierung, I- und K-Technik, Mikrosy- Bahnen verlaufen zu sein. stemtechnik, Bio- und Gentechnik, Bionik, Laser, neue Werkstoffe, Um- Der junge Mensch wuchs in einem Perwelttechnik, Hochgeschwindig- sonenkreis auf, in dem immer nur wenige Menschen in persönlichem Auskeitsverkehr); tausch standen. Die enge Verbindung, – die wirtschaftlichen Veränderungen die früher zwischen Schülern, Eltern (Globalisierung, Tertiarisierung, und Lehrern an zahlenmäßig begrenzten Ökologisierung); Schulen bestand, ließen den Jugendlichen die Schule fast wie eine Verlänge– die einschneidenden Veränderungen auf Arbeitsmärkten und Arbeitsplät- rung des Elternhauses, den Lehrer als zen (Auswanderung von Arbeits- Person erleben. Die gesellschaftlichen plätzen ins nahe und ferne Ausland, Verhältnisse waren einfach und überveränderte Betriebsorganisation, Ent- schaubar, man wuchs wie von selbst in sie hinein. Das vorindustrielle Wirttaylorisierung); schafts- und Sozialsystem war dadurch – die globalen ökologischen Verände- charakterisiert, daß die einzelnen Strukrungen (Klimaverschiebungen, zu- turen gleichblieben, es waren fast unnehmende Verknappung von gesun- veränderliche Situationen. Man ergriff dem Boden, reiner Luft und Trink- den Beruf des Vaters, man wechselte wasser). kaum den Wohnsitz. Die Wucht der Veränderungen hat nicht nur politische Umwälzungen und einschneidenden Wandel in der Wirtschafts- und Arbeitswelt herbeigeführt, sondern hat auch Verschiebungen in den Werthaltungen, Lebensformen, Lebensauffassungen und Zielsetzungen weiter Kreise der Gesellschaft verursacht.

Dennoch gab es im Laufe der Geschichte nicht nur ein Nacheinander verschiedener Wertvorstellungen, sondern auch in früheren Zeiten ist das Nebeneinan1. Schülerengagement und der konkurrierender Wertvorstellungen Schülerleistung zu beobachten. Kriege, soziale Konflik2. Schule und Elternhaus als Partner te, technische Innovationen oder auch nur der Wechsel der Generationen haben vielmals zu Wertverschiebungen, Der Strukturwandel ist zu einem derart Wertveränderungen oder Wertverlusten I. Der Weg in die Wertekrise charakteristischen Kennzeichen unserer geführt. Zeit geworden, daß Wissenschaft und 1. Veränderungsdynamik und Medien immer wieder von Wendezeiten Wilhelm Flitner hat eine Geschichte der Strukturwandel und Paradigmenwechseln gesprochen abendländischen Lebensformen (MünSeit biblischen Zeiten gilt der Grund- und diese in ihrer Veränderungsdyna- chen, 1967) geschrieben und Normen auftrag an die Menschen, Erkenntniszu- mik als bisher einmalig eingestuft ha- und Leitbilder in ihrem Wandel nachgezeichnet vom griechischen Philosophiegewinn zu schaffen, menschliches Zu- ben.

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ren über altgermanische Tradition und mittelalterliche Ritterlichkeit bis hin zum Calvinismus, Humanismus und der deutschen Klassik. Sein Fazit lautet, daß der industriellen Gesellschaft nur noch der Pluralismus bleibt: „Der Bankrott aller idealistischen Ziele und die Einsicht in die unterbewußten Strebungen, in die Lebens- und Prestigegier des Menschen, ist den lebenden Geschlechtern so allgemein zuteil geworden, daß jeder sittliche Appell wie ein Hohn wirkt. Die Relativierung der alt anerkannten Autoritäten hat sich im 20. Jahrhundert in aller Schärfe vollzogen. Die ethische Welt muss uns als ‚pluralistisch‘ gelten; jede Gruppe orientiert sich in der Stille an Maßstäben, die sie sich kaum selbst zu verdeutlichen, anderen auch nicht zuzumuten wagt ...“ Flitner konstatiert in seinem resignativen Fazit einen schleichend destruktiven Wertepluralismus, obwohl zuvor Romano Guardini in seinem vielfach aufgelegten Werk „Tugenden“ (München, 1963) aus seiner Sicht nochmals unumstößliche Werte – wie beispielsweise Treue, Ehrfurcht, Höflichkeit, Dankbarkeit, aber auch Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeit – beschworen hatte, um so Lehrenden und Lernenden „das Gute“ begreiflich zu machen, „dessen Verwirklichung den Menschen recht eigentlich zum Menschen macht“. 3. Verweigerung und lautlose Revolution Doch mit den Ideen und dem wachsenden Einfluß der Frankfurter Schule (vor allem Horkheimer, Adorno, Marcuse) fand Wertewandel in den sechziger und siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts nicht nur seine Erklärung und Begründung, sondern Wertekritik und aktiver Kampf gegen sogenannte bürgerliche „Sekundärtugenden“ (Treue, Ordnung, Pünktlichkeit und Ehrlichkeit, Tüchtigkeit, Fleiß und Leistungswille) wurden zu einem progressiv emanzipatorisch empfundenen Programm. Was Alexander Mitscherlich in seinem Werk „Auf dem Weg zur vaterlosen Gesellschaft“ (München, 1963) prognostiziert hatte, nämlich „ein unaufhaltsames Zerbröckeln der Hierarchie der Vaterrollen“, wurde in den siebziger und achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts durch zahllose empirische Untersuchungen belegt. Vor allem das Plädoyer Herbert Marcuses und seiner zahllosen Mitstreiter hatte deutliche Wirkung gezeigt, sich durch die „große Verweigerung“

von der „repressiven Leistungsgesellschaft“ zu befreien und so auch die Vorherrschaft der „intoleranten“, „triebfeindlichen“ und „autoritären“ bürgerlichen Familie zu beenden. Elisabeth Noelle-Neumanns empirische Befunde, die sie 1975 unter der Fragestellung „Werden wir alle Proletarier?“ vorgelegt hatte, sorgten zunächst noch für erregte Diskussionen in der Gesellschaft über das Ausmaß des inzwischen eingetretenen Werteverlustes. Doch die zunächst wenig beachtete „lautlose Revolution“ gewann rasch an Ausdehnung und Wirkung durch zwei sich wechselseitig stärkenden politischen Strömungen: Zum einen sorgte – im Gefolge des Club of Rome Bestellers „Die Grenzen des Wachstums“ – eine Jahr für Jahr ausuferndere Katastrophenliteratur für Weltuntergangsängste, weil sie den Ruin des „Raumschiffes Erde“ durch Leistungswahn, grenzenloses Wirtschaftswachstum und immer unkontrollierbarer werdende Technik in endlosen Varianten beschwor. Zum anderen erzielten die kämpferisch antikapitalistischen, technik- und wirtschaftsfeindlichen Programme der Grünen viel Beifall. Gerade junge Leute ließen sich von ihrem Kampf gegen überkommene Strukturen und Institutionen, gegen Autoritäten und bürgerliche Wertvorstellungen begeistern und feierten das sich Verweigern als progressiven Akt der Emanzipation.

bloß stellte und der Lächerlichkeit preisgab, die neue Lebens- und Arbeitsformen propagierte und die vor allem progressive emanzipatorische Bildungskonzepte entwickelte und ausprobierte. Ebenso korrekt ist aber auch die Feststellung, daß die antiautoritären Erziehungsprogramme und -ideen eine erschreckend große Zahl verunsicherter und überforderter Lehrer, ratloser Eltern und desinteressierter Schüler befördert haben. Mit dem Verlust von allgemein anerkannten Werten und von Autorität wuchsen Orientierungslosigkeit, Gleichgültigkeit und Leistungsverfall.

Deutschland ist in den letzten Jahrzehnten zu einem Land geworden, das sich in internationalen Vergleichen mit einem unteren Mittelmaß zufrieden gibt und das – statt die Ethik des Leistens und der Eigenverantwortung zu fördern – eine Ethik der Risikovermeidung, der Bequemlichkeit und des Verteilens vorzieht. Weil der Staat nicht einen jeden nach seinen Wünschen versorgen kann, greifen viele – ohne jedes schlechte Gewissen – zur Selbstbedienung: Die Kleinen üben sich im Schuleschwänzen, Schwarzfahren oder Ladendiebstahl, die Großen im Blaumachen, in der Schwarzarbeit oder im Steuerhinterziehen. Nehmen und Schnorren erscheint vielen seliger als das Schaffen und Geben. Rat- und hilflose Politiker versuchen es neuerdings mit Appellen an den Anstand der Bürger. Doch die AnstandsDie „Null Bock“- und „No Future“-Ge- Debatte kann nicht fruchten, wenn die neration gefiel sich in Selbstmitleid und Wertewelt aus den Fugen geraten ist. zur Schau getragener Fin de SiècleStimmung: „Gestern standen wir noch am Rande des Abgrunds, heute sind wir II. Die Rolle der Eltern bei der schon einen Schritt weiter.“ Bewältigung der Wertekrise 4. Ratlosigkeit und Anstandsdebatten 1. Emanzipationspolitik gestern und Familienpolitik heute Wenn es um Bildung, Erziehung und Wertevermittlung geht, tragen die Eltern – vom Babyalter bis zur Volljährigkeit ihrer Kinder – die Hauptverantwortung. Es wird in den heutigen Diskussionen über Problemkinder gerne übersehen, daß in den meisten Elternhäusern mit Liebe, Hingabe und auch mit bestem Erfolg für eine humane Zukunft der Kinder gesorgt wird. Dies gelingt weitestgehend in bewundernswerter Weise – trotz der Berufstätigkeit oder trotz der Arbeitslosigkeit beider Elternteile.

So wundert es nicht, daß Studentenuntersuchungen (Höhler, 1981; Glotz und Malanowski, 1982) zu dem Ergebnis kamen, daß die angehenden Akademiker – von seltenen Ausnahmen abgesehen – Pflicht- und Zielbewußtsein, Leistungs- und Verantwortungsbereitschaft nicht als schätzenswerte Eigenschaften, sondern eher als Unwerte ansahen.

Es gehört heute zur Political Correctness, die 1968 begonnene Kulturrevolution als eine Befreiungsbewegung einzustufen, die vom Muß und den einengenden Regeln des Spießbürgertums befreite, die borniertes autoritäres Verhalten und Die Medien jedoch richten ihren Focus den dazugehörigen Untertanengeist – oftmals allzu unausgewogen – auf

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Fälle des Versagens und auf Missstände. Die Fülle der Negativberichte führt dazu, daß Eltern allzu pauschal in eine Sündenbockrolle der Gesellschaft gezwungen werden, denen man als anonyme Masse gerne Schuldzuweisungen aufbürdet. Auch wenn das veröffentlichte Elternbild negativer gezeichnet wird, als es in Wirklichkeit ist, fällt doch eine verbreitete Unsicherheit im Elternverhalten auf. Für viele Fragen fehlen zuverlässige Antworten: Wie sieht ein zeitgemäßer Erziehungsauftrag in einer Gesellschaft aus, in der Selbstverwirklichung noch immer als Lebensziel und Sinngeber fungiert? Kann eine Frau, die nach gesellschaftlicher Akzeptanz strebt, sich voll auf die Kindererziehung konzentrieren und auf den Beruf verzichten? Die Gesellschaftspolitik am Ende des vorigen Jahrhunderts hat ihre Spuren hinterlassen: Die antiautoritäre Emanzipationspädagogik der siebziger Jahre hatte nur Hohn und Spott für nichtberufstätige Mütter übrig. Kinder, Küche, Kirche oder Selbstausbeutung im Mief der Bürgerlichkeit hießen die beliebten Chiffren, mit denen verantwortungsvolle „Ganztagsmütter“ der Lächerlichkeit preisgegeben oder gar in die Nähe von Mutterkreuz und Faschismus gerückt wurden. Antiautoritäre Erziehung galt als Leitbild und wurde als Verzicht auf Normen, Werte, Zielvorgaben und Pflichten verstanden. Also ließen verunsicherte Eltern ihre Kinder gewähren und redeten sich ein, besonders tolerant und großzügig zu sein. In den achtziger Jahren überboten sich progressiv und emanzipatorisch ausgelegte Parteiprogramme und Medienberichte darin, die Kleinfamilie mit Trauschein als Fossil einer unaufgeklärten Bürgerlichkeit darzustellen. Das Singledasein oder Wohngemeinschaften mit und ohne Kinder schienen wahres Lebensglück in Selbstbestimmung und Unabhängigkeit zu bieten. Gegenwärtig haben Politik und Staat Familienpolitik als zentrales zukunftsweisendes Thema wieder entdeckt. Doch selbst die umfassendsten sozialen Leistungen des Staates können nicht leisten, was Eltern leisten sollten: Fürsorge und tägliches Vorbild. 2. Erziehungskrise und Elternversagen

Verhalten, Gewaltanwendung oder totale Gleichgültigkeit von Müttern und Vätern vermelden. Allgemeines Elternversagen gilt heute als zentrale Ursache für die Erziehungskrise in unserer Zeit. Isolierte und einsame, gelangweilte und desinteressierte, unkonzentrierte und hypernervöse, sprach- und verhaltensgestörte, konsum- und medienbesessene, überfressene und magersüchtige, aufsässige und gewalttätige Kinder werden auf das Schuldkonto der Eltern gebucht. Und in der Tat muß sich bei vielen Müttern und Vätern im Erziehungsverhalten und in der Werteorientierung etwas ändern: Wenn Tausende junger Menschen ihre gültigen Ausbildungsverträge nicht einhalten, wenn Hunderttausende nicht nur Unterricht schwänzen, sondern überhaupt nicht zur Schule gehen, wenn es zum Jugendimage gehört, für Designerklamotten oder Handykonsum die Zeit zu verjobben und Schulaufgaben zu vernachlässigen, dann tragen auch die Eltern für das Fehlverhalten eine Mitverantwortung. Kein einziges Elternteil darf als Erzieher abdanken, denn Eltern sind nicht nur Erziehungsberechtigte, sondern auch Erziehungsverpflichtete. Sie können sich daher von den immer erforderlichen Motivations- und Erziehungsaufgaben nicht freikaufen – nicht mit Geld für Nachhilfelehrer oder für Auslandsreisen – sondern müssen sich täglich selber kümmern. 3. Verhaltensregeln und Kopfnoten Da Eltern heute vielfach total verunsichert sind, wie sie abstrakte Normen und Wertsetzungen in der Praxis umsetzen sollen und können, haben Lehrervereinigungen Minimalanforderungen an das Elternverhalten – einen kleinen Katechismus täglicher Erziehung – aufgestellt. Die Verhaltensregeln lassen sich in folgenden sieben Geboten zusammenfassen: 1. Laß deine Kinder nicht ohne Frühstück zur Schule gehen! 2. Wache darüber, wie deine Kinder ihre Schularbeiten erledigen! 3. Schicke deine Kinder ausgeschlafen in die Schule! 4. Sorge für gesunde Ernährung, Sport, Spiel und kulturelle Betätigung!

6. Sprich und lies mit deinen Kindern, damit sie sich ordentlich artikulieren können! 7. Besuche die Elternversammlungen! Viele Bundesländer wollen die Wirksamkeit solcher Verhaltensregeln durch die Wiedereinführung der früher verfemten „Kopfnoten“ – Ordnung, Fleiß und Pünktlichkeit, Mitarbeit und Betragen – unterstützen, um so auch wieder die Zusammenarbeit von Lehrern und Eltern in Erziehungsfragen zu befördern. Die möglichst umfassende Umsetzung dieser Zielsetzung könnte in der Tat die Bedeutung und den Wert des Erziehungsauftrages unterstreichen. 4. Gemeinsame Lehrer- und Elternleistungen Die kontinuierliche Zusammenarbeit zwischen Lehrern und den Müttern und Vätern muß deutlich verstärkt werden. Schulklima und Schulqualität muss auch von den Eltern mitgestaltet werden. Eltern müssen viel häufiger, als es bisher geschieht, über Leistungsziele des Schuljahrs und über den Leistungsstand ihrer Kinder informiert werden, damit sie an der Zielerreichung mitwirken können und sich auch mitverantwortlich fühlen. Das Schulzeugnis ist immer das Ergebnis gemeinsamer Anstrengungen, denn Zensuren beinhalten nicht nur ein Urteil über Schüler, sondern auch über Lehrer- und Elternleistungen. Wenn Lehrer und Eltern sich wechselseitig in ihren Erziehungs- und Bildungsaufgaben unterstützen und bestärken, wenn sie sich über Leistungsziele und Qualitätsniveaus einigen und diese sogar zu übertreffen versuchen, wenn sie den Kindern gemeinsam begreiflich machen, daß ihr erfolgreich absolvierter Schulabschluß der Fahrschein in eine gute Zukunft ist, dann kann sich eine neue Lernkultur entfalten, in der die deprimierenden PISA-Befunde der Vergangenheit angehören. 5. Leistungsdruck und Leistungsfreude Die PISA-Leistungsvergleiche haben gezeigt: Ohne eine deutliche Anhebung des Qualitätsniveaus in den Schulen verliert die Jugend Wettbewerbsfähigkeit und Zukunftschancen. Elternbefragungen haben jedoch ergeben, daß sie alles vermeiden möchten, was ihr Kind zusätzlich belasten könnte – frühe Einschulung, mehr und intensiverer Unterricht, höhere Leistungen und schärfere

Doch immer wieder erschrecken jene 5. Verhindere das Schuleschwänzen und das exzessive Jobben! spektakulären Berichte, die abartiges

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Kontrollen. Für sie bedeuten Wettbewerb und klare Zielvorgaben einen Leistungsdruck, der ihren Kindern die Unbeschwertheit raubt. Aber – bei allem Verständnis für das Streben von Eltern, ihren Kindern Anstrengungen zu ersparen – Aufgaben zu stellen und das Erreichen gesetzter Ziele zu überprüfen und zu würdigen, gehört dennoch zweifellos zur Erziehungsaufgabe. Und nichts motiviert Menschen besser und dauerhafter als die Freude und das Glücksgefühl, Herausforderungen erfolgreich gemeistert zu haben.

um das Ansehen ihres Berufes in der Gesellschaft geht. Dabei kann kein Zweifel darüber bestehen, dass in unseren Schulen anspruchsvolle Zielvorstellungen, ein Klima der Leistungsfreude und ein hohes Niveau nur mit den Lehrern – und nicht gegen sie – erreicht werden kann. Denn ohne pädagogisch und fachlich hochqualifizierte Lehrer kann es keinen effizienten Unterricht geben. Und ohne eine hohe Lehrleistung ist Schulqualität nicht erreichbar.

wendung und -umsetzung, sondern auch die Förderung von Werthaltungen und Handlungsnormen. Das Bildungsziel muß sein, Wissen so zu vermitteln, daß es mit Gewissen und mit Handlungskompetenz genutzt werden kann. 4. Lehren und Erziehen als Dienst an der Gesellschaft

III. Die Rolle der Lehrer bei der Bewältigung der Wertekrise
1. Autoritätsverluste und verheerendes Lehrerbild Lehrer sind die Dreh- und Angelpunkte für eine gute und erfolgreiche Schule. Die Lehrer brauchten die volle Unterstützung von Staat und Gesellschaft, aber vor allem von den Eltern. Doch das Gegenteil ist vielmals der Fall: Lehrer werden allzu oft mit den vorhandenen Problemen, Mißständen und Unzulänglichkeiten allein gelassen. Nach den wiederholten internationalen Schul-Leistungsvergleichen, deren Ergebnisse einen gesamtgesellschaftlichen PISA-Schock hervorriefen, obwohl schon seit Jahrzehnten der Verfall von Arbeitsmoral, Engagement und Niveau empirisch belegt war, ging es allenthalben auf die Suche nach Schuldigen. Vor allem den Lehrern wurde totales Versagen angelastet. Zum einen wurden Gleichheitsutopien und Machbarkeitseuphorie, eine Pädagogik des Spaßes und der Beliebigkeit, die Vergabe von Discountnoten und der Verzicht auf Sanktionen als Verursacher der Bildungsmisere angesehen, zum anderen galten auch die Verbreitung von Perspektivlosigkeit und Untergangsalarmismus als Gründe für die Motivationsund Niveauverluste.

Als Folge der PISA-Studien sah das von den Medien verbreitete Lehrerbild verheerend aus: Der deutsche Lehrer gilt als überaltert und oftmals krank, faul und lustlos, resigniert und ausgebrannt, pädagogisch unfähig und lebensfern und zudem – im Vergleich zu den europäischen Kollegen – mit geringer Wochenstundenzahl belastet und dabei hochbezahlt. Der dramatische Autoritäts- und Prestigeverlust macht die Somit gehört zu den Bildungszielen – Erziehung zur Verantwortung für Natur und Umwelt Lehrer zu großen Verlierern, wenn es nicht nur die Fähigkeit zu Wissensan-

Lehren und Erziehen sind ein Dienst an der Gesellschaft, denn es müssen Wege gewiesen werden, Demokratie und Freiheit hochzuschätzen und zu nut2. Bessere Schulausstattung und zen, Gewalt und Diskriminierungen zu besser qualifizierte Lehrer verachten, Moral und Anstand, SolidaUm die vorhandenen Mängel in den rität und Subsidiarität zu pflegen. Schulen wirksam zu beseitigen, muß einerseits die Schulausstattung (Gebäude, Lehren und Erziehen müssen zugleich Räume, Labore, Computer) verbessert dafür Sorge tragen, den fortdauernden werden, andererseits werden viel mehr wirtschaftlich technischen und gesell(vor allem pädagogisch) besser qualifi- schaftlichen sozialen Wandel mitgezierte Lehrer gebraucht, die einen moti- stalten zu können. Wissen und Können, vierenden, von Methodenvielfalt ge- Fertigkeiten und Fähigkeiten, Wertbeprägten, niveauvollen Unterricht abhal- wußtsein und Handlungskraft müssen ten. Nicht die Schulform ist von ent- so entwickelt werden, daß ein jeder eischeidender Bedeutung, auch nicht die nen Platz im beruflichen und gesellGroßzügigkeit der Gebäude und der schaftlichen Leben ausfüllen kann. Räume oder die Höhe der Lehrervergü- Schulbildung muß das tragfähige Funtung und eine niedrige Pflichtstunden- dament bieten, mit Neugier auf Neues zahl, sondern die Qualität des Unter- und mit einer lebenslangen Lernbereitschaft zuwachsendes Wissen aufnehrichts. men, einordnen und bewerten und vom Die großen Autoritätsverluste der Leh- bloßen Vorurteil zum begründeten eirerschaft können nur von ihr selbst mit genen Urteil kommen zu können. Einsatzwillen und Kompetenz wiedergewonnen werden. Nur mit Leistungs- 5. Erziehungsziele und verpflichtende Richtlinien freude in einer allgemeinen Kultur der Anstrengung können die Lehrer ihrer Lehrer, die sich in unserer Zeit des Vorbildrolle in der Gesellschaft gerecht Wertepluralismus und der Orientiewerden. Nur so können sie das Streben rungsschwäche unsicher darüber sind, nach „Excellence“ zu einem Leitbild welche Normen, Werte und Erziemachen, das dann auch von der Gesell- hungsziele sie ansteuern sollen, finden schaft anerkannt wird. gültige und verpflichtende Richtlinien in den Länderverfassungen, die dort 3. Lehren und Erziehen als zum Wohle der Gesellschaft und der Dienst am Schüler Heranwachsenden formuliert sind, Lehren und Erziehen befördern gemein- zum Beispiel: sam den Bildungsprozeß und sind ein Dienst an jedem einzelnen Schüler. Der – Achtung vor der Würde des Menschen Lehrer muß dazu befähigen, daß ein jeder sich selbst und seinen Standort in – Anerkennung ethischer Normen der Gesellschaft findet, seine Persönlichkeit behauptet, aber auch seinen Teil – Entwicklung der Persönlichkeit sowie von Leistungsbereitschaft zur gesellschaftlichen Entwicklung und sozialer Gesinnung beiträgt. Bildung muß dem einzelnen nicht nur Mut und Kraft geben, aufge- – Aufgeschlossenheit für alles tretenen Wandel anzunehmen und zu Wahre, Gute und Schöne bewältigen, sondern muß ihn aktiv, initiativ und kreativ werden lassen, selber – Entwicklung von politischem Verantwortungsbewußtsein Wandel zu gestalten.

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– Erziehung zur Nächstenliebe, Menschlichkeit, Demokratie, Freiheit und Toleranz – Heranbildung der beruflichen Tüchtigkeit – Liebe zu Volk und Heimat – Heranbildung des Verständnisses für andere Kulturen – Eintreten für die Gleichheit und das Lebensrecht aller Menschen. 6. Schulqualität und Begabungsförderung Eine besondere Aufgabe von Schule und Elternhaus ist es, die im jungen Menschen angelegten Interessen und Begabungen bestmöglich zu entfalten. Begabtenförderung ist wirksamer Treibstoff zur Verbesserung der Schulqualität. „Die Flut hebt, die Ebbe senkt alle Schiffe“, sagen Psychologen und Pädagogen und meinen damit, daß durch die Förderung der besonders Leistungsstarken das Niveau ganz generell angehoben werden kann, während Mittelmaß im Unterricht zu allgemeiner Leistungsschwäche führt. Der Hochbegabte reüssiert nicht von selbst, weder in der Schule noch im Beruf. Nachdem der Begriff Elite über Jahrzehnte als Unwort in der Sprache der Educational Correctness galt und Eliteförderung als ein schon beinahe faschistoides, Chancengleichheit verhinderndes Verhalten diskreditiert wurde, hat sich neuerdings die Einsicht durchgesetzt, daß es ein Gebot der Humanität, der pädagogischen Vernunft und der gesellschaftlichen Notwendigkeit ist, allgemeine und auch spezielle Hochbegabungen nicht brach liegen und verkümmern zu lassen. Es gibt einen neuen Konsens: Das Persönlichkeitsrecht auf bestmögliche Entfaltung angelegter Begabung ist zu respektieren, und zum Wohl von Gesellschaft und Wirtschaft sind Leistungs- und Verantwortungseliten zu fördern. Für die Schwachen gilt dieselbe Feststellung: Sie haben ein Anrecht auf bestmögliche Entwicklung aller Kräfte. Die Förderung sollte früh gezielt und paßgenau erfolgen. Zahllose Modellversuche haben bewiesen, daß auch Leistungsgeminderte erstaunliche Ergebnisse erzielen und ihren Platz in Wirtschaft und Gesellschaft finden können.

IV. Die Verantwortung von Schülern, Eltern und Lehrern für Schulqualität
1. Schülerengagement und Schülerleistung

Der dramatische Rückgang der Schulabgängerzahlen – aus den bekannten de- 4. Er kann sich in einer mographischen Gründen – wird sich Fremdsprache ausdrücken. wegen des damit verbundenen mangels Er ist mündlich und schriftlich des an Fachkräftenachwuchs zu einem zenEnglischen so weit mächtig, daß er tralen Problem deutscher Unternehmen in Wort und Schrift die Möglichkeientwickeln. Um so wichtiger ist es, die ten der weltweiten Vernetzung nutSchüler schon jetzt in den Prozeß der zen und sich mit Partnern „verhandSchul- und Qualitätsentwicklung mit lungsfähig“ unterhalten kann. einzubeziehen. Wenn Schüler erleben und erfahren, wie 5. Er kann arbeiten. sie selbst mit ihren Interessen, ihren BeEr weiß, was er will, ist selbststängabungen und mit ihrem Leistungsverdig, ziel- und leistungsbewußt. Er mögen Schulqualität mitgestalten und schreibt Erfolge und Mißerfolge heben können, fühlen sie sich nicht länsich selbst – nicht etwa den anderen ger als passive Lehrobjekte, sondern be– zu. greifen sich als aktive und initiative 6. Er kann mit Mitmenschen Mitgestalter. umgehen. Schüler müssen begreifen und erfahren, Er ist hilfsbereit, verläßlich und höfdaß sie nur dann eine Gesellschaft mitlich. Er besitzt Urteilsvermögen und gestalten und anderen helfen können, Kritikfähigkeit sich selbst und andewenn sie sich selber helfen können. ren gegenüber. Dafür ist ein solides Bildungsfundament die beste Basis. Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit, Gründlichkeit, Pünktlichkeit und SelbstEin Schulabgänger, der in Beruf und disziplin sind für ihn keine Fossilien Gesellschaft eine gestaltende Rolle aus verstaubten Tugendkatalogen, spielen will, sollte mit folgendem Rüstsondern gelebte Wirklichkeit, denn zeug ausgestattet sein: er hat erkannt, daß Kommunikation 1. Er kann lesen. und Teamarbeit, kurz: soziales Zusammenleben nicht ohne verläßliche Er kann den Sinn von Texten erfasOrdnungsprinzipien möglich sind. sen und ihn korrekt wiedergeben. Er Er besitzt Sozialkompetenz und kann Wichtiges von Unwichtigem Schlüsselqualifikationen. Er hat unterscheiden. Er kann Informatioauch die Fähigkeit, mit Menschen nen in größere Zusammenhänge einanderer Alters-, Bildungsstufen und ordnen, kann sie gewichten und beWeltanschauungen umgehen zu werten. können. Er ist tolerant, offen und 2. Er kann schreiben. ausländerfreundlich, ohne sich selbst zu verleugnen. Er beherrscht seine Muttersprache mündlich und schriftlich und kann 7. Er denkt an sich und andere. sich klar und folgerichtig ausEr ist bestrebt, sein Leistungspotendrücken. Er verwendet vollständige tial und seine Persönlichkeit zu entSätze, die grammatikalisch und orfalten und seine Fähigkeiten nach thographisch korrekt niedergeKräften in Beruf und Gesellschaft schrieben werden. Er ist in der Lage, einzubringen. Er erwartet dafür Anauch ein komplexes Thema abzuerkennung, angemessenen Lohn und handeln, von verschiedenen Seiten angemessene Stellung. zu beleuchten und eigene Urteile zu fällen, die gut begründet sind. Er weiß dennoch sehr wohl, seine Kräfte in den Dienst der Gesell3. Er kann rechnen. schaft zu stellen, in der er lebt und Er hat ein Verständnis für Zahlen die er braucht. Sein Emanzipationsund Größenordnungen, beherrscht streben und das Ausleben seiner Persönlichkeit wird niemals „a“sozial. Grundrechenarten, Bruchrechnen,

Prozentrechnen und Dreisatz. Er kann logische Ordnungen und Beweise nachvollziehen, hat (zum Beispiel bei Textaufgaben) Problemlösungskompetenz und kann sie auch auf verwandte Aufgaben übertragen. Er hat Transferfähigkeit.

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Eigennutz und Gemeinwohl sind für und die Hingabe des Lehrers, der Mutihn keine Gegensätze, sondern eine ter und des Vaters sind wieder gefragt. selbstverständliche Synthese. Die Problemlösungen können auch 2. Schule und Elternhaus als nicht durch ein Nebeneinander oder gar ein kämpferisches Gegeneinander von Partner Elternhaus und Schule gewonnen werLehrer und ihr Unterricht, Eltern und ihden, sondern Kooperation in Partnerre Erziehungsarbeit stehen heute in der schaft bringt die synergetische Kraft, vordersten Kritiklinie, wenn es um Bildie gebraucht wird, um wieder eine dung und Bildungserfolg geht. Daß dieKultur- und Bildungsnation zu werden. se Gruppierungen besonders angegriffen werden, unterstreicht ihre Schlüs- In einer wechselseitigen Anerkennung selrolle und ihre große Bedeutung und der Bedeutung dieser Schlüsselgruppen beweist zugleich, daß ein vor wenigen für die Problemlösung liegt auch die Jahren noch undenkbarer Richtungs- große Chance, Autorität und Ansehen wandel stattgefunden hat. Nicht Staats- von Eltern und Lehrern in der Gesellallmacht ist der Heilsbringer, sondern schaft zu stärken und so die anstehenSubsidiarität. Die kleinen Einheiten der den Aufgaben besser erfüllen zu könGesellschaft – die Familie und die nen. Negatives Verhalten ist nicht unter Schule – werden als die relevanten Mo- den Teppich der Gleichgültigkeit zu fetoren für eine erfolgreiche Zukunftsge- gen, sondern ist deutlich zu kritisieren staltung angesehen. Die Persönlichkeit und auch mit Sanktionen zu belegen.

Aber dieses Land ist trotz aller offensichtlichen Schwachstellen, Mängel und Probleme keine Wüste voller Not, Elend und Leere, sondern es gibt eine Riesenfülle großartiger Beispiel für erfolgreiches Erziehen, Lehren und Lernen. Diese Positivbeispiele müßten solange in der ganzen Gesellschaft anerkannt und verbreitet werden, bis das heute noch Exzeptionelle zur Selbstverständlichkeit geworden ist. ■ Aus: Winfried Schlaffke. Wertewandel in Schule und Arbeitswelt, in: Memoranden-Forum, Bonner Impulse für Gesellschaft und Wirtschaft, Mainz, Dezember 2006 (Logophon Verlag), ISBN 3-936172-04-8. Winfried Schlaffke ist Mitglied des Erweiterten Vorstands des Bundes Freiheit der Wissenschaft. Korrespondenzadresse s. S. 5

Gratulation Dr. Ursula Besser 90 Jahre
Dr. Ursula Besser hatte seit 1970 in der Berliner Hochschulpolitik und der Arbeit des Bundes Freiheit der Wissenschaft, vor allem seiner damaligen Berliner Sektion, der Notgemeinschaft für eine freie Universität, einen zentralen Platz. Für die CDU vertrat sie – als Mitglied des Abgeordnetenhauses seit 1967 und vor allem als Vorsitzende des Wissenschaftsausschusses bis 1985 – kenntnisreich und entschlossen die Hochschulpolitik in Berlin gerade in den Jahren der Studentenrevolte und des durch neue Hochschulgesetze herbeigeführten Umbruchs in den Berliner Hochschulen. Wenige andere kannten auch die inneren Vorgänge in den Berliner Hochschulen so genau wie sie, die lange Jahre den Kuratorien der Technischen Universität, der Freien Universität und der Technischen Fachhochschule Berlin angehörte. Sie ist Ehrensenatorin der Technischen Universität und der Technischen Fachhochschule. 1982 bewirkte sie die Übersiedlung der Europäischen Wirtschaftshochschule e.V. nach Berlin. Ursula Bessers Lebenslauf ist der einer konservativen Frau von 1917. In diesem Jahr wurde sie in Berlin geboren und legte hier 1936 das Abitur ab. Sie hat zwei Kinder. Nach dem Tod ihres Ehemannes studierte sie 1943 bis 1949 in Berlin, mit Unterbrechungen durch die Kriegereignisse, zunächst Auslandswissenschaften, seit 1945 Germanistik und Romanistik, und promovierte zum Dr. phil. Dann war sie als Übersetzerin, Privatlehrerin und Publizistin tätig. Schon 1945 trat sie der CDU bei, in der sie alle Stationen vom Ortsverband bis zum Kreisvorsitz in Berlin-Schöneberg durchlief. 1962 wurde sie hier Bezirksverordnete. Zunächst lag der Schwerpunkt ihrer Arbeit auf der Kommunalund Schulpolitik (u. a. Vorstandsmitglied der Kommunalpolitischen Vereinigung Berlin, Schriftführerin des Landesausschusses für Schulwesen), bevor die Hochschulpolitik ins Zentrum ihrer Arbeit trat. Hinzu kamen internationale Aktivitäten: sie war Schatzmeisterin des „Politischen Klubs“, der sich im Zusammenhang mit der Helsinki-Konferenz zum Ziel setzte, das Gespräch zwischen

Dr. Ursula Besser

Ost und West zu fördern. Schließlich muß Ursula Bessers Engagement in der Evangelischen Kirche erwähnt werden. Sie gehörte der Synode von Berlin-Brandenburg an und war Mitglied im Leitungskreis der Evangelischen Sammlung konservativer Christen. Sie ist Stadtälteste von Berlin. Am 5. Januar 2007 wollen wir in Berlin ihren 90. Geburtstag feiern. Hans Joachim Geisler

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Jürgen Aretz hielt Gedenkrede

Gerhard-Löwenthal-Raum im Mauermuseum
(Berlin, 2. Dezember 2006 – fdw) Anläßlich der Ausstellungseröffnung würdigte Jürgen Aretz, Staatssekretär im Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Technologie und Arbeit, Mitverfasser des 1997 erschienen Buches „Die vergessenen Opfer der DDR“, die Verdienste des ehemaligen ZDF-Journalisten. Besondere Erwähnung fanden seine konkreten Hilfen für die bedrängten Menschen in Mitteldeutschland während der Zeit der SED-Diktatur.
Im Jahre 1977 wurde Gerhard Löwenthal für die Sendung „Hilferufe von drüben“ mit der „Goldenen Kamera“ ausgezeichnet, die von der Programmzeitschrift HÖRZU ins Leben gerufen worden war, um herausragende Fernsehleistungen eines jeden Jahres zu würdigen. Diese Auszeichnung glänzt nun als Erinnerungsstück auf einem Sockel im Mittelpunkt des neuen Raumes im Mauermuseum. Er dokumentiert Szenen aus Gerhard Löwenthals Leben und ruft insbesondere auch die „Hilferufe von drüben“ in lebendige und bedrückende Erinnerung. Weitere private Erinnerungsstücke, die die ebenfalls anwesende Witwe Gerhard Löwenthals gesammelt hat, finden sich in der Ausstellung. Nach einer Begrüßung durch Alexandra Hildebrandt, die Betreiberin des Museums, und einer Einleitung von Löwenthals Sohn Thomas Löwenthal erinnerte Jürgen Aretz in eindringlichen Worten an den Menschen und Kämpfer Gerhard Löwenthal. Jenseits aller politischen Korrektheit habe er die Auseinandersetzung mit dem Zeitgeist nicht gescheut. Selbst den Bedrohungen des

Gerhard Löwenthal im ZDF-Magazin – So sahen ihn Millionen Menschen

NS-Staates entkommen, habe er neues Unrecht am Menschen angeprangert. Aber: „Folgenloses bürgerliches Lamentieren“ kam für ihn nicht in Frage. Beim Thema Menschenrechte war er kompromißlos und schroff. Löwenthal war ein „jüdischer Deutscher“, ein „glühender Patriot“ und ein „bekennender Europäer“. Er habe Tausenden von Menschen mittelbar geholfen und das Bewußtsein auf Einheit wachgehalten. Löwenthal habe tätige Hilfe geleistet. Mit Verweis auf Löwenthals Stasi-Akten zeigte der Redner auf den Charakter des DDR-Regimes, das allen Nostalgietendenzen zum Trotz nicht nur eine „kuschelige, altmodische Bevormundungsdiktatur“ gewesen sei. Neben Mitgliedern der Familien Löwenthal und Schenk ( Co-Moderator beim ZDF-Magazin) waren auch Menschen bei der Ausstellungseröffnung, die sich in den Menschenrechtsvereinigungen, denen auch Gerhard Löwenthal angehörte bzw. als Präsident vorstand, engagiert hatten oder denen von ihnen geholfen worden war. Ihre immer noch emotionale Anspannung

machte sich in zustimmenden Zwischenrufen Luft. Einleitend hatte Thomas Löwenthal gesagt, es sei für die Familie damals nicht immer angenehm gewesen, im Rampenlicht zu stehen. Umso richtiger ist es – darf man feststellen –, daß Gerhard Löwenthals Wirken jetzt durch diese Ausstellung wieder ins Rampenlicht gerückt wird. Gerhard Löwenthal war Mitglied des Bundes Freiheit der Wissenschaft. Am 18. November 1970 gehörte er zu den Mitunterzeichnern des Gründungsaufrufs. ■ Winfried Holzapfel Nachbemerkung: Gerhard Löwenthals Lebenserinnerungen „Ich bin geblieben“ sind in der Edition JF 2006 in Neuauflage erschienen. Zitat: „Gerhard Löwenthal schildert hier aus seiner Sicht sein Überleben der NS-Diktatur in Deutschland und seinen jahrzehntelangen publizistischen Kampf für die Opfer kommunistischer Unterdrückung und gegen die Verharmlosung der kommunistischen Diktatur.“

Jürgen Aretz bei seiner Ansprache

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B cher

revue

Ann-Katrin Kaufhold: Die Lehrfreiheit – ein verlorenes Grundrecht? Zu Eigenständigkeit und Gehalt der Gewährleistung freier Lehre in Art. 5 Abs. 3 GG (Schriften zum Öffentlichen Recht, 1021)
Berlin: Duncker & Humblot 2006, 360 S., ISBN 3-428-11942-8 Euro 74,– Die Autorin der vorliegenden Freiburger Dissertation vertritt die Auffassung, daß im Bereich der Rechtswissenschaft und Rechtsprechung die Lehrfreiheit aus dem Blick verloren worden sei. Zwar finde sich die Lehrfreiheit im Zusammenhang mit Erörterungen der Forschungs- und Wissenschaftsfreiheit, doch friste die Lehrfreiheit selbst ein eigentümliches Schattendasein, dessen Berechtigung geprüft werden soll. Dabei zeigt sich nach Auffassung der Autorin, daß die Rede von einem „Grundrecht der Wissenschaftsfreiheit“ nicht sinnvoll ist. Die Lehrfreiheit erweise sich als eigenständiges Grundrecht, das dementsprechend einer eigenen Grundrechtsdogmatik bedürfe. Die Arbeit gliedert sich in zwei komplementäre Teile. Im ersten geht es um den von der Autorin behaupteten „Abschied von der Wissenschaftsfreiheit“, im zweiten um die „Wiederentdeckung der Lehrfreiheit“. Ein historischer Abriß legt die Vermutung nahe, daß die einseitige Fokussierung auf die Forschungsfreiheit zu Lasten der Lehrfreiheit gehen könnte. Jedenfalls sieht die Autorin ihre Skepsis bestätigt, „daß Lehr- und Forschungsfreiheit mit einem einheitlichen Grundrecht und einer einheitlichen Dogmatik der Wissenschaftsfreiheit zugleich und gleichermaßen gewährleistet werden können“ (S. 99). Lehrfreiheit als Grundrecht Der zweite Teil unternimmt die anspruchsvolle Aufgabe, die Lehrfreiheit als eigenständiges Grundrecht neben der Forschungsfreiheit zu entfalten und dabei auch zu klären, für wen sie von

welchem Wert ist und welche Konfliktpotentiale mit ihr verbunden sind. ‚Eigenständig‘ meint hier, daß dieses Grundrecht sich in irgendeiner Form von der Garantie freier Lehre unterscheidet, die als Element der Wissenschaftsfreiheit anzusehen ist. Die Autorin kommt zu dem Ergebnis, daß die „strukturellen Unterschiede der Normbereiche von Lehr- und Forschungsfreiheit“ dazu führen müßten, die Lehrfreiheit als selbständiges Grundrecht neben der Wissenschaftsfreiheit zu qualifizieren. Die Lehrfreiheit, so ihre Behauptung, stehe heute nicht mehr im Dienst von Wissenschaft und deren Fortschritt an Erkenntnis. Dies werde vielmehr durch den Forschungsdiskurs geleistet. Die Funktion der Lehrfreiheit Die Funktion der Lehrfreiheit bestehe demgegenüber in der „Gewährleistung eines freiheitlichen Bildungs- und Ausbildungssystems“. Ein eigenständiges Grundrecht der Wissenschaftsfreiheit sieht die Autorin als nicht mehr gegeben an, da der Lehrfreiheit die Forschungsfreiheit zur Seite trete. Die Lehrfreiheit aber genieße auch derjenige, der selbst nicht forscht und institutionell nicht eingebunden sei, aber doch wissenschaftliches Wissen vermittle. Tragend für die These der Autorin ist die Beobachtung, daß Lehre nicht länger in den Erkenntnisprozeß eingebunden sei (was allerdings problematisch ist und dem Selbstverständnis vieler Wissenschaftler kaum gerecht werden dürfte). Der geringe Wert der Lehre für den Erkenntnisfortschritt wird damit begründet, die Forschungsergebnisse würden nicht mehr in der Lehre, sondern in an andere Forscher gerichteten Publikationen veröffentlicht – auch dies eine dichotomische Unterscheidung, die sicher nicht durchgängig haltbar ist. Lehrfreiheit als Sachbereichsgarantie

und methodischen, sondern auch der inhaltlichen Freiheit der Lehrenden durch die privaten Financiers“ einhergehen. Hier wäre der Staat zum Eingreifen verpflichtet. Weitere Konflikte könnten mit den Einschränkungen der Lehrfreiheit auftreten, die durch die Schaffung eines sogenannten europäischen Hochschulraums verbunden sind, u. a. durch Akkreditierungsverfahren und andere Lehrevaluationen. Die Autorin sieht in der von ihr begründeten eigenständigen Stellung der Lehrfreiheit als Grundrecht eine Einschränkung der Möglichkeit des Staates, „die Freiheit der Lehre im Zuge der Hochschulreformprozesse mittels einer Vielzahl von Regelungen, die als einzelne zulässig sein mögen, im Wege der Summation gleichsam unbegrenzt einzuschränken“. Die Autorin hat eine lehrreiche, spannende Arbeit geschrieben, die eine Fülle lesenswerter Überlegungen und scharfsinniger Distinktionen enthält. Gerade angesichts der vielfältigen Lehraufgaben, die vielen Dozenten an Hochschulen auch ohne Forschungsauftrag obliegen, also gerade angesichts des häufig starken Übergewichts der Lehre über die bloße Möglichkeit der Forschung lohnt es sich, Kaufholds Arbeit sehr ernst zu nehmen und die praktischen Konsequenzen ihrer Grundrechtsauslegung genau zu bedenken. Dabei ist indes auch stets zu bedenken, ob und in welcher Weise es grundsätzlich statthaft sein kann, grundgesetzliche Regelungen im Sinne einer gewandelten Wirklichkeit abzuändern. Gehört die Idee der Einheit von Forschung und Lehre wirklich endgültig zum alten Eisen? Zumindest aber sollte die vorliegende Arbeit dazu beitragen, der Lehrfreiheit das ihr gebührende (auch rechtswissenschaftliche) Interesse zukommen zu lassen. Till Kinzel

Die Lehrfreiheit wird als Sachbereichsgarantie verstanden, der eine Gewährleistungspflicht des Staates entspricht, der die bildende Lehre umfassend mit den nötigen Mitteln auszustatten habe. 6., vollst. überarb. u. erw. Auflage, Ein potentielles Konfliktfeld sieht die Graz: Stocker 2005, 643 Seiten, Autorin darin, daß heute zwar nicht ISBN 3902475021 mehr der Staat bestimmte wissenschaft- Euro 49,90 liche Positionen vorschreibe, wohl aber könne im Zuge des Privatisierungs- Zählt man die durchaus wenigen Klassitrends im Hochschulbereich „eine Ein- ker der deutschen Geschichtsschreibung schränkung nicht nur der thematischen nach 1945 auf, so darf der „Mohler“

Armin Mohler, Karlheinz Weissmann: Die Konservative Revolution in Deutschland 1918–1932. Ein Handbuch

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nicht fehlen. Seit einem runden halben Jahrhundert liegt mit dem Standardwerk „Die Konservative Revolution in Deutschland 1918–1932“ ein auf dem deutschen Buchmarkt beinahe einzigartiges Handbuch vor. Der Grund dafür ist wohl weniger in der gleichwohl profunden Darstellung des historiographischen Gegenstandes durch den gebürtigen Schweizer Politologen zu suchen als in der literarischen Fundgrube im zweiten Teil der in jedweder Hinsicht grundlegenden Studie. Der Interessent findet dort eine große Fülle an Personen, Büchern (zeitgenössischen wie gegenwärtigen), Organisationen, Ideen, Strömungen usw. des ungemein reichen ideengeschichtlichen bzw. allgemeinhistorischen Phänomens versammelt. Besonders der biobibliograhische Teil des im wahrsten Sinn des Wortes bahnbrechenden Werkes macht die Abhandlung – besonders nach deren Überarbeitung – zu einem auch in Zukunft kaum auszuschöpfenden Arbeitsmittel. Auch Mohler wußte, daß ein Handbuch immer auf dem neuesten Stand der Forschung sein muß. Deshalb legte er vor seinem Tod 2003 die notwendigen Veränderungen in die Hände von Karlheinz Weissmann, einem der bekanntesten Historiker der mittleren Generation, von dem er annehmen durfte, daß jener sich mit dem Gegenstand seiner Arbeiten hinreichend identifizieren konnte. Weissmann hat es geschafft, die komplexe Gliederung des von Mohler mehrfach überarbeiteten Klassikers, insbesondere im Handbuchteil, im wesentlichen beizubehalten und den bewährten Duktus mit neuerer und neuester Literatur anzureichern. So vereinigt der überarbeitete Band alte wie neue Gedankengänge. Epochenspezifische Erscheinung Obwohl die Konservative Revolution eine epochenspezifische Erscheinung war, die nur im Europa (vor allem im Deutschland) der Zwischenkriegszeit stärkere Verbreitung finden konnte, läßt sie Vorläufer erkennen. Weissmann arbeitet zwei frühe Strömungen des Konservatismus heraus: Die eine Richtung wollte die societas christiana gegen intellektuelle Neuerer und gegen rationalistische Tendenzen des Absolutismus verteidigen, die andere wirkte aufklärungskritisch mit Mitteln der Aufklärung, stellte sich also auf den

Boden jener Strömung, die sie bekämpfen wollte. Wichtiger jedoch für die Entwicklung des „deutschen Sonderbewußtseins“ im 19. Jahrhundert waren die „Vorboten“ der „kulturrevolutionären Epoche“, für die Namen wie Lagarde, Wagner oder Treitschke stehen. Eine besondere Stellung nimmt Nietzsche ein. Einflußreiche Phänomene um die Jahrhundertwende, etwa Lebensreform, Jugendbewegung oder diverse völkische wie nationalistische Bewegungen, konnten sich auf die genannten Vordenker berufen. Erst die Umwälzungen im Vorfeld („Ideen von 1914“!), während und nach dem Ersten Weltkrieg bewirkten die Voraussetzungen für die „verkehrte Welt“ nach 1918: Für die Neu- oder Jungkonservativen, die alles andere als Reaktionäre waren, mußten erst jene Verhältnisse geschaffen werden, die zu erhalten lohnte. Auf diese Weise entstand der Wurzelboden für jenes kaum übersehbare Gedankengebäude, dessen Paradoxien bereits Zeitgenossen wie Thomas Mann oder Hugo von Hoffmannsthal mit der Bezeichnung „Konservative Revolution“ ausdrückten. Es behielt auch nach 1945 seine Faszination, gerade deshalb, weil spätere Zeiten keine Anknüpfungsmöglichkeiten mehr hatten. Bandbreite der Konservativen Revolution Welche Bandbreite die Konservative Revolution umfaßte, belegt die bunte, schier unabsehbare Schar ihrer Vertreter. Bis heute ist in vielen Fällen die Frage kaum zu klären: Wer gehörte zu ihr und wer nicht? Ernst Niekisch, Nationalist wie Bolschewist, sah das Heil Deutschlands in Moskau. Er wirkte nach 1945 zeitweise in der SED. Ein anderer, einflußreicherer Teil der Protagonisten der Konservativen Revolution optierte nach 1933 für die neuen Machthaber. Exemplarisch stehen dafür Intellektuelle wie Ernst Krieck oder Alfred Bäumler. Die meisten Angehörigen dieser Richtung verblieben indes – trotz aller generationellen und biographischen Affinitäten – in kritischer Distanz zum Nationalsozialismus. Ernst Jünger steht stellvertretend für viele andere. Manche fanden sogar den Weg in den aktiven Widerstand. Franz von Papens Redenschreiber Edgar Jung war eines der frühen Opfer aus den Reihen der Jungkonservativen.

Eine ausführlichere Besprechung für sich allein verdienten die umfangreichen bibliographischen Passagen der Abhandlung. Der erste Teil dieser Abschnitte präsentiert die „Literatur über die Konservative Revolution“. Die eher harmlos klingende Überschrift umfaßt detaillierte Angaben über Darstellungen zu zahlreichen Themen im Umfeld der Strömung (Imperialismus, Kolonialismus, „Ideen von 1914“, Massenpolitik, Lebensreform etc.), aber auch Hinweise auf ihre europäische Bedeutung und führende Vertreter (Spengler, Mann, Schmitt, Blüher, die Gebrüder Jünger). Jungkonservatives und nationalrevolutionäres Gedankengut sowie deren Protagonisten werden genau beschrieben. Ausführliche Berücksichtigung findet die bündische Bewegung. Unübersehbare „Eigenliteratur“ Der zweite Teil der Bibliographie beschäftigt sich mit der unübersehbaren „Eigenliteratur der Konservativen Revolution“. Sammelwerke, Buchreihen, Zeitschriften und andere Periodica werden mit großer Sorgfalt vorgestellt, weiterhin die „Philosophen im Umkreis“, die ein breites Spektrum einschließen, das von Max Scheler bis Erwin Liek reicht. Gleiches gilt für die „Dichter im Umkreis“ sowie die „herausragenden kategoriensprengenden Autoren“. Die Fülle an – heute meist vergessenen – völkischen, jungkonservativen und bündischen Autoren sowie die Überläufer zum Nationalsozialismus vermitteln einen Eindruck von der Komplexität der deutschen „Weltalternative“ (Armin Mohler). Es ist nachvollziehbar, wenn gelegentlich nur Auswahlbibliographien vorgelegt werden konnten. Mit Recht weist Weissmann jedwede Verbindung des großen ideengeschichtlichen Komplexes der Konservativen Revolution mit der Tagespolitik als eine Methode zur Desavouierung des politischen Gegners zurück – ein Vorgehen, wie es in einseitigen Publikationen Armin Pfahl-Traugbers oder Friedbert Pflügers beobachtet werden kann. Unbestritten ist jedoch auch: Die Kritik an fehlerhaften Mechanismen und Strukturen demokratischer Systeme schafft immer wieder einen Bedarf an geistesgeschichtlichen Widerlagern und Alternativen, zu denen auch jene Strömung gehört, deren epochale Relevanz über 70 Jahre zurückliegt.

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Der Erfolg des nunmehr neu bearbeiteten Standardwerks ist mit Händen zu greifen und bedarf kaum eines Hinweises. Am besten zeigt sich seine Bedeutung für die Forschung, wenn man es mit Studien über den „Neuen Nationalismus“ (Stefan Breuer) der letzten Jahre vergleicht. Sie fallen gegenüber dem „Mohler“ in deutlicher Weise ab. Felix Dirsch

Ein Plädoyer für Disziplin Man mache es sich mit Kritik nicht zu leicht! Das Plädoyer für Disziplin ist durchaus nicht einseitig zu verstehen: Disziplin – gewiß! Aber nicht, ohne darauf hinzuweisen, daß Rezepte, schematische Lösungen „der Feind aller Pädagogik“ sind (vgl. S. 19). Konsequenz – sie ist ebenso zu bejahen. Doch es soll eine solche „mit Augenmaß“ sein, die nicht darin besteht, „ein Verhaltensschema um seiner selbst willen einzuüben“ (S. 27) Und bei alledem darf nach Bueb eines nicht fehlen: Humor als „Merkmal der Güte“ (S. 30). Bei seinen Überlegungen greift der Autor auf seine langjährigen Erfahrungen als Internatsleiter zurück, die sich in einigen Beispielen widerspiegeln und dem Buch seinen Praxisbezug geben. Bueb gesteht ein, daß auch er pädagogischen Irrtümern unterlegen ist; so im Hinblick auf die „scheinbare Gewährung von Selbstbestimmung“, um Jugendliche zu verantwortlichem Handeln zu erziehen (vgl. S. 35). Wesentliche Gedankengänge Dem Buch merkt man an, daß der Verfasser mit Leib und Seele Pädagoge ist. So finden sich bemerkenswerte Gedankengänge: wenn Bueb an das „Glück der Anstrengung“ erinnert (vgl. S. 41), das der Erfolg als Frucht dieses Glücks voraussetzt, oder wenn er davon spricht, die Macht der Eltern wandle sich durch Liebe in Autorität (vgl. S. 48). Zu Recht weist Bueb darauf hin, der Lehrer könne erst dann Unterordnung und Gehorsam fordern, wenn er „durch Kompetenz, Ausstrahlung und moralische Integrität“ seine Autorität begründe (vgl. S. 56). Ebenso lesenswert sind die Passagen, in denen Bueb den Freiheitsbegriff bestimmt und das Verständnis von Freiheit als Unabhängigkeit zu transzendieren sucht: „Frei darf sich (...) ein Mensch erst nennen, wenn er auf das Wozu eine Antwort geben kann.“ (S. 34) Hierzu ist letztlich vonnöten, „den Glauben an die Umsetzbarkeit der Werte in Tugenden bei jungen Menschen zu stärken“ (S. 24). In dieser Weise werden Lehrer zu den „wichtigsten Personen, um junge Menschen auf dem Weg zu sich selbst zu begleiten“ (S. 159). Ihre Aufgabe bestehe darin, „die Kinder (scil. zu; K. T.) entdecken, die nicht an sich selbst glauben und deren Begabungen verborgen bleiben“ (S. 141).

Bernhard Bueb Lob der Disziplin. Eine Streitschrift
Berlin: List 2006, 6. Auflage 2006, 174 S., ISBN 3-471-79542-1 Euro 18,00 „Der Bildungsnotstand in Deutschland ist die Folge eines Erziehungsnotstandes.“ (S. 13) Statt von kompetenten Erziehern sind Kinder und Jugendliche von „ungewollt aggressiv präsenten Erziehern“ umgeben: von Fernsehen und Konsum sowie Mittelmäßigkeit (vgl. S. 13). Die Konsequenz: Das Leben eines großen Teils der heranwachsenden Jugend ist geprägt durch „(m)angelnde Anstrengungsbereitschaft, Spaßhaltung, Selbstmitleid und eine unstillbare Konsumgier“ (S. 66). – Das ist die Diagnose, die Bernhard Bueb, bis zum Jahr 2005 Leiter der Internatsschule Schloß Salem, im vorliegenden Buch gibt. Und die Therapie? Das rechte Maß Sie ist ebenso einfach wie traditionell: die Rückbesinnung auf „das rechte Maß“ (S. 12), „die Dialektik von Disziplin und Liebe zu einem Kind“ (S. 64). Von diesem Impetus ist das gesamte Buch durchzogen. Schon die Metaphern, die Bueb verwendet, weisen auf die Suche nach dem rechten Verhältnis hin: Ist der Erzieher eher der Töpfer, der den jungen Menschen formt, oder der Gärtner, der ihn wachsen läßt? (Vgl. S. 15 f.) Wohin neigt sich das Schiff der Erziehung auf seiner Fahrt? Für Bueb keine Frage: Er favorisiert den Erzieher im Sinne des Töpfers, freilich nicht in autoritärem Sinne verstanden (vgl. S. 16). Ebenso entschieden plädiert er in seiner „Streitschrift“ – so der Untertitel – dafür, daß sich das Schiff der Erziehung zur Seite von Gerechtigkeit, Disziplin, Kontrolle und Konsequenz neigt (vgl. S. 32).

Ein immer wieder auftauchender Abgrenzungspol ist für den Autor das Jahr 1968 (vgl. S. 53; 60; 80). – Warum? Weil diese Zeit durch ein Paradigma von Erziehung geprägt ist, das dem Buebschen Denken diametral entgegensteht. Man wandte sich gegen Autorität, Gehorsam, Unterordnung und Disziplin (dazu: S. 53); man demokratisierte Erziehung „bis in die letzten Winkel der Kinderzimmer“ (S. 80). Die auch heute noch anhaltende Folge: Damit überfordern wir unsere Kinder (vgl. S. 90). Und die Verwirklichung? Wie aber läßt sich das bisher Dargestellte verwirklichen? Wie kann das rechte Maß erlangt werden, wenn doch Jugendliche „in einer jugendfeindlichen Umwelt“ aufwachsen, gekennzeichnet durch Fernsehen, Konsum, Herrschaft des Geldes, möglicherweise Alkohol und Drogen (vgl. 137 f.)? Wie lassen sich die Erziehungsziele, die Bueb nennt, der Wirklichkeit nahebringen, wenn doch Kinder in dieser Gesellschaft leben und dadurch den erwähnten Gefahren ausgesetzt sind? Und wie kann das nicht nur in Einzelfällen geschehen, wenn optimale Bedingungen vorliegen, sondern auch dann, wenn man von Problemkonstellationen sprechen kann: im Falle von ungeordneten Familien, die Kindern keinerlei Regelmäßigkeit bieten (vgl. S. 98), im Falle von berufstätigen Frauen, die ihren Beruf mit Kindern ausüben wollen (vgl. S. 140)? Buebs Antwort: durch Gemeinschaftserziehung in einer für alle Kinder verpflichtenden Ganztagsschule (vgl. S. 99; 141 f.). Dies sieht Bueb als „den einzigen Ausweg aus dem Erziehungsnotstand, der aus dem Zerfall der Familien resultiert“ (S. 144), wenngleich er konzediert, daß die Familie „das beste Umfeld zum Aufwachsen von Kindern“ ist (vgl. S. 143). Meines Erachtens trifft Bueb mit diesem Vorschlag durchaus die gesellschaftliche Realität, indem er der Situation von Restfamilien zu entsprechen sucht (vgl. S. 138). Dennoch erscheint es problematisch, diesen Weg der Ganztagsschule für alle als verpflichtend zu erklären (vgl. S. 142). Denn warum sollte Erziehung nicht dann in der Familie stattfinden können, wenn die Bedingungen dazu gegeben sind?

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Der Schutzraum des Kollektivs als Voraussetzung? Die soeben vorgestellte Lösung hängt gewiß mit den Erfahrungen zusammen, die Bueb als Leiter eines Internats mit dieser Gemeinschaftsform gemacht hat. Und in seinen Überlegungen finden sich immer wieder Erfahrungen mit einzelnen Schülern, um seine Argumentation zu stützen. Freilich ist dabei zu bedenken, daß diese Erfahrungen vor allem für einen geschützten Raum wie ein Internat Geltung haben. Dies setzt aber gewisse finanzielle Möglichkeiten der Eltern voraus; so wäre es einem Durchschnittsschüler wohl kaum möglich, wegen fehlender Bereitschaft, sich anzustrengen, oder eines Alkoholproblems in ein britisches Internat zu wechseln, weil dort eine besondere Strenge herrscht (vgl. S. 69 f.). Der Schutzraum des Kollektivs, der bei so mancher pädagogischer Maßnahme, von der Bueb berichtet, nicht unwesentlich war (vgl. S. 120 f.: „Identität als Salemer“; „Esprit de Corps“), ist wohl in erster Linie in einem Internat erfahrbar. Ob dies in gleicher Weise für eine Ganztagsschule Geltung hätte, ist zumindest fraglich, weil hier die Schüler am Ende des Tages wieder in ihre Familien und ihre jeweilige gesellschaftliche Umwelt zurückkehren. Nun mag man sagen, daß Bueb sich mit seiner Streitschrift, was sein Plädoyer für Disziplin betrifft, an die Tradition hält. Gewiß, aber möglicherweise ist dieses traditionelle Erziehungskonzept zunehmend in den Hintergrund getreten. Buebs nicht geringes Verdienst ist es, den Leser wieder daran erinnert zu haben. Klaus Thomalla

Soeben erschienen: Ulrich Sprenger

Der unkontrollierte Verfall des deutschen Schulwesens
Eine aus der Praxis kommentierte wissenschaftliche Dokumentation zu der zurückhaltenden Informationspolitik des Max-Planck-Institutes für Bildungsforschung (MPIB) und zu den bildungspolitischen Folgen dieser Zurückhaltung. Wichtige Ergebnisse des MPIB-Projektes „Schulleistung“ (1968–1970) Über die Rahmenbedingungen von Leistung in der Schule wurden zu spät (1986, 1991 und 2002) oder noch nie veröffentlicht. Wichtige Ergebnisse des MPIB-Projektes „Hauptschule/Gesamtschule“ (1980) wurden viel zu spät (1997) und auch dann nur in Teilen veröffentlicht. Die MPIB-Studie „Der vorzeitige Abgang vom Gymnasium" (1995; 166 Seiten) wurde nicht in Buchform, sondern – verspätet – nur im Internet veröffentlicht. Ergebnisse des MPIB-Projektes „Bildungsverläufe und psychosoziale Entwicklung im Jugendalter (BIJU)“ (1991–2001) wurden nur zum Teil, aber ohne Breitenwirkung, oder noch gar nicht veröffentlicht. Kontrollen haben stattgefunden, sehr genaue Kontrollen sogar. Aber ihre Ergebnisse sind vom MPIB nicht oder nur zum Teil und dann erst mit großer Verspätung bekanntgemacht worden, doch dann nicht mit einer dem Aufwand und der Bedeutung entsprechenden, breitenwirksamen Allgemeinverständlichkeit. Stattdessen wurden sie als „versteckte Botschaften“ in der Fachliteratur deponiert, wo sie unbeachtet und ohne Wirkung blieben. Deutschland hatte im Jahre 1968 ein funktionierendes, reformoffenes Schulwesen. Es nicht schon in den späten 70er Jahren mit den starken Argumenten aus dem MPIB-Projekt „Schulleistung“ (1968–1970) gegen die Neuerungswut fachfremder Ideologen in Schutz genommen zu haben, ist ein Vorwurf, der dem Max-Planck-Institut für Bildungsforschung nicht erspart werden darf. Das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung ist gegründet worden wegen des Versprechens, für Theorie und Praxis des Unterrichtens „eine empirisch abgesicherte Basis“ zu schaffen. Weil dieses Versprechen nicht streng eingehalten worden ist, kam es in manchen Bundesländern zu einem deutlich erkennbaren Verfall des Schulwesens. ISBN 3-921052-98X Herausgegeben vom Arbeitskreis Gesamtschule e.V. im Verlag der Winkelmann Buchhandels-GmbH, 45657 Recklinghausen – 2006 Text: Rückseite der Dokumentation

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