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Periodical volume

Full text: Freiheit der Wissenschaft Issue 2004, Dezember

wissenschaft
Lieber Leser Aus der Arbeit des Bundes Freiheit der Wissenschaft Seite 2 Seite 3

freiheit der

Nr. 4 · Dezember 2004

F 1634 F

Herausgeber: Bund Freiheit der Wissenschaft

HOCHSCHULE
Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen: Technische Universitäten halten sich zurück von Hartmann Rüppel Seite 6 „Das Ausland als Spiegel“ – Bologna an der HAN – Ein fdw-Gespräch Seite 9

SCHULE
„Das niederländische Inspektionsmodell“ – Fré Weerts sprach in Berlin Strukturveränderungen oder Leistungsverbesserungen? – Eine Anmerkung zum Umgang mit den OECD-Studien von Lilo Süllwold Philologenverband Baden-Württemberg: Warnung vor Zerschlagung des Gymnasiums Begegnungen Leserbrief Seite 13

Seite 19 Seite 20 Seite 21 Seite 22

DOKUMENTATION
„Makuliert“ – Zusammengestellt und eingeleitet von Ingo Pommerening Seite 23

Aufgeblättert
Gabriel/Neuss/Rüther: Konjunktur der Köpfe, Eliten in der modernen Wissensgesellschaft (Gauger) Reihe: Berufe für... WBG Darmstadt (Kinzel) Dannenberg: Das bleiche Gesicht der Revolution (Kinzel) Zehm: Eros und Logos (Kinzel) Lowry, Hüter der Erinnerung (Pötter)

Seite 25

Zu guter Letzt Ein Beitrag von Roland Vaubel

Frühjahrsveranstaltungen 2005 in Gummersbach und Düsseldorf (siehe Seiten 3 f. und 32!)

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freiheit der wissenschaft
Offizielles Organ des Bundes Freiheit der Wissenschaft e. V. Für unaufgefordert eingesandte Manuskripte, Zeichnungen und Fotos und andere Beiträge übernimmt der Empfänger keine Haftung. Abdruck mit Quellenangabe und Belegexemplar gestattet. Die mit Namen gekennzeichneten Beiträge stellen nicht unbedingt die Ansicht von Herausgeber und Redaktion dar, sondern die persönliche Meinung des Verfassers. Zuschriften und Stellungnahmen zu Themen und Artikeln dieses Heftes sind willkommen. Wiedergabe und redaktionelle Kürzungen bleiben vorbehalten. Herausgeber: Vorstand des Bundes Freiheit der Wissenschaft e.V. Redaktion: Dr. Winfried Holzapfel Verbandsgeschäftsstelle: Postanschrift: Charlottenstraße 65, 10117 Berlin-Mitte (U-Bahnhof Stadtmitte, nahe Gendarmenmarkt) Büro: Petra Schauf Die Geschäftsstelle dient auch als Kontakt- und Informationsstelle. Für größere Veranstaltungen steht ein Hörsaal zur Verfügung. Telefon: (0 30) 20 45 47 04 Fax: (0 30) 20 45 47 06 E-Mail: bund.freiheit.wissenschaft @t-online.de Homepage: http://www.bund-freiheitwissenschaft.de Bankverbindung: Deutsche Bank AG, Bonn (BLZ 380 700 24), Kto. 0 233 858

Lieber Leser,
am 26. November 2004 wurde ich in das Triumvirat der Vorsitzenden des BFW gewählt - als Nachfolger des verstorbenen, von mir hoch verehrten Kölner Soziologen Erwin K. Scheuch. Vor fast 14 Jahren habe ich schon einmal die Aufmerksamkeit des „lieben Lesers“ in Anspruch genommen (BFW-Zeitschrift vom März 1991). Damals berichtete ich als Mitglied der Sächsischen Hochschulstrukturkommission über die gerade in Gang gekommene geistige Erneuerung an den wissenschaftlichen Hochschulen in den neuen Bundesländern. Mit der DDR als Teil des Sowjetimperiums war der Zwang zur kommunistischen Erziehung in Einheitsschulen und Universitäten sowie zur Gestaltung aller Lebensbereiche nach zentral vorgegebenen Plänen verschwunden. Die Freude über die gewonnene akademische Freiheit war groß. Das Sowjetsystem scheiterte meines Erachtens ursächlich nicht wegen wirtschaftlicher Schwäche, sondern kollabierte infolge des falschen Menschenbildes des Dialektischen und Historischen Materialismus. Dies halte ich auch für den eigentlichen Grund, weshalb die jahrzehntelangen krampfhaften Bemühungen, durch sozialistischen Wettbewerb, durch Aktivisten- und Neuererbewegung, Qualitätssicherungssysteme, persönlich-schöpferische Pläne und weitere Selbstverpflichtungen eine Leistungssteigerung in allen Lebensbereichen hervorzubringen, ohne nachhaltige positive Wirkung Professor Dr. Dr. Kurt J. Reinschke blieben – trotz der zahlreichen materiellen Anerkennunist einer der Vorsitzenden des Bungen, die die Partei- und Staatsorgane in Aussicht stellten des Freiheit der Wissenschaft und öffentlichkeitswirksam verteilten. Das Großexperiment hatte gezeigt, daß materielle Anreize wenig bewirken, wenn das akademische Ethos der persönlichen sittlichen Verantwortung nicht zur Geltung kommt. Die Wesensmerkmale des akademischen Ethos hat Walter Rüegg, einer der Gründungsvorsitzenden des BFW, in zeitlos gültiger Weise beschrieben. (W. Rüegg: Das akademische Ethos. Mitteilungen des Hochschulverbandes 35 (1987) H.5, S. 238 – 244). Die vom deutschen Grundgesetz garantierte Freiheit von Forschung und Lehre kann sich nur auf dem Nährboden des akademischen Ethos segensreich entfalten. Wechselseitiges Vertrauen und Verantwortung sind die Schlüsselworte für einen gelingenden Arbeitsalltag an einer Universität als Gemeinschaft der Lehrenden und Lernenden. Das Privileg des Universitätslehrers, sein Fach selbstbestimmt gestalten und immer wieder neu mit jungen Menschen, die sich ihm anvertrauen, wissenschaftliches Neuland betreten zu dürfen, verpflichtet ihn zur verantwortungsvollen Sorge um den Erfolg der Studierenden. Diese sind nicht seine Kunden, zu denen sie der heutige Zeitgeist oft degradiert, sondern seine Juniorpartner. Zu den das akademische Ethos prägenden Wertvorstellungen gehört nach Walter Rüegg „die im Verhältnis zu anderen Berufen ausgeprägte Werthaltung des wirtschaftlichen Desinteresses an den Ergebnissen der eigenen Tätigkeit.“ Die leistungsabhängige Besoldung von Professoren, so wie sie der Bundesbildungsministerin Bulmahn vorschwebt, scheint mir ein außerordentlich fragwürdiges Instrument zur Verbesserung der deutschen Universität. Jede Bilanzierung erbrachter Leistungen setzt eine standardisierte, ausführliche und justitiable Dokumentation voraus. Dieser Dokumentationsaufwand kostet Zeit und Geld. Außerdem sind alle denkbaren Kriterien zur Bewertung derartiger Datenhalden problematisch; denn die Wissenschaftsgeschichte zeigt, daß sich Forschungsleistungen ohnehin erst im zeitlichen Abstand von Jahren oder Jahrzehnten angemessen würdigen lassen. Wie schlecht es um das Beurteilungsvermögen und die „Weitsicht“ der führenden Fachexperten oft bestellt ist, möge ein Beispiel aus der Computertechnik belegen: „Es gibt überhaupt keinen Grund, warum irgendjemand einen Computer bei sich zu Hause haben will!“ erklärte Ken Olsen, der Gründer und Präsident von Digital Equipment, im Jahre 1977. Zur gleichen Zeit brach Bill Gates (geb. 1955) sein Universitätsstudium vorzeitig ab, um seine Idee eines Home-Computers unternehmerisch zu vermarkten. Mit freundlichen Grüßen Ihr Kurt Reinschke

Verlag, Herstellung und Anzeigen: Vereinigte Verlagsanstalten GmbH, Höherweg 278, 40231 Düsseldorf Internet: www.vva.de E-Mail: info@vva.de Anzeigenleitung: Ulrike Niggemann Anzeigenverkauf: Panagiotis Chrissovergis Tel. 02 01/8712 69 45 Fax. 02 01/8712 69 42 Anzeigentarif Nr. 12 ISSB 0343-7752

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Aus der Arbeit des Bundes Freiheit der Wissenschaft
Am 26. November 2004 hielt anläßlich der diesjährigen Mitgliederversammlung im Hörsaal unserer Geschäftsstelle in Berlin Drs. G. M. A. (Fré) Weerts einen Vortrag über das Thema „Qualität in den Schulen. Kann die niederländische Schulinspektion ein Modell für Deutschland sein?“ Anschließend fand eine Diskussion statt. Sein Vortrag bestand aus einer PPT-Präsentation, zu der er frei sprach, so daß wir den Vortrag hier nicht wörtlich wiedergeben können. In der Januarnummer 2005 der Zeitschrift SchulVerwaltung (Niedersachsen) wird jedoch ein Aufsatz von Fré Weerts abgedruckt, der vieles aus seinem Vortrag enthält. Die Redaktion hat uns genehmigt, ihn vorab zu drucken, wofür wir uns bedanken (Seite 13 ff.). Die 17. ord. Mitgliederversammlung des Bundes Freiheit der Wissenschaft fand am 26. 11. 2004 in Berlin statt. Hier war auch ein dritter Vorsitzender als Nachfolger unseres Freundes Erwin K. Scheuch zu wählen, der im Oktober 2003 verstorben war. Das Ergebnis der Neuwahlen enthält die folgende Pressemitteilung. Wir freuen uns auf die Arbeit im verstärkten Vorstand. Dessen aktualisierte Adressen und die der Regionalbeauftragten finden Sie auf den letzten Seiten dieses Heftes. Der Vorstand hat auf der Mitgliederversammlung anläßlich des Rechenschaftsberichts die im folgenden abgedruckte Übersicht über „Veranstaltungen und Veröffentlichungen des BFW 2000-2004“ vorgelegt, die Sie auch für die Bestellung früherer Titel benutzen können; ein Bestellzettel dazu steht auf Seite 31. Bitte tragen Sie dort die gewünschten Nummern ein. Für das kommende Jahr 2005 haben wir wieder (wie 2003) zwei Veranstaltungen außerhalb Berlins, in Nordrhein-Westfalen, geplant. Die erste ist eine Tagung vom 18. bis 20. Februar 2005 zum Thema „Klimaprognosen – Aussagekraft der Modelle und Handlungsstrategien“ in Gummersbach bei Köln, die wir gemeinsam mit der Friedrich-Naumann-Stiftung durchführen. Erste Informationen und die Möglichkeit der Voranmeldung finden Sie auf Neu in den Erweiterten Vorstand geder letzten Seite. Die zweite Ver- wählt: Josef Kraus

Bund Freiheit der Wissenschaft e.V.
Berlin, 26. November 2004

Pressemitteilung
Kurt J. Reinschke einer der drei Vorsitzenden. Josef Kraus in den Vorstand gewählt.
In der Mitgliederversammlung des Bundes Freiheit der Wissenschaft am 26. 11. 2004 fand die Neuwahl des Vorstands statt. Als Vorsitzende wurden Dr. Hans Joachim Geisler, Berlin, und Oberstudiendirektor Dr. Winfried Holzapfel, Geldern, wiedergewählt. Zum dritten Vorsitzenden wurde Professor Dr. Dr. Kurt J. Reinschke, Dresden, gewählt, der bisher dem Erweiterten Vorstand angehörte. Der Bund Freiheit der Wissenschaft hat drei gleichberechtigte Vorsitzende. Kurt J. Reinschke, geb. 22. Sept. 1940 in Zwickau/Sachsen, verheiratet, 2 erwachsene Kinder, seit 1990 Mitglied des BFW, seit 1992 Professor für Regelungs- und Steuerungstheorie der TU Dresden, seit 1997 Direktor des gleichnamigen Instituts an der Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik der TU Dresden, seit 2003 Vorsitzender des Landesverbandes Sachsen im Deutschen Hochschulverband. Als Schatzmeister wurde Professor Dr. Günter Püttner,

Speyer, wiedergewählt, ebenso die bisherigen Mitglieder des Erweiterten Vorstands Professor Dr. Wolfgang Dreybrodt, Bremen, Professor Dr. Klaus-Dieter Rosenbaum, Greifswald, Professor Dr. Winfried Schlaffke, Köln, und Professor Dr. Gerd Wechsung, Cospeda. Neu in den Erweiterten Vorstand gewählt wurde Oberstudiendirektor Josef Kraus (55). Er ist Oberstudiendirektor am Maximilian-vonMontgelas-Gymnasium Vilsbiburg (Landkreis Landshut, Bayern), unterrichtet die Fächer Deutsch und Sport und ist Diplom-Psychologe. Seit 1987 ist er ehrenamtlich Präsident des Deutschen Lehrerverbandes (DL). Die bisherigen Regionalbeauftragten wurden von der Mitgliederversammlung bestätigt. Für Baden-Württem-

berg: Professor Dr. Jürgen Kullmann, Mössingen; Bayern: Oberstudiendirektor Willi Eisele, Wolfratshausen; Berlin und Brandenburg: Dr. Brigitte Pötter, Berlin; Bremen: Professor Dr. Wolfgang Dreybrodt, Bremen; Hessen: Professor Dr. Lilo Süllwold, Frankfurt/Main, und Privatdozent Dr. habil. Siegfried Uhl, Frankfurt/ Main; Mecklenburg-Vorpommern: Professor Dr. Klaus-Dieter Rosenbaum, Greifswald; Niedersachsen: Wiss. Oberrat a.D. Dr. Hartmut Schustereit, Lüneburg; Nordrhein-Westfalen: Studiendirektor Norbert Schlöder, Willich; Thüringen: Professor Dr. Gerd Wechsung, Cospeda. Für Sachsen übernimmt vorerst weiter Professor Dr. Dr. Kurt J. Reinschke, Dresden, die Funktion eines Regionalbeauftragten.

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anstaltung wird am 18. April 2005 in Düsseldorf stattfinden. Es geht u.a. um die Agenturen, die die neuen Bachelor- und Master-Studiengänge akkreditieren. Darüber wird Professor Dr. Reinhold R. Grimm sprechen. Er ist Präsident des Allgemeinen Fakultätentages, Vorsitzender des Philosophischen Fakultätentages und Stellvertreten-

der Vorsitzender des Universitätsrates der Universität Wien. Er lehrt an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Eine genaue Ankündigung werden Sie in der März-Nummer dieser Zeitschrift finden. Wir freuen uns, daß Aufsätze aus „Freiheit der Wissenschaft“ häufig nachgedruckt werden. So hat der Verband Bildung und Er-

ziehung (VBE), Landesverband Berlin, in seiner Zeitschrift für 4000 Berliner Lehrer den Artikel „Bildung braucht Eltern“ von Brigitte Pötter (FdW Juni) und den Vortrag von Dieter Lenzen „Bildung neu denken“ (FdW Sept.) abgedruckt. Es gibt natürlich auch Kritik; wir freuen uns über Leserbriefe, die die Meinung der Leser, nicht unbedingt

die der Redaktion wiedergeben und zu einer lebendigen Diskussion beitragen. In dieser Nummer finden Sie wieder eine Auswahl. Und es geschehen leider auch technische Pannen, wie die Korrektur zu dem erwähnten Vortrag von Lenzen auf Seite 5 zeigt. Hans Joachim Geisler

Aus dem Tätigkeitsbericht des Vorstands
Veröffentlichungen und Veranstaltungen 2000 bis 2004
Veröffentlichungen noch lieferbar Stand Dezember 2004

ᕡ Dr. Hans Joachim Geisler Notizen zur Geschichte des Bundes Freiheit der Wissenschaft Herausgeber: Bund Freiheit der Wissenschaft e. V. Berlin, Januar 2001. 142 Seiten. Aus dem Inhalt: Gründung des BFW, Gründungsaufruf 1970 – Veröffentlichungen 1970 bis 2000 – Veranstaltungen seit 1970, Bildungspolitische Foren 1984 bis 2000 – Vorstandsmitglieder 1970 bis 2000 – Arbeitsschwerpunkte Hochschule und Schule – Inhalt der Zeitschriften Hochschulpolitische Informationen (HPI, 1970 bis 1976), Moderator (1971 bis 1973), Freiheit der Wissenschaft (FdW, 1974 bis 2000) – Register.

„Bildungskanon und Bildungsidee – Die kulturelle Einheit Europas und der deutsche ‚Sonderweg’“. Professor Dr. Arnd Morkel, Trier „Braucht die Wissensgesellschaft eine neue Bildungspolitik?“ Professor Dr. Jürgen Oelkers, Zürich „Schulentwicklung, Demokratie und Bildung“ Oberstudiendirektor Josef Kraus, Landshut, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes „Aufgaben der Schule in der Wissensgesellschaft“ Texte in Broschüre erschienen im Januar 2001. 87 Seiten.

2001
ᕣ Vortrag am 25. April 2001 in Berlin: Professor Dr. Michael Wolffsohn, Universität der Bundeswehr, München „’Kinder der Nazi-Eltern’? Vergangenheitsbewältigung, Antisemitismus und die 68er“. Text in Broschüre erschienen im Mai 2001. 28 Seiten. ᕤ 32. Bildungspolitisches Forum am 20. November 2001 in Berlin: „Die Ökonomisierung der Universität – Wege und Irrwege der Hochschulerneuerung“.

Professor Dr. Hans Joachim Werner, Karlsruhe „Bildung zwischen Ökonomie und Bürokratie“. Professor Dr. Dr. Heribert Offermanns, Frankfurt/Main „Freiheit der Wissenschaft und Unternehmensinteressen“. Professor Dr. Dr. Gunnar Berg, Halle-Wittenberg „Leistungsanreize für die Universität? Zwischen leistungsabhängigem Gehalt und Unterfinanzierung“. Professor Dr. Erwin K. Scheuch, Köln, Vorsitzender des Bundes Freiheit der Wissenschaft „Leistungsmessung in der Wissenschaft“. Texte in Broschüre erschienen im Januar 2002. 65 Seiten.

„Schule in den neuen Ländern – zurück zur DDR?“ Bericht in FdW September 2002. ᕧ Vortrag am 4. September 2002 in Berlin: Professor Dr. Gerd Langguth, Universität Bonn „Mythos ‚68“. Text „Thesen zu einigen Mythen der Studentenrevolte 1968“ in FdW Dezember 2002 ᕨ 33. Bildungspolitisches Forum am 8. November 2002 in Berlin: „Wettbewerb und Profilbildung – Zur Struktur des deutschen Hochschulsystems“ Professor Michael Zöller, Universität Bayreuth „Wahlfreiheit und Wettbewerb für Studenten und Universitäten“. Professor Erwin K. Scheuch, Universität Köln, „Vorbild Amerika?“ Dr. Wedigo de Vivanco, Leiter der Abteilung Außenangelegenheiten der Freien Universität Berlin „Der Bologna-Prozeß oder die Durchlässigkeit der europäischen Hochschulsysteme“. Professor Dr. Hubert Braun, Honorarprofessor der Universität Erfurt „Universitäten und Fachhochschulen – Leitgedanken zu einer künftigen Aufgabenteilung“.

2002
ᕥ Vortrag am 24. April 2002 in Berlin: Professor Dr. Winfried Schlaffke, Institut der Deutschen Wirtschaft, Köln „Schulqualität und Schulreform – Weichenstellungen für ein zukunftsweisendes Schulsystem“ Text in Broschüre erschienen im Januar 2003. 37 Seiten. ᕦ Vortrag am 19. Juni 2002 in Berlin: Freya Klier, Bürgerrechtlerin und Dokumentarfilmerin, Berlin

Bildungspolitische Foren, Vorträge und Broschüren 2000
ᕢ 31. Bildungspolitisches Forum am 20. Oktober 2000 in Berlin: „Bildung in der Wissensgesellschaft“. Professor Dr. Manfred Fuhrmann, Überlingen

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Texte in Broschüre erschienen im Februar 2003. 100 Seiten. – Mit den grundlegenden Dokumenten zum Bologna-Prozeß von 1988, 1998, 1999 und 2001 (Kommuniqué 2003 in FdW Dezember 2003).

Länder in der Hochschulund Schulgesetzgebung“. Text in Broschüre erschienen im September 2003. 19 Seiten. ¹ Vortrag am 24. September 2003 in der Universität Köln: Professor Dr. Hartmut Schiedermair, Präsident des Deutschen Hochschulverbandes „Was kommt auf die Universitäten zu? Folgen des Bologna-Prozesses für die deutschen Hochschulen“. Text in Broschüre erschienen im Oktober 2003. 21 Seiten.

2003
ᕩ Vortrag am 18. Juni 2003 in Berlin: Oberstudiendirektor Josef Kraus, Landshut, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes „Lehrerimage, Lehrernachwuchs und Lehrerbildung“. Text in Broschüre erschienen im Juli 2003. 25 Seiten. µ Vortrag am 17. Juli 2003 vor Studenten in Köln: Dr. Hans Joachim Geisler „Zur Zukunft unserer Universitäten“ Bericht in FdW September 2003. ¸ Vortrag am 27. August 2003 in Berlin: Professor Dr. Ulrich Battis, Humboldt-Universität Berlin „Mehr oder weniger Bildungsföderalismus? Kompetenzen des Bundes und der

2004
Ƹ Vortrag am 24. Oktober 2003 in Berlin: Oberstudiendirektorin a.D. Thelma von Freymann „Ausbildung und Rolle des finnischen Lehrers als Faktor des PISA-Erfolges“. Bericht in FdW Dezember 2003. ƹ 34. Bildungspolitisches Forum am 27. Februar 2004 in Berlin: „Freiheit und Verantwortung in Forschung, Lehre und Studium – Die ethische

Dimension der Wissenschaft“ Professor Dr. Eve-Marie Engels, Universität Tübingen, Mitglied des Nationalen Ethikrats. „Ethik in den Wissenschaften – Das Programm des Interfakultären Zentrums für Ethik in den Wissenschaften der Universität Tübingen“. Professor Dr. Klaus Fischer, Universität Trier „Spielräume wissenschaftlichen Handelns – Die Grauzone der Wissenschaftspraxis“. Dr. Sascha Spoun, Universität St. Gallen „Die Studierenden im Mittelpunkt der Lehre – zum neukonzipierten Studium an der Universität St. Gallen“. Texte in Broschüre erschienen im Juli 2004. 140 Seiten. ƺ Vortrag am 23. Juni 2004 in Berlin: Professor Dr. Dieter Lenzen, Präsident der Freien Universität „Bildung neu denken – Eine dritte Chance für unser Bildungssystem“.

Text abgedruckt in FdW September 2004. Vortrag am 26. November 2004 in Berlin: Drs. G. M. A. (Fré) Weerts „Qualität in den Schulen – Kann die niederländische Schulinspektion ein Modell für Deutschland sein ?“

Zeitschrift „Freiheit der Wissenschaft“ (FdW)
FdW März 2000, 12 Seiten FdW Juni 2000, 16 Seiten FdW September 2000, 20 Seiten FdW Dezember 2000, 20 Seiten FdW März 2001, 24 Seiten FdW Juni 2001, 24 Seiten FdW September 2001, 24 Seiten FdW Dezember 2001, 28 Seiten FdW März 2002, 28 Seiten FdW Juni 2002, 24 Seiten FdW September 2002, 28 Seiten FdW Dezember 2002, 28 Seiten FdW März 2003, 28 Seiten FdW Juni 2003, 32 Seiten FdW September 2003, 32 Seiten FdW Dezember 2003, 28 Seiten FdW März 2004, 32 Seiten FdW Juni 2004, 40 Seiten FdW September 2004, 28 Seiten FdW Dezember 2004

Auszeichung
Für seine Verdienste um Jugend- und Schulbelange sowie für sein sozialund kulturpolitisches Engagement wurde Studiendirektor Norbert Schlöder, der regionale Ansprechpartner des Bundes Freiheit der Wissenschaft in Nordrhein-Westfalen, vom Bundespräsidenten Horst Köhler mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet.

Korrektur
Liebe Leserinnen und Leser, unglücklicherweise sind bei Herstellung der Ausgabe 3/2004 unserer Zeitschrift einige Abbildungen zum Vortrag von Herrn Professor Dr. Dieter Lenzen („Bildung neu denken! – Eine dritte Chance für unser Bildungssystem“, S. 14–20) mehrfach gesetzt worden, so daß drei der 18 Abbildungen bedauerlicherweise einen falschen Inhalt haben. Die (richtige) Abbildung 12 hat versehentlich die falsche Ziffer 11 erhalten. Wir bitten sehr, das Versehen zu entschuldigen. Die Korrektur steht in gedruckter Fassung zur Verfügung. Sie können Sie mit dem Bestellschein auf der vorletzten Seite anfordern – natürlich kostenlos. fdw

Norbert Schlöder

Bei der Verleihung im Forum der Stadt Viersen (Niederrhein) fand in der Laudatio von Landrat Ottmann auch Schlöders ehrenamtliche Tätigkeit für den Bund Freiheit der Wissenschaft Erwähnung.

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Hartmann Rüppel
Einführung von Bachelor – und Master-Studiengängen:

Technische Universitäten halten sich zurück
Seit dem Jahre 1999 werden die deutschen Universitäten bzw. Hochschulen von den Kultusverwaltungen der Länder und mehr noch vom Bundesministerium für Bildung, Forschung und Technologie gedrängt, „das zweistufige System von Bachelor- und Masterabschlüssen vollständig einzuführen“ 1). Als Begründung wird angegeben, daß dieEinführung entscheidend für die Neuordnung der „Universitätslandschaften“ und im Zuge des „Bologna-Prozesses“ zur europäischen Einigung unumgänglich sei. Diese Studiengänge sollten gestuft, aufeinander bezogen und mit einem Punktesystem bewertbar sein. Ferner ist vorgesehen, mit dem 1. Studienabschluß, dem Bachelor, als Regelabschluß eine „arbeitsmarktbezogene Qualifizierung“ anzubieten. Der Einrichtung dieser Studiengänge wird im Rahmen des europäischen Einigungsprozesse eine zentrale Bedeutung beigemessen, um (a) eine Vereinheitlichung der europäischen Universitäten bzw. Hochschulen zu erzielen, (b) innerhalb der europäischen Universitäten bzw. Hochschulen eine gegenseitige Anerkennung der Studienabschlüsse zu gewährleisten, (c) einen Studienplatzwechsel und einen Austausch von Lehrpersonal zwischen den Universitäten und wissenschaftlichen Einrichtungen zu erleichtern und (d) auch im außereuropäischen Ausland (z. B. in den USA) die internationale Anerkennung der Studienabschlüsse zu erreichen. Trotz dieser unumstößlich erscheinenden Vorgaben für die Einrichtung dieser Studiengänge wurde bereits im letzten Jahr bekannt, daß britische Hochschuleinrichtungen den neuen deutschen Bachelor nicht anerkennen würden. Anfang Oktober dieses Jahres war ferner aus den Medien 2) zu erfahren, daß bei einer Umfrage an 60 Universitäten in USA und Canada über 70% den neuen deutschen Bachelor/Master-Abschlüssen eine Anerkennung verweigern. Dagegen sollen deutsche Studenten, die nach den traditionellen Studiengängen studieren, bereits bei Vorlage des Vordiplomzeugnisses 2) zum Studium zugelassen worden sein, mit einem Magister sogar zur Promotion! Erstaunlicherweise wird damit dem Bachelor-Abschluß gerade die europaweite und internationale Anerkennung versagt, welche vorrangig als Begründung für seine Einführung angeführt wurde (s. o. b und d). Wenn der Staatssekretär im Bundesbildungsministerium von Catenhusen in dieser Situation mit Nachdruck eine EU-Aktivität zur Anerkennung des Bachelors fordert, so steht dahinter sicher die nicht unberechtigte Sorge, daß der große organisatorische Aufwand zur Einführung dieser Studiengänge, den die staatliche Kultusbürokratie getrieben hat und der nun den Universitäten auferlegt wird, im Grunde vergebens sein könnte. Es ist daraus erkennbar, daß der Begriff „Bachelor/Master-Abschluß“ nicht von sich aus die erhoffte Anziehungskraft entwickelt hat, eine generelle, internationale Anerkennung zu gewinnen. Aber nicht nur das, auch inhaltlich treten zahlreiche z. T. schwerwiegende Diskrepanzen auf, wenn man versucht, dieses Studienmodell uneingeschränkt auf die Diplomstudiengänge zu übertragen. Um ein Beispiel zu geben: Führende Technische Universitäten bzw. Hochschulen haben im Falle des für Ingenieure und Naturwissenschaftler gültigen Diplomstudienganges (seit je zweistufig) erklärt 3), sie seien gezwungen, den 1. Studienabschluß weiterhin - wie vorher das Vordiplom 4) - als „inneruniversitäres Zertifikat“ zu betrachten. Die Begründung ist einleuchtend: Da sich die 2. Stufe des Master(Diplom)-Studienganges direkt auf das Grundstudium bezieht, genauer gesagt, auf diesem vollständig aufbaut, muß ein Ausbau der 1. Stufe zum geforderten Abschluß mit „arbeitsmarktrelevanter Qualifizierung“ unterbleiben, wenn man den Qualitätsstandard des Diploms halten will 5). Es ist auf den ersten Blick nicht verständlich, warum nach so langer Vorbereitung, so viel sachkundiger Beratung in hochrangig besetzten europäischen Gremien bei der Ausführung der ersten Schritte dieses europäischen Vereinheitlichungsprozesses solche gravierenden Umsetzungsschwierigkeiten aufgetreten, Widersprüche sichtbar geworden und Fehleinschätzungen unterlaufen sind. Um die Gründe hierfür zu verstehen, soll im folgenden der Werdegang dieses universitären, europäischen Einigungsbestrebens (Bologna-Prozeß) nochmals kurz skizziert und kommentiert werden, um daraus die Ursachen der konzeptionellen Widersprüche zu erhellen, die zahlreicher sind als oben durch Beispiele belegt. Im Jahre 1988 haben die Rektoren und Präsidenten zahlreicher europäischer Universitäten anläßlich des 900-jährigen Gründungsjubiläums der ersten europäischen Universität in Bologna eine Magna Charta Universitatum 6) veröffentlicht. Diese ist von traditionsbewußtem, universitären Geist geprägt. Sie stellt die Bedeutung der europäischen Universitäten nicht nur für Wissenschaft, Forschung und europäische Kultur sondern auch für die jetzige wie zukünftige gesellschaftliche wie technisch-wirtschaftliche Entwicklung Europas heraus. Unter Bezug auf die historischen Wurzeln und die Tradition des europäischen Humanismus werden die Universitäten in Europa aufgerufen, die Einheit und Freiheit von Lehre und Forschung zu verwirklichen und für eine europäische Zusammenarbeit geographische wie politische Grenzen zu überschreiten. Dazu sind die Regelungen für Prüfungen und Studienabschlüsse anzugleichen, dabei aber unter Wahrung der jeweiligen Traditionen die gewachsenen Strukturen der akademischen Abschlüsse (Diplome) beizubehalten. In der 11 Jahre später, also 1999, von einer Konferenz europäischer Bildungsminister ebenfalls in Bologna herausgegebenen, gemeinsamen Erklärung, der sog. Bologna-Deklaration, gibt es nur wenige neue Anregungen zur europäischen Hochschulharmonisierung. In der Deklaration werden allseits verständliche Studienabschlüsse gefordert, was z. B. durch erklärende Zeugniszusätze (diploma supplements) zu erreichen ist. Ferner wird die Einführung von zwei-

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stufigen Studiengängen vorgeschlagen sowie die Übernahme eines Punkte-Bewertungssystems angeregt, das formal den Stoffumfang bemißt, der vom Kandidaten belegt wurde. Alle diese Maßnahmen haben zum Ziel, sowohl den Studienplatzwechsel zwischen Universitäten zu erleichtern als auch den Austausch von Lehrpersonal zu fördern. - In den Kommuniqués der hierauf folgenden Konferenzen der europäischen Hochschulminister in Prag 2001 und Berlin 2003 werden inhaltlich wiederum kaum neue Aspekte zur Vereinheitlichung des europäischen Hochschulsystems angesprochen. So wird in Prag ein universitärer Beitrag zur Ermöglichung von „lebenslangem Lernen“ diskutiert. Ferner wird angemahnt, das europäische Hochschulwesens für den außereuropäischen Raum attraktiver zu gestalten, was nur durch eine hohe Qualität in Lehre und Forschung erzielbar ist. Außerdem wird eine Entwicklung von Lehrplänen mit europäischem Bezug genannt, die partnerschaftlich, länderübergreifend durchgeführt werden sollen, wobei nicht ganz klar wird, was damit gemeint ist. Das Berliner Kommuniqué bringt - zumindest in seiner englischen Originalfassung - lediglich eine mehr oder minder neuformulierte Wiederholung der bereits zuvor geäußerten Überlegungen bzw. Vorschläge zu einem vereinheitlichten, europäischen Hochschulwesen. Betrachtet man den Wortlaut der Texte genauer, so macht man erstaunliche Feststellungen: Bei den Aussagen zu gestuften Studiengängen werden im deutschen Text des Berliner Kommuniqués ausdrücklich die Bachelor/Master-Abschlüsse genannt, deren Einführung bis 2005 zu beginnen hätte. Dieses steht jedoch nicht im englischen Urtext 7). Die offiziellen Erklärung des Bundesministerium für Bildung und Forschung zu diesem Kommuniqué greift gerade diese Hinzufügung auf. Die Einführung dieser Studiengänge soll hiernach bis 2005 nicht nur begonnen, sondern sogar bis dahin abgeschlossen sein. Im vorigen Jahr ist in einer Veröffentlichung des Bundes Freiheit der Wissenschaft bereits auf weitere beachtliche Abweichungen dieser Erklärung von den Verlautbarungen des Berliner Kommuniqués hingewiesen worden 8). Zu diesen Abweichungen gehört auch die Forderung nach einem praxisrelevanten Bachelorabschluß. In den Texten zum Bologna-Prozeß wird dagegen nur andeu-

tungsweise ein Praxisbezug der Universitätsausbildung angesprochen. Andererseits, wenn man einem solchen Praxisbezug nachgeht und konkret nach dem Bedarf an Hochschulabsolventen mit sechssemestrigem Bachelorabschluß fragt, so ist trotz gegenteiliger Erklärungen zu befürchten, daß zumindest im deutschen Raum fast nirgends in Industrie und Gewerbe Bedarf für diese Studienabgänger besteht. Dies steht im Einklang mit den Kenntnissen des Autors, die dieser in seiner langjähriger Tätigkeit in Studienplankommissionen der TU Berlin gewonnen hat. Der Bedarfsfrage mußte dort nämlich nachgegangen werden, da – zumeist von politischer Seite – immer wieder Vorschläge für ein derartiges Kurzstudium eingebracht wurden. Demgegenüber hat man an den Technischen Fachhochschulen eine völlig andere Lage. Bei diesen werden begehrte Abschlüsse mit aktueller, arbeitsmarktbezogener Qualifizierung geboten. Man könnte also mit Fug und Recht hier gemäß den Vorstellungen des BMBF einen Bachelorabschluß vergeben. Allerdings müßte zur besseren Akzeptanz dieses Abschlusses die eigenständige Bedeutung dieser praxisorientierten Studien an den Fachhochschulen (Studienziel: technisches Verfügungswissen 3)) gegenüber den rein wissenschaftlichen Studien an den Universitäten bzw. Technischen Hochschulen (Studienziel: wissenschaftliches Methodenwissen 3)) voll anerkannt und gewürdigt werden! Jedoch gäbe es hier kein auf dem Bachelor aufbauendes Master-Studium. Wer den Master-Titel anstrebt, müßte diesen an einer Technischen Hochschule oder Universität erwerben. Das würde jedoch nicht einen nur formalen Schritt zur nächsten Studienstufe bedeuten, sondern der Einstieg in ein anderes, mehr wissenschaftlich orientiertes Studium, das allerdings – von der betrieblichen Praxis her gesehen – keineswegs höherrangig sein muß. Folglich ist dieser Bachelor nicht kompatibel mit dem Abschluß des 1. Studienabschnittes des Master-Studiums (Bachelor bzw. Vordiplom). Eine direkte Zulassung wäre trotz ausreichender Zahl von Leistungspunkten (credits) nicht möglich, weil die wissenschaftlichen Grundlagen für das neue Studium im praxisorientierten Bachelor-Studium sachbedingt nicht vollständig vermittelt werden. Also sind trotz formal erfüllter Zugangskriterien zur 2. Stufe zusätzlichen Studienleistun-

gen im 1. Abschnitt, dem Grundstudium, zu erbringen. Dieses einfache Beispiel macht deutlich, daß bei Einführung der Bachelor/Master-Studiengänge die Studienverhältnisse keineswegs überschaubarer werden und es unterschiedliche Bachelor/Master-Grade geben wird, die trotz gleicher Punktbewertung nicht kompatibel zu sein brauchen. Das aber ist alles aus den angelsächsischen Ländern hinlänglich bekannt. So ist in den USA der Bachelor Abschluß eines College, von denen es sehr viele gibt, die sich in Ausrichtung und Qualität unterscheiden. Deren Abschlüsse werden daher kaum mit dem geplanten ersten europäischen Hochschulabschluß vergleichbar sein. Es ist somit ein von der deutschen Kultusbürokratie genährtes Mißverständnis, eine erhebliche Angleichung im europäischen Hochschulsystem allein dadurch schon zu schaffen, daß man überall Studienabschlüsse mit gleicher Benennung und gleicher Bewertung des Stoffumfangs einführt! Aus dem Wortlaut der Texte zum Bologna-Prozeß und ihrer Darstellungsart lassen sich weitere Schlüsse ziehen: Wie oben bereits erwähnt, besticht die von den Rektoren verfaßte Magna Charta von Bologna – von universitärem Geist geprägt – durch ihre Klarheit. Demgegenüber ändert sich in der Bologna-Deklaration merklich Darstellungsweise und sprachlicher Stil. Statt begründeter Zustandsbeschreibungen und realistischer Zielvorstellungen tauchen jetzt vermehrt Schlagworte auf wie z. B. das „Europa des Wissens“ und „Hochschulraum... wissenschaftlichtechnischer Dimension“ etc... Einige Aussagen bleiben wegen unklarer Formulierungen sogar unverständlich. Diese Tendenz verstärkt sich in den darauf folgenden Kommuniqués: Während sich die Bildungsminister in der Bologna-Deklaration noch bewußt in der „wir“-Form äußern, findet man in den Kommuniqués im englischen Text „the ministers“, im deutschen Text dagegen, daß „die Hochschulministerinnen und die Hochschulminister“ dieses „erörtern“, jenes „bestätigen“ etc. Die Doppelbezeichnung erscheint im dichten Abstand immer wieder, bläht den Text auf und macht ihn schlecht lesbar. Die Schriftstücke ähneln Wortprotokollen der Konferenzdiskussionen, die zu Kommuniqués nur ungenügend aufgearbeitet wurden. Der Autor glaubt darin Zeichen zu sehen, daß bei den letztge-

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nannten Texten bereits eine angestammte Kultusbürokratie die Feder führt, bei der eine beträchtliche Unsicherheit in der Sache zum Vorschein kommt. - Aus den Texten ist ferner zu entnehmen, daß permanent Sachgruppen tagen und zur Klärung der Sachverhalte auch Seminare abgehalten werden. Trotz alledem läßt sich der Eindruck nicht vermeiden, daß es hier, für diese in der Tat nicht einfache Materie an Überblick und teilweise wohl auch an Sachverstand mangelt. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung und seine Verwaltung scheint sich der Unklarheit und Unsicherheit der Bologna-Texte bewußt gewesen zu sein. Deshalb hat es vermutlich eine Art von Vorwärtsstrategie betrieben und u. a. mit der Berliner Erklärung versucht, auf der Basis der Fehlübersetzung (s. o.) und mithilfe anderer beachtlicher Abweichungen von den Bologna-Texten die Einführung neuer Strukturen wie der Bachelor/Master-Studiengänge in deutschen Hochschulen zu beschleunigen. Dieses folgt eigenen hochschulpolitischen Vorstellungen der Kultusverwaltungen, insbesondere des Bundesministeriums, die nicht den vorsichtigen Vorgaben des Bologna-Prozesses entsprechen und – wie oben gezeigt – zum Teil sachlich unrichtig, d. h. für deutsche Hochschulen untauglich sind. Abschließend ist festzuhalten, daß von dieser Seite bereits mit gewissem Erfolg versucht worden ist, die auf der garantierten Freiheit von Forschung und Lehre basierende Hochschulautonomie zu unterlaufen und durch permanent aufgezwungene Diskussionen und Dialogaktivitäten die Hochschulen zu einer Uniformität in den Studien-Strukturen zu drängen, die dem Europagedanken fremd und im ursprünglichen BolognaProzeß auch nicht vorgesehen ist. Bei dem Versuch einer strikten Umsetzung auf Studien- und Prüfungsordnungen zeigt es sich aber, daß diese Reformvorgaben vielfach den Maximen der wissenschaftlichen wie praxisorientierten

Ausbildung an Hochschulen entgegen- daß sich diese Kultusbürokratie weitgestehen. hend aus dem europäischen Einigungsprozeß der Hochschulen heraushält. Sie Andererseits ist es, wie erwähnt, aufsollte den beteiligten Universitäten und grund der Originaltexte des Bolognawissenschaftlichen Einrichtungen den Prozeßes keineswegs vorgeschrieben, Freiraum lassen, eigenständig funktidie Strukturen der Studiengänge euroonsfähige und dauerhafte Regelungen paweit sämtlich „uniform“ zu gestalten zur Vereinheitlichung des europäischen und die Abschlüsse entsprechend gleich Hochschulsystems zu schaffen. Diese zu benennen. Es spricht also nichts dadürften dann im wahren Sinne des Eurogegen, altbewährte Studiengänge mit pagedankens keine Uniformität widerihren Abschlüssen in ihren Grundstrukspiegeln. turen zu belassen. Daneben bleibt es freigestellt, dort, wo es sinnvoll er- Professor Dr. Hartmann Rüppel ist Vorscheint, Bachelor-Grade 9) einzuführen. standsmitglied der Sektion Berlin-BranWie zu vernehmen ist, kann man z. B. denburg des Bundes Freiheit der Wisbei Medizinern, Pharmazeuten, evtl. senschaft. auch bei Lehramtskandidaten und Juristen nicht auf das Staatsexamen ver1) Erklärung des Bundesministerium für Bildung, zichten 10). In jedem Fall aber wird es Forschung und Technologie zum Kommuniqué wichtig sein, gemäß der Bologna-De- der Konferenz der europäischen Hochschulminiklaration die Abschlüsse leicht „lesbar“ ster am 19. 9. 2003 in Berlin. zu machen, z. B. mit erklärenden Zeug2) z. B.: FAZ, 13. 10. 2004, S. 1, s.auch 4). niszusätzen zu versehen. Auch ist gegen die Einführung eines Bewertungssy- 3) z. B.: FAZ, 11. 11. 2004. stems mit Leistungspunkten generell wenig einzuwenden. Nur muß man sich 4) Erster, zumeist rigoroser inneruniversitärer Abim klaren sein, daß diese Punkte für den schluß im Studium von Naturwissenschaftlern Leser einer Stellenbewerbung (in Indu- und Ingenieuren an Universitäten bzw. Technischen Hochschulen, der die wissenschaftlichen strie, Hochschule oder Behörde) höch- Grundlagen für das Hauptstudium bestätigt. stens etwas über den Studienumfang, sehr wenig über das aktuelle Wissen 5) Andernfalls müßte man das Grundstudium über und rein gar nichts über das Können des Gebühr verlängern, was den zeitlichen Rahmenbedingungen für den Bachelorabschluß widerBewerbers aussagt. spräche So kann zusammenfassend folgendes herausgestellt werden: Es ist begrüßenswert, daß durch neue, kritische Veröffentlichungen in den Medien der Öffentlichkeit bekannt wird, wie weit die Richtlinien der deutschen Hochschulpolitik von den europäischen Vorgaben im Bologna-Prozeß abweichen. Es hat sich gezeigt, daß man durch flächendeckende Einführung der Bachelor/MasterStudiengänge allein keine wirkliche Vereinheitlichung und Vereinfachung im europäischen Rahmen erzielen kann. Ferner wird festgestellt, daß die deutschen Hochschulen durch die staatlichen Kultusverwaltungen unnötigen Strukturdiskussionen ausgesetzt werden. Daraus ergibt sich die Forderung,
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Die grundlegenden Dokumente zum BolognaProzeß von 1988, 1998, 1999 und 2001 sind abgedruckt in der Broschüre des Bundes Freiheit der Wissenschaft über das 33. Bildungspolitische Forum am 8. November 2002 in Berlin, erschienen im Februar 2003. Das Kommuniqué von 2003 ist in FdW Dezember 2003 abgedruckt.

7) Dr. H.J. Geisler hat auf diese Diskrepanz bereits im Heft Nr.4, Dezember 03 von FdW auf S.4 hingewiesen. 8) Prof. Dr. H. Schiedermair, Vortrag Köln 2003, publ. in: Berichtsheft des Bundes F.d.W., Okt. 2003. 9) Bei Vorbehalten gegenüber englischen Bezeichnungen könnten auch traditionelle Begriffe wie Baccalaureat und Magister verwendet werden. 10)

z. B.: SZ, 25. 10. 2004, „Gütesiegel-Bewahrung“.

Redaktion und Verlag wünschen allen Leserinnen und Lesern ein gutes neues Jahr 2005.
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„Das Ausland als Spiegel“ – Bologna an der HAN
Ein Interview mit Cees van Verseveld
bracht, um zu sehen, wie anderswo die rende. Das Personal besteht aus 45 MitarUmsetzung angefasst wird. beitern in unterschiedlicher Funktion. Davon sind 30 Lehrer. Insgesamt sind et3 Im Gespräch mit dem Leiter der HLO an 4 der HAN zeigt sich, wie in einem eu- wa 800 Angestellte am Nijmegener Teil ropäischen Ausland, nämlich Holland, der HAN beschäftigt. der Bologna-Prozeß „greift“. Zugleich sieht man, wie Fragen von Autonomie und Evaluation der Hochschulen diskutiert werden bzw. gelöst sind. Im folgenden Interview sagt Cees van Verseveld an einer Stelle, daß eine Wirkung des Bologna-Prozesses sei, daß man seine Arbeit stärker „im Ausland spiegelt“. fdw: Wie sieht der Arbeitsalltag der Studierenden aus? van Verseveld: Man kann sagen, daß die Studenten etwa 30 % ihrer Zeit an unserer Abteilung mit Praktika verbringen, etwa 40 % mit Lektionen in großen oder kleinen Gruppen. 30 % der Zeit verbringen sie mit Selbststudium, d.h. sie arbeiten in der Mediathek oder arbeiten für sich am Computer ihre Erkenntnisse auf etc. Dafür sind 25 Wochenstunden eingeplant, für die häusliche Arbeit im Schnitt 15 Wochenstunden, was eine Wochenarbeitszeit von 40 Stunden ergibt. Die häusliche Arbeitsbelastung kann naturgemäß schwanken, je nachdem wie einer mit Klausur- und Prüfungsvorbereitungen oder Referaten belastet ist, aber von 15 Wochenstunden im Durchschnitt auszugehen, ist realistisch. – Übrigens gibt es zum Studium in selbstgebildeten Arbeitsgruppen kleinere Räume, die die jeweilige Studierendengruppe sich für bestimmte Zeiten reservieren lassen kann, so daß sie dort ungestört arbeiten kann.7

Beim Blick in den Spiegel Niederlande fallen einige Ähnlichkeiten und Unterschiede ins Auge, die umso besser erkennbar sind, als es im tertiären Bereich Cees van Verseveld im fdw-Gespräch. des niederländischen Bildungssystems eiDer Bologna-Prozeß hat die Vereinheitli- ne der deutschen vergleichbare Hochchung des Europäischen Hochschulrau- schulstruktur gibt. mes zum Ziel 1. Diese Vereinheitlichung Man kann die HAN am ehesten mit deutist ihrerseits nur Mittel, um andere – für schen Fachhochschulen vergleichen. Sie Individuum und Gesellschaft bedeutende ist eine „University of applied sciences“. – Ziele zu erreichen. Wenn man diese in der Lauterkeit ihrer Geburtsstunde nach- Sie wird in der Regel von Absolventen 5 liest 2, so stellt sich die Frage, ob mit Ver- der Havo besucht, Schulabsolventen mit der Allgemeinen Hochschulreife besueinheitlichung und der Schaffung eines europäischen Hochschulraums wirklich chen eher die Universitäten. Die HAN hat die flächendeckende Einführung der fünf Fakultäten: Wirtschaft, Gesundheit, BA/MA-Studiengänge gemeint war oder Technik, Lehramt aller Schularten (in inob dies nicht nur die simpelste Umset- stitutioneller Verbindung mit der Univerzungsvariante ist, wie sie vor allem seit sität) sowie Informatik und Kom- fdw: In welchem Verhältnis stehen Forder Ministertagung in Berlin im Jahre munikation, die sich jeweils in vielen Stu- schung und Lehre? diengängen ausdifferenzieren. 2003 in Deutschland betrieben wird. van Verseveld: Der Lehrer unterrichtet Unvermeidlich stellt sich mit der organi- Das Gespräch mit Cees van Verseveld 27 Wochenstunden à 50 Minuten. Im Versatorischen Umstellung, der Umwid- führte Winfried Holzapfel. hältnis von Forschung und Lehre übermung der Abschlüsse und der Neuformuwiegt die Lehre mit ca. 95 Prozent. lierung der Studiengänge die Frage nach der Qualitätsentwicklung, wie im übrigen Gespräch mit Cees van Verseveld fdw: Welche Qualifikationen haben Ihre die offiziellen Kommuniques in schon fdw: Herr van Verseveld, Sie sind Leiter Lehrer? fast verdächtigem Übermaß ausweisen. der Abteilung Bioinformatik, Biologie van Verseveld: Die Lehrer brauchen eiBildungspolitiker jeder Provenienz, auch und medizinische und chemische Labor- nen Universitätsabschluß und mindestens Prominente mit fragwürdiger bildungs- technik an der Hochschule Arnhem und vier Jahre praktische Arbeitserfahrung. politischer Kompetenz haben ihre mehr Nijmegen. Ihre Abteilung hat in Nijmegen Sie haben dann ein Probejahr als Lehrenoder weniger differenzierten Vorstellun- einen gemeinsamen Campus mit der Uni- de, in dem sie auch eine Lehrerausbilgen von dem, was geschehen soll, vorge- versität. Die HAN hat insgesamt circa. dung im Umfang von 400 Stunden matragen oder vortragen dürfen. Sie berufen 21 000 Studierende, die auf zwei Regio- chen, um unterrichten zu können. sich dabei häufig auf Entwicklungen in nen, nämlich Arnhem und Nijmegen 6 veranderen Ländern Europas und stellen sie teilt sind. Wie viele Studierende und wie fdw: Haben Sie selbst neben Ihren Leials vorbildlich und deshalb nachahmens- viel Lehrpersonal gibt es in Nijmegen und tungsaufgaben noch Lehrverpflichtunwie groß ist insbesondere die Abteilung, gen? wert dar. die Sie leiten? van Verseveld: Ich unterrichte drei StunWenn die Vereinheitlichung des europäischen Hochschulraums ein erstrebens- van Verseveld: In Nijmegen sind etwa den in der Woche im Bereich Medizin, wertes Ziel ist, dann ist allerdings der 9000 Studierende der HAN. Meine Abtei- Pathologie. Meine ursprüngliche ProfesBlick über die nationalen Grenzen ange- lung, die HLO , hat zur Zeit 520 Studie- sion ist Arzt.

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„BOLOGNA EINFÜHREN HEISST Arbeitsmarkt für die Absolventen Einstel- van Verseveld: Mein Budget umfasst ca. lungsmöglichkeiten. Daran muß in den vier Millionen Euro. Davon zahlt der UMTAUFEN“ Niederlanden vor allem bei den „Bache- Staat 75 %. 25 % zahlt der Bürger. Der
fdw: Zum Bologna-Prozeß: Nach den Vereinbarungen der europäischen Wissenschaftsminister, die freilich keine völkerrechtliche Verbindlichkeit haben, soll sich bekanntlich eine Vereinheitlichung der Studiengänge in Europa entwickeln, und zwar relativ zügig ab dem Jahre 2005. Bis 2010 möchte man das ehrgeizige, in Deutschland aber nicht unumstrittene Projekt verwirklicht sehen. In welcher Weise ist Ihre Abteilung schon vom Bologna-Prozeß erfasst worden? lorabschlüssen“ an den Universitäten noch gearbeitet werden. An den Hochschulen, die Ihren Fachhochschulen entsprechen, ist das, wie gesagt ein geringeres Problem, da die alten Verwendbarkeiten ja weiter bestehen bleiben. Noch nicht beigelegt sind die Probleme bei der Berechtigung der Bachelorabschlüsse der Hochschulen zum Master an Universitäten. Es gibt da Angleichungsschwierigkeiten in der Wertigkeit von Bachelor- und Masterabschlüssen an Hochschulen und van Verseveld: Der Bologna-Prozeß wird Universitäten. im Management der HAN diskutiert. Die fdw: Inwiefern? Übernahme besteht bisher eigentlich im Umtaufen vorhandener Studiengänge. Die van Verseveld: Es sind die Studiengänge Begriffe Bachelor und Master sind über- für den Bachelorabschluß an Universität nommen worden. Die Studienlaufbahnen (drei Jahre) und Hochschule (vier Jahre) selbst sind beibehalten worden. Der Pro- nicht gleich lang. Der Lehrinhalt an den zeß ließ sich allerdings bei den Hochschu- Universitäten ist zudem theoretischer. len besser umsetzen als bei den Universitä- Zum kompletten „berufsfähigen“ Studiten. An den Universitäten gibt es für die enabschluß bedarf es an den Universitäten Bachelorabschlüsse „noch?“ keine Berufs- des Masters. Dabei wird der Masterstudibilder. An der HAN heißen die ehemaligen engang an den Universitäten vom Staat bezahlt. Der Masterabschluß an den Abschlüsse jetzt Bachelor. Hochschulen gilt als Fortbildung und muß „VERGLEICH MIT INTERNATIONA- von den Studierenden bezahlt werden. So ist immer nötig, auch nach der sogenannLER KONKURRENZ WIRD INTEN- ten Vereinheitlichung in der BegrifflichSIVER“ keit, genau zu hinzusehen, an welcher Infdw: Gibt es durch den Bologna-Prozeß stitution jemand seinen Bachelor oder erhebliche Veränderungen in Ihrem Insti- Master gemacht hat. Der einstellende Betrieb oder das einstellende Unternehmen tut bzw. zeichnen sich solche ab? muß wissen, ob dieser Abschluß zu seivan Verseveld: Fachinhaltlich nicht! nem Anforderungsprofil passt. Insofern ist Auch auf die Erweiterung sozialer und durch die gleichlautenden Abschlußtitel kommunikativer Fähigkeiten haben wir noch längst keine Gleichheit und nur eine schon unabhängig vom Bologna – Prozeß eingeschränkte Vergleichbarkeit gegeben. großen Wert gelegt. Dennoch: Durch den Bologna-Prozeß wird der Vergleich mit fdw: Wir könnten kurz über einige Eleder internationalen Konkurrenz intensi- mente sprechen, die in Deutschland seit ver. Wir versuchen die Unterschiede zu Jahren im Gespräch sind, aber gar nicht begreifen. Sind sie zu groß, versuchen wir oder nur mühsam verwirklicht werden. eine Homogenisierung. Wir spiegeln uns Dazu gehört die Frage der Studiengemeistens an England. Die Studiengänge bühren. Im Vergleich zum Studium in sollten aber nicht in ganz Europa einheit- Deutschland fällt auf, daß in den Niederlich werden. Jede Regio hat eine eigene landen die Studierenden Studiengebühren Kultur und eigene Bedürfnisse. Und in zahlen müssen. Wonach bemisst sich die diesen Regionen sind die Mittel- und Höhe der Gebühren? Können Sie als AbKleinbetriebe angesiedelt, die den Bache- teilungsleiter die Höhe der Gebühren festlor brauchen. So sollten regionale Akzente setzen? sein. Die Hauptsache ist aber doch: Wenn van Verseveld: Nein. Das ist nicht mögein Niederländer sich in Deutschland um lich. Die Höhe der Studiengebühren wird ein Amt oder eine Arbeit bewirbt, sollte staatlich festgesetzt. sie ihm nicht wegen eines ausländischen Diploms verweigert werden. Oder umge- fdw: Wie hoch ist überhaupt Ihr Budget, kehrt, natürlich. – Einen großen Unter- und aus welchen Mitteln setzt es sich zuschied erkennt man übrigens im Vergleich sammen? Schließlich reichen die Studienmit England: Der Bachelor in England ist gebühren doch nicht aus, um den Studienarbeitsfähig, soll heißen: Es gibt auf dem betrieb aufrecht zu erhalten. Bürger soll selbst für sein Studium aufkommen. Die Studiengebühren werden jedes Jahr ziemlich erhöht. Die Studierenden können nach Regeln eines Staatskontrakts mit den Banken Darlehen aufnehmen, die sie später zurückzahlen. Wenn die Eltern weniger verdienen, kann die Anleihe höher sein. Je nach Höhe des Einkommens ändern sich die Bank- und Staatsanteile. Auch die Rückzahlungsbedingungen sind andere. Studierende aus dem Ausland und Studenten ab 30 Jahren zahlen Gebühren, die het College van Bestuur 8 bestimmen kann. Ansonsten ist die Höhe der Gebühren vorgeschrieben. Aber in Holland ist jetzt die Rede davon, dass man auch da Flexibilität haben kann. Der Staat zahlt seinen Anteil auf Grund der Anzahl der Studenten. fdw: Wenn es nach Höhe der Studentenzahlen bzw. nach Anzahl der Abschlüsse geht, dann könnte doch ein verführerischer Gedanke sein, durch Senkung der Anforderungen, vor allem bei Abschlußprüfungen, die Studenten zu locken und so die Studentenzahlen in die Höhe zu treiben. van Verseveld: Die Qualität unserer Ausbildung wird regelmäßig intensiv geprüft, durch interne und externe Evaluationen. Falls sie sinkt, drohen sogar Sanktionen. Außerdem: Wenn ich wachse, bekomme ich Riesenprobleme. Denn: Die staatliche Finanzierung ist eine sogenannte T minus 2 – Finanzierung. Das heißt, die Finanzierung richtet sich nach dem Stand der Studentenzahlen von vor zwei Jahren. Der Staat zahlt nach maximal zwei Jahren. Dann haben die Studenten ein propädeutisches Jahr hinter sich, an dessen Ende entschieden und spürbar selektiert wird.9 fdw: Wie hoch sind die Studiengebühren, die der Bürger, also die Studierenden oder deren Eltern zahlen? van Verseveld: Sie betragen 1 476 Euro im Studienjahr 2004/2005. Sie sind übrigens in den letzten Jahren ständig gestiegen. Von vormals etwa 1 000 Gulden auf nunmehr umgerechnet etwa 3 000 Gulden im Jahr. fdw: Wie frei bzw. nach welchen Regeln können Sie über dieses Budget verfügen? Wem sind Sie Rechenschaft schuldig? van Verseveld: Im Prinzip kann ich frei über das Budget verfügen, jedoch haben wir viele Verpflichtungen, für die der größte Teil des Budgets aufgewendet wer-

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den muß. Der höchste Posten sind die Personalkosten. Es bleiben etwa 10 % zur freien Verfügung. Damit können wir auch versuchen, neue Studiengänge in unserer Abteilung einzurichten. So haben wir im Studienjahr 2002/2003 für etwa 400 000 Euro einen neuen Studiengang Bioinformatik eingerichtet. Im ersten Jahrgang waren es 14, im zweiten Jahrgang 22 Studierende. Im nächsten Jahrgang müssen es 24 und später 30 sein, sonst trägt er sich nicht mehr. Dann ist Bioinformatik wieder weg. fdw: Aber der Studiengang ist doch hochmodern und wichtig! van Verseveld: Wenn man es nicht bezahlen kann, macht man es nicht!

„WENN MAN ES NICHT BEZAHLEN KANN, MACHT MAN ES NICHT!“
fdw: Welche Finanzierungsquellen gibt es außer den Studiengebühren und den staatlichen Zuweisungen? Wie steht es beispielweise mit Sponsoring? van Verseveld: Wir werden nicht gesponsert. Aber wir haben eine Abteilung, die übrigens jede Fakultät hat, die Kontraktunterricht für Betriebe verkauft. So wird von uns beispielsweise ein Spezialkurs über Malaria in ganz Holland für 1 000 Euro pro teilnehmende Person verkauft. 24 Personen bringen also 24 000 Euro. Der Kurs kostet uns 16 000 Euro. Das ergibt einen Gewinn von 8 000 Euro. Mit diesen Kursen erwirtschaften wir fast 20 % von der totalen Umsatzsumme. Außerdem können wir Gebühren für Fortbildungskurse festsetzen. Die Masterkurse gelten als Fortbildungskurse. Der Staat zahlt sie ja, wie gesagt, nicht. Eine Ausbildung zum Master kann für den studierenden Kunden bis zu 15 000 Euro teuer sein. Die Höhe hängt von der Intensität der Ausbildung und dem gewünschten Beruf ab. Solche Kurse sind zahlreich an der HAN. Man kann sich vorstellen, daß der studierende Kunde hier auch eine qualitativ wertvolle Ausbildung verlangt. Die 14monatige Ausbildung, die ihn soviel kostet, muß auch etwas wert sein.

van Verseveld: Jedenfalls ist die Privatisierung effizient. Sie zahlt sich aus. Die Qualität steigt nicht notwendig, aber bleibt hoch. Die Niederlande haben jedenfalls für dasselbe Produkt 25 % eingespart. Der Staat kann das gesparte Geld anderswo einsetzen. Wie die Belastung durch Studiengebühren aufgefangen werden kann, durch Kreditaufnahmen bzw. Darlehensverträge, habe ich schon dargestellt. Im übrigen ist es Bestreben der HAN, 50 % des Umsatzes aus dem Markt zu holen. Eine größere Unabhängigkeit vom Staat wird angestrebt. Es gibt aus diesem Grunde auch Fortbildungsnetzwerke, „Spin off’s“, die Geld einbringen. Damit ist man in vielen Punkten flexibel, zum Beispiel beim Personaleinsatz. Die Unabhängigkeit vom Staat gewährleistet, dass man nicht viel fragen muß, sondern in eigener Verantwortung handeln kann. Allerdings muß sich das Produkt im Wettbewerb als gut erweisen. Meine Arbeit ist also output – finanziert. Ich habe Macht. Ich bin nicht hörig. Dafür wird allerdings am Ende abgerechnet – auf Qualität und Diplom. fdw: Fragt sich nur nach welchen Kriterien die Qualität des Produkts oder der Wert der Institutsleistungen festgestellt wird. Gibt es sozusagen systemimmanente Sensoren oder Regulierungsmechanismen oder externe Kontrollinstanzen, die darüber ein Urteil abgeben können?

hält, auf die Vergleichbarkeit in Europa zu achten und darauf sieht, dass die Untersuchungen auf den Dublin-Deskriptoren beruhen, die den internationalen Standard beschreiben. Akkreditieren heißt schließlich, daß die Abschlüsse in ganz Europa gültig sind.12 fdw: Können Sie schildern, wie eine solche Evaluation vonstatten geht? van Verseveld: Zwei Tage lang sind sechs Leute des Untersuchungsbüros im Hause. Sie beobachten die tägliche Arbeit in der Abteilung und sehen die Bücher ein. Sie überprüfen Projektentwicklungen und -abschlüsse. Sie überprüfen Anspruch und Wirklichkeit. Sie unterhalten sich mit Studierenden und Personal, aber auch mit ehemaligen Studenten und Leuten aus Betrieben, die unsere Absolventen eingestellt haben. fdw: Es werden also auch Urteile von „Abnehmern“ außerhalb der Hochschule eingeholt? van Verseveld: So ist es. Schließlich fassen sie alle Ergebnisse in Gutachten zusammen, für jeden Studiengang! Es ist eine Generalerfassung, die mit einer differenzierten Benotung abschließt. Diese Benotung ist übrigens jedermann zugänglich, so daß sich auch die Studierwilligen, die jetzt ein Studium beginnen wollen, über die Qualität der Hochschule und ihrer einzelnen Abteilungen, wie zum Beispiel der HLO, für die ich verantwortlich bin, informieren können. fdw: Welches sind die Konsequenzen aus einem guten oder schlechten Evaluationsergebnis? van Verseveld: Ein gutes Ergebnis ist imagefördernd, was unter Gesichtspunkten des Wettbewerbs wichtig ist. Es fördert auch die Motivation der Mitarbeiter. Das System an sich ist gut. Es zwingt zur systematischen Überprüfung der Fragen, wo wir sind, was wir wollen. Wir stellen uns Fragen, die wir sonst jahrelang nicht stellen. Die Konsequenzen aus schlechten Evaluationsergebnissen gehen bis zum Verbot, weiter Studenten einzuschreiben, wenn bestimmte Kriterien eindeutig nicht erfüllt sind. fdw: Gibt es Mahnungen oder Verwarnungen, bevor Konsequenzen gezogen werden? van Verseveld: Konsequenzen sollen schon nach einem Besuch gezogen werden, weil die Besuche rechtzeitig, d. h.

van Verseveld: Es gibt externe und interne Evaluation. Ich erwähnte es schon. In der internen Evalution folgen wir der Methode der EFQM 10 und geben uns selbst in einem umfassenden schriftlichen Bericht Rechenschaft über unsere Arbeit und schätzen diese ein. Extern gibt es die NVAO, die niederländische und flämische 11 Akkreditierungsorganisation. Sie ist vom Staat eingestellt, aber unabhängig. Der erste Prüfpunkt dieser Organisation ist unser eigener Bericht, der als zweiten Teil eine Beilage mit Verbesserungsvorschlägen enthalten muß. Wenn unser Büro den Rapport geschrieben hat, wird ein anerkanntes Besuchsbüro mit der Evaluation beauftragt. Dies macht einen Rapport und fällt ein Qualitätsurteil. Ein Format dafür hat die NVAO entfdw: In Deutschland wird gegen die Ein- wickelt. Die Evaluation ist also grenzüführung von Studiengebühren häufig das berschreitend mit Belgien und regieArgument gebracht, daß der Staat seine rungsunabhängig. Zuweisungen entsprechend kürzen würde fdw: Seit wann gibt es dieses Evaluatiund sich somit – jedenfalls ökonomisch – onsverfahren in den Niederlanden? kein Gewinn durch Studiengebühren ergebe, allenfalls eine Umverteilung zu La- van Verseveld: Seit etwa 10 Jahren. Seit sten Schwächerer. Wie sieht man das in dem Bolognaprozeß ist auch die Regierung beteiligt, insofern sie die NVAO anden Niederlanden?

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ein Dreivierteljahr vorher angekündigt werden, so dass man sich entsprechend hätte vorbereiten können. Wer das nicht konnte, kann etwas nicht.

freien Blick. Das qualifizierte Auge fdw: Meneer van Verseveld, dank u wel kann auch bei weniger Schriftlichkeit zu en tot ziens. einem sicheren Urteil kommen. Das ist doch das Entscheidende. 1

fdw: Gibt es für die Abteilungen, die evaluiert wurden, eine Beschwerdein- „DIE BÜROKRATISCHEN ELEMENTE stanz, wenn sie mit dem Ergebnis nicht MÜSSTEN ENTFERNT WERDEN!“ einverstanden sind? fdw: Auf den ersten Blick könnte man meivan Versveld: Man kann auf den Qua- nen, daß angesichts der Regelungsmechalitätsrapport reagieren. Ich habe es be- nismen, der finanziellen Belastung durch zahlt. Ich bin Kunde des Besuchsbüros. Studiengebühren und der Überprüfungen Freiheit und Freude im Studium zu kurz fdw: Sie haben es bezahlt? kämen. Es scheint aber anders zu sein; van Verseveld: Das Büro bekommt denn das Studium in den Niederlanden 30 000 Euro, auch die NVAO bekommt bekommt von deutschen Studierenden Geld. Eine Evaluation kostet die Abtei- gute Kritiken. Woran kann das liegen? lung gute 100 000 Euro, wenn man bevan Verseveld: Aufgrund des Überprüdenkt, daß ja auch der interne Rapport fungswesens sind wir gut imstande zu sadurch Überstunden etc. bezahlt werden gen, wofür wir stehen und was wir wolmuß. Dafür kann man am Ende auch etlen. Wir stellen immer zuerst die Frage: was verlangen, ein aussagekräftiges ErWas will der Student von uns? Der Stugebnis. Übrigens auch ein hilfreiches dent kann uns auch sagen, was überflüsErgebnis; denn wir wollen uns ja verbessern, selbst wenn wir schon gut sind. sig ist. Das fragen wir ihn und uns auch selbst. Vielleicht kann man sagen, dass fdw: Sie haben nun schon einige Male die Unterrichtskonzepte in Holland eteine Evaluation Ihres Instituts erlebt, was studentenorientierter sind. Die Gezuletzt im Juni dieses Jahres – wodurch bührenfrage ist wohl nicht so erheblich, ist eigentlich die Qualität der Kontrol- weil die deutschen Studenten die Geleure gesichert? bühren zurückerhalten, weil ihr Studium van Verseveld: Wie gesagt: Die Arbeit in Deutschland gebührenfrei wäre. Wir wird durch uns selbst kontrolliert. Sie haben moderne Gebäude, die sicher auch wird aber auch durch die übergeordnete attraktiv sind, gerade auch in Nijmegen. Akkreditierungsorganisation kontrolliert. Vielleicht spielt auch die Frage des UmEs gibt eine Balance der Fachleute, die gangs miteinander eine Rolle. Ich will mit der Evaluation befaßt sind, und damit mir nicht anmaßen, etwas über Deutscheine gut abgesicherte Qualitätskontrolle. land zu sagen, ich kann nur sagen, im Damit ist andererseits auch ausgeschlos- Verhältnis von Lehrer und Student wird sen, dass es ein Gefälligkeitsgutachten alles ausgesprochen. Die Distanz bleibt gibt. Die Ergebnisse werden ja auch öf- aber gewahrt. Es gibt ein Vertrauensfentlich gemacht. Sie können dann mit band. Auch praktische Gründe spielen sianderen Erhebungen verglichen werden. cher eine Rolle. Für manche StudiengänSo gibt es in Holland einen sehr einflus- ge sind vielleicht die Wartezeiten gerinsreichen „Keuze Gids“ 13, der jährlich öf- ger. Die regionale Nähe macht sicher fentlich alle Ausbildungen rankt, auf der auch Attraktivität aus. So kommt man am Basis von 150 Studentenbefragungen je Niederrhein gern nach Venlo, Nijmegen Ausbildung , die Ihr Urteil auf einer Be- oder Arnhem. Weiter nördlich gehen niewertungsskala von 0 bis 10 fällen können. derländische Studierende gern an die Universität Münster. Es ist also ein Ausfdw: Das System ist also akzeptiert? tausch da. Der Grenzverkehr ist nicht nur van Verseveld: Keine Frage. Wir stellen in eine Richtung. Sie sehen ich suche uns Fragen, die wir sonst vergessen nach Antworten. Mein Blick auf das würden. Wir erhalten Anregungen. Al- deutsche System ist aber nicht so scharf. lerdings ist das Verfahren teuer, wenn fdw: In Deutschland bemühen sich in alle sechs Jahre 100 000 Euro aus dem letzter Zeit einige Universitäten eine AlBudget dafür aufgebracht werden müs- umnikultur zu entwickeln. Wie steht es sen. Außerdem müssten die bürokrati- damit in den Niederlanden? schen Elemente entfernt werden. Die Schriftlichkeit sollte unbedingt redu- van Verseveld: Eine Alumnikultur ist ziert werden. Es gibt nach einer Evalua- bisher an Hochschulen sehr wenig enttion wahre Aktenberge. Sechs Leute wickelt, in den letzten Jahren an den kommen zur Inspektion und haben den Universitäten etwas stärker.

Die fdw berichtete ausführlich. Siehe z. B. die Dokumentation in Heft 4/2003. – Siehe auch die vom BFW herausgegebenen Broschüren „Wettbewerb und Profilbildung. Zur Struktur der deutschen Hochschullandschaft“ (Berlin 2002) und Schiedermair, H.: Was kommt auf die Universitäten zu? Folgen des Bolognaprozesses für die deutschen Hochschulen“ (Berlin 2003).
2

In der Magna Charta Universitatum der Universitätspräsidenten von 1988 oder der Bologna-Deklaration von 1999 der Ministerinnen und Minister aus den 29 Signaturstaaten.

3

Hogere Laboratorium Opleidingen (Höhere Laborausbildungen).

4 HAN ist die populäre Abkürzung für Hochschule Arnhem und Nijmegen. 5 HAVO (Hooger Algemeen Voortgezet Onderwijs) dauert fünf Jahre und wird abgeschlossen mit einem „Diploma“ (Abschluß), das zum Studium an einer Fachhochschule berechtigt. – Im Vergleich dazu dauert VWO (Voorbereitend Wetenschappelijk Onderwijs) sechs Jahre und wird mit der Allgemeinen Hochschulreife abgeschlossen. Die Absolventen von HAVO machen ihren Abschluß mit 17 Jahren. 6

Das nördlicher gelegene Arnheim ist etwa 25 km von Nimwegen entfernt. Nimwegen befindet sich nahe der deutschen Grenze bei Kleve am Niederrhein.

7 Dabei handelt es sich um freundliche, mit Bestuhlung und Tischen ausgestattete, vom allgemeinen Verkehr abgeschottete Räume, die Glastüren haben, so daß eine arbeitende Gruppe nicht aus Versehen gestört werden kann. Diese Einrichtungen gibt es in der HAN genauso wie in der Universität. 8

Das „College van Bestuur“ ist das höchste Hochschulgremium.

9 Beispielrechnung: Studienjahr 2002 500 Studierende, nach Selektion im Studienjahr 2003 450 Studierende – 450 Studierende sind die Basis, auf der der Staat seinen Anteil für das Studienjahr 2005 zahlt. (T minus 2 – Finanzierung) 10

European Foundation of Quality Management. In Niederländisch: vlaamse; daher NVAO.

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Bezug: Im Jahre 2001 wurde die Joint Quality Agency gegründet. Sie ist ein Zusammenschluss von elf Ländern (nationale Qualitätssicherungsagenturen sowie Vertreter der Bildungsministerien). Ziel dieses Netzwerkes ist es, für Bachelor -, Master – und Doktorierungsabschlüsse generische Qualifikationsdeskriptoren zu erarbeiten, die europaweit Gültigkeit haben sollen. Als wichtiges Resultat der Arbeit des Netzwerkes wurden im Jahr 2002 die sogenannten Dublin – Deskriptoren verabschiedet. Dieses Dokument regelt fachübergreifend diejenigen Kompetenzen, die ein Kandidat mit einem Bachelor- oder einem Masterabschluss erreichen soll, und zeigt auf, wie sich Bachelor- und Masterlevel voneinander unterscheiden. Für alle Hochschulen sowie für die Akkreditierungsagenturen sind diese Dublin – Deskriptoren eine wichtige Orientierungshilfe.

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KEUZE GIDS HOGER ONDERWIJS, Kwaliteitstest von Universiteiten en Hogscholen; erscheint jährlich nach Ablauf eines Studienjahres.

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Das niederländische Inspektionsmodell
Fré Weerts sprach in Berlin
Einleitung Am 26. November 2004 sprach Fré Weerts beim Bund Freiheit der Wissenschaft zum Thema: „Qualität in den Schulen – Kann die niederländische Schulaufsicht ein Modell für Deutschland sein?“. Der Vortrag fand großes Interesse. Es wurde auch deutlich, daß die niederländische Schulaufsicht in einige deutsche Bundesländer hinein wirkt. Dazu gehören schon seit einiger Zeit Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Sie werden Elemente der niederländischen Schulaufsicht in ihre Gesetze übernehmen. In Niedersachsen scheint die Übernahme am weitesten fortgeschritten zu sein, wie sich an der Plazierung des folgenden Beitrags auch in der niedersächsischen Zeitschrift „SchulVerwaltung“ zeigt. Inzwischen ist man aber auch in Sachsen und Sachsen-Anhalt aufmerksam geworden und hat Informationsrunden mit niederländischen Schul- und Inspektionsexperten gehabt. Die Entwicklung scheint unumkehrbar. Da die Niederländer ein ähnlich gegliedertes Schulsystem haben wie die deutschen Länder und bei PISA II gut abgeschnitten haben, kann nicht falsch sein, sich gute Anregungen beim westeuropäischen Nachbarn zu holen. (Es muß nicht immer Finnland sein.). Die Niederländer haben offensichtlich mit ihrem Überprüfungssystem gute Erfahrungen gemacht. Da den Schülern in Deutschland – wie Andreas Schleicher feststellte – nicht das in- Fré Weerts tellektuelle Potenzial fehlt, fehlt vielleicht nur die richtige Überprüfungsweise. Da die NL-Überprüfungsweise kein persönliches Abstrafen bezweckt und keine Beratungsdiktatur ist, sondern nur Feststellungen hervorbringt, mit denen sich die gecheckten Institutionen auseinandersetzen sollen, zugleich aber auch eine Qualitätseinschätzung transparent macht, bedeutet sie eine Herausforderung zur Verbesserung und motiviert auch dazu. An Systembewertungen dieser Art muß man sich in Deutschland noch gewöhnen. Dann werden sie Früchte tragen. Es muß eine breit akzeptierte Kontrollkultur geschaffen werden, auf deren Ergebnissen sich Verbesserungen aufbauen lassen. Fre Weerts hat mit seinem Vortrag die Teilnehmer der Veranstaltung am 26. November 2004 umfassend mit der niederländischen Praxis vertraut gemacht. Fré Weerts hat den Vortrag, wie man sagt, „Power Point gestützt“ gehalten und im übrigen sehr frei gesprochen, auch weil er unmittelbar auf Fragen aus der Zuhörerschaft eingegangen ist. Um unseren Lesern einen zusammenhängenden Eindruck zu geben, drucken wir seinen für „SchulVerwaltung“ vorgesehen Aufsatz ab, der in Teilen – aber nicht im Wesentlichen – leichte Abweichungen von seinem Vortrag aufweist:

Für das niederländische Schulwesen sind zwei Merkmale kennzeichnend. Einerseits gibt es die grundsätzlich festgeschriebene Unterrichtsfreiheit, andererseits die relativ große und im Laufe der letzten Jahrzehnte immer größer gewordene Eigenverantwortung von Schulen. Die Unterrichtsfreiheit beinhaltet, daßalle Bürger der Niederlande – unter Berücksichtigung bestimmter gesetzlicher Vorgaben – das Recht haben, auf der Grundlage ihrer Religion, ihrer Weltanschauung oder bestimmter pädagogisch-didaktischer Konzepte staatlich finanzierte beziehungsweise subventionierte Schulen zu gründen und einzurichten. Damit zusammenhängend gibt es in den Niederlanden freie Schulwahl für Eltern und Schülerinnen und Schüler. Der zweite Pfeiler des niederländischen Unterrichtssystems ist die Eigenverantwortung von Schulen. Die niederländische Regierung verfolgt seit Jahren eine

nen Organisation, in der Profilierung, mehr Varianz gibt. Es ist klar, daß mit der Freiheit zu gleicher Zeit Managementkompetenzen seitens der Schulleitung bedingt sind: die Schulleitung muß die eigene Schule kreativ, inventiv und mit Vision gestalten. Eine ihrer wichtigsten Aufgaben wird „strategisches Management“. Damit hat sich die Rolle der Schulleitung wesentlich geändert: Schulleiter ist neben dem Lehrerberuf eine eigenständige Profession geworihr pädagogisches, didaktisches und den. organisatorisches Profil, Das System bietet Schulen viel Freiden Schul- und Unterrichtsplan und raum. Mit der Selbstverantwortung sind die Interpretation von Kernzielen und naturgemäß und unverbrüchlich RePrüfungsprogrammen, chenschaftslegung (accountability) und die Verteilung von Lehrern über Klas- Evaluation verbunden. Der subventionierende Staat und die Öffentlichkeit sen oder Gruppen und haben selbstverständlich ein Anrecht die Verwendung der finanziellen Mittel. auf eine Verantwortung seitens der Folge der schulischen Autonomie ist, Schulen über die Art und Weise wie sie daß es zwischen den Schulen in der mit den öffentlichen Mitteln und mit ihSchulkultur, im Klima und in der inter- rer Freiheit umgegangen sind.

Politik der Deregulierung und Erweiterung dieser Eigenverantwortung unter der Annahme, daß selbstverantwortliche Schulen besser funktionieren als zentral gesteuerte. Diese Autonomie bedeutet für Schulen, daß sie innerhalb der allgemeinen gesetzlichen Bedingungen frei sind, in vielen Bereichen ihre eigenen Entscheidungen zu treffen. So kann die Schule in hohem Maße selbst entscheiden über

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In diesem Zusammenhang gibt es Verpflichtungen ex ante und ex post. Ex ante legt die Schule ihre Vorhaben fest in dem Schulprogramm (schoolplan). In diesem Schulprogramm beschreibt die Schule, was für eine Schule sie sein will, wie sie arbeitet, welche Ergebnisse erzielt werden, wie diese Ergebnisse evaluiert werden und was die Schule tun will, wenn die Ergebnisse nicht der Planung entsprechen. Außerdem muss darin festgelegt werden, wie das Qualitätsmanagement in Bezug auf Unterricht, Personal und Materialien gestaltet wird . Des Weiteren werden jährlich in einer öffentlichen Schulbroschüre die wichtigsten Vorhaben und Ereignisse, darunter die Ergebnisse der letzten Jahre, für Eltern, Schüler und andere Interessenten dargestellt. Fré Weerts beim Vortrag in Berlin am 26. 11. 2004 Ex post verantwortet die Schule sich unter anderem durch Jahresberichte. Nur der finanzielle Jahresbericht ist bisher verpflichtend und hinsichtlich der Form en détail vorgeschrieben. Komplementär zum Schulprogramm schreiben immer mehr Schulen im Rahmen der Rechenschaftslegung, manchmal von ihrem Schulträger dazu aufgefordert, auch einen unterrichtsinhaltlichen Jahresbericht. Zur strategischen Managementaufgabe der Schule gehört auch die Gestaltung des zyklischen Prozesses der Qualitätsverbesserung nach dem bekannten „Deming wheel“ Plan – Do – Check – Act, planen – ausführen – evaluieren – festlegen/sichern. So ist interne Evaluation natürlicherweise Teil des Qualitätsmanagements. Sie dient der regelmäßigen Überwachung der schulischen Qualität und kann gegebenenfalls auch gebraucht werden für die externe Rechenschaftslegung. Und damit sind wir bei der Inspektion angelangt. Der Staat hat zugleich mit dem Prozess der Verleihung größerer Autonomie an Schulen dem Inspektorat die Aufgabe der externen Evaluation der schulischen Qualität auferlegt. Das ist eine ihrer Hauptaufgaben. Dazu werden Schulen systematisch besucht, wird ihre Qualität gemessen und darüber öffentlich berichtet. In diesem Artikel werde ich vor dem Hintergrund der oben skizzierten Lage die Rolle und Funktion der Inspectie van het Onderwijs näher erörtern. In Abschnitt 1 werden die Aufgaben der Schulinspektion kurz dargestellt. In Abschnitt 2 wird das Verfahren beim Schulbesuch beschrieben, so wie das bei
Aufmerksames Auditorium (Ausschnitt)

(u. a. den Schulen selbst) zugewiesen. Als ein paar Beispiele von vielen nenne ich die Verantwortlichkeit für die Verbesserung von Unterrichtsprogrammen, Mitarbeit an der Vorbereitung und Entwicklung neuer Unterrichtsgesetze und nationaler Systemveränderungen im Unterrichtswesen, die Entwicklung von zen(1) Rolle und Funktion der nie- tralen Prüfungsprogrammen und -aufgaben, Fortbildung von Schulleitern und derländischen Inspectie Lehrkräften, Mitverantwortung für die Aufgaben Ernennung neuer Schulleiterinnen und Die niederländische Inspectie van het On- Schulleiter an öffentlichen Schulen, Beraderwijs entstand 1801. Zu den Finanzie- tung und Unterstützung von Schulen. rungsbedingungen jeder Schule, ob öf- Bis vor einigen Jahren waren Zielsetzunfentlich oder privat, gehört seitdem der gen und Aufgaben der Schulinspektion Zugang der Schulinspektion nicht nur zu in den verschiedenen Unterrichtsgesetallen Räumlichkeiten, sondern auch zu zen pro Schulform geregelt. Jetzt konallen Daten der Schule. Im Laufe der ver- zentriert sich die Schulinspektion auf gangenen zwei Jahrhunderte hat sich das die Hauptaufgaben Kontrolle und BeAufgabenfeld der Schulinspektion des wertung mit folgenden Kernaufgaben: Öfteren verändert. In den letzten JahrQualitätsbeurteilung von Schulen und zehnten wurden als Folge vieler komplides Schulsystems, zierter Entwicklungen im Bereich der Unterrichtspolitik und -philosophie allerBerichte über die systemische Quahand Aufgaben, die als uneigentlich belität von Schulen sowohl auf Mesowie auf Makro-Niveau und trachtet wurden, anderen Institutionen der so genannten Bestandsaufnahme, die als Nullmessung zu verstehen ist, in den Jahren 1998–2002 stattfand. In Abschnitt 3 stelle ich die aktuelle Inspektionsarbeit vor. Abschließend wage ich in Abschnitt 4 einen Blick in die Zukunft.

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• Stimulieren
rung.

von Qualitätsverbesse-

Neues Schulaufsichtsgesetz (WOT-Gesetz) Im Jahre 2002 wurde in einem neuen Schulaufsichtsgesetz die Position der Inspectie van het Onderwijs festgeschrieben. Es ist interessant wie die Regierung sich in dem Promemoria über das Thema Qualitätsverantwortung äußert: „Ausgangspunkt ist, daß die Schulen die Qualität des eigenen Unterrichts überwachen und verbessern und darüber Verantwortung ablegen, sowohl gegenüber der direkten Umgebung (den Abnehmern des Unterrichts) als auch der Gesellschaft in breiterem Sinne. Für beide Kategorien ist es wichtig, daß klare Informationen über die realisierte Unterrichtsqualität zur Verfügung stehen. Dies gilt für die Unterrichtsqualität im Allgemeinen und in zunehmendem Maß für die Unterrichtsqualität an der individuellen Schule. Damit werden genügend zuverlässige Informationen über die verschiedenen Qualitätsaspekte der Einzelschule zur Verfügung stehen, um so dem ständig wachsenden Bedarf der Bürger entgegenzukommen, eine wohlüberlegte Wahl für eine bestimmte Schule treffen zu können. Darüber hinaus ermöglicht es den Bürgern, von einer Schule Verantwortung zu verlangen über die realisierte Qualität in Bezug auf den eigenen Bedarf.“ Deutlich ist, daß die Schulen selbst verantwortlich sind für ihre Qualität. Durch den großen Freiraum entsteht eine Diversität im Unterrichtsangebot, und das ist gewollt und gut. Zu gleicher Zeit ist es notwendig, eine gewisse Einheitlichkeit und Mindestqualität zu gewährleisten. Das ist Aufgabe und Verantwortung des Staates. Dabei spielt die Schulinspektion eine wichtige Rolle. Sie muß die Entwicklung der Unterrichtsqualität fördern, indem sie das selbstregulierende Vermögen der Schulen stimuliert. Das geschieht unter anderem dadurch, daß sie die Selbstevaluation der Schule als bedeutenden Ausgangspunkt für die externe Evaluation aufgreift: die so genannte proportionelle Aufsicht. Das heißt, daß die Selbstevaluation der Schule, falls es sie gibt und sie aktuell und zuverlässig ist, maßgeblich die vom Inspektorat durchzuführende externe Evaluation beeinflusst: je qualitativ besser die Selbstevaluation

Diskussion beim Vortrag in Berlin: Fré Weerts und Dr. Holzapfel

ist, desto bescheidener wird die externe Evaluation durchgeführt. Dieses Proportionalitätsprinzip bezieht sich nebst der Intensität des Besuches auch auf die Frequenz der Inspektionsbesuche: die Inspectie van het Onderwijs konzentriert sich in ihrer Arbeit auf die Schulen, die Inspektion am meisten benötigen. Die Schulinspektion kontrolliert auch, ob und wie gut Schulen die gesetzlichen Regelungen umsetzen. Falls notwendig kann die Schule verwarnt werden und es kommt (wenn auch selten) vor, daß das Inspektorat das Ministerium berät, andere Maßnahmen vorzunehmen, z. B. eine Kürzung der Mittel.

wortungslegung über die Unterrichtsqualität als Komplement der vergrößerten Autonomie der Schulen.“ Den Protokollen der 2. Kammer ist zu entnehmen, daß der Gesetzgeber sich der Risiken dieser Festlegung sehr bewußt war: „Hierbei darf man nicht aus dem Auge verlieren, daß diese Öffentlichkeit – wenn es um negative Qualitätsurteile geht – nachteilige Folgen für Schulen mit sich bringen kann … Aus diesem Grunde gibt es die notwendigen Vorsichtsmaßnahmen. Wenn ein negatives Urteil zu erwarten ist, bekommt die Schule einen gewissen Zeitraum, um Verbesserungen herbeizuführen. Danach gibt es eine so genannte „nähere Untersuchung“ seitens der Inspectie van het Onderwijs. Darüber hinaus bekommt der Schulträger die Gelegenheit, auf die Befunde der Inspektion zu reagieren. Erst nach dieser Prozedur wird der Bericht festgestellt und veröffentlicht. In einer Anlage zum Bericht kann der Schulträger, wenn er eine abweichende Meinung hat, diese mit veröffentlichen lassen.“

Es ist wichtig, darauf hinzuweisen, daß es bei Inspektionen nie darum geht, Einzelpersonen zu beurteilen. Das ist nicht die Aufgabe des Inspektorats, sondern des Schulmanagements. Der Inspektor beobachtet selbstverständlich bei seinen Klassenhospitationen Lehrerinnen und Lehrer bei der Arbeit, beurteilt dabei die Qualität der besuchten Stunden und gebraucht die so zustande gekommenen Urteile als Basis für ein Gesamturteil über die Qualität des primären Prozesses der Schule auf Systemebene. Die Schulberichte werden im Internet veröffentlicht, so daß die Einsicht in die Berichte und ein etwaiger Vergleich unDer Öffentlichkeitscharakter der terschiedlicher Schulen oder Berichte Schulberichte einer Schule aus verschiedenen Jahren In dem WOT-Gesetz wird die Öffent- leicht möglich sind. lichkeit der Inspektionsberichte als eine Häufig veröffentlicht die Schule den Selbstverständlichkeit gesehen: Schulbericht oder Teile daraus selbst, „Es ist äußerst wichtig, daß die Inspec- wobei sie etwaige Konsequenzen, meitie van het Onderwijs ihre Urteile aktiv stens in der Form von geplanten Maßin die Öffentlichkeit bringt. Dies passt nahmen zur Qualitätsverbesserung, hinin den Rahmen der öffentlichen Verant- zufügt.

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Ungenügende Qualität Aufgrund der Nullmessung (Bestandsaufnahme 1998–2002) kann man feststellen, daß die Qualität der niederländischen Schulen in ungefähr 97 % aller Fälle als genügend, gut, sehr gut oder ausgezeichnet beurteilt wird. Das heißt, daß die Qualität in 3 % der Schulen mangelhaft ist, mit anderen Worten unter dem erforderlichen Minimumniveau liegt. In diesen Fällen informiert die Schulinspektion – nachdem alle Phasen der Untersuchung durchlaufen wurden und das negative Urteil eindeutig feststeht (es handelt sich dann um sehr ernsthafte Unvollkommenheiten von langer Dauer) – die Ministerin. Es muß sich zuvor herausgestellt haben, daß die Schule nicht imstande ist, aus eigener Kraft oder mit normaler externer Unterstützung die erforderliche Qualitätsverbesserung herbeizuführen. Die Ministerin trifft in solchen Fällen die Entscheidung über maßgeschneiderte Maßnahmen, die zu den notwendigen Verbesserungen führen müssen. Die Beendigung der Finanzierung der Schule, was praktisch die Schließung der Schule bedeutet, stellt dabei die ultima ratio dar. Der Einsatz dieses letzten Mittels setzt übrigens juristisch voraus, daß die Schule sich nicht an die gesetzlichen Vorschriften hält; in allen anderen Fällen wird die Ministerin, im Einvernehmen mit dem Schulträger, „stimulierende Maßnahmen“ treffen. Dabei ist zu denken an zeitweiliges extra Personal, extra Lehrmittel, oder auch das Bereitstellen eines Interimmanagers. Verteilung der Verantwortlichkeiten Die Inspectie van het Onderwijs funktioniert als eine professionell möglichst unabhängige Organisation, aber die Ministerin ist dem Parlament gegenüber endverantwortlich auch für das Handeln der Schulinspektion. Das heißt, daß die Ministerin formell auch Weisungsrecht hat. Man hält die Unabhängigkeit des Inspektions-Urteils jedoch für äußerst wichtig. Deshalb verhält sich die Ministerin der Schulinspektion gegenüber sehr zurückhaltend. Vom Weisungsrecht macht sie nur einen sehr sparsamen Gebrauch. So wird zum Beispiel der jährliche Bildungsbericht (Onderwijsverslag), in dem die Schulinspektion ihre Analysen, Auffassungen und Urteile in Bezug auf die

Qualität des niederländischen Unterrichtswesens beschreibt, unverändert vom Ministerium an das Parlament weitergeleitet. Dieser Bericht ist jährlich Anlaß für eine ausführliche Besprechung der Leitung der Inspectie van het Onderwijs mit der Ministerin und danach – in Abwesenheit der Ministerin – mit dem Parlament. In der Presse bekommt dieser Bericht jährlich gebührende Aufmerksamkeit.

Inspektion nach niederländischem Modell entschieden hatte, grundsätzlich überarbeitet zu einem für den niedersächsischen Kontext zugeschnittenen Instrument, zum Gebrauch für externe Evaluation von Schulen durch die neu zu gestaltende Inspektionsorganisation. Nachfolgend wird das niederländische RST-Instrument und dessen Gebrauch kurz beschrieben: Es werden vier Qualitätsdomänen unterschieden, zu denen 13 Qualitätsmerkmale gehören, die in insgesamt 81 Indikatoren heruntergebrochen sind. Die vier Domänen sind: 1. Ergebnisse (die beurteilt werden anhand der Daten der Qualitätskarte. Dabei handelt es sich zum Beispiel um Wiederholerquoten, Prozentsatz der Schüler der Klasse 7 die ohne Wiederholung den Abschluss der Klasse 10 erreichten, Wechsel der Schulform, erreichte Abschlüsse, Übergänge, Seiteneinsteiger, Fachliche Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler) 2. der Prozess von Lehren und Lernen (wozu die Qualitätsmerkmale 2 bis 6 gerechnet werden: Angebot, Lernzeit, pädagogisches Handeln, methodischdidaktisches Vorgehen, aktives Lernen) 3. die Schülerbegleitung und -betreuung (wozu die Qualitätsmerkmale 7 und 8 gehören: Betreuung Schullaufbahn, Betreuung von Problemschülern) 4. das Management (wozu die Qualitätsmerkmale 9 bis 13 gerechnet werden: Qualitätssicherung, Schulung und Teamentwicklung, Einsatz von Mitteln, Schulklima, Externe Kontakte) Beim Schulbesuch werden nach gründlicher Vorbereitung im Büro in einem systematischen Verfahren durch Klassenbesuche, Gespräche mit der Schulleitung und mit Vertretungen des Kollegiums, der Schülerinnen und Schüler und der Eltern die relevanten Qualitätsaspekte bewertet. Die Bewertungen der Indikatoren führen anhand der im Instrument festgelegten Normierung zu Urteilen per Qualitätsmerkmal. Die Liste der insgesamt 13 Urteile bildet das so genannte Qualitätsprofil der Schule. Ein ausgefülltes Qualitätsprofil sieht dann folgendermaßen aus: (siehe Tabelle 1)

(2) Systematische Schulbesuche
Jede Schule wird einmal in vier Jahren systematisch besucht und unter einer Reihe von Qualitätsaspekten bewertet. Anhand eines detaillierten Instrumentariums werden alle wichtigen Qualitätsaspekte beurteilt. Dies wurde zuerst gehandhabt bei der so genannten Bestandsaufnahme der niederländischen Schulen in der Form des Regulier School Toezicht (RST), die in den Jahren 1998–2002 stattfand. Das RST-Instrumentarium wurde in einem sehr sorgfältig verlaufenen Procedere von anderthalb Jahren entwickelt, wobei alle Interessenten aus dem Umfeld mitreden konnten. Die Basis für das Instrumentarium, das durch die Schulinspektion ausgearbeitet wurde, bildet der so genannte Aufsichtsrahmen, ein von der Ministerin nach parlamentarischer Diskussion festgelegtes Grundsatzpapier. Dieser Aufsichtsrahmen ist das Ergebnis eines Prozesses, in dem die Schulinspektion zusammen mit allen stakeholders (Schulmanagement, Lehrer, Gewerkschaften, Schüler, Eltern, Vertreter aus Wissenschaft und Politik) einen Konsens angestrebt hat über die Qualitätsaspekte und die dazugehörigen Indikatoren – und damit über den Inhalt der Inspektion. Dieser Entwicklungsprozess, der viel Zeit und Energie kostete, gewährleistet die unverzichtbare breite Tragfläche für den Ablauf der Beurteilung von Qualität der Schulen. Das RST-Instrument ist in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen ziemlich bekannt. Es wurde im Rahmen der Kooperationsprojekte „Beurteilung schulischer Qualität“, die die Inspectie van het Onderwijs zusammen mit den Kultusministerien und den Schulaufsichtsbehörden dieser beiden Bundesländer durchführte, ins Deutsche übersetzt und in einer Reihe von niedersächsischen und nordrhein-westfälischen Schulen angewandt. Inzwischen hat man es in Niedersachsen, nachdem dieses Bundesland sich für die Einführung einer

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Anhand des Qualitätsprofils koppelt das Inspektionsteam die Erkenntnisse und Ergebnisse des Schulbesuches am Ende des Besuches mündlich zurück. Später folgt der schriftliche Bericht, der auch im Internet veröffentlicht wird (http://www.onderwijsinspectie.nl).

kann man feststellen, daß der Umgang mit der „proportionellen Aufsicht“ eine Herausforderung ist – sowohl für die Schulen wie auch für die Inspectie van het Onderwijs. Viele Schulen müssen die Qualität ihrer Selbstevaluation noch sehr verbessern. Die Schulinspektion

arbeitet zurzeit an weiteren Anpassungen ihrer Arbeitsweise, so daß man der Diversität der Schulen noch besser gerecht werden kann. So sind innerhalb des Modells für den PKO-Besuch (periodische Inspektion) zwei Differenzierungsmodelle entwickelt worden: ein

Die Veröffentlichung der Berichte be- Tabelle 1 deutet für die Schulen einen extra Reiz aktiv zu werden, zu reagieren. Sie führt Das Qualitätsprofil der Schule zu Dialogen über die festgestellte Qua- Qualitätsmerkmale lität.

Bewertungen
1 2 3 4

(3) Die aktuelle Inspektionsarbeit in den Niederlanden
Nach der oben beschriebenen Bestandsaufnahme der Jahre 1998–2002 verlaufen die heutigen Schulbesuche nach dem neuen Aufsichtsgesetz (WOT-Gesetz), also nach dem Prinzip der Proportionalität. Frequenz und Intensität sind abhängig von der Qualität der Selbstevaluation und dem bei der Bestandsaufnahme festgestellten Qualitätsprofil. In einem zyklischen Prozeß wird in einem Turnus von maximal vier Jahren in jeder Schule eine periodische Schulinspektion (PKO = periodiek kwaliteitsonderzoek) durchgeführt. Zielsetzungen dabei sind:

Domäne Ergebnisse 1.1 Die Schüler haben nach zwei Jahren die Position, die der Primarschulempfehlung entspricht. 1.2 Die Schüler durchlaufen die Schule ohne große Verzögerung. 1.3 Die Schüler erreichen die Abschlußprüfungsergebnisse, die von ihnen erwartet werden können. Domäne Unterrichts-/Lernprozess 2 Die Schule bietet die Kernziele und die Prüfungsprogramme im Zusammenhang und in ausreichendem Maße an. Die Schule bietet Schülern genügend Zeit, sich das Angebot anzueignen. Das pädagogische Handeln der Lehrer bildet die Grundlage für ein unterstützendes Klassenund Arbeitsklima. Das didaktische Handeln der Lehrkräfte bildet die Grundlage für einen zielgerichteten Lernprozess. Lehrer stimulieren Schüler dazu, sich aktiv am Lernprozess zu beteiligen. X X X X X

3 4

X X

• das Qualitätsprofil der Schule zu aktualisieren;
5

• festzustellen, ob die Schule die letz• zu beurteilen, ob die Schule sich inzwischen gut entwickelt hat;

ten Inspektoratsbewertungen beachtet hat und planmäßig an Verbesserungen arbeitet;

6

X

Domäne Schülerbetreuung 7 Die Schule hat die Unterbringung, den Übergang und die Entscheidungsbegleitung der Schüler gut geregelt. Die Schule sorgt für eine spezifische Betreuung für Schüler, die zusätzliche Hilfe benötigen. X X

• gegebenenfalls

einen spezifischen schuleigenen Aspekt zu bewerten, wofür die Schule eine externe Bewertung sucht (z. B. die Qualität des neuen Gesundheitsunterrichts, den die Schule entwickelt und in den letzten zwei Jahren implementiert hat); Aspekte aus dem mehrjährigen Kontrollplan des Inspektorats zu überprüfen.

8

Domäne Organisation und Politik 9 Die Schule überwacht die Qualität ihres Unterrichts und ergreift Maßnahmen, um die Qualität aufrechtzuerhalten und erforderlichenfalls zu verbessern. X

• bestimmte

Das Inspektorat untersucht seit 2003 außerdem jede Schule jährlich kurz, entweder durch einen Besuch oder anhand der im Büro vorliegenden Dokumentation, um in der Weise eine kontinuierliche Verbindung zu jeder Schule aufrecht zu erhalten. Nachdem knapp zwei Jahre Erfahrungen mit diesem neuen Modell vorliegen,

10 Schulung und Teamentwicklung sind auf die Verbesserung des Unterrichts ausgerichtet. 11 Die Schule setzt das Personal und die materiellen Mittel zweckmäßig ein. 12 Die Schule sorgt für ein sicheres und motivierendes Schulklima. 13 Die Schule unterhält funktionelle externe Kontakte.

X X X X

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kurzes mit etwa 25 Kernindikatoren und (A) interne Evaluation (= Selbstevaluaein ausführliches mit etwa 75 Indikatotion), ren. Beide Modelle wurden im Herbst (B) peer evaluation (critical friends aus 2004 in Pilotprojekten erprobt. Dadurch anderen Schulen oder Institutionen soll auch eine Erhöhung der Arbeitsefkontrollieren die Validität der fektivität erreicht werden. Selbstevaluation) und

Inspectie van het Onderwijs / Ministerium für Schule, Jugend und Kinder Nordrhein-Westfalen: Qualität und kwaliteit. Beurteilung schulischer Qualität in Nordrhein-Westfalen und in den Niederlanden. Abschlußbericht des Kooperationsprojekts. Düsseldorf/Utrecht 12/2003. Fré Weerts: Qualitätsmessung von Schule: Das niederländische Modell Inspektion fördert Qualitätsentwicklung in Schulen. In: Blickpunkt Schulleitung, Nr. 81, Dezember 2003, S. 9–14. Fré Weerts: Prinzipien und Praxis der niederländischen Schulaufsicht – Deutschland lernt vom Nachbarn. In: Freiheit der Wissenschaft, Nr. 4, Dezember 2003, S. 7–9. Fré Weerts: Qualitätsmessung von Schule. Niederländische Inspektion fördert die Qualitätsentwicklung. In: Pädagogische Führung, 15. Nr. 1/2004, S. 12-15. Vorabdruck aus der Zeitschrift „SchulVerwaltung“ (Niedersachsen), Januar 2005, mit freundlicher Genehmigung der Redaktion. Fré Weerts hat Germanistik und Linguistik an der Freien Universität Amsterdam studiert. Nach jahrelanger Arbeit als Lehrer in verschiedenen Schulformen, als Schulleiter, als Dozent und Studiendirektor in der Lehrerausbildung und Lehrerfortbildung und als stellvertretender Direktor im Kultusministerium war er zwanzig Jahre Inspektor für den Sekundarbereich. Schwerpunkte u.a. moderne Fremdsprachen, Weiterentwicklung der Schulaufsicht und Internationalisierung, Projektleiter im Kooperationsprojekt mit Nordrhein-Westfalen „Beurteilung schulischer Qualität“ und stellvertretender Projektleiter eines ähnlichen Projekts mit Niedersachsen. Fré Weerts verfaßte für die Zeitschrift „Freiheit der Wissenschaft“ den Artikel „Prinzipien und Praxis der niederländischen Schulaufsicht. Deutschland lernt vom Nachbarn“ (FdW Nr. 4/2003, Bestellzettel vorletzte Seite).

(4) Ausblick
Schulen in den Niederlanden sind auf dem Weg der systematischen Selbstevaluation und Rechenschaftslegung. In dem Bildungsbericht 2003 meldet die Schulinspektion, daß ungefähr ein Drittel aller Schulen den heutigen, noch relativ milden, Maßstäben entspricht. Ein großes nationales Qualitätsprojekt (Q5, für Einzelheiten verweise ich hier auf die Website http://www.q5.nl) hat in den vergangenen fünf Jahren das Qualitätsdenken der Schulen gefördert und die Entwicklung von Selbstevaluation stimuliert. Sicher und auch unumstritten ist die Tatsache daß Rechenschaftslegung eine Pflicht der autonomen Schule ist. Man darf erwarten daß Schulen kräftig in diese Richtung weiter arbeiten. Dabei wird das so genannte ABC-Modell immer häufiger gehandhabt werden. Dieses Modell geht von drei Evaluationsphasen aus:

(C) externe Evaluation (die von der Schulinspektion auf der Basis von A und B durchgeführte Evaluation). Dabei gilt, daß je besser A und B sind, desto kürzer und bescheidener kann C sein. Alles in allem darf man eine sehr positive Entwicklung feststellen: die Öffentlichkeit bekommt immer mehr Einblick in die black box der Schulen, einerseits durch die offene Rechenschaftslegung der Schulen selbst, andererseits durch die Veröffentlichung der externen Evaluationsergebnisse der Inspectie van het Onderwijs. drs. Fré (G.M.A.) Weerts, Schulinspektor der Inspectie van het Onderwijs a.D., Emmen/NL
Literatur: Inspectie van het Onderwijs / Niedersächsisches Kultusministerium: Von einander lernen – Beurteilung schulischer Qualität in Niedersachsen. Abschlußbericht des Kooperationsprojekts. Hannover/Utrecht 11/2003.

Professor Dr. Peter J. Brenner:

„Gymnasiales Kernfach par excellence“
Vor der Hauptversammlung des Bayerischen Philologenverbandes (bpv) hat der Leiter des Instituts für Medienevaluation, Schulentwicklung und Wissenschaftsberatung, Prof. Dr. Peter J. Brenner, zu den Kerncurricula des Gymnasiums unmißverständlich Position bezogen und im Hinblick auf den gymnasialen Bildungsgang und die Abituranforderungen das Fach Geschichte als „gymnasiales Kernfach par excellence“ bezeichnet, das die „kulturellen Bindekräfte“ im Sinne einer fundierten Identitätsfindung als „Schlüsselkompetenzen“ aktivieren könne. Er warnte vor „inhaltlicher Beliebigkeit“ in der Lehrplanarbeit und vor einem „Müllkutscherjargon“ der Bildungspolitiker, der Inhalte und Erziehungswerte einer unüberlegten „Entsorgung“ preisgebe. Zeitnah haben sich Bildungspolitiker der CDU aus mehreren Bundesländern im Hinblick auf das Thema Abitur und Hochschulzugang positioniert: erste Priorität komme einem anspruchsvollen Abitur mit dem Ziel der „allgemeinen Hochschulreife“ zu, das Prüfungsinhalte aus fünf Fächern beinhalte, nämlich Deutsch, Mathematik, einer Fremdsprache, einer Naturwissenschaft und Geschichte. Daß mit solch klaren Aussagen Bewegung in die Oberstufendiskussion kommt, begrüßt der Bayer. Geschichtslehrerverband e.V. ausdrücklich und mahnt für die Lehrplanarbeit und die Strukturentscheidungen für das Abitur in Bayern die Berücksichtigung dieses Diskussionsstandes an. Hier bringen sich Vertreter der Gymnasien, der Universitäten, der Lehrer- und Fachverbände ein. Übereinstimmend waren die Meinungsäußerungen vor allem hinsichtlich der gymnasialen Lehrplanarbeit, die für die Jahrgangsstufen 5 mit 12 nicht ohne klare Entscheidungen zu Abitur und Hochschulzugang verantwortlich geleistet werden können. Willi Eisele Landesvorsitzender des BGLV e. V. und der Fachgruppe Geschichte/Sozialkunde im bpv Willi Eisele ist Regionaler Ansprechpartner des BFW in Bayern.

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Lilo Süllwold

Strukturveränderungen oder Leistungsverbesserungen?
– Eine Anmerkung zum Umgang mit den OECD-Studien von Lilo Süllwold
Die aktuelle These zur Behebung von Mißständen heißt nicht mehr, die Gesellschaft sei an allem schuld, sondern nunmehr ist es die „Struktur“. Begabungsunterschiede und deshalb notwendige Differenzierungen der schulischen Wege seien eine Ausrede derer, die nichts ändern wollten. Vorgeschlagen wird – allen Ernstes – alle bis zur 8., ja bis zur 10. Klasse gemeinsam zu unterrichten. Das hieße, einen Teil der Schüler unterfordern, einen anderen überfordern. Beispiele aus Schulen in Finnland sind nicht stimmig, weil das, was gezeigt wurde, auf eine Separierung von sehr kleinen Gruppen mit je einem Betreuer im gleichen Klassenzimmer hinauslief (so ein Filmbeitrag). Dafür fehlen in Deutschland vollständig die Voraussetzungen, nicht nur finanzieller Art. (Vgl. dazu Man betrachte nur die Realität an vielen die Artikel von Thelma von Freymann über Grundschulen, vor allem in den Ballungsge- das finnische Schulwesen in FdW Nr. 2 Juni bieten. Kinder von Ausländern, insbesonde- 2002 und Nr. 2 Juni 2003) re Türken, kommen ohne Deutschkenntnisse in die Schule. Auch die inzwischen einge- Die schädlichen Folgen von Unter- oder richteten kostenträchtigen Kurse werden Überforderung sind in der Lernpsychologie nicht genügen, denn im Elternhaus der Kin- seit langem bekannt. Wenig wahrscheinlich der wird weiterhin nicht deutsch gesprochen. ist, daß Separierung in kleinen Gruppen – Dazu kommen erhebliche Disziplinschwie- auf engem Raum – zu einem Abbau von rigkeiten, die Lehrer auch mit deutschen Konflikten führt. Das Gegenteil ist zu erKindern haben. Eltern scheinen vielfach die warten, denn es bleibt nicht unbemerkt, welFähigkeiten und der Mut zur Erziehung ab- ches z. B. die leistungsstärkeren und die handen gekommen zu sein, auch hier ver- leistungsschwächeren Kleingruppen sind. mutlich eine Nachwirkung alter 68er-Ideologien. Die wachsende Zahl von Schul- Eine weitere Frage ist, was aus den Universchwänzern spricht eine deutliche Sprache. sitäten wird, wenn schulische Abschlüsse Geklagt wird auch über verstärkten Canna- immer weniger übereinstimmen, trotz gleibiskonsum in den Pausen, in der Schulstun- cher Etiketten. Die rein quantitativen Verde wird dann gedöst. (Im ZDF wurden zwei gleiche mit den USA, die oft angeführt werangehende Abiturienten interviewt, einer da- den, übersehen oder leugnen, daß dort weder von schlief, trotz auf ihn gerichteter Kame- schulische Abschlüsse noch Universitätsdira.) Natürlich gibt es auch noch intakte plome Äquivalente sind. Der Kenner weiß Schulen; nur muß man solche Berichte von um die Unterschiede zwischen Golgate University und Harvard. Wo vereinheitlicht Lehrern ernst nehmen. Es ist erstaunlich, wie beflissen auf den jährlichen OECD-Bericht zu den Bildungssystemen von Seiten der Politik reagiert wird. Es wird gleichsam hackenschlagend versprochen, sofort an eine grundlegende Veränderung der Ausbildungssysteme zu gehen, ohne zunächst einmal die Grundlagen der Kritik (und die urteilenden Personen) zu beleuchten. Daß es sich bei der Analyse um die Verwertung alter Daten handelte und Verbesserungen des Schulsystems nicht beachtet wurden, ist bereits vielfach geäußert worden. Wesentlich ist jedoch, daß der rein quantitative Vergleich der Abschlüsse in verschiedenen Ländern unsinnig ist, wie Jürgen Kaube in der F.A.Z. vom 16. 9. 2004 völlig zu Recht festgestellt hat. wird, stellen sich zwangsläufig Differenzierungen her, weil es gar nicht anders gehen kann. Oft solche ungewollter Art. Hierzulande gibt es offenbar schon ein Beispiel, die Bachelor-Abschlüsse. Hochschullehrer machen die Erfahrung, daß der Lehrstoff anders strukturiert und gleichzeitig die Betreuungsintensität pro Student erhöht werden muß. Das geht nicht ohne wesentlich mehr Geld. Davon ist bisher nicht die Rede. Aber die alte Kapazitätsverordnung funktioniert nicht mehr, wenn an einer Qualitätssicherung festgehalten werden soll. Geht es nur darum, die Anzahl der Absolventen zu erhöhen, weil das für die politische Optik mehr hergibt, wird ein heruntergewirtschafteter Studiengang die Folge sein. Dieser verliert bald an Wert, auch weil die Konkurrenz mit Abschlüssen im Ausland nicht bestanden werden kann und damit auch die Berufschancen sinken. Ideologen auf die Realität hinzuweisen ist immer eine undankbare Aufgabe. Der sogenannte Reformer steht in höherem Ansehen als der Bewahrer, zumal ersterer die Folgen seiner oft unsinnigen Maßnahmen selten selbst ausbaden muß. Sind jedoch noch funktionierende Einrichtungen im Bildungsbereich zugunsten einer Ideologie des Einheitsbreies erst einmal zerstört, ist die Regeneration schwer und kostet ebenfalls vermutlich viel Geld. Geschädigt wird die junge Generation, die durch die Leugnung von Unterschieden nicht gefördert, sondern beeinträchtigt wird. Es ist zu hoffen, daß sich Widerstand im Schul- und Hochschulbereich regt. Frau Professor Dr. Lilo Süllwold ist Regionalbeauftragte des Bundes Freiheit der Wissenschaft für Hessen.

Meidinger: Krisensituationen als Chancen nutzen!
In einem Grußwort anlässlich des Empfangs zum 50.Geburtstag des Vorsitzenden des Deutschen Philologenverbandes, Peter Meidinger, am 8. Oktober 2004 in Berlin appellierte die Vorsitzende der Kultusministerkonferenz, Doris Ahnen, an „eine gemeinsame Kraftanstrengung im Bildungsbereich“. Im Zentrum der Reformen stehe die „nachhaltige Qualitätsentwicklung an den Schulen“. Sie betonte, entsprechend den gewachsenen Erwartungen an Lehrerinnen und Lehrer habe die KMK die Entwicklung von „Standards für die Lehrerbildung angestoßen, um damit den Weg in eine praxisorientierte und den neuen Anforderungen angepasste Ausbildung aufzuzeigen“. In seiner Ansprache verwies Niedersachsens Kultusminister Bernd Busemann auf Reformbedarf in der KMK selbst und bei der Rechtschreibreform. Hinsichtlich der Qualitätsentwicklung in den Schulen plane man in Niedersachsen, eine Variante der niederländischen Schulaufsicht einzuführen. Heesen, selbst langjähriger Vorsitzender des Deutschen Philologenverbandes und jetzt Vorsitzender des Deutschen Beamtenbundes, definierte die Beamtenschaft als „Personalkörper des Staates“ und zog daraus Schlussfolgerungen für Beamtenhandeln und Beamteneigenschaften. Peter Meidinger selbst rief schließ-

Glückwunsch: Der Vorsitzende des Bundes Freiheit der Wissenschaft Dr. Winfried Holzapfel im Gespräch mit Peter Meidinger (links) lich dazu auf, „Krisensituationen als Chancen“ zu nutzen.

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Philologenverband Baden-Württemberg warnt vor Ideen mit dem Ziel der Zerschlagung des Gymnasiums
Gesamtschulen sind teurer und ihre Ergebnisse schlechter Das finnische Schulsystem ist nicht auf Deutschland übertragbar
Obwohl bereits Schulversuche der siebziger und achtziger Jahre gezeigt haben, daß die Gesamtschule weit davon entfernt ist, einem Vergleich mit dem gegliederten Schulsystem standhalten zu können, werden die Ergebnisse der Leistungsvergleichsstudien jetzt von den Grünen zum Anlaß genommen, in die bildungspolitische Mottenkiste zu greifen und die Abschaffung des gegliederten Schulwesens zu fordern, warnt der Landesvorsitzende des Philologenverbandes Baden-Württemberg (PhV BW), Karl-Heinz Wurster. Eine Zerschlagung des Gymnasiums und einen damit verbundenen Abbau der Bildungsqualität wird der Philologenverband nicht hinnehmen, so Wurster weiter, da die flächendeckende Einführung integrativer Schulsysteme für die Gymnasien des Landes ein Absinken des Bildungsniveaus von Schülern aller Schularten zur Folge hätte. Damit wäre weder dem Hauptschüler noch dem Realschüler oder Gymnasiasten gedient! Ein Schulsystem, das sich ausschließlich am Leistungsschwächsten orientiert und die Förderung leistungsstarker Schüler vernachlässigt, kann ebenso wenig als begabungsgerecht angesehen werden wie ein System, das sich ausschließlich am Leistungsstärksten orientiert und leistungsschwachen Schülern keine differenzierte Förderung anbietet, die im gegliederten Schulsystem gewährleistet sei. Verantwortungsvolle Bildungspolitik dürfe, so PhV-Chef Wurster weiter, eine tatsächlich vorhandene große Bandbreite unterschiedlichen Begabungsund Leistungsvermögens nicht ignorieren. Mit der Abschaffung des gegliederten Schulwesens werde sich nichts an dieser Tatsache ändern, so Wurster. Im Zusammenhang mit der von den Grünen nun wieder angefachten Debatte um das richtige Schulsystem wies Wurster darauf hin, daß Finnland 1 zwar als Paradebeispiel für ein integratives Schulsystem hingestellt werde, daß dieses System jedoch nicht auf Deutschland übertragbar sei. Wurster: In Finnland sortieren sich die Schülerströme in Ballungsgebieten auf Grund der curricularen Profilierung, des Fremdsprachenangebots und der freien Schulwahl so, daß manche Schulen mehr oder weniger einem deutschen Gymnasium entsprechen (und das schon spätestens ab Klasse 3, nicht etwa erst ab Klasse 5!), andere eher einer deutschen Hauptschule. Auch existiere in Finnland kein Migrantenproblem. Bildung und Schule werde in Finnland im übrigen unterstützend und fördernd mitgetragen. Mit einer vor wenigen Jahren durchgeführten Studie des Max-Planck-Instituts über Bildungsverläufe und psychosoziale Entwicklung im Jugendalter ist eindeutig nachgewiesen worden, daß der Leistungsrückstand deutscher Gesamtschüler am Ende der 10. Klasse gegenüber Realschülern in Mathematik zwei Schuljahre betrug, im Vergleich mit Gymnasiasten sogar mehr als zwei Jahre. Wurster: Das ist besonders beachtenswert, weil sich in Gesamtschulen die Schüler weder durch ihre soziale Herkunft noch durch ihre intellektuelle Leistungsfähigkeiten unterscheiden. Auch bei den sozialen Kompetenzen zeigten sich bei Gesamtschülern stärkere Defizite als bei Schülern im gegliederten Schulwesen. Wurster: Das heißt, Kriminalität und Drogenkonsum sind an den Gesamtschulen höher.

Kurz und knapp
Berlin (ap). Die von Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn aufgestellte Forderung nach Abschaffung der Hauptschule ist bei Wirtschafts- und Lehrerverbänden auf deutlichen Widerstand gestoßen. Der Ruf nach Abschaffung führe am Thema vorbei, sagte DIHK-Präsident Braun. Die „altbekannte und ideologisch festgefahrene Schulstrukturdebatte“ nähre „den Irrtum, damit würden die Probleme schwächerer Schüler gelöst“. Auch der Deutsche Lehrerverband sprach sich für den Erhalt des dreigliedrigen Schulsystems aus. „Bulmahns Vorschlag liege völlig daneben“, sagte Verbandspräsident Josef Kraus.

Planck-Institut habe festgestellt, daß es derzeit auch international keine einzige seriöse wissenschaftliche Untersuchung gibt, mit der sich eine Überlegenheit integrierter Schulsysteme beweisen läßt. Der Philologenverband kritisiert, daß deutsche Jugendliche weniger Unterricht erhalten als Jugendliche anderer Länder. Die Zahl bewegt sich zwischen zwanzig und dreißig Prozent. Hier müsse der bildungspolitische Ansatz stattfinden. Wurster abschließend: Wenn Stundentafeln zusammengestrichen, die Schulzeit verkürzt, die Finanzmittel gestrichen und Lehrer und Schulen in Deutschland permanent schlecht geredet werden, darf man sich über schlechte Ergebnisse in Vergleichsstudien nicht wundern. „Da helfen auch keine integrativen Schulvisionen.“

Obwohl deutsche Gesamtschüler rund fünfzehn Prozent mehr Unterrichtsstunden und eine rund zwanzig Prozent bessere Lehrerversorgung zu verzeichnen haben und ihnen mit 5500 Euro pro Schüler mehr Geld zur Verfügung steht als Schülern der Gymnasien, Real- oder Hauptschulen, geben Zahlen zur Abbruchquote an den Gesamtschulen, die mit knapp sieben Prozent erheblich höher ist als an Schulen des gegliederten Schulwesens, kein positives Bild über in- Pressemitteilung vom 19. Oktober 2004 tegrative Schulsysteme in Deutschland. PhV-Chef Wurster weist darauf hin, dass Philologenverband Baden-Württemberg Landesgeschäftsstelle zwar die Mehrheit der Länder, die beim Alexanderstr. 112, 70180 Stuttgart PISA-Vergleich vor Deutschland ranInternet: www.phv-bw.de giert, integrative Systeme habe, daß aber ebenso hundert Prozent aller Länder, die in der Studie noch hinter Deutschland 1 Vgl. dazu die Artikel von Thelma von Freymann liegen, integrativ organisiert seien. Auch über das finnische Schulwesen in fdw Nr. 2 Juni Professor Jürgen Baumert vom Max- 2002 und Nr. 2 Juni 2003.

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Begegnungen
Gesichter und Gespräche – Bilder vom Empfang
Am 6. November 2004 beging Dr. Hans Joachim Geisler, einer der Vorsitzenden des Bundes Freiheit der Wissenschaft, seinen 70. Geburtstag. Das war Anlaß für die Sektion Berlin-Brandenburg des BFW, am 26. November im Anschluß an die Mitgliederversammlung des Bundes Mitglieder und Freunde zu einem Empfang ins Haus Charlottenstraße 65 in Berlin einzuladen. Bei diesem Empfang hoben zahlreiche Redner die Verdienste von Hans Joachim Geisler um den Bund Freiheit der Wissenschaft hervor. Seinem unermüdlichen Einsatz und seiner Standfestigkeit sei zu verdanken, daß der Bund seine Arbeit seit seiner Gründung im Jahre 1970 kontinuierlich habe fortsetzen können. Winfried Holzapfel hob in seiner Ansprache Geislers jahrzehntelanges Wirken für den Bund Freiheit der Wissenschaft hervor, sein unablässiges Bemühen um den Zusammenhalt, das sich in viele Einzelaktivitäten auffächere. Er unterstrich auch das Kommunikationsgeschick Geislers, das ermögliche, komplexe Probleme und schwierige Situationen im Konsens und solidarisch zu meistern. In seiner Vorsitzendenzeit habe sich der Bund Freiheit der Wissenschaft konsolidiert und werde im „bildungspolitischen und wissenschaftlichen Disput wieder wahrgenommen“. Zuvor hatte Ingo Pommerening den Lebenslauf des gebürtigen Dresdeners freundschaftlich und pointenreich Revue passieren lassen. Hans Joachim Geisler ist Gründungsmitglied des Bundes Freiheit der Wissenschaft. Viele Weggefährten hatten ihm zum Geburtstag geschrieben oder waren der Einladung zum Empfang gefolgt. In seiner Dankesrede verwies er auf viele Freunde, die, jetzt in noch höherem Alter als er selbst, damals aktive Mitstreiter der ersten Stunde waren. Unter anderen nannte er Walter Rüegg, Hans Maier, den nachmaligen bayerischen Kultusminister, Hermann Lübbe, im nordrhein-westfälischen Kultusministerium Staatssekretär, und Gerhard Schröder, den ehemaligen Außenminister der Bundesrepublik Deutschland. Einige Redner stellten dar, daß der Bund und vor allem auch Hans Joachim Geisler persönlich ihnen hilfreiche und dankbar angenommene Orientierung gegeben hätten. – Der Empfang, für dessen

Ausrichtung Frau Dr. Pötter und Herrn Professor Dr. Berlien von der Sektion Berlin-Brandenburg sowie Frau Schauf von der Geschäftsstelle großer Dank gebührt, klang mit zahlreichen Gesprächen und guten Begegnungen aus.

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Leserbriefe
Betr. FdW Nr. 3, Sept. 2004, Laudatio auf den Tübinger Anglisten Gerhard Müller-Schwefe zum 90. Geburtstag: – Leserbriefe – Prof. Dr. rer. pol. Hans Willgerodt.

„Wie bezeichnen wir unserer Bildungspolitik, wenn wir sie parteipolitisch verorten wollen?“
Ich habe die Würdigung für Gerhard Müller-Schwefe (FdW Nr. 2, Juni 2004) nicht nur geschrieben, weil er ein sehr guter, vielseitig gebildeter, methodisch wie didaktisch sicherer und erfolgreicher Vertreter seines akademischen „Handwerks“ war, sondern auch weil er seine Vorbildfunktion für seine Studenten so entschieden wahrnahm, daß er es ihnen schwer machte, sich vor den objektivierbaren Verantwortlichkeiten eines Hochschullehrers zu drücken. Es war damals schwer, sich an der konkreten Aufgabe der Ausbildung vorbeizuschummeln. Ich freue mich, daß auch der von mir verehrte Kollege Hans Willgerodt in diesen Punkten nichts an mir auszusetzen findet. Es ging mir dabei um die Vorbildlichkeit eines Akademikers aus der älteren Generation, die damals in vieler Hinsicht für die besten akademischen Lehrer ihres Faches typisch war, denn Gelehrte solcher Prägung haben einmal „vor grauen Zeiten“ die deutschen Universitäten vor dem Abgrund bewahrt, in den wir heute wie auf Schmierseife rutschen – vor allem in den Geisteswissenschaften. Und in meinem Gegenbeispiel habe ich versucht darzustellen, wie diese Tradition heute zerstört wird. Hans Willgerordt hat natürlich völlig Recht, wenn er als Wirtschaftswissenschaftler darauf besteht, daß das von mir als „neo-liberalistisch“ kritisierte „Chaos der Gegenwart“ nichts mit dem „OrdoLiberalismus“ zu tun hat, wie ihn der „Freiburger Kreis“, Werner Eucken, Karl Paul Hensel, Franz Böhme, Hans Heuss im Anschluß an Wilhelm Röpke, Ludwig Erhard und andere vertreten haben. Der Ordo-Liberalismus war damals die Theorie der Freien Marktwirtschaft, gewissermaßen das ökonomische Rückgrat des „Wirtschaftswunders“. Ihm und den Maßnahmen der Alliierten nach der Wiederöffnung der Universitäten verdankt die deutsche Bildungsgeschichte den überraschend schnellen Anschluß an das Weltniveau. Das heutige Problem der Bildungsgeschichte Deutschlands besteht darin, daß der heute praktizierte „Neo-Liberalismus“ ganz und gar dem Ordo-Liberalismus entgegensteht, dem Deutschland sein Ansehen verdankte. Man kann über den Ausdruck „Neo-Liberalismus“ streiten, weil er fast nichts mehr mit dem aufgeklärten englischen Liberalismus des 19. Jahrhunderts und mit dem System von Maynard Keynes zu tun hat, der nach dem Ende des Ersten Weltkrieges die freie Wirtschaft in Europa gegen Kommunismus, Marxismus, Planwirtschaft und Diktatur sichern sollte. Aber es besteht genauso wenig Zweifel, daß der Zustand der Bildungsanstalten in Deutschland eben jenen Verlust an demokratischer Verantwortung widerspiegelt, der durch die Kulturrevolution der Achtundsechziger soviel Verwirrung, Unruhe, Chaos und Zerstörung nicht nur in unserem Bildungssystem ausgelöst hat. Es wird dieser Bewegung heute gelegentlich ein Bonus gutgeschrieben für die außerparlamentarische Opposition der Bürgerinitiativen, die „Mitbestimmung“ und Demokratisierung der Schulen und Universitäten. Übersehen werden dabei die Folgen dieses „Generationenkonflikts“, die Haltung der Leistungsverweigerung, der Faschismusverdacht der Wirtschaft, die egomanische Emanzipation und die Auflösung des Verantwortungsprinzips der Bürger gegenüber der Gemeinschaft und den demokratischen Institutionen. Mit dem Aufkommen der Globalisierung, der New Economy, der „supplyside economics“ des „shareholder capitalism“, den ungeheueren Schuldenbergen und riesigen Börsenverlusten, dem Absterben ganzer Industriezweige und dem Wiederaufbau im Osten ergänzten sich diese Ereignisse in einer unheiligen Allianz. Das Verantwortungsbewußtsein gegenüber

der Gesellschaft zerstörte jene Vertrauensgrundlage, die eine ordo-liberale Politik als Gemeinschaftsleistung des Wiederaufbaus gesichert hatte. Man kann den „Achtundsechzigern“ nicht die ganze Schuld in die Schuhe schieben, aber es ist schwer geworden, in der Anarchie und im Niedergang unserer Bildungspolitik noch überhaupt einen Reflex „liberaler“ Politik zu erkennen. Die Losung scheint eher dem Roman des französischen Renaissance-Humanisten Rabelais, Gargantua et Pantagruel entliehen: „Tu, was du willst“. In meinem Buch über Die Maßlosen, die Ahnungslosen und die Kopflosen. Von der Bildungsreform zur Bildungskatastrophe, Heidelberg 1994, ist es mir damals bereits schwer gefallen, den Ausdruck „Neo-Liberalismus“ zu vermeiden. Die deutschen Parteien haben zusammen mit der Medienöffentlichkeit unter dem Druck der Verhältnisse die miserable Bildungspolitik der siebziger Jahre insgesamt gemeinsam gewollt und gesetzmäßig abgesegnet. Die demokratische Öffnung des Schulsystems und der Universität ist wirklich gelungen, aber die Folgen für das Ansehen und den Aufstieg in Deutschland durch Bildung und Ausbildung sind verheerend. Die „Liberalen“ sind dabei oft schneller und entschiedener gewesen als die „gute, alte Tante“ SPD. Es steht jedenfalls fest, daß die „Ordo-Liberalen“ eindeutig auf der Gegenseite der „Reformen“ standen. Dies macht mein Buch auch deutlich. Erst die Gemeinsamkeit der Schuld, die Unfähigkeit der Parteien und der Medien, sich ehrlich mit ihrer eigenen unordentlichen und blamablen Rolle am Niedergang der Bildung auseinander zu setzen, macht die Bildungsmisere zu dem Ungeheuer, dem wir kaum mehr wagen in die Augen zu sehen. Wir haben inzwischen Angst vor uns selber. Unsere Parteien haben mit demokratischer Gründlichkeit und öffentlichem Beifall die Zerstörung unserer traditionellen Bildungsformen zum Gesetz erhoben. Unsere Reformen sind dabei immer unverständlicher, unvernünftiger, abstrakter und verquerer geworden. PISA kann ihnen nicht viel Positives abgewinnen. Sie sind ideologisch, teilweise utopisch und im Prinzip genauso planlos, chaotisch und unehrlich wie die bereits vorausgegangenen Zerstörungen durch die „Achtundsechziger“. Wir haben dank unserer hartnäckigen Tradition noch immer gute Studenten, aber immer weniger Geld und verlieren ständig an Einfluß. Professor em. Dr. Kurt Otten, 69118 Heidelberg

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Ingo Pommerening

„Makuliert“
Dokumentation Eine Zensur findet nicht statt. Grundgesetz Artikel 5, 1.
Einige Worte aus George Orwells „1984“ sind allen bekannt: „Big Brother is Watching You!“ In Orwells düsterem und prophetischen Roman ist der geschundene Held Winston Smith damit beschäftigt, im „Ministry of Truth“ die Geschichte in den Textdokumenten der Vergangenheit im Sinne der gerade herrschenden Parteidoktrin neu zu schreiben. Vorausgegangen ist die Vernichtung der Meinungsfreiheit. So weit soll es in Deutschland nicht kommen. In Heft 2/2004 des „Deutschland Archivs“ erschien ein Artikel von Konrad Löw, eines emeritierten Professors für Politische Wissenschaft der Universität Bayreuth, unter dem Titel „Deutsche Identität in Verfassung und Geschichte“. Die Zeitschrift wird vom W. Bertelsmann Verlag im Auftrag der Bundeszentrale für politische Bildung (Bonn) herausgegeben; diese ist eine nachgeordnete Behörde des Bundesministeriums des Innern. Ihr Präsident ist Thomas Krüger, SPD. Das Heft mit dem Artikel von Löw wurde zunächst an die Abonnenten ausgeliefert. Kurz darauf erreichte im April 2004 die Abonnenten jedoch ein höchst merkwürdiger Brief (Dokument 1), mit dem das Erscheinen dieses Artikels offenbar so weit wie möglich ungeschehen gemacht werden sollte. Die Bundeszentrale für politsche Bildung und der W. Bertelsmann Verlag „distanzieren sich auf das Schärfste“ von dem Artikel. Sie gehen sogar noch weiter, indem sie den Abonnenten mitteilen: „Der Rest der Auflage von Heft 2/2004 wird makuliert.“ Dann heißt es: „Wir bitten alle Leserinnen und Leser der Zeitschrift sowie diejenigen, welche sich durch den Beitrag von Konrad Löw verunglimpft fühlen, um Entschuldigung.“ Wer sich durch den Artikel „verunglimpft“ gefühlt hatte, wurde nicht ausgeführt. Der Brief ist unterzeichnet von Jürgen Faulenbach (für die Bundeszentrale) und Manfred

Eigenmeier (für den W. Bertelsmann wohl das Verhältnis derer, die uns mit Verlag). Vergnügen arbeiten sehen oder beschimpfen, zu den SympathiekundgeAuf die ungläubige Anfrage eines bern ...“. Mit dem Zitat will Löw seine Abonnenten, ob es sich bei dem Brief Schlußfolgerung stützen: „Wir dürfen der Bundeszentrale für politische Bilnicht zögern, die Verbrechen des NSdung eventuell um eine Fälschung hanRegimes als wichtigen Teil der deutdele, hieß es in der Antwort, der Brief sei echt; es gehe „nicht so sehr um schen Geschichte, der deutschen Ideneinzelne Stellen als um den Gesamtar- tität zu bekennen. Aber wir sollten jenen tikel“, der für die Bundeszentrale für entgegentreten, die allgemein von deutpolitische Bildung „eine schwer ver- scher Schuld sprechen, wenn damit gedauliche Kost“ sei. Mit einem gewis- meint ist, daß die große Mehrheit der sen Zynismus wurde darauf verwiesen, damals lebenden Deutschen mitschuldaß der Artikel ja in Bibliotheken zu- dig gewesen sei an einem der größten gänglich sei, so daß von einer Gefähr- Verbrechen in der Menschheitsgedung der Freiheit der Wissenschaft schichte.“ Regierungsdirektor Dr. Wattnicht die Rede sein könne. (Dokument ler belehrt nun den Autor, in welchem 2). Übrigens: Wenn der Bericht eines Sinne Victor Klemperer zu zitieren und Bibliothekars der Stadtbibliothek einer zu deuten sei. westdeutschen Großstadt zutrifft, an ihn sei die Aufforderung herangetragen worden, das bereits ausgelieferte Heft Nr. 2 von 2004 der Reihe Deutschland Archiv an den Verlag zurückzusenden, kann man folgern, daß die Nachahmung des Orwellschen Unterdrückungsstaates mit der Makulierung der Restexemplare noch nicht ihr Ende gefunden hatte. Löw hatte auch schon früher im „Deutschland Archiv“ publiziert. Sein Artikel war vom verantwortlichen Redakteur redigiert worden und hatte vor der Veröffentlichung sicher dem Beirat der Bundeszentrale unbeanstandet vorgelegen. Dem Verfasser des Artikels war nichts über den Brief an die Abonnenten (Dokument 1) mitgeteilt worden; er erfuhr erst durch Freunde davon. Am 10. Mai 2004 wandte er sich mit einer Dienstaufsichtsbeschwerde an den Bundesinnenminister. Antwort erhielt er am 17. Juni 2004 im Auftrag von Minister Schily durch den Regierungsdirektor Dr. Raimund Wattler (Dokument 3). Der Romanist Victor Klemperer (1881–1960) ist einem breiteren Publikum bekannt durch sein Buch über die Sprache des Dritten Reiches: Lingua tertii imperii (1947, 1966) und durch seine Tagebücher, in denen er sein Leben während des Dritten Reiches dokumentiert, das er wegen seiner jüdischen Abstammung im Untergrund führen mußte. Löw hatte u. a. aus Klemperers Tagebüchern die Sätze zitiert „... ich glaube, auf einen solchen [Hitler-] Gläubigen kommen doch wohl schon fünfzig Ungläubige. Genauso ist Im übrigen, so Dr. Wattler, sei die Bundeszentrale für politische Bildung nicht verpflichtet, bestimmte Artikel zu veröffentlichen – eine unbestrittene Tatsache, aber eine ganz andere als die, daß ein bereits veröffentlichter Artikel so weit wie möglich wieder aus der Welt geschafft werden sollte. Mit Freiheit der Wissenschaft hat das fürwahr nichts mehr zu tun (Dokument 3). Konrad Löw hatte den inkriminierten Text in ähnlicher Form bereits Anfang März 2004 vor der Gesellschaft für Deutschlandforschung vorgetragen, einem eingetragenen Verein, mit dem die Bundeszentrale für politische Bildung eng zusammenarbeitet. Ihr Vorsitzender ist Professor Dr. Karl Eckart. Löw war seit über 25 Jahren Leiter der Fachgruppe Politische Wissenschaft der Gesellschaft. Ende Juli 2004 erfuhr Löw aus der Presse von einer geplanten Tagung dieser Fachgruppe, zu der er nicht eingeladen worden war, und schrieb deshalb an Professor Eckart (Dokument 4). Der antwortete drei Monate später, am 1. November, nur mit den bemerkenswerten Worten: „Auf der Vorstandssitzung der Gesellschaft für Deutschlandforschung ist am 30. Oktober 2004 in Leipzig über Ihre obige Angelegenheit ausführlich gesprochen worden. Ich habe nichts weiter mitzuteilen.“ (Dokument 5). Löw war zu der Sitzung weder eingeladen noch angehört worden. Eric Blair, der sich als Schriftsteller „George Orwell“ nannte, liegt in einem schlichten Grab auf dem Friedhof eines Dorfes in Südengland – Sutton Courtenay, das an der Themse zwischen Oxford und Reading gelegen ist. Wenn ich

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das nächste Mal dort bin, dann werde ich auf dem Grab von Eric Blair einen Strauß Blumen niederlegen und damit vielleicht das böse Märchen vom Deutungsmonopol der Geschichte durch ein deutsches „Ministry of Truth“ vergessen können.

Dieser in der langen Geschichte beider Dokument 3 Häuser und des „Deutschland Archivs” Bundesministerium einmalige Vorgang wird sich nicht wiederholen. Wir bitten alle Leserinnen und des Innern Leser der Zeitschrift sowie diejenigen, welche sich durch den Beitrag von Kon- 53108 Bonn (...) rad Löw verunglimpft fühlen, um EntBearbeitet von RD Dr. Wattler Professor Dr. Ingo Pommerening ist schuldigung. Bonn, 17. 6. 2004 Vorstandsmitglied der Sektion Berlin- Mit freundlichen Grüßen Herrn Prof. Dr. Konrad Löw (...) Brandenburg des Bundes Freiheit der Betreff Dienstaufsichtsbeschwerde Im Auftrag Wissenschaft. Bezug Ihr Schreiben vom Jürgen Faulenbach 10. Mai 2004 Manfred Eigemeier

Dokument 1

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Löw,

BpB: Bundeszentrale für politische Bildung
Ansprechpartner/in Herr Faulenbach Bonn, 2. 4. 2004

Dokument 2

BpB: Bundeszentrale für politische Bildung

Sehr geehrte Abonnentinnen und Abon- Ansprechpartner/in, Herr Faulenbach, Herrn Hans-Eberhard Zahn nenten des „Deutschland-Archivs”, Bonn, 29. 4. 2004 die Bundeszentrale für politische Bildung/bpb und der W. Bertelsmann Ver- Sehr geehrter Herr Zahn, lag distanzieren sich aufs Schärfste von haben Sie ganz herzlichen Dank für ihre dem im soeben erschienenen Heft kritische Stellungnahme zu unserem di2/2004 des „Deutschland Archivs” ver- stanzierenden Brief zu dem Beitrag von öffentlichten Text „Deutsche Identität in Prof. Löw im „Deutschland Archiv“ Verfassung und Geschichte” von Kon- 2/2004 zum Thema „Deutsche Identität rad Löw. in Verfassung und Geschichte.“ Der Verfasser vertritt Ansichten zum Leider muß ich Ihre Hoffnung enttäuAntisemitismus im 20. Jahrhundert in schen, der Brief ist in der Tat echt. Sie Deutschland, die weder mit dem Selbstverständnis der Bundeszentrale für poli- führen in Ihrem Brief eine Reihe von tische Bildung noch mit dem des problematischen Stellen des Artikels W. Bertelsmann Verlages vereinbar von Professor Löw an, uns geht es aber sind. Die Bundeszentrale setzt sich seit nicht so sehr um einzelne Stellen, sonJahrzehnten intensiv mit dem National- dern um den Gesamtartikel. Vor dem sozialismus und dem Antisemitismus, Hintergrund der öffentlichen Debatte in einer seiner Grundlagen, auseinander den letzten Jahren scheint mir unschwer und sieht durch eine derartige Veröffent- nachvollziehbar zu sein, warum für die Bundeszentrale für politische Billichung ihre Arbeit desavouiert. dung/BpB der Artikel von Prof. Löw eiWir bedauern diesen Vorgang außerorne schwer verdauliche Kost ist. Das dentlich. Weder die Bundeszentrale für Presseecho (zuletzt die „Neue Zürcher politische Bildung, in deren Auftrag der Zeitung“ vom 21. April) hat uns in dieW. Bertelsmann Verlag die Zeitschrift herausgibt, noch der Beirat der Zeit- ser Haltung durchaus bestätigt. Ihre schrift hatten von der geplanten Veröf- Auffassung, daß die Freiheit der Wissenschaft „akut gefährdet“ ist, kann ich fentlichung Kenntnis. nicht teilen. Zum einen ist der Artikel Im nächstmöglichen Heft wird ein Bei- über Bibliotheken zugänglich und zum trag von Prof. Dr. Wolfgang Benz, Zen- anderen ist er auch bereits nach meinem trum für Antisemitismusforschung, Ber- Kenntnisstand in der Presse nachgelin, erscheinen, der Entwicklung und druckt worden. Bedeutung des Antisemitismus in Mit freundlichen Grüßen Deutschland untersucht. Der Rest der Auflage von Heft 2/2004 Im Auftrag J. Faulenbach wird makuliert.

Herr Minister Schily hat mich gebeten, Ihr Schreiben zu beantworten. Sie stellen den Antrag, das Schreiben der Bundeszentrale für politische Bildung vom 2. April 2004 an die Abonnenten des „Deutschland Archivs“ ausdrücklich zu missbilligen und dies allen Empfängern des Schreibens mitzuteilen. Diesem Antrag werde ich nicht entsprechen, da ich das Verhalten der BpB grundsätzlich billige. In ihrem Aufsatz ziehen Sie aus Fakten oder Zitaten Schlußfolgerungen, die es aus meiner Sicht verständlich machen, daß sich die BpB von diesem Aufsatz distanzieren will. Sie erwecken z. B. auf Seite 238f Ihrer Ausführungen im Deutschlandarchiv den Eindruck, als seien die allermeisten Deutschen Sympathisanten der Juden gewesen. Sie empfehlen die „Einsicht“, daß die meisten Deutschen „weit mehr Opfer als Täter waren, Opfer freilich (??) in nicht so schrecklichem Ausmaße, wie das Gros der Juden“. Als Beleg zitieren Sie Victor Klemperer, der allerdings kaum als Zeuge der Solidarität der Deutschen mit den Juden sondern vielmehr als Chronist jüdischen Leidens anzusehen ist. Das Handeln der BpB verletzt nicht Ihre Rechte aus Artikel 5 Grundgesetz. Die BpB ist nicht verpflichtet, bestimmte Artikel zu veröffentlichen. Zudem ist der weitaus größte Teil der Auflage des Deutschlandarchivs ausgeliefert worden und z. B. auch in Bibliotheken einzusehen. Ihr Aufsatz ist in anderen Zeitungen und Leserbriefen von Ihnen zu kritischen Zeitungsmeldungen sind [sic] ebenfalls veröffentlicht worden. Ihre Dienstaufsichtsbeschwerde ist im Internet zu finden. Auch eine Zensur vermag ich daher nicht zu erkennen. Mit freundlichen Grüßen Im Auftrag Dr. Wattler

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Dokument 4

GfD
Prof. Dr. jur.. Konrad Löw Herrn Prof. Karl Eckart 3. 8. 2004 Lieber Herr Eckart, der Post von heute entnehme ich, daß die Fachgruppe Pol. Wiss. eine Tagung Anfang Dez. in Chemnitz plant. Seit über 25 Jahren war ich der Leiter dieser Fachgruppe. Doch von der Tagung erfahre ich aus der „Presse“. Wurde ich – ohne Benachrichtigung – entlassen? (Ich klebe auf keinem Pöstchen!)

Mit dem Tagungsbericht im Rundbrief, die Veranstaltung vom 5. März betreffend, kann ich gut leben, soweit er meine Ausführungen betrifft. Aber der Schluß entspricht ganz und gar nicht meiner Erinnerung. Ich weiß nichts von Widersprüchen und heftiger Diskussion. Jeder fundierte Widerspruch ist bis heute ausgeblieben. Wer hat ihn am 5. März geäußert? Tilman Mayer versuchte eine Zusammenfassung meiner Ausführungen, die ich ablehnen stets Ihr mußte, da sie meinen Gedankengang Konrad Löw nicht traf.

Damit bin ich bei der Diskussion des VorDokument 5 standes meine Person und meine Thesen betreffend. Ich kann der Gesellschaft nur Gesellschaft für weiter angehören, wenn mich der Vorstand von jedem Vorwurf freispricht oder Deutschlandforschung nachprüfbar konkret wird, so daß ich mich e. V. mit den Gegenargumenten auseinandersetzen kann. Für beides muß ich auf 12119 Berlin, Postfach 410965 Schriftform bestehen, damit es tunlichst Vorsitzender: Prof. Dr. Karl Eckart zu keinen Mißverständnissen kommt. Datum: 1. 11. 2004 Ob innerhalb der Gesellschaft oder außerhalb, ich werde fortfahren, so ge- Herrn Prof. Dr. Konrad Löw (...) wissenhaft wie möglich „heiße Eisen“ Betr.: Ihr Anruf vom 28.7. und Ihr Brief anzufassen, auch dann, wenn das Ergeb- vom 3.8.2004 nis das deutsche Volk in seiner Mehrheit entlasten sollte. Seit Jahrzehnten gehöre Sehr geehrter Herr Löw! ich nicht nur der GfD an, sondern auch Auf der Vorstandssitzung der Gesellder Gesellschaft für Menschenrechte, schaft für Deutschlandforschung ist am z Zt. zusammen mit Gesine Schwan im 30. Oktober 2004 in Leipzig über Ihre Kuratorium. Im Lauf der Jahre habe ich obige Angelegenheit ausführlich gespromich für Menschen aus aller Herren chen worden. Länder eingesetzt, warum dann nicht auch für Deutsche, wenn ich zu der Ich habe nichts weiter mitzuteilen. Überzeugung gelangt bin, daß die Mit freundlichen Grüßen Mehrheit von uns nicht von Verbrechern Karl Eckart abstammen. (Prof. Dr. Karl Eckart, Vors. der GfD) Mit den besten Grüßen

Oscar W. Gabriel/ Beate Neuss/ Günther Rüther (Hg.): Konjunktur der Köpfe? Eliten in der modernen Wissensgesellschaft, Droste Verlag 2004, 384 Seiten
Verfemte Begriffe melden sich zurück, wenn die Zeit ihrer bedarf. So geht es derzeit mit dem Thema „Patriotismus“, so ging es erst vor einem Jahr mit dem Thema „Elite“. Zwar gab es immer wieder Anläufe, das Thema zu artikulieren und ihre Unvermeidbarkeit auch für eine demokratische Gesellschaft her-

auszustellen, auch sind Elite-Studien keineswegs rar, aber erst seitdem „RotGrün“ Anfang 2004 das Thema „Elite“Hochschulen entdeckt hat und damit ein jahrzehntelanges Beschweigen oder gar Tabuisieren dieses Begriffs (weil immer mit „elitär“ verwechselt, den Nazis zugeschrieben und dem „68“ verkündeten anthropologischen Gleichheitspostulat widersprechend) in den eigenen Reihen beendete, ist der Begriff auch offiziell hoffähig geworden. Daher kommt ein Sammelband zur rechten Zeit, mit dem die Debatte über „Eliten“ (der Plural ist notwendig, weil es „die“ Elite nicht mehr gibt) und die mit ihnen zu verbindenden Fähigkeiten wieder angemessen geführt werden kann. Der umfangreiche Reader zeichnet sich nicht nur dadurch aus, dass er das Thema Elite auf alle möglichen gesellschaftlichen Einheiten

herunterbricht und sich Gedanken sowohl über Eliten in Unternehmen wie in Medien oder in Verbänden macht, sondern ist auch insofern anregend, weil er damit den historischen Rückblick verbindet, so bei Michael Salewski über Eliten im Kaiserreich oder über Eliten in der Diktatur und nach 1945. Vorgeschaltet ist all dem ein großes Kapitel über „Eliten in der Demokratie“, in dem sich unter anderem Wolfgang Schäuble zum seit dem legendären Duell zwischen Helmut Schmidt und Helmut Kohl umstrittenen Thema „Politik und Führung“ äußert und damit Oscar W. Gabriel sekundiert, der die Frage stellt: „Kann und soll Politik führen?“ Natürlich muss sie, in Krisenzeiten und Reformzumutungen ist Führung unabdingbar, ob sie das aber kann, ist die Frage (trefflich der Beitrag von Detlef Gries-

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welle), zumal der Eindruck ja nicht falsch ist, dass vielfach Wasser gepredigt und Wein getrunken wird. Und hat wiederum mit der Frage zu tun: wie künftige Eliten prägen? In einer Demokratie ist Zugehörigkeit nicht programmierbar, Platons Erziehungsdiktatur oder das „Konnexionswesen“ (Max Weber) der Kaiserzeit sind überholt. Zugehörigkeit kann sich heute wenn auch idealiter nur durch Leistung legitimieren (obwohl in der Realität die soziale Herkunft eine entscheidende Rolle spielt), und Leistung wiederum steht in einem engen Kontext mit Bildung, konkreter: Bildungsabschlüssen. Natürlich wird es immer wieder den Lehrling geben, der es zum Chef bringt, die Regel ist jedoch der möglichst akademische Abschluss, der erst den Start ermöglicht. Daher kommt der Frage nach dem Beitrag von Schule und Hochschule eine besondere Bedeutung zu, zumal die eingangs zitierte Elitendiskussion von „Rot-Grün“ genau hier angesetzt hat. In dem entsprechenden Kapitel (320 ff.) kommt dem Kenner vieles vertraut vor, der „brain drain“ (der ja so unumstritten auch nicht ist) als Gefahr für Deutschland als Forschungsstandort und dessen geringe auch finanzielle Attraktivität, die politisch dringend verbessert werden muss, die Diskussion um Hochbegabtenförderung und Elitebildung; allerdings begründet Hochbegabung nicht per se (underachiever!) einen solchen Zusammenhang, ich würde daher lieber von besonders leistungsfähigen (und auch leistungswilligen) Schülern sprechen, und die muss man wirklich fördern. Allerdings ist die derzeit wieder einmal geführte Diskussion um Einheitsschule und heterogene Klassen als soziales Ideal hier sicher nicht zielführend. Wohltuend, wie Rainer Pommerin die an Oxford oder Harvard orientierte Hochschuldebatte in Deutschland auf ein richtiges Maß zurückschraubt und Besinnung auf die eigenen Kräfte verlangt, und völlig richtig auch, wenn Max Kaase daraufhin verweist, dass durch private Universitäten („Stachel im Fleisch“) vieles in der allgemeinen hochschulpolitischen Debatte aufgebrochen ist, was noch vor wenigen Jahren undenkbar schien, ohne daraus schon ein „Modell“ für Deutschland ableiten zu können. Besonders hervorzuheben ist hier der Beitrag von EvaMaria Matthes über Wertebildung und Eliteförderung, die sich nicht scheut, endlich wieder einmal an „Bildung durch Wissenschaft“ als Kernaufgabe

der Universität zu erinnern, die ebenso wie Claudia Solzbacher auf die Bedeutung zielgerichteten erzieherischen und damit bildungspolitischen Handelns für die Heranbringung von Eliten – zentral für beide der Verantwortungsbegriff – aufmerksam macht und das Problem der Gemeinwohlorientierung in den Mittelpunkt ihrer Überlegungen stellt. Das führt freilich immer wieder auf die Frage, inwieweit Schule/Hochschule „Gegenwelt“ sein kann zu einer Gesellschaft, die eher dem organisierten Egoismus frönt. Insgesamt ein runder Band, der geeignet ist, die Elitendiskussion in Deutschland sinnvoll weiterzuführen.

nalreferentin und zum Ministerialbeamten. Der Leser gewinnt auf diesem Wege einen anschaulichen Eindruck von den oft sehr verschlungenen Wegen und wenig ursprünglichen Planungen und Wunschvorstellungen entsprechenden Tätigkeitsfeldern von Studenten der Geschichtswissenschaft, der Philosophie und der verschiedenen neueren Philologien. Aus den hier gebotenen Informationen lassen sich wegen ihrer Vielfalt und individuellen Prägung kaum deutliche und eindeutige Schlußfolgerungen treffen – außer daß die meisten Autoren trotz der mit einer Entscheidung für die genannten geisteswissenschaftlichen Studien verbundenen UnJörg-Dieter Gauger wägbarkeiten Gewinn aus diesen Studien gezogen haben. Die Beiträge der Bände sind allemal hilfreich, wenn man sich ein realistisches Bild von den Anforderungen des Berufslebens und den nötigen Qualifikationen machen möchte, um so eine informierte Studienentscheidung treffen zu können.
Till Kinzel

Heinz Ickstadt (Hg.), Berufe für Philologen, ISBN 3-534-18073-9; Helge Klausener (Hg.), Berufe für Philosophen, ISBN 3-534-18067-4; Margot Rühl (Hg.), Berufe für Historiker, ISBN 3-534-18072-0. Alle drei Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 2004, 144 S., je Euro 14,90.
Eine neue Reihe der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft, zu der die hier anzuzeigenden Bände gehören, widmet sich der Frage, welche Berufsmöglichkeiten bestimmte Universitätsstudien ermöglichen. Die Bände gehen dabei nicht wie die üblichen Ratgeber vor, die systematisch Tips zur Berufswahl zu geben versuchen. Zwar finden sich auch knappe Literaturverweise und Hinweise auf Kontakt- und Internetadressen, doch besteht der Hauptteil der Bände in z. T. lebendig geschriebenen Artikeln, die an konkreten Lebensläufen mögliche Berufsverläufe darstellen. Das Spektrum der vorgestellten Berufe reicht dabei vom Professor und Lehrer über Unternehmensberater, Verleger, Redakteur, Archivar, Übersetzer bis hin zur Perso-

Günter Zehm: Eros und Logos. Eine Geschichte der antiken Philosophie (Jenaer Vorlesungen I), Schnellroda: Edition Antaios, 2004, 319 S., ISBN 3-935063-41-5. € 25.
Günter Zehm (Jg. 1933), vielen Lesern dieser Zeitschrift sicher als langjähriger „Pankraz“-Kolumnist bekannt, dürfte einer der eigenständigsten philosophischen Köpfe unseres Landes sein. Nachdem Zehm in den fünfziger Jahren bei Ernst Bloch studiert hatte, dann als Dissident in der DDR für vier Jahre in Haft kam und schließlich in den Westen fliehen mußte, analysierte er z. B. am Beispiel Jean-Paul Sartres das Verhältnis von Historischer Vernunft und direkter Aktion, eine Fragestellung, die in den sechziger Jahren von größter Aktualität war. In Frankfurt studierte er bei Fetscher, Adorno und Carlo Schmid, entwickelte sich dann aber zunehmend zu einem eher konservativen Denker, ohne daß er jedoch zu antimodernen Positio-

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nen im Sinne des alten deutschen Konservatismus überging. Seit kurz nach der Wende nimmt Zehm einen Lehrauftrag als Professor an der Universität Jena wahr, wo er auch Anfeindungen seitens sogenannter „antifaschistischer“ Studenten ausgesetzt war, da er zu keiner Zeit bereit war, sich den Vorgaben der politischen Korrektheit unterzuordnen. In seinen philosophischen Vorlesungen versucht Zehm nun, wesentliche Gehalte des antiken Denkens für die Gegenwart zu bergen – eine zweifellos wichtige Aufgabe, ist doch die Überlieferung der Antike von einem Bedeutungsverlust ohnegleichen bedroht. Denn der Status der antiken Geschichte ist im schulischen Geschichtsunterricht in den letzten Jahren immer mehr marginalisiert worden, so daß es allzuoft nur vom einzelnen Lehrer abhängt, ob dieses Thema behandelt wird. Die substantielle Kenntnis antiker Mythologie, Literatur und Philosophie, die auf der untersten Stufe von eminent kulturhermeneutischem Belang ist, verdunstet gewissermaßen stark und muß deshalb immer wieder auf neue Weise vermittelt und in Erinnerung gerufen werden. Zehms lebendig (gelegentlich begrifflich fast salopp) geschriebene Darlegungen, die mit knappen, aber anregenden weiterführenden Überlegungen verbunden werden, führen in diese reichhaltige Welt ein, die sich in der Verschränkung von Logos und Eros zu einer der Grundlagen unserer Kultur entwickelte. Dabei folgt Zehm einer teils chronologischen, teils sachlichen Betrachtungsweise, indem er die wichtigsten Denker und ihre Schulen Revue passieren läßt. Gerade weil sich das Buch als Philosophiegeschichte in praktischer Absicht und somit als Hinführung zur weiteren Auseinandersetzung versteht und den Anspruch erhebt, an den originalen Quellen orientiert zu sein, ist es besonders schade, daß es versäumt wurde, die Zitate der antiken Denker mit den entsprechenden üblichen Nachweisen zu versehen. Erst dadurch aber würde vor allem der interessierte Student in die Lage versetzt, die Stellen problemlos nachschlagen zu können. So aber muß derjenige, der z. B. nicht über Bonitz’ „Index aristotelicus“ oder ähnliche Werke verfügt, erst mühsam auf die Suche nach den Fundstellen gehen. Die Anmerkungen sind deshalb insgesamt zu summarisch geraten.

lichen Irrsinn der mit der Chiffre „1968“ verbundenen Phänomene trefflich aufspießt. In leicht entschlüsselbarer Verhüllung macht die Autorin eine ganze Galerie prototypischer Figuren jener Jahre lebendig und reizt damit den Leser immer wieder zum Lachen, das einem gleichwohl im Halse steckenbleiben müßte. Bekanntlich aber ist das beste Mittel zur Entlarvung einer Ideologie das Lächerlichmachen – kein Wunder, daß etwa in der ZEIT sauertöpfisch die angeblich unerträgliche Bosheit der Autorin beklagt wird, wenn sie Habermas (unter dem satirischen Namen Mueller-Skripski) zum Gegenstand der Kritik macht. Das einzig schlimme, so wird man mutmaßen dürfen, liegt wohl darin, daß vieles, was den Nachgeborenen notgedrungen als Satire erscheint, der Wirklichkeit näher kommt als man denkt. Ein besonders hübsches Beispiel für den gelungenen Humor der Autorin findet sich in bezug auf den ZDF-Moderator Gerhard Löwenthal: Den Kindern der progressiven Familie wurde das Lied antrainiert, in dem es heißt „Die Milch wird sauer, das Bier wird schal/ Im Fernsehen spricht der Löwenthal/ Den Nazis werden die Augen feucht/ Der Horror durch die Stuben kreucht“. Die Tochter, die sich unter dem Horror einen freundlichen Herrn mit Spazierstock und Monokel vorstellt, der hinter dem Sofa im Fernsehzimmer herumkroch, hat nun Gelegenheit, bei einem Vortrag Löwenthals in ihrer neuen Schule (in Lüchow-Dannenberg, wohin die Familie gezogen war, um nun gegen die Atomkraft zu kämpfen) endlich zu Till Kinzel fragen, was es mit dem Horror auf sich habe. Löwenthals Antwort, die sie dann freudig ihren pro-kommunistischen Eltern beim Abendbrot auftischt: „Der Kommunismus ist der reinste Horror.“ Man kann sich die entsetzten Reaktionen der Eltern vorstellen – sie initiieren eine Unterschriftenaktion gegen den Schulleiter, man lasse sich seine progressive Erziehung schließlich nicht von einem CIA-Handlanger zunichte Sophie Dannenberg: Das machen. – Dannenbergs Roman belegt, bleiche Herz der Revolution. daß die schöne Literatur in den Händen Roman, München: Deutsche eines scharfen Beobachters für die Zeitdiagnose von unschätzbarem Wert ist. Verlags-Anstalt, 2004, Er stellt einen wertvollen Beitrag zur 303 S., ISBN 3-421-05830-X, Analyse dessen dar, was die KulturrevoEuro 19,90. lution von 1968 für die Kultur der Bundesrepublik Deutschland bedeutete, und Wärmstens zur Lektüre empfohlen sei ergänzt damit trefflich die einschlägigen der äußerst gelungene satirische Roman historischen Studien zum Thema. einer pseudonymen NachachtundsechTill Kinzel zigerin, die den politischen und menschInhaltlich ließen sich, wie bei allen solchen Darstellungen, hier und da Einwendungen gegen Zehms Deutungen machen. So könnte man sich eine ausführlichere Diskussion etwa des Höhlengleichnisses wünschen, die auch auf die wirkungsmächtige Interpretation Heideggers hätte eingehen müssen; und auch das Potential der Sokratisch-Platonischen Philosophie als Muster einer philosophischen Zeitkritik könnte weitaus stärker gemacht werden als es Zehm aufgrund seiner eigenen philosophischen Präferenzen tut. Skeptisch mag man schließlich auch gegenüber Zehms Ablehnung der klassischen Kategorienlehre sein, der gegenüber er bestenfalls die Kategorie der Substanz gelten lassen will. Aber wie dem auch sei: Zehm gibt in seiner Darstellung immer wieder Ausblicke auf den Unterschied und Zusammenhang antiker philosophischer Vorstellungen mit modernen naturwissenschaftlichen Ansätzen, so daß die Lektüre immer wieder Anlaß zur produktiven Kritik bietet, gerade indem sie den Horizont zu rekonstruieren sucht, aus dem heraus unser Weltverständnis wesentliche Prägungen erfuhr. (Ein zweiter Band – „Der Leib und die Seele. Von den vielen Wurzeln der menschlichen Vernunft“, 320 S., ISBN 3935063-42-3, € 25 – widmet sich einer philosophischen Untersuchung der sogenannten Affekte wie Liebe, Freude am Schönen, Heimatverbundenheit, Begeisterung für große Tat und edlen Traum, zielt also auf eine philosophischen Anthropologie.)

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Lois Lowry, Hüter der Erinnerung. Roman. 5. Aufl. 2001. Titel der amerikanischen Originalausgabe: The Giver. dtv junior extra. ISBN 3-423-78110-6
Lois Lowry, die 1937 in Honolulu, Hawaii, geborene Autorin wurde für dieses Buch mit der Newbery Medal, dem wichtigsten amerikanischen Jugendbuchpreis ausgezeichnet , sie schrieb es „Für all die Kinder, denen wir unsere Zukunft anvertrauen“. Die Geschichte handelt von Jonas, einem Jungen, der versorgt und behütet mit seinen Eltern und seiner kleinen Schwester in einer wohlgeordneten Gemeinschaft lebt. Er ist mit seinem bisherigen Leben sehr zufrieden und sieht mit Spannung der jährlichen Dezemberzeremonie entgegen, denn in diesem Jahr soll ihm sein Beruf zugeteilt werden. Obwohl er weiß, daß das Komitee mit Sicherheit keine Fehlentscheidung treffen wird – schließlich ist er die bisherigen 12 Jahre seines Lebens gut beobachtet worden, so daß seine Vorlieben und Talente bekannt sind – macht er sich Sorgen, weil er selbst nicht sicher ist, was er sich wünschen soll. Bei der vorgeschriebenen allabendlichen Gefühlsaussprache teilt er den Eltern seine Befürchtungen mit und, wie nicht anders zu erwarten, stärken die Eltern sein Vertrauen in das Urteilsvermögen des Komitees. Im weiteren Verlauf der Geschichte wird anhand der Erlebnisse von Jonas das Leben in einer perfekt organisierten Welt ohne Not, ohne Schmerz und ohne Risiko beschrieben. Es kommt bei den Mitgliedern der friedlichen und außerordentlich harmonischen Gemeinschaft kein Zweifel daran auf, daß es gut und richtig ist, wenn der Ältestenrat die totale Kontrolle über das Leben jedes Einzelnen ausübt, jeder befolgt die zahlreichen Regeln, denn er glaubt fest daran, daß sie zu seinem Besten aufgestellt wurden. Wer einen Wunsch hat, stellt den entsprechenden Antrag. So kommt man zu einen Ehepartner, dann zu einen Sohn und später einer Tochter, die dem antragstellenden Ehepaar aus dem Pool der jährlich exakt 50 Neugeborenen zugeteilt werden. Die Kinder werden von den in der Gesellschaft am wenigsten angesehenen

Gebärerinnen in die Welt gesetzt, kommen in ein Säuglingszentrum und erhalten in der am Ende des Jahres stattfindenden Einserzeremonie ihre Namen, ihre Eltern und ein Kuschelobjekt. In den folgenden Jahren ändert sich jeweils im Dezember ihr Leben nach Plan, einmal gibt es Kittel mit Knöpfen hinten, dann Jacken mit Knöpfen vorne; das alles ist genau durchdacht, denn kleine Kinder müssen sich ihre Kleidung gegenseitig zuknöpfen, erst die größeren schaffen das alleine. In einem anderen Jahr gibt es Fahrräder usw., bis dann in der Zwölferzeremonie der vom Komitee bestimmte Beruf bekannt gegeben wird. Sehr spannend wird beschrieben, wie Jonas zu seiner völligen Verwirrung zum neuen Hüter der Erinnerung bestimmt wird. Es gibt in der Gemeinschaft nur einen Hüter, der den vollkommenen Respekt der Gemeinschaft genießt, der über Sondervollmachten verfügt und der das Komitee bei seinen Entscheidungsfindungen berät. Der jetzige Hüter ist alt und braucht einen Nachfolger, den er im Laufe der nächsten Jahre ausbilden muß. Ab sofort spürt Jonas seine Sonderstellung und die damit verbundene Einsamkeit. Die neuen Verhaltensregeln, vor allem die nun erlaubten Regelverstöße führen dazu, daß in ihm die ersten Zweifel an der verordneten Idylle zu nagen beginnen. Er darf z. B. ab sofort lügen. „Plötzlich schoß Jonas ein unerhörter Gedanke durch den Kopf. Ein schrecklicher Gedanke. Was wäre, wenn andere – Erwachsene – bei ihrer Zwölfer-Zeremonie dieselbe schreckliche Anweisung erhalten hätten wie er? Was, wenn allen gesagt worden war: Lügen ist dir ab sofort erlaubt? In seinem Kopf drehte sich alles. Jetzt, da er die Erlaubnis hatte, auch die unhöflichsten Fragen zu stellen – und alle ihm antworten mußten –, war es da theoretisch nicht möglich (wenn auch ganz und gar unvorstellbar), daß er jeden Erwachsenen, beispielsweise seinen Vater, ganz einfach fragen könnte: Lügst du? Aber woher um alles in der Welt sollte er wissen, ob die Antwort, die er dann erhalten würde, auch stimmte?“ Damit beginnt Jonas selbständig zu denken. Er gelangt zu Erkenntnissen, die allen anderen Mitgliedern der Gemeinschaft vorenthalten werden.

Nur der Hüter der Erinnerung kennt Farben, Liebe oder Freiheit. Nur er erinnert sich an Sonne, Regen und Schnee, an die Zeit vor der Klimakontrolle. Nur er weiß, was Krieg, Hunger und Elend bedeuten, doch wenn er seine Erinnerungen an Jonas weitergegeben hat, sind sie für ihn selbst verloren. Zum Schluß wird er wieder so sein, wie die anderen Mitglieder der Gemeinschaft. Jonas wird, unter Anleitung des alten Hüters und dem Einfluß der Erinnerungen an die frühere Welt, immer unabhängiger in der Beurteilung seiner Gemeinschaft und spätestens jetzt fällt es dem jungen Leser gemeinsam mit Jonas wie Schuppen von den Augen, wie hoch der Preis für das Dasein ohne Leid und ohne Sorgen ist und wie brutal die Menschen von einem realen, selbstbestimmten Leben ferngehalten werden. Jonas’ Freude über die gewonnenen Erkenntnisse wächst täglich, aber natürlich auch sein Entsetzen und sein Schmerz. Er leidet sehr darunter, daß er seine Erfahrungen und seine Gedanken nicht mit den alten Freunden teilen kann. Nach ungefähr einem Jahr Ausbildung steht fest: er wird fliehen und der alte Hüter wird ihm dabei helfen. Doch plötzlich überstürzen sich die Ereignisse: Jonas’ kleiner Bruder Gabriel, ein Säugling, der im Säuglingszentrum nur schreit und seit einigen Monaten ausnahmsweise und völlig gegen die Regeln in Jonas’ Zimmer schlafen darf, soll plötzlich freigegeben werden, so daß Jonas gezwungen ist zu handeln (die Bedeutung der Freigabe soll hier nicht verraten werden). Ein hochpolitisches Buch, das durch den sympathischen Helden einer spannenden Geschichte deutlich macht, wie trügerisch absolute Sicherheit mit staatlicher Rundumversorgung ist und welche Gefahren uns drohen, wenn wir Freiheit und Demokratie nicht verteidigen; eine empfehlenswerte Lektüre, nicht nur für Jugendliche.
Brigitte Pötter

Lesetip am Ende des Kant-Jahres:
Volker Gerhard: Immanuel Kant, Vernunft und Leben. Stuttgart 2002, ISBN 3-15-018235-2, 8,60 Euro

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Zu guter Letzt

Personalrat ist teuer – Berichte aus dem Alltag
In einem deutschen Musterländle suchte ein Professor eine neue Sekretärin, denn die alte wollte sich zur Ruhe setzen. Es gelang ihm, die zweimonatige Wiederbesetzungssperre in die vorlesungsfreie Zeit zu legen. Die Stelle wurde in den Mitteilungen des Rektorats ausgeschrieben, und es meldeten sich fünf Bewerberinnen. Der Professor lud die, die ihm am geeignetsten erschien, zu einem Vorstellungsgespräch ein, bot ihr die Stelle an, erhielt ihre Zusage und beauftragte das Personaldezemat der Universität, sie einzustellen. Die Auserkorene hatte bislang eine halbe Stelle bei einem Pfarramt und wollte dort möglichst frühzeitig kündigen, um für die Suche einer Nachfolgerin genug Zeit zu lassen. Man hatte die Rechnung ohne den Personalrat der Universität gemacht, denn dieser muß der Einstellung nicht-wissenschaftlicher Mitarbeiter zustimmen. Der Personalrat verlangte eine öffentliche Ausschreibung in der Lokalzeitung. Kostenpunkt: € 1.726 – zu finanzieren aus dem Haushalt des Lehrstuhls. Bewerbungsfrist: mindestens zwei Wochen. Der Professor suchte eine Ganztagssekretärin, aber das durfte nicht in der Anzeige stehen. Auszuschreiben war eine „Vollzeitstelle im Sekretariat“ – also auch für männliche Bewerber. Außerdem mußte die Stelle für teilbar erklärt werden. Schwerbehinderte würden bei gleicher Eignung vorgezogen. Es meldeten sich 429 Bewerber/-innen – darunter 36 männliche. Der Eingang der Bewerbungen mußte bestätigt werden (Portokosten: € 235,95). Einen Tag nach Ablauf der Bewerbungsfrist sprach der Schwerbehindertenbeauftragte – ein Hausmeister – vor. Alle Bewerbungen von Schwerbehinderten seien ihm vorzulegen. In der rekordverdächtigen Zeit von knapp vier Stunden sah der Professor alle 429 Bewerbungen auf Schwerbehinderte durch und wurde in elf Fällen fündig. Er legte dem Hausmeister schriftlich dar, weshalb diese Bewerber/-innen nicht oder jedenfalls weniger geeignet seien. Der Schwerbehindertenbeauftragte bestand jedoch darauf, daß fünf Damen, die er in weniger als zehn Minuten aussuchte, einzuladen seien. Die Ausschreibung hatte außerdem zur Folge, daß nun alle internen Bewerberinnen zur Vorstellung eingeladen werden mußten, denn sie sind bei gleicher Eignung vorzuziehen. Es dauerte einige Zeit, bis alle Vorstellungsgespräche abgewickelt waren. Jede „Kandidatin“ mußte ausdrücklich erklären, ob sie die Anwesenheit der Frauenbeauftragten wünsche. Dazu war ein Formular auszufüllen und der Frauenbeauftragten zuzuleiten. Ihre Teilnahme wurde nicht gewünscht. Vor dem nächsten Gespräch mit dem Schwerbehindertenbeauftragten legte der Professor jeweils auf einer maschinengeschriebenen Seite dar, weshalb jede der fünf eingeladenen Schwerbehinderten weniger geeignet sei. Dabei war zu berücksichtigen, daß nicht nur die Behinderung, sondern auch das Alter der Bewerberinnen als Eignungsmerkmal ausschied, obwohl für den Professor davon abhing, ob er vor seiner Emeritierung noch einmal eine Sekretärin einstellen und einarbeiten müßte. Da die Begründungen überprüfbar sein mußten, kamen eigentlich nur die Zeugnisse und die Ergebnisse eines Englisch-Tests in Frage, den der Professor selbst durchgeführt hatte. Zur großen Erleichterung des Professors akzeptierte der Hausmeister diesmal die Begründungen. Nun legte der Professor dem Personalrat und dem Personaldezernat in einem drei Seiten langen Schreiben dar, daß alle Anforderungen erfüllt worden seien und daß die ursprünglich vorgeschlagene Bewerberin immer noch die geeignetste sei. Studentische Hilfskräfte trugen die 434 Bewerbungsschreiben in sechs großen gelben Postkästen zu dem Gebäude, in dem der Personalrat tagt. Zur großen Enttäuschung des Professors sah sich der Vorsitzende des Personalrats nicht in der Lage, die Einstellung der Sekretärin auf die Tagesordnung der nächsten Personalratssitzung zu setzen. Bei so vielen Bewerbungen brauche man einfach mehr Zeit, um genügend Stichproben vornehmen zu können. (Kommt Zeit, kommt Personalrat.) Aber auf der übernächsten Sitzung war es so weit: der Personalrat gab grünes Licht. Seit dem ersten Einstellungsgesuch waren zwei Monate vergangen. 433 Bewerber/ -innen erhielten ihre Unterlagen zurück (Portokosten: € 617,76). Das Pfarramt konnte gerade noch im Rahmen der Kündigungsfrist benachrichtigt werden. Professor Dr. Roland Vaubel lehrt Politische Ökonomie an der Universität Mannheim.

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Bund Freiheit der Wissenschaft
Aufgabe des Vereins, Satzung Der Bund Freiheit der Wissenschaft setzt sich für die Freiheit der Wissenschaft und die Leistungsfähigkeit der Hochschulen und Schulen ein. Er wurde am 19. November 1970 in Bad Godesberg gegründet und ist eine überparteiliche Vereinigung zur Verteidigung der Freiheit der Wissenschaft, der Freiheit von Forschung, Lehre und Studium. Auf der Grundlage der freiheitlich-demokratischen Rechtsordnung der Bundesrepublik Deutschland und im Bewußtsein der gesellschaftlichen Verantwortung der Wissenschaft setzt sich der Verein unter Ausschluß von parteipolitischen Bindungen zur Aufgabe: 1. die Freiheit von Forschung, Lehre und Studium zu wahren und zu fördern, 2. sich jeder Unterwerfung unter die Machtansprüche einzelner Gruppen oder Interessen zu widersetzen, 3. auf eine Politik zu drängen, die eine stetige Verbreiterung der Bildungschancen mit der Erhöhung der Leistungsmaßstäbe verbindet.

Der Satzungszweck wird verwirklicht insbesondere durch die Durchführung wissenschaftlicher Veranstaltungen und Forschungsvorhaben, Publikationen und Informationen der Öffentlichkeit über die Situation von Hochschule, Schule und Wissenschaft (§ 2 der Satzung). Die vollständige Satzung kann mit dem in diesem Heft abgedruckten Bestellschein angefordert werden. Vorstand: Vorsitzende Dr. Hans Joachim Geisler, Dernburgstr. 53, 14057 Berlin, Tel. (0 30) 3 22 31 58, Fax über BFW-Büro, E-Mail hjgeisler@gmx.de Oberstudiendirektor Dr. Winfried Holzapfel, An der Ölmühle 16, 47608 Geldern, Tel. (0 28 31) 44 16, Fax (0 28 31) 99 29 72, E-Mail dr.winfried.holzapfel@t-online.de Professor Dr. Dr. Kurt J. Reinschke, Wachwitzer Bergstr. 32, 01326 Dresden, Tel. (03 51) 2 68 61 66 E-Mail kr@erss11.et.tu-dresden.de Schatzmeister Professor Dr. Günter Püttner, Schwerdstr. 3, 67346 Speyer Tel. (0 62 32)7 19 97

Erweiterter Vorstand: Professor Dr. Wolfgang Dreybrodt, Bekassinenstr. 86, 28357 Bremen, Tel. (04 21) 27 18 79 E-Mail dreybrodt@t-online.de Oberstudiendirektor Josef Kraus, Fürstenstr. 59, 84032 Ergolding, Tel. (08 71) 6 86 74, Fax (08 71) 63 03 90, E-Mail josef.kraus@landshut.org Professor Dr. Klaus-Dieter Rosenbaum, Bärenfelsallee 20, Gutshaus Rustow, 17121 Loitz, Tel./Fax (03 99 98) 3 12 93, E-Mail rosen@uni-greifswald.de Professor Dr. Winfried Schlaffke, Rüdellstr. 10, 50737 Köln, Tel. (02 21) 74 71 59, Fax (02 21) 7 40 52 50, E-Mail w.schlaffke@t-online.de Professor Dr. Gerd Wechsung, Rosenweg 3, 07751 Cospeda, Tel. (0 36 41) 44 76 73

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Regionalbeauftragte Baden-Württemberg: Professor Dr. Jürgen Kullmann, Panoramastr. 27, 72116 Mössingen, Tel. (0 74 73) 57 68 oder (0 74 73) 27 24 68, Fax (0 74 73) 2 67 68, E-Mail: juergen.kullmann@uni-tuebingen.de Bayern: Oberstudiendirektor Willi Eisele, Kiefernweg 1, 82515 Wolfratshausen, Tel. (0 89) 74 55 04 20, (08171) 410923, E-Mail: willi.eisele@gmx.de Berlin und Brandenburg: Frau Dr. Brigitte Pötter, Landauer Str. 6, 14197 Berlin, Tel. (0 30) 82 70 27 34, Fax (0 30) 82 70 27 36, E-Mail: bpoetter@gmx.de Bremen: Professor Dr. Wolfgang Dreybrodt, Bekassinenstr. 86, 28357 Bremen, Tel. (04 21) 27 18 79, E-Mail: dreybrodt@t-online.de Hessen: Frau Professor Dr. Lilo Süllwold, Guiollettstr. 53, 60325 Frankfurt am Main, Tel. (0 69) 72 74 92 Privatdozent Dr. habil. Siegfried Uhl, Homburger Landstraße 225/I 408, 60435 Frankfurt am Main, Tel. (0 69) 3 89 89-5 57, Fax (0 69) 3 89 89-2 33, E-Mail: s.uhl@help.hessen.de Mecklenburg-Vorpommern: Professor Dr. Klaus-Dieter Rosenbaum, Bärenfelsallee 20, Gutshaus Rustow, 17121 Loitz Tel./Fax (03 99 98) 3 12 93, E-Mail: rosen@uni-greifswald.de

Niedersachsen: Wiss. Oberrat a. D. Dr. Hartmut Schustereit, Lüner Weg 81, 21337 Lüneburg, Tel. (0 4131) 86 08 46 E-Mail: schustereit@freenet.de Nordrhein-Westfalen: Studiendirektor Norbert Schlöder, Pater-Delp-Str. 11, 47877 Willich, Tel. (0 2154) 7 02 47, Fax (0 2154) 8 76 84, E-Mail: nschloeder@aol.com Sachsen: Professor Dr. Dr. Kurt J. Reinschke, Wachwitzer Bergstr. 32, 01326 Dresden, Tel. (03 51) 2 68 6166 E-Mail: kr@erss11.et.tu-dresden.de Thüringen: Professor Dr. Gerd Wechsung, Rosenweg 3, 07751 Cospeda, Tel. (0 36 41) 44 76 73 Sektion Berlin-Brandenburg: Vorsitzender: Professor Dr. Hans Peter Berlien, Rudower Str. 48, 12351 Berlin, Tel. (0 30) 8 26 60 88, Fax (0 30) 60 04-38 70, E-Mail: sektion.bund.freiheit.wiss@gmx.de Abonnement der Zeitschrift fdw Jahresabonnement für Nichtmitglieder: 12,– Euro inkl. Porto und Versandkosten. Für Mitglieder des Bundes Freiheit der Wissenschaft ist der Verkaufspreis durch den Mitgliedsbeitrag abgegolten. Auch Spender erhalten die Zeitschrift kostenlos. Bitte verwenden Sie für ein Abonnement einfach den beigefügten Abschnitt.

Mitgliedschaft, Jahresbeiträge Schüler, Studenten 15,– Euro, Berufsanfänger 50,– Euro, Einzelmitglieder 100,– Euro, Fördermitglieder 125,– Euro, Mitglieder aus den neuen Bundesländern 75,– Euro. Mitglieder erhalten die Zeitschrift „Freiheit der Wissenschaft“ und sonstige Veröffentlichungen des BFW kostenlos. Mitgliedsbeiträge sind steuerbegünstigt (s. u.); sie erhalten ohne Aufforderung eine Spendenbescheinigung. Bitte verwenden Sie die beigefügte Beitrittserklärung und zur Vereinfachung der Zahlungen am besten auch die beigefügte Ermächtigung zum Bankeinzug. Spenden Für Spenden auf das Konto Nr. 0 233 858, (BLZ 380 700 24) Deutsche Bank Bonn ist der Bund Freiheit der Wissenschaft dankbar. Spenden an den Bund Freiheit der Wissenschaft sind steuerbegünstigt (s. u.). Sie erhalten ohne Aufforderung eine Spendenbescheinigung. Für regelmäßige Spenden können Sie zur Vereinfachung der Zahlungen am besten die beigefügte Ermächtigung zum Bankeinzug benutzen. Der Bund Freiheit der Wissenschaft e. V. ist wegen Förderung der Wissenschaft und der Volksbildung (entspr. Abschnitt A Nr. 4 der Anlage 1 zu § 48 Abs. 2 EStDV) nach dem letzten uns zugegangenen Freistellungsbescheid des Finanzamts für Körperschaften I von Berlin, StNr 27/661/54861, vom 26. 6. 2003 für die Jahre 2000, 2001 und 2002 nach § 5 Abs. 1 Nr. 9 des Körperschaftssteuergesetzes von der Körperschaftssteuer befreit, weil er ausschließlich und unmittelbar steuerbegünstigten gemeinnützigen Zwecken im Sinne der §§ 51 ff. AO dient.

Bestellschein
An den Bund Freiheit der Wissenschaft, Bundesgeschäftsstelle Charlottenstraße 65, 10117 Berlin-Mitte

Name, Vorname, Titel Straße, Hausnummer, PLZ, Ort

Ort, Datum, Unterschrift

Ich bitte um kostenlose Zusendung ■ der Satzung des Bundes Freiheit der Wissenschaft e.V. der letzten Nummern der Zeitschrift Freiheit der Wissenschaft: ■ Dezember 2003 ■ März 2004 ■ Juni 2004 ■ September 2004 ■ Ich bestelle zum Preis von 7,50 Euro die Broschüre über das 34. Bildungspolitische Forum des Bundes Freiheit der Wissenschaft „Freiheit und Verantwortung in Forschung, Lehre und Studium - Die ethische Dimension der Wissenschaft“ am 27. Februar 2004 in Berlin mit den Beiträgen der Referenten. ■ Bitte senden Sie mir (kostenlos) die Korrekturseite zum Vortrag von Dieter Lenzen (FdW September 2004). ■ Aus der Zusammenstellung „Veranstaltungen und Veröffentlichungen des BFW 2000 bis 2004“ (oben Seite ***) bestelle ich die angekreuzten Nummern ቢ ባ ቤ ብ ቦ ቧ ቨ ቩ ቪ ቫ ቭ ቮ ቯ Sie sind kostenlos. Nr. 14 siehe oben 34. Forum. ■ Ich bestelle zum Preis von 7,50 Euro die Broschüre über das 34. Bildungspolitische Forum des Bundes Freiheit der Wissenschaft „Freiheit und Verantwortung in Forschung, Lehre und Studium – Die ethische Dimension der Wissenschaft“ am 27. Februar 2004 mit den Beiträgen der Referenten. ■ Ich bestelle zum Preis von 7,50 Euro die Broschüre über den Vortrag von Professor Dr. Ulrich Battis am 27. August 2003 beim Bund Freiheit der Wissenschaft über „Mehr oder weniger Bildungsföderalismus? Kompetenzen des Bundes und der Länder in der Hochschulund Schulgesetzgebung“. ■ Ich bestelle zum Preis von 5,– Euro die Broschüre über den Vortrag von Oberstudiendirektor Josef Kraus am 18. Juni 2003 beim Bund Freiheit der Wissenschaft in Berlin über „Lehrerimage, Lehrernachwuchs und Lehrerbildung“. ■ Ich bestelle zum Preis von 7,50 Euro die Broschüre „Notizen zur Geschichte des Bundes Freiheit der Wissenschaft“, Dezember 2001. Für Mitglieder und Spender sind die Broschüren kostenlos.

Vereinfachte Zahlung durch Bankeinzug
An den Bund Freiheit der Wissenschaft, Bundesgeschäftsstelle Charlottenstraße 65, 10117 Berlin-Mitte
Hiermit ermächtige(n) ich/wir den Bund Freiheit der Wissenschaft e.V. widerruflich, die von mir/uns zu entrichtenden Zahlungen bei Fälligkeit zu Lasten meines/unseres Kontos mittels Lastschrift einzuziehen. Wenn mein/unser Konto die erforderliche Deckung nicht ausweist, besteht seitens des kontoführenden Kreditinstituts keine Verpflichtung zur Einlösung. Teileinlösungen werden im Lastschriftverfahren nicht vorgenommen. Name, Vorname, Titel Straße, Hausnummer, PLZ, Ort Kto.-Nr. Kreditinstitut BLZ ■ ■ ■ ■ ■ ■ Jahresbeitrag Einzelmitglied Jahresbeitrag Mitglied aus den neuen Bundesländern Jahresbeitrag Berufsanfänger Jahresbeitrag Schüler/Student Jahresbeitrag Fördermitglied Jährliche Spende 100,– Euro 75,– Euro 50,– Euro 15,– Euro 125,– Euro

Ort, Datum, Unterschrift

4/2004 fdw

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Einladung
Bund Freiheit der Wissenschaft e.V.
Wir laden Sie ein zu einer

Tagung
vom 18. bis 20. Februar 2005 in Gummersbach

Klimaprognosen – Aussagekraft der Modelle und Handlungsstrategien
Gemeinsame Veranstaltung des Bundes Freiheit der Wissenschaft und der Friedrich-Naumann-Stiftung
Wissenschaftliche Informationen sind eine wichtige Grundlage persönlichen und politischen Handelns. Bürger wie Politiker sind es gewohnt, neue und oft überraschende Erkenntnisse von den Wissenschaftlern zu erhalten. Viele können sich noch erinnern, als wir vom Waldsterben erfuhren und ein Großteil der Umweltpolitik sich auf die Rettung der Wälder zu konzentrieren begann. Seit einigen Jahren werden wir über den Treibhauseffekt mit seinen zu erwartenden Klimaveränderungen informiert. Infolgedessen ist das Kyoto-Protokoll in aller Munde, soll seine Umsetzung uns doch vor der globalen Erwärmung und den möglichen Folgen schützen, die als „eindeutige“ Szenarien von drohender Dürre oder Überschwemmung bis zu neuen Eiszeiten reichen. Wie verläßlich ist die Vorhersagekraft der unterschiedlichen Klimamodelle, wie werden die Ergebnisse von der Politik programmatisch umgesetzt, wie von den Medien verkauft, wohin fließen die finanziellen Mittel? Die Veranstaltung wird den prophezeiten Katastrophen fundierte wissenschaftliche Erkenntnisse und Beobachtungen gegenüberstellen und sich kritisch mit der Darstellung der Forschungsergebnisse in der Öffentlichkeit und deren Nutzbarmachung durch die Politik auseinandersetzen. Die Veranstaltung wird an einem Wochenende von Freitag 18. bis Sonntag 20. Februar 2005 vom Bund Freiheit der Wissenschaft in Kooperation mit der Friedrich-Naumann-Stiftung durchgeführt. Die Tagung findet statt in der Theodor-Heuss-Akademie, Theodor-Heuss-Str. 26, 51645 Gummersbach-Niederseßmar (Adresse: Postfach 340129, 51623 Gummersbach, Tel. 0 22 61/30 02-0. Fax 0 22 61/30 02-135 oder 21). Die Akademie in Gummersbach, in schöner Lage nahe Köln (vom Flughafen Köln zur Stiftung braucht man nur _ Stunde) bietet gute Zimmer und ausgezeichnetes Essen. Teilnehmer zahlen einen Tagungsbeitrag von 80 € für Unterkunft (2 Übernachtungen bei Unterbringung im Doppelzimmer; Einzelzimmerzuschlag insgesamt 30,– € , d.h. pro Nacht 15,– €) und Mahlzeiten. Verlauf der Tagung: Sie beginnt voraussichtlich am Freitag 18. 2. mit einem Abendessen von 18 bis 19 Uhr, der Begrüßung und Vorstellung der Teilnehmer, einem Überblick über das Programm und Gelegenheit zu ersten Gesprächen. An den folgenden Tagen werden einzelne Themen jeweils mit einem Referat von 45 Minuten und anschließender Diskussion von 45 Minuten behandelt: Am Samstag 19. 2. zwei Themenkreise von 9 bis 12.30 Uhr, nach dem Mittagessen nochmals zwei Themenkreise von 14.30 bis 18 Uhr. Nach dem Abendessen ist Gelegenheit zu Gesprächen. Am Sonntag 20. 2. werden von 9 bis 12.30 Uhr nochmals zwei Themenkreise behandelt. Die Tagung schließt mit einem kleinen Empfang. Die Themen der Referate und die Referenten stehen zur Zeit des Redaktionsschlusses dieser Zeitschrift (1. Dezember) noch nicht endgültig fest. Interessenten können ab 1. Januar 2005 beim Bund Freiheit der Wissenschaft das genaue Programm und Anmeldungsunterlagen anfordern. Sie finden dafür am Schluß der Zeitschrift einen entsprechenden Abschnitt. Tagungsadresse: Friedrich-Naumann-Stiftung, Theodor-Heuss-Akademie, Theodor-Heuss-Str. 26, 51645 Gummersbach-Niederseßmar. Für den Bund Freiheit der Wissenschaft Dr. Hans Joachim Geisler OStDir. Dr. Winfried Holzapfel Vorsitzende Professor Dr. Dr. Kurt J. Reinschke

Ich interessiere mich für die Tagung vom 18. bis 20. Februar 2005 in Gummersbach über Klimaprognosen. Bitte senden Sie mir die Anmeldungsunterlagen. Name, Vorname, Titel _______________________________________________________ Adresse __________________________________________________________________ Unterschrift _______________________________________________________________
An den Bund Freiheit der Wissenschaft, Geschäftsstelle, Charlottenstr. 65, 10117 Berlin. Telefon: 0 30/20 45 47 04. Fax: 0 30/20 45 47 06. e-mail: bund.freiheit.wissenschaft@t-online.de
        
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